Der erste Kampf

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Alessiel
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 16.04.2013 - 00:19

Es war rutschig und gefährlich so über den weichen Boden zu laufen, doch diese Freude und auch dieses Gefühl loslassen zu können spornte ihn an schneller zulaufen.
Der Regen prasselte ihm ins Gesicht, der Wind wehte durch sein nasses Haar. Es fühlte sich so wunderbar an, es fühlte sich nach Freiheit an, es fühlte sich lebendig an!
Wie gern hätte der Michaelit jetzt seine Flügel ausgebreitet und hätte sich in die Lüfte erhoben.
Aber Cressariel hatte etwas von nicht schummeln gesagt, daran würde sich der drahtige Engel halten.

Er rannte immer weiter und schneller, seine flinken Beine trugen ihn über den rutschigen Weg, hin und wieder kam der Michaelit kurz ins rutschen doch sein perfekter Gleichgewichtssinn hielt ihn vom stürzen ab.
Auriel merkte das er schneller war als Cressariel, diese Erkenntnis ließ sein Ehrgeiz neu entflammen und verbissen rannte der Michaelit weiter.
Gott fühlte sich das gut an!

Als Auriel als erster am Zielort ankam rannte er noch ein wenig weiter um den Schwung auslaufen zu können.
Langsamer geworden lief er dann zu seinem Bruder, keuchend aber glücklich blieb er neben ihm stehen.
Cressariel begann zu lachen und der gutgelaunte Michaelit schloss sich ihm an, begann aus tiefster Seele zu lachen.
Er lachte und fühlte wie jeder Zwang, jede Veratnwortung, jede Last, jede Zweifel in diesem Moment von ihm abfielen. Es fühlte sich gut an, einfach befreiend.
Auch der kleinere Engel tat es seinem älteren Bruder gleich und stützte seine Hände auf die Knie ab. Seine Bauchmuskeln zogen sich zusammen und er spürte den leichten Schmerz der dennoch gut tat.

Auriel richtete sich ebenfalls langsam und schnaufend wieder auf. Er sah seinem gabrielitischen Bruder grinsend ins Gesicht und musste noch immer leise kichern.
"Na so frech wie ich bin muss ich laufen können."
Auriel zwinkerte wieder, lachte noch einmal leise auf und lächelte dann plötzlich sehr sanft und warm.
"Das tat so unglaublich gut Cressariel, wirklich. Es tut einfach mal gut sich wieder wie ein kleiner Signums Engel fühlen zu dürfen. Danke, genau das hatte ich gebraucht."
Wieder legte er dem Gabrieliten sanft eine Hand auf die Schulter.

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Steff
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Steff » 16.04.2013 - 19:38

Geschmeichelt zog der Gabrielit seine Augenbrauen zusammen und wendete sein Gesicht lachend ab. "Gern. Aber - " jetzt, da sein Kopf nach links geneigt war, sah er kurz auf die Hand Auriels, die immer noch auf seiner Schulter ruhte. " in Zukunft musst du noch Einiges dazu lernen." Er richtete sich vollends vor dem Michaeliten auf. Eine Hand stemmte er in die Hüfte, die Andere erhob sich und gab seiner gegenüberliegenden Schulter einen Schlag. "Das hier.", sagte er und wiederholte die Bewegung seiner geballten Faust. "Das hier bedeuted Anerkennung."

Eigendlich war er sich nicht einmal sicher, dass diese Geste wirklich dafür stand. Vor einigen Jahren hatte er ein paar ältere Gabrieliten in Nürnberg erspäht, die sich immer gegenseitig lächelnd auf die Schulter geschlagen hatten, wenn einer ihrer stundenlangen Kämpfe beendet war. Damals, als kleiner Signums Engel hatte ihn diese eigenartige Geste, die er zuerst nicht einordnen konnte schwer beeindruckt. Schien sie doch für sowas wie Lob, gar für Anerkennung zwischen Gefährten zu stehen. Also hatte er sie sich zu Eigen gemacht.

