Zur Stafe aller deiner Sünden

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Terael
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Terael » 19.01.2014 - 22:29

Der Mann säuberte gerade sein Bein von dem Schmutz, den eine solche Prothese zwangsläufig hinterlässt mit einem Tuch und etwas Alkohol.
Als Thorasiel ihn ansprach musterte er den Engel einen Moment nachdenklich und vorsichtig.
Ob sie ihm wohl die Schuld gaben? Was dachten sie, was er für eine Rolle spielte in all dem hier?

"Salve", sagte er schließlich, seine Mundwinkel zuckten kurz zu einem Lächeln, dann legte er den Lappen zur Seite, die Hände in den Schoß und rang nach einer Formulierung.
"Fast die selben Worte hat mir ein Raphaelit schonmal gesagt", meinte er noch in Gedanken und sah den Engel dann wieder still an. Und obwohl sein Blick auch eine gewisse Stärke und Standhaftigkeit ausstrahlte, schien er in Gedanken noch an einem anderen Ort zu sein.
Dann schüttelte er leicht den Kopf und sah woanders hin. Dafür war seine Stimme wieder ganz klar. "Versteh mich bitte nicht falsch, es ist nicht einfach, so ein gütiges Angebot von einem Engel auszuschlagen", meinte er, "aber ich würde mich etwas unwohl dabei fühlen" Er suchte kurz nach dem Blick des Heilers. "Es ist anstrengend für dich, und es scheint mir falsch zu sein, um etwas zu bitten, was in zwei oder drei Wochen von ganz alleine geheilt ist"
Beschämt schaute er zu den Anderen. "Nicht nachdem, was ihr schon alles für uns getan habt", fügte er leise hinzu.

~~~

Sorael musste nicht weit fliegen, um Tiere zu finden.
Am Rande des Dorfes war ein Gebäude oder etwas, was gar nicht so sehr in das Bild passte. Während alle anderen Bauten hier von erfahrenen Bauherren gebaut worden, sahen die Hundekäfige des Mädchens eher besorgniserregend Schwach aus. Die Zäune waren Eisenstäben zusammengesteckt und bogen sich hier und da nach innen oder außen, das kleine Dach aus Wellblech hielt den Regen fern, aber viel mehr auch nicht.
Und dort hingen sie, ein paar erlegte Hasen, Kaninchen und ein Wildschweinferkel, direkt über den freilaufenden Hunden, die sich aber erstaunlich wenig darum scherten.
Sorael landete und ging auf die Beute zu. Unter dem Dach stand ein Tisch, auf und um den heilloses Chaos herrschte. Lappen und Tücher lagen zwische Hundepfeifen, Büchern, Puppen, Körperschutz und sogar einem Bogen samt Köcher umher. Einzig ein paar Gläser, mit Farben markiert, schienen Ordentlich aufgereit zu sein. Die Hunde hatten es sich darum gemütlich gemacht, zwei Welpen rangen miteinander, ansonsten lag die ganze Meute nur herum.
Mittendrin ihre Herrin, im Schneidersitz auf einem wackeligem Stuhl. Sie hatte ein Buch auf dem Schoß in dem sie herummalte. Sie hatte die Haare am Kopf zusammengesteckt und mit den schwarzen Fingern, die sie von der Kohle hatte, sah sie ein bisschen Raphaelitisch aus.

Im Gegensatz zu Thorasiel blieben die Tiere bei der Urielitin ganz ruhig und ignorierten sie. Erst, als Soraels Füße über dem Buch auftauchten, erschreckte das Mädchen, klappte schnell das Buch zu und lief rot an. Ängstlich schaute sie den Engel an und rutschte sogar ein bisschen enger an die Lehne ihres Stuhls, um den Zorn, der dieser Engel haben könnte, zu entgehen.

