Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

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Kuniel
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Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 18.05.2014 - 22:02

11.01.2657

Das fahle, kalte Licht der aufgehenden Sonne fiel auf die Einöde aus Sträuchern, Moosen und kleinen Bäumen, ein Geflecht aus verschiedenen Tönen von blutrot bis hin zu einem hellen grün bildend. Im Gegensatz zu den Dschungeln des Urielslandes schien das Leben selbst in einer ständigen Gefahr verdrängt zu werden und durch jene kargen grauen Felsen ersetzt zu werden, die wie leblose Inseln aus jenem Geflecht hervorragten. Und in den Schatten jener Felsen breitete sich das pure, eisige Weiß von Schnee aus als Testament für die eisigen Temperaturen Skandinaviens an jenem Morgen.

Inmitten jener Einöde stach Oslo hervor als Stützpunkt der Zivilisation. Auf einem Hügel abseits des Meeres stand ein mehr oder weniger kirchen-ähnliches Gebäude, das genauso durch dessen Größe wie durch dessen Form hervorstach. Geformt wie ein langer grauer rechteckiger Block mit einem leicht angespitzten Dach und die langen einfach-gehaltene Glasfenster an den breiten Seiten gaben dem Gebäude einen Ton von bedingungslosem Pragmatismus. Genauso brachial wie jene Kirche wirkte als es über den Rest der Umgebung thronte, so mangelte es jeglicher Eleganz, die jenem Gebäude Schönheit hätte verleihen können.
Vor den hohen und breiten Holztüren stand eine Menschenmenge, die sich langsam sammelte, alle Monachen oder Beginen der Angelitischen Kirche. Sie kamen aus jener Stadt, welche die Kirche umgab und jene Stadt war wiederum von einer hohen, breiten, steinernen Mauer mit Wachtürmen umzäunt, welche demselben Stil wie jene Kirche folgte. An vielen Stellen innerhalb der Stadt waren Arbeiter emsig dabei Gebäude im selben Stil wie den Mauern und der Kirche auf den Trümmern alter Gebäude wieder aufzubauen. Und aus jenen Gebäuden, welche bereits fertiggestellt waren, traten Monachen und Beginen, welche sich auf den Weg machten, sich der Menge bei der Kirche anzuschließen.

Aber innerhalb der Mauern gab es immer noch jene Orte, wo Ruinen schwarz gefärbt von Raub und Brand standen. Dies waren die letzten Mahnmale der Eroberung der Stadt durch den Ordinator Ingvar als er jeden Bewohner der Stadt zum Tode verurteilt hatte. Es war also nicht zufällig, dass viele der Monachen und Beginen, wenn nicht in Gesellschaft eilig und still durch jene Straßen eilten, bedrückt durch jene Grabesstille, welche den Mauern von Oslo innezuwohnen schien.

Außerhalb der Mauern schien das wahre Oslo zu beginnen. Ein Meer aus Zelten, das bereits mehr Fläche einnahm als die eigentliche Stadt, umringte die Mauern. Flüchtlinge, Söldner und Templer hatten alle ihre klar getrennten ‚Bezirke‘ innerhalb jener Zeltstadt. Wo die Zeltlager der Söldner und Templer in Reih und Glied aufgebaut waren und den Eindruck einer temporären Niederlassung gaben, die man bald zurücklassen würde, waren die Zeltlager der Flüchtlinge, welche den größten Teil der Zeltstadt einnahmen einfach chaotisch. Ein wirres Labyrinth aus Schlamm und spärlich gepflasterten Wegen unterbrach die Zeltlager der Flüchtline und an manchen Orten war man dabei, jene Zelte durch einfache Holzbauten zu ersetzen.

Nur einige Kilometer von jener Zeltstadt entfernt war das Ufer des Meeres. Das eisige Wasser des Meeres spülte an eine steinige Küste, die nur ab und zu Strände aus Kies vorzuweisen hatte und ansonsten von Anhäufungen größerer Felsbrocken geprägt war. An einer der sanfteren Übergänge zwischen Meer und Land war der Hafen Oslos zu finden. Mehrere lange, breite Holzstege erlaubten Schiffen anzulegen und einige größere Lagerhallen am Hafen waren ein Zeugnis der vielen Waren, welche durch jene Schiffe angeliefert wurden. Genauso lebendig wie jene Zeltstadt war der Hafen ebenso ein Ort der Hektik, der von einem stetigen Kommen und Gehen geprägt war. Und laute, hitzige Gespräche inmitten des ganzen Trubels machten klar, dass jener Hafen genauso ein Platz des Handels war wie er zur Versorgung Oslos und anderer ramielitischer Siedlungen diente.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 19.05.2014 - 19:38

Keranels Augen betrachteten das tropfende Wachs als es rot von dem Pergament tropfte und sich auf den Boden verteilte. Rot wie ein Rinnsal von Blut...
Da waren sie wieder die falschen Einflüsterungen, die seinen Verstand vergiften wollten, doch der Michaelit versuchte sich nicht von ihnen berühren zu lassen. Er würde nicht fallen!
Sein Verstand war klar, rein und frei von jeglichen Zweifeln...

`Lügner.`

Ein leichtes Frösteln erfasste den Körper des Michaeliten, Gänsehaut zog sich über seinen Körper.
Nein, er würde nicht auf den dunklen Widersacher seines Herrn hören, er würde ihm nicht zuhören.

Keranel nahm das Dokument entgegen und gab es stumm seinem Ramieliten. Für einen Bruchteil der Sekunde tauschten beide Scriptura Engel einen Blick aus. Die Gänsehaut die ein wenig abgeklungen war wurde nun wieder stärker als er in diese schwarzen Augen sah.
Den Blick wieder abwendend sahen die besonderen Augen den Prior an. Er nickte und verabschiedete sich von dem Mann. Mit kurzen und knappen Worten erläuterte der Michaelit dem Prior das sein Ramielit und er ihn noch einmal aufsuchen würden falls sie fragen haben würden, denn immerhin war es wichtig für so eine Mission genügend Informationen zu haben um sich ausreichend vorbereiten zu können.
Er wollte seine Engel nicht ins Ungewisse schicken.


