Der Himmel der Gabrieliten [Nürnberg] - Intime

Die Ordensburg der Gabrieliten in Nürnberg
Timikael
Oni
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Beitrag von Timikael » 24.10.2004 - 16:36

Mikael war nicht gerade die Aufgewecktheit in Person. Sie mochte weder das allmorgendliche Aufstehen, noch die meist darauf folgenden Messen.
Aber sie hatte ihren Weg das alles zu umgehen.

Es war ganz einfach:
Wenn man keine Lust hatte, konnte man einfach gehn.
Egal worum es sich handelte, egal was es zu tun gab.

Klar, natürlich musste man anwesend sein, tun was zu tun war, vielleicht ab und an im richtigen Moment nicken, aber mehr erwartete niemand von einem Gabrieliten.

Das machte Mikael sich einmal mehr zu nutze, indem sie einfach ihre Gedanken schweifen lies. Sie drifteten weit ab, von dem was um ihren Körper herum geschah. Irgendwo weit Entfernt wetteiferten sie um ihre Aufmerksamkeit nur um ihr wieder zu entgleiten, malten Bilder, schlugen Kapriolen und zogen sie dabei immer weiter von den Geschehnissen der Realität weg.

Alles mögliche erfüllte ihren Geist, während ihre Augen nach vorne blickten.

Irgendwann erklang dann plötzlich ein Michaelit in ihrem Kopf der irgendetwas zu wollen schien.

Die Gabrielitin 'erwachte' und sah sich für einen Moment um, auf der Suche nach einem Anhaltspunkt, der ihr sagen würde was gleich wieder von ihr erwartet wurde.

Gut, sie waren immernoch in einer Kapelle, aber es schien als wären sie ansonsten soweit fertig - ah verdammt sie kniete ja immer noch!
Mikael erhob sich mit dem prickelnden Gefühl als während ihre Kniescheiben einige Zentimeter nach oben umgezogen.
Zwei der Gabireliten waren schon auf den Weg - wohin auch immer - und Varcanel und Manuel schienen ebenfalls gewillt irgendwohin aufzubrechen...

Sie gab auf.
"Wohin sollen wir?" zischte sie leise in Varcanels Richtung, während sie sich leicht über die pulsierenden Knie strich und hoffte dass sie nicht in die vollkommen verkehrte Richtung lief.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 24.10.2004 - 20:47

In der dunklen Stille der Nacht hatte ihn die Erinnerung wieder eingeholt. So hatte Varcanel sich still und ohne jemanden zu Wecken aus der Cella geschlichen - sei es, dass es Manuel egal war wohin er ging oder dass er selbst tatsächlich so leise war. Die Erinnerung daran, wer ihm einst diese lautlose Bewegung beigebracht hatte machte es ihm nicht unbedingt leichter die Bilder aus seinem Kopf zu verscheuchen.
Ohne unterwegs auf jemanden zu treffen erreichte er eine kleine Flugplattform, auch diese war verlassen.
Er atmete die angenehm kühle Nachtluft und näherte sich dem Ende der Plattform. Schließlich stand er so dicht am Rand, dass seine Zehen bereits in der Luft hingen. Wild riss der Wind, der am Schaft Gabriels Heims vorbeifuhr, an Waffenrock und Flügeln. Doch der Engel trotzte der Naturgewalt ohne wirklich darauf zu achten.
Dieser Ort hätte Siriel gefallen. Ja, das hätte er. Während er sich an ähnliche Nächte wie diese erinnerte - damals, als noch alles anders war - glaubte er im Heulen des Windes ihre Stimme und dort draußen in den Wolken ihr Gesicht auszumachen. Sie schien ihn zu rufen. Nein, sie schienen ihn zu rufen! Viel zu viele Stimmen, viel zu viele Gesichter! Siriel, Igliel, Sangel, Toriel, Salabel, Anthiniel...die Liste ihrer Namen schien kein Ende zu nehmen. Und sie alle riefen ihm zu: "Warum bist du noch am Leben, warum mussten wir sterben? Warum? Und warum so früh? Sag' es uns!"
Varcanel blickte in die Tiefe. Es wäre so einfach - und zugleich so schwer. Er müsste nur einen Schritt tun, einen einzigen und dann die Flügel nicht ausbreiten. Er schloss die Augen und stellte sich vor wie er hinab raste, gleich einem fallenden Stern, der Wind rauschte in seinen Ohren, die Lichter des nächtlichen Nürnbergs kamen immer näher...

Nein! Noch warteten Augaben auf ihn, noch gab es jemanden, den er schützen konnte! Noch war sein Leben nicht ohne Wort!
Mühsam zwang er sich die Augen wieder zu öffnen und ins Innere des Himmels zu gehen. Mit einer entschlossenen Geste wischte er sich die warmen Tränen von den Wangen - niemand hatte ihn bislang weinen sehen und das sollte so bleiben. Man würde es ohnehin nicht verstehen.
Ein letztes Mal sah er empor in die Wolken, hob grüßend die Hand, dann umfing in wieder die schale Wärme des Himmels...