Der Streiter nahm sein Stirnband ab, um es auszuwinden und schüttelte zeitgleich seine grauen Flügel mit ein paar heftigen Bewegungen aus. Das Wasser glitt aus seinen Schwingen und ergoss sich wie ein kleiner Regen über den Boden, wo es sich in den steinernen Rillen des Flurs sammelte. Jetzt fühlte er sich schon um einiges leichter.
"Ok. Lass uns gehn, bevor wir hier noch Wurzeln schlagen."

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Alessiel
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 16.04.2013 - 20:17

Auriel nahm die Hand wieder von der Schulter des Gabrieliten, vielleicht waren diese Berührungen doch zu viel.
Er wollte schließlich niemanden überfordern.
Cressariel sprach und der Michaelit lauschte den Worten seines Bruders.
Etwas verwundert sah er in das Gesicht des anderen und blinzelte als er die eigenartige Geste sah die sein Gabrielit da vollführte.

Doch der kleinere Engel begriff schnell und verstand den Zusammenhang.
Auriel blieb für einen kleinen Moment vor staunen der Mund offen stehen.
Bedeutete das wirklich das er von seinem Streiter gerade Anerkennung bekam?
Anerkennung!
Ein glückliches Leuchten strahlte in seinen hellen Augen auf.
Auriel streckte seinen Arm aus und vollführte die gleiche Geste, sah Cressariel dabei tief in die Augen.
„Anerkennung...“
Mehr brauchte der Michaelit nicht zusagen denn seine Augen sprachen mehr als tausend Worte.

Er nahm die Hand wieder herunter und sah dann zum Eingang des Klosters.
„Gute Idee, lass uns gehen. Eine heiße dusche darauf freue ich mich jetzt richtig.“
Sprach der Michaelit gutgelaunt und tat es Cressariel gleich, schüttelte seine vom Regen schweren Flügel aus, dann setzte er sich in Bewegung und schenkte seinem Bruder noch einmal ein vertrautes Lächeln.

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Steff
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Steff » 20.04.2013 - 10:29

Der Rotschopf konnte förmlich sehen wie dem kleinen Michaeliten ein Licht aufging. Seine grüngoldenen Augen blitzen ihm warm entgegen, als er die vorgeführte Geste an Cressariels Schulter wiederholte. Er lächelte zurück und versuchte sich einige der kaminroten Haarsträhnen, welche hartnäckig an seiner Strin klebten fort zu wischen.
"Klingt gut." entgegnete er und kniff kurz die Augen zusammen um nichts von den umherspritzeden Wassertropfe abzubekommen. Der ganze Boden um sie herum war nun vollkommen von Wasser überflutet, und auch als die Beiden sich auf den Weg zu den Duschräumen machten hinterliesen ihre Roben nasse Schleifspuren auf den sonst so sauberen Klosterflur.

Beim Entlandschlendern kamen ihnen einige Menschen entgegen, alle eifrig in Eile Zutaten für die abendlichen Speisen zu besorgen, neu angekommene Gäste unterzubringen oder wie Cressariel mit einem Schulterblick bemerkte den Steinboden wieder auf Hochglanz zu bringen. Aber jeder einzelne von ihnen neigte den Kopf als die beiden Geflügelten vorbeigingen.

Sie bogen in den nächsten Flur ab und wären dabei fast gegen zwei Templer gelaufen. Beide trugen eine allem Anschein nach schwere Kiste und hatten daher nicht auf ihre nähere Umgebung geachtet, die ihnen früher oder später sowieso ausgewichen wäre. Der Fordere von Beiden der ihnen den Rücken zugewandt hatte erschrak als er erkannte dass es sich bei den beiden Gestalten hinter ihm um Boten des Lichts handelte. "V-verzeiht, es tut mir leid.", stotterte er vor sich hin. Doch der Gabrielit war eher an der hölzernen Box interessiert die die beiden starken Männer zwischen sich trugen. Diese war oben geöffnet und offenbarete ihr kostbares Gut. Fleisch. Er kannte sich nicht sonderlich mit Fleisch aus, aber sich darüber nicht zu freuen wäre wahrhaftig eine Todsünde gewesen.

