Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

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Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 24.06.2016 - 20:44

"Gott ist... mein Großvater, Keranel vom Orden Michaels.", erwiderte Rafael mit Verwirrung in seiner Stimme.

"Aber-", räumte er nachdenklich ein, "dies ist mehr eine weltliche Hierarchie und metaphysisch gesehen sind wir alle Kinder Gottes." Er schaute Keranel direkt an. "Stimmst du dem zu?"

Trotz der kriegerischen Erscheinung wirkte der Raguelit mehr interessiert an jener Idee in dem Moment als an der gegenwärtigen Situation. Tatsächlich lockerte sich sein Griff um seinen Speer wie Keranel klar sehen konnte.

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 24.06.2016 - 21:10

Verwirrung in der Stimme, dem Michaeliten kam es immer unwahrscheinlicher vor das dieser Engel böse Absichten hegte. Hätte er ihn dann nicht schon längst umgebracht? Vorsicht, er sollte nicht zu nachgiebig werden, ein Gespräch war gut, besser als Kampf aber trotzdem sollte Keranel den anderen Engel nicht unterschätzen.

Er lauschte den Worten des Ragueliten und nickte dann bei der Frage, auch das sich die Lanze in den Händen des Engels gelockert hatte.
„Ja dem Stimme ich zu Bruder. Wir sind alle Kinder Gottes.“ Ein ganz sachtes Lächeln legte sich auf das leicht von Asche beschmutzte Gesicht des Michaeliten.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 24.06.2016 - 21:22

Und wieder wirkte der Raguelit verwirrt. "Dann solltest du Zuflucht an einem anderen Ort finden, Cousin. Glaub mir, dieser Ort gehört den Ragueliten. Und vergib mir für diese Bezeichnung: Du und deine Schar wären Eindringlinge, wenn ihr in diese raguelitische Zuflucht treten würdet." Es war klar, dass sich Rafael unwohl fühlte, Keranel derartig abzuweisen, aber er sagte: "Ich könnte dir Richtungen geben für eine andere Oase in der Nähe."

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 24.06.2016 - 21:46

Keranel seufzte schwer und in seinen Augen legte sich der Ausdruck von Enttäuschung. „Du willst also sagen das wir den ganzen Weg umsonst gegangen sind?“
Der Michaelit sah das der Raguelit sich unwohl fühlte, anscheinend besaß der Engel doch ein freundliches Wesen.
„Wir können Raguel nicht treffen? Wir hatten uns Antworten erhofft wenn ich ehrlich bin.“ Leicht lag in den bunten Augen Verzweiflung.
Keranel wusste immer einen Weg, es gab kein er wusste nicht mehr weiter aber so langsam spürte der Michaelit wieder diese innerliche Erschöpfung die sich auch nach außen hin offenbarte.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 24.06.2016 - 22:41

Rafael war ein Wächter über alles andere in jenem Moment. Die persönliche Art wie der Michaelit über Raguelit sprach verstörte ihn mehr als das sie ihn beruhigte. Sollte dieser gottverlassene Ort nicht ihr Versteck gewesen sein? Woher war dieser Michaelit gekommen? Und was wollte er?

Einen Schritt zurücktretend und die Lanze wieder fester ergreifend, erwiderte Rafael knapp: "Es tut mir Leid, Cousin, dass du diese Reise angetreten hast. Aber derzeitig empfängt Raguel keine Besucher - gleich wie nahe sie ihm stehen." Der Ton war schroffer geworden und das Misstrauen gegenüber dem Michaeliten war gewachsen.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 25.06.2016 - 13:36

Keranel hatte einen wunden Punkt getroffen, anscheinend war das wissen um Raguel geheim. Das war gut und gleichzeitig schlecht denn der Raguelit vor ihm wich zurück Eben noch hatte der Michaelit geglaubt das er ein wenig vertrauen gefasst hatte doch das war ein dünnes Band und Keranel musste etwas tun damit es nicht zerriss.
„Verzeih mir, ich wollte nicht so direkt sein aber ich sah einfach keinen Ausweg mehr.“
Der Michaelit musste einen Schritt weitergehen auch wenn er riskant war aber das hier war wie Schach spielen und um zu gewinnen musste man etwas wagen.
„Verstehst du? Von der Kirche verraten und allein gelassen. Ich hatte geglaubt das er mir helfen würde. Auch wenn ich kein Raguelit bin so sind wir doch alle Kinder Gottes.“
Seine Stimme klang entschuldigend, aber gleichzeitig weich, es war ganz klar herauszuhören das er dem Raguelit nichts böses und das er ihm keine Unannehmlichkeiten bereiten wollte.
Keranel seufzte schwer und schüttelte den Kopf. „Wie auch immer, ich möchte dir keine weiteren Umstände bereiten Cousin, es war sehr freundlich das du mir zugehört hast. Kannst du mir den Weg zur nächsten Oase verraten, das wäre sehr freundlich von dir,..wir brauchen dringend Ruhe.“
Keranel würde sich mit seiner Schar beraten müssen was ihr nächster Schachzug war.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 25.06.2016 - 20:39

