Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 03.08.2016 - 15:09

Er sah die Verwirrtheit in dem Blick des Ragueliten als seine Hand sich um dessen Arm schloss.
Keranel konnte keine Berührungen ab, aber selbst berühren war für ihn kein Thema denn da hatte er die Kontrolle und konnte bestimmen.
Wenn man ihn berührte entzog man ihm auch die Kontrolle und Kontrollverlust war etwas das der Michaelit nur schwer verkraften konnte.
Aber auch wenn Rafael nun verwirrt über die plötzliche Berührung des goldenen war so hatte er ihn doch ablenken können und beruhigen.
Wer wusste schon was dieser Raguelit in seiner Wut anstellen würde? Vielleicht hatte er mit seinem Verrat die Scharen gerettet, vielleicht auch nicht.
Was man jetzt sicher sagen konnte war das Keranel ein Verräter war und hatte dadurch nicht nur sich in Gefahr gebracht sondern auch seine Schar.
Natürlich es war ein guter Schachzug von ihm gewesen aber zu welchem Preis? Keranel hatte nur eines gewollt seine Schar in Sicherheit zu bringen, sie zu beschützen und am Ende hatte er sie zu Verrätern der Kirche gemacht. Es tat ihm unendlich leid, was war er doch für ein Michaelit.
Doch hatte er es tun müssen um sie zu schützen, in dem er sie zu Verrätern machte beschützte der goldene seine Schar dadurch. Das war so Paradox doch es ging nicht anders.

Als Rafael wegsah blickten die bunten Augen für einen kurzen Moment zu seiner Schar. Er sah das Rumael sich um die anderen Engel bemühte. Er war ihm so dankbar, der große Engel war eine gute Seele um so mehr tat es dem goldenen leid das er ihn mit in sein Verderben zog.
Sein Blick wanderte über seine Engel, kurz schenkte er Josiel ein aufmunterndes Lächeln, sie würden das hier schaffen das sagten seine bunten Augen.
`Halte durch kleine Urielitin.`
Dann trafen die bunten Augen Shezariel, er hatte bemerkt als er berührt wurde und für einen kleinen Moment hilfesuchend nach seiner Schar gesehen, das der Ramielit sich versteift hatte. Doch es lag wieder die gleiche ausdruckslose Maske auf dem blassen Gesicht und das war gut so denn so konnte niemand wissen was in ihm vorging, außer Keranel vielleicht.
Am Ende sah er zu Shariel und auch ihm schenkte er ganz kurz nur ein sachtes Lächeln ehe die bunten Augen sich wieder dem Raguelit zuwandten der ihn erneut ansah.
Ja er tat das alles hier nur für seine Schar und für Beathanel und seine Schar. Das war er dem Rotschopf schuldig.
„Manchmal ist es wichtig das man seine Fehler genau vor Augen gezeigt bekommt und mögen sie noch so groß oder klein sein.“
Nun besiegelte er seinen Verrat denn die letzten Worte die seinen Mund verließen ließen Übelkeit in seine Magengegend verspüren, doch man sah wieder nichts von Außen. „Raguel tut gutes und ich denke es wird nicht lange dauern dann werden sie es alle erkennen.“
Feuereifer lag in den bunten Augen doch plötzlich durchschnitt seine gespielte Entschlossenheit ein Schmerz der durch seine Magengegend und Seite jagte.
Sofort legte der Michaelit eine Hand an seine Seite und verzog das Gesicht, bevor der Raguelit jedoch etwas sagen konnte hob er nur eine Hand. „Schon gut, nur eine alte Verletzung die sich immer noch bemerkbar macht.“

Keranel verbiss sich den Schmerz und atmete tief ein und wieder aus, Jesaniel hatte wohl nicht alles mit ihrer Gewaltheilung beseitigen können. Vielleicht war es auch seine Strafe, für die Fehler und für den Verrat den er hier begann.
Die bunten Augen wanderten zu seinem Ordensbruder als er aus dem Käfig entlassen wurde, Rumael kümmerte sich um den Gabrielit der Schar und wieder einmal war er seinem Streiter des Herrn dankbar für das schnelle eingreifen. Keranel selbst ging auf die Raphaelitin von Beathanels Schar zu und griff dabei in seine Tasche um ein paar Manariegel herauszuholen. Seine durchdringenden Augen fixierten sie. „Verteile sie.“ Er gab ihr vier Manariegel, diese seltsame Masse die sie in Oslo bekommen hatten behielt er erst einmal, er traute dem ganzen nicht. „Ich kümmere mich um deinen Michaeliten, keine Sorge.“ Es lag kein Lächeln auf seinem Gesicht dennoch wirkten die Worte ruhig und ermutigend.
Der goldene wandte sich ab und ging auf Beathanel zu, begann ihn ohne Umschweife eine Hand um den Körper zu legen, dabei immer noch den Schmerz ignorierend der in seiner Seite tobte.
„Komm leg deinen Arm um mich.“ Kam es über seine Lippe und die bunten Augen blickten in die grünen seines Bruders.
Die andere Hand griff nach der Feldflasche an der Hüfte und gab sie Beathanel. „Vorsichtig, kleine Schlücke trinken damit du dich nicht verschluckst.“
Sanft war seine leise Stimme, dann wandte er sich dem Raguelit wieder zu. „Ich danke dir für alles Cousin, aber einmal mehr muss ich dich um Hilfe bitten. Wir brauchen ein Lager wo wir uns ausruhen können. Gibt es fernab von der Stadt eine Möglichkeit sich auszuruhen?“
Der Blick in den bunten Augen wirkte dankbar und bittend.
Keranel hoffte nur das Beathanels Gabrielit nicht durchdrehen würde, immerhin wusste er um die Bedeutung des Flammenschwertes, wusste das es einige Gabrieliten in den Tod trieb wenn sie es verloren. Der zweite Teil der Seele.
Die bunten Augen kehrten zu Shezariel zurück, nur für einen Moment. der in seiner Nähe war, fixierte ihn für diesen einen Augenblick. Sie mussten sich alle unterhalten und planen und vor allem war Keranel allen eine Erklärung schuldig, dann legten sich sein Blick wieder auf Beathanel und beobachtete ihn beim trinken.