----------------

Grau und unwirklich kam ihm das Land im hohen Norden vor. Er hatte Geschichten gehört die von dem tristen Skandinavien erzählten doch es mit eigenen Augen zusehen war etwas ganz anderes.
Ihm wurde eisig als er zu realisieren begann das es so schnell kein Entkommen aus dieser grauen Ödnis geben würde.
Ein Gefühl als würde ihm ein Ring aus Eisen um die Brust gelegt und schnürte ihm so die Luft ab.
Für Keranel gab es keine Zweifel dieses Land lag in den Klauen des Widersachers, so konnte nur verfluchtes Land aussehen.
Täuschte er sich oder lag noch immer ein leichter Brandgeruch in der Luft?

Keranel hatte Josiel angewiesen einen ruhigen Ort zum landen zu finden. Er wollte das sie alle vorher noch ein wenig durchatmen und sich sammeln konnten bevor sie den vielen Menschen entgegen gingen.
Seine junge Schwester bereitete ihm am meisten Sorgen, sie war so jung und klein. Hoffentlich würde sie Skandinavien überstehen. Der goldene Engel hoffte das sie niemals den leuchtenden Hoffnungsschimmer in ihren Augen verlieren würde. Natürlich trug die Urielitin Hoffnung in sich, sie war noch jung, so jung und so voller Glaube.
Schon in der Cella hatten seine Augen einen wachsamen Blick angenommen was seinen jüngsten Engel anging. Doch niemals verweilten seine Augen zu lange auf der kleinen Gestalt. Er fühlte sich tatsächlich irgendwo tief in seinem inneren schuldig so einen jungen Engel der voller Glaube und Hoffnung war mit in den hohen Norden zu nehmen um sie danach vielleicht zerbrechen zusehen.
Am liebsten hätte er sich bei seiner kleinen Schwester entschuldigt ihr gesagt das es ihm leid tue sie mitzunehmen. Denn das was sie dort sehen und erleben würde wäre eine harte Prüfung für ihren Geist und Willen. Aber es kam nichts über seine Lippen, nicht ein Wort bezüglich einer Entschuldigung. Ab und an bedachte er sie mit einem leicht traurigen Blick, doch nie lag er lang genug auf der Urielitin.

Hatte er Angst? Angst davor seiner Schar näher zu kommen?
Blieben deswegen seine Lippen versiegelt als ein Gefühl ihn auf den Gabrieliten seiner Schar zugehen lassen und um eine Trainingsstunde bitten wollte?
Keranel hätte sich sehr gerne näher mit seinem Streiter des Herrn befasst, liebend gern hätte der goldene Engel Rumael nach einer Trainingsstunde bitten wollen doch als sein Blick auf dem großen Sendboten geruht hatte und er danach fragen wollte blieb seine Stimme stumm.
Etwas in seinem inneren hielt ihn zurück wollte nicht das er einen mentalen Schritt näher trat.
Doch Keranel zog sich innerlich zurück und versuchte sich nur mit der kommenden Mission zu beschäftigen, er gab seinem Ramielit den Auftrag näher nach der Seuche zu forschen, sich mit der bekannten Ordensschwester die der Prior ihm genannt hatte sich auszutauschen. Er wollte seine Engel nicht ins Ungewisse schicken, er wollte das sie wussten was sie erwarten würde.
Nachts meditierte der goldene immer schlechter, Bilder und Worte die einem Alptraum nahe kamen erreichten und ließen ihn nicht ruhen. Eines Nachts war es so schlimm das Keranel mit schweißgebadeten Körper aufwachte und sich schwer atmend in der Cella umsah. Es waren keine Schreie die sein unsanftes aufwachen begleiteten aber manchmal kamen erstickte leise Laute aus seiner Kehle. Das war der Augenblick wo der dunkelblonde Engel sich von seinem Meditationshocker erhob und auf leisen Fußsohlen die Cella verließ. Niemals wollte er seine Engel wecken oder mit ihnen über das schreckliche reden was er in den Bildern zu sehen glaubte. Es war nicht so das Keranel seiner Schar nicht vertraute nur hatte er Angst, Angst vor zu viel Nähe, Angst sie alle zu verlieren oder mit seinem beginnenden Wahnsinn anzustecken.


Auch wenn der Michaelit es nie sagte zeigte er der Schar jedoch das sie ihm wichtig war. Es war nicht offensichtlich nur wenn man genau darüber nachdachte und ihn beobachtete dann verstand man es.
Auf dem Flug hatte der goldene immer darauf geachtet das es seinen Engeln gut ging. In den wenigen Pausen hatte sein wachsamer Blick seine Schar erreicht, sie wurden genau gemustert. Aber Keranel war kein Engel großer Worte das hatte seine Schar schnell feststellen können. Dennoch zeigte er in seinen Gesten und Blicken die nie lange wehrten Interesse an seiner Schar.
Auf dem Flug stellte der goldene Engel schnell fest das etwas mit seinem Ramielit nicht stimmte. Der schwarzhaarige gab sich große Mühe das nicht durchblicken zu lassen doch einen erfahrenen Engel wie Keranel konnte er nicht täuschen etwas stimmte nicht.
Auch hier waren es die Kleinigkeiten die zeigten das er ihm helfen wollte, niemals war der Michaelit aufdringlich oder engte Shezariel ein, nur ein zaghaftes Hilfeangebot lag in seinen Gesten versteckt.
So war es eine Feldflasche die er ihm ohne etwas zu sagen reichte und als der blasse Engel ihm diese aus der Hand nahm wandte sich der goldene einfach ab, kümmerte sich um seine eigenen Sachen, einen Manariegel zu sich zu nehmen oder genauer über das nachzudenken was ihnen noch bevorstand. Ihn länger anzusehen konnte er nicht ertragen, denn auch wenn sie vom Charakter vielleicht unterschiedlich waren war es doch das schwarze lange Haar und die dunklen Augen die ihn an seinen besten Freund erinnerten.
Ganz stumm blieb der Michaelit jedoch nicht, er sprach nicht viel und in seinen Gesichtszügen war kaum etwas zu lesen das seine Gedanken oder Emotionen verriet. Aber er sprach mit seiner Schar jedes Mal ein Gebet wenn sie pausierten, versuchte ihnen dadurch unterschwellig Mut zu machen je näher sie der grauen Insel kamen. Glaubte dadurch auch seinen Ramieliten ein wenig abzulenken.
Was war es nur was ihn belastete?


