Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Das Forum von Keranels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
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Magnetklaue
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Magnetklaue » 04.06.2016 - 23:19

Shezariel reagierte kein bisschen auf die platten Einschüchterungsversuche Samaels. Er wusste das er einen Gabrieliten in seinem Rücken hatte, der wenn es nötig war sehr schnell reagieren konnte.
Die Antwort des Mädchens war allerdings eine, die in ihm einige Alarmglocken schrillen ließ. Dieser Name sollte ihn dazu bringen Samael mehr zu vertrauen? Er lächelte etwas irritiert.
"Oh, ein Bruder von dir", antwortete er schlicht und zuckte kurz mit den Schultern.
"Witzige Sache das."

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 06.06.2016 - 20:33

Das Mädchen hielt inne, versuchend wieder etwas an Ruhe zurückzugewinnen. Kurz schaute sie zu Keranel, aber ignorierte dessen Reaktion und musterte stattdessen Shezariel. Sie wirkte erst irritiert, aber dann wurde sie nachdenklicher.

Etwas unsicher fragte sie: "Du hast... mit Ramiel geredet? Was hat er gesagt?" Zum ersten Mal schien es als gab es etwas, was Samael nicht wusste.

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 07.06.2016 - 12:33

Die Worte gingen in einem Strudel aus Wortfetzen unter, der Geist des Michaeliten wanderte zurück zu einem Ereignis das ihn bis heute noch verfolgte. Glühend heiß war das Eisen das sich auf seine Haut nieder brannte, Zeichen die sich in sein Fleisch brannten und ihn Höllenqualen erleiden ließen. Sie fassten ihn an....ließen ihm keine Möglichkeiten zu entkommen....

Etwas hielt ihn fest, das konnte er spüren, wieder Wortfetzen.....Keranels Atem ging schneller und er zuckte zusammen als sich eine Hand auf seine Schulter legte. Aber die Stimme war nicht die seiner Peiniger sie klang anders....vertrauter..
Skandinavien...das war das einzige was der goldene wahrnahm. Sein Verstand versuchte die Situation zu analysieren, fragte sich in welcher Realität er gerade war? Ob die Schatten ihn in eine Welt rissen die er schon einmal erlebt hatte? Es war so vieles passiert das sich doch sicher alles vermischen konnte. Die ganzen Realitäten....

Keranel kniff die Augen zusammen und griff dann nach der Hand die auf seiner Schulter lag. Er drückte Shariels Handgelenk fest, vielleicht ein wenig zu fest, sogar fast schmerzhaft aber es ermöglichte ihm das Verständnis zwischen dieser und seiner Realität im Kopf zu behalten. Die bunten Augen öffneten sich und der Blick wanderte zum Ramielit der neben ihm war. Fest als würde er ihn mit seinen Augen durchbohren starrte er ihn an, als wäre der Michaelit wo anders nur nicht hier, als befände er sich zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Irrte herum und fand den Ausgang nicht....

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 07.06.2016 - 20:54

Rumael zuckte zusammen und dachte, er hörte nicht recht, als „Samael“ seine anderen Namen und dabei unter anderem den Namen „Morgenstern“ erwähnte. Dessen Anhänger waren Fanatiker, die schlimmsten aller Ketzer, denen Rumael je begegnet war. Und jetzt sollten sie zu so etwas werden? Shezariel, der gerade mit dem Wesen sprach, schien das äußerlich kalt zu lassen. Josiel hatte es mit Sicherheit auch gehört mit ihren scharfen Sinnen.
Rumael blickte zu Keranel. Dessen Ausdruck nach zu urteilen hatte er es auch gehört, und es gefiel ihm genauso wenig. Der Michaelit wurde bleich und schien mit sich zu kämpfen. Shariel eilte ihm besorgt zu Hilfe, und auch Rumael trat besorgt auf seinen Scharführer und auch Freund zu. Shariel wirkte fast panisch, als er auf Keranel einredete. Was hatte der Ramileit auf ihrem Weg hierher gesagt? Sie sollten ihre Gefühle im Zaum halten …
Nah an ihn heran tretend sagte er mit ruhiger und leiser Stimme „Keranel, egal was passiert, wir sind für dich da, und ich werde aufpassen! Hier ist es im Augenblick sicher.“
Besorgt blieb er neben Keranel stehen. Samael, Luzifer, Morgenstern und wie sie alle hießen waren für den Augenblick vergessen, Keranel war wichtiger.

