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Genesis Secunda
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 Betreff des Beitrags: Erinnerung - Ragueliten Kurzgeschichte
BeitragVerfasst: 17.11.2014 - 21:28 

Registriert: 11.04.2013 - 21:28
Beiträge: 1186
Die Kurzgeschichte basiert auf der Version der Ragueliten wie ich sie hier beschrieben habe.

Erinnerung

Angst spielte seine übliche Melodie als ich in dem kalten und nassen Raum aufwachte. Mein Atem war ruhig, da ich nicht darüber nachdachte, warum ich hier war und was seit meiner Ankunft in dem Raum passiert war. Aber ich konnte mich nicht selbst anlügen, denn vergessen hatte ich weder das eine noch das andere und so spielte Angst seine Melodie als mein Herz schnell und hektisch schlug im Takt mit dem pochenden Schmerzen in meiner Brust. Geschwächt von Hunger und mangelnder Meditation blickte ich auf meine nackte Brust und sah hunderte von kleinen gelben Eiterbeulen. Und sie fühlten sich lebendig an. Jede kleine Beule kribbelte als wäre Leben darin.
Und Angst spielte weiter seine Melodie, auch wenn ich versuchte nicht zuzuhören. Ich drückte meinen Rücken gegen die Wand als könnte ich so mich vor der Melodie verstecken, als wäre sie ein Ding außerhalb von mir und nicht eine Schöpfung meines eigenen Verstandes. Dabei merkte ich wie meine Schwingen sich anspannten. Manchmal vergaß ich, dass jene überhaupt da waren. Es war Teil der Melodie, also dachte ich nicht darüber nach, versuchte nicht darüber nachzudenken und schlug fehl nicht darüber nachzudenken. Ich war ein Engel Raguels, ein Engel der Bewahrung und dies war meine letzte Prüfung. Wenn ich nur lang genug aushalten würde, nur lange genug die Melodie ignorieren würde, lange genug in Schmerzen und Qualen, Dunkelheit und Stille verweilen konnte, dann hätte ich meine Pflicht erfüllt.
Stark zitternd blickte ich zu dem großen rechteckigen Spiegel gegenüber von mir und fragte schwach: „W-Wie… lange noch?“
Ich bereute die Frage, denn plötzlich begann meine Brust zu schmerzen. Die Melodie der Angst wurde lauter und ich wollte nicht hinsehen, nicht hinhören – aber reflexartig blickte ich auf meine Brust. Als die ersten Fliegen aus den Eiterbeulen schlüpften, begann ich zu schreien.

„Ich werde mich der Mission annehmen.“, erklärte ich laut, meine Stimme hallend in dem großen Saal.
In einem Amphitheater-förmigen Saal saßen hunderte von Engeln, Monachen, Beginen und Templer und blickten zu mir. Alle saßen auf fein-geschnitzten Holzbänken und an den Seiten des Saals hingen große Stoff-Banner mit dem Zeichen der Ragueliten und dem Wappen der Streitwagen-Loge. Niemand sprach und alle erwarteten still die Reaktion des Bischofs auf der Bühne vor ihnen stand oder erwarteten einen Einwand von jemand anderen im Raum. Aber es gab keinen Einwand für eine simple Feststellung und so schüttelten die meisten nur ihren Kopf oder blickten mit einer Mischung aus Verwirrung und Missgunst zu mir.
Ich war aufgestanden, aber die Begine rechts neben mir und der Scriptura-Engel links von mir waren nun einfach ebenso groß wie ich. Daher war ich nicht verwundernd als der Bischof fragte: „Und was sind… eure Gründe, dies als…“
Sein Ton war holprig und stockend. Er fürchtete mich nicht und er wusste, was ich wollte. Jedoch war dies eine raguelitische Loge und meine Aktion war so unorthodox, dass darauf orthodox zu reagieren eine Schwierigkeit war. Denn niemand sprach so pragmatisch in einer Loge. Komplexität wurde mehr geschätzt als Direktheit. Die endlosen Ambiguitäten aller Möglichkeiten zu erfassen war wichtiger als sich auf einen Kurs festzulegen. Nein, mein Vorgehen war nicht orthodox gewesen.