Als er gelandet war überwachte er die Landungen der anderen Engel. Mit Rumael zusammen hatte er die Landung angetreten denn sie waren beide nebeneinander geflogen. Die kleine Urielitin hatte den Anfang gemacht, Keranel war im Himmel noch mit ihr die Karte durchgegangen um die Flugroute zu planen. Dann kam er und neben ihm der große Gabrielit dahinter Shezariel und Jesaniel. Der goldene hatte die übliche Flugformation gewählt.

Als sie alle gelandet waren atmete der Michaelit tief durch und wandte sich seiner Schar zu.
„Alles in Ordnung?“ Fragte er sie mit ruhiger Stimme, musste sich jedoch räuspern und für einen Moment kam ihm seine Stimme ein wenig unwirklich vor denn die ganze Reise über außer in den Pausen hatte der dunkelblonde Engel auf die Seele der Schar zurückgegriffen.
„Ich würde sagen wir atmen alle ein wenig durch und machen uns dann auf den Weg ins Innere um jemanden zu finden der uns weiterhelfen kann.“
Ansätze von dunklen Augenringen hatten sich auf sein schönes Gesicht gelegt, der Meditationsentzug und der lange Flug forderten Tribut.

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 20.05.2014 - 15:10

Jesaniel hasste das Ganze schon, bevor sie überhaupt losgeflogen waren. Wie konnte es auch anders sein, niemand wusste etwas, keiner hatte sich bisher überhaupt damit beschäftigt. Wahrscheinlich lagen die Leichen der Menschen in dem Dorf noch dort, wo sie waren.
Und wer redet überhaupt von einer Seuche? Anscheinend wusste niemand dort, was eine Seuche ist. Die paar Bewohner um einen Brunnen gelegt hätten genauso gut kollektiv Selbstmord begangen haben oder irgendein Irrer ein bisschen Gift in den Brunnen gemischt haben.
Aber was auch immer es war, es war sehr dringend und sie wusste gar nichts, außer das ein paar Leute gestorben waren - da war ein Mißerfolg quasi schon vorprogrammiert. Sie konnte nicht mal irgendetwas sinnvolles mitnehmen, Medikamente hätten sie ja im Himmel zu Hauf gehabt.

Der Flug nach Skandinavien war weit, und es gab über dem Meer wenig Platz um sich aus dem Weg zu gehen. Sie war, wie immer, schlecht gelaunt und boshaft, insofern hatte das Bestreben, sich von den Anderen abzugrenzen und sie zumindest nicht sehen oder mit Ihnen reden zu müssen, etwas gutes.
Trotzdem entgingen ihr manche Sachen nicht. Shezariel hatte irgendein Problem, auch wenn er sich gut hielt. Keranel hatte da schon ein größeres. Von Tag zu Tag trug er mehr Zeichen von Müdigkeit, aber immer dann, wenn sie Gelegenheit hätte, herauszufinden, warum, meditierte sie selbst.

Sie hätte schon lange etwas dagegen tun können, aber solange er noch fliegen konnte, sparte sie sich ihre Kräfte lieber für den Überflug - der war anstrengend genug.
Doch jetzt, in dieser tristen Einöde von Festland am Rande der Welt, war das gar nicht mehr nötig. Nachdem sie ihre Flügel etwas gelockert, den Kriegsrock gerichtet und sich von der Vollständigkeit ihrer Ausrüstung überzeugt hatte, antwortete sie nur mit "Mh", stapfte wortlos und ancheinend emotionlos auf den Michaeliten zu und streckte ihre Hand nach dessen Arm aus.

Ein kühler Windhauch berührte den Körper des Michaeliten umschmeichelte ihn und ließ ihn frösteln.
Gänsehaut zog sich über seine Haut als er die schwarzen Finger auf sich zukommen sah.
Instinktiv trat er mit dem rechten Bein zurück, nahm den Oberkörper ein kleines Stück zurück und gab sich alle Mühe nicht in Panik zu verfallen.
Schon wie beim Ab spannte sich sein ganzer Körper an, die Muskeln verhärteten sich.
Aber auch diesmal blieb der goldene ruhig, nur der angespannte Körper verriet ihn.
Die Raphaelitin hatte ihn noch nicht berührt und es lag ihm sehr viel daran das es auch so blieb.
„Was wird das?“ Kam es ruhig über seine Lippen doch ein strenger Unterton schwang in der Stimme mit.

Jesaniel hielt inne, als ihr Michaelit zurückwich. Es schien fast so, als hätte er Angst vor der Berührung Raphaels, und daß er ein wenig streng klang, machte den Eindruck nicht schwächer.
Die Raphaelitin rollte mit den Augen, atmete genervt ein und baute sich mit verschränkten Armen vor ihm auf - daß er größer und stärker war und ihr Michaelit, schien sie dabei wenig zu kümmern.
*Hör mal her, Großer*, sandte sie ihm zu. Sie hätte es auch sagen können, und irgendwie hätte sie auch Lust dazu gehabt, aber trotz der Boshaftigkeit, die sie des Öfteren an den Tag legte, gab es eben Dinge, die zwischen Raphaelit und Patienten bleiben sollten.
*Wenn du mir nicht sagen willst, warum du nicht schlafen kannst, dann ist das dein Problem. Aber wenn ich für dafür sorgen soll, daß deine Schar fähig ist, ihre Aufgaben zu erfüllen, dann komm mir nicht mit 'Was wird das'*
Mit einer Kopfbewegung deutete sie auf sein Gesicht. *Mit diesen Augenringen bist du wohl kaum representativ, also lass mich wenigstens die wegmachen*