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 07.06.2016 - 22:24

"Keranel?", sagte Shariel erleichtert als jener dessen Arm ergriff. Die Hände des Ramieliten hatten die Schultern dessen alten Freundes fest ergriffen und ebenso fest war seine Stimme als er versuchte den Michaeliten aus dem Morast von dunklen Erinnerungen und Gefühlen zu führen. Aber im nächsten Moment verfestigte sich der Griff auf Shariels Arm. "Keranel!", bat er, die Zähne knirschend. Shariel stöhnte vor Schmerzen, aber seine Hände wanderten nicht. "Keranel!", bat er wieder, aber bekam keine Antwort außer dem starren, leeren Blick einer Hülle, dessen Geist in anderen Gefilden weilte.

"Rumael? Etwas Hilfe wäre willkommen.", erklärte Shariel schroff auf die Hand mit einer Kopfbewegung deutend, welche einen seiner Arme erfasst hatte. Rumael direkt anschauend, erklärte er: "Keranel hat ein nicht ganz so angenehmes Treffen mit den Jüngern des Morgensterns gehabt in der Vergangenheit. Wir müssen ihn von dieser Trance befreien. Hilf mir ihn am Boden zu halten."

Er schaute kurz zu Shezariel und Samael und fluchte leise. Er hatte bereits gelernt, dass die Wahrheit mehr Bürde als Gabe war. Aber Neugier hat schon immer Liebe in jenen gefunden, welche die Bürden dieser Welt unterschätzten. Es erforderte eine besondere Sorte von Demut, bewusst ignorant zu bleiben. Und immerfort wurde die Zukunft von jenen geschrieben, die nicht demütig waren und Freude wurde mit Verzweiflung ausgetauscht zum Wohle einer besseren Welt - mit neuen Bürden. Wahrheit jedoch ist eine Bürde ohne Lohn. Was einmal gelernt, kann morgen schon wieder falsch sein. Was verheimlicht, kann morgen schon zu Allgemeinwissen werden. Und am Ende würde der Horizont sich nicht bewegen und nur neue Alpträume für jene kreieren, die hoffen, jenen je zu erreichen. Nein, Shariel hatte gelernt, was die Wahrheit wirklich war. Und er hatte sich entschieden. Er hatte den wahren Feind gesehen. Lieber die Lügen als die Wahrheit. Lieber Samael als endlose Dunkelheit.

Zurück zu Keranel schauend, festigte sich auch Shariels Griff: "Sie wollten eine bessere Welt, Keranel." Er redete von den Kultisten des Morgensterns. "Sie verdienten eine bessere Welt. Aber was sie hatten war nicht genug für sie. Sie raubten, sie plünderten und sie mordeten. Alles, um die Liebe zu finden, welche sie von Gott nicht bekamen. Und weißt du, was die größte Ironie ist? Samael liebt sie auch nicht. Sie hassen die Welt und die Welt hasst sie. Hast du dich nie gefragt, warum wir die Anhänger des Herrn der Fliegen 'Versuchte' nennen? Was ist die Versuchung?" Shariels Hände ergriffen Keranels Kopf und er schlug leicht seine eigene Stirn gegen die von Keranel. Leise flüsterte er, sodass nur Keranel seine Worte hören konnte. "Aufgeben, Keranel. Das ist die Versuchung. Lieber Verwesung und Zerfall als Erneuerung und Regeneration. Und alles nur - weil es einfacher ist." Shariel pausierte, aber flüsterte dann. "Komm schon, Keranel, wir sind nicht so weit gekommen, um hier aufzugeben..."

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 09.06.2016 - 14:59

Da war wieder eine Stimme die zu ihm sprach. Eine andere, sie war ihm ebenfalls vertraut. Sie sagte etwas von aufpassen,..auf ihn aufpassen. Jemand war da und schützte ihn? Jemand vertrautes sagte ihm sein Bauchgefühl. Aber trotzdem waren die Schatten seiner Vergangenheit noch immer da. Wo war er? Was wollten sie von ihm? Und was würde mit ihm geschehen? Welche Realität war die Richtige? Was war richtig und was war falsch? Wem konnte er glauben und wem vertrauen? Als wäre sein ganzes Denken durcheinander gewürfelt worden, als würde jemand mit seinem Verstand spielen. Waren sie es? Die Morgensterne die ihn immer noch peinigten, ihn folterten und für ihre grausamen Rituale benutzten? Keranel konnte sie spüren, die Wunden die sie ihm zufügten. Ihm ein Zeichen nach dem anderen einritzten und einbrannten. Dabei diese leisen gemurmelten Worte,...ein flüsternder Singsang....

