Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

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Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 09.07.2015 - 13:24

*Ich denke schon. Auf jeden Fall werde ich berichten können.*
Sie wandte den Blick zu Keranel. Dieser stand vor Jesaniel, ein Messer in der Hand. Die Raphaelitin streckte eine blutige Hand danach aus, sie schien zu weinen. Verwirrt blinzelte Josiel ein paar mal.
*Keranel?*, fragte sie zaghaft. Was immer da los war, vermutlich sollte sie jetzt nicht stören. Aber sie konnte auch nicht ohne Absprache einfach da raus...

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 09.07.2015 - 19:58

Ein weiterer Schweißtropfen perlte ihm von der Stirn über die Nasenspitze. Sein Arm gelähmt, am bluten und dann dieses hin und her, zwischen einfühlsam und kühlen Kopf. Es war anstrengend und zerrte sowohl an seinem Körper als auch an seinen Nerven. Er war alt und erfahren aber genau deshalb brach er nicht zusammen oder wurde panisch und verlor den Verstand.
So blieb er auch hart in seinen Entscheidungen als sie das erste Mal das Messer haben wollte. Woher sollte er auch wissen was mit ihr los war? Der Michaelit konnte der Heilerin nicht in den Kopf sehen und deshalb tat er das was am logischen war, ihr nicht das Messer zu geben.

Zwischendurch wurde der goldene von Shezariel über die Ablenkungen die diesem als Plan vorschwebte informiert, sowohl Rumael als auch Josiel boten sich an.
Josiel,....so jung und unerfahren, so klein und zerbrechlich.
Doch sein rationaler Verstand sagte ihm das sie mehr Chancen hätten wenn die schnellere Fliegerin die auch in solchen Dingen ausgebildet wurde sich der Gefahr stellte.
Unbehagen ließ eine Gänsehaut auf seinen kühlen Körper entstehen.

Gerade wollte Keranel antworten da begann Jesaniel ein weiteres Mal um das Messer zu bitten, aber diesmal flehte sie regelrecht als würde ihr Leben davon abhängen.
Die Tränen in ihren Augen, dieser verzweifelte Blick, der Michaelit schluckte trocken und spürte eine weitere Schweißperle die Stirn hinab wandern.
Wusste sie was sie da von ihm verlangte? War sie sich dessen bewusst, wie viel sie genau von abverlangte?
Der Michaelit war gefangen, in seinem Handeln und wusste nicht was er tun sollte. Das erste Mal wieder seit Jahren das er nicht genau wusste was zu tun war.
Sein Verstand nahm seine eigenen Wege und so berührte er den Geist des Ramieliten, sandte ihm Jesaniels Worte weiter. Jedoch nur ihm, dennoch sandte er es nicht Shezariel direkt, es war der schwarzhaarige Engel mit den langen Haaren dessen Worte der Heilerin er schickte, aber in seinem Geiste war es ein anderer Engel.
Wie gefangen blieb der goldene einen Moment in seinen Erinnerungen, als Shariel noch an seiner Seite weilte und ihm half. Fast hätte der goldene nach ihm gerufen, ihn um seinen Rat gefragt, doch es war nicht die vertraute Stimme seines früheren Ramieliten die er hörte sondern die seines jetzigen.

Wie ein Orkan riss der langhaarige Engel ihn aus seinen Erinnerungen in denen er gefangen war und sprengte die Ketten der Schatten der Vergangenheit.
Blinzelnd wurde der Michaelit wieder wach. Sein jetziger Ramielit hatte recht, er musste sich zusammenreißen. Jesaniel hatte ein großes Problem doch draußen lauerte ein noch viel größeres.
Plötzlich hörte er auch Josiels Stimme, die nach ihm fragte.
Der alte Engel straffte seine Schultern, jedenfalls eine davon denn der andere Arm war noch immer gelähmt.
Entschlossenheit funkelte wieder in seinen Augen. Er tat es nicht gern doch legte er das Messer zu Boden, wenn die Heilerin es wollte so konnte sie es nehmen. Keranel sollte ihr vertrauen? Dann musste sie es jetzt beweisen das sie seinem Vertrauen auch würdig war.