~~~

"Nein, sonst niemand", sagte Mini, der immer unsicherer in Gegenwart des Engels. Gern würde er wissen, worum es dem Engel ging, ob er das gut oder schlecht fand, selbst, wenn sie nur so tun würde, um ihn in die Irre zu führen, wäre das Aussagekräftiger als gar keine Emotion.
Was wollte Katherel denn wissen? Sie schien es eilig zu haben, viel zu erfahren, dennoch wusste er nicht, was es war.
"Es waren insgesamt auch gar nicht viele", sagte er deswegen, "die sind halt mittlerweile am Alter gestorben oder weggezogen..."
Er überlegte kurz, was er gesagt hatte. "Keine von denen im Bösen, wegen... Familie und Beruf"

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Kasima
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Kasima » 23.01.2014 - 16:21

Sorael blickte sich in dem Zwinger um und lächelte über die Hundemeute. Die zwei kleinen die herumtolden. Es war einfach schön anzusehen, auch schaute sie sich die erlegten Tiere an, ein oder zwei Hasen waren sicher nicht verkehrt und wenn sie nicht mehr hier waren wusste wohl wenigstens einer wie man auf die Jagd ging.
Dann fiel ihr auch die Frau auf, es war die verstummte. Ohne zu zögern trat sie zu der Zeichnerin und blickte auf das Buch. Dann erst erschien sie den Engel zu bemerken.
"Oh, hab keine Angst. Ich will dir nichts böses. Ich wollte dich nur nach den erlegten Tieren fragen. Auf dem Dorfplatz wird für alle gekocht. Ich wollte nur fragen ob wir etwas Fleisch haben können. Ich gehe natürlich auch noch selbst auf die Jagd." sprach sie freundlich und lächelte. "Von mir hast du nichts zu befürchten."

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Alessiel
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Alessiel » 23.01.2014 - 17:39

Thorasiel wurde hellhörig als er hörte das ein Raphaelit schon einmal fast die gleichen Worte benutzt hatte.
Also war einer seiner Ordensgeschwister hier gewesen. Oder hatte er ihn wo anders getroffen? Musariel konnte der Mann nicht meinen denn er hatte nicht beobachten können das die zwei miteinander geredet hatten.

Der Blick des Dorfvorstehers wirkte weit weg, als wäre er an einem anderen Ort. Der Heiler machte sich ein paar geistige Notizen dazu.
Doch als der Mann sein Angebot ausschlug zog der schlanke Engel eine Augenbraue hoch, auch wenn Lucius ihn nicht ansah trotzdem wirkte Thorasiels Blick tadelnd.
"Pff...deine Sturheit wird noch dein Untergang sein wenn du so weiter machst."
Das war doch nicht zu fassen, die Wunde war entzündet und verlangte nach Heilung und dieser Mann schlug sein Angebot aus? Einem Engel?
Herr Gott was war nur mit den Menschen hier?"
Er schnaubte leise und sah den Mann fest mit seinen grünen Augen an. "Erst einmal ich bin ein Raphaelit und bin auf der Erde um die Menschen und Engel zu heilen. Ich denke Gott wird gewollt haben das wir uns treffen denn sonst wäre es schon ein ziemlich seltsamer Zufall gewesen."

Der Blick kehrte zur entzündeten Wunde zurück.
"Und nein es wird nicht in zwei oder drei Wochen heilen. Die Entzündung wird sich weiter ausbreiten, es wird noch schlimmer eitern und die Durchblutungsstörungen die jetzt schon aufgetreten sind werden ebenfalls stärker werden, was zur Folge haben wird das die Wunde nekrotisch werden wird, das Fleisch wird dann anfangen zu faulen. Aber das ist nicht das schlimmste, denn es wird zu einer Blutvergiftung kommen wenn nichts getan wird, ihr werdet Wundbrand bekommen und sterben."
Die Augen wandten sich wieder dem Mann zu und blickten ihn streng an. "Also ihr wollt mir doch nicht sagen das ihr sterben wolllt oder?" Die Wut in dem Heiler kochte hoch, zwar sprach er leise doch man konnte sehen das er aufgebracht war. Thorasiel konnte es einfach nicht verstehen das man so nachhaltig mit der Wundversorgung umging.
Er seufzte und rieb sich über die Stirn. "Passt auf guter Mann, ich werde nur das nötigste heilen. Einverstanden?"
Die Gesichtszüge wurden etwas weicher, denn er erinnerte sich wieder an das was ihm die Spirer gesagt hatten. Er solle versuchen seine Wut zu kontrollieren. Das sagten sie so einfach.

