Rosmarin

Die Ordensburg der Gabrieliten in Nürnberg
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Magnetklaue
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Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 30.06.2011 - 20:36

Der Morgen war ruhig gewesen. Manchmal hatte sogar der ein oder andere Sonnenstrahl die Fenster des Herbescum Raphaeliticum glitzern lassen und Sajael stand gedankenverloren mit den Händen in der Erde da um dieses Glitzern zu bewundern.
Dann drückte sie die Erde um den frisch gepflanzten kleinen Sprößling fest und klopfte sich die schlanken Hände ab. Die Raphaelitin war eine der wenigen Raphaeliten die hier im Gabrielitenhimmel ohne Schar stationiert waren. Hauptsächlich bestand ihre Aufgabe darin sich um die verletzungsfreudigen Todesengel zu kümmern und nebenher befasste sie sich liebend gern mit um die Pflege der wichtigen Kräuter des beeindruckenden Gewächshauses.

Es war eine angenehme Arbeit und sie konnte meistens alleine sein und ihren eigenen leisen Gedanken nachhängen. Jetzt wandte sich der Engel ab und trat zu einem Waschbecken in der Nähe des Ausgangs um sich die erdigen Hände zu waschen.
Das Wasser war kühl und Sajaels braune Augen betrachteten ein Weilchen wie es über ihre Finger lief und sich dabei brach und neue Wege einschlug. Sie seufzte tonlos, drehte das Wasser ab und trocknete sich die Hände. Mit der ihr eigenen behutsamen Art lief sie zurück in die Krankenräume um ihre Schicht für heute zu beginnen.

Die Ruhe setzte sich fort, bis zu dem Augenblick als Sajael hörte, wie sich die Tür zu ihrem Untersuchungszimmer öffnete. Als sie sich umwandte stockte ihr im ersten Moment der Atem. Ein Gabrielit stand in der Tür und sah aus wie der Tod persönlich. Seine Lippe blutete und war aufgeplatzt, die rechte Schulter wirkte deformiert und blutete ebenfalls. Seine Haut war kreidebleich und das rote Haar hob sich davon grell ab. Ein junger Monach stand hinter dem Todesengel, versuchte über dessen Schulter und Flügel hinweg Sajaels Blick zu erhaschen und wirkte etwas hilflos. Der Engel war voll bewaffnet, mit Flammenschwert, Messer, Stoßdolchen und einer seltsam geschwungenen Klinge.
Mit drei großen Schritten war die schlanke Raphaelitin heran. Sie sah den Mann an und nickte nur kurz, ließ den Bruder ein und schob dann die Tür zu. Erst danach legte sie dem Gabrieliten sanft einen Arm um die Hüften und dirigierte ihn zu der Liege. Lange Jahre mit diesem Orden hatten sie gelehrt, dass die Kinder Gabriels sich ungern in schwachen Momenten helfen ließen. Erst recht nicht wenn Menschen anwesend waren.
Erst als er sicher saß ließ sie ihn los und trat vor ihn. Ihre braunen Augen blickten ihn traurig und besorgt an.
"Was ist passiert?" fragte sie leise und der Laut schien in der Luft zu hängen und in dem stillen Zimmer zu widerhallen, obwohl er kaum mehr als ein Flüstern gewesen war.
Ihre Hände legten sich noch während sie auf die Antwort wartete auf die Brust des Todesengels und ihr Blick wurde glasig und huschte hin und her, während ihr Geist durch seinen Körper flog.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 30.06.2011 - 21:22

Die Welt um ihn herum verschwamm, kleine Lichtblitze zuckten vor seinen Augen.
Er konnte sein Blut durch die Ohren rauschen hören, genau so wie das aufkeimende
Gefühl der Übelkeit.
Samuel hatte es zu übertrieben, hatte sich von Wut und Zorn leiten lassen.
Dafür musste er jetzt einen hohen Tribut zahlen, sein Herz versuchte kräftig das Blut durch seine Arterien zu pumpen doch es war zwecklos, die Verletzungen waren groß und so auch der Blutverlust.
Schmerzen nahm der Gabrielit nur aus einem Schleier war, der sein Bewusstsein trübte.

