Der Himmel der Gabrieliten [Nürnberg] - Intime

Die Ordensburg der Gabrieliten in Nürnberg
Manuel
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Beitrag von Manuel » 13.10.2004 - 16:36

Die Wut war eben so schnell unterdrückt, wie sie aus Manuels Bauch in seinen Kopf hinaufgeschossen war. Unfähige Priorin! Die Todesengel hatten nicht den blassesten Schimmer von Scharführung oder Organisation. Aber sich trotzdem überall einmischen wollen, das passte wieder zum Bild der schwarzen Engel. Breitschultrige Dummköpfe mit zu vielen Muskeln die nur dazu da waren, Probleme zu bereiten und sich überall einmischen wollten.
Als Michaelit musste man sie ständig auf das reduzieren was sie letztendlich waren: Befehlsempfänger.

<<< Nein, du hast absolut richtig gehandelt. Die Priorin hat ihre Befugnisse missinterpretiert. Dich trifft keine Schuld. Erstatte später Bericht wie vorgesehen. >>> sandte er in neutralem Tonfall zu dem Gabrieliten.

Wieder diese Hin- und Hergerissenheit.
Die Wut trübte sein Urteilsvermögen, machte es ihm unmöglich eine Situation objektiv zu beurteilen. Er war sein ganzes Leben lang der Kritik anderer ausgesetzt gewesen und was immer damit zurecht gekommen. Aber in letzter Zeit stimmte so vieles nicht mehr. Natürlich kannte er den Grund dafür...
Seine Zeit auf Erden neigte sich dem Ende zu und sein Körper hatte sich mit der Sünde der Menschen vollgesogen - zumindest würde es ein Kirchenoberer so ausdrücken.
Andererseits tat sie gut, sie fühlte sich gut an. Richtig, gerecht. Und sie barg eine Menge Energie in sich.
Verfluchte Gefühle. Man konnte nur versuchen sie zu verdrängen. Das dumme war nur, sie wurden immer von mal zu mal schwerer zu ignorieren.

Manuel öffnete die Türe zur Scharcellae, nahm seinen Schulterpanzer ab und platzierte ihn neben seiner restlichen Ausrüstung. Dann setzte er sich auf einen der Schemel und versuchte den ganzen Trouble zu vergessen und die Ruhe der Meditation zu finden. Alten Engeln fiel das für gewöhnlich sehr schwer, doch bisher hatte er es noch immer geschafft.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 13.10.2004 - 21:54

Nach dem Essen erhob sich Varcanel von seinem Platz, nickte Mikael noch einmal mit den Worten "Bis später dann wohl" zu und verließ dann den Raum.
Zielstrebig steuerte er die Krone der Engelsburg an, um dort der Priorin seine Aufwartung zu machen, die ihrer Meinung nach schon lange überfällig war. Aber er war ein Engel und zudem einer, den wenig kümmerte was die sterblichen Diener der Mater Ecclesia für wichtig hielten. Damit hatte er sich zwar noch nie Freunde gemacht, doch zu diesem Zweck war er ja wohl auch kaum auf Erden...

Nicht einmal so lange Zeit später verließ ein keineswegs schlecht gelaunter Varcanel das Zimmer Magsdalens von Weimar und begab sich zu seiner neuen Scharcella. Sicher, die Priorin hatte ihm recht deutlich gesagt, was sie von seinem Verhalten hielt, doch Manuel hatte ihn ja schon zuvor darin bestätigt. Und da er den Worten seines Michaeliten schon immer mehr Beachtung geschenkt hatte als denen irgendwelcher Monachen, machte er sich keine Vorwürfe.
Nach einem kurzen Klopfen betrat er die Cella, in der nur Manuel auf einem Hocker in Meditation versunken war. Auch Varcanel stellte seine Schwertlanze an die Wand, behielt aber sowohl Flamenschwert als auch Schulterpanzer am Körper. Dann ließ er sich auf einen der freien Hocker sinken und wartete darauf, dass Manuel aus seiner Meditation erwachte oder Kentariel und die übrigen eintrafen - je nachdem was zuerst der Fall wäre...

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 14.10.2004 - 10:12

"Hm..." begann der narbige Gabrielit etwas einsilbig, doch dann, ohne dass er so recht wusste warum, setzte er zu sprechen an "... wir haben.. ein paar Ketzer gesucht. Sie hatten Geiseln genommen. Ich hätte es gerne verhindert, dass die Geiseln getötet werden, aber es ist uns nicht gelungen. Gabriel gab uns die Kraft die Ketzer zu töten, aber trotzdem... ach vergiss es einfach!"