Nichts aber auch wirklich nichts wurde über die Seele der Schar weiter gesandt.
Ein Zorn stieg in ihm auf doch er blieb wie immer ruhig und reckte sein Kinn nach vorn.
Doch dann verdüsterte sich sein Blick, die schönen strahlenden Augen wurden zu einem eiskalten blau. So etwas würde er sich nicht gefallen lassen. Keranel wusste das sein Blick ausreichen würde um mehr als einschüchternd zu wirken, es hatte immer funktioniert und er verstand es einschüchternd und bedrohlich zu wirken.
Vergessen waren die Berührungsängste, seine Miene blieb starr und bedrohlich, so stand er da wie ein Donnergrollen das über die Berge zog und den Himmel verdüsterte.
*Ich würde an deiner Stelle nicht so einen Ton anschlagen! Wisse wer du bist und wo du dein Platz ist!* Auch seine Stimme klang eisig über die Seele der Schar, gefährlich.
*Behalte deine schlechte Laune für dich denn ich tue es auch.* Die Worte sandte er nur an seine Raphaelitin. Die Augen wurden zu gefährlichen Schlitzen. *Und wenn du dir noch einmal so einen Ton erlaubst wird das große Konsequenzen für dich haben. Ich kann niemanden in der Schar gebrauchen der so aus der Reihe tanzt. Sei froh...* Die Stimme wurde schneidender. *das du mich in der Seele der Schar angesprochen hast und nicht verbal.*

Die Gesichtszüge glätteten sich wieder, wurden erneut zu der bekannten ausdruckslosen Miene, dann nickte er.
*Danke für dein Angebot ich werde darauf zurückkommen.*
Seine Stimme hatte wieder einen neutralen klang angenommen doch innerlich vermerkte er dieses vergehen.
Dieses Land hatte mehr Probleme als seine leichten Schatten unter den Augen zu bemerken.

Der Blick, den Keranel auf sie richtete, hatte eine Wirkung, aber sicherlich nicht die, die er beabsichtigt hatte. Denn eingeschüchtert fühlte sie sich nicht, im Gegenteil, auch sie hatte jetzt Wut im Bauch, wenn auch nicht so stark wie ihr Michaelit.
Demzufolge hielt sie diesem Blick auch stand und tat nichts dergleichen. Im Gegenteil klang sie ernster, gefasster.
*Du hast sicher schon vorher gewusst, wer deine Raphaelitin ist, Keranel, ich werde nicht so tun, als wäre ich lieb und zahm, ich belüge mich nämlich nicht selbst.
Und wenn du schon aus der Reihe tanzen sagst: Es die Pflicht als Raphaelitin meiner Schar, auf die Gesundheit meiner Schar zu achten, auch wenn meine Schar es nicht tut. Oder vielleicht gerade dann. Wenn du also nicht willst, daß ich dir gegenüber meiner Pflicht nachkomme, dann bitte, du bist der Michaelit. Aber sei vorsichtig, wenn du mich deswegen rügen willst, oder wegen dem, wer ich bin. Das ist nämlich nicht sehr brüderlich.*

Eigentlich hatte sie nicht mehr zu sagen. Wenn er wirklich so vor die Menschen treten wollte, dann sollte er. Trotzdem wandte sie ihren Blick nicht ab, denn wenn es um ihre Pflicht ging, gab sie nicht klein bei - auch nicht bei Michaeliten.

Keranel hätte noch viel mehr sagen können, so viel mehr, er hätte sie in Grund und Boden reden können, doch war ihm nicht danach. Der Goldene war einfach nur müde, eine innerliche Müdigkeit.
Doch ein paar Worte der Heilerin verwirrten ihn. Er war niemand der von seiner Schar verlangte sich zu ändern. Das wollte er auch nicht.
Deswegen verstand er die Raphaelitin auch nicht. *Ich habe nie von dir verlangt das du dich ändern sollst.* Seine Stimme klang nachdenklich und ein kleiner Unterton von Enttäuschung schwang mit.
*Das verlange ich von niemandem.*

Er hatte sich mittlerweile wieder von ihr abgewandt und innerlich musste er doch ein wenig schmunzeln, auch wenn seine Miene ausdruckslos blieb. Wahrscheinlich dachte auch sie das er einer der verbohrten und herrischen Michaeliten wahr. Sie wusste es wohl nicht besser denn einer dieser Sorte wäre nicht so zahm mit ihr umgegangen.
Seine Hand griff nach der Feldflasche an seiner Seite. Früher wäre Keranel anders mit so einer rebellischen Natur umgegangen, ganz anderes als man es wirklich von ihm gewohnt war. Doch das war früher....
Seine Augen die wieder ein sanfteres blau angenommen hatten schweiften nachdenklich über seine Schar.

Ich werde dich das Nächste mal daran erinnern, dachte sie. Enttäuschend. Da wollte man helfen, und dann ist die Art und Weise der Ankündigung ein Problem. Anstatt sich also helfen zu lassen, lieber störrisch sein, weil das Ambiente nicht passt. Prima.
Sie war sich sicher, daß es einen anderen Grund dafür gab. Keranel hatte mehr als genug Zeit gehabt, sich damit anzufreunden, daß man wenig freundliche Worte von ihr zu erwarten hat, aber was solls. Er wird es lernen, auf die Eine oder Andere Weise.

Keranel schaute sich ebenfalls die Anderen an. Sie sah wenig anders aus, als sonst, fast so, als hätte dieser Streit überhaupt nichts mit ihr gemacht.
Diesmal hoffte sie aber, daß sich die Anderen nicht so störrisch hatten, falls sie Hilfe brauchten.

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 20.05.2014 - 21:22

Oslo war in Sicht, und Rumael war dankbar, endlich landen zu können und wieder richtigen, festen Boden unter den Füßen zu spüren. Das war aber auch schon das einzig positive Gefühl, das er im Augenblick hatte.
Schwerfällig setzte er neben Keranel auf. Dann hätte er mit seinem Schwung fast die kleine Josiel vor ihnen über den Haufen gerannt, konnte aber noch ausweichen. Dies trug nicht zur Besserung seiner Laune bei.

