[3] - Der letzte Kampf

Das Forum von Auriel Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
Carian
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Carian » 03.02.2013 - 21:59

"Wäre Vamiel nicht fortgerannt, wäre er jetzt tot!" schrie Andariel den alten Engel an. Wie konnte er nur so arrogant und verblendet sein? Wie konnte er seine von Gott gegebenen Mächte derart missbrauchen? Die kleine Raphaelitin jedenfalls brauchte keine einzige Sekunde über die Antwort auf seine Frage nachzudenken - auch wenn sie wahrscheinlich die einzige war, die ihm und vor allem den armen Kreaturen in seiner Gewalt wirklich würde helfen können. "Nein, ich werde dir nicht helfen." Voller Abscheu sah sie ihn an, wutentbrannt, mit weit gespreizten Flügeln und geballten Fäusten.

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Samuel
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Samuel » 05.02.2013 - 11:36

Miriel blickte zwischen den Fronten hin und her, unfähig zu entscheiden, wer im Recht war. Sie sah die Wut der anderen auf den Ragueliten und fühlte sich unweigerlich auf dessen Seite gezogen - zu oft waren ihre eigenen Bemühungen missverstanden worden und hatten den Unmut ihrer Geschwister auf sich gezogen. So war es schließlich die ruhigere, bestimmte Art, in der der ältere, erfahrenere Engel der Schar begegnete, die sie für ihn gewann.

Als Miriel an der Reihe war, den Blick des Ragueliten auf sich zu spüren, drückte sie sich von dem Tisch, an den sie sich gelehnt hatte, ab. Sie wollte etwas sagen, doch die Worte kamen ihr nicht über die Lippen. Also neigte sie stumm das Haupt und stellte sich nun endgültig neben den fremden Engel. Die Urielitin bemühte sich um einen festen Blick, als sie das Schwert, zur Abwehr bereit, fester umgriff und ihren vier Schargeschwistern entgegensah, doch so richtig wollte es ihr nicht gelingen.

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Kasima
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Kasima » 05.02.2013 - 20:02

Der Raguelit lenkte nicht ein. Er sah weiterhin nur seinen Weg als den richtigen an. Doch nach dem Verständnis des Gabrieliten konnte es nicht richtig sein. Mitstreiter gegen ihren Willen so zu misshandeln.
Wenn es Gottes Weg war so Gerechtigkeit auf die Welt, hätte es dieser auf einem anderen Weg in die Welt gebracht.
Andariel reagierte aufgebracht auf die Worte des fremden und es war ihr gutes Recht.
Selbst für den Streiter war es unübersehbar gewesen in welch kritischem Zustand Vamiels gewesen war.
Doch um so überraschter war der Streiter, dass Miriel tatsächlich einlenkte, dass sie dem Ragueliten folgen würde.
Konnte sie sich wirklich vorstellen, was dieser anonyme Engel mit seinen Opfern machte, oder war es nur aus einem Gefühl heraus. Sigjael folgte mit den Augen der Urielitin und wechselte dann zu dem grauen Engel.
Die Blicke trafen sich, doch anders wie Miriel schüttelte Sigjael seinen Kopf und blickte den Engel fest an.
"Gerechtigkeit ist unser aller Ziel, Bruder", erklang seine ruhige Stimme, immerhin war er ein Bruder ein Bote des Herrn auch wenn seine Seele durch etwas getrübt wurde. Vielleicht war es auch der Fall seiner Ordensgeschister gewesen, die Angst, von der er kurz erwähnte.
"Ich kann dir nicht helfen nicht auf deinem Weg, nicht indem man ahnungslose Geschwister oder Menschen überfällt, nicht auf dem Weg der dem der Saat des Bösen gleicht."
Seine dunklen Augen musterten die urielitische Schwester.
Sie stand gefährlich zwischen den Fronten und dem Streiter wäre nichts lieber gewesen, den fremden Engel auf friedliche Weise zu überzeugen, doch anscheinend lies er sich nicht umstimmen, auch wenn Auriel alles in seiner Macht stehende tat.
Es gab nur zwei Wege, entweder der graue Engel gab nach oder sie würden sein Werk beenden müssen. Einen anderen sah der Todesbote nicht.
"Wir bitten dich, gib deinen Weg auf", bat Sigjael, dann schwieg er wieder. Innerlich machte er sich schon bereit zu kämpfen. Er würde nicht zulassen, dass einer seiner Geschwister ein Haar gekrümmt werden würde. Irgendwie musste man die Urielitin aus dem Kampf raushalten.