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 04.08.2016 - 23:01

Kasiael nahm die Manariegel gehorsam an und nickte nur, blickte furchtsam in die Augen, des fremden Scharführers. Wie konnte ihr Michaelit diesem nur so vertrauen, wenn er solch Worte von sich gab. Besonders die Worte, die er direkt davor gesprochen hatte, liesen die Raphaeliten erstarren und auf ihrem ganzen Körper spürte sie die Gänsehaut. Raguel war alles andere als gut, dass was diese Engel hier taten, war keinesfalls gut. Es war ein Weg in die falsche Richtung. Nur die Tatsache, dass es der einzige Weg nach draußen war, hielt sie davon ab sich wieder zu äußern, stattdessen zwang sich die Raphaelitin lieber auf die anderen Engel zu konzentrieren, versuchte so gut es ging das Gespräch auszublenden. Die Menschen machten nicht alles richtig, das stimmte und man musste ihnen auch zeigen, was sie falsch machten, doch das erlaubte ihnen nicht, alles umzuwerfen, viele Leben einfach zu zerstören. Konnte die Welt danach dann überhaupt besser werden? Still reichte sie den anderen Engel die Manariegel und nahm den Wasserbeutel entgegen, um nun auch selbst daraus zu trinken. Fast schon gierig schluckte sie das Wasser, danach aß sie ihren Manariegel. Kasiael musste zu Kräften kommen, damit zu eine Hilfe sein konnte, alles andere war unwichtig, alles andere musste sie ausblenden, der Zukunft zu liebe.

Beathanel sah wie Keranel und Rumael sich um seine Schar kümmerten und es beruhigte ihn innerlich etwas, lies ihn weiter hoffen, dass sie bald diese Stadt weit hinter sich lassen konnten. Noch einmal lies er den Blick über die anderen Gefangenen schleifen, ehe auch seine Fesseln entfernt wurden. Still rieb er sich die wunden Handgelenke, an denen die Stahlfesseln befestigt gewesen waren und versuchte sich wieder auf seine direkte Umgebung zu konzentrieren alles zu erfassen, was um ihn herum passierte. Doch spürte er, wie es ihm zunehmend schwerer fiel, jedem Gespräch zu folgen. Auch Beathanel wurde es anders, als Keranel so frei heraus Raguels Weg für den richtigen erklärte. "Ich hoffe, dass sie es verstehen werden Bruder", sagte er nur dazu, denn falls Raguel wirklich erfolg haben sollte und immer noch Uneinsichtigkeit herrschen würde, dann würde Raguel sicher nicht vor noch drastischeren Methoden zurückschrecken.
Beathanel bemerkte den schmerzverzerrten Blick Keranels und kam nicht umhin , sich kurz um diesen zu Sorgen. Auch ihm war aufgefallen, dass die Raphaelitin gefehlt hatte. Sie musste wegkommen, komme was wolle. Der dunkelblonde Engel wandte sich ab und ging zu seiner Raphaelitin. Beathanel fasste sich an die Nase und schloss wieder kurz die Augen. Er öffnete sie erst wieder, als der andere Michaelit an seiner Seite stand und einen Arm um seine dürre Körpermitte legte, versank für einen Augenblick in den Augen Keranels, um daraufhin seinen Arm auf die Schulter Keranels zu legen. "Das kommt mir irgendwie bekannt vor", trotz der ganzen Last und dem seltsamen Gefühl der Leichtigkeit in seinem Kopf, oder vielleicht gerade deswegen zuckten seine Mundwinkel leicht nach oben. "Danke Keranel, danke Rafael", fügte er ebenso hinzu und meinte es völlig ehrlich. Immerhin hielt der Raguelit sein Wort. Dann begann er langsam zu trinken, spürte wie das kühle Nass den Schmerz in seinem wunden Hals linderte und seine Lebensgeister etwas weckten. Geräuschvoll atmete er wieder aus als er die Flasche wieder absetzte und lehnte sich etwas mehr auf die Stütze die sein Bruder bot, erleichtert nicht mehr alleine stehen zu müssen. Sein Kopf ruckte zur Wache, als er seine Worte vernahm.
"Das geht in Ordnung", meinte er dazu und hob einen Flügel zwischen seinen Gabrieliten und der Wache, um die Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch Beathanel wusste von der Verbundenheit zu dem Schwert, doch wenn die Ragueliten auch in diesem Punkt ihr Wort halten würden, musste Varkiel sich nur ein wenig länger gedulden. Andererseits wollte Beathanel die Wache gleichzeitig davor abhalten in Aktion zu treten. Er würde nicht zulassen, dass der Raguelit seinen Gabrieliten anfasste.

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 05.08.2016 - 01:13

Rafael schüttelte den Kopf. "Es gibt wenige Orte wie diese in dieser Gegend." In die Richtung seiner Wachstation blickend, fügte er hinzu: "Aber ihr könnt mich zu meinem Wachpunkt zurückbegleiten, wo wir uns zum ersten Mal begegnet waren. Der Ort ist abgelegen genug, um euch etwas Privatsphäre zu bieten."

Die stoische Wache trat zu Rafael und flüsterte ihm etwas zu. Letzterer nickte ernst und deutete Beathanels Schar und Keranels ihm zu folgen. "Das ist das beste, was ich euch anbieten kann.", sagte er sachlich.

Die Engel in den anderen Käfigen wirkten gleichzeitig beunruhigt und unschlüssig wie genau diese Situation zu deren Befreiung führen sollte.

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 06.08.2016 - 12:38

Nur ganz kurz und flüchtig legte sich ein Lächeln auf seinem Gesicht als sein Ordensbruder meinte das es ihm bekannt vorkam. Er zielte sicherlich auf ihre Zeit im Raphaelshimmel an. Doch dann wurde die Miene des goldenen wieder ernster.
Keranel stützte Beathanel und sah zu das er vorsichtig trank, verfolgte es mit seinen bunten Augen.
Er überließ seinem Bruder die Sache mit dem Flammenschwert, zu hoffen war nur das der Gabrielit nicht durchdrehte.

Die bunten Augen sahen das ein Raguelit mit Rafael sprach, leise Worte die er nicht verstand und sicher nicht verstehen sollte. Sie waren hier nur geduldet aber nicht willkommen das war dem goldenen von Anfang an klar gewesen. Er hatte nie aufgehört misstrauisch und auf alles vorbereitet zu sein.
„Danke das wäre sehr freundlich.“ Meinte er auf die Worte des Ragueliten als er ihnen anbot den Weg zu zeigen. Es war nicht optimal und sicher würden sie nicht genug Privatsphäre haben aber der Michaelit hatte gerade keine andere Wahl.
Er sah auch den Blick der Scharen, die Augen die ihn flehend, verwundert und verhasst ansahen. Keranel hatte sein bestmögliches getan um sie da herauszubekommen. Vielleicht hatte er Rafael nachdenklich gemacht, vielleicht würden sie freikommen wer wusste das schon jetzt gerade musste er an seine Schar, Beathanel und dessen Schar denken.
Er würde ihn weiter stützen und hoffen das Beathanel nicht zusammenbrach so war er doch der schwächste Engel im Moment und auch wenn der goldene es nicht durchblicken ließ aber er machte sich große Sorgen um seinen Ordensbruder und Freund.

