[2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Das Forum von Alyssiels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
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Magnetklaue
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[2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Magnetklaue » 14.09.2011 - 11:12

Der Regen wurde stärker, prasselte nieder und das Wasser das auf dem Reisfeld stand schlug kleine Wellen, schlammig und trüb.
Die Engel hatten die Obst- und Weidewiese überquert und standen nun am Rand des Feldes. Es wurde kühler und langsam auch dunkel. Der Herbst machte mit aller Deutlichkeit seine Anwesenheit klar und leiser Donner rollte in der Ferne.
Menschen waren keine mehr auf den Feldern zu sehen. Vielleicht waren sie vor dem heraufziehenden Unwetter in Deckung gegangen oder arbeiteten an anderer Stelle. Drei weitere Pferde beäugten die Schar neugierig aus dem Schutz der Bäume hervor. Sie waren nicht so stattliche, schöne Tiere, wie die im Stall sondern von stämmigerem Wuchs mit zotteligen Mähnen und gutmütigen Augen.

Wind frischte auf und trieb Regenschleier heran.
Soweit man erkennen konnte, war nichts auf dem Feld zu entdecken das irgendwie seltsam oder verdächtig anmutete. Aber natürlich standen die Engel auch nur am Rand des Areals.

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Terael
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Terael » 19.09.2011 - 21:07

Diese Melancholie, die Terael gerade spürte, ließen ihn merken, wie sehr er eine Pause nötig hatte - und damit war er sicherlich nicht allein. Aber jetzt mussten sie noch das Feld untersuchen... Oder besser, Alyssiel wollte, daß sie das Feld untersuchen. Terael ging der Gedanke durch den Kopf, ob Alyssiel wirklich in das durch den Regen schlammige Reisfeld waten würde. Er kicherte leise bei der Vorstellung, doch er besann sich, und mit einem Kopfschütteln wich dieser amüsante Gedanke wieder der Trägheit, die er spürte.

Aber was würde das bringen. Immerhin war er ein Engel. Im Zweifelsfall gab es für ihn keine Pause, schon garnicht für einen Urieliten, die den Ruf haben, lange durchhalten zu können.
Trotzdem - hatte er nicht schon lange genug durchgehalten? Oder konnte er mit den älteren Geschwistern einfach nur nicht mithalten?

Er riss sich zusammen und trat in die erste Reihe. Sein Blick schweifte über das Feld, doch auch bei einem genaueren Blick* fiel im nichts auf - bis auf den Reis und die Pferde.

"Oh, toll", sagte er, und es war seiner Stimme anzumerken, daß er jetzt lieber woanders wäre, "ein Reisfeld...! Im Regen...! Mit Pferden...!"
Er zog die Augenbrauen nach oben und hielt die Hand an die Stirn, um der Müdigkeit etwas entgegenzusetzen.

"Ganz ehrlich", fing er dann an, und klang wieder ein wenig motivierter, "ich sehe nichts, was mir ungewöhnlich vorkommt oder gefährlich wäre. Soll ich noch einmal drüberfliegen, oder kann ich mich schon mal nach etwas zu waschen umsehen?", fuhr er fort, 'Und wehe irgendjemand kommt auf die Idee, da hinein zu laufen, sonst hilft mir die Dusche am Ende auch nicht weiter', fügte er in Gedanken hinzu.
Er hatte irgendwie das Gefühl, daß Alyssiel durch seine Demotivation wieder stocksauer werden würde, aber das störte ihm im Moment weniger - Ärger würde er so oder so schon kommen - Wenigstens war er ehrlich, was seine Motivation anging - Die Anderen würden sich das sicher nicht so einfach anmerken lassen.

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Kasima
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Kasima » 20.09.2011 - 20:36

Aylssiel ging mit den anderen zum Feld und überblickte die große Fläche. Es regnete stark und es wurde bald dunkel. Sie spürte selber, dass sie nicht mehr wirklich motiviert war. Man sollte auf besseres Wetter warten und vorallem auf den nächsten Tag. Eigentlich hatte sie noch gewollt dass sie einmal das komplette Feld durchwaten würden, aber sie bemerkte die Unmut aller anderen und spätestens nach dem Wortlaut des Urieliten hatte sie keine Lust mehr.

Alyssiel ignoriete schlicht die erste Aussage und beantwortete die zweite.

"Ihr könnt machen was ihr wollt. Wir schauen uns morgen das Feld nochmal an. Für heute Nacht übernehme ich die erste Wache wie ihr es unter eucht aufteilt ist mir egal, hauptsache ihr seid morgen sauber und fit."

Sie wandte sich um und ging. Sie hatte keine Lust mehr sich mit Terael auseinanderzusetzen oder mit sonst wem. Sie wollte nur gerade ein wenig Zeit für sich. *Der Bauer hat bestimmt schon ein Zimmer für uns vorbereitet, wenn ihr wollt könnt ihr da hin gehen.

Die Michaelitin selber ging in die Scheune und setzte sich ersteinmal auf eine Strohballen.

Karte Trägheit

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Terael
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Terael » 28.09.2011 - 20:55

Mirael war seinen Gedanken nachgehangen und war trotzdem aufmerksam geblieben.
Dieses Dorf war ihm irgendwie sehr suspekt.
Der Gabrielit gesellte sich zu den anderen Engeln und beobachtete Alyssiel, die sehr unmotiviert aussah.
`War ja klar, die olle Zibbe hat kein Bock mehr.`
Mirael sah zu Terael und schenkte ihm einen etwas verwirrten Blick zuckte dabei die Schultern und sah noch einmal der Michaelitin hinterher.


Auch Terael fand Alyssiels Reaktion etwas komisch und konnte ihren Blick ebensfalls nur mit einem Schulterzucken quittieren. Aber was solls? So konnte er endlich ein paar Dingen nachgehen. Er hatte sich da bereits etwas in den Kopf gesetzt. Ohne sich um die anderen zu kümmern, ging er in den Stall und durch ihn hindurch.