Wo war die Stimme die ihm Sicherheit versprach? Wo war sie hin? Der Michaelit wollte etwas sagen, etwas hinausschreien doch er konnte sich nicht bewegen. Äußerlich starrte er immer noch durch Shariel hindurch, aber als Rumael mit ihm gesprochen hatte, hatte sich für einen kurzen Moment sein Ausdruck in den starren Augen verändert. Als hätte die Stimme des Gabrieliten, die Worte ihn für einen kleinen Augenblick erreicht.
Da hörte er seinen Namen, war es sein Name? Oder gehörte er jemand anderen? War er denn Keranel? Es war so viel geschehen das der Michaelit für diesen Augenblick ein Problem mit der Realität bekam. Seine Identität in Frage stellte. Hände auf seinen Schultern, doch nicht so wie deren Hände die ihn festhielten und zu Dingen zwangen die seinen Verstand vor Angst fast wahnsinnig machten. Vielleicht war er bereits schon wahnsinnig wer wusste das schon? Sein Verstand konnte ihm genau so gut auch einen Streich spielen, etwas zeigen das nie dagewesen war sondern nur in seiner Einbildung, in seinem Wahn existierte.

Der Druck der Hände wurde fester und plötzlich hörte er die Worte die er niemals hören wollte. Der goldene wollte das alles nicht hören, wollte nichts über diese Bastarde erfahren die ihm das Leben so verdammt schwer gemacht hatten. Die ihn verflucht hatten,....seine Seele verflucht hatten. Er spürte einen leichten Schmerz, jemand schlug leicht seine Stirn gegen Keranels und dieser keuchte entsetzte als er die Worte hörte. „Sie wollten eine bessere Welt?“ Flüsterte der Michaelit mit Wut in der Stimme. „Sie haben mich verflucht.“
Schneller als sein verwirrter Verstand es erfassen konnte packten seine Hände zu, schlangen sich um den Hals des Ramieliten und in den bunten Augen legte sich ein kaltes blau das seine Gefühle wieder spiegelte. Angst, Hass, Wut und unendlicher Schmerz. Keranel hasste die Jünger des Morgensterns und wie er sie hasste, sie hatten ihm so viel genommen, ihn so verändert. Der Griff war nicht so fest das Shariel die Luft wegblieb aber es zeigte ganz deutlich seine Gefühlslage. Doch plötzlich erinnerte er sich wer ihn aus den Klauen seiner Peiniger befreit hatte. Nämlich der den der goldene gerade in seinem Griff gefangen hielt. Sofort legte sich Erkenntnis in seinen Blick. „Shariel...“ Schnell ließen die zitternden Hände den blassen Hals des Wissensbewahrers los. Vergrub sie in seine Oberschenkel in den weiß schmutzigen Stoff und sah den Ramielit erschreckt an für ein paar Herzschläge lang, dann ruckte sein Kopf zur Seite als er noch eine Anwesenheit spürte und blickte in das Gesicht seines Gabrieliten, Rumael seinen Freund. „Rumael...“ Was...was hatte er getan? Oder viel mehr was hätte er getan? Schnell senkte der goldene seinen Kopf, schloss die Augen und atmete tief durch. Wenn er nur ein klein wenig stärker zugepackt hätte....
Der Michaelit biss sich auf das innere seiner Wange und versuchte das Chaos in seinem inneren zu ordnen. `Stärke, zeig verdammt nochmal stärke!`
Die Erkenntnis war da, Keranel wusste wieder wo er war, war wieder in der Realität angekommen aber versuchte noch immer seine wirren Gedanken zu ordnen. Verdammt er musste sich konzentrieren!

"Ich gebe nicht auf..." Flüsterte er leise fast wie ein Mantra vor sich hin. "Ich gebe nicht auf..."