Mit einem beschwichtigendem Kopfschütteln zog er an den beiden Männern vorbei, in Gedanken bereits versunken in dem anstehenden Festschmaus. Ein leises, wenn auch mit Vorfreude strotzendes Seuftzen englitt seinen Lippen.

Aber jetzt würde er sich erst einmal dem wohlig warmen Wasser der Badekabinen wittmen. Er öffnete die Tür. Natürlich waren die gefliessten Räumlichkeiten zu solch hecktischer Stunde leer.

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Alessiel
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 20.04.2013 - 11:50

Auriel schämte sich etwas als er die Spuren von Wasser sah die sie auf dem Gang verteilten, doch anders ging es ja nun mal leider nicht.
Trotzdem hatte er kein gutes Gefühl dabei den Menschen noch mehr arbeit zu machen. Wie wäre er doch jetzt wieder von einigen seiner Ordensgeschwister ausgelacht und verspottet worden.
Doch das war dem Michaelit egal er war nun einmal so und würde sich auch ganz bestimmt nicht ändern.

Völlig in Gedanken versunken wäre er deswegen auch fast gegen zwei Templer gelaufen, doch blieb Auriel sofort stehen als auch Cressariel es tat und blickte verdutzt in das Gesicht des einen Templers.
Der genau so überrascht wie der Michaelit war, aber Auriels Augen wandten sich schnell zu seinem Streiter und war gespannt was er tun würde.
Cressariel blieb freundlich und schüttelte nur beschwichtigend den Kopf was den goldenen Engel überraschte aber auch freute.
Mit einem sanften Lächeln wandte er sich an die beiden Templer. "Das kann passieren ich habe ja auch nicht aufgepasst."
Auch Auriel ging an den beiden vorbei und folgte seinem Gabrielit in den Duschraum.

Der Raum war hochgeließt und recht groß, so das die Engel keine Probleme mit ihren Schwingen hatten.
Am Anfang des Raumes befanden sich einige Spiegel und Waschbecken.
Hier befand sich auch ein großer Schrank mit Handtüchern und frischen Kriegsröcken und natürlich gab es auch ein Wäschekrob für die Schmutzwäsche.
Wenn man dem Raum weiter ins innere folgte waren dort die offenen Duschkabinen zusehen, die ebenfalls für Engel angefertigt wurden. Hier befanden sich auch Seife und Shampoo. Alles war nach den raphaelitischen Standart eingrichtet.

Auriel ging an eine der Spiegel heran und betrachtete sein Spiegelbild was ihm entgegen sah.
Wie er doch aussah, überall war Dreck und Schlamm zusehen. Was ihn ein wenig amüsierte, vorsichtig versuchte er den Dreck vom Gesicht zu reiben und versank in seine Gedankenwelt.
Wie konnte er sich nur im Spiegel ansehen wenn er doch schon längst sein Gesicht verloren hatte? Wieso gaben sie ihm noch eine Schar wenn er doch so ein Versager war? Auriel konnte niemanden beschützen das hatten ihm die Ereignisse gezeigt die passiert waren.
Und was war mit seinem neuen Gabrielit? Würde der bei ihm bleiben oder ebenfalls bei ihm wahnsinnig werden? Konnte er seinem neuen Streiter wirklich vertrauen? Der Michaelit hatte aufgehört sich den Dreck aus dem Gesicht zu wischen, völlig geistesabwesend starrte er sein Spiegelbild an.
Aber was war mit dem Gefühl das er gehabt hatte? Dieses vertraute Gefühl das ihm zeigte das ein besonderes Band ziwschen Cressariel und ihm geknüpft werden konnte?
In seinen Augen lag wieder ein trauriger Schimmer und erneut war dieser Schmerz zusehen. Seine Hände krallten sich in den Waschbeckenrand und ein leises Seufzen rann aus seiner Kehle.
Plötzlich riss er sich von seinem Spiegelbild los und öffnete den Wasserhahn, sofort wusch der goldene Engel sich mit dem kalten Wasser das Gesicht. Vielleicht würde das seine Gedanken klären und die schrecklichen Bilder im Kopf vertreiben.