Mirael blickte dem kleinen Urielitin hinter her und bevor er ihm folgte warf er noch einmal einen Blick auf den Raphaeliten.
Anscheinend hatte er sich wieder abreagiert, oder er tat vielleicht nur so.
Der Streiter würde Mederiel im Auge behalten, irgendetwas stimmte mit dem Heiler nicht.
Dann folgte er Terael und fragt sich, wo dieser wohl hin wollte.


Der bog nach dem Stall ab und betrat die Scheune. Das Alyssiel auch hier war, bemerkte er, störte sich aber nicht daran. Trotzdem schaute er etwas länger in ihre Richtung, um herauszufinden, wie ihre Laune jetzt war.

Deren Laune war nicht wirklich gut und sie wollte eingentlich nur ihre Ruhe haben und dann erscheinen ausgerechnet zwei Engel in der Scheune. 'Haben sie keinen anderen Platz gefunden?'
Sie erwiderte den Blick ihres Urieliten und in ihren Augen blitze ein wenig der Unmut auf, der wieder entflammte. Sie stand wieder auf und ging ohne noch einmal zu schauen wieder raus. 'Kann man nicht einmal seine Ruhe haben?' Sie schloss die Tür hinter sich.


Terael schaute sich ein wenig in der Scheune um und suchte nach den Dingen, die er brauchen würde - und es waren viele Dinge in der Scheune.
Nach einer Weile ging er zielstrebig auf die Sammlung an Werkzeugen zu, die für die Arbeit auf einem Feld oder in einem Garten da waren. Er zog sich seinen Bogen über die Schultern und bewaffenete sich mit zwei Gießkannen.
An einer anderen Stelle fand er einige Stricke, von denen er zwei von den längeren nahm und sie mitnahm.

Mirael trat in die Scheune ein und nickte Alyssiel kurz zu, die dann genervt aus der Scheune verschwand.
Verwirrt schüttelte der Gabrielit den Kopf und beobachtete Terael weiter.
Er kratzte sich leicht überlegend und verwirrt am Kopf, fragte sich dabei was der kleine wohl mit den Gießkannen vorhatte.
Eine leichte Ahnung beschlich ihn, aber der Gabrielit wollte auf Nummer sichergehen.
„Was hast du vor?“, fragte der Streiter leise.


Der Urielit blieb stehen, als er diese Frage hörte und kicherte.
"Naja", antwortete er, "ich habe gesagt, ich will duschen. Also werde ich duschen!"
Er schaute sich weiter um und suchte das Einzige, was ihm fehlte: Das Wasser. Aber hier in der Scheune schien keines zu sein, also würde er seine Suche draußen fortsetzen müssen.

Ein leichtes Lächeln legte sich auf das Gesicht des Gabrieliten.
„Duschen?... Das ist eine gute Idee.“
Er zwinkerte dem kleinen Urieliten zu.
„Kann ich dir helfen?“
Die Stimme des Streiters war immer noch leise, seine Stimmbänder hatten sich immer noch nicht ganz erholt.


Terael schaute sich um. Kann er helfen? Eigentlich hatte er alles schon, was er brauchte. Er warf einen Blick zurück in die Scheune.
"Wenn du noch Gießkannen findest, bring sie mit. Das Wasser müsste draußen irgendwo sein..."
Mit diesen Worten ging er nach draußen in den Regen und auf zwei große Fässer zu, in dem das Regenwasser gesammelt wurde.

Er hörte dem Urieliten zu und nickte.
„Ok.“
Er blickte sich in der Scheune um und fand sogar mehr als eine Gießkanne, doch Mirael entschied sich nur zwei mitzunehmen und ging dann hinaus, füllte die beiden Kannen mit Wasser und folgte dem Urieliten.


Als dieser seine beiden Kannen mit Wasser gefüllt hatte, lief er wieder zurück in die Scheune. Jetzt musste er nur noch einen geeigneten Platz finden: An einer Trennwand, hinter der Heu für die Tiere gelagert wurde, fand er einen passenden, an dem es sehr sauber war.
Allerdings musste er noch herausfinden, ob sein Plan wirklich funktionieren würde.
Er stellte die Kannen auf den Boden und legte die Seile daneben. Aus seinem Köcher nahm er den letzten der Pfeile, die besonders dick waren und steckte ihn durch den Griff einer der Gießkannen.
Vorsichtig hob er die Kanne am Pfeil nach oben. Der bog sich ein gutes Stück unter dem Gewicht des Wassers, konnte es aber tragen; Jetzt musste er seinen Plan nur noch ausführen.

Mirael stellte die beiden Kannen ab und sah dem Urieliten interessiert bei seinem Unterfangen zu.
Der kleine überraschte ihn immer wieder.
Als er mit ansah wie sich Terael abschleppte überkreuzte er die Arme vor der Brust und musste schmunzeln.
Er räusperte sich. „Falls du Hilfe brauchst, ich kenne da einen Gabrieliten.“
Mirael grinste leicht bei den Worten, es war sehr lange her, daß er gescherzt hatte, ein gutes Gefühl.


Terael grinste. "Nein, nein", versicherte er, "ich bin ja auch nicht aus Zucker!"
Er entfernte sich ein wenig von der Wand und sah sie genau an.
"Das müsste funktionieren", sagte er und holte sich eine Leiter, die zu den oberen Bereichen führte, und lehte sie in der Nähe dieser Wand an.

Er nahm seinen Bogen zur Hand und den Pfeil, den er gerade getestet hatte und stieg zwei Stufen der Leiter hinauf.
Es dauerte einen Moment, bis er sich, seinen Bogen und sein Gleichgewicht sortiert hatte und stabil stehen konnte. Er spannte den Bogen und zielte genau*: Der Pfeil bohrte sich zwischen zwei Bretter der Wand tief in das Holz und blieb dort stecken.
"Das hat funktioniert", sagte er und blickte stolz den Gabrieliten an.