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 14.08.2016 - 12:49

Beathanels Lächeln verbreitete sich etwas, als er die Erwiderung seines Lächelns sah. Sein Ordensbruder konnte also noch Lächeln, so richtig Lächeln, dass unwillkürlich ansteckte. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment hielt, war ein gutes Zeichen. Auch Beathanels Miene wurde wieder ernst. Er hatte den Flügel wieder abgesenkt und an seinen Körper gezogen. Es fühlte sich ungewohnt anstrengend an sie lange auszubreiten. Zusammen setzten sich in Bewegung. Beathanel versuchte sich nicht allzu schwer auf Keranel zu stützen, auch wenn ihm die Hilfe zusagte, so trug er doch noch ein wenig Stolz in sich, gerade jetzt wo es wieder Hoffnung gab, wo eine Lösung in greifbarer Nähe rückte. Sie durften sich nur keinen Fehler erlauben. Varkiel musste sich nur noch ein wenig gedulden, bis er seine zweiten Teil seiner Seele in Händen halten konnte.
*Halte noch etwas aus Varkiel. Ich bin sicher, sie werden sich an ihr Wort halten*
Die anderen Gefangenen ignorierte Beathanel weitgehend. Er konnte nichts mehr für sie tun, zu mindestens nicht im Augenblick. Er würde versuchen nochmals auf Rafael einzureden, aber erst, wenn sie sich von dem Lager entfernt hatten. Langsam aber stetig liesen sie die Käfige hinter sich und Beathanel grübelte still, während er sich auf Keranel stützte. Eine leise Stimme in seinem inneren, meinte, dass es zu einfach gewesen war. Auch wenn Keranel wirklich überzeugend gewesen war und auch Beathanel in die Worte seine komplette Überzeugungskraft hinein gelegt hatte, so wollte diese Stimme ihm dennoch einreden, dass es ein Hinterhalt geben konnte, dass Rafael doch nicht sein Wort behielt. Dementsprechend unruhig wurde der Michaelit an Keranels Seite, als er mehrere Ragueliten auf sie zusteuern sah. Erst als sie gelandet waren, bemerkte er, dass sie ihre Gegenstände trugen und beruhigte sich ein wenig. Beathanel hatte es versucht zu verbergen, jedoch war es nahezu unmöglich die Anspannung vor Keranel zu verheimlichen, konnte dieser doch das Arbeiten seiner Muskeln spürren. Keranel hatte den Griff etwas gefestigt und wieder lächelte sein Ordensbruder kurz in seine Richtung. Seine Augen schienen zu sagen, 'Wir schaffen das', Beathanel versuchte daran zu glauben und atmete kurz tief durch, versuchte sich wieder etwas zu lockern und brachte ebenfalls wieder ein müdes Lächeln zustande. Jedem seiner Schar wurden ihre jeweiligen Sachen ausgehändigt. Nur das Flammenschwert blieben sie schuldig. Beathanel machte sich kurz los von Keranels Stützte und legte langsam seine Hüfttaschen und sein Schwert an, bedacht keine zu ruckartigen Bewegungen auszuüben, welcher den Schwindel in seinem Kopf verstärkte. Dann blickte er kurz in einer seiner Taschen und stellte erfreut fest, dass seine Blöcke noch unversehrt darin befanden. Kurz zeigte er auch Keranel den Inhalt seiner Tasche. 'Ich habe deine Zeichnungen immer noch', stand in seinen Augen geschrieben.

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 14.08.2016 - 19:32

Er spürte ihre Blicke auf seinem Körper, wie sie sich in sein Fleisch bohren wollten. Ihn brandmarkten als Verräter.
Es war ihm egal sollten sie ihn als Verräter sehen, so lange seiner Schar nichts geschah und dafür würde er sorgen.
Auch wenn er sie jetzt zum Mittäter gemacht hatte aber auch dafür würde der goldene eine Lösung finden.
Er stützte seinen Bruder weiterhin und sah stoisch geradeaus, sein ernster Blick verriet nicht viel über die Gedankengänge in seinem Kopf. Keranel durfte niemandem zeigen was in ihm vorging, sie waren hier im Lager des Feindes, wahrscheinlich dem Hauptquartier und nur durch seine Lügen bewegten sie sich auf dünnen Eis voran und brachen nicht ein.
Die bunten Augen sahen kurz zu Shezariel und dann wieder geradeaus.

Mehrere Ragueliten flogen auf sie zu und sein Ordensbruder begann sich sofort zu versteifen, was nur verständlich war. Keranel festigte den Griff ein wenig als Zeichen das er da war und Beathanel nicht mehr in Gefangenschaft lebte. Die bunten Augen wandten sich seinem Ordensbruder zu und für einen Moment lag ein ermutigendes ehrliches Lächeln auf den Lippen des goldenen welches seine Augen für diesen kurzen Moment zum strahlen brachte.
Beathanel versuchte in seinem entkräfteten Zustand zu Lächeln und der goldene wusste das er es nur für ihn tat weil er ihm vertraute. Der dunkelblonde Engel hoffte das er dieses Vertrauen niemals missbrauchen würde.
Er lockerte seinen Griff und ließ Beathanel vorsichtig los als dieser seine Sachen von den Ragueliten annahm. Keranel sah zu ihm und schmunzelte leicht als er den Zeichenblock sah welchen er ihm am letzten Tag im Raphaelitenhimmel geschenkt hatte. Es lag sogar ein wenig Verwunderung in den bunten Augen. Anscheinend bedeutete er Beathanel sehr viel, das sah man in den grünen Augen. „Das alte Ding hast du noch immer?“
Fragte er ihn leise und das Schmunzeln wurde für einen kleinen Augenblick stärker, dann aber legte sich wieder ernst über Keranels Miene. Sein Ordensbruder hob erneut den Arm damit Keranel ihn stützten konnte und das tat der goldene auch sofort und setzte sich erneut in Bewegung als es Rafael tat.
Keranel hoffte das sie sich alle für diese Nacht ausruhen konnten. Sie brauchten alle Ruhe und das die Ragueliten keinen Überfall planten. Er musste wachsam bleiben.

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 16.08.2016 - 00:24

„Klar, ich fülle auch die leeren Seiten“, meinte er und konzentrierte sich wieder auf das weiterkommen. „Hast du auch noch mein Andenken?“, fragte er leise und war kurz ehrlich neugierig.