Den Stück weißen Stoffes den er abgeschnitten hatte drückte er ihr zusätzlich in die Hand, seine nun von Blut besudelt stand er wieder auf und sah entschlossen zu seinem Gabrieliten und dann zu seinem Ramielit.
*Ich schlage vor das Josiel nach draußen geht, sie ist kleiner und wendiger, leiser. Was uns zum Vorteil werden könnte.*
Diese Entscheidung fiel dem alten Sendboten nicht einfach, er fühlte sich mehr als verantwortlich für den jungen Engel. Doch wenn sie eine Chance haben wollten dann mit ihr. *Ist das in Ordnung für dich?*
Fragte er den jüngsten seiner Engel.

*Rumael ich brauche dich zur Verteidigung. Mein Arm ist derzeit nicht Einsatzfähig und ich weiß nicht wie gut ich nur mit einer Hand kämpfen kann. Da du unsere Kampfkraft bist wirst du uns verteidigen und gegebener Maßen für Josiel einspringen müssen.*

Die bunten Augen trafen die schwarzen seines Ramieliten. *Shezariel du wirst meine fehlende linke Hand sein. Bleibst an meiner Seite. Ich kann die Feinde zur Not mit meinen Mächten auf Distanz halten. Aber nicht lange.*
Das würde mehr als Anstrengend für den verletzten Engel Michaels werden.

Doch da blieb noch eine Frage zu klären.
*Was genau geschieht mit Jesaniel? In diesem Zustand wird sie nur Aufmerksamkeit erregen.*
Wieder bekam die Heilerin nichts von der Seele der Schar mit. Die Stimme des Michaeliten war ruhig, gefestigt und ernst. Er musste einfach einen kühlen Kopf bewahren.
Doch er würde alles dafür tun damit seine Schar in Sicherheit war. Zur Not auch wenn er sein Leben dafür geben musste.

Doch noch einmal konzentrierte sich Keranel auf den Geist seines Ramieliten, berührte ihn mental.
*Danke.*
Eigentlich gab es viel mehr zu sagen, doch dafür blieb nicht die Zeit und auch der Ort war falsch. Er würde warten, falls der Michaelit das hier überlebte....

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 12.07.2015 - 17:12

Josiel nickte.
*Natürlich.*
Sie bewegte sich zur Tür und wartete darauf, dass Rumael den schweren Riegel wieder löste und Keranel ihr Bescheid gab. Etwas nervös spannte und entspannte sie ihre Flugmuskulatur. Aber es war eine andere Nervosität als die drohende Panik, die sie vorhin überkommen hatte. Das hier war das, wofür sie ausgebildet worden war. In der Luft war sie zu Hause, dort hatte sie keine Angst.

Turgon
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Turgon » 15.07.2015 - 14:44

Rumael zog eine Augenbraue hoch und grinste dann in Richtung Keranel. Als ob die Möglichkeit bestünde, dass er einfach verschwände, oder dem Wüten der Traumsaat tatenlos zusähe.
*Ich bleibe an der Türe, so dass ich sehe, was draußen passiert. Dann können wir besser drauf reagieren, und ich kann Josiel zu Hilfe eilen, wenn's nötig ist.*
Bei Keranels Worten über Jesaniel blickte er besorgt zu der Raphaelitin, konnte aber nichts dazu beitragen. Er wusste nicht genau, was Jesaniel gemacht und mit Keranel gesprochen hatte. Der Michaelit schien sich ernste Sorgen zu machen. Er zuckte nur mit den Schultern und hoffte, dass Shezariel vielleicht weiter wusste.

Dann lächelte er Josiel an, als sie auf den Eingang zukam. "Bereit?" fragte er und zwinkerte ihr zu.
Dann nahm er den Riegel weg, öffnete die Tür einen Spalt und spähte hinaus. Erst als er sich sicher war, nichts weiter auffälliges gesehen oder gehört zu haben, trat er einen Schritt zurück und ließ Josiel zur Tür.