Mirael musste leise lachen und nickte.
`Na dann kleiner zeig mal was du drauf hast...`
Noch ein wenig skeptisch blickte er Terael bei seinem anfänglichen Unterfangen zu.
Doch als er sah das Teraels Plan anscheinend aufgehen würde, war die Skepsis aus seinem Blick verschwunden und leichte Bewunderung war zu sehen.
Als Terael dann zu ihm sah, nickte er lächelnd und klatschte leicht in die Hände.
„Sicher das du kein Ramielit bist?“, fragte er grinsend und zwinkerte.


"Ramielit?" Terael schaute verwirrt. Wie kam er denn jetzt darauf? "Lieber nicht. Ramieliten können sich zwar alles merken... Aber nicht so viel bemerken wie wir Urieliten."
Viel gab es jetzt nicht mehr zu tun. Er band eine Schnur an den Hals der Gießkanne, eine zweite an den Griff.
"Außerdem ist es manchmal ein Segen, daß ich Dinge auch vergessen kann", murmelte er nebenbei und hing die Gießkanne an dem Pfeil auf.
Daß es funktionierte, zeigte der Test: an dem vorderen Strick musste man ziehen, damit Wasser aus der Kanne kam. Am anderen, wenn es aufhören sollte.
"Darf ich bitten?", fragte er dann und grinste den Gabrieliten an.

„Vergessen ist manchmal sehr gut...“
Flüsterte der Gabrielit leise und in seinen Augen schimmerte für einen Moment die Melancholie.
Doch dann schob er die düsteren Gedanken bei Seite.
„Willst du nicht zuerst?“
Fragte der Gabrielit leise.


Das Mirael kurz mit den Gedanken wo anders war, entging dem Urielit nicht, und auch seine Gedanken hingen kurz an dem Satz, den er eben gesagt hatte. Aber jetzt, wo sein Vorhaben so gut funktioniert hatte, hatte die Melancholie, die ihn befiel, keine große Gelegenheit, sich festzusetzen.
"Ich glaube, du brauchst dringender eine Dusche als ich", sagte er dann und lächelte, "deswegen wollte ich dir den Vortritt lassen..."
"Außerdem....", sagte er und nickte mit den Kopf in Richtung seine Konstruktion, "sollte es nicht funktionieren, bin ich es nicht, der es abbekommt" Er grinste den Streiter schelmisch an.

Der Gabrielit musste leise lachen und seine hellgrünen Augen strahlten dabei.
„So so, ich bin also sozusagen das Versuchskaninchen.“
Er zwinkerte dem Urieliten zu und gürtete dann sein Flammenschwert sowie die Dolche und Messer, die er bei sich trug ab.
Dann schnallte der Streiter seine Schulterplatte ab und legte sie mit einem leisen Seufzen auf den Boden.
Er entledigte sich der einen Armschiene, den Votivbändern und zum Schluss seinen Kriegsrock.
Alles tat Mirael ein Stück weiter von der improvisierten Dusche weg und nahm dann ganz am Ende noch seine Stirnbänder ab**.
Sein weißblondes Haar fiel ihm sofort in die Stirn und mit einer energischen Handbwegung strich er es sich aus dem Gesicht.
Der Gabrielit betrat die Dusche und blickte noch einmal skeptisch auf die Konstruktion.
„Also machen wir eine Wette: Wenn das Teil hält, dann bekommst du ein Mannariegel von mir.“
Mirael zwinkerte Terael mit einem frechen Grinsen zu.


Von der Tür der Scheune erklang ein Knall.
Melly war aufgeregt und unsicher gewesen. Sie sollte den Engeln, die ins Dorf gekommen waren, ein Zimmer richten. Da sie nicht wirklich wusste, was Engel benötigten war sie letztendlich zur Scheune gegangen, um noch ein paar Decken und etwas frisches Apfelmus zu holen.
Doch in der Scheune erwartete sie ein Anblick, der ihr den Atem im Hals stecken ließ. Zwei der Engel waren anwesend, was an sich schon keine leichte Kost war. Doch einer von ihnen, der Größere war vollkommen nackt und musterte eine aufgehängte Gießkanne.
Melly konnte nicht anders, sie starrte diesen perfekten Anblick an. Von ihrer Warte aus sah sie die Narben des Engels nicht gut, dafür konnte sie alles Andere zu gut sehen. Ihr Blick wanderte den Körper des himmlischen Wesens hinunter und in diesem Moment fiel ihr die Holzkiste aus der Hand und auf den Boden.
Melly riss die Hände hoch und presste sie auf die Wangen. Die Magd war nicht sehr viel älter als Mirael, vielleicht zwei oder drei Jahre und sie errötete stark. Sie stolperte zwei Schrittchen zurück.
"V-v-verzeiht!" rief sie aus und stürmte wieder zur Tür hinaus. Doch der Anblick hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt. Sicher würde Gott sie dafür strafen!


Terael nickte auf die Festellung seinen Scharbruders; Während er sich seiner Sachen entledigte, setze sich der Urielit im Schneidersitz auf den Boden und sah Mirael zu. Währenddessen untersuchte er auch seine Flügel auf etwaige Verschmutzungen.
"Der ist mir sicher", sagte er dann und grinste, bevor er seine Untersuchung fortsetzte.
Er achtete in dem Moment weder auf Mirael, noch auf seine Umgebung und bemerkte gar nicht richtig, daß plötzlich noch jemand im Raum war. Erst als das junge Mädchen ihre Sachen fallen lies, fuhr er zusammen und drehte sich um, wo er sie noch hinausrennen sah. Etwas verwirrt schaute er zwischen der Tür und den nackten Gabrieliten hin und her. War gerade wirklich das passiert, was er dachte, was passiert war?