Keranel begann wieder leicht zu Lächeln, ein Anflug eines Lächelns. „Warum sollte ich es nicht mehr haben?“
Kurz sahen die bunten Augen zu seinem Bruder ehe er wieder gerade aus sah und die Umgebung im Auge behielt. „Natürlich habe ich es noch.“

Kasiael stellte ebenfalls erleichtert fest, dass alle ihre Sachen noch vollständig vorhanden waren. Sobald sie an dem besagten Ruheort angekommen waren, konnte sich die Raphaelitin um Varkiel und Beathanel kümmern. Zusätzlich musste sie sich um das Proviant fürs erste keine Sorgen machen, denn nun hatten sie auch wieder die Manariegel Rationen von vor der Gefangenschaft. Das einzige Problem war es Beathanel zum Essen zu animieren. Kasiael konzentrierte sich weiter nur auf die Gedanken ihrer Schar und der fremden Schar zu helfen. An die Pläne der Ragueliten wollte sie nicht denken, ebenfalls nicht an die Scharen, die sie ebenfalls zurückgelassen hatten und die weiter leiden würden. Ihr Haarband hatte sie beim Kampf verloren, sodass ihr langes weißes Haar nun dreckig und wild über ihre Schulter fiel. Die vorderen Haare hatte sie hinter ihre Ohren gesteckt.
Unsicher hielt sich die Raphaelitin ihren linken Arm und folgte der Gruppe, dabei hielt sie sich an die Gabrieliten. Sie hatte Rumael kennen gelernt und fühlte sich in seiner Nähe gerade am sichersten. Kasiael konnte sich nicht vorstellen, dass er Keranels Worten zustimmen würde, sollten sie wahr sein. Mit der anderen Hand aß sie einen weiteren Riegel. Eigentlich wusste die Heilerin, dass sie nicht so viel auf einmal essen sollte, jedoch brauchte sie schnellstmöglich die Energie daraus. Egal ob sie am Ende Bauchkrämpfe bekommen würde, weil sie es übertrieben hatte.

Keranel und Beathanel schienen sich gut zu kennen, anders noch sie schienen sich sehr zu vertrauen. Nicht nur das Beathanel sich leicht von dem anderen Michaeliten beruhigen lies, sondern Keranel erlaubte Beathanel sich auf ihn zu stützen. Die Berührung ging zwar immer noch durch den dunkelblonden aus, jedoch konnte er sich aus dem Griff nicht so einfach befreien, sollte doch die Panik ihn ergreifen. ‚Wenn mein Michaelit ihm so vertraut, kann ich ihm dann auch vertrauen?‘, fragte sich die Raphaelitin und war immer noch sehr unsicher.

Beathanel erwiderte das Lächeln wieder kurz und verfiel dann in Schweigen. Es tat gut zu hören, dass ihre Freundschaft immer noch Bestand hatte, ansonsten würde er nicht mehr sein Armband bei sich tragen. Der rotblonde Engel konzentrierte sich auf die riesigen Turmruinen. Wie hoch wohl die Gebäude gewesen waren, als sie noch ihren Zweck richtig erfüllten? Wandte sich dann an die Ragueliten, die in den offenen Stockwerken standen und das entfernen der größer gewordenen Gruppe beobachteten. Es gab keine Anstalten, dass sich weitere Ragueliten auf sie zuhielten, sodass sich Beathanel weiter beruhigte. Mit der Zeit fiel ihm selbst das gestützte Gehen immer schwerer und er spürrte wie seine schon ziemlich geschrumpften Kraftreserven langsam zu neige gingen. Selbst das kleine bisschen was er vor nicht allzu was er zuvor gegessen hatte, vermochte sie nicht wirklich aufzufüllen. Vermutlich hätte er es nicht geschafft, wäre es wirklich zu einem Kampf gekommen wäre, kam ihm der Gedanke und er biss die Zähne zusammen, setzte einen Fuß vor den anderen und musste dennoch immer mehr Gewicht auf Keranel legen. Sein Atem ging immer keuchender und er lies davon ab, sich auf etwas anderes zu konzentrieren als die Bewegung seiner Beine. Es wurde eine einzige Qual für den Michaeliten. Der Blick seiner grünen Augen verloren jegliches Strahlen und wirkten dumpf und leer, während er unfokussiert auf die Sandkörner vor seinen Füßen starrte.

Keranels Gedanken kreisten um das was sie als nächstes tun mussten oder würden. Was ihr nächster Plan war. Sie hatten immerhin eine geschwächte Schar an ihrer Seite und der goldene dachte über ihre jetzigen Möglichkeiten nach.
Beathanels hastiger Atem drang an sein Ohr und sofort wurde sein Griff fester. Keranel wusste das sein Ordensbruder nicht mehr lange durchhalten würde. Die tiefe Sorge in seinem inneren wurde stärker, äußerlich aber blieb er ruhig und sah zum rotblonden Engel. „Nicht mehr lange Beathanel, gleich hast du es geschafft und kannst dich ausruhen.“
Flüsterte der Michaelit mit leiser und beruhigender Stimme. Seine bunten Augen streiften kurz die Gestalt der Raphaelitin, sie war zu schwach und würde ihm in diesem Moment nicht helfen können, sie mussten alle ausruhen. Die bunten Augen kehrten zu Beathanel zurück.
„Dann kann deine Schar und du endlich ruhen.“

Bald, bald konnte noch lange hin sein, dachte Beathanel etwas missmutig. Er könnten ihn doch gleich an Ort und Stelle liegen lassen. Einfach in den Sand legen und schlafen lassen. Ewig schlafen lassen. Durch das nicht allzu weit entfernte Fegefeuer, war es nicht mal wirklich kalt. Es klang gerade sehr verlockend. Alles andere wirkte unwichtig und in weiter Ferne. Nur der Halt seines Bruders, das rauschende Pulsieren in seinen Ohren und die tiefe Erschöpfung waren wirklich präsent in diesem Moment. Beathanel hob das Bein für den Nächsten Schritt und setzte ihn gezogen durch das vorwärts gehen seines Bruders weiter vorne ab. Dann folgte das andere Bein auf stockender Weise. Erst die Erwähnung seiner Schar führte ihm wieder vor Augen, dass er nicht alleine war, dass er immer noch eine Aufgabe hatte. Seine Körper straffte auf eine zitternde Weise etwas und der kommende Schritt folgte wieder etwas motivierter. „Schar...“, wiederholte er leise keuchend das einzige Wort, dass ihn gerade wirklich auf den Beinen hielt. Dennoch legte er den Kopf zur Seite auf seine Schulter, die über Keranels lag, sparte die Kraft für die Beine. Nur seine Augen huschten umher, versuchten die anderen Engel seiner Schar zu sehen. Auch seine Flügel hingen mittlerweile kraftlos herab striffen über den Sand.

