Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Das Forum von Keranels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 12.06.2015 - 18:14

Rumael war überrascht, als er Keranel so sah. Jesaniel hatte ihn anscheinend angegriffen? Und er hielt blutende Arm irgendwie seltsam. War der Arm gelähmt? Argwöhnisch sah er auf Jesaniel. Keranel redete beruhigend auf sie ein. Dann verteilte er ruhig seine Anweisungen.

Rumael nickte, dass er mit ihnen einverstanden war. Nur eine Sache nagte an ihm: Sie wussten nicht, welche und wieviele Feinde genau sie draußen erwarteten. Das behagte ihm nicht. Josiel beobachtete zwar vom Dachstuhl aus, doch konnte man so keinen ganzen Überblick gewinnen.
*Josiel, kannst du irgendwas erkennen? Bevor wir die Tür ganz verrammeln, würde ich gerne nochmals nach draußen schauen, ein wenig in Erfahrung bringen, was uns da eigentlich genau erwartet. Shezariel, weißt du etwas über lokale Traumsaat hier? Wir können jetzt jedes bisschen Information gebrauchen, glaube ich. Wir sind so schon ganz schön unter Druck.*
Besorgt blickte er zu Jesaniel.

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 14.06.2015 - 17:31

Was war los? Jesaniel spürte die Angst, wusste aber nicht, wovor. Trotzdem, irgendetwas schlimmes musste passiert sein.
Ein Engel stand vor ihr, blutend. War sie das gewesen? War es wieder so weit gekommen? Hastig blickte sie sich um.

In dem Moment, als Rumael die Traumsaat hörte, zuckte die Raphaelitin zusammen, als er vor das Tor trat noch einmal, heftiger.
Sie wusste nicht, was mit ihr geschah, aber sie hatte ein Wort für diesen Fall, für die Situation, in der sie war. Warum ihr dieses Wort einfiel, wusste sie jetzt auch nicht, aber plötzlich war es da, nahm ihre Gedanken völlig ein, als gäbe es nichts anderes:
Flucht!

Sie musste weg.
Ein Engel trat zu ihr und redete irgendetwas, aber Jesaniel sah ihn nur mit leerem Blick an. Sie musste weg hier, alles andere war egal. Mühselig richtete sie sich auf, fiel fast wieder um, bevor sie sich abstützte und richtete den Blick auf das Tor, das jetzt verschlossen war.
Da musste sie hin. Und dann schnell weg.
Ohne Rücksicht darauf, ob sie jemanden oder etwas anrempelte, ging sie, so schnell es ihr möglich war, auf das Tor zu, nach draußen.




das 12. arkanum: die beutereiter
Umgekehrte Bedeutung: Verwüstung
Aufgabe, Vorurteile, Arroganz, Kapitulation, Unentschlossenheit

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 16.06.2015 - 22:32

Mit gerunzelter Stirn und immer stärkerem Unbehagen verfolgte Rumael, wie Jesaniel auf das Tor zulief, bzw. eher zuwankte.
"Jesaniel! Was machst du denn da! Bleib doch da!" redete er mit gedämpfter Stimme auf sie ein, während er ihr nachlief und sie schließlich überholte. Er baute sich vor dem Tor auf, um ihr den Weg zu blockieren.
"Wenn du raus gehst, das wäre dein sicherer Tod!"
... und der ganzen Schar ..., fügte er in Gedanken an.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 18.06.2015 - 15:41

Josiel hatte sich verändert. Eigentlich konnte man in so einem kurzen Zeitraum kaum von Veränderungen ausgehen doch Keranel spürte das die Urielitin dabei war eine positive Veränderungen zu erleben.
Der alte Engel wusste das es nicht gut war so etwas zu fühlen, doch er konnte es nicht verbergen er war stolz auf sein jüngstes Scharmitglied.

Wenn die Lage gerade nicht so ernst gewesen wäre hätten sich vielleicht sogar Fragen aufgeworfen wie, ob sich so ein Vater fühlen würde wenn er stolz auf sein Kind war?
Jedoch blieb dem goldenen keine Zeit dafür, er musste die Situation gerade unter Kontrolle bringen bevor alles aus dem Ruder laufen würde.
Es geschah so vieles auf einmal und eine Menge an Informationen schossen durch seinen Kopf. Er leitete weiter und versuchte dennoch die ganze Sache zu handhaben.