Karte:Die Kirche=Nachsicht*

Josiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Josiel » 09.06.2016 - 17:27

Wie Rumael schon vermutet hatte, hatte auch die kleine Urielitin mitbekommen, was Samael zu Shezariel gesagt hatte. Die meisten dieser Namen sagten ihr nichts, doch bevor sie über seine weiteren ketzerischen Aussagen nachdenken konnte, brach Keranel zusammen.
Diesmal lag innerhalb eines Wimpernschlags ein Pfeil auf der Sehne, und er zeigte direkt auf das goldäugige Mädchen. Sicher, sie war nur eine Puppe, doch Josiel war bereit, das zu ignorieren, wenn dies bedeutete, dass Samaels Einfluss auf Keranel geschwächt wurde.
Doch die Worte des fremden Engels ließen sie ihren Bogen senken.
So war das also. Schlechte Erfahrungen, böse Erinnerungen...
Besorgt kam sie näher. Sie würde ihm gerne helfen... aber sie wusste nicht, wie.
Vorsichtig streckte sie ihren Geist aus, berührte den ihres Scharführers.
*Keranel?*, flüsterte sie. *Wir sind hier. Wir sind für dich da.*

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Magnetklaue » 09.06.2016 - 18:47

"Ah, und das würden wir gerne wissen, nicht wahr?" gab Shezariel postwendend zurück und warf die Haare über die Schulter mit einer kurzen, heftigen Kopfbewegung.
"Weil ich ein so netter Engel bin, gebe ich dir sogar eine Antwort, ganz im Gegensatz zu dem Rätselspiel das du hier mit uns Veranstaltest. Ja, ich hab mit Ramiel gesprochen, obwohl ich den Namen Jeremiel bevorzuge. Und er hat mir gesagt ich solle dir die Frage stellen, die ich eben gestellt habe. Und dabei lassen wir es fürs Erste bewenden."

Er atmete tief durch und warf einen Blick über die Schulter. Keranel schien es nicht gut zu gehen und der Ramielit runzelte die Stirn, für einen Augenblick Besorgnis im Blick.
*Keranel, deine Schar ist hier. Das haben sie dir sicher schon gesagt. Du musst keine Angst haben.*
Er wandte seinen Blick wieder Samael zu, stoisch wie zuvor.
*Atme tief ein und aus, ja? Ganz entspannt. Und dann öffne die Augen und schau nach rechts, da ist Rumael. Und nur ein bisschen dahinter ist Josiel. Siehst du, sie sind sofort da um auf dich aufzupassen.*

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 09.06.2016 - 19:37

Er würde Keranel nicht aufgeben. Ohne Keranel machte nichts Sinn. Es gab keine Optionen, Alternativen oder Fluchtwege. Dies musste funktionieren, dachte Shariel verzweifelt. Die verwirrten Augen fanden ihn nicht – auch als seine Worte zu ihm drangen.

Wütend keuchte er die Worte hervor. Verwundert bewegte sich Shariel langsam rückwärts, aber da ergriffen bereits Keranels Hände seinen Hals. Shariel versuchte etwas zu sagen, aber nur ein erbärmliches Krächzen war zu hören. Noch fester und die Hände würden das Genick des Ramieliten brechen.

Aber nie schaute Shariel weg. Tod oder lebendig. Er hatte Keranel hierhergebracht. Dies war nicht Shariels Pfad und er hatte immer gewusst, was dies bedeutete. Natürlich hatte er immer gehofft, dass er länger an Keranels Seite verbleiben würde. Aber wenn dies das Ende war, so war es zufriedenstellender als er erwartet hatte.

Jedoch klarten die Augen des Michaeliten auf plötzlich. Der innere Kampf zwischen Hass und Vernunft war bezwungen wurden. Keranels Hände verließen Shariels Hals und jener fiel sofort hustend und keuchend auf seine Knie. Seine Hände berührten sachte die entstandenen blauen Flecke an seinem Hals.

Als Keranel sein Mantra begann, lächelte Shariel leicht. *Genau.*, sagte er zu Keranel hochschauend als er keuchend auf seinen Knien verweilte, *Wir geben nicht auf.*

__________________________________________________

Samael hörte angespannt zu als Shezariel antwortete. Wieder etwas irritiert bemerkte er die Sticheleien in Shezariels Formulierungen.

