Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Das Forum von Keranels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 29.04.2015 - 19:44

Rumael sah verwirrt drein bei den letzten Worten der Frau. Er hatte nicht den leisesten Schimmer, was diese damit sagen wollte. Hilfesuchend blickte er zu den anderen, zu Jesaniel, Shezariel und Keranel, ob diese mehr verstanden hatten als er.

Dann hörte er seltsame Geräusche von hinter der Tür, von der sie gekommen waren. Die geschärften Sinne waren für Rumael immer noch ungewohnt, so dass er sich nicht sicher war, ob er sie richtig interpretierte.
Er lauschte noch ein paar Augenblicke angestrengt, dann sandte er *Draußen vor der Tür, woher wir gekommen sind, da ist jemand! Vielleicht sogar ein Engel? Auf jeden Fall schrappt da jemand am Boden herum.*
Er erhob sich nun wieder und hielt die Tür scharf im Blick.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 29.04.2015 - 20:14

Er sah ihr zögern, ihre Nervosität, etwas stimmte nicht. Gefühle verrieten einen meistens.
Keranel spürte das in diesem Moment etwas geschah oder vielleicht noch passierte.
Der Michaelit nahm seinen Gabrieliten wahr wie er sich verzweifelt abwandte, er tat ihm leid, wenn er in seiner Situation stecken würde dann wäre er vielleicht ebenso verzweifelt gewesen. Doch war Rumael anders als er, nicht verflucht...keine Dunkelheit die in ihm wohnte.
Auch Jesaniel wandte sich von dem Geschehen ab, nur Shezariel war noch immer hinter ihm und belauerte alles.
*Da gebe ich dir recht Rumael, aber manchmal braucht es mehr Fragen um Antworten zu bekommen. Etwas ist geschehen, ich kann nicht genau sagen was aber sie scheint sich gerade irgendwie verraten zu haben.*

Keranel setzte sich in Bewegung und schritt weiter auf sie und dieser Maschine zu. Äußerlich völlig ruhig, doch innerlich sah es anders aus, der goldene war aufgewühlt, verstand das hier alles nicht. Wie denn auch? In seinem Leben hatte es so etwas groteskes noch niemals zuvor gegeben, auf das hier hatten sie ihn nicht vorbereitet. Das einzige was er tun konnte war diese Frau von seinen Engeln fernzuhalten, sie zu beschützen. Ihm war es egal was mit ihm passieren würde, nur seine Schar nicht, der durfte nichts geschehen. Wenige Meter nur blieb er vor ihr stehen.

„Du sprichst in Rätseln weil vielleicht genau das hier alles ein Rätsel ist.“
Auch seine Stimme und seine Haltung hatten die gewohnte Autorität.
„Deine Körperhaltung strahlt etwas aus das ich nur zu gut kenne. Führung. Wen führst du an? Die Menschen dort oben die nur noch leere Hüllen sind?“
Sein Ton war ernst, ebenso strahlte er so viel Stärke und Führung aus wie sonst auch. Wie er es vor langer Zeit gelernt hatte. Denn das war er ein Scharführer.
Keine Angst war in seinem Blick zusehen, vielleicht nur für einen Augenblick ein unruhiges Funkeln, auch wenn ihn das hier alles verwirrte doch Angst hatte er nur davor was sein würde nicht was genau jetzt war.

„Wir sind hier um dem ganzen hier auf den Grund zugehen. Denkst du nicht das dieser Sprechgesang und dieses explodieren von Menschenköpfen keine Aufmerksamkeit erregen würde? Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Kirche hier auftauchen wird und diesen Eingang entdecken wird.“
Seine Augen wurden zu Schlitzen und seine Stimme schneidend wie ein Messer.

„Glaubst im allen ernst das der Herr Gott so etwas dulden wird?!“

Doch bevor seine kraftvolle und schneidende Stimme sich in weiteren Worten ergehen konnte nahm er die Stimme seines Gabrieliten wahr, sandte es auch sofort weiter und hielt mit gerunzelter Stirn inne. Seine Augen wurden groß fast schreckgeweitet, als er zu verstehen begann.
Federn.....
„Josiel...“
Ein heiseres Flüstern, seine Augen blickten hektisch von der Frau zur Maschine, atmete geräuschvoll aus und entschied sich für den einen richtigen Weg.
Schnell wandte sich der Michaelit ab und eilte seinen anderen Engeln entgegen um den Raum zu verlassen.
*Schnell Rumael, sieh nach!*

Er konzentrierte sich auf den Geist seiner Urielitin. *Josiel!*
Wie konnte das möglich sein? War sie wirklich hier?*Josiel!*
An diesem Ort?