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Steff
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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Steff » 22.04.2013 - 16:11

Das Licht, das durch die melierten Fenster in dem geräumigen Zimmer fiel war dim und trübe. Nur die unnatürliche Belichtung nahe der aufgereihten Spiegel erzeugte eine Art von Wärme. Ohne weiter Umschweife durchschritt der rothaarige Engel den Raum um seine Kleidung auf einer der bereitgestellten Sitzbanken platzieren zu können.

Sein Stirnband, das er die ganze Zeit in der Hand gehalten hatte, landete mit einer beläufigen Handbewegung auf einem der Schemel und er began die Schnallen seines Umhängegurtes, an welchem sein Flammenschwert befestigt war zu lösen. Ganz vorsichtig nahm er es in die Hände, balancierte das nur allzu bekannte Gewicht der Klinge auf seinen rauen Fingespitzen. Seine arme Waffe war schon einige Zeit nicht mehr zum Einsatz gekommen, sicher sehnte sie sich wie er nach ein wenig Zuwendung, ein wenig mehr Beachtung. Kurz legte er sie auf seinem Schoß ab, um an der geschliffenen Kante entlang zu fahren. mit einem Lächeln stellte er fest, dass es noch scharf zu seinen schien. Er plazierte das wertvolle Gut oben auf einem der Regale, sodass es nicht heruntergestossen oder fallen konnte. Ausserdem würde er es dort auch immer aus den Augenwinkeln heraus sehen.

Als er sich den Eisenschnallen seines pechschwarzen Schulterpanzers zuwandte, betrachtete er Auriel, der anscheinend damit beschäftigt war sich die Erde aus dem Gesicht zu wischen mit einem kurzen Seitenblick. Dessen schmerzerfüllten Worte hallen dumpf in seinem Kopf. Sein Bruder hatte schon so viel Leid gesehen, so viele Gefährten verloren. Wer war er schon sich einzubilden er könne ihm versprechen zu leben. Niemand konnte so etwas versprechen. Wirr wanderte seine braunen Augen zwischen den klaten Bodenfliessen hin und her. Konnte er überhaupt irgendetwas tun?

Er wandte sich um zu Auriel und stockte als er ihn erblickte. Der Michaelit stand vor einem der Spiegel und starrte mit leerem Blick durch sein schlammverschmiertes Ebenbild hindurch, die Hände fest um den Rand des schimmernd weissen Waschbeckens gekrallt. Cressariel trat einen Schritt näher. Auriel schien auf ein mal so fern, fast so als wäre er nicht wirklich mehr da. Die Situation machte ihm fast Angst. Er nahm noch einen Schritt und öffnete den Mund, um seinen Bruder wieder zurück, zu ihm, in das hier und jetzt holen, als dieser den Wasserhahn umdrehte. Durchsichtige Tropfen sprangen aus dem Porzelanbecken und schlugen hart auf den weissen Bodenkacheln auf.

"...Auriel? Alles in Ordnung mit dir?"

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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 22.04.2013 - 17:36

Er wusch sich das Gesicht und fühlte wie das kalte Wasser sein Gesicht herunterperlte.
Der Wasserhahn wurde wieder geschlossen und plötzlich hörte er weit entfernt eine Stimme.
Verwirrt drehte der goldene Engel sich um und sah seinem Gabrielit ins Gesicht. Ihm gehörte die Stimme die ihn ins Hier und Jetzt wieder zurückholte.
Auriel lächelte ganz leicht, doch er war ein ehrlicher Engel dessen Gefühle man offen lesen konnte.
"Ich..."
Kam es mit belegter Stimme von dem Michaelit.
Er überlegte und schüttelte dann sachte den Kopf. "Ich war gerade weit weg....aber nein...wenn ich ehrlich bin..."
Auriel seufzte schwer und sah weg, versuchte seinen Blick zwanghaft auf etwas anderes zu fokussieren.
Doch kehrten seine grüngoldenen Augen wieder zum Streiter zurück, er wollte ihm nicht ausweichen das hatte Cressariel nicht verdient.
"Weißt du Cressariel ich denke hier ist kein guter Ort lass uns erstmal in Ruhe duschen,..dann vielleicht beim Essen ok?"
Erneut versuchte der Michaelit sich an einem Lächeln, was ihm diesmal etwas besser gelang.