Jesaniel schien wie im Traum zu sein, ihre Augen leer, auch das kannte der Michaelit. Er wusste nicht was mit der Heilerin geschehen war dennoch war ihm bewusst wie genau er jetzt mit ihr umgehen sollte. Er war kein Spirer aber man hatte ihn auf einige Situationen und möglichen Dinge die eintreten konnten vorbereitet.
Keranel versuchte Ruhe zu bewahren, konzentrierte sich auf die junge Raphaelitin und war Rumael in diesem Moment so ewig dankbar das er den ernst der Lage erkannte und schneller beim Tor war als sie.
Vorsichtig kam der goldene näher, immer wieder mit der brennenden Nachricht im Hinterkopf das die Traumsaat das Dorf erreicht hatte und er seine Schar schützen musste. Aber wenn Jesaniel sich nicht beruhigen würde dann wäre die Traumsaat die kleinste Sorge der Schar.
Den schlaffen blutenden Arm immer noch ignorierend, blieb er in einigem Abstand vor der Heilerin stehen.
„Jesaniel, höre mir zu. Hör auf meine Stimme. Niemand wird dir etwas tun. Wir sind eine Schar, ich habe dir gesagt das ich auf euch aufpassen werde. Ganz ruhig, ich bin es Keranel, dein Michaelit und Scharführer. Komm bitte von dem Tor weg. Hab keine Angst, niemand will dir etwas tun. Komm zu mir.“
Seine Stimme war ruhig, dennoch war sie ungewohnt sanft, einfühlsam und ein Teil sogar liebevoll.
Eine Seltenheit seines Wesens das Keranel eigentlich nur sehr begrenzt zeigte.
Draußen wütete die Traumsaat, ihr sicherer Tod vielleicht, dennoch musste er Ruhe bewahren und sich erst einmal auf Jesaniel konzentrieren.
Der alte Engel streckte vorsichtig die unverletzte Hand aus, nicht bedrohlich sondern hilfsbereit und freundlich.
*Komm her zu mir. Ich bin für dich da Jesaniel. Ich beschütze dich.*
Noch sanfter und liebevoller war seine Stimme die er ihr mental übersandte, vorsichtig berührte er ihren Geist und versuchte ihr dadurch Ruhe und Trost zu spenden. Er war für sie da, so wie er für jeden in der Schar da war.
*Kannst du sehen wie lange die Nacht noch andauern wird?*
Mehrere Dinge auf einmal. So etwas musste ein Michaelit können. Keranel musste auf viele verschiedene Sachen gleichzeitig reagieren können.
Also berührte er in dem kurzen Zeitfenster das ihm blieb auch Josiels Geist und sandte es ebenfalls an Rumael und Shezariel weiter.
Der Gabrielit musste erkannt haben das Keranel mehr als gefangen gerade in den Situationen war die auf ihn hernieder schlugen. Immerhin war der goldene der Anführer und musste alles unter Kontrolle behalten. Diesem lief gerade eine Schweißperle über die Stirn und er spürte das leichte pochen in seinen Schläfen, der schlaffe Arm machte ihm zwar Sorgen war dennoch gerade zweitrangig für ihn.
Der alte Engel war seinem Streiter so unendlich dankbar das er ihm einen großen Brocken von Arbeit mit abnahm und anfing zu koordinieren auch wenn Keranel nicht gefiel das er vielleicht dort hinaus gehen wollte. Jedoch sagte ihm sein taktischer Verstand das es durchaus klug war das zu versuchen. Auch wenn es mit Risiko verbunden war.