„Ja, deine Schar braucht dich Beathanel. So wie du deine Schar brauchst. Sei stark für sie.“
Flüsterte der goldene fast ein wenig sanft und noch immer klang seine leise Stimme ermutigend.
Keranel machte sich große Sorgen um seinen Ordensbruder, er war so kraftlos und jeder Schritt schien eine Qual zu sein.
„Du schaffst das Beathanel, vertrau mir.“
Die Nähe des rotblonden Engels machte ihm nichts aus, Beathanel gehörte zu den Engeln welche ihn berühren durften. Außerdem hatte der goldene gerade die Kontrolle und nicht sein Ordensbruder was ihn auch ein wenig beruhigte. Kontrolle konnte der Michaelit nur schwer abgeben.

Beathanel seufzte und betrachtete aus den Augenwinkel das ernste Gesicht seines Bruders. Der Klang seiner Stimme, die aufmunterten Worte Beathanel musste sich eingestehen, dass er diese sehr vermisst hatte. Die Kraft die von dieser ausging, die Hoffnung die es in Beathanel wachrufen konnte.„Tu… ich...“, brachte er leise heraus und lies sich weiter führen, schloss gar die Augen. Hätte er gekonnt, hätte er mehr gesagt. Er war dankbar, dass Keranel an seiner Seite war, dass er seinen Halt wieder spüren konnte. Im Raphaelitenhimmel hatten sie sich immer gegenseitig unterstützt, ging es Keranel schlecht, hatte sich Beathanel bemüht und anders herum, dennoch war es wohl Keranels Talent zur rechten Zeit aufzutauchen.

„Sshhh...nicht sprechen.“ Beruhigte er seinen Ordensbruder leise und packte noch einmal kräftiger zu falls Beathanel bewusstlos werden sollte, hatte er so einen guten Griff und würde nicht zusammen mit ihm stürzen.
„Wir haben es bald geschafft.“

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 29.08.2016 - 21:11

Während sich die Schar mit Beathanel, Varkiel und Kasiael außerhalb des Käfigs sammelte und sich langsam wieder an die Freiheit gewöhnte, versuchte Rumael, der Schar weiter Hilfe zukommen zu lassen. Als er sah, wie sie aßen und tranken, wandte er dann seine Aufmerksamkeit wieder mehr der Umgebung zu. Der Aushändigung der Besitztümer schenkte er nur wenig Beachtung, er registrierte aber sehr wohl, dass Varkiels Flammenschwert nicht dabei war. Er nahm Blickkontakt zu dem Gabrieliten auf und deutete ihm verstohlen wortlos an, dass er im Fall des Falles eine Waffe von ihm erhalten konnte.

Auf dem Rückweg hing er seinen Gedanken nach. Das Treffen mit den Ragueliten hier war ganz anders verlaufen, als er es noch am Morgen bei ihrem Aufbruch erwartet hatte. Keranels Reden hatten ihn ein wenig verstört und zweifeln lassen, er würde den Michaeliten unbedingt noch danach fragen müssen, wenn sie hier heraus waren.
Alles in allem schien Shariel recht gehabt zu haben, die Ragueliten waren vollkommen durchgeknallt. Aber was hieß das für sie? Raguel zu töten, selsbt wenn sie das wollten, schien ihm in weiterer Ferne denn je.

Er achtete darauf, dass er alle Engel der beiden Scharen sowie Shariel im Blick hatte und so nötigenfalls eingreifen konnte, falls etwas passierte. Die Schar um Beathanel konnte sich kaum selbst verteidigen, und gerade Beathanel selbst bot ein Bild des Jammers. Das musste einem Michaeliten besonders weh tun.
*Falls ich dir helfen soll, melde dich einfach. Bis dahin behalte ich uns und die Umgebung im Auge*, sandte er an Keranel.
Kasiael ging in Rumaels Nähe. Sie kaute auf einem Manariegel herum und hielt sich den linken Arm. „Ich sehe, du willst schnell wieder fit werden“, meinte er mit einem Augenzwinkern, „Ich hätte noch ein wenig Wasser. Dein Arm, hast du dich verletzt?“

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 02.09.2016 - 18:22

Rafael führte die zwei Scharen mitsamt Shariel geschwind zu seinem Wachposten. Der Weg zurück machte klar wie sehr diese Stadt von Ruinen einer Festung glich. Immer wieder sahen sie nun Ragueliten in leeren Gebäuden alleine stehen, welche sich vorher geschickt versteckt hatten und was vorher sich als leblos und nutzlos dargestellt hatte, entpuppte sich als Versteck für Wachen. Was Keranel und die anderen betreten hatten, war weit mehr als ein bloßer Sammelpunkt gewesen.

Wieder am Rand der Stadt angekommen, deutete Rafael der Schar an, dass sie Ruhe in einer Ruine in der Nähe finden könnten. Die Ruine war voll von Glassplittern und alles was geblieben war, waren verbogene, rostende Stahlträger, welche mehrere schiefe, runde steinerne Plattformen übereinander trugen. Es war ein offener Turm von Etagen, welcher wenig Geheimnisse barg, aber von außerhalb auch so wirkte als würde er jeden Moment umkippen und daher würde Rafael leicht immer einen Blick auf die Schar haben, auch wenn er jene nicht hören würde aufgrund der Distanz zwischen seinem Wachpunkt und jenem Gebäude.

Andere Gebäude in der Nähe sahen solider aus, aber deren Fenster und andere Öffnungen enthüllten nur die endlose Dunkelheit im Inneren oder mangels eines Daches zeigten auf ein Inneres, dass zu ruiniert war, um einen Besuch wert zu sein oder wurden von arkanen, alten Maschinen bestimmt, deren Zweck und Bauart schlichtweg fremdartig und gewissermaßen gefährlich auf die Engel wirkte.

Rafael sagte zu Keranel: „Nehmt jenes Gebäude, um zu ruhen. Den kommenden Morgen solltet ihr weiterziehen.“ Er wirkte kühl, nicht feindselig, aber distanziert. Pflicht hatte wieder seine Gedanken übernommen, nun da er wieder war, wo Pflicht ihm geboten hatte zu sein.