Kentariel hielt inne. Was erzählte er das einem so winzigen Engel?
'Vielleicht, weil sie die einzige ist, die darüber reden will?' Er fühlte sich plötzlich müde. Am liebsten wäre er einfach hier geblieben, an dieser Stelle. Keine neuen Aufgaben mehr, kein weiteres Blutvergießen... keine weiteren Rügen von überehrgeizigen Michaeliten...

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Beitrag von Cassiel » 14.10.2004 - 12:07

Zuerst dachte sie, Kentariel würde ihre Frage ignorieren, umso überraschter war Cassiel, als er plötzlich doch begann mit leiser Stimme zu erzählen.
Das Erlebte schien ihn doch mehr getroffen zu haben, als er nach außen hin zu erkennen gab. Von einem Moment auf den anderen wirkte der entstellte Gabrielit zerbrechlich, ausgelaugt und müde.
Es schockierte sie doch ein wenig, dass gerade dieser Engel, der sich nach außen so hart und unbezwingbar gab, im Inneren doch auch verletzlich war. Am liebsten hätte sie irgendetwas getan, um ihn aufzubauen, doch was wusste sie schon.. ein junges Ding, das keine Ahnung hatte, wie es da draußen war, wie man sich fühlte, wenn man Schutzbefohlene sterben sah. Zudem hätte Kentariel mit Sicherheit keine Annäherung ihrerseits zugelassen. Gabrieliten durften schließlich keine Schwäche zeigen.
Unschlüssig, was sie jetzt tun oder sagen sollte, starrte sie zu dem Engel hinüber.

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Beitrag von Cutter » 14.10.2004 - 15:15

Jussiel schien derweil in weite Ferne gerückt zu sein und focusierte einen scheinbar unsichtbaren Punkt am trüben Horizont.
Gerade hatte der Gabrielit die letzten Bissen des Mannas heruntergeschluckt, da schien sich erneut Leben in dem Einsernen zu regen und er wandte langsam und bedächtig sein Haupt zu Kentariel und Cassiel.

Nach kurzer Zeit glitt sein Blick zu seinem Flammenschwert, dass er sich auf den Schoß gelegt hatte und ging mit seinen makelosen und filigranen Händen über das kalte Eisen, dessen Funke beinahe erloschen war und wandte erst dann seinen Blick erneut zu Kentariel.

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Beitrag von Kentariel » 14.10.2004 - 15:28

"Ist in Ordnung." Kentariel hatte den stummen Blick Jussiels schon verstanden "Wir sollten nicht länger warten.. Cassiel... es.. hat mich gefreut mit dir zu sprechen, aber wir müssen nun zu den Gladiern, vielleicht magst.. du uns noch bis dort begleiten..." stotterte er. Er wusste nicht was er beim Anblick dieser riesigen Kulleraugen sonst sagen sollte.

* Manuel, hier ist Kentariel. Meine Wunden wurden geheilt, aber wir werden noch nicht sofort zurückkehren. Es ist nötig, dass wir beide heute Nacht in den heiligen Hallen meditieren um unsere brennenden Seelen zu erneuern. Ist es uns erlaubt dies zu tun?* fragte er, aber eigentlich fragte er nur pro forma. Nichts, aber auch gar nichts würde sie davon abhalten können, genau das heute Nacht zu machen.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 14.10.2004 - 21:57

Manuel saß da, den Oberkörper etwas nach vorn gebeugt, den Kopf auf die Brust geneigt und die Unterarme locker auf den Oberschenkeln ruhend, ganz entspannt.