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 18.06.2015 - 17:11

Josiel war von oben an eines der Fenster geflogen, um sich selbst möglichst wenig zu zeigen und doch genug zu sehen. Mit geübtem Auge verschaffte sie sich einen Überblick und gab sofort einen Bericht.
*Etwa fünfzehn Kreaturen, soweit ich es von hier aus sehen kann. Sie sind nicht allzu groß, etwa wie ein Hund, spucken Feuer. Sie zünden die Häuser an und fliegen dann in die Überreste.* Ihr Ton war nüchtern und sachlich, jegliche Reste der Panik und Sorge rigoros verdrängt. Niemand, niemand sollte behaupten können, dass sie ihre Aufgabe nicht erfüllte!
*Sie wirken nicht so, als wüssten sie, dass wir da sind. Wenn du raus gehst, steigt das Risiko, dass sie uns bemerken*, gab sie zu bedenken. Immer noch war ihr Tonfall nüchtern - es war keine Bitte an Rumael, es nicht zu tun, lediglich eine weitere Information.
Auf Keranels Frage hin kniff sie noch einmal die Augen zusammen und starrte nach draußen.
*Schwer zu sagen, es ist zu bewölkt um Sterne zu sehen. Ich würde schätzen, mindestens zehn Stunden noch, vielleicht mehr. Ich... ich hatte dort unten kein wirkliches Zeitgefühl.* Der letzte Satz klang geradezu kleinlaut. Ein Schauder kroch über ihren Rücken und sie drängte die Erinnerung an den Tunnel schnell beiseite. Dennoch stockte kurz ihr Atem und ihre Finger krallten sich in das Holz des Fensterrahmens, bevor sie wieder ins Hier und Jetzt fand.

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Magnetklaue » 19.06.2015 - 07:41

Shezariel kam als letzter aus dem Gang und runzelte die Stirn über das Bild das sich ihm bot.
Jesaniel ging es nicht gut, sie schien in irgenetwas gefangen zu sein was in ihrem Kopf vorging. Da er sich nicht mit Medizin auskannte und erst recht nicht mit Psychologie, überließ er seinem Michaeliten das Feld und eilte lieber bei dem Alarm über Traumsaat an ein Fenster, um sich ebenfalls ein Bild zu machen.

*Das sind Allesfresser, ein schöner Name nicht? Und er ist Programm. Sie fressen alles...was brennt. Sich zu verbarrikadieren wäre keine gute Idee, sie werden sicher auch hier herkommen und uns mitsamt dem Gebäude in Brand setzen.* informierte er seine Schar in sachlichem Ton, sah zu ihnen und zuckte ein wenig zusammen, als er sah das Jesaniel versuchte hinauszukommen.
Mit zusammengebissenen Zähnen fluchend kehrte er zu seiner Schar zurück.
*Ich schlage ein Ablenkungsmanöver vor.*

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 20.06.2015 - 21:49

Jesaniel lief zum Tor der Kirche, prallte aber nur gegen den Gabrieliten. Mit aller Kraft versuchte sie, ihn irgendwie zur Seite zu schieben, aber das, was sie an Kraft noch aufzubringen schien wäre nicht einmal einem Kind ihres Alters würdig... Von ihrem Weg abbringen ließ sie sich trotzdem nicht.

Aber dann sprach jemand zu ihr. Die Worte, die Keranel sprach, verstand sie nicht; Den Sinn derselben schon. Jemand war für sie da, beschützte sie... Es dauerte einen Moment, bis sie aufhörte, nach draußen zu wollen, bis sie zu verstehen schien, daß keine Gefahr bestand.
Doch weder Keranel, die Schar, nicht einmal sie selbst in ihrem Zustand, verstand, daß sehr wohl Gefahr bestand, eine große, lebensgefährliche für die Raphaelitin.
Das spielte aber für sie gerade keine Rolle. Sie wägte sich in Sicherheit und ging dazu über, daß zu tun, wofür sie eigentlich weit weg von allen Augen hätte sein wollen...

Sie griff mit einer völlig mechanischen Bewegung in ihre Tasche, holte ein Messer heraus. Immernoch schien sie die anderen um sich herum gar nicht wahr zu nehmen, denn ganz selbst verständlich griff sie mit ihrer rechten Hand um die Schneide und drückte fest zu.
Ein manchen bekanntes, leises Knirschen war zu hören, als wenn man Haut durchschnitt und dann auf einen Knochen traf. Zuerst tropfte nur ein wenig Blut, dann wurde aus Tropfen ein kleiner Rinnsal, während sie wieder, immer mehr, in der Realität anzukommen schien.

Sie drehte sich Keranel zu und sah ihn an. Ihr Blick ging nach unten, zu den Wunden, für die sie verantwortlich war.
Ein einzelne Träne lief ihren Wangen herunter. Ganz bei Sinnen war sie noch immer nicht, aber sie wusste, glaubte sie zumindest, daß sie gerade ihr Todesurteil unterschrieben hatte.... Ihren Augen war es deutlich anzusehen, daß sie so fühlte. Die Schneide des Messers hatte sie immernoch in der Hand, aber die Wunde selbst war schon wieder verheilt.