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Terael
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Terael » 15.07.2015 - 21:29

Keranel ließ sich Zeit. Zeit, die ihr wie eine Ewigkeit vorkam, während es in der zwischenzeit wieder schlimmer wurde.
Wenn er ihr das Messer nicht gab, müsste sie es eben anders versuchen.
Sie legte ihre linke Hand um den anderen kleinen Finger; So wie man es tut, wenn man jemanden foltern möchte.

Aber Keranel lenkte doch ein. Er legte das Messer auf den Boden.
Die Raphaelitin zögerte nicht lange. Sie griff danach, legte die Flügel um ihren Körper und benutzte das Messer.
Die Wunde ging über den ganzen Oberarm und der Armbeuge entlang, ein tiefer Schnitt, so daß man die Muskelsehnen sehen konnte, bevor das Blut anfing, zu fließen; Und das nicht zu knapp. Sie musste eine Aterie verletzt haben, aber das war ihr alle völlig egal.
Sie schien nicht einmal Schmerzen zu haben - und schmerzhaft musste das sein -, im Gegenteil, sie entkrampfte sich, beruhigte sich, als wäre sie auf Entzug und hatte endlich wieder ihre Drogen.

Ganz vorbei war es deswegen nicht; Aber es war ersteinmal genug, um wieder weitgehend klar denken zu können. Jetzt musste sie sich nur mit den Konsequenzen auseinandersetzen.
Damit fing sie auch gleich an. Während sie immernoch stark blutete und sich die Wunde, die sie sich gerade selbst zugefügt hatte, schon wieder schloss, griff sie mit der anderen Hand nach Keranel, an sein Bein.
Sie hatte ihn verletzt - jetzt wollte sie ihn wieder heilen. Besser sie tat es jetzt, als nachher, denn während sie in ihrem Kopf an Kraft gewann, zehrte das, was sie dafür tat sehr an ihren körperlichen Kräften.
Zuletzt geändert von Terael am 21.07.2015 - 19:55, insgesamt 1-mal geändert.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 17.07.2015 - 13:18

Der Michaelit wartete auf Antwort, schien sich selbst eine zu überlegen. Es gab eigentlich keine wirkliche Antwort auf die Frage. Er würde sie um nichts in der Welt zurücklassen, doch in ihrem Zustand da war es fast unmöglich leise und schnell aus der Situation zu entkommen.
Aber das war ihm egal, wenn das Schicksal ihn auf diese Art und Weise herausforderte dann sollte es das tun. Keranel würde keinen seiner Engel zurücklassen. Jedoch gab es noch immer die Frage wie genau sie das anstellen sollten?

Die Furchen zwischen seinen Augenbrauen wurden tiefer, als er zu Rumael und dann zu Josiel sah. Versuchte sich auf die beiden zu konzentrieren und wollte auch Rumael ein kleines Lächeln schenken, ein Dankbares aber er hörte wie Jesaniel das Messer aufhob und er wusste ganz genau was nun geschehen würde, hatte es gesehen...

Seine bunten Augen verfolgten jede kleinste Bewegung der Urielitin, immer und immer wieder musste er es sich im Geiste wie ein Mantra aufsagen, das der junge Engel es schaffen würde.
Er hatte Angst um seine kleine Schwester, machte sich Sorgen doch er wusste auch das er sie loslassen musste, ihr damit ermöglichen sich zu entfalten, der alte Michaelit wusste das sie mutig war, er hatte es in ihren Augen gesehen.

Gerade als er den Mund aufmachen wollte um Meredith zu erzählen was genau ihr Plan war, das vorgehen erläutern, da spürte der goldene etwas das sich um sein Fußgelenk legte. Im ersten Moment war es sein Verstand der ihm etwas grauenhaftes vor spielte, ein Eisenring, eine Klaue.
Etwas das sich um seinen Knöchel legte und ihn nicht mehr freigab. Kurz sagte ihm sein Kopf das es vielleicht Jesaniel war, mit einem Messer in der Hand.
Ein erstickter Laut entrann aus seiner Kehle und in dem Schreckmoment versuchte sich der alte Engel zu befreien, in dem er nach vorn stolperte und dadurch aus dem Gleichgewicht kam.