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Terael
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Terael » 25.01.2014 - 01:13

Die junge Frau blickte den Sorael eine Weile ängstlich an, sie und das große, schwere Buch. Hoffentlich dachte der Engel nicht, dort hätte sie etwas reingeschrieben, aber Sorael war ja eine Urielitin. Sie würde es sehen können, aber das bedeutete auch, daß sie die sie all die das in dem Buch sehen konnte, was sie lieber nicht einem Engel zeigen würde.

Aber deswegen war der Engel wohl nicht hier, sie fragte nach den Tieren die sie und ihre Hunde erlegt hatten. Langsam drehte sie ihren Kopf und nickte dann. Natürlich würde sie einem Bote des Herrn die Hasen geben.
Sie nickte und stand auf. So kräftig sah sie gar nicht aus, aber trotzdem hiefte sie das große Buch auf den Tisch und schob die anderen Sachen damit zur Seite. Sie wusch sich schnell die Kohle von den Händen und begann, die Hasen von dem maroden Balken zu hängen.
Jeder dieser Tiere hatte ein Schwingenkreuz umgehangen, und sobald sie das Erste entfernte, kam eine gewisse Unruhe bei den Hunden auf. Aber die würden warten müssen.
Die stumme Frau wusste nicht, was sie zubereiten wollten, aber sie schätzte, daß das, was sie hatte, eh nicht als Braten für alle Reichen würde. In einer Suppe vielleicht, also nahm sie vier Tiere herunter, zwei an den Hinterläufen in jeder Hand und reichte sie dem Engel, während die Hunde das Essen aufmerksam verfolgten.

~~~

Lucius beobachtete den Engel genau, als er sprach. Obwohl er genau wusste, daß der Engel wütend war, zeigte er keine Angst, keine Scham. Er wirkte emotionslos abwesend, aber etwas war da. War es Traurigkeit?
Er war gar nicht abwesend, das wurde dem Spirer klar. Es schien eher so, als würde er das, was Thorasiel sagte, wie er sagte, aufsaugen und wie die Teile eines Puzzles in ein Weltbild einfügen, das nicht ganz einfach war. Vielleicht hatte er ja gewollt, daß er so reagiert..?

Aber dann, eine Weile nachdem der Engel sein letztes Wort gesagt hatte, wandte er den Blick zum Boden ab, sehr langsam, und schloss die Augen.
Dabei, obwohl weder sein Gesicht noch sein Körper den Ausdruck veränderte, oder vielleicht gerade deshalb, schien plötzlich ganz klar, was in diesem Mann vorgeht. Es war keine Traurigkeit, keine Angst oder Erinnerungen, die ihn plagten, es waren Selbstzweifel.
So in sich gekehrt, wie der Dorfsprecher dort saß, so Mut- und Kraftlos, schien die Frage, ob er sterben wolle, keine ganz rethorische mehr zu sein. Er machte den Eindruck, als würde er alles, was der Engel ihm antun würde, ob Heilung oder Schmerz, Leben oder Tod, stumm hinnehmen würde.
Noch einmal dauerte es einen Moment, bis er zaghaft nickte und den Engel entschuldigend wieder ansah.

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Alessiel
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Alessiel » 28.01.2014 - 12:28

Thorasiel beobachtete den Mann und verfluchte sich innerlich wieder für seine Wutausbrüche.
Vielleicht wäre es besser gewesen wenn er ruhig und bedacht gesprochen hätte, auch wenn ihm die Einstellung des Mannes einfach Sauer aufstoßen ließ.
Der Heiler konnte es nicht verstehen das man seinen Körper so sehr missachtete, wenn Hilfe da war warum nahm man sie dann nicht an?
Gut zugegeben er war auch nicht besser, mit seinem Stolz.
