Ramieliten - Bewahrer des Wissens

Ordenssitz: Prag
Ordensoberhaupt: Ab Arbogast
Ordensfarbe: Blau
Ordenssymbol: aufgeschlagenes Buch

Über dem großen Vlatvasee, auf welchem die gesamte Stadt Prag schwimmt, ragt die Himmelsfeste der Ramieliten auf.

Der Orden des Wissenden Erzengels beherrscht das Gebiet der Mater Ecclesia vom Ostrand des Bayerischen Waldes bis zum fernen Osten des großen Brandlands. Außerdem wurden ihnen die Ländereien der Ragueliten zugesprochen als der Himmel in Trondheim vom Fegefeuer zerstört wurde, so dass sich das ohnehin große Einflussgebiet der Ramieliten noch einmal erweiterte. Obwohl die Ramieliten sich als ein Orden von Denkern und Gelehrten betrachten, lässt sich ein so großes Gebiet nur mit starker Hand kontrollieren. So gehören zum Orden des allwissenden Erzengels auch starke Templerheere und eine Vielzahl an fleißigen Kirchendienern, welche die Geschicke der ihnen untergebenen Menschen in sinnvolle Bahnen leiten.

Die Farbe der Ramieliten ist blau, ihr Symbol das geöffnete Buch. Engel sind in weiße Waffenröcke gekleidet und tragen das Haar lang und offen. Die wuchtigen Schulterpanzer die man von Michaeliten und Gabrieliten gewohnt ist, sieht man an Ramieliten nur äßerst selten - meistens nur bei offiziellen Anlässen. Das wenig wehrhaft scheinende Äußere dieser himmlischen Streiter täuscht daher oftmals über ihre fast präkognitiven Eigenschaften und die Fähigkeit, stets an der richtigen Stelle zuzuschlagen, hinweg.

Dennoch liegt der Schwerpunkt der Engelsausbildung in der Erweiterung des geistigen Potentials. Von den Engeln Ramiels (auch Jeremiel genannt) sagt man, dass sie sowohl in die Zukunft als auch in die Vergangenheit blicken können und in der Lage sind sofort zu erkennen ob ein Mensch die Wahrheit spricht oder lügt. Sicher ist jedoch, dass ein Engel Ramiels alles in Erfahrung bringen kann was er begehrt, steht ihm nur genügend Zeit zur Verfügung. Selbst Wissensgebiete mit denen er sich nie zuvor beschäftigte, vermag er auf wundersame Weise zu erschließen.

Entscheide
Entscheide (Ausschnitt) - von Gab

Ramielitische Engel und einige Kirchendiener des Ordens lernen auch als einzige das Lesen und Schreiben. Sie allein sind in der Lage den Versuchungen, welche diese Fertigkeiten mit sich bringen, zu widerstehen und sich ihren inneren Frieden zu bewahren. Auch tragen die Ramieliten ihre Bürde mit einem gewissen Stolz und setzen sie stets gewinnbringend für sich ein.

Man sagt ihnen außerdem nach, eingebildet und eigenbrötlerisch zu sein und sich selbst untereinander zu misstrauen. Auch die anderen Orden wissen oft nicht was sie von den Engeln Ramiels, von denen man behauptet, sie erahnten die Gedanken und Pläne ihres Gegenübers oft noch ehe dieses sie in Worte fassen könnten, halten sollen. Doch tun sie gut daran die Fähigkeiten der Wissenden klug zu nutzen.