"Kanns..."
Die Worte blieben ihr im Hals stecken. Sie schloss die Augen, unter einer weiteren Träne und dann noch einer, und deutlich war ihr anzusehen, daß sie eine kaum erreichare Menge an Konzentration aufbrachte, um Keranel etwas zu sagen, ohne es nicht noch schlimmer zu machen.
*Ich muss... allein sein... Bitte...* Sie zitterte wie Espenlaub am ganzen Körper. *Mach, daß es aufhört... Bring mich weg*


das 18. arkanum: das buch der bücher
Aufrechte Bedeutung: Enthüllung
Intuition, Bekenntnis, Empfänglichkeit, Denken, Geheimnis, Rätsel, Romantik, Offenbarung

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 23.06.2015 - 22:10

Eine weitere Schweißperle lief ihm über die Stirn, tropfte seine Nasenspitze herunter und fiel zu Boden, vermischte sich mit dem Staub und Blut.
Josiels Worte erreichten ihn, sein Blick dabei immer noch auf die Heilerin gerichtet.
Zeitgefühl.
Das hatte der Michaelit schon lange nicht mehr. Bevor er jedoch antworten konnte erreichte ihn die Stimme seines Ramieliten. Shezariels Stimme in seinem Geiste zu hören war für diesen einen Moment eine Wohltat. Der schwarzhaarige Engel würde ihm helfen, ihn beraten und ebenso wie es Keranel musste einen kühlen Kopf bewahren.
Seine rechte Hand. Wenn die Situation ein klein wenig anders gewesen wäre nicht so fatal und er auf alles reagieren und aufpassen musste so hätte er zu ihm gesehen, vielleicht sogar mit einem leichten Lächeln auf den Lippen.
Jedoch gefiel ihm ganz und gar nicht was diese Traumsaat draußen anrichten konnte. Die Kirche bestand zwar aus Stein dennoch musste er seinem Ramielit recht geben, wer wusste wie lange sie standhalten würde.

Ehe er auf Shezariels Worte eingehen konnte wurde sein Verdacht noch stärker bestätigt verflucht zu sein. Es kam ihm vor wie in Zeitlupe als er das in dem fahlen Licht das Messer aufblitzen sah. Ehe der Michaelit sie erreichen konnte sammelte sich das Blut schon auf dem Boden.
Er sah die Tränen, die Worte taten ihm weh,...es tat weh sie so zusehen, nicht weil es Schwäche bedeutete, so sah er das ganze nicht, würde er niemals. Es tat weh weil sie ihm leid tat, einen seiner Engel so gequält zusehen tat weh, war wie ein heißer Stich in der Brust.
Die Angst und Sorge um seine junge Heilerin war so groß ,doch der Michaelit durfte jetzt nichts überstürzen, das konnte sie alle in Gefahr bringen, noch mehr als ohnehin schon.

Vorsichtig ging der Michaelit vor ihr auf die Knie und nahm Jesaniel das blutige Messer aus der Hand. Dabei den einfühlsamen Blick nicht von ihr nehmend.
Er zerriss ein Stück seines Kriegsrocks mit dem Messer ab, was mit einer Hand nicht gerade leicht war, doch gelang es ihm eine Stelle von seinem einst weißen Kriegsroch zu finden die noch sauber war und wollte ihr die Hand verbinden falls sie es zulassen würde.
Die großen leicht goldenen Schwingen legten sich schützend um die weinende Heilerin.
*Ich bin hier Jesaniel. Ich beschütze dich. Lass es zu, vertrau mir. Ich werde dir nichts tun.*
Keranels Stimme war sanft und liebevoll, ein Stück weit war er in diesem Moment wieder wie der alte Keranel von früher.
*Ich werde dich von hier wegbringen das verspreche ich.*

Schnell wandte sich der alte Engel an seine rechte Hand.
*Eine Ablenkung? Ich höre, was schlägst du vor?*
Er musste einen kühlen Kopf bewahren auch wenn der Schweiß auf seiner Stirn zunahm.
Jesaniel schloss er wieder aus der Planung aus, sie hatte in diesem Moment schon zu viel mit sich selbst zu tun, dann musste der goldene sie nicht noch mit anderen Dingen belästigen.