Aber da war noch etwas anderes in dem Blick des Mannes. Selbstzweifel.
Auch die kannte Thorasiel, selbst wenn er immer recht gefestigt wirkte kamen doch des öfteren kleine Zweifel hoch die ihn plagten.
Irgendwie tat es ihm schon wieder leid so ruppig mit dem Mann umgegangen zu sein. Auch wenn die andere Hälfte in ihm vielleicht war es die Prüferhälfte vorsichtig bei Lucius wurde. Er hörte erneut die Stimme der Äbtissin in seinem Kopf und fragte sich was mit diesem Mann war?

Die Gesichtszüge des Heilers wurden noch ein wenig weicher. Er lächelte als er den entschuldigenden Blick des Dorfvorstehers sah.
Schon gut.
Schienen die grünen Augen des Heilers zu sagen.
Vorsichtig legte er seine Hand auf das Bein, berührte nur die gesunde Haut und schloss die Augen.
Ließ seinen Geist durch den Körper des Menschen wandern.

Carian
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Carian » 28.01.2014 - 21:22

Katherel begann auf ihrer Unterlippe zu kauen. Sie hatte das Gefühl, dass ihr irgendetwas entging, etwas Wichtiges, und dass sie einfach nicht die richtigen Fragen stellte. Schließlich seufzte sie und schüttelte den Kopf. Vielleicht verrannte sie sich da in etwas. Vielleicht sollte sie auch etwas anderes ausprobieren. "Bitte entschuldige die vielen Fragen", sagte sie dann. "Und dass ich dich von deiner Arbeit abhalte. Falls dir noch etwas einfällt, irgendwas, das ein Grund sein könnte, warum das hier passiert, zögere bitte nicht, es mir zu sagen." Es kam ihr nicht in den Sinn, ihre Gedankengänge zu erläutern. Stattdessen rang sie sich ein dünnes Lächeln ab. "Danke für deine Antworten."

Nachdem sich die kleine Ramielitin von dem Schmied verabschiedet hatte, beobachtete sie ein paar Minuten das Treiben in der Kirche. Die Menschen, die ihren Aufgaben nachgingen oder einfach nur auf einer Bank saßen. Die beiden großen Heiler, die von einem zum anderen gingen, mit ihnen sprachen und ihnen mit ihren gottgegebenen Mächten halfen. Die Urielitin war nirgends zu sehen, offenbar war sie woanders unterwegs.

Schließlich fasste sie einen Entschluss, und ging wieder nach draußen. Es regnete immer noch, natürlich, wenn auch bei weitem nicht mehr so stark wie vorhin. Nachdenklich wanderte sie zu der Scheune, aus deren Regenrinnen die Tränke für die Tiere befüllt wurde. Dabei kaute Katherel immer noch auf ihrer Unterlippe. Das Rätsel war einfach zu faszinierend.

Plötzlich kam Bewegung in den kleinen Engel. Mit raschen Bewegungen zog sie ihren Trinkschlauch aus der Tasche und schüttete die darin enthaltene Flüssigkeit achtlos auf den Boden. Dann hielt sie die Öffnung unter das Ende der Regenrinne, fixierte das dünne Rinnsal als könnte sie es allein durch ihre Willenskraft schneller fließen lassen. Es dauerte viel länger als ihr lieb war, doch schließlich hatte Katherel den Eindruck, dass es nun genug Regenwasser sein musste. Sorgfältig verschloss sie den Schlauch wieder und begab sich zurück zur Kirche, wo sie sich suchend umsah.

Beinahe sofort hatte sie gefunden, wonach sie gesucht hatte. Mit wenigen Schritten war die Entfernung zurück gelegt. Ungewohnt höflich, zumindest für den Moment, wartete der neugierige Engel stumm, während Thorasiel sich um Lucius kümmerte und betrachtete derweil überrascht den Beinstumpf. Damit hatte sie sicher nicht gerechnet. Vielleicht war das auch der Grund, warum sie sich ausnahmsweise zurück hielt.