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Terael
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Terael » 06.02.2013 - 19:50

Terael fragte sich, wie er Vertrauen in etwas haben kann, das er nicht versteht. Er spricht von Rache aber nicht gegen wen und wegen was. Vielleicht würde man ihm ja helfen, wenn man die Hintergründe verstand, aber dieser Raguelit wusste wohl selbst am Besten, daß da nichts zu verstehen ist, sonst würde er nicht in einem Berg leben, versteckt vor den Augen Anderer.

Ein wenig überraschte es ihn dann schon, daß Miriel sich hinter ihn stellte. Sie hat die Situation ziemlich getroffen, daß hat er gesehen. Offenbar ließ sie sich eher von ihrem Bauchgefühl leiten.
Das war ein wenig verständlich. Aber es machte die Sache nur unnötig kompliziert, denn sie traf keine Schuld. Würde sie sich ihnen entgegenstellen, dann würde irgendjemand eine richtig falsche Entscheidung treffen.

"Du möchtest die Stürzen, die ihre Macht mißbrauchen", sagte der Urielit, als der Fremde zu ihm schaute, "in dem du deine mißbrauchst"
Dafür daß er so wütend war, gelang es ihm erstaunlich gut, ruhig und bestimmt zu sein*.
"Das ist der falsche Weg", lehnte er ab und sah zu seiner Ordensschwester.

Es gab nichts, was er ihr sagen könnte. Nichts, was ihm einfiel, würde sie wohl umstimmen. Trotzdem musste er sie beschützen, so wie er es auch mit den anderen Mitgliedern seiner Schar tat.
Sein Gesicht und seine Stimme verfinsterte sich, als er wieder zu dem Ragueliten schaute. "Aber wenn du ihr ein Haar krümmst, dann werde ich dafür sorgen, daß du bestraft wirst!"


die inspiration
Aufrechte Bedeutung: Kreativität
Zuversicht, Selbstwertgefühl, Talent, Anleitung, Ausdrucksstärke, Innovation, Einfallsreichtum, Ausstrahlung, Manifestation, Charisma, Anziehungskraft, Instinkt, Vollendung, Inneres Gleichgewicht, Spontaneität, Lebendigkeit, Natur, Hoffnung, Erkenntnis, Bedeutung

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Alessiel
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Alessiel » 08.02.2013 - 00:51

Wieder einmal war es Andariels Stimme die ihn aus der Starre holte in die er erneut zu versinken drohte.
Die Worte des Ragueliten taten weh, denn Auriel wusste ganz tief in seinem inneren das er nichts würde tun können...
Der Michaelit sammelte seine restlichen innerlichen Kraftreserven zusammen, versuchte stark zu sein und begnete dem Ragueliten mit ernster Miene, trotzdem war ein Hauch Mitgefühl in den hellgrünen gefühlvollen Augen zusehen.