Er stürzte nach vorn und fiel genau in den schwarzhaarigen Engel hinein der bei ihm stand.
Bevor der Michaelit Shezariel umstoßen konnte hatte dieser seine Hände schon reflexartig ausgestreckt um seinen Scharführer festzuhalten.
Die bunten Augen sahen dem Ramielit genau in das Gesicht, der ängstliche Ausdruck verschwand und ein überraschter legte sich.
Keranel war völlig perplex und wusste im ersten Moment nicht was er tun sollte, sein einer Arm hatte sich in der Verzweiflung als ihm wieder bewusst wurde das der andere noch immer gelähmt war um die Körpermitte des schwarzhaarigen gegriffen und seine Finger griffen in die weichen Federn. Die Finger ließen ein wenig lockerer als Keranel spürte wie er gehalten wurde.

Shezariels Berührung löste im ersten Moment einen eiskalten Schauer aus, doch als er in die vertrauten schwarzen Augen des Ramieliten sah, da fühlte der goldene wie sich die panische Anspannung die ihn schon ergreifen wollte wieder entspannte.
Berührungen waren etwas schlechtes für ihn, doch in diesem Moment blieb die Angst aus und er spürte das ihm keine Gefahr drohte. Genau so wie in Oslo als er mit Rumael einen Trainingskampf ausfocht und ebenfalls stolperte und dieser ihn auffing, vor dem Sturz bewahrte, da war es auch nicht unangenehm gewesen.



*Karte: Reinheit*

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 21.07.2015 - 22:07

Rumael öffnete die Tür und Josiel nickte auf seine Frage. In ihrem Gesicht spiegelte sich ihre Entschlossenheit. Nach einem kurzen Blick nach draußen ließ der große Engel sie vorbei. Noch einmal atmete sie tief durch und zwängte sich dann durch den Türspalt. Sofort zog sie nach oben, um von der offenen Fläche des Marktplatzes weg zu kommen. Die Deckung des Kirchturms nutzend versuchte sie, so schnell wie möglich an Höhe zu gewinnen. Innerhalb weniger Augenblicke waren ihr weißer Wappenrock und ihre grau-weißen Flügel für alles, was Augen hatte, mit dem Schneegestöber verschmolzen. Auch für sie war die Sicht deutlich erschwert, dennoch konnte sie unter sich die Feuer ausmachen, wo die Biester die Häuser in Brand gesteckt hatten.
Angestrengt Ausschau haltend und sich einen groben Überblick verschaffend flog sie einen Bogen zum Dorfrand, um nicht von hinten überrascht zu werden und von dort aus tieferzugehen und einen genaueren Eindruck zu bekommen.

Kuniel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 22.07.2015 - 16:35

Josiel:

Elverum war in Stufen von Grau getaucht, die letztendlich zu schwarzen Abgründen zu führen schienen, da wo die Dunkelheit selbst für die Augen der Urielitin zu dicht war. Doch wo die Flammen bereits an den Häusern leckten, tanzten die Schatten wild und im Schein der Flammen kratzten, krächzten, krochen und spuckten dunkle Schemen, angetrieben von Wut, die in Wolken von Flammen aus deren Mäulern hervorbrach und vereint in einem Hass, der allein deren Beute galt.

Josiel, Abstand haltend von der Traumsaat, flog zum Rand des Ortes und nahm einen Umweg, um der Traumsaat nicht in den Straßen Elverums zu begegnen, sondern in den tieferen Schatten außerhalb der Wildnis Schutz zu suchen und von da aus die Traumsaat zu studieren. Nicht alle Traumsaatkreaturen waren sichtbar, aber sie sah fünf wie sie ein zweistöckiges Haus angriffen.