„Mein Name ist Thorgriel und ich habe versagt. Und diese Mission wäre meine Chance, meine Schuld teilweise zu tilgen.“, erklärte ich.
„Du verdienst aller unser Mitgefühl, Thorgriel von den Gefallenen.“, sagte ein hochgewachsener Engel in einer der unteren Reihen rechts von mir. Er nannte nicht seinen Namen, denn auch dies war unorthodox in einer Loge. „Und dein Wille, der Loge und dem Orden zu dienen ist lobenswert, aber…“ ‚Aber‘, natürlich gab es ein ‚aber‘.
Ein Monach links von mir erhob aber in diesem Moment seine Stimme. „Es bedarf Überzeugung und Mut seine Absicht dieser Loge so… unverblümt klarzumachen, Thorgriel.“ Der hochgewachsene Engel blickte wütend in die Richtung des Monachen und fragte betont neutral. „Ihr habt sicherlich ein Argument mit diesen Worten zu machen, wenn ihr bereits mir die Chance für selbiges genommen habt.“ Auch wenn der Engel sicherlich bereits länger und erfolgreicher der Kirche gedient hatte als jener Monach, so wurden sie in diesem Raum allein bei deren Argumenten gemessen – und nichts anderem.
Und so war es nicht überraschend, dass der Monach keinster Weise eingeschüchtert wirkte und sagte: „Nicht jede konventionelle Lösung ist auch die beste und ist nicht jeder Geniestreich zu Beginn gleich einem Narren, der wagemutig am Rand eines Abgrunds wandert?“
Ein älterer Engel am anderen Ende des Saales sagte daraufhin zustimmend: „Weise Worte. Der Beginn jedes Pfades ist das Wagnis nicht zurückzublicken und sich der Zukunft zu stellen, was auch immer jene sein mag. Ich sage: Thogriel will dieser Mission sich annehmen? Lasst uns ihm erlauben, dieses Wagnis eingehen und wir werden sehen, wohin ihn sein Pfad führen wird.“

Der Horizont verschwand in dem grauen Nebel eines zwielichtigen Tages, der bitter und eisig die Landschaft in ein einsames Gefängnis verwandelte. Und der böige Wind heulte in dem Gefängnis wie ein wehleidiger ausgedehnter Schrei, die Leute von Skargrad in ihre Häuser treibend, die eine dreckige Stadt mit schäbigen Steinhäusern und hoehen Mauern bildeten, begraben unter dem Rauch und dem Gestank eines Lebens ohne Luxus oder Hoffnung. Jedoch war es der riesige Turm in dessen Mitte, welcher die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog, da dessen geschwärzte, solide Fassade ihn wie eine Miniaturversion eines Himmels wirken ließ. Und das war er auch, denn die Ragueliten hatten der Stadt geholfen, den Turm zu errichten. Nun jedoch strömte ein kränklich gelber Rauch aus dessen metallenen Essen an der Spitze. Eine Dunkelheit ganz unähnlich der einer Nacht hatte Einzug in dem Turm von Skargrad gefunden.
„… und so hast du letztendlich nur die linke Tür zu nehmen, welche dich in das Zimmer des Diadochen führen. Und dann könnt ihr euren Auftrag ausführen, Engel Raguels.“, beendete der Templer seinen Vortrag.
Ich blickte immer noch auf den Turm als der Templer etwas irritiert fragte: „Habt ihr mir überhaupt zugehört?!“
„Das habe ich.“, erwiderte ich knapp und blickte zu ihm lächelnd. Ich nahm meine Vibrolanze in die Hand und stellte sicher, dass meine Gürteltasche fest verschlossen war.
„Ihr habt nicht zugehört, nicht wahr?! Was ist das letzte, was ich gesagt habe?“ Seine Stimme war erfüllt von Sorge, aber auch Unverständnis. Er glaubte, dass ich verrückt war, dies zu machen.