"Nein! Niemals werde ich meine Schar solch einer Gefahr aussetzen. Ich bin ihr Michaelit und ich bin für sie alle verantwortlich. Niemand wird mit dir gehen!"
Gerade in diesem Moment ging Miriel auf den grauen Engel zu, Auriel wollte sie aufhalten doch hielt ihm plötzlich etwas davon ab.
In seinem Schädel bohrte sich ein dumpfer Schmerz durch die Nervenbahnen und ließ ihn leicht schwindeln.
Der Gebrauch seiner Mächte forderte langsam Tribut.
Doch bei Sigjaels und Teraels Worten sammelte der goldene Engel weitere Kraftreserven zusammen. Er würde es nicht mehr lange durchhalten aber er musste es versuchen.
"Das ist dein Weg Miriel? Willst du wirklich so enden wie Vamiel? Dein Ordensbruder ist blind und das gleiche wird dir auch passieren ich bitte dich Miriel, komm zu mir, sei vernüftig das ist nicht der richtige Weg. Vamiel hat sein Augenlicht verloren, er wird nie wieder die Schönheit dieser Welt wahrnehmen können. Miriel willst du das wirklich? Wer weiß was er dir noch antun wird. Ich bitte dich Miriel sei vernünftig."
Auriel keuchte leise auf als das Pochen in seinem Kopf stärker wurde, doch er streckte seine Hand aus und hielt sie der Urielitin entgegen.
"Komm zu mir meine Urielitin."
Sanft und warm war die Stimme des goldenen Engels.

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Samuel
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Samuel » 11.02.2013 - 13:55

Miriel war bezaubert von der Wärme in Auriels Stimme. Schon die ganze Zeit hatte sie den gesamten Raum erfüllt und Miriel gerührt, doch nun, da die Worte des goldenen Engels ihr allein galten, war ihr Effekt noch berauschender.

Die Urielitin lockerte den Griff um ihr Schwert, machte einen Schritt auf Auriel zu und hob leicht die andere Hand, um sie nach ihm auszustrecken, hielt aber sogleich wieder inne. Kleine Fältchen bildeten sich auf Miriels Stirn, als sie sich konzentrierte und es ihr schließlich gelang, der Stimme zu wiederstehen. Gleich festigte sich ihr Griff um das Schwert wieder und sie wich zu dem Ragueliten zurück.

"Die Macht der Erzengel sollte nicht gegen andere Engel eingesetzt werden ...", murmelte sie in störrischem Tonfall. "Ich habe mich entschieden. Ich werde weder untätig zusehen, noch euch helfen, dem womöglich letzten Ragueliten ein Leid zuzufügen. Selbst wenn ich dafür ..." Für einen Moment stockte Miriel die Stimme. Sie senkte kurz den Blick auf den Boden, sah jedoch gleich wieder auf. "Selbst wenn ich dafür Opfer bringen muss."

Ein wässriges Glänzen bildete sich in ihren Augen, als sie abschließend sagte: "Genug der Worte." Langsam erhob sie die blass grüne Klinge ihres Keramikschwertes zur Abwehr. "Kommt und tut, was ihr für eure Pflicht haltet."




das 21. arkanum: die welt
Umgekehrte Bedeutung: Trägheit
Faulheit, Unvollständigkeit, Beschränkung, Restriktion, Verneinung

Carian
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Carian » 13.02.2013 - 21:01

Fassungslos sah Andariel zu der jungen Urielitin herüber. Das war nicht ihr Ernst, das konnte nicht ihr Ernst sein!
"Es geht doch nicht darum, dem vielleicht letzten Ragueliten Leid zuzufügen!" Sie schüttelte heftig den Kopf, so dass sich die braunen Locken lösten und in alle Richtungen flogen. "Er könnte mitkommen, uns helfen, wir könnten ihn brauchen. Aber er muss aufhören, anderen Kreaturen Gottes, Menschen, Engeln, Leid zuzufügen. Dafür hat uns Gott nicht auf die Erde geschickt." Sie schluckte. "Bitte, Miriel. Niemand will einen Kampf."