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 24.06.2015 - 18:51

Rumael konzentrierte sich auf Jesaniel, die gerade versuchte, ihn beiseite zu schieben, aber dabei seltsam kraftlos schien. Dennoch versuchte er, den Gesprächen, die er über die Seele mitbekam, zu folgen.
Jesaniel ließ nicht von ihm ab. Rumael wusste nicht, was er tun sollte, versuchte auch nicht, sie irgendwie zu bremsen, ihre Anstrengungen waren sowieso offensichtlich fruchtlos. So beschränkte er sich darauf, ständig "Schschsch ..." und "Ruhig ..." zu murmeln, und ansonsten darauf zu achten, dass sie wirklich nicht plötzlich durch die Tür entwischen konnte. Er selbst kam sich dabei sehr hilflos vor und wurde immer unruhiger.

Erst als Keranel zu ihnen aufschloss, wurde sie ruhiger, trat von Rumael zurück -- und tat etwas, das Rumael die Haare zu Berge stehen ließ. Sie zog ein Messer und schlitzte sich die Hand auf. Blut tropfte auf den Boden, als sich die Wunde schon wieder schloss und die Raphaelitin sich sichtlich verzweifelt Keranel zuwandte. Sie wollte etwas sagen, brachte aber kein vollständiges Wort heraus. Keranel ging in die Knie und umschloss Jesaniel mit seinen Flügeln.
Rumael war Keranel dankbar, dass er sich der Raphaelitin annahm. Er selber hätte sie nicht zu beruhigen vermocht. So atmete er kaum hörbar auf, als Jesaniel sich zu beruhigen schien.

Nun konnte er sich wieder auf das Gesagte von Josiel und Shezariel konzentrieren. Fünfzehn Stück fliegende, feuerspeiende Traumsaat, die sich wohl bis hier durchfressen würde ... wo sie hier nicht voll einsatzfähig waren, und sogar noch einen Menschen zu beschützen hatten. Wenigstens waren sie noch nicht entdeckt, und es würde die nächste Zeit noch dunkel bleiben -- ein Vorteil für sie, so hoffte Rumael zumindest.
*Eine Ablenkung ... Meinst du, um davonzukommen, oder sie vielleicht anzugreifen?*, fragte Rumael.
Es behagte ihm gar nicht, eine solche Menge Traumsaat im Rücken der Schar zu behalten, wenn sie zudem noch einen Klotz am Bein hatten. Er musste die Gegner besser beurteilen können. Wie schnell waren sie? Wie gewandt waren sie in der Luft? Waren ihnen nur am Fressen gelegen? Konnten sie noch etwas anderes als Feuer speien, schlimm genug?
*Ich sollte da raus, wir müssen mehr über die Dinger in Erfahrung bringen, für eine Entscheidung, was wir machen!*, schlug er noch einmal vor.

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 24.06.2015 - 21:13

Aus den Augenwinkeln bekam Josiel mit, wie Jesaniel von Rumael abließ, als der Michaelit zu ihnen kam. Beruhigt blickte sie wieder hinaus, bis sie hörte, wie die Raphaelitin schwer zu atmen, fast zu schluchzen begann. Was war denn da los? Ein kurzer Blick zeigte ihr, dass Keranel sich hingekniet hatte und Jesaniel in den Arm nahm. Blutgeruch stieg ihr in die Nase. War jemand verletzt worden?
Aber das war nichts, bei dem sie etwas ausrichten konnte. Wichtiger waren nun die Traumsaatkreaturen.
*Rumael, wenn jemand rausgeht, sollte ich das machen. Sei mir nicht böse, aber ich habe mehr Chancen, sowohl ungesehen zu bleiben als auch sie abzuhängen, sollten sie mich doch noch sehen.*

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 30.06.2015 - 20:28

Anerkennend warf Rumael einen Blick nach oben zu der kleinen Urielitin. Sie war offensichtlich mutig und traute sich etwas zu.
*Gut! Traust du dir zu, die Traumsaat beurteilen zu können?* fragte er nach. Sie war immerhin noch nicht so erfahren.