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 29.04.2015 - 23:02

Keranel war nach unten gelaufen, in Richtung der Sprecherin. Als aber Rumael seine Beobachtung mitgeteilt hatte, ging eine Veränderung in dem Michaeliten vor. Er stürmte wieder nach oben. Er schien Josiel hinter der Tür zu vermuten. Rumael hatte diese Hoffnung zwar auch, wagte es aber nicht so recht, daran zu glauben oder sie gar auszusprechen. Zumal die Stimme nicht zu Josiel passte ...

Während er nach oben lief, erteilte Keranel Rumael die Anweisung voraus zu gehen, wie es sich für einen guten Gabrieliten gehörte. Rumael zögerte kurz, doch er lief dann schnell nach oben. Immerhin hatte es den Vorteil, das groteske SChauspiel hier nicht mehr mit ansehen zu müssen.
Als er an der Tür ankam, durch die sie vorher geschritten waren, brachte er wieder sein Schwert in Kampfposition. Es konnte ja immer noch wer weiß was in den Raum gelangt sein. Vor der Tür fragte er sich, wie er sie wohl öffnen könnte, denn er sah keinen Griff oder anderen Mechanismus, da öffnete sie sich von alleine, wie schon zuvor, als sie nach innen gelangt waren. Rumael war etwas mulmig zumute dabei, durchschritt die Tür aber trotzdem.

Als erstes sah er im Raum tatsächlich Josiel stehen. Ein freudiges Erstaunen machte sich auf seinem Gesicht breit. "Josiel, schön dass du ..." sagte er, und verstummte, als er schlussendlich die Gestalt, deren Kopf ganz woanders lag, und ihre Tätigkeit wahrnahm.
Unwillkürlich riss Rumael sein Schwert vor sich und machte ein, zwei Schritte rückwärts.
*Josiel ist hier. Und ... da ... da schmiert eine kopflose Gestalt auf dem Boden rum!* brachte er gerade noch so zustande.

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 30.04.2015 - 08:43

Ein Teil von ihr bemerkte, nur halb bewusst, wie ruhig ihre Hände waren, noch während der Rest von ihr bebte. Zwar war sie nicht mehr in ihrer Starre gefangen, aber die Panik war immer noch da, zusammen mit der vagen Erinnerung, dass sie aus einem bestimmten Grund hierhergekommen war, halb verdrängt von dem Entsetzen über den sprechenden Kopf und den Körper dahinter.

Dann erreichte sie der Ruf ihres Michaeliten.

*Keranel!* Sie spürte, wie ihre Knie drohten, vor Erleichterung nachzugeben und konzentrierte sich auf das Hier und Jetzt. Dann stockte ihr Atem und sie erinnerte sich an den Moment, als sie allesamt oben gestanden hatten und Keranels Stimme sie alle erreicht hatte. Etwas, das klang wie Keranel.
*Wie lautet die Abmachung, die wir beide getroffen haben?*, fragte sie. Misstrauen ließ ihre Stimme scharf klingen und gleichzeitig betete sie, dass es wirklich Keranel war, dass es nicht irgendein... irgendetwas war, das sie nur noch weiter verwirren wollte, bis sie irgendwann nichteinmal mehr wusste, wie sie hieß.
Fast im selben Moment hörte sie Geräusche hinter sich. Ihr Kopf ruckte herum, der Pfeil weiterhin regungslos auf den am Boden liegenden Kopf gerichtet.
"Rumael", flüsterte sie. Erleichterung durchströmte sie, diesmal wirklich, und sie hätte sich dem großen Engel am liebsten in die Arme geworfen. Stattdessen stand sie da, regungslos, ihr Waffenrock schweißdurchtränkt, die Federn ihrer Flügel an manchen Stellen geknickt, wo sie gegen die Wände geschlagen hatte, und ein paar Schrammen von ihrer Kollision mit der Decke, und versuchte, ihre Atmung wieder unter Kontrolle zu bekommen.