Bei dem Gebäude angekommen und sicher stellend, dass Rafael außer Reichweite war, begann Shariel nervös zu sprechen, welcher weitesgehend stumm verblieben war bis hierhin: „Ich habe einen Plan. Wir können Raguel töten…“ Er schaute traurig zu Bheatanel und dessen Schar. „Aber wir müssen die anderen Engel dafür opfern.“

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 08.09.2016 - 23:34

Sie gingen weiter, bis sie bei der Ruinenstadt ankamen. Rumael war skeptisch, der Weg wurde durch herumliegende Trümmer und ähnliches immer schwieriger. Das meiste war zwar beiseite geräumt worden, jedoch schlängelte sich der Weg dennoch noch recht beschwerlich durch die Trümmerteile.
Doch das war für Rumael nicht das schlimmste. Von überall her wurden sie von Ragueliten beobachtet. Unwillkürlich zog der Gabrielit den Kopf ein und blickte sich immer wieder um.
Noch bevor sie richtig drin waren in dem Trümmerfeld, meinte Rumael zu seinem Michaeliten, *Wie sieht es aus, sollen wir langsamer machen?*
Er warf einen vorsichtigen Blick auf Kasiael. „Oh, jetzt müssen wir hier schon unter die Bergsteiger gehen“, meinte er augenzwinkernd zu ihr und wies auf die Trümmerberge.

Kasiaels zugewandtheit blieb nicht unbemerkt. Der freundliche Gabrielit sprach sie an, versuchte die Stimmung hochzuhalten oder besser gesagt etwas anzuheben, denn die Raphaelitin fühlte sich gerade alles andere als wohl in ihrer Haut. Sie verdammte ihre eigene Schwäche, dass sie nicht mehr tun konnte, dass ihre Hände im Augenblick gebunden waren und ihre Ängstlichkeit sie noch zu größerer Untätigkeit trieb. Sie lief nur nebenher und versuchte Kraft zu tanken. "Ja, ich will das tun können wofür hier auf Erden gesandt wurde", antwortete sie leise blickte dabei auf den sandigen Boden vor sich. "Nein, nein meinem Arm geht's gut. Ich fühl mich nur nicht wohl", fügte sie sofort hinzu und blickte erst dann auf. Rumael war so sehr bemüht Mut zu machen. Es tat gut das zu sehen. Still schweigend ging sie weiter konzentrierte sich auf das weiter laufen und blickte hauptsächlich wieder auf den Boden. Die Ragueliten machten sie mehr als nervös, auch der fremde Michaelit, der so frei heraus ihren Glauben verleumdet hatte. Rumael ergiff wieder das Wort und Kasiael blickte ihn mit scheuen Augen an, folgte seinem weisenden Arm. "Ja, ziemlich verfallen antwortete sie lahm und rieb sich nun die leeren Hände. Sie würde warme Hände brauchen, wenn sie ihre Mächte einsetzten wollte, nur so war die Berührungen wirklich angenehm.

Beathanel bekam davon nicht allzu viel mit. Er hielt sich an Keranels Anweisung und blieb still. Nur das keuchende Schnaufen war von ihm zu hören, während er weiter verbissen ein Schritt vor den anderen setzte. Wie gerne würde er wieder die Seele mit seinem Bruder teilen, doch sie beide hatten nun ihre Scharen. Ihre Verantwortlichkeiten. Wieder war Beathanel der schwächere von ihnen beiden, wieder bürdete er Keranel zusätzliche Last auf, so kam es dem rotblonden Michaeliten vor. Seine Augen öffneten sich ein wenig und er blickte wieder seinen Bruder an, sein Sinnbild für Hoffnung.

Keranel sah kurz zu seinem Gabrieliten und nickte dankend.*Das ist sehr freundlich von dir Rumael, ich sage dir sofort Bescheid. Ich danke dir.*
Der Michaelit war wirklich dankbar solch einen hilfsbereiten und mitdenkenden Gabrieliten in seiner Schar zu haben.
Er lauschte dem Gespräch welches Rumael und Kasiael führten. Er hoffte nur er hatte die Raphaelitin nicht zu sehr verschreckt.
*Ja, lass uns etwas langsamer gehen.* Antwortete er seinem Bruder und wurde sofort ein klein wenig langsamer. Er hielt Beathanel fest, so das dieser nicht fallen konnte aber er hörte den rasselnden Atem, der rotblonde Engel musste fast am Ende sein.
Doch sahen die grünen Augen auf und Keranel glaubte so etwas wie einen Hoffnungsschimmer zu sehen. Der dunkelblonde Michaelit erwiderte das Lächeln und sah sich für einen kleinen Augenblick wieder zu Rumael und der Raphaelitin um.

Rumael machte sich ein wenig Sorgen, als Kasiael antwortete, ihr wäre nicht wohl, doch bemühte er sich, nichts davon auf seinem Gesicht sehen zu lassen. Eigentich hatte er erwartet, dass sich in der Schar aufgrund der Freilassung neue Kräfte freisetzen würden, doch offensichtlich war dem nicht so, bei keinem der Engel.
„Raguels Orden ist auch nicht das, was er mal war“, flüsterte er leise zu der Raphaelitin auf ihre Anmerkung hin, so dass es Rafael nicht hören konnte.
Keranel antwortete zustimmend über die Seele und wurde vorne langsamer. Rumael schien es, dass die Engel aus Beathanels Schar dieses durchaus zu schätzen wussten, und auch Rumael selbst konnte nun wieder mehr Zeit zur Beobachtung der sie beobachteten Ragueliten aufwenden, anstatt auf den Weg achten zu müssen. Er fasste das Schwert fester.
Keranel blickte sich zu ihnen um. Rumael bemühte sich um ein Lächeln und nickte dem Michaeliten zu, zum Zeichen, dass alles soweit in Ordnung war. „Beathanel hält sich gut, so wie er vorher ausgesehen hat“, meinte er zu Kasiael, „In dem Käfig hattet ihr wohl keinerlei raphaelitische Versorgung?“

"Nichts außer meiner Mächte", antwortete Kasiael stockend und ihre Hände verkrampften sich leicht, "Leider sind sie nicht unerschöpflich..." Jedoch war es bei Beathanel auch nocht etwas anders gewesen. Er hatte ihre Hilfe oftmals nicht angenommen und sie wusste genau, warum. Er hatte gewollt, dass es ihr gut ging, dass sie bei Kräften blieb, dennoch war es Folter gewesen, genauso wie ansehen zu müssen, wie er sich langsam aushungerte, weil nicht genug für alle da war. Dabei war er sogar ähnlich stur, wie ihre damaliger ramielitscher Freund.
"Und ja er gibt sein bestes...", fügte sie noch hinzu, "Wie seid ihr hier gelandet?"