Während der Messe war er müde. Kaum verwunderlich, er hatte kaum meditiert, war immer wieder aufgeschreckt...dennoch schien sein Aufnahmevermögen in besserer Verfassung zu sein als das Mikaels.
"Zur Flugplattform am Tor des gerechten Zorns", antwortete er seiner Scharschwester kurzangebunden. Noch weniger als am Vortag war ihm nach freundlichen Worten zu Mute. "In einer Viertelstunde sollen wir dort sein."
Dann ging er langsam und immer noch seinen Gedanken nachhängend in eben jene Richtung. Er hatte nicht vor früher dort zu erscheinen - wozu auch? Er war jetzt sicherlich keine angenehme Gesellschaft. Sollten die anderen sich derweil anfreunden...

Timikael
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Beitrag von Timikael » 25.10.2004 - 18:32

Mikael mußte unwillkürlich die Augen verdrehn, wenn sie sah wie einladend die Minen waren:
Offenbar herrschte Glückseeligkeit unter den fröhlichen Englein Gottes -
die Art von Fröhlichkeit die man bei Ketzern vorfand wenn sie die Schatten einer Schar über sich bemerken und feststellten dass das Flammenschwert bereits brannte und der Urielit schon angelegt hatte...

Nun gut, wie dem auch war: Tor des Gerechten Zorns in nichtmal einer halben Stunde.
Also machte sie sich auf den Weg.

Als sie ankam, konnte sie erst auf den zweiten Blick feststellen, dass einer ihrer Schar bereits hier war.

"Salve, wie nenn ich dich eigentlich?" begrüßte sie den androgynen Gabrieliten von der Seite her. Offenbar war er hier bisher der Einzige.
"Zeit zum Vorstellen war ja noch nicht wirklich. Übrigens ich bin Mikael, Timikael. "

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 25.10.2004 - 18:46

Kentariel erreichte als Dritter die Plattform, etwas schnaufend und keuchend, weil er die ganzen Stufen bis heir hinaufgerannt war. Er hatte mehrere kleine Päckchen dabei, die er in Händen hielt, als er schnaufend neben den beiden Gabrielitinnen zum stehen kam.

"Hier, für dich, und hier Jussiel, ich hab dir auch was mitgebracht!" wieso wurde er jetzt eigentlich rot?

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Beitrag von Timikael » 25.10.2004 - 19:01

Mikael zog sich das Kopftuch mit einer beiläufigen Handbewegung tiefer in die Stirn und musterte den Dritten im Bunde akribisch, bevor sie das Päckchen an sich nahm und feststellte dass es Manna war.

"Du kannst dich übrigens auch angesprochen fühlen, vorausgesetzt du stehst nicht darauf 'hey du' genannt zu werden. Lässt sich nämlich auch machen." meinte sie zu dem Narbenbruder während sie den Beutel an ihre Gürtel band.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 25.10.2004 - 19:07

In diesem Moment trat auch Varcanel durch das Tor und stellte fest, dass er doch nicht der letzte war. Nun, vielleicht auch besser so, denn wenn Manuel zuletzt einträfe, könnten sie auch gleich aufbrechen - und ihm erblieben unerwünschte Fragen...

Da ihm zumindest alle drei namentlich bekannt waren, nickte er nur einmal stumm in die Runde und stellte sich dann hinter Kentariel an die Wand, die Schwertlanze locker gegen die Schulter gelehnt.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 25.10.2004 - 19:13

"Was.. oh..verzeih!" Kentariel war ein wenig überwätigt von Timikaels Art. Er hatte nur am Rande noch mitbekommen, wie sie sich vorgestellt hatte.

"Ich bin Kentariel und das ist Jussiel" stellte er sich vor und nickte auch Varcanel zu.
Kentariel hatte wie selbstverständlich angenommen, dass Jussiel noch kein Wort mit der Anderen gewechselt hatte. "Jussiel ist Ferramenser!" Hoffentlich handelte er sich nicht gleich einen Spruch ein wie "das hab ich selbst gesehen"
Timikael hätte er es ihne weiteres zugetraut. Irgendwie wirkte sie auf ihn wie eine dieser resoluten Beginen aus dem Postulantentrakt.

Er überlegte, ob er sie kennen müsste. Aber irgendwie kam sie ihm älter vor, als er war. Dann bemerkte er, dass er starrte.
Für einen Engel... hatte sie aber...
'Herr im Himmel!'