Schon vor ihrem Aufbruch aus dem Himmel hatte er sich über den diffusen Auftrag geärgert, der ihnen erteilt worden war, und die Erläuterung ihrer Urielitin über den Weg, den sie einzuschlagen hatten, um Oslo zeitig zu erreichen, schaffte es, fast schon so etwas wie Hass in ihm zu wecken.
Ein irrsinnig langer Weg über Wasser, kaum Möglichkeiten zum Ausruhen. Auf dem Wasser fanden sich nur kleine, gischtumtobte Felsen oder künstliche Inseln, auf denen schwer zu landen und für Rumael noch schwerer zu starten war. Mehrmals hatte er Angst gehabt, dabei ins Meer zu stürzen.

Aber schlimmer noch für ihn war der lange, monotone Weg über das Wasser. Hier hatte er Zeit, seine Gedanken wandern zu lassen -- und sie wanderten unweigerlich zu seiner alten Schar zurück, als sie selbst in Skandinavien unterwegs waren, aber vor allem wurde ihm wieder schmerzlich bewusst, dass sie nicht mehr hier waren.

Fast den ganzen Weg über hatte er nicht gesprochen und war seinen trüben Gedanken nachgehangen. Nach der Landung nickte er nur kurz in Richtung Keranel als Antwort auf dessen Frage und wartete dann mit stoischer Miene auf die nächste Anweisung.
Er bemerkte, dass Shezariel überhaupt nicht gut aussah, wie schon die letzten Tage über. Doch Jesaniel hatte sich gerade Keranel zugewandt und schien mit ihm über irgendetwas zu streiten.
Rumael seufzte und starrte den Boden vor seinen Füßen an.

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 21.05.2014 - 08:20

Der Weg nach Skandinavien war weit, die Möglichkeiten zur Rast rar gesät. Als die kleine Urielitin ihre Position an der Spitze der Schar eingenommen hatte, hatte sie das Gefühl gehabt, ihr Brustkorb würde platzen, so schnell raste ihr Herz. Sie, als Signums-Engel, sollte diesen erfahrenen Sendboten den Weg weisen? Was, wenn sie versagte? Was, wenn sie etwas vergessen hatte? Die Aufregung war ihr deutlich anzumerken gewesen.
Aber als die Engel erstmal in der Luft waren, hatte der Drill die Überhand genommen. Mit kräftigen Flügelschlägen flog sie voraus, immer mal über die Schulter blickend um zu sehen, ob die Größeren noch mitkamen.
Während der kurzen Pausen meinte sie ein paar Mal, Keranels Blick auf sich zu spüren, doch der Goldene blickte immer zu schnell weiter, als dass sie sich sicher war. Wahrscheinlich war er einfach ungehalten, dass er einen derart jungen und dann auch noch viel zu kleinen Engel mitschleppen musste. Im Kampf gegen Ketzer hätte er einen erfahrenen Schützen sicher besser gebrauchen können. Josiel machte ihm keinen Vorwurf.
Auch bei den Anderen schien die Stimmung mit jeder Stunde zu sinken. Jesaniel erinnerte sie stark an den Gabrieliten ihrer ersten Schar. Alexandriel war ebenfalls immer schlecht gelaunt gewesen und schien eine immer präsente Wut in sich zu tragen, von der Josiel nicht verstand, wo sie herkam. Shezariel wirkte noch verschlossener, als er ohnehin war, Keranel war die Erschöpfung durch den Flug deutlich anzumerken und von Rumael hielt sich der kleine Engel aus Prinzip fern, so gut es ging. Die Kombination aus Gabrielit und seiner Größe behagte ihr ganz und gar nicht, auch wenn sie froh war, ihn im Kampf gegen Ketzer und Traumsaat auf ihrer Seite zu wissen.

Als der Michaelit sie bat, einen ruhigen Landeplatz zu finden, hatte sie das Gebiet unter ihnen schon nach möglichen Orten abgesucht und ging nun in einen Senkflug über. Diesmal vergaß sie, die Größe der hinter ihr landenden Engel mit einzukalkulieren und blieb zu schnell stehen, woraufhin sie fast von Rumael über den Haufen gerannt wurde. Reflexartig zog sie den rechten Flügel nach vorne, um dahinter vor einem Anrempeln oder zumindest einem Anraunzen in Deckung zu gehen, aber nichts dergleichen geschah. Etwas bedröppelt ließ sie den Flügel wieder sinken.
Auf Keranels Frage hin nickte sie, aber der hatte sich der Raphaelitin zugewandt und funkelte sie gerade an. Josiel runzelte die Stirn. Was hatte sie denn da gerade verpasst?
Überhaupt, warum waren alle derart mies gelaunt? Lag es nur an dem Flug? Auch sie war erschöpft, sehr sogar, aber irgendwo genoss sie die Müdigkeit, die sich nach einem langen Flug in ihren Gliedern ausbreitete. Es fühlte sich einfach...richtig an.
Die älteren Engel aber waren gereizt, das war deutlich zu spüren. Shezariel sah aus, als sei ihm übel, Keranel hatte tiefe Augenringe, Rumael stand einfach nur da und starrte zu Boden. Nur Jesaniel war wie immer, was auch nicht gerade die Stimmung hob.
Josiels Hände verkrampften sich in ihren Bogen. Sie hatte so gehofft, diesmal in einer Schar zu landen, in der die Engel sich verstanden. Vielleicht war das naiv, vielleicht war das viel seltener der Fall als es den Anschein hatte, dachte sie bei sich.
Wenigstens tun diesmal alle ihren Job.
Denn das war es gewesen, was ihre Schar damals hatte scheitern lassen. Vielleicht musste man sich nicht gut verstehen, um effizient zusammenarbeiten zu können. Und das war die Hauptsache, oder nicht?