Mirael fuhr herum als er das scheppern hörte und erblickte das Mädchen das ihn ansah.
Der Gabrielit erstarrte für den ersten Moment und wusste nicht so wirklich was er sagen oder tun sollte.
Auch seine Gefühle konnte er nicht ganz einordnen, es war etwas zwischen Schamgefühl und irgendwie war da noch etwas anderes.
Es ging viel tiefer und so eine seltsame Wärme breitete sich in seiner Magengegend aus.
Sie entschuldigte sich und rannte hastig hinaus, der Gabrielit war noch zu einem Lächeln fähig gewesen, aber zu mehr war er auch nicht mehr in der Lage.
Das Mädchen hatte ihn nackt gesehen, eine leichte Röte zierte seine Wangen bei diesem Gedanken.
Für einen Augenblick sah der Gabrielit noch zur Scheunentür dort wo sie hinausgelaufen war.
Doch dann schüttelte Mirael seinen Kopf und zog an dem Seil.
Er gab einen leicht erschreckten Laut von sich, als das kalte Wasser seinen Körper hinunter perlte.
Aber dann begann sich der Gabrielit zu reinigen, doch seine Gedanken drehten sich einzig und allein um diese Begegnung eben.


Den Augen des Urieliten bemerkten die Röte im Gesicht seines Scharbruder - Und er fragte sich, wie er in so einer Situation reagiert hätte - Sicherlich hätte die Scham bei ihm noch etwas länger angedauert.
Außerdem hätte er gern gewusst, wie die Michaelitin der Schar reagiert hätte, wäre ihr das passiert. Er musste kichern. Aber das Bild in seinem Kopf wurde schärfer und schärfer und wollte einfach nicht gehen - Denn wenn Terael einmal ein Bild im Kopf hatte, ließ es sich nur schwer wieder löschen.
Er lachte kurz. Dann noch einmal. Entschuldigend sah er zu Mirael, bevor er schallend loslachen musste und für den Moment gar nicht mehr aufhören konnte.

Mirael bekam das Lachen seines Scharbruders natürlich mit und mit einem Grummeln und immer noch roten Wangen sah er den Urieliten an.
„Lach nicht.“
Etwas beleidigt wandte sich der größere Engel ab und wusch sich weiter, die Gießkanne war recht groß und Mirael bekam sich auch recht gut sauber.
Das getrocknete Blut und der Schmutz waren schnell vom Körper gewaschen und sehr nass wandte sich der Gabrielit dann dem Urieliten zu.
„Wir haben eines nicht bedacht... Handtücher!“, seufzte der Streiter leise, schüttelte seine Hände und Beine aus und ging von der improvisierten Dusche weg.
„Haben die hier Decken?“
Der Gabrielit sah sich um und spähte vorsichtig wieder Richtung Scheunentür. Nicht, daß er schon wieder von irgendjemanden nackt gesehen wurde.


Das es Mirael jetzt so beleidigt war, tat dem jungen Urieliten leid. Trotzdem konnte er nicht aufhören zu lachen.
"Nein, es ist", fing er an, "Alyssiel...". Doch er konnte sich nicht so sehr beherrschen, daß er einen ganzen Satz heraus bekam. Er fing an, tief durch zu atmen, ja sogar zu hyperventilieren, um sich zu beruhigen - Aber das funktionierte nicht so ganz.
Daß der Gabrielit etwas zum Abtrocknen brauchte, kam an dieser Stelle ganz gelegen. Terael stand auf und suchte unter den Dingen, die für die Pferde bestimmt waren, ein paar Decken heraus. Auf dem Rückweg schloss er, immernoch lachend, die Augen und schaffte es endlich, sich etwas zu beruhigen.
"Ich dachte nur, wenn Alyssiel in dieser Situation...", begann er wieder, und konnte sich schon kaum mehr beherrschen, "das hätte ich zu gern..." - Dann kamen die Bilder wieder und damit auch das laute Lachen des Urieliten.
Er reichte Mirael drei Decken und lehnte sich gegen die Scheunenwand - so heftig musste er lachen.

Mirael sah dem kleinen Urieliten mit einer hochgezogenen Augenbraue dabei zu, wie er nach einer Möglichkeit zum Abtrocknen suchte.
Er knurrte immer noch leise, was dann zu einem grummeln wurde.
Der Gabrielit nahm die Decke entgegen und begann sich abzutrocknen, dabei hörte er dem Urieliten zu und sein Gesicht erhellte sich dabei etwas.
Terael hatte ihn gar nicht ausgelacht, sondern sich ein Bild im Kopf vorgestellt.
Nun musste auch Mirael prusten und fing an zu lachen.
„Stell dir,...stell dir ihren Gesichtsausdruck dabei mal vor...“, lachte der Gabrielit.


Es dauerte eine Weile, bis Terael sich beruhigt hatte. Nur langsam kam er wieder auf den Boden der Tatsachen zurück, und oft musste er erneut anfangen zu lachen.
Nach einigen Minuten hatte er sich dann aber beruhigt und lehnte, die Beine angewinkelt, gegen der Scheunenwand und grinste.
Nach so einem Tag war diese kleine Episode wahrhaft aufheiternd, und die Anstrengungen waren plötzlich nicht mehr so schlimm, wie er sie noch gerade eben in Erinnerung hatte. An die Sache mit Alyssiel dachte er am besten erst einmal gar nicht mehr, er hätte so oder so wieder mit Lachen angefangen.
Jetzt wartete er erst einmal, bis Mirael wieder so weit war, daß er unter die Dusche könnte.

Der Gabrielit hatte sich nach einiger Zeit auch wieder gefangen und sah den Urieliten mit einem leisen Glucksen an.
Dann räusperte sich Mirael.
„Ach herrlich... Lachen ist doch was feines..“
Er schüttelte immer noch grinsend den Kopf und bedeutete dem Urieliten mit einer Handbewegung in die Dusche gehen zu können.
„Nun kannst du... und ja den Manariegel bekommst du nachher.“
Er zwinkerte Terael zu und ging dann zu seinen Sachen, um sich wieder anzuziehen.