Timikael
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Beitrag von Timikael » 25.10.2004 - 19:46

"Ferramenser..." schnell suchte sie Hals und Handgelenke des Gabrieliten nach dem obligatorischen Stückchen ungeschmiedeten Eisens ab.
Tatsächlich, na dass konnte ja heiter werden!
Mikael verzog die Oberlippe merklich unbegeistert.
"Nicht so ganz mein Fall, aber wer sich umbedingt auf ein hirnloses Werkzeug degradieren lassen möchte ist ja selber schuld..." Sie zuckte mit den Schultern und sah von Jussiels kalten Augen zu Kentariel der offenbar gerade beschäftigt war.
"Nette Narben, Angst vor Raphaeliten? Soll ich dann deine Augen von ihrer Starre heilen?"
Was für ein dummer Spruch!
Eigentlich schon in dem Moment wo sie es aussprach war ihr klar wie bescheuert es eigentlich klingen mußte, aber wenn der auch so gaffen mußte!
Am liebsten hätte sie sich in den Hintern gebissen, aber stattdessen grinste sie einfach mit der üblichen Lockerheit.

Cutter
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Beitrag von Cutter » 25.10.2004 - 20:26

In Jussiel brodelte es plötzlich auf.

Adrenalin schoß durch seinen Körper und in seinem Körper, sprudelte der Wunsch hervor, Timikael, gegen die nächstbeste Himmelswand zu schleudern und ihr einen Dolch an die Kehle zu halten, damit sie vor Gabriel selbst um Gnade zu flehen, dass sie SEINE liebsten Kinder so verhöhnte.

Jussiel... Eisen ist hart... makellos... und fühlt nichts!
In Jussiel Geist, halten die Worte seines Electi wieder und er konnte sein eigenes Feuer in Eisen bannen, sodass er härter wurde, als sie es jemals konnte.

Sie ist schwach. Schwache Engel kann Gabriel nicht gebrauchen!

Sie hatten ja so recht. Solche Engel waren Gabriel nicht würdig und für ihre Worte, würde sich Gabriel schon eine Bestrafung ausdenken....

Jussiels Blick und Haltung blieb genauso wie vorher.
Er musterte Timikael mit einer perfekten Gleichgültigkeit von oben bis unten und drehte sich als er fertig mit dieser Prozedur war, zu Kentariel und nickte ihm stumm, als Dank für das Manna, zu.

Dann gesellte sich Jussiel zu Varcanel und lenhte sich ebenfalls an die Wand, als er den Beutel mit Manna sorgsam in seiner Gürteltasche verstaute.

Er war ein für allemal fertig mit Timikael.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 25.10.2004 - 20:37

"Meinen Augen geht es GUT!" brachte Kentariel hervor. Er glaubte kaum gehört zu haben, was Timikael grade von sich gegeben hatte.

"Und wenn du dich so gut darauf verstehst zu kämpfen wie deine Brüder zu verspotten, kann uns ja nichts mehr passieren!" fügte er wütend an. Der narbige Gabrielit ballte die Fäuste und streckte dann die Finger wieder.
'Bloooß ruhig Kenti !' dachte er verzweifelt. Timikael konnte eine einzelne Ader an seiner Schläfe pochen sehen.

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Beitrag von Timikael » 26.10.2004 - 14:51

"...ich dachte nur weil du offenbar Probleme mit dem Blinzeln hattest."
Mikael grinste schelmisch als sie erkannte das er ernsthaft Mühe hatte sich zusammenzureißen. Der war ja leicht aufzuregen!
Immerhin war er allem anschein nach gesprächiger als Varcanel oder der Ferramenser.

"Hat übrigens einer ne Ahnung was unser Goldi... Manuel hier mit uns vor hat?"

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 26.10.2004 - 18:30

"Ich habe genau das gleiche Problem mit meinen Augen wie du mit deinem Mund! Sie gehorchen wohl manchmal nicht dem Willen der sie führen sollte, was?" gab er zurück.
"Mir ist egal, was Manuel will, er wird es dann schon sagen!" fügte er an.

Das Thema Manuel war für ihn erledigt seit gestern. Aber sollte der hochnäsige Michaelit es heute erneut wagen ihn herauszufordern, würde er ihn nicht schwach erleben.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 26.10.2004 - 19:10

In diesem Moment legte sich beruhigend eine schwere Hand auf Kentariels Schulter.
Varcanel war von hinten an ihn heran getreten, denn auch wenn er nur ungern Freundschaft zu anderen Engeln knüpfte, war ihm der narbige Todesengel bei ihrer letzten Mission doch ans Herz gewachsen. Vielleicht wegen seiner offenen Art, vielleicht aber auch nur, weil er neben Jussiel so positiv auffiel. Denn das war der zweite Grund, weswegen er seinen Platz an der Wand verlassen hatte: Er konnte den hochnäsigen Ferramenser einfach nicht ausstehen!
"Kentariel! Bleib' ruhig! Es gibt keinen Grund sich aufzuregen. Jeder von uns hat seine Fehler..."

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