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Alessiel
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Alessiel » 29.01.2014 - 13:44

Thorasiels Geist wandelte durch den Leib des Mannes, durchsuchte ganz genau jeden kleinsten Fleck im Körper ab.
Er wurde schnell fündig, nicht nur die Entzündung war das Problem sondern auch die Vergiftung, auch Lucius war nicht verschont geblieben.
Würde das jemals ein Ende finden?
Zweifeln half nichts, er musste handeln und zwar jetzt. Wieder mobiliesierte er seine Kräfte zusammen, er wusste das dies wohlmöglich seine letzte Entgiftung sein würde. Der weiße Engel kannte seinen Körper und wusste auch wieviel er ihm abverlangen konnte, er war kein Signums Engel mehr stand kurz vor der Scriptura und hatte schon immer eine größere Menge an Kraftresrven gehabt. Vielleicht war das auch mit einer der Gründe warum sie Thorasiel so oft in Flüchtlingslager oder Lazarette gesteckt hatten wo er sich um die Opfer der Schlacht gekümmert hatte.
Aber natürlich hatten auch seine Kraftreserven irgendwann ein Ende, doch Thorasiel war stur vielleicht zu stur, verlangte er doch viel von seinem Körper ab.

Der Heiler konzentrierte sich sehr stark auf die Vergiftung, teilte sich jeden kleinsten Fitzel an Kraft ein um dem Mann das Gift aus dem Körper zu entziehen.
Er spürte wie sein Herz schneller schlug, fast schmerzhaft gegen die Brust, pumpte es das Blut durch die Adern und versuchte den Körper mit genug Sauerstoff zu versorgen.
Doch der Raphaelit machte weiter, nachdem das Gift aus dem Körper gezogen war heilte er die Schäden die es angerichtet hatte. Erstaunlicherweise war diese Macht nicht so Kräftezehrend für ihn wie bittere Galle. Aber auch hier hatte sein Körper zu arbeiten, jedoch ignorierte der Heiler die ganzen Reaktionen seines Körpers, Schweiß perlte ihm von der Stirn, der Atem ging unregelmäßiger, er kniff die geschlossenen Augen zusammen und seine Miene wurde eisern, er würde nicht aufgeben!
Als nächstes war das Bein an der Reihe, hier heilte er die Wunde, so das kein Wundfieber oder Blutvergiftung entstehen konnte. Auch der Eiter war verschwunden und die Entzündung ebenfalls, was die Schwellung sofort zurückgehen ließ.

Das wars.
Er konnte nicht mehr, löste seinen Geist aus dem Körper des Dorfvorstehers und keuchte leise vor sich hin.
Dumpf pochte es in seinen Ohren, der Kopf schmerzte und das Herz schien sich nicht mehr zu beruhigen.
Ihm schwindelte, Thorasiel biss sich aufs innere seiner Wange der Schmerz holte ihn zurück, er durfte nicht ohnmächtig werden.
Er wusste er musste meditieren oder sich jedenfalls ausruhen, aber da gab es noch etwas was ihn beschäftigte.
Denn der Heiler hatte noch etwas im Körper des Mannes gefunden, was seine Neugierde geweckt hatte. Alte Verletzungen, wohlmöglich durch Klingen verursacht.
"Wie...wie hieß der Raphaelit der dich heilen wollte?...Und hat...er dich geheilt?"
Kam es keuchend über seine Lippen, sein Körper begann zu Zittern, er hatte sich eindeutig zusehr verausgabt.
Thorasiel hatte noch immer die Augen geschlossen, den Kopf etwas gesenkt, doch lauschte er.
"Und woher....hast du die alten Verletzungen?"


*Karte: Die Erzengel: Versuchung*

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Terael