Die Kathedrale der Gedanken

Eine Besonderheit der Ramieliten stellen die Kathedralen dar, welche im Land hinter dem Horizont errichtet werden. Jeder Engel des Ordens verfügt über seine eigene Kathedrale, die er nach seinen eigenen Vorstellungen Gestalten kann. Einige Areale und deren Funktionen sind allerdings grundlegend gleich, auch wenn sich deren Äußeres voneinander unterscheidet. Je weiter die Zeichnung eines Engels fortschreitet, desto mehr Bereiche vermag er zu erreichen.
So verfügt jede Kathedrale über eine Halle des Lichts in welche der Ramielit andere seines Ordens einladen kann um dort Zwiesprache mit ihnen zu halten. Allerdings können diese niemals über die Grenzen der Halle hinaus treten. Das angrenzende Areal enthält die Amphoren - diese repräsentieren das gespeicherte Wissen des Ramieliten und sind untereinander mit den Amphoren aller anderen Kathedralen verbunden. So köen auch Inhalte gesucht und gefunden werden, von denen der Suchende zuvor noch nichts gehört hat. In den Kammern verbergen sich nach Erhalt des Sigils die bisherigen Erfahrungen des Engels mit allen zugehörigen Eindrücken, aber auch hier kann auf fremde Inhalte zurückgegriffen werden. Dahinter findet sich bei Scriptura-Engeln der Nimbus, welcher die Kathedrale gegenüber dem Land hinter dem Horizont abgrenzt. Das Wissen aller jemals auf Erden wandelnden Ramieliten soll hier verborgen liegen, so munkelt man.

Allerdings sind die Kathedralen mehr als nur ein Quell an Wissen und Weisheit, für die die Ramieliten so berühmt sind. Sie dienen auch als Zufluchtsstätten vor den Übeln der Welt und eine innere Rückzugsmöglickeit für die Diener Ramiels. Neben seinem eigenen, archivierten Wissen findet ein Engel hier wie bereits erwähnt auch Zugriff auf das Wissen all seiner Brüder und Schwestern. Einige Informationen ziehen auch frei durch das Land hinter dem Horizont - es gestaltet sich nur oft als schwierig, solches Wissen zu finden und sinnvoll zu nutzen.

Die Mächte der Ramieliten

Anmerkung: Will ein Engel die Mächte "Orakel", "Prophet" oder "In Zungen reden" einsetzen, so muss er sich innerhalb seiner Kathedrale befinden.

Mächte des Signum:

Mächte des Sigil

Mächte der Scriptura

Tausend Siegel

Die folgende Scriptura-Macht gehört zu den am besten gewahrtesten Geheimnissen des Ramielitenordens und sollte unter keinen Umständen leichtfertig eingesetzt werden. Ramieliten bewahren ihre Geheimnisse sehr gut und es ist unwahrscheinlich, dass eine uneingeweihte oder nicht autorisierte Person Zugang zu diesem Wissen erhält. Wir empfehlen, keinem Spielercharakter Zugriff auf diese Macht zu erlauben - zu groß ist die damit verbundene Gefahr.

~Du musst mir helfen, Ajidael, bitte...~ ~Du nervst Blahael. Wirklich, du nervst.~ Die glasigen Augen des Engels wurden klar und kündigten die Wiederankunft ihres Geistes in der stofflichen Welt an, nachdem sie lange Zeit in den Tiefen ihres eigenen Geistes verbracht hatte. Mit einem wütenden Schnauben schlug die Ramielitin ihr Buch so schwungvoll zu, dass der Staub von den Regalen des kleinen Scriptoriums rieselte und stieß beim Aufstehen den stabilen Hocker um, auf dem sie die ganze Zeit regungslos gesessen hatte.
Düster auf ihre kleine Ordensschwester schimpfend rauschte sie durch den Himmel zu Prag. Es war fortgeschrittene Nacht und das bläuliche, göttliche Licht in den Korridoren sprang sofort an, sobald der einsame Engel mit wehendem Gewand die zugehörige Tür passierte.
Zielsicher manövrierte sie durch das Labyrinth der Gänge, leise vor sich hinmurmelnd bis sie schließlich vor einer schlicht lackierten Eisentür zum stehen kam. Von außen war sie durch eine einfache Klinke zu öffnen, doch von innen - Ajidael wusste es aus aus Erfahrung - wartete ein Kasten auf das Eintippen einer Zahlen- und Buchstabenkombination die sich aus den im Inneren des Raumes befindlichen Rätseln erschließen ließ.
Die dunkelhaarige Sendbotin zog die Tür auf und warf ihren langen Schatten auf ein wimmerndes Häufchen Elend.
"Ich kriegs nicht hin..." piepste die rotgelockte Postulantin, blickte Ajidael aus vor Tränen schwimmenden Augen an und zog schniefend die Nase hoch.
Eine kurze Stille trat ein.
"Dann bleib ich jetzt hier, bis du es hinkriegst." antwortete der ältere Engel schließlich kühl und ließ die Tür hinter sich ins Schloß fallen.
Blahaels Augen nahmen die Größe von Wagenrädern an. Zur Verzweiflung kam die Scham darüber, von nun an bei jedem weiteren kläglichen Fehlschlag die wachsamen Augen der älteren Schwester im Nacken spüren zu müssen. Schwächlich nickte der kleine Engel mit hängendem Kopf und beugte sich erneut über das vor ihr aufgebaute Schachbrett.
Ajidael hingegen schlug die Beine unter und verschwand in den Tiefen ihrer Kathedrale Sie selbst hatte vor rund acht Jahren fünf geschlagene Tage einsam in diesem Raum verbracht bis sie den freiheitsschenkenden Code geknackt hatte. Sie kannte ihn heute noch, denn was die Kinder Jeremiels einmal wussten, das ließen sie nie wieder los... nie wieder.