„Du hast gefragt, ob ich dir zugehört habe.“, erwiderte ich und schwang mich in die Luft auf die Stadt zufliegend.

Eine Sache, die mich erstaunt hatte im meinen Umgang mit Ketzern war wie häufig sie tatsächlich von Engeln überrascht wurden. Warum würden sie so blind gegenüber der Gefahr sein, welche ich und meine Geschwister für sie darstellen? Weil sie nie nach oben blickten. Es war eine seltsame Angewohnheit für Menschen, aber desto weniger Glauben sie hatten, desto seltener blickten sie in den Himmel. Der Himmel hielt nichts bereit für Menschen als mit all den Dingen konfrontiert zu werden, die jenseits von deren Macht standen. Und die Angeliten sahen sich zumindest damit befriedet zu wissen, dass ihnen Gott entgegenblicke würde, wenn sie in den Himmel schauten, aber Ketzer fanden dort nur die unbarmherzige Botschaft ihrer eigenen unveränderlichen Bedeutungslosigkeit gemessen an der unerfassbaren Endlosigkeit des Himmels.
In nur wenigen Momenten war ich bereits über die Stadtmauer geflogen, herabblickend auf Häuser, die schwarze Asche in die Luft spuckten und eine warme Zuflucht von den schlammigen Straßen boten, welche voll von Menschen waren, die laut, lebhaft und miserabel sich an ihre Existenz klammerten in dem Versuch Frieden und Freude zu finden. Und hier in Skandinavien war selbst diese Existenz vorzüglicher als in der Wildnis dieser Einöde zu überleben. Das Leben in Skandinavien würde immer ein Test der Willenskraft und Stärke sein, egal wie sehr man suchte sich mit Stein und Feuer davor zu verstecken.
Ich stieg weiter hoch in die Luft und flog auf ein großes Fenster unterhalb des Turmdachs an. Noch weiter hochsteigend, hielt ich dann auf jenes Fenster zu und krachte in einem Sturzflug durch jenes. Krachend zerbrach der hölzerne Rahmen des Fensters und klirrend fielen die Scherben des Fensters zu Boden als sie im Fall meine Haut an dutzenden von Stellen schnitten.
Etwas holprig fiel ich in den Raum, die Lanze immer noch in der Hand zum Glück, als gerade eine Tür im Raum aufging und ein ältlicher Mann mit einem ergrauenden Bart und einem Schwert in der Hand in den Raum stürzte. Ich zögerte nicht und den Griff meiner Lanze ändernd schleuderte ich jene. Die Spitze traf ihn im Brustkorb und der Aufprall ließ ihn zurückstolpern. Für keinen Moment verlangsamend, zog ich meinen Dolch und sprang auf ihn, mit der linken Hand seinen Mund zuhaltend, was den Mann nicht davon abhielt trotzdem die gutturalen Klänge eines Schreies zu produzieren, welcher gedämpft und verzweifelt allein meine Ohren erreichten. Die Klinge meines Dolches bewegte sich schnell und zielsicher, erst die Kehle, dann das Herz.
Ich stand schwer atmend auf und stellte meinen Fuß auf den Brustkorb der Leiche als ich mit einem Ruck die Vibrolanze herauszog. Meinen Dolch verstauend, schaute ich mich um. Der steinerne Gang in dem ich stand ähnelte dem eines Klosters mit seinen schmalen, schlichten Säulen und den Kreuzbögen an der Decke. An den Wänden konnte man hunderte von verschiedenen Rohren aus verschiedenen Metallen sehen, die alle eine unbeschreibliche Hitze abgaben. Manche der älteren Rohre hatten Lecks und heißer Wasserdampf schoss aus ihnen, was den Gang wie eine Sauna wirken ließ.