Er ging den Kampf mit Timikael nochmals durch.
Sein Angriff - perfekt. Ihre Abwehr dagegen war schlampig und hastig gewesen, nichts desto trotz effektiv. Es war zu erwarten gewesen, dass sein erster Angriff nciht durchkam. Hätte er mit einem erfahrenen Schwerfechter zu tun gehabt, so wäre hier wahrscheinlich schon der erste Treffer gefallen, in einem Gegenangriff. Da keine Gegenwehr erfolgte konnte er gleich nochmals angreifen. Er hatte nur nicht mit Timikaels Schnelligkeit gerechnet. Er war selbst sehr flink, aber das hatte ihn überrascht. Er war nicht einmal mehr dazu gekommen, die Schulter abzusenken um den Schlag mit dem Schulterpanzer aufzufangen - was sowieso sinnlos gewesen wäre, da sie nicht auf seinen Rumpf gezielt hatte wie er bei ihr, sondern sein Bein erwischt hatte. Und das zwei mal in schneller Folge. Damit war ihm keine andere Wahl geblieben als noch einmal anzugreifen. Sein Ziel war es gewesen, sie aus dem Gleichgewicht und anschließend zu Fall zu bringen. Die Gabrielitin allerdings hatte sich an ihn geklammert, ihn beinahe mit zu Boden gerissen und ihren finalen Schlag gelandet. Sie hatte ihn völlig überrumpelt. Unkonventionell war noch ein sehr mildes Wort für ihre Aktion. Trotzdem war die gewünschte Wirkung eingetreten.
Bis auf die Tatsache, dass seine Selbstkontrolle bei dem massigen Körperkontakt versagt hatte und er die Hand Gottes nicht zurückhalten konnte. 'Versager!' schalt er sich selbst.
Er hatte dem eintretenden Gabrieliten während seiner inneren Reflektion keinerlei beachtung geschenkt, doch als ihn jetzt auch noch Kentariel ansprach öffnete er die Augen und warf einen kurzen Blick auf den Todesengel.
Bisher schien er zuverlässig, auch wenn die Priorin nicht gut auf ihn zu sprechen schien.

<<< Sicher. Schaut nur, dass ihr vor Tagesanbruch in der Cellae eintrefft. >>> Kentariel hatte sich und Jussiel abgemeldet. Dabei hatte er vorhin noch so trotzig gewirkt. Entweder er war nur müde, spielte nur den Harten oder aber seine jahrelange Panzerschicht, welche er zu seinem Schutz getragen hatte, fing an abzubröckeln. Dann könnte er ziemlich Unangenehm werden. Manuel stufte ihn als höchsten Problemfaktor ein. Jussiel was zweifelsohne der geringste und die anderen beiden... nun, im Moment schenkten sie sich nichts.

Manuel lauschte still hinaus, fühlte die vier Kontakte in seinem Geist und schloss die Augen wieder. Eine Ahnung beschlich ihn, dass der heutige Tag für ihn noch nicht zu Ende war. Hoffentlich keine großen Schwierigkeiten. Vielleicht irrte er aber auch, es war nur eine Vermutung, basierend auf den bisherigen Erfahrungen mit der neuen Schar.

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Beitrag von Cassiel » 15.10.2004 - 08:51

Cassiel beobachtete wie Jussiel elegant von der Brüstung, auf der er gesessen hatte glitt und wie auch Kentariel sich erhob.
„Geht nur, ich ... ich denke, ich werde noch ein wenig hier bleiben.“ Mit einem sanften und gleichzeitig doch etwas traurigen Lächeln verabschiedete sie sich von den beiden Engeln. „Vielleicht begegnen wir uns irgendwann noch einmal wieder.“ ‚Zumindest hoffe ich es.‘ fügte sie in Gedanken hinzu. Es war schon komisch, dass sie die beiden, in den wenigen Stunden, die sie sie erst kannte, schon so in ihr Herz geschlossen hatte. Sie bewunderte sie und nur zu gern wäre sie einer von ihnen.
Noch lange starrte sie den älteren Engeln nach, als diese schon nicht mehr zu sehen waren. Sie ließ ihre Gedanken schweifen und erinnerte sich an die letzten Stunden, es war so aufregend gewesen.
Erst als es schon lange dunkel war, begab sie sich zu ihrer Cella, um zu meditieren.

Cutter
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Beitrag von Cutter » 18.10.2004 - 15:48

Der Sturm bäumte sich abermals und spielte zu seiner zweiten Akt auf den er nun beginnen wollte.
Durch die Fenster, welche kaum dicker als ein Daumen und doch stabiler als jedes Glass waren und von Engel einer anderer Zeit zu Ehren ihres Erzengels eingesetzt hatten, erschienen einem die zuckenden Blitze, wie persönliche Geschenke für all jene Ketzer da draußen, welche die Herrn zu einem solchen Unwetter erzürnt hatten.
Matt wurden die scheinbar unendlichlangen Korridore durch ein merkwürdiges Licht, das von jeder Seite zugleich zu kommen schien, erhellt. Für jeden Gläubigen ein weiterer Beweis, der himmlischen Aura des zürnenden Engels, dem diese Zitadelle geweiht war.