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Magnetklaue
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Magnetklaue » 20.02.2013 - 15:24

Sie kam zu ihm. Sie kam von alleine zu ihm, um ihm zu helfen. Dieses junge Wesen das er einst als Schwester bezeichnet hätte, entschied sich für seine Sache. Ein lang vergessenes Gefühl stieg in ihm auf, neben all dem Hass auf das was die Kirche getan hatte und verdrängte die Bilder von flüchtenden Raguelismonachen, auf der Reise nach Rom niedergemetzelt von Michaelistemplern. Und einem kleinen Engel mit grauem Haar der das Massaker in der Nacht beobachtete und dann rannte, sich in alten Löchern verkroch und langsam einen Plan ersann während Einsamkeit sein Herz förmlich zerfraß.
Er lächelte nicht, doch ein weicher Zug trat um seine Augen während er ihr zusah wie sie sich neben ihn stellte.

Ein Wortabtausch folgte und er griff seine Lanze fester, sah Miriel beinahe erstaunt an, als sie sich gegen ihren Michaeliten zur Wehr setzte. Auf ihre letzten Worte hin lächelte er nun tatsächlich. Ein trauriges, verlorenes Lächeln, klein und schwach. Er streckte die freie Hand aus und berührte das Haar der Urielitin.
"Danke", flüsterte er leise und griff dann mit beiden Händen seine Lanze, hob sie vor sich in Verteidigungsstellung. Vielleicht war es von Anfang an sein Schicksal gewesen von einem Michaeliten abgeschlachtet zu werden, egal ob geflügelt oder nicht. Vielleicht hätte er damals nicht davonlaufen sollen, sondern sich der Gefahr gleich stellen, anstatt zu versuchen alles im Nachhinein wieder gut zu machen. Er würde nicht alleine gehen, ein anderes Wesen hatte ihn verstanden und stand an seiner Seite. Sie sollte nicht sterben, das nicht, aber selbst wenn sie ihn umbrachten und sein Versuch gescheitert war, vielleicht würde sie bei ihm bleiben. Vielleicht würden die Stimmen dann zu ihr sprechen.
Er lächelte etwas stärker und sah die Urielitin noch einmal an. Seine Lippen formten erneut ein "Danke." bevor er den Blick nach vorn wandte und sich gegen jeglichen Angriff zu wappnen versuchte.

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Alessiel
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Alessiel » 20.02.2013 - 19:54

Sie streckte ihre Hand aus und auch Auriels Hand streckte sich ihr weiter entgegen, nicht mehr lang und sie würden sich berühren.
Doch plötzlich hielt die Urielitin inne und zog sie zurück.

Auriels Augen blickten Miriel traurig an, wie hatte er seine Macht nur so missbrauchen können?
"Es tut mir leid..." Kam es geflüstert über seine Lippen.
Doch dann tat die Urielitin etwas das ließ dem Michaeliten das Blut in den Adern gefrieren, sie wandte sich von ihm ab. Einer seiner Engel wandte sich von ihm ab!
"Nein nein geh nicht!"
Seine Stimme überschlug sich fast vor Panik und Angst.

Machtlos musste der goldene Engel dabei zusehen wie sie sich neben den grauen Engel stellte.
Verfolgte jede kleinste Bewegung des Bruders und fühlte wie sein Herz fast zersprang als er diese plötzliche Wärme des Ragueliten sah.
Er war einsam! Sein Bruder war einsam!
Auriel war wie gelähmt als er sah wie sich der Raguelit in Kampfstellung begab.
Sein Bruder wollte kämpfen, ein Engel wollte mit ihm kämpfen, um Leben und Tod!
Die grünen Augen des Michaeliten sahen abwechselnd zwischen Miriel und dem Ragueliten hin und her.
"Das ist also der Weg für den du dich entschieden hast Miriel."
Flüsterte der Michaelit leise und zog sein Schwert.

Andariels Worte nahm der Michaelit schon gar nicht mehr war, er hörte weit entfernt ihre Stimme mehr aber auch nicht. Alles in ihm war wie gelähmt nur seine Muskeln funktionierten noch als er das Schwert in den Händen hielt.
"Ich kann nicht! Ich kann nicht gegen euch kämpfen! Wir sind doch alle himmlische Geschwister! So etwas dürfen Engel nicht tun! Wir sollten zusammenhalten!"
Tränen perlten seine Wangen hinunter als er Miriel ins Gesicht sah.
Kämpfen. Auriel hasste dieses Wort, er hatte einfach keine Kraft mehr er war müde und sehnte sich nach Ruhe.
Nach Ruhe und Frieden.