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Terael » 31.01.2014 - 23:54

Lucius schloss die Augen nicht, wie viele, sondern beobachtete den Heiler bei seiner Arbeit, genauso wie Katherel, als sie sich zu ihnen gesellte. Er hatte nicht gewollt, daß der Heiler sich so verausgabte an ihm, aber Thorasiel tat Recht daran, ihn zu ermahnen. Es ist seine Aufgabe, zu Heilen, auch wenn der Mann glaubte, es gäbe hier noch anderweitig genug zu tun. Aber was wusste er schon von dem, was Engel taten und was nicht.

Der Schmied derweil dachte nach. Darüber, was die Ramielitin gefragt hatte, er versuchte sich darauf einen Reim zu bilden. Nichts von dem, was sie fragte, hatte mit einem Verdacht zu tun, der auf ihn fallen könnte. Vielleicht wussten sie, daß er es nicht gewesen sein konnte, vielleicht hielten die Engel es einfach für unwahrscheinlich.
Nach dem, was sie gefragt hatten, hatten sie keinen Verdacht. Dafür, daß es Engel waren, sah das nicht wirklich gut aus.
Sie suchten nach einem Hinweis den er nicht hatte. Nach etwas, dem sie nachgehen konnten.

Als er zu ihnen sah, viel ihm etwas ein. Etwas, was für ihn unwahrscheinlich war, kaum etwas damit zu tun hatte, was hier geschah, aber was wusste er schon? Es war lange her, aber vielleicht ist es die Stecknadel, nach der sie suchten.
Er stand auf und ging zu den beiden Engeln, aber ebenso höflich wie Katherel hielt er sich zurück. Vorsichtig suchte er blickkontakt mit der Ramielitin, aber er würde warten, bis die Engel mit ihren Aufgaben fertig waren.

Daß Thorasiel auf den Dorfvorsteher böse war und nun zwei Engel bei ihm standen, blieb derweil nicht unbemerkt. Viele Blicke richteten sich auf sie, neugierig und besorgt. War er der Schuldige? Und wenn ja, warum wurde er geheilt? War er ein Sünder oder wusste er nur etwas, das sie nicht wussten?

"Kiariel hieß sie", antwortete der. Es klang in seinem Kopf recht merkwürdig, aber er machte sich Sorgen um den Engel. Gerne hätte ihm jetzt etwas zur Stärkung angeboten, aber das Essen wurde noch zubereitet und alles, was er hatte, war ein Glas Wasser, was neben ihm stand.
Aber das Thorasiel anzubieten, dazu kam er nicht, denn es folgte eine zweite Frage. Die Antwort darauf war einfach, aber es war die Sorte von Antworten, die man nicht so einfach dahin sagte. Schon gar nicht vor zwei Engeln.
Er sah die Engel an, zuerst Katherel, dann Thorasiel, mit einer Mischung aus Bedauern, was geschehen war, und Angst, vor dem was vielleicht gleich geschehen konnte. Aber er traute sich nicht, es den Engeln ins Gesicht zu sagen, also wandte er den Kopf nach unten.
"Traumsaat", sagte er leise.

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Alessiel
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Alessiel » 03.02.2014 - 13:07

`Kiariel...Kiariel...`
Der Heiler ließ den Namen seiner Ordensschwester mehrmals durch den Kopf wandern aber er glaubte sich nicht an den Namen zu erinnern.
Vielleicht war er ihr schon einmal begegnet, aber dann war es lange her.
Thorasiel lauschte mit geschlossenen Augen den Worten des Mannes und nahm jede Schwingung oder Gefühlslage seiner Stimme auf.

Für einen ganz kleinen Moment atmete der Heiler noch einmal tief ein und wieder aus ehe die grünen Augen sich wieder öffneten und den Mann mit einem mitfühlenden Blick musterten.