Bevor der unter die Dusche sprang, mußte er erst die Gießkanne austauschen. Er hob die leere herunter und fummelte die Stricke wieder ab. Dann befestigte er sie an der nächsten Gießkanne und hängte sie wieder auf.
Er fragte sich, wie wahrscheinlich es wäre, daß sich die peinliche Situation, in der der Gabrielit eben gesteckt hatte, sich in irgendeiner Form wiederholen könnte, war sich aber sicher, daß das junge Mädchen die Anderen im Zweifelsfall vorgewarnt hätte... Oder behielt sie das ganze lieber für sich?
Es half nix - Der Gabrielit hatte es ja auch überlebt. Terael lehnte seinen Bogen gegen die Scheunenwand und stellte den Köcher daneben. Die andere Ausrüstung, die er dabei hatte - weniger als der Gabrielit - fand daneben Platz. Die paar Votivbänder, die er hatte, hängte er vorsichtig über eine niedrigere Trennwand. Am schwersten aber war es immer, die Flügelschoner abzubekommen, weil er die nicht richtig sehen konnte. Aber er machte das ja auch nicht zum ersten Mal - er hatte da andere Erinnerungen.
Die Stulpen und sein schmutziger Rock waren zum Schluss an der Reihe.
Bevor er an dem Strick zog, machte er sich noch kurz auf eine kalte Dusche gefasst.


Mirael zog sich einen sauberen Kriegsrock an.
Er hatte immer einen Ersatzrock dabei, es war einfach besser.
Als er gerade sein Flammenschwert anlegte, wanderte sein Blick zu dem Platz zurück wo das Mädchen ihn überrascht hatte.
Ein leichtes Lächeln schlich sich wieder auf sein Gesicht, kurz musste der Gabrielit blinzeln.
Dort lag doch was.
`Eine Holzkiste anscheinend hat sie die vergessen...`
Der Streiter ging auf die Kiste zu und blickte dann zu Terael.
„Sie... hat die Kiste fallen lassen... ich glaube, ich sollte sie ihr nachher zurück bringen.“
Mirael war erstaunt über seine Stimme, sie klang plötzlich klar und kraftvoll.


Der Schmutz, der auf seiner Haut war, war relativ schnell fortgewaschen. Bei den Federn seiner Flügel sah das schon anders aus. Es dauerte eine ganze Weile, bis die Spitzen wieder die Farbe hatten, die sie haben sollten. Doch damit war er ja noch lange nicht fertig, denn anders als sein Scharbruder hatte er keinen zweiten Rock dabei.
"Ob du das wirklich machen solltest?", antwortete er dem Gabrieliten. "Ich glaube, ihr selbst war das auch peinlich genug"
Er improvisierte mit etwas Stroh eine Bürste und machte seinen Rock so gut es ging sauber - einige Flecken würde er aber trotzdem erst einmal behalten. Zumindest die anderen Sachen waren aber halbwegs sauber geblieben, zumindest sahen sie akzeptabel aus.
Er zog sich in umgekehrter Reihenfolge an, wie er sich ausgezogen hatte. Wieder einmal wunderte er sich dabei, wieviele Sachen er bei sich trug, auch wenn es im Vergleich zu Mirael recht wenig aussah - Aber als Urielit war man nie so bepackt wie die anderen Orden, schließlich musste man ja mobil bleiben.
"Ich bin dann soweit", sagte er dann und montierte seine Konstruktion wieder ab, verstaute die Gieskannen und die Stricke wieder ordentlich. Nur den Pfeil kriegte er nicht wieder ab. Da er aber Mirael nicht bitten wollte, durchschnitt er ihn kurzerhand mit einem kleinen Messer, das er bei sich hatte und nahm sich vor, die Spitze später einfach zu ersetzen.
Im Eingang der Scheune wartete er dann, bis der Gabrielit ihm folgen würde.


* Das Buch der Bücher: Intuition
** Der Herr der Fliegen

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Terael
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Terael » 29.09.2011 - 21:03

Simoniel konnte Alyssiels Gleichgültigkeit sehr gut verstehen. Auch er hatte nicht allzu viel Lust, dieses Feld noch genauer zu untersuchen; Schon allein, weil er dazu sicher nicht allzu viel dazu beitragen könnte.

Er sah Alyssiel, Terael und Mirael beim Weggehen zu und hatte selbst nichts dagegen, sich etwas auszuruhen, die kleine Episode mit dem Bauern war für ihn anstrengend genug gewesen. Er überlegte noch, ob er warten sollte, bis auch Mederiel sich zum Gehen entschloss, stellte aber fest, daß das auch nicht viel bringen würde. Also ging er schweigend in den Stall hinein.

Der Ramielit hatte im Kopf, sich so schnell wie möglich zurückzuziehen und eine Weile zu meditieren; Zu Boden schauend überlegte er, während er durch den Stall lief, ob es dazu nicht zu früh war - es war ja erst später Nachmittag -, als sein Blick auf die beiden Pferde fiel, die, durch den Regen etwas unruhig, in ihren Boxen standen. Flüchtig ging ihm der Gedanke durch den Kopf, was Urieliten und - im Falle dieser Schar - manchmal auch andere Engel an diesen Kreaturen fanden, daß sie so interessant für die Boten Gottes sind. Er verwarf den Gedanken wieder und überlegte, ob es helfen würde, noch eine Kleinigkeit zu essen, bevor - ...
Ja, was war es eigentlich, was so interessant an Tieren war? Er stockte in seinem Gang, schaute aber weiter zu Boden. Er erinnerte sich ganz genau, als sie auf dem Weg hierher in diesem Dorf halt gemacht hatten, wie Terael die Katze in den Arm genommen hatte und so unwahrscheinlich zufrieden ausgesehen hatte, als würde er in diesem Moment alle Last von sich streifen können und wäre für einen Moment glücklich.

War da etwas, was er noch nicht wusste oder übersehen hatte? Hatten Tiere - anders als Menschen - etwas an sich, was einen für einen kurzen Moment die Anstrengungen und schlimmen Erinnerungen vergessen lies? Sofern man überhaupt etwas vergessen konnte.

Simoniel drehte sich halb um und blickte auf die schwarze Stute. Er wusste, daß es eine Stute war, er hatte die Bilder im Kopf, woran man eine Stute und einen Hengst unterscheiden konnte - Er schüttelte den Kopf, als würde er damit dieses Wissen abschütteln - Wenn es etwas gab, was Andere an Tieren bemerkenswert fanden, war es sicher nicht das Wissen um sie. Aber wenn es nicht Wissen war, was dann? Anscheinend gab es etwas, was er als Ramielit nur schwer erfassen konnte.