Der Michaelit hob sein Schwert und ließ es fallen. Es klirrte als es auf den Boden aufschlug und dem Ragueliten zu Füßen fiel.
Ein trauriges kampfesmüdes Lächeln mit der Sehnsucht nach Erlösung und Heimkehr legte sich auf Auriels Gesicht als er den Ragueliten ansah.
"Tu es,...bring mich Heim."
Flüsterte er die Worte sanft und in seinen Augen funkelte eine tiefe Sehnsucht nach Erlösung auf.


*Karte: Herr der Fliegen*

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Kasima
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Kasima » 20.02.2013 - 21:45

Sigjael beobachte, wie jeder sein Wort ergriff, wie jeder seine Sichtweise vertrat, doch änderte es nichts mehr.
Miriel hatte sich entschieden ebenso, wie die anderen. Es würde kein Zurück mehr geben...

Und wieder zeigte der Raguelit Gefühle, wieder wurde er mehr zu einem Bruder, welcher sicher früher auch gewesen war, als zu dem Irren, den er sein musste, wenn er seine Opfer verbesserte
Er war ein Engel wie sie, kein geisteskranker, den man schon der Traumsaat zuschreiben konnte.
Ein Teil von ihm hatte noch die gleichen Wünsche und Sehnsüchte wie sie alle.
Wunsch nach Anerkennung, nach Gemeinschaft, und nach Gerechtigkeit, nach Frieden nach Wohlergehen...
Der andere hörte diese Stimme, welche ihm diese Ideen eingeredet hatte.

Was sollten sie tun? Was war das richtige? Gab es überhaupt ein richtig?
All das schwirrte in seinen Gedanken umher, während er seinen Scharführer beobachtete, welcher sichtlich mit sich am Kämpfen war. Doch die Entscheidung, die er fiel, lies ihn frösteln. Ein kalter Schauer lief über seinen Rücken.
Sein ganzer Körper erstarrte und er blickte mit seinen dunklen Augen Auriel an.
Er ergriff die Flucht in den Tot. Er hatte sich dazu entschieden, alles was er angefangen hatte wegzuwerfen, Vamiel zurückzulassen, sie alle zurückzulassen. Man konnte deutlich sehen, wie müde Auriel des Kampfes war und Sigjael konnte es auch verstehen, wahrscheinlich am meisten von allen.
Wie oft hatte er sein Schwert gegen jemanden richten müssen, welcher ebenso wie den Tod verdient hatte zu Leben...

Ohne weiter zu zögern, schoss Sigjael nach vorne und stellte sich schützend vor Auriel, um jeden möglichen Angriff der beiden anderen abwehren zu können.
Er hatte sich etwas versprochen, keinem der Schar würde ein Haar gekrümmt werden und daran würde er sich halten.
Es gab keinen anderen Ausweg noch mehr Opfer wie Vamiel zu verhindern, als diesen Ragueliten kampfunfähig zu machen, ihn schließlich zu töten...
Nichts lieber wäre es ihm gewesen dem Ragueliten sein Leben zu lassen und ihn als Bruder gehen zu lassen, doch würde er seine Pläne nie aufgeben. Er würde weiter machen mit diesen irren Gedanken...
So wie sich der Raguelit entschieden hatte, so war es Sigjael der sein Urteil traf.

"Ich werde dich von deinem Handeln abbringen, selbst wenn ich dich töten muss", erklang die tiefe Stimme des Gabrieliten, " das ist mein Urteil"
Die Stimme des Todesboten war fest und entschlossen und wirkte im Kontrast zu Auriel eher kühl, doch die Worte, die er in der Seele sprach waren ebenso durchtränkt von Gefühlen.
*Auriel*, klang seine warme tiefe Stimme, *pass auf Andariel auf*
Nur das sagte er, ihm lag auch etwas anderes auf den Lippen, doch das hielt er zurück.
Seine Haut wurde zu Stein, während er mit einem schnellen Angriff, auf die Körpermitte des Ragueliten ziehlte.