Sachte legte der weiße Engel eine Hand auf das gesunde Knie des Dorfvorstehers. "Wenn du reden willst. Such mich einfach auf ich bin da. Manchmal tut es einfach gut wenn man einfach nur reden kann was einen belastet. Was in einem vorgeht."
Zwar war er mit seinen Kräften ziemlich am Ende doch niemals würde er zu kraftlos sein um nicht einfühlsam zu regieren. Es lag ihm im Blut, es war wie eine Gabe oder vielleicht sogar manchmal wie ein Fluch das er die Gefühle des anderen fühlen konnte.
Vielleicht noch ein Grund warum man ihn in die Reihen der Spirer aufgenommen hatte, nicht nur um sein Wutproblem in den Griff zu bekommen sondern auch wegen seinem einfühlsamen Wesen und seiner sanften beruhigenden Stimme die so viel Wärme in sich trug. "Denk darüber nach."

Thorasiel nahm die Hand wieder weg und griff in seine Tasche, holte ein Tuch heraus um sich das verschwitzte Gesicht zu trocknen. Er wusste das er dem Mann ersteinmal eine Pause von dem ganzen hier geben musste.
Er blinzelte überrascht als er eine weitere Gestalt neben sich ausmachen konnte. Verdutzt sah er seiner kleinen Schwester ins Gesicht. Wie lange war sie denn schon hier?
"Oh...verzeih mir Katherel ich habe dich nicht bemerkt." Auch ihr schenkte er ein sanftes Lächeln. "Was kann ich für dich tun?"

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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Carian » 08.02.2014 - 12:47

Katherel zögerte kurz, ließ den Blick zwischen Lucius und Thorasiel hin und her wandern. Sie wollte die Menschen nicht beunruhigen, schon gar nicht mit vielleicht falschen Theorien. Dabei bemerkte sie auch den Schmied, der ihren Blickkontakt suchte. "Einen Augenblick", bedeutete sie ihm kurz zu warten und wandte sich zunächst ihrem Bruder zu. "Würdest du bitte etwas für mich ausprobieren?" fragte sie, schnell und leise auf Latein, und hielt ihm den Wasserschlauch mit dem Regenwasser hin.

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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Kasima » 08.02.2014 - 20:41

Die stumme Frau wirkte immer noch etwas verängstigt, doch begegnete Sorael ihr bloß mit einem freundlichen Lächeln. Es lag ihr fern, der armen Frau etwas anzutun.
"Danke", bedankte sie sich freundlich, als die Frau nickte und begann Hasen von den Leinen zu nehmen. Sie spürte wie die Tiere etwas nervös wurden. Wahrscheinlich dachten sie, sie dürften das Fleisch essen, doch leider war dies nicht der Fall. Sie blickte auf die Meute und atmete den Geruch ein. Es enspannte sie und sie fühlte sich wohl unter den Tieren.
"Du hast die Hunde gut erzogen", sprach sie und nahm nochmals dankend die Hasen entgegen.
"Ich werde die Hasen gleich zur Kochstelle bringen, ich werde nochmals vorbeikommen, wenn das essen fertig ist, solange viel Erfolg beim zeichnen" Sorael zwinkerte und verabschiedete sich auch von den Hunden, bevor sie ein freien Platz suchte um sich in die Luft zu erheben. Es tat gut zu fliegen und die Flügel bewegen zu können. Sie konnte leider nicht auf die gleiche Weise helfen wie Thorasiel, darum bemühte sie sich umso mehr darum, was sie konnte. Dann auf dem Dorfplatz wandte sie sich direkt an die kochenden Menschen.
"Hier die Hasen könnt ihr auch noch für die Suppe nehmen", sprachs und warf ein Blick hinein in den erhitzen Topf.