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Magnetklaue » 26.05.2014 - 21:51

Als sie endlich wieder festen Boden unter den Füßen hatten schnaufte Shezariel erst einmal tief durch. Er war bleich um die Nase und kalter Schweiß stand ihm auf der Stirn. Wasser...die ganze letzte Zeit nur Wasser. Er hasste es.
Mit hochgereckter Nase strich er sich ein paar gelöste Haarsträhnen aus der Stirn und den Schweiß von derselben.

Das Keranel seinen Zustand bemerkt hatte war ihm unangenehm, dennoch hatte er dessen Wasser angenommen. Immerhin hatte sich der Michaelit bisher als soweit kompetent erwiesen, im Gegensatz zu vielen anderen. Die Spannung zwischen Michaelit und Raphaelitin hatte er in diesem Moment nicht mitbekommen, er war zusehr mit sich selbst beschäftigt.
Nachdem er durchgeatmet hatte und sich geordnet hatte wandte er den Blick den anderen zu.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 26.05.2014 - 23:19

Noch immer prickelte die Gänsehaut auf seiner Haut nach, dort wo die Heilerin ihn anfassen wollte.
Seine Augen die wieder ein sanfteres Blau angenommen hatten in dem sich ein leichtes Gold mischte wanderten über seine Engel.
Er spürte das die Laune seiner Schar immer tiefer sank. Auch ihm bereitete diese ganze Mission Kopfzerbrechen, vor allem dieses Land.
Dieses Alptraumhafte Land.
Eigentlich hätte Keranel jetzt etwas sagen müssen, etwas aufmunterndes, seine Engel anlächeln sollen und ihnen sagen das sie es schaffen würden. Das hätte er auch getan...früher einmal.
Ein Stück weit ging sein Mund auf um sprechen zu wollen, doch klappte er ihn wieder zu denn der goldene brachte es einfach nicht über die Lippen.
Aber es waren seine Engel, er war der Michaelit und sie vertrauten ihm. Vertrauten auf sein Urteil.
Der goldene schluckte trocken, sein Blick legte sich auf seinen Ramielit der ihn wieder mit seinen schwarzen Augen fast zu durchbohren schien. Erneut begann es ihn zu schaudern.
Die Haut war noch blasser als zuvor und der Schweiß stand dem Wissensbewahrer auf der Stirn.
Etwas stimmte nicht mit Shezariel, nur was war die Frage? Und konnte er dem schwarzhaarigen helfen...irgendwie?


Der Michaelit nickte seiner Schar zu. „Lasst uns jemand zuständigen finden der uns mehr erzählen kann und dann können wir ausruhen.“
Ganz leicht zuckten seine Mundwinkel, vielleicht eine Andeutung eines Lächelns, für einen Augenblick wich der ernst aus seinen Augen und machte einem sanften Ausdruck platz.
„Ihr habt es euch verdient.“ Auch die Stimme war für eine Nuance sanfter geworden.
Keranels Herz schlug schneller in seiner Brust, war das alles doch sehr ungewohnt für ihn.
Er war überrascht das er doch etwas über die Lippen gebracht hatte. Dennoch war das alles sehr fremd für ihn und irgendwie fühlte sich der Michaelit verletzlich dadurch, angreifbar.
Er räusperte sich und wandte sich wieder um, schlug den Weg ins Innere Oslos ein, dort wo sie jemanden finden konnten der ihnen weiter helfen würde. Der Michaelit strich sich etwas fahrig eine Strähne aus dem Gesicht und versuchte sein schneller klopfendes Herz zu beruhigen.

Kuniel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 27.05.2014 - 10:33

Die Schwingen der Engel trugen sie über der Zeltstadt, die Luft erfüllt von den lauten Stimmen der Leute und den Gerüchen aus Rauch, Schweiß und Fäkalien, der jedem dieser Orte anzuhängen schien, wenn zu viele Menschen auf engstem Raume versuchten eine Heimat zu finden. Die meisten Leute waren zu beschäftigt ihrem Alltag zu folgen als in den Himmel zu blicken, aber jene welche es taten schrien den Engeln freudige Begrüßungen in Common entgegen und machten sich dann daran, alle Leute in der Nähe auf die Präsenz der Engel hinzuweisen.

Von der Ferne hatte der Stadtwall nur imposant gewirkt, aber nun da die Engel über jene Mauern flogen war deutlich zu erkennen wie absolut jener Wall das Innere der Stadt von dem Trubel der Zelte außerhalb abtrennte. Der eisige Wind, welcher in der Luft deutlich zu spüren war trieb in einem hörbaren Heulen durch die leeren Gassen der Innenstadt und durch die leeren Ruinen. Nur manchmal wurde jener heulende Wind durch das ominöse Klackern der Schritte von Monachen oder Beginen unterbrochen als jene durch die Kopfstein-gepflasterten Straßen eilten.

Vor dem großen Gebäude im Zentrum der Innenstadt hatte sich inzwischen eine große Menschenmenge von Monachen und Beginen gesammelt, allesamt Ramieliten ihren Kleidungen nach zu urteilen. Vor den breiten Toren der Kirche standen vier uniformierte Templer, deren kahlrasierte Köpfe es schwer machend, Zeichen der Individualität auszumachen.

Besorgte und leicht gereizte Worte waren aus der Menschenmenge zu hören und sie waren an einen jungen Mann gerichtet, der beschwichtigend versuchte, etwas zu erklären, aber immer wieder von einer anderen Stimme aus der Menge unterbrochen wurde. Seine Stimme war klar und laut, aber besaß noch die Weichheit einer Person, die nicht gewohnt war Autorität auszustrahlen. Daher wirkte seine Kleidung, welche ihn als ramielitischen Bischof auszeichnete mehr wie eine unpassende Verkleidung als ein Zeichen seines Amtes.

Bei dem Anblick der ankommenden Engel hielten alle in der Menge überrascht inne und Blicke von Verwirrung und Verwunderung wurden ausgetauscht. Auch der junge Bischof musterte die Engel etwas überrascht und blinzelte nervös, während er deutlich zu überlegen schien, was er von der Situation halten sollte und wie er damit umgehen sollte.