Die Haltung des Ragueliten verblieb abweisend bis Keranel davon zu reden begann wie die Kirche ihn und seine Kumpanen verraten hatte. Mit Mitleid beobachtete er den Michaeliten und fühlte sich klar im Zwiespalt, ob seine Pflichten als Wächter oder sein Mitgefühl für diesen Engel wichtiger waren. Als Raguelit hatte er frühzeitig den Preis von Geheimnissen, die man bewahren oder entdecken wollte, erfahren. Aber die anderen Engelsorden, selbst die Ramieliten, fanden in ihrer Ausbildung eine Welt, die auf eine bestimmte Weise funktionierte - frei von Zweifeln, Rätseln und der grauen Vermischung von Gut und Böse im Alltag. Aber genau dies war, womit sie auf ihren Missionen konfrontiert werden Tag ein und Tag aus.

Der Raguelit seufzte: "Ich kann dich zu einem Wasserloch innerhalb unseres Lagers führen und dir Proviant für die Weiterreise." Rafael lächelte freundlich. "Es ist das mindeste, was ich für dich und deine Schar tun kann. Die Kirche hat sich als ein alter Mann ohne Zukunft entpuppt. Schrottbarone, Traumsaat, Versuchte: Wir sind umzingelt. Und was macht die Kirche? Beginnt eine waghalsige Invasion von Britannien! Es ist Zeit für den Gnadenstoß und eine neue Führung in der Kirche. Eine, die Probleme löst, anstatt nur neue Brandherde zu kreieren." Der Raguelit nickte energisch mit Leidenschaft in den Augen als er sich nach der kleinen Sprache zum Gehen wandte und Keranel samt seiner Schar ihm zu folgen andeutete.

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das 5. arkanum: der kardinal
Aufrechte Bedeutung: Moral
Neue Möglichkeiten, Mut, Ekstase, Kreativität, Risikobereitschaft, Vertrauen, Wahlfreiheit, Abenteuer

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 05.07.2016 - 20:33

Rafael wirkte weder überrascht noch unsicher als die anderen Engel sich zu Keranel gesellten. Mit ruhigen Schritten führte er die Gruppe in die Geisterstadt von stählernen Türmen und gläsernen Skulpturen, deren Fenster längst zerschlagen wurden waren. Verwitterung und Traumsaat hatte an der Schönheit jener Architektur schon seit langem genagt. Und Rost tat den Rest.

Nach etwa einer halben Stunde sah die Schar die ersten Anzeichen von Leben. Engel saßen in den Gebäuden. Sie trugen graue Röcke und andere Zeichen des Ordens der Ragueliten. Wie Krähen saßen sie erhöht in den Ruinen und starrten die Gruppe von Neuankömmlingen an. Bei genauerem Hinsehen zeigten alle Ragueliten Spuren von Kämpfen. Narben, fehlende Gliedmaßen und schlichte Verbände, die Wunden verbargen, welche tödlich für normale Menschen gewesen wären: Diese Ragueliten waren Soldaten und sie hatten Krieg hautnah erlebt. Tod hatte sich von einer Tragödie in eine Gewohnheit verwandelt. Leben war ein Luxus für sie geworden.

Dementsprechend bitter war der Empfang als Rafael die Engel in das Lager führte. Bevor Rafael die Gruppe warnen konnte, flog ein großer, sogar älterer Engel zu der Gruppe und landete vor Rafael einschüchternd. Falten waren im rundlichen Gesicht des Engels zu sehen, besonders unter dessen Augen. Seine Augen wankten argwöhnisch von einem Engel zu dem anderen.

„Sie sind hier nicht erlaubt, Bruder Rafael.“, erklärte der größere Engel abfällig, seine Hand bedrohlich auf sein Schwert legend.

Rafael gestikulierte zu den anderen Engeln, dass sie still bleiben sollten. „Ich bringe sie nur zu unserem Brunnen. Sie brauchen Wasser und Proviant für die Weiterreise.“ Etwas vertraulicher im Ton fügte er hinzu: „Sie fliehen von der Angelitischen Kirche. Sie brauchen unsere Hilfe.“

Der ältere Engel nickte verstehend Rafael zu und wandte seinen grimmigen Blick Keranel und den anderen zu: „Weshalb verfolgt euch die Kirche?“

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 05.07.2016 - 21:57

Keranel kam sich ein wenig seltsam vor diesen freundlichen Bruder so auszunutzen. Aber er sah im Moment keine andere Möglichkeit, er musste ein wenig Ruhe finden um sich mit seiner Schar zu beraten.
Der Michaelit hob seine Waffen wieder auf und befestigte sie. Er gab seiner Schar ein Zeichen mitzukommen.
*Egal was ich sagen werde, vertraut mir.*
Kam es kurz über die Seele der Schar und er klang ernst dabei, der goldene wusste das seine Schar ihm vertrauen würde doch wer wusste schon was für Entscheidungen er noch treffen musste? Das letzte was er wollte war eine Eskalation.