Dann war sie da, ein unglaublich sanftes Wesen und sie blickte in sein Gesicht.
Ihre Berührungen waren wie ein Heilmittel gegen die Schmerzen, doch dieser Gedanke war nur Illusion.
Seine Verletzungen waren schlimm und trübten seine Sinne.
Vielleicht war er ja auch schon im Himmel?
Samuel sah wie sich ihre Lippen bewegten und dumpf halten ihre Worte in seinem Verstand wieder, doch waren diese so fern.
Er versuchte seinen Blick auf ihre Augen zu fokussieren und mit leiser Stimme erhob dann auch er die Stimme.
„Training.....Kampf...“
Zu mehr war Samuel nicht fähig, auch seine Worte waren dumpf und schienen weit entfernt.
Die schwärze riss an sein Bewusstsein und zog ihn tiefer hinab, er hatte keine Kraft mehr sich zu wehren und langsam verließ die Kraft seinen Körper.
Samuel kippte nach hinten und hieß die schwärze die ihn umgab willkommen.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 30.06.2011 - 21:42

Ihr Patient kippte nach hinten und Sajael griff zu, schlang den Arm mit langjähriger Übung um den Nacken des größeren Engels und hielt ihn gegen sich.
"Armin!" rief sie, mit einer lauten Stimme, die man diesem Engel niemals zugetraut hätte.
Der junge Monach kam hereingelaufen und sprang der Raphaelitin bei.
"Nimm ihm die Waffen ab, aber lass sie genau hier bei mir. Du kennst Gabriels Kinder, sie werden sonst ungemütlich."
Der Monach leistete Folge. Er wusste das Sajael ihm nicht gestattet hätte den verletzten Engel für sie zu halten. Der schlanke Engel war erstaunlich kräftig für seine Statur und so schweigsam sie sonst war, wenn es um ihre Patienten ging gab sie klare Anweisungen und duldete keine Widerworte.
Sajael hielt den Gabrieliten fest und ignorierte das Blut, das sie abbekam. Armin arbeitete schnell und währenddessen schon ließ sie ihre Mächte in den Körper des anderen Engels fließen und ließ ihn tiefer in den Schlaf gleiten. Der Monach zog sich sofort etwas zurück und Sajael ließ den Todesengel zur Seite gleiten. Sanft legte sie seinen Kopf auf die Liege und Armin kam herbei um ihr zu helfen. Diesmal ließ sie es geschehen, dass der Mann die Füße des Gabrieliten auf die Liege brachte, denn so konnte sie ihre Hand auf dessen Brust verweilen lassen.

Danach schickte sie Armin fort und atmete einmal durch. Nun legte sie ihrem Patienten beide Hände auf und machte sich an die Arbeit den Schaden wieder zu beheben, den der Trainingsunfall bei ihm verursacht hatte.
Die Schulter war gebrochen, einige Rippen angeknackst und Bänder gerissen. Seine Lippe war aufgeplatzt und auch an der Stirn blutete er leicht, war also vielleicht gestürzt.
Sajael saß auf einem Hocker und hielt die Augen geschlossen, während ihre Mächte in dem Todesengel wirkten.*
In ihrem Körper machte sich die willkommene Erschöpfung breit, die ihren Geist immer leichter werden ließ.

*das 3. arkanum: roma aeterna
Aufrechte Bedeutung: Wachstum
Fruchtbarkeit, Weisheit, Machtzentrum, Prophezeiung, Nächstenliebe, spirituelle Essenz, Heilung, Speisung, Gefühl, Schöpfung, Gleichgewicht, Heimat

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 30.06.2011 - 23:18

Als sein Bewusstsein zurück kehrte wusste Samuel nicht wie lange er in dieser schwärze verweilt hatte.
Ein dumpfes pochen machte sich in seinem Schädel bemerkbar und auch die Schmerzen waren noch präsent, zwar nicht mehr so stark aber sie waren da und tobten in seinem Kopf.
Der fühlte sich an als hätte er mit Samkiel ein Wett saufen veranstaltet.
`Aber ich denke im Himmel hat man keine Schmerzen?`

Langsam blinzelte Samuel und das Licht blendete seine Augen.
Mit einem leisen stöhnen kniff er sie wieder zusammen.
Dann versuchte der Gabrielit es noch einmal und diesmal ganz vorsichtig.
Es gelang schon besser, doch als die Sehkraft wieder zurück kehrte, kehrte auch die Erkenntnis zurück wo er sich befand.
Samuel war nicht im Himmel, er war immer noch in dieser Hölle auf Erden.
Mit einem seufzen schloss der Todesengel wieder die Augen.