Er straffte die Flügel und machte kehrt. Er ging auf die Stute, die ihn zuerst nur ansah, aber schnell bemerkte er, daß sie, je näher er kam, sich weiter von ihm zu entfernen schien. Sendete er die falschen Signale aus? Machte er dem Tier Angst? Sollte er dieses Tier vielleicht nicht als Tier, sondern als Person betrachten?
Er stockte wieder.
Vielleicht sollte er die Sache anders angehen. Vielleicht denkt er zu sehr nach? Er schloss die Augen und versuchte, sich zu entspannen. Die Flügel senkten sich ein wenig, der Körper entspannte sich und er atmete tief durch. Als er die Augen wieder öffnete, stand das Pferd nur einige Zentimeter vor ihm und atmete ihm ins Gesicht.

Er schreckte zurück, und genauso tat es das Pferd und atmete zweimal stark aus seinen Nüstern.
Simoniel musste sich kurz beruhigen, verstand aber die Situation und streckte seine Hand langsam aus, um dem Pferd zu zeigen, daß er es nicht böse meinte. Sofort kam es einen Schritt auf ihn zu und ließ sich berühren.
Das Gefühl, das er dabei hatte, ließ es ihm kalt den Rücken runterlaufen und er zog die Hand vor Schreck zurück, als die Stute ihn berührte. Diese aber blieb ganz ruhig und schaute zufrieden aus, als ob sie ihn mochte. Und in diesem Moment verstand er auch, warum Tiere so anziehend für andere waren: Sie interessierte es nicht, wer du bist und welche Fehler man in der Vergangenheit gemacht hat. Allein die Art, wie man sich ihnen gegenüber verhält, ist entscheidend, nicht, wer man ist. Allein, was man tut, ist entscheidend, und nicht, was man ist.
Simoniel zog die Hand zurück und nickte stolz ob seiner Erkenntnis, und sofort zog sich die Stute um einen Schritt zurück.

Trotzdem würde er auch in Zukunft den Umgang mit Tieren lieber den Menschen und Urieliten überlassen. Denn außer dem Gefühl, das sie einem vermitteln erkannte der Ramielit keinen Mehrwert für sich; Engel sind Kämpfer, sie sind da, um Böses zu verhindern, und ihm fiel nicht ein, wie ihm Tiere dabei helfen sollten. Weder können sie kämpfen, noch können sie die großen Probleme, die die Welt hatte, lösen.

Er entfernte sich und ging auf den Hof. In der Scheune schien jemand zu arbeiten und auf dem Hof arbeitete ein junges Mädchen. So wie es aussah, bereitete sie das Zimmer für die Schar vor, und als sie im Haus verschwand, beschloss der Ramielit, ihr zu folgen. Er hatte vor, ein paar Dinge zu notieren, denn das letzte mal, daß er etwas in sein Tagebuch geschrieben hatte, war auf der Terra Nova gewesen. Und jetzt hatte er genug Zeit, um die ein oder andere Sache zu notieren.

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Alessiel
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Alessiel » 01.10.2011 - 12:13

„Hm..ja ich weiß. Aber...“
Der Gabrielit stockte und sein Blick kehrte wieder zur Kiste zurück.
`Ja was aber?...`
Er zuckte mit den Schultern und ging wieder zu seinen Sachen um sich weiter anzukleiden.
Doch seine Gedanken kreisten noch immer um diese Begegnung hin und wieder musste er leicht entrückt Lächeln.
Bevor er die Schulterplatte anlegte nahm er sich seine Bürste zur Hand und kämmte sein weißblondes Haar.
Dann war die Schulterplatte an der Reihe, diese zurrte er fest, genauso sein Flammenschwert das er um die Hüfte band, lehnte sich dann an die Wand und überkreuzte seine Arme vor der Brust.
Wartete bis der Urielit mit allem fertig war, versank dabei weiter in Gedanken.

Als Terael soweit war und Mirael ansprach zuckte der kurz zusammen und blinzelte.
„Was?...Ja ich auch.“
Der Gabrielit stieß sich von der Wand ab und ging leicht Kopfschüttelnd Richtung Eingang, doch blieb er vor der Kiste noch einmal stehen und seine Augen legten sich auf das dunkle Holz.
Mit einem seufzen fasste der Streiter einen Entschluss und nahm sie in die Hand.

Draußen blickte er Terael an.
„Ich bringe sie ihr zurück. Vielleicht braucht sie die ja und würde vielleicht Ärger bekommen....oder so.“
Der Gabrielit räusperte sich und gab sich Mühe nicht rot zu werden.

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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Kasima » 01.10.2011 - 15:27

Alyssiel trat wieder hinaus in den Regen und schnaupte. Nicht einmal konnte man seine ruhe haben. Kurz blieb sie stehen und blickte in den Wolken verhangenen immer dunkler werdenen Himmel. Wohin sollte sie jetzt gehen?

Trainieren wäre wohl nicht schlecht. Sie lief über den Hof in Richtung Feld. Da würde wohl niemand mehr sein, außer vielleicht noch Landarbeiter, aber bei diesem Wetter und zu dieser Zeit war es sehr unwahrscheinlich noch auf jemanden zu treffen.
Auf einer Wiese fand sie einen geeigneten Platz für ihr Vorhaben. Seufzend zog sie ihr Langschwert und konzentrierte sich voll auf die Ausfführungen der Bewegungen und schwang ihr Schwert auf imaginäre Gegner. Ihre Bewegungen waren geschmeidig und zielsicher. Ihr Stand war fest. Immer schneller führte sie diesen Tanz aus und spürte wie die Gefühle in die Bewegungen flossen. Die Wut und der Unmut der die ganze Zeit über in ihr gewühlt hatten lies sie auf die Gegner nieder. Dann führte sie den letzten Schlag schwungvoll mit einem Schrei aus und blieb keuchend stehen. Es tat gut einfach den Gefühlen freien Lauf zu lassen. Sie steckte das Schwert wieder ein. Für einen kurzen blieb sie im Regen stehen und genoss die Abkühlung, um kurz darauf die nächste Waffe zu nehmen und mit ihr einen anderen Kampf auszuführen. Diesmal lies sie sich nicht von ihren Gefühlen leiten, sondern blieb ruhig und kontrolliert. Ihre Bewegungen waren auch viel kontrollierter, aber nicht weniger schnell. Dies machte sie auch mit ihrer Hasta.