Die Körper der Kreaturen hatten die Form von fetten Maden, aber von der Größe eines großen Hundes. Wenn sie flogen, dann behäbig und die sechs Flügel auf jeden von deren Rücken gaben ein tiefes Surren von sich als sie die Kreatur in die Luft trugen. Von da an aber hörten die Gemeinsamkeiten auf. Eine Kreatur hatten einen langen Rüssel, der unentwegt Feuer spuckte, wann immer die Kreatur auszuatmen schien, während die klauenartige Fänge unter dem Rüssel an seinem Maul konstant klapperten und der Feuer spiegelte sich in den zwei großen schwarzen Augen wieder, die die beiden Seiten des Vorderkörpers der Kreatur einnahmen. Eine andere Kreatur drehte seine Kreise über dem Gebäude, immer seine rechte Seite dem Haus zeigend als es Feuer aus einer klauenbehafteten Schnauze spuckte. Josiel wurde klar, warum die Kreatur so flog als sie jene rechte Seite sah an der hunderte von kleinen schwarzen Augen hingen, während die linke Seite der Kreatur komplett augenlos war. Wieder eine andere Kreatur kletterte ins Haus mithilfe von sechs langen Beinen an deren Enden menschen-ähnliche Hände waren, welche sich bei genauen Hinsehen aber als chitin-artige Klauen entpuppten und jene Kreatur nutzte nicht sein Maul, um Feuer zu spucken, sondern mehrere Chitinkolben, welche aus seinem Rücken gewachsen waren, spuckten Feuer in einer Fontäne in die Höhe als jene Kreatur ins Innere des Hauses geklettert war.

Die Traumsaat wirkte chaotisch in deren Erscheinung und manche der Eigenheiten jener Kreaturen waren mehr hinderlich als alles andere. Aber sobald etwas zu brennen begann, waren die Kreaturen nicht zu stoppen in deren Gier, jene brennenden Dinge zu fressen. Sie stritten sich nicht um die Beute und sie kommunizierten auch sonst nicht miteinander wie es andere Tiere taten. Sie wirkten geistlos auf der einen Seite, aber methodisch auf der anderen Seite. Als wäre ihnen tatsächlich die komplette Zerstörung des Dorfes wichtiger als irgendein tierischer Trieb wie Hunger oder Überleben.

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Magnetklaue » 23.07.2015 - 08:26

Shezariel hatte seine Aufmerksamkeit ebenfalls Josiel zugewandt, als Keranel neben ihm einen erschreckten Laut von sich gab...und in ihn hineinstolperte.
Der Ramielit zuckte zusammen und griff reflexartig nach einer Schulter und dem anderen Oberarm seines Scharführers. Keranel war völlig verkrampft, aber nachdem Shezariel ihn einige Sekunden lang eindringlich angestarrt hatte, ihn förmlich versuchte Kraft seines Willens dazu zu bringen sich wieder zu beruhigen, schien er zu erkennen das alles In ordnung war und entspannte sich wieder.

Mit einem leisen Seufzer drückte Shezariel den Michaeliten wieder auf seine Beine zurück, zog eine fragende Augenbraue hoch und nickte dann.

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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 23.07.2015 - 17:37

Vorsichtig und langsam kam Josiel näher, immer die Häuser als Deckung nutzend und ihr ganzes Repertoire an Flugmanövern ausschöpfend. Mal hielt sie sich rüttelnd in der Luft, mal landete sie kurz an einem der Dächer, um sich sofort wieder abzustoßen.
*Es sind mindestens fünf*, berichtete sie über die Seele der Schar. *Sie sind hundegroß und sehen aus wie Maden mit sechs Flügeln, aber da enden die Gemeinsamkeiten. Nicht alle von ihnen spucken Feuer, einer von ihnen hat... Auswüchse auf dem Rücken, wo es rauskommt. Sie sehen sehr verschieden aus... der mit den Auswüchsen scheint ein guter Kletterer zu sein. Einer hat nur Augen auf der rechten Seite und scheint links blind zu sein. Der dritte, den ich sehen kann, atmet scheinbar Feuer aus, eventuell kann er es nicht direkt steuern.*
So umrundete sie einmal das Dorf und begann dann, sich spiralig vorzuarbeiten um Genaueres herauszubekommen.