Dann bemerkte Samuel wie er leicht im Gesicht berührt wurde.
Wieder schlug der Gabrielit die Augen auf und diesmal konnte er klarer sehen.
Eine Raphaelitin war über ihn gebeugt und tupfte seine Stirn ab.
Plötzlich schossen die Erinnerungen wie ein Blitzschlag durch seinen Verstand.
Diese braunen Augen.
Sie war da gewesen bevor er ohnmächtig geworden war.
Samuel wollte etwas sagen doch sein Hals war so trocken das er keinen einzigen Ton herausbekam.
Leise räusperte sich der Gabrielit und versuchte es noch einmal.
„Salve.“ Bekam er dann leise heraus und ein schwaches Lächeln zeichnete sich auf seinen Gesichtszügen ab.
Zuletzt geändert von Alessiel am 18.07.2011 - 00:00, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 30.06.2011 - 23:31

Sajael war damit beschäftigt gewesen dem Gabrieliten das Blut aus dem Gesicht zu waschen, als seine Lider flatterten und sich blinzelnd öffneten. Die Raphaelitin stockte kurz, fasziniert von den verschiedenfarbigen Augen ihres himmlischen Bruders. Dann lächelte sie kurz. Ein Lächeln das ihre Augen nicht erreichte.
Sie legte einen Finger an die Lippen und nickte, wandte sich leicht von ihm ab und hob etwas auf. Mit einem Glas Wasser in der Hand wandte sie sich wieder zu dem Streiter um und hielt es ihm hin.

Die andere Hand schob sie unter seine Schulterblätter um ihm aufzuhelfen und zu stützen, falls nötig. Während all dieser kleinen Handgriffe sagte sie kein Wort und mied die Augen des anderen Engels, nach dem langen ersten Blick. Sie wirkte scheu, obwohl sie ihn ohne Angst zu berühren schien. Eine kuriose Mischung.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 01.07.2011 - 01:44

Samuel beobachtete die sanfte Heilerin und seine müden Augen verfolgten ihre Bewegungen.
Das dumpfe pochen in seinem Kopf steigerte sich jetzt zu einen gewaltigen dröhnen.

Er versuchte einen Arm zu heben, doch seine Muskulatur versagt ihm die Kraft.
Anders als seine Ordensbrüder ließ Samuel sich auf helfen, er wusste ohne Hilfe würde es nicht gehen.
Aber ihre Berührungen waren sanft und ließen ihn für einen ganz kurzen Moment die Schmerzen vergessen.
Die Übelkeit schoss durch seinen Magen wie er etwas aufrecht saß.
Kurz kniff der Gabrielit die Augen zusammen als ein Schwindelanfall ihn zu übermannen versuchte.
Als er meinte sich wieder gefangen zu haben öffnete der Todesengel wieder die Augen.
Noch einmal versuchte Samuel seinen Arm zu bewegen und konzentrierte sich auf diese Bewegung. Tatsächlich es klappte und er ergriff das Glas, dabei berührte der Streiter Gottes für einen flüchtigen Moment die weiche Hand der Raphaelitin.

Das Wasser tat gut und seine Kehle dankte es ihm.
Samuels Hand sank wieder nach unten als der Gabrielit das Glas geleert hatte.
Wasser tropfte von seinem Kinn, nicht einmal richtig trinken konnte er.
Der Streiter des Herrn fühlte sich irgendwie Hilflos so kraftlos wie er war.
Seine Augen suchten wieder die Gestalt der Raphaelitin nun nahm sich Samuel die Zeit und betrachtete die sanfte Heilerin genauer.
Die Raphaelitin trug die Scriptura und schien schon älter zu sein, vielleicht so in seinem Alter, genau konnte er es nicht sagen.
Sie war sehr hübsch wie Samuel fand.
Ihre weichen Gesichtszüge hatten etwas verletzliches an sich, aber nicht nur ihre Gesichtszüge wirkten verletzlich, irgendwie tat es ihre ganze Gestalt.
Aber noch etwas fiel Samuel auf, der sanfte Engel schien ihm nicht in die Augen zu sehen.