„Ich kenne Ramiel besser als du, Shezariel vom Orden Jeremiels…“ Er betonte den Namen, wie um Shezariels Bemerkung zu widersprechen. „Ramiel sagt nie etwas ohne Grund. In den Zeiten vor der Flut hätte man Leute wie ihn Orakel genannt. Seine Worte sind wie Bleigewichte auf den Waagschalen von Schicksal und Freiheit. Und du weißt nie, welche Seite er bevorzugt. Welche es auch ist: Glaub mir, er ist nicht auf deiner oder meiner Seite.“

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 09.06.2016 - 20:35

Shariel bat ihn um Hilfe, doch Rumael war skeptisch, was er Shariel hier helfen konnte, außer beruhigend mit Keranel zu sprechen. Ihn anzufassen hielt Rumael für eher kontraproduktiv. Shariel redete weiter auf Keranel ein, wollte ihm die Jünger des Morgensterns erklären. Sah er denn nicht, dass er damit zu dem Michaeliten nicht durchdrang? Zu allem Überfluss griff er dann auch noch nach Keranels Kopf und stieß mit seinem Kopf dagegen. Das war nicht sehr schlau, und Keranels Reaktion erfolgte prompt. Rumael hielt die Luft an und spannte sich an, als Keranels Hände nach dem Hals des Ramieliten griffen. „Keranel, halt, niemand will dir etwas böses!“, sagte er leise und wollte die beiden schon mit sachter Gewalt trennen, als Keranel wieder von Shariel abließ und schwer atmete.

Rumael war froh. „Du musst keine Angst haben, gerade ist es gut“, meinte er und lächelte, konnte aber nicht alle Besorgnis aus seinem Gesicht vertreiben. Josiel war nun auch zu ihnen getreten, den Bogen in ihrer Hand, aber nicht erhoben. Shariel war auf die Knie gesunken und hustete stark nach Keranels Angriff. Rumael reichte ihm eine Hand, damit er wieder aufstehen konnte, wenn er wieder zu Luft gekommen war.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Magnetklaue » 09.06.2016 - 20:50

"Das hat auch niemand behauptet, mein ausweichender Freund. Nur, dass ich keine Lust habe dir mehr darüber zu sagen was mir gesagt wurde."
Er zuckte mit den Schultern.
"Niemand ist auf meiner Seite, also spar dir dieses Gefasel. Ich habe dir eine Frage gestellt und eine Antwort erhalten und ich habe dir im Gegenzug geantwortet. Aber du hast uns lange Zappeln lassen, bevor du irgendeine Antwort gegeben hast und vielleicht fühle ich mich jetzt danach genauso zu handeln. Also, vielleicht könenn wir uns darauf einigen deutlich und direkt miteinander Informationen auszutauschen, wenn du willst das wir dir helfen, Samael. Und wer weiß, vielleicht funktioniert diese Zusammenarbeit dann ja auch."
Der Ramielit streckte die Arme leicht von sich weg, die Handflächen offen Samael zugewandt und zuckte erneut kurz die Schultern.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 09.06.2016 - 21:35

Er würde nicht aufgeben, er würde nicht aufgeben. Aber innerlich spürte der Michaelit die Schwäche die ihn ergreifen wollte und die viel größer als die Stärke in seinem inneren war. Er war Shariel an die Kehle gegangen, hatte gefühlt wie wenig Kraft es brauchte um ihm das Genick zu brechen. Ihm seinen ältesten Freund. War er denn noch nützlich? Wollte man einem wahnsinnig gewordenen Michaeliten denn noch vertrauen? Waren sie nicht besser dran ohne ihn?

Plötzlich hörte er eine zaghafte Stimme. Josiel? Es war die Stimme seiner Urielitin und zwar im Geiste. Immer noch hatte er die Augen geschlossen aber lauschte ihren Worten. Sie waren hier und für ihn da....
Sofort erinnerte sich der goldene an ihre Abmachung dem jeweils anderen zu helfen mit seinen Ängsten umzugehen. `Tapfere kleine Urielitin.`
Aber es war nicht die einzige Stimme die ihn erreichte, auch Shezariel tat es und sofort tat der Michaelit was er ihm sagte. Atmete tief ein und wieder aus, versuchte sich zu entspannen nur auf seinen Atem zu hören und die Muskulatur wurde tatsächlich ein klein wenig entspannter.
„Wir geben nicht auf...“ Wiederholte er Shariels Worte die ihn ebenfalls im Geiste erreicht hatten.