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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Steff » 27.04.2013 - 10:42

Einen kurzen Moment lang war Stille. Eindringlich und doch voll Unsicherheit musterte der Rothaarige sein lächelndes Gegenüber. "...Ok, ist gut.", versuchte er alles wieder gerade zu rücken. Mit gesenktem Blick legte er abermals seine, nun nicht mehr durch as schwarze Stoffband verdeckte Stirn in Falten.

Zwar war es unwissendlich, ungewollt passiert, doch er konnte das stechende Gefühl nicht loswerden Schuld daran zu sein, dass sein Bruder in schmerzhaften Erinnerungen versank. Und doch trug noch ein andere Aspekt zu seiner betrübten Miene hinzu. Er kannte den Michaeliten erst seit kurzem, hatte ihn eigendlich erst heute besser kennengelernt und nun wollte dieser ihm bereits einen weiteren Teil seines Inneren offenbaren .Cressariel fühlte sich geehrt, aber ihn befielen auch Zweifel, ob dem ganzen gewachsen war. Er war ein guter Zuhörer, ja, aber seinem Bruder mental beizustehen, war er dafür wirklich der Richtige?

Vorsichtig legte er seinen Schulterpanzer, welchen er die ganze Zeit in den Händen gehalten hatte auf einer der Bänke ab. Der Streiter entledigte sich seiner restlichen Kleidung, immer noch grübelnd, ob es jetzt richtig war zu versuchen seinen Bruder auf andere Gedanken zu bringen. Das fast schon aggressive Zischen des Duschhahnes nahm ihm dann die Entscheidung, welche er nur allzu dankend von sich wies. Er schloss die Augen, lies die kühlen Tropfen auf sein Gesicht fallen, versuchte mit jedem Quentchen Wasser das auf ihn herniederging einen Teil seiner düsteren Gedanken hinfortwaschen zu lassen. Etwas unruhig rieb er sich über den Nacken, um ein paar der tief sitzenden Verspannungen zu lösen.

Langsam wirde ihm klar wie dumm es war so zu denken. Er würde nicht vor Auriels Bitte zurückweichen ihm zuzuhören. Nein, er würde seinen Bruder nicht von sich weisen, auch wenn er sich nicht sicher war wie er mit einer solchen Situation umgehen sollte. Wenn ihn etwas kränkte, wenn ihm etwas zusetzte zog sich der Streiter immer zurück, hatte seine Sorgen anstelle sie auszusprechen hinuntergeschluckt, auf dass sie nie wieder zu ihm ans Tageslicht kamen. Gut sortiert und fein gestapelt würden sie dort in seinem Hinterkopf niemandem hinderlich sein. Nicht ihm und nicht den anderen. So war es das Beste. Fast reflextartig tastete er nach der breiten Narbe, die sich längs über seinen Bauch zog. Auch wenn er das Schweigen vorzog, wenn es seinem Michaeliten leichter fiel alles in Worte zu fassen, würde er zuhören.

Mit dem hellen Quietschen des Wasserhahnes beendete er seine Bedenkzeit. "Sag mal Auriel, - ", begann er während er sein feuerrotes Haar mit einem der bereitgelegten Handtücher bearbeitete, "soweit ich mitbekommen hab gehört Andariel zu deiner früheren Schar, nicht wahr?" Kurz unterbrach er sich um auch den Rest seines Kopfes abzutrocknen. "Es muss schön sein ein vertrautes Gesicht an seiner Seite zu wissen."