Der Gabrielit unternahm einen zweiten Versuch und diesmal klang seine tiefe Stimme klarer und verständlicher.
„Wie ist dein Name?“
`Sieh mich an...sieh mir in die Augen.` Schoss ihm der Gedanke durch den Kopf.
Zuletzt geändert von Alessiel am 18.07.2011 - 00:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 01.07.2011 - 08:32

Die Raphaelitin hatte das Glas aus seiner Hand genommen, nachdem es geleert war, stellte es ab und stockte kurz in der Bewegung, als der Todesengel sie erneut ansprach. Dann setzte sie sich wieder auf ihren hohen Hocker und hielt den Blick noch einen Moment gesenkt. So als würde sie überlegen oder etwas abwägen. Dann hob sie den Kopf wieder und sah den Gabrieliten für einen Augenblick unverwandt an, genau in die Augen, als könnte sie in ihn hineinsehen.
"Sajael", gab sie leise zur Antwort und nahm dann den feuchten Lappen wieder auf. Ihre Augen ließen ihn los und sie wandten sich stattdessen wieder seiner Schulter zu.
Sie legte ihm die rechte Hand mittig auf die Brust und übte nur ein klein wenig Druck aus.
"Hinlegen", sagte sie sanft, "aber vorsichtig."

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 01.07.2011 - 09:33

Samuel hatte den sanften Engel die ganze Zeit angesehen.
Der Gabrielit beobachtete ihre Reaktion daraufhin gehend das er sie ansprach.
Sie hatte den Kopf gesenkt und schien ihn immer noch nicht anzusehen.
Doch dann als die Raphaelitin wieder ihren Kopf hob und ihn ansah bekam Samuel eine Gänsehaut.
Dieser Blick war so tiefgreifend wie nur irgendwie möglich, als würde sie in sein innerstes sehen können, in seine Seele.
Was würde der sanfte Engel darin wohl sehen? Außer Schmerz und Trauer.
Vielleicht doch noch einen Funken seiner selbst, so wie er mal war?
Skandinavien hatte ihn verändert hatte einen anderen Engel aus ihn gemacht, doch als Samuel in diese braunen Augen sah, die anscheinend so viel sagten und doch stumm waren, zuckte sein Mundwinkel und ein schwaches Lächeln erschien auf seinem Gesicht.
Der Gabrielit versuchte ihren Blick einzufangen, ihn aufrecht zu halten, mehr von diesen wunderschönen Augen zu sehen.
Doch dann entzog sie sich seinem Blick und Samuel sah noch für einen kurzen Moment dahin wo er gerade in ihre Augen geblickt hatte.
`Sajael.`Ging es durch seinem Kopf.

Sanft übte Sajael druck aus und auch ihre Worte drangen an sein Ohr.
Folgsam tat der Todesengel das was die Raphaelitin von ihm verlangte, er rutschte vorsichtig etwas tiefer und legte sich wieder hin.
Seine Hand suchte ihre freie Hand und berührte diese kurz. Eben noch war der Gabrielit viel zu schwach gewesen ein Glas zu heben und nun schon berührte er die Hand des sanften Engels.
Es war nur eine kurze Berührung doch Samuel konnte ihre weiche Haut fühlen und verinnerlichte dieses Gefühl für einen Moment. Seine hingegen war rau und schwielig von dem ganzen Schwertkampf.
„Danke Sajael,...mein Name ist Samuel.“ Seine Stimme war sanft und freundlich, auch wenn es nur ein paar Worte waren.
Auch wenn sie ihn nicht ansah, versuchte er in ihr Gesicht zu blicken.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 01.07.2011 - 10:06

Sie nickte langsam. Dann sah sie ihn noch einmal an und wiederholte seinen Namen mit der ihr eigenen leisen Stimme.
"Samuel."
Es klang schön. Der Name gefiehl ihr, denn er klang irgendwie weich und angenehm wenn man ihn aussprach. Sie fuhr fort die Blutspuren von Stirn und Gesicht des Bruders zu wischen und kümmerte sich dann auch um Schulter und Oberarm. Mit langsamen und sanften Bewegungen ging sie vor und ihre Gedanken schweiften ab. Die warme Haut des anderen Engels empfand Sajael als angenehm und die Raphaelitin war wie immer froh, dass sie wieder unversehrt war.
Zu oft waren Patienten unter ihren Händen kalt geworden, steif, ohne Leben. Sie schauderte und ließ die Hand einen Augenblick ruhen um sich des Herzschlags Samuels zu versichern.