Durch diese unwirkliche Szenerie, strebten die beiden Todesengel zielsicher ihr Ziel an.
Stufe um Stufe stiegen sie höher in die Krone des Himmels zur Sakristei, wo sie den sieben Defendores, die Hüter der Sakristei, entgegen traten.

Kunstvoll mit Flammen verziert war dieser Raum, der in jeder Richtung in mehrere mit kunstvollen flammenverzierten Gittern verschlossenen Türen mündete.

Schon oft war Jussiel hier gewesen, waren doch hinter den beiden gegenüberliegenden Türen, das Seliusum Postulantiorium, in den er immer als Electi Eintritt gefunden hatte.

Kentariel folgte Jussiel ebenso schweigend wie der Ferramenser - nein, die Ferramenserin - in das Heiligste. Im Gegensatz zu ihr, war er niemals weiter gekommen, als bis zur Tür die zu einer kleinen Kapelle führte, gleich neben den Heiligen Hallen.
Die Postulanten würden in ihrer Ausbildung keinen enstellten Engel zu Gesicht bekommen. Soviel war sicher.

Sobald sie eingetreten waren, was niemals unbemerkt zu blieben schien, traten zwei Monachen auf sie zu, die sie leise fragten, was ihr Begehr war.

Kenatriel schielte hinüber zu Jussiel und wartete darauf, ob sie - womöglich hier einmal den Mund aufmachte, irgendwie wünschte er sich einmal ihre Stimme gehört zu haben.

Jussiel schaute zu den beiden Monachen, die in den Farben der Gladier gekleidet waren und wischte in einer anmutigen Geste über sein eisernes Armband und seine Seele.
"Wir wünschen in die Kammer der brennenden Seele eingelassen zu werden."

Obwohl er nie sprach, war seine Stimme kraftvoll, klar und facettenreich wie ein Kristall, der zu klingen begann, wenn man ihn nur richtig berührte.

Kentariel warf einen erstaunten Blick zur Seite, als er sie sprechen hörte. Mit einem Mal war aus dem eisern schweigenden Engel... nun sie war noch immer Gabrielit, doch plötzlich wirkte sie weder so unnahbar und kalt, wie sonst, noch so streng und unerbittlich, wie dann wenn sie Befehle austeilte.
Wie seltsam und erstaunlich die Demut einen doch verändern konnte!
Hier im Allerheiligsten waren sie plötzlich Alle irgendwie gleich, an dem Punkt an dem sie ihre Schwerter einem Anderen gaben.

Der Gladier nickte den beiden Todesengeln wohlwollend zu und drehte sich, zu der rechts liegenden Tür um, um auf sie zu zu gehen. Jussiels Blick glitt über den von Kentariel und mit einem Mal schienen die marmornen Züge zu schwinden und ein kleines Lächeln stahl sich auf sein Gesicht.

Der Monach der Gladier legte seine Hand auf eine kleine Fläche und ging mit seinen Fingern darüber.
Mit einem Mal, hörte man ein lautes Rattern und die Flamme brach in zwei und die Gitter verschwanden zu beiden Seiten im Mauerwerk und gaben den Weg frei zur Kammer der brennenden Seele.

Kentariel fühlte sich jedes Mal, als würde ihn der Galdier nackt und hilflos zurücklassen, wenn er das Schwert aus seinen Händen nahm und damit verschwand, während er kniend im Raum ausharren musste.
Er hasste es, dort zu warten - sinnlos und nutzlos herumzusitzen und daran erinnert zu werden, dass er trotz allem abhängig war.
Nur dieses Mal - nach dem leichten Lächeln, dass er auf Jussiels Zügen gesehen hatte, erschien ihm die Warterei nicht ganz so nervenaufreibend.
Im Gegenteil. Er lächelte zurück, auch wenn sein zernarbtes Gesicht nur ein schräges Grinsen zuließ.

Jussiel hüllte sich nun abermals in Schweigen, als man ihm sein Schwert abnahm und er neben Kentariel in tiefer Meditation versunken, auf die Wiederkehr seines Schwertes wartete.

Und in den Tiefen seines Geistes, wiederholte er immer wieder sein Gebet.

Oh ewiger Gott, unser König, gewaltig ist dein Name über deiner Schöpfung
Der du dir Lob verschaffst aus dem Munde deiner Kinder
Und den deiner Feinde für immer verschließt

Aus deinem Zorn erschufst du Gabriel, den schrecklichen Gabriel
Flamme deiner Wut
Schwert der Gerechtigkeit deiner Kirche
Du schufst deinen Engel nur wenig geringer als dich selbst
Hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.