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 02.07.2015 - 18:00

Keranel beschützte sie, war ganz nah; Gab ihr Sicherheit... Doch der Schmerz, den sie sich zugefügt hatte, ließ sie allmählich verstehen, daß Sicherheit nur vor sich selbst, vor ihrer Angst bestand, nicht vor Konsequenzen;
Ihr Michaelit tat gut daran, sie nicht zu informieren, was um sie herum geschah.

Aus ihrer Sicht war die Katze nun aber aus dem Sack. Sie wusste nicht, ob die Schar oder Keranel bereits verstanden hatte, warum das mit ihr gerade geschah, aber ihr erster Schritt getan, war ihre Deckung aufgeflogen, und, wenn das auch nur ein Gefühl war... Sie versuchte jetzt, lieber die Schar zu schützen, als sich selbst...
Ihren Michaeliten hatte es schon getroffen.

Sie reagierte fast panisch, als er ihr das Messer wegnahm. Wusste er denn was er tat?
"Nicht...", flehte sie sofort laut, griff nach seiner Hand... Als wäre sie süchtig nach diesem Messer. Sie wandte nicht wenig kraft dafür auf, als sei sie süchtig danach.

Aber Keranel verwehrte ihr das. Verstand er immernoch nicht, was er damit auslösen könnte?


"Ich bleibe hier, bei den Verletzten"
Jesaniel war resolut; Eine andere Entscheidung würde es nicht geben. Diese Leute, die sie suchten, die umherzogen, Leute töteten und Kinder vergewaltigten... Sie waren keine Gefahr für die Schar... Es war so einfach.
Und so blieb die Raphaelitin zurück. Half den Menschen, wo sie konnte. Nicht, daß sie sonderlich einfühlsam mit diesen Leuten umging, das war nicht ihre Art, zu trösten, das überließ sie den Eltern. Aber es gab genug Verletzungen, um die sie sich kümmern musste, genug Ratschläge zu erteilen und ohnehin genug zu organisieren; Das war nicht das einzige Dorf, daß dieser Bande zum Opfer gefallen war.
Und nicht einmal das machte ihr zuschaffen; Es war die Angst, die Verzweiflung, die Ratlosigkeit der Menschen, die ihr zusetzte. Denn in der Nähe von anderen... sie spürte nicht deren Emotionen, sie hatte sie selbst.

Es gab einen Schlag, und die Tür zur Taverne flog auf. Zwei Männer kamen herein, bewaffnet mit Gewehren. Der Kolben des einen streckte eine junge Frau nieder, die zum Glück liegenblieb. Und noch bevor sie ihr Schwert hatte ziehen können, spürte sie einen Lauf in ihrem Nacken.
Eine Denkbar schlechte Position. Nicht, daß sie um sich Angst hatte, aber diese Typen waren so klug, die Anderen hier zu bedrohen. Was hätte sie tun sollen?
Der eine von ihnen war der Anführer. Sie hatten sich wohl getrennt, sie hatten wohl gesehen, wie die Schar sich ihrer Kameraden annahm. Die Drei waren stinksauer.

All diese Emotionen, die sie hatten, die sich in dem Engel sammelten... Sie waren so stark, daß es nur eine Frage der Zeit sein würde, bis sie sich durch die Raphaelitin entladen würden.
Ob sie schon einmal einen Raphaeliten in Rage gesehen hatten?

Sie taten gut daran, den Engel zu schlagen. Der Schmerz half ihr, am Boden zu bleiben, es unter Kontrolle zu haben. Sie sagte kein Ton und ließ es über sich ergehen; Sie fragte sich, was sie als Anlass nehmen könnte, nicht mehr passiv herumzusitzen und etwas zu tun...
Zum Glück kam die Schar wieder, als die drei bemerkten, daß es weniger Spaß machte, einen Engel zu schlagen, als ein Kind....

Die Engel waren genauso wütend wie die Männer. Auf Jesaniel waren zwei Gewehre gerichtet, alle schrien sich gegenseitig an; Alle waren bereit sofort auf jemanden loszugehen.
Dazu bekam nur niemand die Gelegenheit.

Jesaniel hatte nicht einmal versucht, die Wut, die sie in sich aufnahm, irgendwie abzuschwächen oder den Prozess zu verlangsamen. Sie wusste, daß würde sie nicht schaffen; Stattdessen spekulierte sie darauf... nunja. Dabei zu sterben.
Aber nicht einmal sie hatte bisher einen Raphaeliten in Rage gesehen.