Kuniel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 30.04.2015 - 15:33

Keranel ging auf die Frau zu und sie ernst musternd, fragte er: „Deine Körperhaltung strahlt etwas aus das ich nur zu gut kenne. Führung. Wen führst du an? Die Menschen dort oben die nur noch leere Hüllen sind?“

"Diese Menschen folgen niemanden. Sie sind eins geworden, den Zweck der Maschine gemeinsam zu erfüllen, uneingeschränkt durch die Konturen von Dingen wie Identität und Persönlichkeit. Eine Idee brachte sie zusammen. Alles was ich tue, ist diese Idee Realität werden zu lassen."

„Wir sind hier um dem ganzen hier auf den Grund zugehen. Denkst du nicht das dieser Sprechgesang und dieses explodieren von Menschenköpfen keine Aufmerksamkeit erregen würde? Es ist nur eine Frage der Zeit bis die Kirche hier auftauchen wird und diesen Eingang entdecken wird.“, erwiderte Keranel.

Bei der Erwähnung der explodierenden Köpfe wirkte die Frau aufrichtig verwirrt jedoch als wäre dies das erste Mal, dass sie davon hörte. Aber schnell verbarg sie die Reaktion, wenn auch in ihren Augen klar zu erkennen war, dass sie während der nächsten Worte nicht ganz bei der Sache war und scheinbar mehr mit diesen Neuigkeiten beschäftigt war. "Ich respektiere die Kirche, Keranel, doch die Funktion und Tragweite der Maschine ist jenseits des Verständnisses der meisten Kirchendiener. Raguelitische Engel oder ein paar höherrangige Mitglieder des Orden Raguels würden es verstehen. Und Petrus Secundus würde es wahrscheinlich verstehen. Aber die einen sind im Winde verstreut oder haben sich versteckt und der Pontifex Maximus... ist sehr eingeschränkt in seinem Einfluss dieser Tage."

Keranels Stimme wurde schneidend: „Glaubst im allen ernst das der Herr Gott so etwas dulden wird?!“

Die Frau nickte und stellte fest: "Er wird es dulden. Dies ist-"

Sie wurde unterbrochen als Keranel wegstürzte, um Josiel zu helfen.

Während des Trubels ging Meredith, welche still geblieben war auf die Frau zu. Sie schaute zur Schar und sprach leise, nicht wissend, dass sowohl Rumael als auch Josiel mit deren geschärften Sinnen sie trotzdem noch hören würden.

"Wer bist du?", fragte sie misstrauisch die Frau.

Jene lächelte freundlich und antwortete: "Willst du wissen, wer ich bin oder wer ich sein werde?"

Meredith wurde nachdenklich. "Wieso kannst du dir über die Zukunft so sicher sein?"

"Dreimal darfst du raten...", erwiderte die Frau lachend.

"Dann bist du nicht für all dies hier... verantwortlich?"

"Das habe ich nicht gesagt.", erwiderte die Frau nun wieder ernst.

"Du machst es einem wirklich nicht leicht, zu verstehen, wovon du redest..."

Die Frau schaute zu den Engeln im Vorraum und sagte dann zu Meredith: "Wissen sie, warum du hier bist?"

Meredith zuckte ihre Schultern. "Sie haben nie gefragt. Ich bin nur der Experte, welche von den Briten übergelaufen ist." Nach einem Moment fragte sie. "Und woher weißt du...?"

"Wir haben bereits einmal miteinander geredet, Meredith, als ich mit den Druiden gehandelt hatte."

"Einen Fehler, den wir nicht noch einmal begehen werden..." Meredith hatte auf einmal die Idee. "Darum hattest du den Ideen-Virus? Du hattest ihn von uns?!" Sie schüttelte ihren Kopf

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 03.05.2015 - 12:08

Er leitete alles weiter was Rumael ihm über die Seele der Schar mitteilte, sein Gang wurde schneller als er ihre Stimme in seinem Geiste hören konnte und wieder ganz deutlich ihre Präsenz wahrnahm.
Dann hörte der Michaelit die misstrauische Frage.
`Kluger Engel.`
*Ich werde an meinen Ängsten arbeiten und du ebenfalls, wir sind füreinander da und helfen den jeweils anderen. Und ich erfülle jetzt meine Abmachung.*

Bei den letzten Worten kam der goldene aus der Tür heraus gerannt, sah die junge Urielitin stoppte erst vor ihr und warf sich auf die Knie, um sie zu schützen. Es gab einige Schürfwunden, nur kurz fühlte er den brennenden Schmerz dennoch war ihm das herzlich egal. Sein Flügel legte sich schützend um Josiel.
Rumael hatte bereits schon eine Verteidigungsposiotion eingenommen und wenn es zu einem Kampf kommen würde wusste Keranel das der große Engel nicht zögern und sie alle verteidigen würde.
„Ich bin hier Josiel. Wir alle sind hier. Wir lassen dich nicht allein.“
Seine Stimme war eindringlich und ernst, er würde sie beschützen, sie alle.