Rumael nickte auf die Antwort Kasiaels hin. Das war zu erwarten gewesen. Auch die anderen Scharen, soweit er sie gesehen hatte, hatten nicht besonders gut ausgesehen.
Bei ihrer Frage stockte er kurz. „Wir waren auf der Suche. Wir sind an eine Ketzervereinigung geraten, nachdem wir sie ausgeschaltet hatten, konnten wir Shariel“, er wies auf den Ramieliten, „befreien. Dann sind wir weg, haben uns ausgeruht und sind nun hierher gelangt.“ Er hoffte, durch die Menge der Worte zudecken zu können, dass er eigentlich nicht viel gesagt hatte.
Mittlerweile waren sie ein gutes Stück durch die Trümmerstadt gekommen. Die Ragueliten an den Seiten wurden weniger, weswegen sich Rumael ein wenig entspannte.

Es tat ihm leid das sich Beathanels Raphaelitin so unwohl fühlte, die ganze Situation war auch keine erfreuliche außer das sie die Engel befreien konnten.
Rumael sprach wieder auf sie ein und erneut begann der goldene leicht zu Lächeln. Dieser Gabrielit war Gold wert, wie die Menschen sagen würden.
Keranel stoppte ein wenig um Beathanel noch einmal etwas fester zu packen, so das er ihn besser festhalten konnte. Die bunten Augen sahen leicht lächelnd zu den beiden Engeln die sich unterhielten, eindringlich blickte er die Heilerin an.
„Und bald werden wir ausruhen können. Es ist jetzt geschafft, hab vertrauen.“
Eigentlich hatte der dunkelblonde Engel noch mehr sagen wollen doch das wäre aufgefallen.
Dann setzte er sich wieder in Bewegung und sah zu Beathanel.

Kasiael nickte stumm auf die Erklärung Rumaels. Es war wenigstens etwas Glück, dass sie den Weg zu ihnen gefunden hatten, dass wenigstens sie Hoffnung auf Freiheit haben konnten. Vielleicht hatte der Herr ihnen den Weg gebahnt, sie in diese scheinbar von Gott verlassene Stadt geführt. Auch Keranel, der Michaelit, der ihr so unheimlich erschien ergriff das Wort, hielt ihren Blick förmlich fest ergriffen. Sie konnte nicht wegschauen. Doch die Worte die er sprach hatte sie nicht erwartet. Sie waren sanft und wohl gemeint. Kasiael war sich unsicher, wer war der Michaelit vor ihr? Warum vertraute Beathanel ihm blind?
"Ja, ich bete dafür", antwortete sie und auch sie entspannte sich etwas, als die Ragueliten spürbar weniger wurden. "Danke für eure Hilfe"
Erst jetzt konnte sie den Blick abwenden und blickte auch wieder den Gabrieliten an. Entspannte sie sich wirklich, weil weniger Ragueliten zugegen waren, oder vielmehr wegen dieser Zusicherung des Michaeliten. Komischerweiße zweifelte sie nicht an seinen Worten. "Was ist mit eurer heilenden Hand? Ist sie...?"

Beathanel genoss die kurze Stehpause und versuchte das Lächeln zu erwidern. Bald sollte er ausruhen, sonst würde er keinem mehr helfen können. Er musste einfach so lange es ging aushalten. Leicht ächzte der rotblonde, als es wieder weiter ging.

Auf Kasiaels Frage wurde Rumael das Fehlen Jesaniels wieder schmerzhaft bewusst. Traurig blickte er kurz zu Boden, während sie weitergingen.
„Unsere Raphaelitin, sie hat den Angriff auf die Ketzer nicht so gut überstanden. Ich habe nicht genau verstanden, was passiert ist, aber auf jeden Fall ist sie jetzt bewusstlos. Wir haben sie an einem so sicheren Ort, wie man hier nur finden kann, zurückgelassen, unter anderem, um auch Hilfe für sie zu finden. Vielleicht kannst du ja, wenn wir uns ein wenig erholt haben … ?“ Er sah Kasiael fragend an.
Rafael hatte mittlerweile ein bestimmtes Gebäude angesteuert, eine Art Turm, und wies sie an, dort Quartier zu beziehen. Rumael sah sich da Ding aus der Ferne an. Es sah sehr schief aus. „Wird nicht ganz einfach …“, knurrte er.
*Wie sollen wir die anderen dort rauf bringen? Wenn es überhaupt Treppen gibt, sie dürften reichlich schief sein …*, fragte er bei Keranel nach.

Er hörte wie sie über Jesaniel sprachen und versteifte sich ein klein wenig. Sie würden sie holen, niemand wurde zurückgelassen.
Keranel biss sich auf die trockene Unterlippe und sah hinauf zu dem schiefen Turm.
Es würde wirklich nicht ganz einfach werden aber sie hatten keine Wahl.
*Wir haben keine Wahl Rumael. Vielleicht erst alle einzeln hoch und dann die anderen aber das würde zu viel aufruhr geben, nein wir müssen dadurch auch wenn mir das nicht gefällt. Uns bleibt keine andere Möglichkeit.*
Er sah alle Engel an, musterte sie kurz und blickte dann zu Beathanel. "Du schaffst das, es ist ganz einfach wie damals im Himmel, eine Stufe nach der anderen."
"Weiter." Befahl er nach einer kurzen Verschnaufspause und hoffte das er richtig entschieden hatte. Seine bunten Augen streiften für einen Moment Shezariels Gestalt ehe er sich an den Treppenstieg zusammen mit Beathanel machte.

"Ich werde es auf jeden Fall versuchen", antwortete sie bestimmt, auch wenn es ihr selbst elend ging, auch wenn sie ihre Aufgabe nicht zu genüge erfüllen konnte, so durfte sie dennoch niemals aufgeben ihre Aufgabe anzugehen, ihr bestes zu versuchen. Auch die Raphaelitin blickte das Gebäude an, dass ihre Ruhestätte werden sollte. Hoffentlich hielt der Raguelit sein Wort.
Beathanel nickte stumm und hielt sich weiter fest, regte leicht die Flügel. "Danach ruhen...", brachte er heraus und war dann wieder still. Konzentrierte sich auf die letzten Schritte die er tun musste.