Zwischenprüfung

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Wütend schnaubte Lopeschiel und hatte Mühe, den starrköpfigen Michaeliten nicht in Gedanken zu verfluchen und sich so in einer Sünde zu ergehen. Sie setzte sich auf die Truhe am Fenster, zog die Beine an, schloss die Augen und ignorierte ihre anderen Geschwister. Ihre Stimmen wurden schnell leiser, schwanden und waren schließlich ganz fort.

Als sie ihre Augen wieder öffnete sah die Welt ganz anders aus.
Nicht diese glubschigen Kuhaugen, nein, jetzt benutzte sie ihre "richtigen" Augen und blickte auf die weite Lichtung inmitten des dichten Waldes. Das lange Gras wogte beständig in einer warmen Briese und füllte die Luft mit einem beruhigenden Säuseln. Der Himmel war überwiegend von stumpfem grau. Es roch wie vor einem heftigen Gewittersturm und die Luft war spürbar aufgeladen. Ein Sturm der niemals kommen würde.
Ihre Halle des Lichts, ein perfekt runder Stein, lag zu ihren Füßen in der exakten Mitte der Lichtung und strahlte ein wärmendes Licht aus. Lopeschiel lief zwischen den cirka einem Meter über dem Boden schwebenden Würfeln von grau-lilaner Farbe hindurch, deren Seitenlänge exakt so lang war wie ihr eigener Unterarm. Wenn sie auf einen zuginge würde er von innen her zu leuchten beginnen und sich entfalten um der Ramielitin ihren Inhalt zu präsentieren. Doch sie ging weiter, zwischen den Bäumen hindurch, die in einem subtilen Muster in perfekter Geometrie angeordnet worden waren. Zwischen den natürlich aussehenden standen auch solche, die aus orangem Metall gezogen schienen. Berührte man einen von diesen, schien man zu schrumpfen bis man durch das Portal zwischen den Wurzeln passte und die Kammer betreten konnte. Nur einer der seltsamen Bäume war schwarz und sein Portal geschlossen.
Das wahre Ziel Lopeschiels allerdings lag hinter dem Wald. Mit einem Schlag endeten die Baumreihen und das Gelände fiel scharf ab. Die gesamte Lichtung lag scheinbar auf einem Hochplateau und war von nichts anderem als dichtem Nebel umgeben. Nebel, in den fragil aussehende Brücken aus Glas zu führen schienen, die irgendwo am Horizont zu verschwsnden.
Entschlossen setzte die Ramielitin ihren Fuß auf einen der Pfade. Bald würde sie ein passendes Argument gefunden haben um ihren Willen durchzusetzen. Es wäre doch das beste für alle. Wieso brauchte dieser goldene Engel nur immer so lange um das zu verstehen?

Innere Zuflucht