Die Raphaelitin war erschöpft, aber noch nicht so tiefgreifend das sie völlig verausgabt gewesen wäre. Ihre heilenden Kräfte waren schon immer stark ausgeprägt gewesen, wobei sie nicht wusste ob das an ungeahnten Reserven ihrerseits lag oder ob Raphael sie besonders gesegnet hatte. Man hätte auch sagen können beide Möglichkeiten seien in Wahrheit eine einzige.
Sie zuckte kurz zusammen, riss sich selbst aus den Gedanken und fuhr fort die Schulter des Gabrieliten zu reinigen. Der Körper des Todesengels brauchte etwas Zeit um den Schock der Verletzungen, auch wenn sie geheilt waren zu verkraften. Natürlich hätte er sich später selber sauber machen können, würde auch sicher noch eine Dusche brauchen – sie selbst ebenfalls, sah man davon mal ab, sie hatte einiges an Blut abbekommen – aber sie wollte nicht von der Seite ihres Patienten weichen, bis sie sicher war das er wieder fit war.
Ihr Blick kehrte zu seinem Gesicht zurück und sie lächelte noch einmal, nur leicht, aber diesmal ergriff es auch die braunen Augen und verlieh ihrem Gesicht eine ganz andere Qualität von Schönheit.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 01.07.2011 - 12:07

Wieder blickten ihn ihre Augen an und Samuel konnte nicht anders als sanft zu Lächeln.
Sie wiederholte seinen Namen und er lauschte ihrer Stimme, die wunderschön war.
Zwar waren es nur ein paar vereinzelte Worte die sie gewechselt hatten doch von dieser Stimme wollte der Gabrielit mehr hören.
Sajael wusch ihm weiter das Blut von der Stirn und Samuel konnte einfach den Blick nicht von diesem sanften Wesen lösen.
Tief in ihm regte sich etwas, etwas das schon vor langer Zeit eingeschlafen war und nun nach so langer Zeit zu erwachen schien.
Ein Gefühl, er konnte es nicht genauer definieren, aber es war in der Magengegend.
Viel zu lange war es her das er dieses Gefühl verspürt hatte.

Immer noch fühlte sich der Gabrielit schwach und auch irgendwie hilflos,
Er wünschte das seine Kräfte wieder zurückkehren würden und das er eigenständig stehen und laufen könnte.
Seit Skandinavien mochte Samuel diese schwachen Momente nicht besonders.
Schwäche bedeutete das man sich nicht auf ihn verlassen konnte und Schwäche bedeutete auch das er niemanden beschützen konnte.
Sajaels Berührungen rissen ihn aus seinen melancholischen Gedankengängen.
Wunderbar warm und zart waren sie und vertrieben ein wenig die Kälte in seinem Herzen.
Ihre Hand legte sich auf seine Brust und das ließ ihn für einen kurzen Augenblick entspannt auf seufzen.
Wie lange schon hatte er sich nicht mehr richtig entspannen dürfen?
Es war zu lange her und dieser kurze Moment gab ihn so etwas wie inneren Frieden.
Ihre Anwesenheit tat so gut und war Balsam für seine Seele.

Dann sah der Gabrielit Sajaels Lächeln, sofort erwiderte er das Lächeln und in seinen Augen war so etwas wie Sanftmut zu sehen.
Schwer vorzustellen das ein Gabrielit so einen Ausdruck beherrschte, doch Samuel tat es.
„Sajael...“
Flüsterte der Todesengel leise und verinnerlichte ihren Namen noch einmal.
Er klang sanft und auch irgendwie einfühlsam.
Innerlich musste Samuel über sich selbst schmunzeln.
`Du weißt doch gar nicht ob sie einfühlsam ist und meinst du kannst es aus ihrem Namen heraus hören? Du Narr...`

„Ein schöner Name...“ Hauchte der Streiter des Herrn und ließ sich ihren Namen immer wieder durch den Kopf gehen.
`Sajael...`