Seine bunten Augen wandten sich von dem jungen Engel ab an Rumael vorbei und was er dort sah ließ ihm das Blut in den Adern gefrieren. „Was...“
Keranel war für den Moment völlig ratlos, verwirrt und vor allem entsetzt als er das Geschehen realisierte oder besser gesagt es versuchte.
Doch irgendwo in der Ecke seines Verstandes war da ein kleiner Funke der ihm sagte das er handeln musste. Fast mechanisch wirkend stand der goldene auf, immer noch den Flügel schützend um den jüngsten und kleinsten Engel der Schar gelegt und nicht fähig die Augen von dem Geschehen zu nehmen, seine Hand legte sich auf den Knauf seines Schwertes.

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 08.05.2015 - 20:37

Rumael stand immer noch unter Anspannung und fragte sich, was er tun sollte, als Keranel vorbeigestürzt kam und sich schützend vor die kleine Urielitin warf. Für Rumael war das beruhigend, konnte er doch nun seine Aufmerksamkeit voll auf die Bedrohung richten. Doch diese war anscheinend genauso weiter mit ihrer abstoßenden Tätigkeit beschäftigt wie zuvor.

Während Rumael so dastand und beobachtete, das Schwert halb erhoben, um schnell reagieren zu können, hörte er hinter sich in dem Raum mit den Stufensitzen und der grotesken Menschenpyramide die seltsame Frau und Meredith miteinander reden. Zunächst schenkte er diesem für ihn mehr oder weniger störenden Geräusch keine Beachtung, doch als er eher unterbewusst einige Fetzen aufnahm, konzentrierte er sich darauf.
Und je länger er zuhörte, desto mehr standen ihm die Haare zu Berge. *Meredith und die eine da drunten kennen sich! Äh, zumindest ihre jeweiligen Gruppierungen. Und die Idee für das alles hier scheint von den britannischen Leuten zu kommen! Unfreiwillig, vielleicht ...*
Rumael war erstaunt, was er mit seinen geschärften Sinnen so alles wahrnehmen konnte. Mittlerweile kam er auch damit zurecht, unwichtige Eindrücke einfach auszublenden. Er fand immer mehr Gefallen daran. Vielleicht sollte er bei Jesaniel um weitere Unterstützung nachfragen ...

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 13.05.2015 - 16:54

Jesaniel war weiterhin gelangweilt von dem gerede und interessierte sich für völlig uninteressante Dinge. Die Beschaffenheit des Bodens. Eine Fuge.
Erst die Reaktion der Frau auf die Nachricht von explodierenden Menschen weckte ihr Interesse. Sie versuchte zwar, diese Reaktion zu verbergen, aber das half ihr nichts.
Warum diese Verwunderung? Wusste sie das etwa nicht, wo sie doch so allwissend ist? Funktionierte ihre Maschine doch nicht so richtig? Verstand sie denn diese Maschine?

Vielleicht war es Zeit, sich in diese Sache selbst einzumischen. Dieser Frau noch ein wenig auf den Zahn zu fühlen - nicht nur psychisch. Aber sogleich geschah etwas, was ersteinmal eher ihre Aufmerksamkeit erforderte. Zumindest, dachte sie, als Rumael sprach, hat ihre Unterstützung an Rumael dann doch etwas gebracht. Sie drehte sich zu den Engeln und der Tür, um behilflich zu sein.
Aber sie hielt inne, unfreiwillig. Ihr Herz schlug plötzlich viel schneller, als sie Keranel dort rein rennen sah. Hatte er nun Angst oder freute er sich? Irgendwie war beides da und irgendwie passte das nicht zusammen, verwirrte die Raphaelitin.
Sie brauchte einen Moment, um sich zu fangen, bevor sie selbst durch die Tür ging. Sie sah diesen Mann - sie vermutete zumindest, daß es einer war - und Josiel.
In der Tür blieb sie wieder stehen und sah mit weit aufgerissenen Augen auf die Urielitin und ihren Scharführer, der sie beschützen wollte - eine Aufgabe, die in diesem Fall wohl auch ihr zukam, aber sie zögerte - sie konnte nicht. Ihr Herz schlug noch schneller in ihrer Brust, sie wurde bleich und ihr wurde schlecht, so daß sie sich kurz gegen den Türrahmen lehnen musste. Sie hatte den Drang, zu fliehen, wusste aber nicht, wohin, und war sich sicher, daß das auch nicht helfen würde. Es gab hier nichts, wohin man fliehen konnte, nicht vor dem, vor dem Jesaniel hätte fliehen wollen.