Schwäche, Mißbrauch, Zwietracht, Verderbtheit, Zorn

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Terael
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Terael » 21.02.2013 - 22:04

Plötzlich schien er ganz lieb zu sein. Fast so, als hätte Miriel ihn, mit dem, was sie tat, aus einer Verzweiflung geholt.
Aber konnte man so sehr verzweifelt sein, daß man solche Wege beschritt? Oder brauchte es dazu schon eine Portion Wahnsinn? Oder gar Verführung?

Irgendetwas passte nicht. Irgendwie entwickelte Terael gerade eine Breitschaft, zu fragen: Warum? Wozu?
Und während die Stimme seiner Wut ihm sagte, daß dieser Engel böse sei, fing er an, sich gegen diesen Gedanken zu wehren. Nein, vielleicht war da mehr, vielleicht brauchte es nur eine Frage, eine Geste, so wie Miriel sie ihm gegeben hat, daß er sich erklären konnte, daß man ihn verstand.

Aber er glaubte wohl nicht, daß das passieren würde. Sie alle hatten ihre Meinung gesagt und er hat sie akzeptiert. Er war bereit, sich zu verteidigen, wartete darauf, daß jemand Angriff. Würde er vielleicht sogar selbst die Initiative ergreifen?

Terael dachte, daß Auriel der Erste wäre, das zu tun. Er hatte gesagt, er würde dafür sorgen, daß sie zusammen hier raus kämen. Er hatte es ihnen versprochen. Jetzt wäre dieser Moment gekommen, jetzt sollte er angreifen, irgendetwas tun, um dieses Versprechen zu halten.
Doch sein Michaelit tat genau das Gegenteil. Er gab auf, mehr noch, er bot sich dem Tod dar. Ohne Waffe, ohne Verteidigung stand er da, wie ein Haufen Elend und wartete auf Erlösung.
Griff der Engel an? Jetzt wäre eine Gelegenheit zu schießen...

Warum tat er das? Hat dieses Wort, Danke, ihn so sehr mitgenommen? Hat es ihn zu Fall gebracht, so tief, daß er das Versprechen, daß er fast unter Tränen gegeben hatte, vergaß?

Aber da war noch Miriel. Selbst wenn der Urielit an Auriel vorbeischoss, eine kleine Bewegung, und er würde Miriel verletzen. Oder Töten.
Oder er schoss garnicht an Auriel vorbei. Traf ihn, wie er Alyssiel getroffen hatte, mit einem vergifteten Pfeil.
Aber das würde er nicht tun. Schwer genug, daß er einen Engel treffen musste, jetzt könnte er drei treffen.
Er konnte nicht schießen. Nicht so. Er sollte dafür sorgen, daß ihnen nichts passiert, nicht das Gegenteil.

Er musste hier weg!
Und er musste Auriel beschützen. Wie er das tat, spielte keine Rolle, ohne ihn funktioniert es erst recht nicht.
Seine Kehle schnürte sich zu. Je länger er überlegte, desto wahrscheinlicher...

Jetzt waren es vier. Sigjael stürmte zwischen die Beiden und schießen war jetzt erst recht keine Option mehr. Er könnte zur Seite gehen, aber...
Wie lange der Gabrielit wohl gegen seinen Gegner bestehen könnte? Sollte er angreifen, um ihn zu unterstützen, oder die Anderen vor Schaden bewahren?

Er musste eine Entscheidung treffen. Jetzt. Irgendeine.