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 01.07.2011 - 12:35

Das Lächeln verblasste wieder, zurück blieb der zutiefst melancholische Ausdruck der Sajaels üblichem Zustand entsprach. Kurz neigte sie den dankend den Kopf, als der Gabrielit ihren Namen als schön bezeichnete und beendete dann ihre Reinigung.
Vorsichtig stand sie auf und wusch ihre Hände kurz in der kleinen Schüssel, die auf dem Tischchen neben der Liege stand. Dann hob sie das Glas hoch und deutete fragend darauf, stutzte kurz und seufzte dann. Samuel hier war sie nicht gewohnt, er konnte ihre Zeichensprache nicht einfach so deuten.
"Möchtest du mehr? Oder etwas anderes?" fragte sie und lauschte kurz und fasziniert ihrer eigenen Stimme. Sie sprach selten soviel und vergass manchmal selber fast, wie ihre Stimme klang bis sie aus ihr herauskam.

Mit Patienten musste man natürlich sprechen, auch wenn Sajael sich hier ebenfalls gern auf das nötigste beschränkte. Nur keine Angriffsfläche anbieten für tiefer gehende Kontakte, sie taten nur weh. Wenn nicht sofort, dann doch nach kurzer Zeit.
Wieder das Lächeln das ihre Augen aussparte. Mehr ein Reflex als ein wirkliches Gefühl, denn ihre Gedanken wanderten schon wieder fort. Sie hatte noch nie Fehler bei der akuten Behandlung eines Patienten gemacht, doch wenn die Gefahr gebannt war oder sie an einem Setzlingskasten stand, konnte sie manchmal die Anwesenheit anderer um sich herum fast vergessen.
Sie hob die Schüssel mit dem schmutzigen Wasser und Lappen ebenfalls auf und ihr Blick fokussierte sich wieder auf Samuel, das Lächeln wurde echter.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Alessiel » 01.07.2011 - 13:13

Die Melancholie in ihren Augen ließ sein Herz schwer werden.
Was war dieser sanften Raphaelitin nur passiert das ihre Augen so voller Trauer waren.
Das Zeichen ob er noch etwas Wasser wollte hatte Samuel verstanden, irgendwann hatte der Gabrielit gelernt in der Körpersprache der Engel und Menschen zu lesen, genau wie solche kleinen Gesten wie diese jetzt.
„Ja danke sehr gern.“
Sprach Samuel den Satz aus noch bevor sie ihre Stimme erheben konnte.
Wieder konnte er ihrer wunderschönen Stimme lauschen und erfreute sich an einer simplen Frage.
Da war es wieder dieses wunderschöne Lächeln das ihre braunen Augen so wunderbar zur Geltung brachten.
Seine verschieden farbigen Augen fixierten ihre Augen und noch immer lag in seinen so viel Sanftmut.

Doch auch wenn er sich gerade eingestehen musste gern hier zu verweilen wusste Samuel aber auch das er nicht zum Spaß hier war, er hatte Pflichten und die mussten getan werden.
„Es tut mir Leid...ich frage nicht gern...aber..wie lange werde ich noch ruhen müssen?“
Auch seine Stimme war sanft und wie immer freundlich.
Es war gerade kein Ordensbruder Anwesend also konnte Samuel ganz so sein wie er wollte.

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Re: Rosmarin

Beitrag von Magnetklaue » 01.07.2011 - 13:31

Sajael nickte und ging von der Liege fort, stellte die Schüssel ab und goss Wasser aus einem Krug nach. Dann kam sie zurück und machte eine unbestimmte Kopfbewegung.
"Nicht lange. Setz dich, trink. Wenn du dich damit gut fühlst, steh auf."
Sie hielt ihm das Glas so hin, das er sich aufsetzen musste um es zu fassen. Sie nickte mit dem Kopf in Richtung der fein säuberlich nebeneinander abgelegten Waffen.
"Deine Waffen."
Einen erneuten Blickkontakt baute sie nicht wieder auf, stattdessen betrachtete sie das Wasserglas in ihrer Hand. Sie wusste das sie keine Chance hatte einem Gabrieliten klar zu machen wann er sich zurückzunehmen hatte. Oft genug hatten die Streiter des Herrn ihr klar gemacht was sie von so einer schwächlichen Einstellung wie, sich zu schonen, hielten. Dieser hier machte zwar einen wesentlich, nunja, sanfteren Eindruck als viele seiner Ordensgeschwister, aber konnte Sajael da sicher sein? Sie startete zumindest einen Versuch.
"Aber schone dich. Kein Kampf vor morgen mittag."

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