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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Alessiel » 10.02.2014 - 14:03

Es brauchte nicht lange bis der erschöpfte Engel verstand was die kleine Ramielitin von ihm wollte.
Er nickte und griff nachdem Wasserschlauch, versuchte das Zittern in seinen Händen zu unterdrücken und trank ohne zu zögern von dem kühlen Nass das seine trockene Kehle befeuchtete.
Thorasiel hielt den Wasserschlauch mit einer Hand fest und legte die andere auf seine Brust. Er schloss die Augen um in seinen Körper sehen zu können.
Der Heiler wusste wenn das Wasser jetzt vergiftet war, gab es keine Chance sich zu entgiften, denn das würden seine Kräfte nicht standhalten. Aber trotzdem hatte er nicht gezögert, vielleicht würde es später schon zu spät sein, er musste unbedingt herausfinden ob das Wasser vergiftet war.

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Terael
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Re: Zur Stafe aller deiner Sünden

Beitrag von Terael » 17.02.2014 - 22:08

Lucius hatte mehrere Dinge im Kopf, die er jetzt sagen oder fragen wollte. Einerseits allerdings waren es meist Dinge, bei denen er Angst hatte, den Engel noch weiter zu verärgern, andererseits Gab es viel zu tun für die Boten des Herren, da sind Fragen theologischer Natur unangebracht. Trost und Weisheit von einem Engel angeboten zu bekommen, war etwas besonderes, aber viel Wichtiger war die Gesundheit der Menschen hier.
"Danke", sagte er zunächst also nur und beließ es dabei, die Engel in ihrem Gespräch nicht zu stören. Stattdessen humpelte er zu einer Tasche mit ein paar belegten Broten, um sie den Engel zurückhaltend anzubieten, als Wiedergutmachung für die Anstrengungen, die er seinetwegen auf sich genommen hatte.

Was Thorasiel währenddessen zu sich nahm, war tatsächlich ganz normales Regenwasser. Auch wenn dass prinzipiell ein gutes Zeichen, wenn es die Engel auch nicht näher an die Lösung brachte.
Dafür hatte der Schmied eine Idee, wenn auch eine vage. Und er dachte, daß eine Ramielitin da sicher mehr herausfinden könnte.
"Ich weiß nicht, ob es was damit zu tun hat", sagte er, als sich Katherel ihm zuwandte, "aber es waren schon einmal Engel hier im Dorf... vor zwanzig Jahren ungefähr. Ich selbst war nicht da, aber Hikari und Julia haben sie gesehen. Vielleicht findet ihr da ein paar Hinweise"

~~~

Die junge Frau lächelte kurz. Wenn eine Urielitin das sagt, dann war es wohl etwas gutes.
Gleich nachdem Sorael abgehoben war, befahl sie drei der Hunde, etwas, und nachdem sie sie ein oder zwei mal ermahnen musste, auf sie zu hören, rannten sie über das Feld auf den Wald zu. Sicher sollten sie ein paar mehr Tiere fangen.

Das Wasser im Topf kochte schon fast und während die Männer noch etwas Holz herbeischafften, waren die Frauen dabei, Gemüse zu schneiden. Marc stand in der Nähe, und als er die Hasen sah, beäugte er die Beute. Für einen Moment sah es aus, als wollte er etwas sagen, aber als ihm gewahr wurde, daß ein Engel die Tiere in der Hand hielt, blieb er lieber ruhig. Er suchte sich ein Messer und ging damit auf Sorael zu. "Das kann ich übernehmen, wenn ihr wollt", bot er seine Hilfe an, denn immerhin müssten die Tiere zumindest gehäutet werden.

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