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 28.05.2014 - 09:21

Als sie ihn die Stadt kamen, empfand Rumael sie als irgendwie kalt und steril. Leben war kaum auszumachen, im Gegensatz zu den wilden Siedlungen vor der eigentlichen Stadt. Erst als sie ins Innere kamen, konnten sie Menschen ausmachen - und zwar ausschließlich Kirchendiener.
Rumael war davon etwas überrascht. Sollte in einer so großen Stadt nicht mehr los sein? Und vor allem auch von normaler Bevölkerung bewohnt werden? Wieso ließ man die Menschen vor der Stadt nicht hinein?

Diese Fragen stellte er jedoch erst einmal zurück. Sie sollten sich beim Bischof vorstellen, doch dieser schien von ihrer Ankunft überrascht. Dabei hatte er doch eine Schar angefordert?
Rumael wartete auf die Begrüßung durch den Bischof.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 30.05.2014 - 00:34

Keranel landete elegant und leichtfüßig, sofort sahen sich seine bunten Augen suchend um.
Schnell nahm der goldene was um sich herum geschah wahr und verarbeitete alles. Die Menschen die ihnen zugewunken hatten, hatten für einen kleinen Moment seine Aufmerksamkeit bekommen, ein Blick mehr nicht dann hatte er nur noch nach vorn gesehen und war über die Mauer geflogen.
Es war nicht so das er sie ignorierte oder arrogant war, ganz im Gegenteil sie waren immerhin auf der Erde um den Menschen zu helfen und ihnen im Kampf mit dem Herrn der Fliegen beizustehen.
Aber Menschen bedeuteten meistens immer nur Unheil....
Außerdem war Keranel ein Engel, stolz darauf ein Sendbote zu sein und so stellte er sich auch über die Menschen, doch arrogant war er deswegen nicht, er sah das alles nur ein klein wenig anders.

Trotz allem machte es ihn trotzdem nachdenklich warum die Menschen vor den Toren nicht hineingelassen wurden. War dieses Land wirklich so kalt?

Seine Augen fokussierten den Mann der in der Gewandung des Ramielsbischof gewandet war, doch irgendwie verhielt er sich nicht so, es hatte jedenfalls den Anschein.
Mit hocherhobenem Haupt ging der Michaelit mit festen und selbstbewussten Schritten auf den Mann zu, sah ihn mit seinem bohrenden Blick an und nickte ihm zu.
„Salve. Wir werden bereits erwartet. Ich bin Keranel von den Michaeliten, das ist Rumael von den Gabrieliten, Shezariel von den Ramieliten, Jesaniel von den Raphaeliten und Josiel von den Urieliten. Wir kommen im Auftrag von Ab Arbogast.“ Stellte der goldene seine Schar und sich vor.
Wie immer war seine Stimme klar und gefestigt, auch mit den unnötigen langen Reden hielt er sich nicht auf, das kostete nur Zeit. Er machte eine Pause und ließ die Worte erst einmal auf den Mann wirken.

Kuniel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 30.05.2014 - 10:50

Der Blick des jungen Bischofs wurde freundlicher als die Engel näherkamen und Keranel sich selbst und seine Schar vorstellte. In gewisser Weise war dem Bischof auch Erleichterung anzumerken, eine Ablenkung von der vorherigen Diskussion durch die Ankunft der Engel gefunden zu haben. Jedoch fand diese gute Stimmung ein abruptes Ende bei der Nennung von Ab Arbogasts Namen. Für einen Moment zögerte er als sein freundliches Lächeln gefror und seine Augen alarmiert die Engel musterten. Aber dann räusperte er sich und erwiderte in einem freundlichen Ton: "Salve, Keranel von den Michaeliten, Rumael von den Gabrieliten, Shezariel von den Ramieliten, Jesaniel von den Raphaeliten und Josiel von den Urieliten. Mein Name ist Mikass und ich bin der Bischof von Oslo. Ihr wollt sicherlich mit dem Ordinator Ingvar reden, er ist in der Kathe-"

"Kann sich ihr Raphaelit nicht um die Templer kümmern?", fragte ein lautstarker Monach den Bischof unterbrechend, der in der vorderen Reihe der Menge stand, während er ehrfürchtig mit zu Boden gerichteten Augen kurz in die Richtung Jesaniels blickte, aber daraufhin sich sofort wieder dem Bischof zuwandte als traute er sich nicht die Engel direkt anzusprechen.

"Ich bin mir sicher, dass die Engel eine wichtige Mission-", begann der Bischof sofort, aber eine Begine aus der Menge sagte laut: "Raphaels Gunst hat sie bestimmt hierher geführt!" Den Worten folgte zustimmendes Gemurmel aus der Menge und manche flüsterten ein schnelles Dankesgebet an Raphael.

Mikass lächelte verständnisvoll und wandte sich an die Engel, etwas nervös erklärend: "Eine Templerpatrouillie wurde von Traumsaat angefallen. Sklaventreiber hatten die Traumsaat von ihren üblichen Routen weggescheucht, wahrscheinlich ausversehen. Gott sei Dank ist keiner der Templer gestorben, aber-"

"Sag ihnen, was du uns gesagt hast!", unterbrach derselbe Mann in der vorderen Reihe wütend. Der Bischof seufzte und setzte fort, den Mann ignorierend: "Da die Raphaeliten bis jetzt nur das Feldlazarett draußen im Templerviertel haben und alle Engel im Nordosten sind, versorgen die raphaelitischen Monachen und Beginen die Verletzten in der Kathedrale." Wütendes Geflüster war in der Menge zu hören und der lautstarke Mann in der vorderen Reihe schüttelte seinen Kopf energisch, mit stummer Wut den Bischof finster musternd. Bischof Mikass räusperte sich wieder und zwischen Jesaniel und Keranel hin und herblickend, fragte er höflich: "Daher wäre ich und Oslo euch dankbar, wenn ihr die Kräfte eures Raphaeliten für die Versorgung der schwersten Verwundeten entbehren könntet, Keranel." Er blickte nun Jesaniel direkt an. "Eure Meinung zählt natürlich auch, Jesaniel. Ich will nicht behaupten zu verstehen, wann und wie eure gottgeschenkten Kräfte Anwendung finden sollten."