Die bunten Augen öffneten sich, er sah zu Rumael und nickte ihm zögerlich zu. „Keine Angst haben...“ Wiederholte Keranel leise und dann sah er zu Josiel, die ebenfalls bei ihm war. Seine Schar, sie war hier und stand ihm bei. Sein Blick kehrte zu Shariel zurück und dort sah er wie dieser noch nach Luft rang. Das war eindeutig er gewesen. *Verzeih mir Shariel*. Berührte er den Geist des Ramieliten zögerlich. In seinem Blick lag eine Entschuldigung, das hatte er alles nicht gewollt.

Jetzt wo der Michaelit wieder klarer sah da erkannte er das Shezariel mit Samael sprach, er lauschte den Worten der beiden einen Moment. Fasste sich dann, atmete tief durch und stand auf. Es half nichts wie ein kleines Kind in der Nacht Angst zu haben. Das würde sie alle nicht weiterbringen. Er musste fokussiert auf seine Aufgabe bleiben. Doch innerlich war er seiner Schar mehr als Dankbar, denn sie hatten ihn wieder zurückgeführt auf einen Weg den er fast schon vergessen hatte.
Keranel kam auf Shezariel zu und stellte sich neben ihn. „Shezariel hat recht, wir müssen zusammenarbeiten sonst klappt das alles nicht. Das beste ist wenn wir jetzt alle aufbrechen. Wir waren lange genug hier den Wahnsinn ausgesetzt. Suchen wir Raguel bevor ich durchdrehe.“ Keranel wirkte noch ein wenig fahrig doch der alte ruhige ernste Blick des Anführers war wieder in seine bunten Augen zurückgekehrt.
*Danke Shezariel*. Sandte er seinem Ramielit zu, er war ihm so dankbar das er alles regelte, wie gut das man ihm doch einen sehr kompetenten Engel Jeremiels an die Seite gestellt hatte. Wie gut das man ihm diese Schar gegeben hatte und wie ein Wunder war es das er Shariel seinen alten Freund wiedergefunden hatte.

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 09.06.2016 - 22:18

Shariel ergriff Rumaels ausgestreckte Hand und ließ sich hochziehen. Ihm dankend zunickend, erwiderte er währenddessen zu Keranel: Es gibt nichts zu vergeben, Keranel. Ich vertraue dir.

Immer noch hustend ab und zu, wandte auch er sich dem Austausch zwischen Shezariel und Samael zu. Beim Anblick der Szene konnte man klar die Unsicherheit auf seinem Gesicht geschrieben sehen. Shezariel hatte bis jetzt ihn noch nicht als einen Ordensbruder behandelt. Dazu noch die schroffe, riskante Art wie er mit Samael umging und Shariel fürchtete, dass jener Ramielit ihn womöglich hasste. Nicht dass er es ihm verdenken konnte. Was Shariel repräsentierte war nahezu alles, was der durchschnittliche Ramielit meiden sollte. Aber er war auch in gewisser Weise neidisch als er die Zufriedenheit in Shezariel wahrnahm als jener so ungestüm mit Samael verfuhr. Es erinnerte ihn daran wie viel einfacher Dinge gewesen waren, bevor Samael ihn unter seine Fittiche genommen hatte.

Still verbleibend und sich nicht von der Stelle rührend, schaute er einfach nur zu als Keranel zu dem Austausch dazustieß.

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Immer noch irritiert, begann Samael hitzig zu erwidern: „Du verstehst nicht, was hier auf dem Spiel steht und wir haben nicht die Zei-“

Samael wurde von Keranels Ankunft unterbrochen, welcher den Austausch zu einem gewissen Ende brachte. Die goldenen Augen des Mädchens wanderten langsam von Shezariel und schauten Keranel an. „Wahnsinn ist nicht immer die Ablehnung von der Realität, manchmal ist es die Anerkennung jener. Was für dich Schritte zum Wahnsinn sind, sind tatsächlich nicht mehr als der Preis, welchen man für die Wahrheit zahlt.“

Kurz wandten sich die goldenen Augen zu Shariel. „Shariel wird euch führen.“, sagte Samael monoton. Wieder Keranel anschauend, setzte er fort: „Vergiss nicht, Keranel, Sohn Michaels: Raguel ist nicht auf deiner Seite. Vergesse nie: Wir versuchen diese Welt zu retten. Lasst euch nicht von diesem Pfad abbringen.“

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