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Alessiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Alessiel » 23.07.2015 - 20:02

Keranel erwiderte den Blick der schwarzen Augen, beruhigte sich zunehmend vergaß die bloße Berührung und atmete tief durch.
Die Überraschung und das sachte dankbare Lächeln erstarben auf dem Gesicht des Michaeliten.
Wieder war ihm ein Fehler passiert, eine bloße Berührung so schmerzhaft, irritierend oder auch unangenehm wie sie sein konnte durfte ihn niemals mitten dieser fast aussichtslosen Situation außer Kontrolle bringen.
Er war Shezariel mehr als dankbar als dieser ihm half wieder Boden zu fassen. Ein leichtes Räuspern erklang und dann versuchte er seinen Geist auf das bevorstehende zu lenken.

Die bunten Augen wandten sich Meredith zu, er benetzte seine trockenen Lippen mit der Zunge und starrte sie an, durchbohrte die Frau regelrecht mit seinem Blick. Nichts war mehr von der sachten Unsicherheit durch Jesaniels Berührung zusehen. „Bleib in unserer Nähe, wir können nicht ewig hier bleiben.“

Leise flüsternd, dann wandte er sich wieder ab und sah zur Heilerin. *Wir haben keine Zeit zum Ausruhen, die Traumsaat draußen wird lästiger.*
Er hatte die Heilerin mit dieser Nachricht verschonen wollen, doch die Situation ließ ihm keine Wahl. Als Anführer musste er so schnell wie möglich handeln.
*Wie sieht es mit deiner Kraft aus um meine Lähmung zu heilen? Ich erwarte eine richtige Antwort denn es nützt unserer Sache nichts wenn deine Antwort aus falschen Stolz besteht.*
Keranel wollte nicht so hart zu ihr sein, doch das alles hier ließ ihm keine andere Wahl. Seine Stimme jedoch blieb wie immer ruhig.
Er hoffte das in der Raphaelitin noch genügend Kraft steckte um ihn von dieser Lähmung zu befreien, die Wunde war ihm egal aber die Lähmung war ein großer Nachteil wenn es zu einem Kampf kommen sollte.

Josiel meldete sich über die Seele der Schar und für einen Moment brach die Härte in seinem Blick. Der kleine Signums Engel draußen und diese viele Traumsaat....hatte er sie verdammt?
`Nein!`
Der Michaelit musste sich zusammenreißen, blickte dann zu Rumael und Shezariel, hatte die Nachricht der Urielitin sofort weitergeleitet, auch an Jesaniel und innerlich hoffte der goldene das es keine falsche Entscheidung gewesen war.

*Sei vorsichtig und setze nicht dein Leben aufs Spiel. Kannst du etwas sehen das uns einen Vorteil bringen könnte? Eine Lücke oder etwas das uns ein Entkommen ermöglichen könnte?*

Ruhig, gefasst mit der Stimme eines Anführers sandte er seine Worte dem kleinen Engel und gleichzeitig an die anderen Engel seiner Schar weiter.

Kuniel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Kuniel » 23.07.2015 - 21:20

Josiel:

In einer Spirale Elverum umfliegend, sich im Schatten der Gebäude haltend und auf ihre Umgebung achtend hielt sie sich außerhalb der Reichweite der Traumsaat. Aufgrund der sehr individuellen Erscheinung der einzelnen Kreaturen war es ein leichtes, jene zu zählen, selbst wenn sie nur deren Schatten oder Schemen im Feuer eines Gebäudes ausmachen konnte. Soweit sie sehen konnte, waren es insgesamt dreizehn Kreaturen, welche systematisch Gebäude in Brand steckten und jeder auf seine eigene Weise begannen zu fressen.