Erwartungsvoll wandte sich die Aufmerksamkeit der Menge den Engeln zu.

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 30.05.2014 - 15:20

Solche Lager vor den Toren der Städte waren der Raphaelitin nicht unbekannt, trotzdem fragte sie sich, als sie das sah, hörte und auch roch, ob die Prioritäten an dieser Stelle richtig gewählt gewesen waren. Im Prinzip wirkte Oslo nicht wie eine Stadt, vielmehr wie eine Festung mit ein paar Zelten drumherum, deren Bewohner einfach hofften, hier sicherer zu sein, als anderswo. Das Innere der Mauern verstärkte diesen Eindruck nur noch.

Als sie landeten, hielt sie sich zurück. Sie wollte das offizielle möglichst schnell hinter sich bringen und sich vom Flug ausruhen, aber das war Keranels Aufgabe, und er nahm sie auch sogleich war.
In gewisser Weise war ihr Kopf also schon unter einer Dusche, bis ein Monach etwas sagte, was an sie gerichtet war. Aus dem Hintergrund sah sie den Mann böse an. War das jetzt der neue Umgang mit Engeln, keine Begrüßung, gleich die Aufforderung - Zumindest klang es in ihrem Kopf nach einer.
In gewisser Weise hätte sie damit rechnen können. Landet eine Schar in einer Schlacht oder in einem von Ketzern geplagtem Dorf, freuen sie sich über die Schar. Landeten sie in einer von der Kirche befestigten Stadt waren es oft eher die Raphaeliten, über die man sich freute.

Sie drängelte sich etwas nach vorn, um die ganzen Leute sehen zu können. Während die unterhaltung weiterging, bemerkte sie, daß es an anderer Stelle im Argen lag. Ihr Gesicht wurde wieder normal, auch wenn das nicht unbedingt lieb aussah. Sie musterte den Bischof und machte sich ihre Gedanken zu ihm, bevor sich an Keranel wandte. "Solange nichts Anderes dagegenspricht...", sagte sie so laut, daß die Menge sie hören konnte und klang dabei völlig emotionslos. Sie wandte sich zur Menge, "gehen bitte alle, die ausgebildet oder willens sind, mir bei der Versorgung der Templer zu helfen, in die Kathedrale"
Verletzte in ein Gotteshaus zu schaffen, war immerhin besser, als sie in einer Zeltstadt inmitten von Schlamm und Dreck zu versorgen. Aber trotzdem... sie wartete auf den Moment, in dem sie sagen konnte, daß seit dem Beginn dieses Auftrags mal jemand etwas gut gemacht hätte.

Sie drehte sich ein wenig zum Bischof, sah aber an ihm vorbei auf die Stadt. "Ist ja witzig", sagte sie nur noch so laut, daß er und die Schar sie hören konnten, und die völlige Gleichgültigkeit ihrer Stimme machten die Kritik unüberhörbar, "da baut man eine riesige Mauer, um einer Belagerung zu widerstehen, und die Leute sterben am Ende trotzdem unnötig, weil man vergessen hat, ein kleines Haus zu bauen, in dem man Kranke und Verletzte richtig versorgen kann"
Eigentlich wäre das genug der Worte gewesen. Trotzdem konnte sie sich nicht richtig zurückhalten. "Kein Wunder, daß diese Seuche dann so bedrohlich wirkt", fügte sie noch hinzu und wandte ihren Blick fragend zu Keranel. *Darf ich?*

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 30.05.2014 - 22:20

Keranels Blick wurde für einen kleinen Moment bohrender als er sah wie das Lächeln in dem Gesicht des Mannes gefror.
Kurz verengten sich seine Augen zu Schlitzen. Er musterte den Bischof vor sich nachdenklich, warum dieser wohl solche Gefühlsregungen zeigte?
Natürlich der Ab war ein bedeutender Mann, sollte er sich dann nicht lieber freuen den Namen seines Oberhauptes zu hören?
Der Michaelit wurde misstrauisch, er war schon viel zu lange auf der Welt und hatte seine Naivität längst abgelegt.

Keranel hörte dem Mann zu doch wurde dieser plötzlich unterbrochen. Seine Augen wanderten zu derjenigen Person die den Bischof unterbrochen hatte.
Aber es nahm kein Ende, die Menschen forderten den Mann auf etwas zu tun. Als Mikass sich wieder ihm zuwandte lauschte er den Worten und runzelte nachdenklich die Stirn.
Dann wieder einen kurzen Seitenblick zu der wütenden Stimme, wanderte zu einem Mann der erbost seinen Kopf über den Bischof schüttelte, dann wieder zurück zu Mikass der ihnen eine Frage stellte und diesmal nicht unterbrochen wurde.
Jesaniel kam ebenfalls nach vorne, seine Augen die eine Blaugrüne Farbe angenommen hatten sahen ihr ins Gesicht. „Nur zu. Kümmere dich um die Verletzten.“ Kam es ruhig von dem goldenen.

Er lauschte den Worten der Heilerin und konnte nicht ganz verhindern das er ihr in Gedanken doch recht gab. Denn das an so einen gefährlichen Ort keine Krankenstation vorhanden war grenzte fast schon an Wahnsinn. Die Kranken mussten doch ordentlich versorgt werden. Aber vielleicht hatten sie ja eine nur warum wurden die Kranken dann in der Kathedrale versorgt?
Er wurde aus seinen Grübeleien gerissen als die Heilerin sich ihm zuwandte und ihn über der Seele der Schar ansprach.
Der goldene Engel nickte. *Nur zu....Und du hast Recht...sehr seltsam das ganze.* Kam es nachdenklich über die Seele der Schar.

Keranel wandte seine Aufmerksamkeit dem Mann zu der eben noch den Bischof so finster gemustert hatte. Kam ein wenig auf ihn zu.
„Sprecht guter Mann. Klärt mich auf. Ich glaube ihr wolltet etwas sagen.“ Sprach er im ruhigen Ton.

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