Sie musste das irgendwie anders Regeln. Sie schloss die Augen einen Moment und atmete tief durch, bis sie wieder klarere Gedanken fassen konnte.
Wenn sie Josiel half, half sie auch sich selbst.
Sie hätte ihr gern gesagt, daß Schmerzen ihr am besten halfen, aber das ging wohl zu weit. Sie ging langsam zu ihr und zu Keranel.
"Darf ich mal?", fragte sie leise, und als der Michaelit ein wenig Platz gemacht hatte, legte sie ihr Hand auf die Haut der Urielitin, darauf achtend, daß niemand mitbekam, daß sie stark zitterte.

Sie kümmerte sich zuerst um das Schwerere - Josiels Angst. Vielmehr das, was sie auslöste und gleichzeitig unterstützte - Adrenalin, Herzschlag, Blutdruck und bemühte sich gleichzeitig, ein paar Dinge zu tun, bei denen man sich normalerweise wohlfühlen sollte, entspannte Muskeln und ein kleines, angenehm warmes Körpergefühl.
Erst dann versorgte sie die kleinen Wunden, die sie sich auf dem Weg hier runter geholt hatte.

Als sie fertig war und Josiel losgelassen hatte, zog sie sich gleich zurück, in irgendeine Ecke, wo sie etwas Trank und wieder zur Ruhe zu kommen versuchte. *Wenn wir wieder nach oben gehen*, sandte sie, müde und erschöpft klingend, ihrem Michaeliten, *nimmst du bitte mein Angebot von vorhin an*

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Magnetklaue » 14.05.2015 - 08:24

Shezariel zuckte nicht mit der Wimper, weder bei den Worten der Anderen ob Mensch oder Engel, noch als plötzlich Keranel und Rumael hinausstürzten. Wenn Josiel heruntergekommen war oder andere Gefahr drohte, waren die am besten für einen Kampf gerüsteten Engel draußen. Er jedoch würde die Frau und ihr Gebilde nicht aus den Augen lassen.
Misstrauisch sah er wie Meredith hinunter ging und leise Worte wechselte und machte nun seinerseits Anstalten hinunter zu gehen. Auch der Ramielit gab seinem Michaeliten weiter was Meredith tat, nur konnte er keine genauen Worte weiterleiten.

"Meredith!" sagte er sehr laut und reckte den Kopf.
"Ich würde es begrüßen wenn du nicht versuchen würdest geheime Abmachungen oder Geschäfte mit dieser zweifelhaften Person einzugehen."
Seine Stimme klang schneidend und er hatte die Augen etwas verengt.

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 14.05.2015 - 09:30

Keranel antwortete und sie ließ alarmiert den Bogen sinken, als er auf sie zugestürmt kam. Einen Augenblick später war sie eingehüllt in seine weichen, weißen Federn.
"Keranel", flüsterte sie mit belegter Stimme. Tränen traten aus ihren Augen und sie schmiegte sich an seine schützende Berührung, ließ sich einfach fallen. Irgendwo in ihr verhallte ein leises Stimmchen, dass Keranel genauso Angst vor Berührungen hatte wie sie vor Enge, aber es blieb ungehört in diesem Augenblick als endlich die Anspannung von ihr abfiel wie ein Stein.
Erst als Keranel sich wieder aufrichtete, fand auch Josiel in die Gegenwart zurück. Seinem Blick folgend, schnappte sie nach Luft, als ihr einfiel, weshalb sie überhaupt hier war.
"Keranel, die Toten, sie kommen! Sie kommen alle hierher!"
Wieder spürte sie, wie sich Panik in ihr breitmachen wollte, doch dann lag auf einmal eine Hand auf ihrem Arm und sie spürte, wie ihre Muskeln sich entspannten, ihr Herzschlag sich beruhigte und die Luft in ihrer Lunge endlich auszureichen schien. Dankbar schloss sie die Augen und ein Seufzen schlich sich über ihre Lippen.
"Danke", flüsterte sie Jesaniel zu.