Zwei Kreaturen aber waren da anders. Eine flog konstant über einem Gebäude und acht Zehn-Meter-lange Tentakel an deren Enden kleine Mäuler mit kleinen Fängen waren, spien konstant Feuer auf das Gebäude, woraufhin jene Tentakel kleine brennende Stücke abriss und jene in ein großes Maul mit langen Fängen führte, dass die komplette Unterseite der Kreatur einnahm. Die andere Kreatur war wesentlich fetter und behäbiger als die anderen Kreaturen, aber auch jene flog nur konstant über einem Gebäude als von Zeit zu Zeit dessen Maul unglaublich weit aufgerissen wurde, um einen Schwarm kleinerer Kreaturen von der Größe einer Hand eines Erwachsenen auszuspeien, welche mit glühenden Hinterleibern und feuerspeiend ein Gebäude auseinandernahmen und mit den verspeisten Stücken in das Maul der Kreatur zurückflogen.

Gerade als Josiel auf ein weiteres Dach flog, um einer Kreatur auszuweichen, welche an der Wand eines Gebäudes hochkroch, dessen Flügel zusammengeklappt auf deren Rücken und eine Schleimspur hinterließ, die innerhalb weniger Sekunden Feuer fing. Aber auf dem nächsten Dach fuhr ihr ein Schauer über den Rücken aus einem unerfindlichen Grund und plötzlich hörte sie die Stimme des Kopfes, welchem sie unter der Kirche begegnet war: „Wie Pinselstriche lecken die Flammen und Zungen der Biester an den Bausteinen von Ordnung und Zivilisation, alle Farben der Welt für einen Moment im grellen Schein der Hitze zu verdrängen und durch das Grau der Asche und Leere zu ersetzen. Es ist Gier ungebändigt vom Willen zum Überleben. Es ist der Ausdruck von Ästhetik ungebändigt von Moral. Es ist das natürliche Ende eines jeden Traums, wenn die Realität zusammenbricht und die Flucht ins Jenseits erzwingt, das wir Aufwachen nennen.“

Dem Ursprung der Stimme folgend, fand Josiel hinter sich auf dem Dach den Mann, welchen sie unter der Kirche gesehen hatte, ein kopfloser Körper, welcher etwas auf das Dach mit seinem Blut zu schreiben schien und ein Kopf, welcher Josiel anstarrte und in Rätseln redete. Auf unheimliche Weise hallte die Stimme sogar als wären sie immer noch in dem großen Raum unter der Kirche und die Luft roch auf einmal nach Staub und der feuchten Kälte eines Ortes, welcher vergessen und versteckt sich von der Außenwelt isoliert hatte.

Keranel, Rumael, Jesaniel, Shezariel:

Meredith ignorierte die Engel und starrte auf die Falltür. Natürlich war sie neugierig. Was würde sie erleben, wenn sie die Stufen wieder nach unten gehen würde. Die Frau hatte gesagt, dass sie nur Gäste an jenem Ort waren und so hatte es sich auch angefühlt. Aber sie schaute sich in der Kirche um, betrachtete das Theaterspiel der Engel im feurigen Schein der plötzlichen Traumsaat-Attacke. Sie hatte immer an Geheimnisse geglaubt. Immerhin konnte niemand behaupten allwissen zu sein – außer vielleicht jener Gott, welchen die Angeliten anbeteten, aber der nicht wirklich unfehlbar war mit seinen Entscheidungen, so wie dessen Diener, eben jene Engel, wirkten. Aber dies war anders.

Als Druidin hatte sie ihren Teil an obskuren Artefakten der Zeit Zuvor gesehen, aber was sie da unten gesehen hatte, war etwas das selbst die Druiden auf den Britannischen Inseln vergessen hatten. Und Meredith hatte das Gefühl, dass es einen guten Grund dafür gab. Sie wusste wie wundersam und absurd manche vorsintflutliche Technologie wirken mag, aber was hier passierte schien so tief in die Trickkiste zu greifen, dass es Dinge aus der Dunkelheit hervorlockte, die wohl besser dort verbleiben hätten sollen.