Und es war sein Herz, daß sie traf*. Er senkte den Bogen und stürmte nach vorn, packte Auriel am Arm und riss ihn zu sich, weg vom Kampf.
Er hatte nur einen Moment, um etwas zu tun, was ihn zu sich kommen ließ. Er sah ihn an, ernst, aber ohne Wut. Es viel ihm sehr schwer, zu sprechen, aber er musste es. "Beschütze deine Schar, um jeden Preis", sagte er.
Mehr Zeit hatte er nicht, wenn er das selbe tun wollte. Also ließ er ihn los. Er ging zur Seite, sodaß er möglichst freies Feld hatte.


das buch der bücher
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Samuel
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Samuel » 25.02.2013 - 08:50

Miriel spürte die Berührung des älteren Engels und wusste, dass sie sich richtig entschieden hatte. Sie blinzelte, um die Tränen aus ihren Augen zu bannen, das Schwert noch immer zur Abwehr erhoben, als Auriel das seine fallen ließ. Verblüfft sah sie den Michaeliten an, glaubte für einen Moment, dass es doch noch Hoffnung geben könnte, doch einen Lidschlag später hatte Sigjael sich schützend vor ihn geschoben, an jene Stelle, wo Miriel eben beinahe die Hand Auriels ergriffen hätte, und ging in den Angriff über.

Ihr erster Instinkt war, sich selbst vor den Ragueliten zu schieben, doch der Gabrielit war bereits zu nahe gekommen. In ihrem Geist ratterten ihre Optionen hinunter; Sie konnte die Flammenklinge, die er nach vorn stieß nicht mehr ablenken, würde dadurch womöglich gar ihren Verbündeten behindern. Sie könnte, wenn sie sich duckte und seine Füße angriff, nur schwerlich den ledernen Kampfrock überwinden...

Da kam ihr etwas anderes in den Sinn:
Mit einem kräftigen Sprung stieß sie sich vom Boden ab, hob ihr Schwert über den Kopf und in dem Moment, da ihre nackten Füße auf einem der metallenen Labortische landeten, dabei mehrere gläserne Gefäße herunterfegten und ein anderes zu Scherben zerbersten ließen, drehte sie sich und ließ die Klinge auf den Flügelansatz Sigjaels hinunterschnellen.

Anders als die Urielitin, hatte der Todesengel keine Schwingenkacheln, die ihn vor einem solchen Angriff schützen würden und so durchschnitt das Keramikschwert einige Federn, bevor es auf der erhärteten Haut aufschlug. Der Angriff, der einem anderen Engel womöglich mindestens einen Flügel gekostet hätte, hinterließ in der versteinerten Haut nur einen Kratzer.
Einen Kratzer, in den nun einige Tropfen des Giftes auf Miriels Klinge eindrangen ...
Zuletzt geändert von Samuel am 05.03.2013 - 10:45, insgesamt 1-mal geändert.

Carian
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Re: [3] - Der letzte Kampf

Beitrag von Carian » 03.03.2013 - 22:11

Tu es... Bring mich Heim.
Die Worte halten in Andariels Geist wieder, füllten ihre Gedanken, übertönten alles andere.
Tu es... Bring mich Heim.
Die kleine Raphaelitin reagierte, ohne darüber nachzudenken. Ohne Rücksicht auf die Umgebung breitete sie die Schwingen aus und war mit zwei schnellen Sätzen bei ihrem Michaeliten. Mit dem Rücken zu dem grauen Fremden sah sie Auriel an, Tränen in den braunen Augen.
*Auriel*
Es lag so viel in diesem einen Wort, Wärme, Zuneigung, Verzweiflung, alles, was Andariel in dem Moment empfand und sie zu überwältigen drohte. Und wilde Entschlossenheit, ihren Michaeliten nicht aufzugeben.
Dann drehte sie sich um und sprang auf den Ragueliten zu, schrie ihn an "Lass ihn in Ruhe, lass sie alle in Ruhe!". Griff nach der Lanze des grauen Engels, um sie abzulenken, irgendwie aufzuhalten und ihren Michaeliten zu beschützen.

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