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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 27.04.2013 - 22:32

Auriel hätte sich am liebsten eine Ohrfeige verpasst, er konnte die Unsicherheit des Gabrieliten regelrecht fühlen. Für einen sehr einfühlsamen Engel wie er es war, war es als könnte man in einem offenen Buch lesen.
Dem goldenen Engel tat es leid, denn er hatte die gute Laune des Streiters nicht verderben wollen.
Er erinnerte sich daran wie sie eben noch aus vollem Herzen gelacht hatten und jetzt hatte sich die Stimmung plötzlich sofort geändert, war umgeschwenkt wie das Wetter im April.
Als sich Cressariel von ihm abwandte und sich langsam auszog blickte Auriel ihm noch einen Moment ehe er dem Beispiel seines Gabrieliten folgte nach.
Wie konnte er das nur wieder gut machen? Cressariel konnte doch nichts für seine plötzlichen Stimmungsschwankungen die ihn in letzter Zeit immer mal heimsuchten und von einem Hoch auf ein sofortiges Tief hinunterzogen.

Der jüngere Engel beschloss innerlich das er es wieder gutmachen würde. Nur wie wusste Auriel noch nicht.
Aber ihm würde sicherlich etwas einfallen. Bei diesem Gedanken hob sich die Laune des goldenen Engels ein wenig. Die Aussichten seinem Gabrielit etwas Gutes tun zu können stimmte ihn ein wenig fröhlicher.

Als sich Auriel seiner Kleidung entledigt hatte, wanderte der schmutzige Kriegsrock sofort für den dafür vorgesehenen Wäschekorb.
Dann stellte der Michaelit sich unter die Dusche, öffnete den Wasserhahn und erschauderte wohlig als das warme wohltuende Wasser seinen Körper benetzte.
Er seufzte leise zufrieden, schloss die Augen und genoss das heiße Wasser auf dem Körper.
Muskeln wurden gelockert und auch die trüben Gedanken wurden für den Augenblick hinfort gewaschen.
Dann griff er nach der Seife, wusch ganz in Ruhe seinen Körper und befreite ihn von dem übriggebliebenen Matsch.
Erst nachdem sich der goldene Engel gründlich gewaschen hatte wusch er seine weißblonden Haare und befreite auch sie vom Matsch.

Plötzlich wurde der Michaelit aus seinen Gedanken gerissen als er noch ein wenig unter der Dusche gestanden hatte nach dem Haare waschen um das warme Wasser auf der Haut genießen zu können.
Doch als er die Stimme seines Streiters hörte, schloss Auriel den Wasserhahn.
Seine hellgrünen Augen blickten den Gabrielit lächelnd an als er von Andariel sprach.
Das Lächeln wurde sanfter, er patschte aus der Dusche und griff nach einen Handtuch.
"Sie...sie ist meine Vertraute,...meine bessere Hälfte,..sie passt auf mich auf und ich bin unendlich froh das sie immer noch bei mir ist."
Der Michaelit schwang sich das Handtuch um kam dabei näher auf Cressariel zu.
"Aber weißt du was? Was auch schön ist?" Seine grün goldenen Augen strahlten nun wieder etwas stärker.
"Das ich einen Gabrielit gefunden habe der in meiner Schar ist, der erstens Humor versteht mit dem man unbeschwert reden kann und...bei dem ich ein vertrautes Gefühl spüre."
Seine Stimme war sanft und warm, freundlich liebevoll.
"Ich finde es schön das du in meiner Schar bist Cressariel, wirklich."

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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Steff » 03.05.2013 - 23:29

Als er über seine Scharesgefährtin sprach trat plötzlich etwas aufrichtiges und fast schon vorsichtig schüchternes in Auriel Stimme. Einzelnd stockte er zwischen den Worten, doch in ihnen lag Wahrheit und Wärme. Cressariel war erleichtert herauszuhören, dass sein Michaelit offenbar viel Sympathie für seine zierliche Schwester empfand, war das ja trotzdem sich die Beiden schon einige Zeit kannten keineswegs selbstverständlich.