Die Hitze war aber nicht das Schlimmste. Das Schlimmste war der Geruch. Es war eine Mischung von einem süßlichen Parfüm und dem übelerregenden Geruch von Verwesung. Eine widersprüchliche Beschreibung natürlich, aber mir war nie eine bessere eingefallen und es schien auch irgendwie passend. Denn dies war der Geruch von frischer Traumsaat – und ich kannte den Geruch gut.
Meine Hand verkrampfte sich um meine Lanze bis meine Knöchel weiß hervortraten. Und ich konnte wieder die Melodie meiner Angst hören, die dissonante Melodie, welche mich zu Fall gebracht hatte. Ein Raguelit vergaß nichts und ich hatte nie die Melodie meines Untergangs vergessen. Aber dieses Mal war ich vorbereitet, dieses Mal würde ich nicht so leicht mich der Melodie ergeben.
Ich ging um eine Ecke und sah mich einem sehr überraschten Wachmann gegenüber. Er sagte nichts und sein Blick war flehend als wollte er einen Vertrag mit mir aushandeln. Seine Hilfe im Gegenzug für meine Gnade. Was er in diesem Turm bewachte, verdiente keine Gnade. Es war das Angebot eines Feiglings und wie ein Feigling starb er auch. Schnell und ohne Respekt.
Dieser Diadoch hatte nicht mit Engeln gerechnet. Oder… Ich wollte nicht darüber nachdenken. Meine Mission war wichtiger und die Melodie meiner Furcht trieb mich an und verwandelte den ekelerregenden Geruch der Traumsaat in einen Sirenengesang, der nach mir rief. Und mit einer Waffe in der Hand würde ich dem Gesang entgegengehen.
Nach einigen Momenten kam ich vor einem großen Tor zum Stehen. Ich wischte mir Schweiß von der Stirn und mein schwarzes, kurzes Haar klebte nass an meinem Kopf. Ich hielt mich davon ab, viel von der Luft an diesem Ort einzuatmen, so wie jene gefüllt war mit dem Gestank der Traumsaat und gefärbt war wie das bräunlich-gelbe Blut der Traumsaat.
Mit der linken Hand stieß ich eine der Torhälften auf und ich blickte auf einen riesigen Saal, der ursprünglich wahrscheinlich für Bankette gedacht war, aber nun das Zuhause für hunderte von Eiern waren, die auf einer bräunlichen, glänzenden Substanz aufrecht gehalten wurden, die zudem in klebrigen Fäden die untere Hälfte jedes Eis extra stabilisierte. Und die dünnen Chitinpanzer der Eier pulsierten in einem chaotischen, hungrigen Rhythmus als würden sie versuchen auszubrechen.
Dann ist es also wahr. Dieser Diadoch versuchte Traumsaat in eine brauchbare Waffe zu verwandeln. Ich konnte nur auf die Traumsaat starren, die Melodie meiner Furcht so laut werdend, dass alles andere im Raum unwichtig schien. Diese Situation hatte nichts mit dem Moment meines Versagens zu tun. Es waren zwei vollkommen verschiedene Situationen gewesen und dennoch stand ich hypnotisiert vor den Eiern der Traumsaat und fand mich in einem konfusen Wachtraum wieder, wo es keinen Unterschied gab, wo ich nun genauso der Grausamkeit der Situation hilflos ausgesetzt war wie damals.
Erst als eine Kugel von einem Gewehr ein Rohr links von mir an der Wand traf und in einem pfeifenden Geräusch heißer Wasserdampf daraus schoss, wurde ich aus meinem Wachtraum gerissen. „Verdammt!“ sagte ich laut als ich mich zwei Wachen mit Gewehren gegenübersah, die Masken und Brillen trugen, welche deren gesamtes Gesicht schützten. Ich bemerkte nun auch, dass zwischen den Reihen der Traumsaateier mehrere unbewaffnete Leute mit ähnlichen Masken in die Richtung der zwei Wachen rannten. Sie waren scheinbar für die Pflege der Eier zuständig.