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 14.05.2015 - 11:53

„Mach dir keine Vorwürfe, Meredith. Du hattest keine Wahl. Keiner-.", erwiderte die Frau auf den wütenden Ton von Meredith, aber wurde von Shezariels lauter Stimme unterbrochen. Sowohl Meredith als auch die Frau blickten zu ihr, Meredith wütend und die Frau etwas beschämt lächelnd als hätte sie jemand bei einer Schandtat ertappt.

„Ich mache keine Geschäfte mit jemanden wie... ihr!", antwortete Meredith in einem empörten Ton.

„Wir sollten zu ihnen gehen, bevor noch mehr Missverständnisse auftreten.", sagte die Frau freundlich und begann die Stufen hochzugehen. Meredith stoppte sie jedoch, indem sie fest deren Arm ergriff. Die Frau blickte wütend zu Meredith, die nur sagte: „Eine Frage noch: Du sagst, dass wir miteinander geredet haben, aber ich würde mich erinnern, wenn jemand mit solchen... Augen mir begegnet wäre."

„Wir alle vergessen etwas hin und wieder.“, erklärte die Frau knapp.

„Nicht auf diese Weise. Sowas wie deine Augen hätte ich nie und nimmer vergessen.“

„Nein, nicht auf diese Weise. Aber manchmal schon auf einem anderen Wege.“ Die Frau schaute zu Merediths Hand, welche immer noch fest den Arm umgriff. „Und jetzt würde ich es willkommen heißen, wenn du mich loslassen würdest, Meredith.“

Meredith ließ los und folgte mit einem nachdenklichen und misstrauischen Gesichtsausdruck der Frau, welche letztendlich beim Tor ankam und auf der Schwelle davon stehenblieb, respektvollen Abstand von den Engeln halten. Meredith ging aber mit raschen Schritten an ihr vorbei und gesellte sich zu den Engeln, aber blieb dann stehen als sie den Kopf und den Körper sah, welcher etwas auf den Boden zu schreiben schien mit seinem Blut.

Der Kopf begann wieder zu reden als die Frau in dessen Blickfeld trat: „Wo sind deine Schwingen, oh Ehrwürdiger? Ich habe von dir geträumt. So viel Feuer, Dunkelheit und… dann die goldenen Tränen, welche vom Himmel fielen… Wann bist du so alt geworden, oh Ehrwürdiger?“

Die Frau blickte stumm zu dem Kopf, aber nach einem Moment sagte sie zu den Engeln: „Ihr solltet ihm keine Beachtung schenken. Er wird für immer hier bleiben. Er erinnert sich an mehr als er sollte. Ihr dagegen seid nur Gäste an einem Ort wie diesen und daher solltet ihr diesen Ort verlassen.“

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 19.05.2015 - 19:14

Haut auf Haut. Leichte Panik mischte sich in seine derzeit vielen Gefühle, als Josiel ihn berührte.
Doch er war so unendlich froh das ihr nichts geschehen war, er schloss für einen winzigen Augenblick die Augen und verdrängte jedes Panik Gefühl.
`Es ist nur Josiel. Deine Urielitin aus deiner Schar. Sie wird dir nichts tun.`
Nach einem tiefen Atemzug erlaubte er sich sogar eine Hand auf die Schulter des kleinen Engels zu legen. „Ich bin hier.“
Sprach er leise jedoch mit zitternder Stimme denn die ganze Lage war ernst und zerrte an seinem eigentlich sehr stabilen Nervenkostüm.

Jesaniels Stimme erklang hinter ihm und er nickte nur, ließ Josiels Schulter los und ließ die Heilerin näher kommen.

Es passierte so vieles. Informationen und Gedanken überschlugen sich regelrecht in seinem Kopf und er spürte ein leichtes stechen im Hinterkopf, in seinen Schläfen begann es sachte zu pochen, doch er biss die Zähne zusammen und versuchte sich auf die derzeitige Situation zu konzentrieren.
Keranel sandte Rumaels Worte weiter an die Schar und auch das was Shezariel ihm mitteilte. Es war ein hin und her der Informationen die durch seinen Verstand flossen doch er versuchte es zu verarbeiten und sie weiter zugeben. Sie waren wichtig, vor allem in diesem Moment für die Schar.