(...)

Die Fesseln der Krankheit und des Todes umfingen die Menschen
Die Fluten des Verderbers erstickten sie.
Aus deinem Heiligtum hörtest du ihr Rufen, ihre Schreie.
Gabriel, o zürnender Gabriel
Die Welt erzittert unter deinem Wüten
Denn dein schrecklicher Zorn war entbrannt.

(...)

Die Kirche deines Gottes suchtest du heim in der Nacht
Und erprobtest ihr Herz
Und du fandest keinen Makel
Das Wort deiner Kirche hast du geläutert in deinem Feuer
Und es verging nicht.
Deiner Kirche schicktest du deine Kinder, geschaffen nach deinem Bilde.

Sie griffen aus der Höhe herab und zogen das Volk empor aus gewaltigen Wassern
Sie zerschmetterten Dämonen des Widersachers
Der fünfmal verdammt ist vor deinen Augen
Trieben sie zurück in die Hölle aus versengter Erde und Rauch.

(...)

Birg den Gerechten im Schatten deiner kraftvollen Schwingen und erhebe sie
Auf dass sie die Frevler zerschmettern mit der Kraft deines läuternden Feuers.
Sie wollen in Gerechtigkeit das Antlitz deiner Engel schauen
Und sich satt sehen an ihrer herrlichen Gestalt.

(...)

Mit dir erstürmen wir Wälle
Mit dir überspringen wir Mauern
Beseelt von deinem Zorn. Wirf deinen Schrecken auf die Frevler, oh flammender Engel des Todes!
Erhoben hast du dich
Gabriel oh mächtiger Gabriel
Und deiner Kirche triumphiert
Auf dass die Sünder gerichtet werden vor deinem strahlenden Antlitz.


Erst als der Gladier ihm die Segensformal ins Ohr flüsterte, schlug er die Augen wieder auf und nahm seinen zweiten Teil seiner Seele dankend entgegen.

Kenatriel hätte eigentlich ebenso wie Jussiel in schweigender Meditation versunken bleiben sollen und für einen Großteil der Zeit gelang im das sogar. Dennoch erwachte er irgendwann noch weit vor dem Morgen und ertappte sich dabei, dass er immer wieder zu Jussiel schielte, die neben ihm kniete, den Kopf in demütiger Haltung ein wenig gesenkt, während das rötliche Licht ihre feinen Gesichtszüge betonte. In diesem Licht - so redete er sich zumindest ein - wirkte sie ganz und gar nicht mehr androgyn.
Nur mit Mühe gelang es ihm, sich wieder zurück in die schwarze Stille zu begeben und abzuwarten, bis er geweckt wurde.
Und hinterher konnte er nicht einmal sagen, wie sie die Räume wieder verlassen hatten.
Nur ihre von Dankbarkeit warm klingende Stimme, an die erinnerte er sich.

Schummrig und unwirklich wirkten die Gänge der Zitadelle des Todesengels zu dieser Nachtzeit.
Bald würde die Sonne aufgehen, denn die Vorahnung des göttlichen flammenden Auges, war schon am Himmel zu sehen und bald würde sie Himmel und Erde am Horizont teilen und ihren Weg hinauf in den Himmel suchen.

Leise öffnete Jussiel die Tür der Scharcella.
Alle waren noch in Meditation vertieft und so setzten sich die beiden Todesengel auf ihre Plätze um auf den anbrechenden Tag zu warten.

Jussiel Blick glitt hinaus zum Horizont und schließlich geschah das Wunder eines jeden Tages und das warme Licht des Morgens suchte seinen Weg durch die Fenster der Cella.

Timikael
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Beitrag von Timikael » 18.10.2004 - 17:26

Es war spät gewesen als Mikael in die Cella gekommen war, doch noch lange nicht so spät wie es nun war.

Was diese beiden Engel Gabriels wohl so lange aufgehalten hatte?

Als sie die Cella betreten hatte, waren Manuel und Canel - Varcanel - schon in der Meditation versunken und so wusste sie nicht, wo der Rest der Todesschar sich bis gerade eben aufgehalten hatte.

Sie konnte hören wie die nackten Füße der beiden Gabrieliten über den kahlen Boden des Raumes liefen und sie ihren Platz für die Nacht suchten, die nun schon so gut wie vorüber war.