Der Diadoch kann machen was er will, beschloss ich in dem Moment. Ich stürzte in den Raum, die Kugel des zweiten Gewehrs meinen linken Flügel schmerzvoll streifend. Niemals hätte ich gedacht, dass ich dies einmal tun würde, aber ich suchte Deckung hinter den Eiern der Traumsaat und tatsächlich hörten die Wachen auf zu schießen und ich konnte hören wie sie durch den Saal rannten.
Ich kramte aus meiner Gürteltasche die Bombe, die ich von den Peccati des Ordens bekommen hatte. Es war ein festes Gehäuse, nicht viel länger als der Kopf einer Lanze, das an mehreren Stellen Risse und Löcher hatte, welche durch angeschweißte Metallplatten geflickt wurden waren. Das metallene Display hatte Rostflecken und das Glasteil davon hatte einige Sprünge. Zum Glück brauchte ich jenes Display nicht zu bedienen. Die Peccati hatten mir versichert, dass ich es nur aktivieren musste und dann verschwinden musste. Ich legte meine Hand auf das Display und konzentrierte mich kurz. Mit einem piependen Geräusch aktivierte sich das Display und leuchtende Zahlen waren auf dem Display zu sehen, welche durch die Sprünge etwas verzerrt aussahen.
2:00
„Verdammt! Verdammt!“ Während ich dies sagte, begann der Countdown bereits und ich warf die Bombe inmitten des Felds der Traumsaateier. Die Wachen begannen wieder zu schießen als ich aufgestanden war, aber die unbewaffneten Leute, welche am anderen Ende des Saales sich aufhielten, befahlen den Wachen nun laut die Bombe herauszuholen.
Es war ein Glücksfall, dass beide Wachen sofort in das Eierfeld rannten, anstatt weiter auf mich zu schießen. Dies gab mir Zeit, eine Ablenkung für meinen Abgang zu organisieren. Ich nahm meine Lanze in beide Hände und stach in schneller Abfolge in die Eier, die mir am nächsten waren. Jedes Mal, wenn ich in ein Ei stach, konnte man einen ohrenbetäubenden, unmenschlichen Schrei hören und nun riefen die Leute am anderen Ende des Saales, dass einer der Wachen mich stoppen sollte. Ich war jedoch bereits auf dem Weg aus dem Saal als das erste Ei zerbarst und eine groteske Traumsaatkreatur mit mehreren Beinen und rot leuchtenden Augen aus dem Ei krabbelte und dann spreizte es seine Flügel. Danach folgten schnell auch die anderen Eier. Jedoch schaute ich nicht zurück, welche Kreaturen ihnen entsprangen.
Eine Wache rannte mir auf dem Gang vor dem großen Tor entgegen und ich rammte im Sprint gegen den Mann, ihn mit dem Speer durchstoßend und nutzte ihn, um durch dem Fenster nach draußen zu brechen. Während er schreiend in die Tiefe fiel, zog ich meine Lanze heraus und flog über die Stadt hinweg.
Als ich auf die Mauer zukam, begannen die Wachen bereits auf mich zu schießen. Wie konnten sie so schnell…? Aber dann sah ich einen der Wachen bei einem Torhäuschen den schwarzen Hörer eines Telefons aus der Zeit Davor halten. Verdammte Technologie. Im Sturzflug versuchte ich einen der drei Wachen mit der Lanze zu durchbohren, aber eine Kugel traf meinen rechten Flügel und ich stürzte unelegant auf die ganze linke Wache. Geradeso hatte ich noch meine Lanze so halten können, um das Herz der Wache auf die ich gestürzt war zu durchbohren, aber ich rollte unbeholfen weg von der nun toten Wache in deren Brust nun meine Lanze stach. Die anderen zwei Wachen hielten ihre Gewehre auf mich gerichtet und wollten feuern als die Explosion der Bombe die Luft zerriss.
Die zwei Wachen starrten entgeistert zum Turm, dessen Spitze von einem Moment auf den anderen in einer riesigen Explosion verschwunden war und brennende Steine auf die ganze Stadt niederregnen ließ. Erschrocken hielten die Wachen paralysiert inne und in jenem Moment stürzte ich zu dem Gewehr der Wache, die ich getötet hatte und tötete die zwei Wachen in mehreren kontrollierten Schüssen.