Der blonde Engel erhob abermals die Stimme, diesmal voller Dankbarkeit. Dankbarkeit ihm gegenüber. Sowie der Rotschopf deren Bedeutung realisiert hatte wandte er seinen Blick zur Seite und zog das Handtuch, welches immer noch auf seinem Kopf ruhte weiter in sein von leichter Röte duchwobenes Gesicht. Unsicher wie er reagieren sollte rieb er sich weiter über die Haare, dabei vorsichtig versuchend sich mit einem seiner verbergenden Flügel aus Auriels Sichtfeld zu entziehen. Was war nur in ihn gefahren? Der stolze Kämpfer in ihm lachte ihn aus, zeigte anklagend mit dem Finger auf ihn, scholt ihn für seine unschlüssigen Gesten und sein für einen Gabrieliten ungebürtigem Verhalten. Mit etwas verbisseneren Handbewegungen versuchte er seinen momentanen Selbsthass zum schweigen zu bringen. "Du bist schon verrückt mir so etwas zu sagen. Vielleicht bin ich ja gar kein so netter Kerl wie du annimmst das ich bin." Das war nicht einmal alles gelogen. Cressariel wusste selbst, dass er nicht gerade der Verträglichste war. Oft waren seine Launen sprunghaft und sein unermüdlicher Zwang sich mit Anderen messen zu müssen war alles andere als scharestauglich. Nicht selten war es gewesen, dass er es hatte vorgehalten bekommen, und das, wie sich auch für ihn langsam erschloss, zu Recht.

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Re: Der erste Kampf

Beitrag von Alessiel » 04.05.2013 - 12:45

Auriel sah überrascht aus als er die Röte im Gesicht des stolzen Streiters sah.
Verwundert blickte er dem Gabrielit einfach nur an als dieser sich wohl aus Verlegenheit einfach wegdrehte.
War es falsch gewesen was er gesagt hatte? Oder hatte Cressariel so etwas wohl noch niemals zuvor von einem anderen Engel gehört?
Mitgefühl legte sich in seine grüngoldenen Augen, vielleicht war dieser Engel doch verletzlicher als der Michaelit gedacht hatte.

Die Worte des Gabrieliten stimmten ihn ein wenig traurig und sofort stieg das Mitgefühl in seinem inneren auf.
Auriel konzentrierte sich auf die Präsenz des Streiters und berührte seinen Geist ganz sanft.
*Ja mag sein das ich verrückt bin, da bist du wohl nicht der einzige der das erkannt hat. Aber ist es denn so verrückt an den Engel zu glauben den man in so kurzer Zeit in sein Herz geschlossen hat? Natürlich hast du deine Fehler, die habe ich auch Cressariel, die haben wir alle. Auch wenn andere Engel da anderer Meinung sind....Ich mag dich Cressariel, ich kann es nur wiederholen ich bin froh dich in meiner Schar zuhaben. Natürlich kenne ich dich noch nicht so gut aber....wie soll ich sagen, ich merke einfach das da eine Bindung zwischen uns beiden ist, etwas besonderes...und es ist mir egal was andere vielleicht über dich denken oder das sie sagen das du kein netter Kerl bist, ich bilde mir immer eine eigene Meinung. *
Die Stimme des Michaeliten war voller Wärme, sie klang liebevoll und unheimlich sanft.

Auriel begann zu Lächeln und seufzte leise.
"Entschuldige ich denke ich habe mich zusehr hineingesteigert, bin zu gefühlvoll weißt du...man sagt das das meine Schwäche ist, mein Fehler. Aber wenn ich nicht so wäre dann wäre ich ja wie sie alle..."
Auriel begann traurig zu Lächeln und schüttelte dann den Kopf. "Nein Cressariel ich glaube daran du bist ein ganz besonderer Engel."
Erneut hellte sich sein Gesicht auf und das freundliche liebevolle Lächeln war wieder zusehen.

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