Wollte ein Raphaelit einen Menschen töten, wäre das sehr einfach. Ein kleiner Kratzer im Gehirn reicht schon aus.
Hier nicht. Hier galt es, einem Zustand einen Ausdruck zu verleihen, es musste wehtun, schmerzhaft sein.
Die beiden Männer packte sie am Handgelenk. Knochen brachen; Ein Schuss viel, traf die Raphaelitin, aber das schien sie nicht einmal zu bemerken. Am Hals der Männer bildete sich eine große Wunde; Blut schoss hinaus, während sie schon am Boden lagen.

Den Anführer packte sie am Gesicht. Sie brach ihm Knochen, heilte sie, brach sie ihm nocheinmal; Schmerzhaft und Kraftraubend war das, aber sie war noch nicht fertig mit diesem Kerl.
"Ich. werde. dich. jetzt. heilen"
Schon, wie sie das sagte, deutete an, daß es nichts gutes war.
Der Mann überlebte - wenn man das so nennen kann. Denn mehr als atmen tat er nie wieder.


Sie ließ von ihm ab. Sie konzentrierte sich auf sich selbst, auf klare Worte, darauf, sie so zu sprechen, dem Michaeliten hoffentlich klar wurde, worum es ging.
Sie sah ihn trotzdem nicht an; sondern ihre Hand, die voll Blut war
*Keranel* Sie klang ruhig und bitter ernst; Und dennoch konnte der Michaelit spüren, daß sie mit den tränen kämpfte... oder viel mehr..? *Ich möchte nicht noch jemanden verletzen. Oder...* Noch eine Träne. *töten. Gib mir das Messer. Bestrafen kannst du mich, wenn das vorbei ist.*

Doch auch jetzt ließ er sich nicht erweichen. Was sollte sie denn tun? Warum verstand er das denn nicht?
*Bitte...* mehr flehen konnte sie nicht; Man konnte selbst über die Seele der Schar hören, daß sie in Tränen ausbrach; *Vertrau mir. Bitte*

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Magnetklaue » 09.07.2015 - 11:58

Shezariel sah von Keranel zu Rumael.
*Um davonzukommen. Ich sehe uns hier eindeutig in der Unterzahl mit einem Engel der im Augenblick völlig kampfunfähig scheint und einer menschlichen Begleiterin. Eine Ablenkung durch unsere guten Flieger, die die Traumsaat weglocken, könnte uns anderen ein kurzes Zeitfenster öffnen unbemerkt in die andere Richtung zu entkommen.* erklärte er in ruhigem Tonfall.

Dann fiel er in Schweigen und nickte langsam der kleinen Urielitin zu. Sie war am besten geeignet um die neue Gefahr in Augenschein zu nehmen. Dann leitete Keranel plötzlich an ihn weiter was die Raphaelitin zu ihm sagte und sein Blick verfinsterte sich. Scheinbar war er jedoch der einzige gewesen der es zu hören bekam, denn die anderen beiden Engel zeigten keine Reaktion.
Keranel sah völlig unentschlossen aus, vielleicht gefangen in einer Art Flashback. Der Ramielit knurrte unwirsch und kam zwei Schritte auf seinen Scharführer zu.
*Keranel, reiß dich zusammen! Gib ihr das verfluchte Messer, soll sie sich doch aufschneiden, wenn es sie aus dem Weg hält. Wir haben für so einen Unsinn keine Zeit.* Seine Gedankenstimme klang ungewohnt harsch, auch wenn sich auf seinen Gesicht davon nur ein Bruchteil abzeichnete, in den leicht zusammengezogenen Augenbrauen und dem fest verschlossenen Mund.

Er hatte bisher ein gutes Bild von Keranel gehabt, der Michaelit war erstaunlich aufgeschlossen und diplomatisch, keiner der üblichen Tyrannen. Was jetzt mit seinem Anführer los war ließ sich nicht sagen, aber er würde darauf zurückkommen. Was jetzt zählte war hier herauszukommen. Wenn Jesaniel sich mit ihrem Messer umbrachte, weil sie meinte irgendwelche raphaelitischen Bußerituale durchführen zu müssen, dann war das wenigstens ein Hindernis weniger. Er hoffte es nicht, aber sich hier herumzustreiten war noch weniger in seinem Sinne.

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