Zu Keranel blickend, wunderte sie sich, ob er wusste, wie schlimm die Situation war. Sicher, die Traumsaat war schlimm genug, aber was hier passierte, was die „Seuche“ darstellte, war zu groß für sie oder die Engel, die hier waren. Sie schaute wieder zu den Fenstern der Kirche und das Licht, welches immer heller wurde als die Feuer langsam näher kamen. Was sie brauchten, waren mehr Informationen.

Auf einmal wandte er sich ihr zu und sie zuckte sichtlich zusammen, da sie ihm zuvorgekommen war, etwas zu sagen und was sie wollte, widersprach seiner Aussage. Sie nickte nur fürs Erste und schluckte nervös, aber Keranel wandte sich gleich daraufhin wieder seinen Engeln zu.

Unsicher stand sie auf nach einer Weile und trat vor Keranel, erklärend: „Ich denke… das ich hier bleiben sollte. Ich werde die Falltür nach unten gehen und unten ausharren, während ihr flieht. Ich… ich meine, ich würde eh nur eine Bürde für euch sein, während der Flucht und…“ Für einen Moment überlegte sie, ob sie die Wahrheit sagen sollte oder lügen, aber dann entschied sie sich die Wahrheit zu sagen. „… Es tut mir Leid, dass ich euch in dies mit hineingezogen habe. Es ist nicht eure Pflicht, sich solcher Dinge anzunehmen.“ Sie schaute deutlich zu Shezariel und Jesaniel als würde dies ihr Argument unterstreichen. Wieder Keranel zugewandt, setzte sie fort: „Ich sollte alleine wieder heruntergehen und jenes Gespräch mit der Frau beenden, während ich schon einmal da unten bin.“ Sie lachte, um es leichtfertig klingen zu lassen, aber bei genauen Hinsehen war deutlich zu sehen, dass sie nervös war.

Josiel
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Re: Kapitel 01: Spuren der Vergangenheit

Beitrag von Josiel » 26.07.2015 - 18:50

Während sie sich langsam vorarbeitete, gab sie weiterhin Berichte über jede Schwäche und Stärke der einzelnen Kreaturen, die sie sehen konnte. Wenn sie hier rauskommen wollten, mussten die Strategen der Schar alle Informationen haben, die sie bekommen konnten, und genau das war ihre Aufgabe. Der Stolz, den sie verspürte als sie dieser Aufgabe nachkam, war in ihrer Stimme nicht zu hören - sie klang ruhig und sachlich. Einzig daran, dass sie mit fester Stimme "sprach" und sämtliche Unsicherheit in der Kirche zurückgelassen zu haben schien, konnte man erkennen, dass sich die Urielitin hier in ihrem Element befand.
*Es sind insgesamt dreizehn, die ich bisher gesehen habe*, schloss sie den Bericht ab. *Der letzte hinterlässt brennenden Schleim, ich bin mir nicht sicher, ob er das auch im Kampf nutzen- was?*
Der letzte Ausruf - wenn auch nur mental - galt der Stimme, die sie vor nicht allzu langer Zeit schon einmal gehört hatte. Wie Pinselstriche lecken was?
*Hier ist dieser Kopf mit dem Mann, der auf den Boden malt*, hörte man sie etwas verwirrt über die Seele der Schar.
*Er faselt irgendwas von Chaos und Ordnung... dass die Zerstörung durch die Traumsaat gleichzusetzen ist wie das Aufwachen nach einem Traum.* Ungeduld schwang diesmal in ihrer Stimme mit, hauptsächlich Ungeduld über sich selbst. Wieso hatte sie sich überraschen lassen? Was hatte er genau gesagt? Vielleicht war das wichtig, und nur weil sie nicht richtig zugehört hatte, waren seine Worte verloren.
Und warum roch es hier wie unten in dem Raum? Prüfend sog sie die Luft in die Nase, aber der Geruch blieb.
*Ich weiß nicht, ob das wichtig ist, aber... es riecht hier staubig und feucht, wie unten in dem Raum. Und seine Stimme hallt, als ob er noch da wäre*, fügte sie noch hinzu, während sie sich flach auf das Dach presste und die Traumsaat im Auge zu behalten versuchte.

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