Mikael öffnete die Augen, blinzelte leicht und beobachtete sie stumm, ohne sich zu bewegen.
Sie hatte alles, abgesehen von ihrem Kriegsrock, abgelegt was bei der Meditation störend war - die fingerdicke Narbe an ihrer Stirn war gut sichtbar.
Ihre Augen folgten im Halbdunkel den Bewegungen der Neuankömmlinge.
Beides alte Engel, der eine schlank, filigran und irgendwie faszinierend - Mikael brauchte eine Weile bis sie feststellen konnte ob es sich tatsächlich um einen Scripturagabrieliten handelte, da sie so eine... Ausstrahlung nicht von unter ihresgleichen gewohnt war.

Der Andere war im Vergleich kaum erwähnenswert. Wenn man von der Glatze, und den unmengen an Narben die sie und seinen gesammten Körper verunstalteten einmal absah.
Ein Narbenbruder.

Mikael schloss die Augen wieder.

Interessant...

Aber verdammt zu früh am Morgen!

Manuel
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Beitrag von Manuel » 20.10.2004 - 09:54

Der Sturm jenseits der Mauern des Gabrielitischen Bollwerks war über Nacht zwar abgeflaut, jedoch nicht völlig verstummt.
Kentariel und Jussiel waren noch nicht allzu lange zurückgekehrt. Ob sie nach dem gestrigen Auftrag schon ausgeruht genug waren? Nun, wie sollten es besser sein.

<<< Engel Gabriels. Der neue Tag beginnt bald und wir haben viel zu tun. >>>

Ohne ein weiteres 'Wort' an die anderen zu richten legte sich Manuel seinen Ausrüstungsgurt und den Schulterpanzer an. Er achtete sehr auf korrekten Sitz, so dass er nicht warten musste bis die anderen es ihm gleichgetan hatten.
"Folgt mir." Leise öffnete Manuel die Tür der Cellae, trat hinaus in den noch fast unbelebten Gang und schlug den Weg zu einer größeren Kapelle ein.
Es hatte sich schon herumgesprochen, dass sich eine neue Todesschar formiert hatte die ungewöhnlicherweise von einem Michaeliten geführt wurde. Von einem Michaeliten, über den man zudem kaum etwas gutes zu hören bekam. Und einige bekannte Unruhestifter sollten sich auch in der Schar aufhalten. Unter anderem der riesige Varcanel. Vielleicht waren das einige der Gründe, weswegen die anderen Engel dem Scripturatrupp Platz machte.

In der Kapelle selbst war noch nichts los. Die Beginen und Monachen kamen erst später wieder um ihre Andachten zu halten und die Engel Gabriels hatten so früh am morgen zu trainieren.
Die vier schwarzen Engel, geführt vom weißgekleideten Michaeliten schritten durch die hinten stehenden Bänke zu den harten Holzbrettern, welche weiter vorne angebracht waren. Auf dem ungepolsterten Hartholz konnte man die Knie ablegen. Im Himmel der Gabrieliten gab es keinen Luxus, keine Samtkisschen, nur glattes Holz, welches von kleinen Mulden übersäht war, so viele Engel hatten hier schon gebetet. Nicht einmal Weihrauch, sondern ein anderer, herberer Stoff war es der hier verbrannt wurde um eine besondere Atmosphäre zu schaffen.

Der Michaelit ließ sich auf die Knie nieder und bedeutete seinen Schargeschwistern, sich ebenfalls links und rechts von ihm niederzulassen.
Manuel senkte den Kopf zum stummen Gebet, die Reaktionen der Gabrieliten interessierte ihn im Moment nicht. Wahrscheinlich hielten sie ihn für verrückt.
Früher hatte Manuel geglaubt zu wissen, dass es keinen Gott gäbe. Die Rituale waren ihm hohl und nutzlos vorgekommen, ein Trost für die Schwachen und Dummen, welche die Wahrheit nicht sehen konnten und sie nicht ertragen würden. Er hatte es als bequeme Ausrede, als herbei gezogene Erklärung für alles mögliche abgetan, so wie er es gelehrt worden war. Aber in letzter Zeit spürte er eine Art heilenden Effekt. Das Beten und der - anfangs noch - vorgegaukelte Glaube an den allmächtigen Gott Mater Ecclesias half ihm nach und nach wirklich. Es füllte eine Leere in ihm aus, von der er nicht gewusst hatte dass sie in seinem Innersten existiert hatte. Wenn er Gott auch nicht exakt so annehmen konnte wie die Kirche es vorschrieb, aber das brauchte keiner zu wissen.
Das positive daran war, dass er diesen Zug an sich - im Gegensatz zu anderen - nicht vor mit-Engel verbergen musste. Es wurde sogar von ihm erwartet.
Vielleicht sahen die alten Gabrieliten das ja selbst skeptisch. Oft dachten ältere Engel über solche Fragen nach, auch wenn Gabrieliten zugegebenermaßen nicht gerade zum denken erzogen wurden.