Mehr Wachen kamen dazu und begannen aus der Ferne zu schießen. Ich schoss noch ein paar Mal, bevor ich das Gewehr wegwarf und meine Lanze ergriffen, schwang ich mich in die Luft von der Mauer aus. Ich war gerade mal einige hundert Meter geflogen als eine Kugel mich am Kopf traf und das letzte was ich sah war der Stein, welchen ich auf mein Gesicht zurasen sah.

Mit einem pochenden Schädel wachte ich in einer Waldlichtung auf. Dem Licht nach zu urteilen war es Abend. Seufzend setzte ich mich auf und betastete meinen Kopf. Bandagiert?
„Er ist wach, Kardinal Virglass!“, erklärte eine Stimme freudig.
Ich erstarrte als ich die Stimme hörte. Ich kannte sie gut, denn sie gehörte zu meinem Freund Irkiel. Angst begann seine Melodie zu spielen, mich wieder in jenen Raum zurückbringend, aber nun waren da nicht nur die qualvollen Töne meiner Hilflosigkeit und Verzweifelung, sondern auch die Hektik und der Schmerz sich dagegen gewehrt zu haben und mit einem grellen Blitz an Zerstörung belohnt wurden zu sein.
„Irkiel.“, sagte ich, ohne aufzublicken.
„Mürrisch. Wie typisch für dich, Thorgriel.“, sagte er freundlich als seine Schritte näherkamen und er hielt mir seine Hand hin als er mir half aufzustehen.
Sein aschblondes langes Haar und seine leuchtenden grünen Augen, welchen immer ein Lächeln innezuwohnen schien: Es war Irkiel, daran bestand kein Zweifel. „Was verschlägt dich in diese Gegend?“, fragte ich vorsichtig.
„Meine Schar hat eine Mission zu erfüllen.“, erklärte er stolz.
„Deine Schar…“, sagte ich leise.
„Oh… das tut mir leid, ich weiß, dass…“, begann Irkiel mit einem ehrlich besorgten Gesicht, aber da hatte ich bereits mit meiner Faust zugeschlagen. Irkiel fiel mit einer Mischung aus Überraschung und Benommenheit zu Boden und hielt seine rechte Wange, wo ich zugeschlagen hatte.
„Wie hattest du mir das antun können!“, schrie ich ihn an.
„Es ist unsere Prüfung, Geheimnisse um JEDEN Preis zu bewahren. Du hast auch andere wie ich getestet! Es war unsere letzte Prüfung gewesen! Wir sind Ragueliten und dies ist Teil unserer Identität! Wir sind gleich, du und ich!“, erwiderte Irkiel mit einem ablehnenden Ton.
„Ich bin NIE so weit gegangen, Irkiel. Ich habe keinen Ragueliten auf die Weise geprüft wie du es getan hast.“
„Nimmst du mir es immer noch übel, dass ich mein Geheimnis behalten hatte als ich von anderen Ragueliten getestet wurde? Das ist es doch, nicht wahr? Ich erfülle meine Pflicht als Teil einer Schar, während du dich nur noch in diese Selbstmordmissionen stürzten kannst!“
„Es geht ums Prinzip, Torkiel! Du bist zu weit gegangen!“, erwiderte ich wütend, den Kardinal völlig ignorierend, welcher jedoch auch nicht willens zu sein schien einzuschreiten.