Aus den Augenwinkel bekam sie mit wie eine Menschendame zu der Obstwiese lief und herunter gefallenes Obst aufsammelte. Sie behielt Abstand und machte keine Anstalten den Engel anzusprechen, so schenkte die Michaelitin ihr keine weitere Beachtung. Sie machte weiter mit ihren Übungen, bis sie auch mit der Hasta fertig war. Wieder blieb sie keuchend stehen und rieb sich die nassen Haare aus dem Gesicht.

'Mit Terael muss ich auf jeden Fall ein Wörtchen wechseln', ging ihr durch den Kopf und sie überlegte sich wann sie am besten dieses Gespräch führen würde.

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Terael
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Terael » 02.10.2011 - 15:42

Terael blickte den Gabrieliten ungläubig an. Ob das wirklich eine gute Idee ist? Er hob schon den Finger, um Bedenken anzumelden, machte aber einen Rückzieher. Anscheinend könnte er ihn so oder so nicht davon abbringen. Andererseits war es bestimmt interessant, das Gespräch zu beobachten. Vielleicht könnte er dann noch etwas im Umgang mit Menschen lernen - Andererseits schien auch Mirael in solchen Dingen nicht so viel Erfahrung zu haben; In diesem Falle könnte das bestimmt lustig werden.

Wie auch immer, er würde in der Nähe des Gabrieliten bleiben und sehen was passiert. Er wusste nur noch nicht, ob er ihm offensichtlich folgen sollte - dagegen hätte er vielleicht was - oder ob er versuchen würde, dabei von ihm möglichst nicht bemerkt zu werden.

"Nun denn", sagte er dann und grinste, "ich möchte dich nicht aufhalten. Soll ich bei dir bleiben, und dich... unterstützen?"

---

Simoniel folgte dem Mädchen, das er gesehen hatte, durch das Haus hindurch. Tatsächlich schien sie gerade das Zimmer vorzubereiten, das für die Schar bestimmt war. Sie bemerkte den Ramieliten natürlich irgendwann und man konnte ihr ansehen, daß sie aufgeregt war und dem Engel aus dem Weg ging - ihm konnte es recht sein; Er hatte in diesem Moment keine Lust, sich mit Menschen zu unterhalten. Davon hatte er heute schon zu viel gehabt; Obwohl er sich fragte, ob dieses junge Mädchen zur Familie des Bauern gehörte, oder nur hier arbeitete - möglich war beides.

Das Zimmer, daß sie vorbereitet hatte, war geräumig. Hier schien normalerweise eine Art Esszimmer zu sein, auch wenn Stühle und Tische bereits hinausgeschafft worden sind. Es gab einen kleinen Kamin in dem Zimmer und an der Wand stand Geschirr in Regalen, daß wohl nicht zum Essen gedacht war.
Der Ramielit überlegte, ob das mit dem Geschirr vielleicht problematisch sein könnte; Aber dieses Problem überließ das den Anderen seiner Schar.

Zwei Hocker standen schon in dem Raum. Die Anderen würden sicherlich noch gebracht werden. Das bedeutete zwar eineseits, daß er sich schon hinsetzten konnte, andererseits aber, daß noch einmal jemand herreinkommen würde. Ihn würde das, wenn er es überhaupt mitbekommen würde, nicht stören, aber wenn das junge Mädchen schon jetzt so aufgeregt war... - nun ja. Es würde sich zeigen.

Er ließ sich auf einem der Hocker nieder und holte sein Buch heraus. Er setzte den Stift an, wusste aber garnicht, wo er anfangen sollte. Es ist viel passiert, seit dem letzten mal und er würde sicherlich einige Details auslassen müssen. Aber mit irgendwas kann man immer beginnen: also begann er, zu schreiben.

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Alessiel
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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Alessiel » 02.10.2011 - 17:42

Es gelang Mirael nicht ganz er wurde doch leicht rot.
Noch einmal räusperte sich der Gabrielit um die Verlegenheit zu überspielen.
„Ich denke das bekomme ich allein hin.“
Er packte die Kiste unter dem Arm und strich sich über sein immer noch leicht nasses Haar.
Seine Stirnbänder hatte er noch nicht wieder angelegt.
„Also wir treffen uns dann nachher im Haus.“
Mirael setzte sich in Bewegung und lief durch das Dorf.

Er suchte nach dem Mädchen das ihm irgendwie nicht mehr aus dem Kopf ging.
Wieso nahm sie ihn so sehr ein?
Mirael seufzte schwer und verstand sich selber nicht ganz recht.
Aber vielleicht würde er ja mit ihr sprechen können und vielleicht wusste sie ja was in diesem Dorf hier vor sich ging.