Als er seine Stimme erhob um das Morgengebet zu rezitieren, klang sie nicht mehr so schneidend und kalt. Manuel verfügte sicher nicht über die beste Singstimme, aber es klang gut. Wenn er auch etwas tiefer singen musste als vorgesehen, da seine Stimmbänder die hochschlagenden Kapriolen nicht mehr zuließen.
Während er sang ließ er seine Blicke möglichst unauffällig zu beiden Seiten hin schweifen. Nicht um zu kontrollieren ob sie sich seinem Gesang auch angeschlossen hatten, sicher nicht. Nein, er warf einen Blick auf seine - vermutlich letzte - Schar, welche ihm hier auf Erden unterstellt war.
Fertig mit dem traditionellen Lied (eines von vielen die für solche Zwecke zur Auswahl standen) machte er eine kurze Pause bevor er mit einem Mantra der Gabrieliten fortfuhr, welches er für seine Zwecke anpasste:

"Ihr seid Gabrieliten, euer Name bedeutet: 'GOTT ist meine Kraft'.
Ihr seid das leuchtende Feuer der Vernichtung,
Ihr seid das Verderben der Ungläubigen.
Ihr seid die Unbeugsamen in schwerer Stunde
Und die niemals endende Kraft Gottes.
Ihr seid das Wehen des sanften Windes
Der zum Sturm anschwillt und alles hinfort reißt wenn man sich ihm entgegenstellt.
Ihr seid der Schutz der Menschen, damit sie ohne Sorge schlummern mögen.
Wo ihr erscheint, endet Leben,
Doch die, die mit euch sind müssen sich nicht fürchten.
Ihr bringt die einzig wahre Gerechtigkeit des Allmächtigen
Und schafft einen neuen Anfang.
Ihr seid die Boten von Erneuerung und Unerbittlichkeit
Und das Werkzeug einer besseren Welt.
Ihr seid der gestalt gewordene Tod.
Ihr seid die reinigende Flamme die auflodert
Aus dem geheimen Grund des Herzens
Und alles verschlingt was schlecht ist.
Ihr seid meine Schar."

Es gehörte zu seinen Aufgaben, dass er versuchte ein Wir-Gefühl zu etablieren. Zusammengehörigkeit zu schaffen. Manuel war darin nie gut gewesen. Er scharte die anderen lieber um sich und ließ sie seine Befehle befolgen. Es würde auch hier nicht klappen, mit dieser Schar schien das völlig sinnlos. Schon allein deswegen, weil er sich selbst nicht mit einbinden mochte. Aber vielleicht funktionierte es ja zwischen den Gabrieliten...

<<< Wir treffen uns auf Flugplattform am Tor des gerechten Zorns in einer Viertelstunde. >>> teilte er den anderen auf Michaels Wegen mit und rührte sich selbst noch nicht von der Stelle. Dass man alleine fünf Minuten für den Aufstieg brauchte war wohl eingerechnet.

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Beitrag von Cutter » 20.10.2004 - 20:20

In einem Schleier aus Schweigen gehüllt, folgte Jussiel seinem Michealiten zur Messe, den er selbst bei dem Morgengebet und bei der Zusammenführung der Schar nicht ablegte. Denn nur in den tiefen seiner Seele erhob sich seine Stimme zu den höchsten Tönen um Gabriel in Gedanken mehr Ehre zu machen als er es jemals auf anderem Wege im Stande war zu tun.

Schlachten um Schlachten hatte er für Gabriel gefochten...
Wälle um Wälle der Ketzer gebrochen....
Feind um Feind für ihn erschlagen...
und sein Gelübde aus Eisen und Feuer NIE gebrochen.

Als Manuel seine Schar für 15 Minuten entließ, wandte sich Jussiel um und verließ mit einem leichten Nicken in Richtung seiner Schargeschwister die große Halle.

Zielsicher suchte sich Jussiel seinen Weg durch das endlose Gewirr von Gängen und Kreuzungen.
Jedoch so ausgestorben, wie man zu dieser Tageszeit annahm, waren die Gänge nicht. Selbst zu dieser Zeit herrschte ein frommes Treiben im Himmel zu Trondheim. Geschäftig huschten Novizen hin und her und selbst die Monachen und Beginnen hatten es heute scheinbar besonders eilig. Es schien etwas in der Luft zu liegen und niemand schien es besonders darauf anzulegen, heraus zu finden, was es war. Lieber wollte man möglichst bald seine Tagewerk beenden um sich zurück ziehen zu können.