„Ach, von wegen!“, sagt Irkiel, sein leichtfertiger Ton nun auch von Wut verzerrt als er aufstand und bedrohlich auf mich zutrat. Ich wich nicht zurück und begegnete seinem Blick offen und fordernd. „Du hast nur Angst, dass du tatsächlich der Versager bist, der du offiziell bereits bist!“
Für eine Weile sagte ich nichts, überrascht wie giftig der Ton von Irkiel geworden war. Ich senkte meinen Blick und erwiderte leise: „Du bist zu weit gegangen, weil wir Freunde gewesen sind. Ich mag ein Versager sein, aber wenigstens habe ich keinen meiner Freunde für meine Ambitionen verraten.“
Ich wandte mich von ihm ab, es bereits leid, ihm je hier begegnet zu sein. Aber Irkiel ging hinter mir her und sagte laut sich verteidigend: „Es war meine Pflicht, dich zu testen, Thorgriel! Es war meine Pflicht, verstehst du?“
„Verschwinde.“, sagte ich nur zähneknirschend und ging weiter auf den Kardinal zu, welcher in einem freundlichen Ton zu Irkiel sagte: „Danke für deine Dienste, Engel Irkiel. Aber ihr könnt nun zu eurer Schar zurückkehren. Ich bin mir sicher, dass sie eure Anwesenheit erwünschen.“
Für einen Moment sagte Irkiel nichts und blickte zwischen mir und dem Kardinal hin und her. „Ich höre und gehorche.“, sagte er in einem bitteren Tonfall und schwang sich in die Luft. Ich blickte ihm nicht hinterher.
Nun waren der Kardinal und ich allein. Ich zeigte auf meinen bandagierten Kopf. „Wart ihr das gewesen?“
„Ja, ziemlich gut für einen Nicht-Raphaeliten, nicht wahr?“, sagte er stolz.
In den Himmel blickend, fragte er mich: „Mein kleines Geschenk scheint dich verstimmt zu haben.“
Für einen Moment war ich überrascht, dass der Kardinal von meiner Vergangenheit mit Irkiel gewusst hat, aber ich zuckte nur mit den Schultern in Reaktion auf dessen Bemerkung.
„Wir brauchen alle einen guten Abschluss für die Erfahrungen der Vergangenheit, um unbelastet der Zukunft entgegen zu gehen, nicht wahr?“
„Meine Mission war den Diadochen zu töten, weil er Traumsaatexperimente geplant hatte.“, sagte ich sofort das Thema wechselnd.
„Und…?“, sagte er erwartungsvoll.
„Er war bereits dabei gewesen, die Pläne in die Täte umzusetzen.“
„Das klingt tatsächlich sehr schrecklich!“, erwiderte der Kardinal in einer theatralischen Stimme, „Müssen wir fürchten, dass die Traumsaat freigekommen ist?“
„Nein, seltsamerweise war die Bombe stark genug, um sich beider Probleme anzunehmen.“, sagte ich, den Kardinal misstrauisch musternd und nicht anmerkend wie leicht die Explosion auch mich hätte töten können.
Der Kardinal klatschte erfreut seine Hände. „Wunderbar! Zwei Fliegen mit einer Klappe! Das war gute Arbeit!“
„Noch eine Sache… Die Wachen in dem Raum mit der Traumsaat hätten mich erschießen können, aber die anderen Leute, welche für die Experimente verantwortlich waren, haben den Wachen befohlen, mich nicht anzuschießen. Überhaupt waren die Wachen mehr überrascht als feindselig als sie mich im Turm sahen.“
Der Gesichtsausdruck des Kardinals wurde ernster. „Was willst du damit sagen?“
„Haben sie die Experimente mit unserer Unterstützung durchgeführt?“
Eine Weile sagte der Kardinal nichts, aber dann erwiderte er lächelnd: „Schwierig zu sagen, jetzt nachdem du die ganze Anlage in die Luft gejagt hast, denkst du nicht auch?“
„Gleich einem Narren, der wagemutig am Abgrund wandert…“, merkte ich nachdenklich an, einen der Marionetten des Kardinals zitierend, welcher mir vor der Sitzung versichert hatte, dass die Loge mir diese Mission geben würde, egal was ich tun würde.
„Durchaus, durchaus! Und immer der Zukunft zugewandt!“, sagte der Kardinal schnell, „Und ich bin mir sicher, dass dir eine großartige Zukunft bevorsteht, wenn du dies beherzigst, Thorgriel.“


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