Nach nicht allzu langer Suche konnte er auf der Obstwiese ein Mädchen erkennen.
Das Erdbeerblonde Haar war nicht zu übersehen und der Streiter begann damit sich ein wenig zu sammeln.
Tief atmete er ein und wieder aus fuhr sich noch einmal leicht aufgeregt durch das Haar und schritt dann auf das Mädchen zu.
Auf dem Weg dorthin überlegte der Streiter was er sagen sollte und wie er sie überhaupt ansprechen sollte.
Mirael schluckte bekam leichte Panik was war wenn er das falsche sagte,..oder viel schlimmer was war wenn sie seine Narben bemerken würde?
Die waren ja nun nicht zu übersehen.
`Verdammt du bist ein Gabrielit reiß dich zusammen du Idiot!`

Miarel räusperte sich.
„Hi.“
Kam es mit einem Lächeln aus seinem Mund und innerlich hätte er sich am liebsten dafür geohrfeigt.
`Hi?...Du Idiot!`

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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Magnetklaue » 02.10.2011 - 18:59

Das Mädchen das Mirael gesucht hatte stand neben einem der gedrungenen Apfelbäume. Eines der Ponies stand neben ihr und schnupperte prüfend an dem kleinen Korb, in dem einige Äpfel lagen.
"...sowas von peinlich Argo. Gott wird mich bestimmt bestrafen", murmelte sie und sah das Pony an. Der kleine braune Wallach schnaubte und klaubte einen Apfel aus dem Korb.
"Und lass das, die brauche ich noch."
Sie seufzte und ihre Augen hingen an dem gelblich-roten Apfel in ihrer Hand. Seit geschlagenen fünf Minuten drehte sie diesen nun hin und her, anstatt ihn in den Korb zu legen und klagte Argo ihr Leid.
Ihr Herz schlug immer noch wie verrückt, wenn sie an den Anblick des unbekleideten Engels dachte. Ihr Kopftuch war bei der Flucht etwas verrutscht und selbst jetzt hatte sie es noch nicht wieder gerade gezogen. Das erdbeerblonde Haar hing wirr darunter hervor und der geflochtene Zopf hing ihr bis in den Rücken.
Und dann noch das was am Mittag hier passiert war. Es war so schrecklich, sie hatte Angst und nun hatte sie den Todesengel ohne seine Kleidung gesehen. Er würde sie dafür sicher töten, wenn sie ihm noch einmal über den Weg lief.

"Argo? Sollte ich mich...", wandte sie sich gerade wieder an den Wallach, da räusperte sich jemand hinter ihr. Melly fuhr herum und als sie sah wer sie da mit einem irgendwie lakonischen "Hi." begrüßte, fiel ihr der Apfel aus den schreckensstarren Händen und sie stieß einen kleinen Schrei aus.
Sekunden später stolperte sie rückwärts, fiel auf die Knie und zitterte.
"Bitte! Tu mir nichts! Es war keine Absicht, Himmlischer! Ich wusste doch nicht!"
Das Mädchen stand kurz vor den Tränen und ihr vierbeiniger Freund musterte den Engel misstrauisch, ziemlich eindeutig bereit dazwischenzugehen, falls der Gabrielit sich als bedrohlich erwiesen würde.

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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Alessiel » 02.10.2011 - 19:15

Mirael zuckte zusammen und innerlich war die Enttäuschung groß.
Das Verhalten des Mädchens war nichts seltenes, die Menschen fürchteten die Todesengel.
Er bemerkte den Vierbeiner und entspannte seine Körperhaltung um dem Tier zu zeigen das er nichts böses im Sinne hatte.
„Hab keine Angst bitte. Ich bin dir nicht böse.“
Der Gabrielit stellte vorsichtig die Kiste ab und blickte ihr mit einem sanften Lächeln ins Gesicht.
In seinen hell grünen Augen lag ein Hauch von Melancholie.
Es war schade das die Menschen solche Angst vor ihm und seinen Orden hatten.
Vorsichtig streckte er die Hand aus und hielt dem Mädchen diese hin.
„Ich will dir nichts tun wirklich nicht. Bitte...ich möchte dir aufhelfen.“
Seine Stimme war ganz sanft und seine ganze Körperhaltung strahlte Ruhe aus.
„Komm...“

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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Kasima » 02.10.2011 - 19:40

Alyssiel lies es weiter über sie regnen. Entspannt blickte sie mit geschlossenen Augen in den Himmel. Sie seufzte leise. 'Es kommt, wie es kommt'
Das Trainieren hatte schon immer geholfen, wenn sie sich über etwas aufgeregt hatte. Sie streckte sich einmal komplett aus und steckte dann ihre Hasta weg.

Plötzlich ertönte ein Schrei über die Obstwiese. Sofort wandte sich die Michaelitin zu der Quelle dieses angsterfüllten Geräusches und runzelte die Stirn. Die Magd war zusammengesackt und flehte Mirael an ihr nichts zu tun. Dieser machte jedoch keinerlei anstalten handgreiflich zu werden, sondern streckte der Dame eine Hand hin. 'Was macht er da?', fragte Alyssiel sich, mischte sich jedoch noch nicht ein. Sie näherte sich etwas und beobachtete die Szene. Danach würde sie wohl ein Wort mit Terael wechseln und je nachdem auch mit Mirael. Dann ihre Wache halten. Für diesen Tag war genug passiert.

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Re: [2] - Nächtliche Erkenntnisse?

Beitrag von Magnetklaue » 02.10.2011 - 19:50

Die Magd starrte den Gabrieliten an, langsam sanken ihre Schultern wieder herunter und ihre Augen blieben an seinen hängen. Schöne, grüne, freundliche Augen. Er streckte ihr die Hand hin und langsam und zögerlich streckte Melly ihre eigene Hand aus. Mit träumerischer Langsamkeit legte sie ihre Hand in die seine und ließ sich aufhelfen.
Ihr Blick huschte über den gesamten Todesengel und sie errötete leicht. Seltsamerweise schien sie sich an den Narben des Engels nicht zu stören und sie ließ nicht sofort los, als sie wieder stand. Ihr Herz schlug schnell und erst eine Augenblicke nachdem sie stand, schien sie zu bemerken das sie immer noch die Hand des Engels hielt. Scheu ließ sie los und lächelte verträumt. Er war schön, in ihren Augen und schnell schlug sie den Blick nieder. Sowas stand ihr nicht zu.
"Ich...ich...entschuldige", brachte sie schließlich heraus.

Das Mädchen war nur um wenige Zentimeter kleiner als Mirael. Das leicht rötliche Haar umrahmte ein herzförmiges, relativ blasses Gesicht mit leichten Sommersprossen um die Stupsnase. Ihre Augen waren blau.

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