Josiels Worte ließen ihn schlucken und Jesaniels Aufforderung vibrierte regelrecht in seinem Kopf.
Sie waren hier.
*Rückzug Schar. Die Toten von draußen kommen hier her wir müssen so schnell wie möglich verschwinden.*
Seine bunten Augen flogen nur so über den Raum, unfokussiert doch aufmerksam.
*Noch nicht Jesaniel, erst dann wenn ich in Panik verfalle. Dann hast du mein Einverständnis.*

Der Michaelit trat näher an Rumael heran und fixierte ihn.
*Du gehst vor und versuchst alles was sich uns in den Weg stellen will oder gefährlich wird zu eliminieren. Bring sie hier raus Rumael, bring die Schar hier raus. Ich werde die Nachhut bilden und falls uns etwas in den Rücken fallen sollte ebenfalls eliminieren.*

Schnell versuchte er den Geist seines Ramieliten zu berühren.
*Shezariel lauf du hinter Rumael und hilf ihm falls etwas sein sollte. Du kannst dich verteidigen das weiß ich.*
Keranel nickte dem Streiter zu und sah dann zu Josiel und Jesaniel. *Ihr lauft dahinter und dann ich,...schnell raus jetzt hier.*
Seine Stimme war ernst, dringlich aber dennoch versuchte er ein gewisses maß an Ruhe zu bewahren. Er war der Anführer und seine Schar vertraute auf ihn also würde er handeln müssen.
Keranel hoffte nur dass das hier alles keine Selbstmordmission war und selbst wenn, er würde alles in seiner Macht stehende tun das seine Schar überleben würde. Er wusste nicht was die Toten tun würden, das blieb ungewiss doch man musste mit allem rechnen. Genau wie im Krieg.

Die bunten Augen des Michaeliten sahen sich noch einmal in den Raum um, dann zu Meredith. `Du kommst mit.` Kam auf sie zu und durchbohrte sie regelrecht mit seinem Blick. „Raus hier, komm.“

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 19.05.2015 - 21:30

Hinter sich hörte Rumael die Schritte von Meredith und dieser komischen Frau, als diese die Stufen zum Tor erklommen. Er drehte sich zur Seite und versuchte, sowohl die koplose Gestalt als auch die beiden anderen im Blick zu behalten. Als diese oben angekommen waren, fing der Kopf an, Blödsinn zu reden. Einige Augenblicke starrte Rumael den Kopf an und überlegte, ob er ihn zerschlagen sollte, riss dann jedoch seinen Blick wieder los und achtete auf die seiner Meinung nach gefährlicheren Gegner.
Er spürte wieder, wie sein Griff am Schwert schweißnass wurde, und das seltsame Surren drängte sich für ihn wieder in den Vordergrund. Rumael biss die Zähne zusammen, sein Gesichtsausdruck verhärtete sich. Gerade jetzt durfte er sich keinen Fehler leisten.

Die komische Frau bei Meredith reagierte auf den Kopf. Rumael stimmte ihr innerlich zu, dass sie nicht hierher gehörten, nur zu gern hätte er dem sofort Folge geleistet, schaffte es aber mit großer Willensanstrengung, sich nichts davon anmerken zu lassen.

Dann meldete sich Keranel über die Seele. Rumael musste schwer schlucken, als er hörte, die Toten kämen alle nach unten, obwohl er erleichtert darüber war, dass es jetzt tatsächlich wieder nach draußen ging. Wie zu erwarten sollte er den Weg frei machen, damit die Schar wieder herauskam. Eine Aufgabe, mit der er etwas anfangen konnte!

Er nickte entschlossen, nahm sein Langschwert voraus. Kurz überlegte er, auf das Flammenschwert zu wechseln, entschied sich aber dann dagegen. Das Langschwert sollte mit den trockenen Leichnamen keine Probleme haben, das Flammenschwert jedoch würde diese wohl entzünden und das Vorankommen auf der schmalen Treppe nach oben gefährden.

Einen Bogen um die kopflose Gestalt machend ging er zum Fuß der Treppe und schnaufte nochmals durch. *Bereit?* fragte er knapp den Rest der Schar und sah sich nochmal um.

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