Rumael wollte schon anbieten, als erster den potentiell gefährlichen Weg nach oben anzutreten, doch Keranel und Beathanel hatten den Weg schon in Angriff genommen, und in dem kaputten Treppenhaus war ein Einholen oder gar Vorbeidrängelen nicht drin. Rumael runzelte die tirn, blieb unten stehen und achtete darauf, dass nicht zu viele der Engel gleichzeitig auf die Treppe drängten. Er selbst würde die Nachhut bilden.
Insbesondere Kasiael versuchte er noch mit einem Lächeln aufzumuntern, bevor er dann selbst die Treppe in Angriff nahm. Er stürmte das schiefe Ding förmlich hinauf, wollte dort oben auf der Plattform sich sofort eine Übersicht verschaffen. Das war nicht ganz einfach, er musste ständig seine Flügel einziehen um nicht an der Decke anzustoßen oder an irgendeinem herausstehenden Stück hänegn zu bleiben.
Einen Vorteil hatte das Ding, sie wurden nicht nur gut gesehen von den Ragueliten, nein, auch sie konnten von hier aus gut die Umgebung beobachten, was Rumael sofort nach allen Seiten tat.
Während er so von einer offenen Seite des Raumes zur nächsten schritt und die Nase in den Wind streckte, ergriff Shariel das Wort. Ruckartig drehte sich Rumael zu diesem um. Rumael traute seinen Ohren nicht. Doch er hatte wohl richtig gehört, nach den Gesichtsausdrücken der anderen zu urteilen. Der Ramielit wollte ihren „Auftrag“ jetzt noch durchziehen, ohne Rücksicht auf Verluste? Mit einem grimmigen Blick ging er auf Shariel zu. „Was meinst du? Das ganze hier noch schlimmer zu machen, als es sowieso schon ist?“, fragte er in leisem gepressten Ton.
Mit grimmiger Miene hatte er sich bei Shariel aufgebaut, seine Flügel streiften nun an der Decke. Sein Langschwert hatte er in der Hand, es schleifte jedoch am Boden. „Ist das dein Ernst?“

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 08.09.2016 - 23:56

Schritt für Schritt gingen sie die Treppe hoch, Beathanel keuchte heftig und der Michaelit wusste was er von seinem Bruder abverlangte aber es ging nicht anders, oben würden sie sich ausruhen können, aber nicht hier.
„Wir schaffen das zusammen, Beathanel. Immer ein Fuß vor dem anderen. Stütze dich ganz auf mich.“
Keranel passte auf das er keinen Fehlschritt tat denn das hätte ihren Fall bedeuten können, er konzentrierte sich auf jeden Schritt. Oben angekommen seufzte er tatsächlich leise und erleichtert. Die bunten Augen sahen durch den kaputten Raum und tatsächlich erkannte er ein kleines Plätzchen wo sich Beathanel gut ausruhen konnte.
„Komm.“ Flüsterte er leise und ging mit seinem Ordensbruder genau dort hin. Ganz vorsichtig und behutsam half er Beathanel sich zu setzen und wurde ein klein wenig mit gezogen als das Gewicht des jüngeren ihn fast mit sich gerissen hätte in dieser Position. Er hielt seinen Bruder noch aufgerichtet, doch immerhin konnte dieser die Beine schon einmal lang machen. „Warte.“ Flüsterte der goldene und nahm seine eigene Tasche ab, zog dort den sauberen Kriegsrock heraus und legte ihn über seine Tasche, improvisierte so ein Kissen. „Das müsste angenehmer sein.“ Half dann seinem Bruder sich vorsichtig hinzulegen.

Plötzlich hörte er Shariels Worte und diese zogen ihm fast den Magen zusammen. Rumael musste es ebenso ergehen und begann sich dem Ramielit entgegen zu stellen.
Keranel stand auf und ging auf die beiden zu. „Halt.“ Kam es ruhig aber mit dennoch viel Autorität aus seinem Mund. Die bunten Augen wandten sich Shariel zu. „Hier wird niemand geopfert, das lasse ich nicht zu.“ Verlieh er ernst und mit Nachdruck seine Worte. „Du müsstest mich kennen und wissen das ich das niemals zulassen würde.“

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 10.09.2016 - 15:13

Kasiael ging ebenfalls die Treppen hinauf und bemerkte die vielen Glasspiltter die überall auf dem Boden verteilt waren, vorsichtig trat sie über den Boden und hoffte, dass sich keiner daran schneiden würde. Den aufmunterungsversuch von Rumael bemerkte sie und versuchte ebenfalls leicht zu lächeln. Sie waren aus dem Käfig draußen, hatten Essen und Trinken. Es konnte nur noch besser werden. Die heilende Hand musste einfach nur daran glauben. Als sie oben angekommen war blickte sie sich in dem heruntergekommenen Raum um, den sie auserwählt hatten. Sie mussten etwas gegen die Splitter tun, sonst würde sich einer schneiden, ohne zu zögern wickelte sie ihren dreckigen verschlissenen Kriegsrock auf. „Wartet kurz ich kehre die Splitter zusammen“, sprach sie leise und kniete nieder, benutzte den Stoff um eben dies zu tun und alle Splitter in einer Ecke zu sammeln. Erst dann wurde ihr Michaelit, welcher mehr schlaff in den Armen hing als alles andere, in eine sauberere Ecke gebracht.

Es war geschafft. Gleich durfte er ruhen, gleich konnte er kurz die Augen schliesen, aber nur kurz. Der rotblonde Engel musste sich immer noch um seine Schar kümmern. Beathanel wurde langsam hingesetzt und fast wären beide gestürzt, der Michaelit hatte nicht die Kraft, irgendwie zu unterstützen. Schwer atmend sackte er in sich zusammen, sein Kopf hing nach vorne runter, während ein Schweißtropfen seine Nase hinunterrann, und lehnte sich an die Stütze Keranels, wartete bis dieser fertig war und ihn vorsichtig niederlegte. Der rotblonde Engel seufzte erleichtert, als er endlich lag und blickte seinen Bruder dankbar aus halboffenen Augen an.
Langsam schob sich seine Hand über den Boden in Richtung seines Freundes, doch dann erklangen die Worte Shariels und auch Beathanel versteifte sich etwas. Er hatte nicht alles mitbekommen, aber Engel opfern? Was hatte das zu bedeuten? Beathanels Gesicht wandte sich dem Ramieliten zu, der mit dem Rücken zu ihm stand und zitternd versuchte er sich etwas aufzurichten.

Kasiael war gerade dabei sich den Kriegsrock aus ihrer Tasche anzuziehen, als sie ebenfalls die Worte hörte. Zitternd wand auch sie sich um und starrte die fremde Schar an, doch ehe sie reagieren konnte, sprachen Rumael und Keranel deutlich gegen die Worte des fremden Ramieliten.
„Wen willst du opfern und warum wollt ihr Raguel töten?“, mischte sie sich sichtlich verunsichert an und ihre Hand berührte unwillkürlich ihren Dolch. Sie würde nicht zulassen, dass etwas ihrer Schar geschah. Sie würde dafür auch kämpfen, wenn es soweit kommen sollte. Nochmals wollte sie nicht in einem Käfig ohne jegliche Hoffnung enden.

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