Schon lange hatte Jussiel aufgehört die Treppenstufen und unzähligen Windungen mit zu zählen.
Aus der Himmelsleiter vor ihm kam eine sehr junge Schar Engel entgegen. Ihre schneeweißen Flügel hoben sich nicht sehr von ihrer schwarzen Gewandung ab. Den Holzschwertern nach zu urteilen mussten sie gerade vom Training wieder gekommen sein.
Die jungen Postulanten, schoben sich im gebührenden Abstand an Jussiel vorbei, als der Gabrielit, sieben Todesengel gewahr wurde, die still wie er den Gang entlangen schritten und einzig und allein das Klingen von Eisen zu hören war, als das Gemurmel der jungen Engel abebbte.

Jussiel blieb abrupt im Gang stehen und wartete ab.
Er kannte die Engel, die sich ihm näherten sehr gut und er war der einzige, der jemals ihre Stimmen gehört hatte.
Tatiel, war derjenige der vorneweg schritt. Wenn man es sich anmaßen würde, ihn mit einem Menschen zu vergleichen, so würde man ihn auf 16 Sommer schätzen, genauso wie Jussiel, nur dass er eindeutig männlich aussah, doch beide Körper zierten gleichermaßen die Linien der Scriptura und beide hatten ein und selbe Armband an ihrem Arm, nur dass Jussiel seines links und Tatiel, seines rechts trug.
Hinter Tatiel schritten noch Kusael, seine rechte Hand, der ebenfalls die vorletzte Weihe schon Empfangen hatte und vier Sigilengel, die Jussiel auch schon mal auf einem Treffen gesehen hatte, sowie zwei scheinbare Neuzugänge, die die Schlusslichter des Zuges bildeten.

Tatiel, dessen Gesichtzüge härter und kantiger waren, als die von Jussiel, erhob seinen rechten Arm zum stillen Gruß, sowie es Jussiel mit seinem linken Arm tat.
Die beiden Gabrieliten näherten sich und umfassten jeweils den Schwertarm des anderen mit dem ihren zum Gruße.
`Tenere capere, Bruder.´
Es war nur ein Gedanke, doch wussten alle Eingeweihten, dass der andere in diesem Moment genau das Selbe dachte.

Gesten wurden ausgetauscht und schließlich folgte Jussiel Tatiel und den anderen zur nächst gelegenen Flugplattform, wo sie ihr Schweigen im inneren Zirkel brachen.

Viele Worte wurden zwar nicht ausgetauscht, aber die, welche die Lippen der sonst so schweigsamen Todesengel verließen, waren kostbarer als ein Vortrag von den Hütern des Wortes.

Zum Ende hin nickten alle zustimmend und Jussiel verabschiedete sich genauso wie er begrüßt wurde und erhob sich auf die Flugplattform am Tore des gerechten Zorns, auf der sich noch kein Mitglied seiner Schar befand.

Er war der Erste.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 21.10.2004 - 20:25

Kentariel blieb erst einmal verstört stehen.
Wohin wollte Manuel jetzt? Und wegen was?
Übung oder Ernstfall?

Egal. Kentariel beschloss sich erst einmal soweit feritg zu machen. Etwas nachlässig trug er etwas von der Flammensalbe auf. Oft erwischte er nicht alle Stellen, aber meistens war das so oder so egal. Seine restliche Ausrüstung, ein mattschwarzer, zerschrammter Schulterpanzer, ein Dolch und eine Gürteltasche sowie ein Wasserbehälter waren schnell gegürtet.
"ich geh mir was vom Manna holen, braucht sonst noch jemand? Will jemand mit" fragte er in die Runde und tappte dann los sobald er wusste, wieviel sie brauchten und wer mit mochte.
Es reichte ja, wenn Einer oder Zwei welches holte und an den Rest austeilte.

Kentariel benötigte nicht lange um bei der nächsten Essenausgabe das Gewünschte abzuholen und stand dann gähnend und sich streckend davor herum. Eines musste man den Gladiern lassen. In deren Heiligen Hallen meditierte es sich prima. Man konnte quasi über 6 Stunden völlig seine Ruhe haben! Ein echter Luxus!

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