Schweigend betrachtete der Michaelit die Überreste der Gebäude und machte sich seine Gedanken, versuchte sich vorzustellen wie das alles hier ausgesehen haben musste. Es wirkte alles so trostlos, passte ja perfekt zu dem Bild welches Skandinavien ihm bisher gezeigt hatte.
Ein paarmal sah der goldene Shezariel an, der Blick verharrte nie kurz nur ein paar Herzschläge lang. Keranel war zwar ein recht gefasster Michaelit aber bei den ganzen Ragueliten konnte er nicht anders als zu staunen. Er unterband es immer sofort doch war das nun mal kein gewöhnlicher Anblick für den goldenen, vor allem weil ihm die Kirche eintrichtern wollte das die Ragueliten alle gefallen waren und anscheinend hatten sie ihn auch dahingehend belogen.

Plötzlich versperrte ihnen ein anderer Engel den Weg und Keranel blieb ruhig, er ließ seine Hand erst gar nicht zur Waffe wandern auch wenn ihm Rafael ein Zeichen gab nichts zu tun. Der Michaelit wollte keine Eskalation.
Keranel stellte sich jedoch schützend vor seine Schar und sah den älteren Ragueliten an der ihnen eine Frage stellte.
„Wegen mir.“ Kam es über seine Lippen und in den bunten Augen spiegelte sich ein verzweifelter Michaelit wieder.
„Ich habe eine Entscheidung gefällt die die Kirche nicht als richtig angesehen hat und wie bestraft man einen Michaeliten? Richtig man bestraft seine Schar.“
Verbitterung lag in seiner Stimme. „Ich...will sie nur beschützen, die Kirche soll sie nicht bekommen und mich auch nicht, sie sollen meiner Schar nichts tun eher sterbe ich.“
Teilweise war es die Wahrheit die der Michaelit dort sprach, er würde für seine Schar sterben und in den Augen der Kirche hatte Keranel auch einen Fehler begangen, nur es musste ja keiner wissen das die Kirche diesen Fehler nicht wusste.
Keranel seufzte schwer und rieb sich über sein rußverschmiertes Gesicht. „Verzeih mir, ich wollte nicht ausfallend werden aber wir sind müde und erschöpft.“

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 07.07.2016 - 23:21

Während Keranel mit dem Ragueliten redete, wurde Rumaels Hand am Schwert immer schweißnasser. Er blickte zu Shariel, als dieser ihn fragte, was sie machen sollten, falls Keranel angegriffen wurde. Ihn rächen und selber dabei draufgehen wohl, dachte Rumael grimmig, erst auf Shariels zweiten Vorschlag antwortete er vorsichtig.
„Hm, einen Hinterhalt vorzubereiten wird schwierig. Wir kennen uns nicht aus, die anderen sind hier zu Hause und haben sicherlich Vorkehrungen getroffen und wir stehen wohl schon unter Beobachtung. Was dann wieder gut ist, denn das heißt, die anderen hier haben uns noch nicht direkt angegriffen, obwohl sie wissen, dass wir hier sind“, brummte Rumael, länger und ausführlicher, als er eigentlich vorgehabt hatte. Aber so reagierte er unterbewusst, um auch sich selbst Mut zuzusprechen.

Sie waren nah genug am Geschehen, dass sie mit etwas Anstrengung das Gespräch zwischen Keranel und dem anderen Engel hören konnten. Er runzelte die Stirn, als Keranel davon anfing, dass sie hierher gekommen waren, um Rat und Erholung zu suchen. Fragend blickte er zu den anderen, ließ seinen Blick über Shezariel, Shariel und zum Schluss Josiel gleiten, um zu ergründen, wie sie darüber dachten. Insbesondere auf Josiel ruhte sein Blick lange.
Er wusste nicht, wie Keranels Strategie auf sie wirken würde, auch wenn er Keranel vertraute, die richtigen Mittel zu wählen. Sie mussten ihre Vorteile nutzen, hatten sowieso so wenige, auch wenn diese Art nicht besonders angelitisch war.

Als die Mitglieder der Schar zu Keranel gerufen wurden, stand er auf, wartete, bis die anderen ein paar Schritte voraus waren und bildete dann die Nachhut. Er achtete darauf, alles im Blick zu haben.
Bei den anderen angekommen, nickte Rumael Keranel ganz leicht zu, zum Zeichen, dass er ihn unterstützen würde in seinem Tun. Ihm war jedoch etwas unwohl dabei, den eigentlichen Auftrag, Raguel oder wen auch immer zu töten, war durch die Annahme der Gastfreundschaft nun ein Tabu.

Er hoffte, dass er sich von seinen Gedanken nichts anmerken ließ, winkte die anderen Engel nach vorne und stellte sich neben Keranel, wobei er sich mühte, nicht zu grimmig zu wirken.

Josiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Josiel » 12.07.2016 - 19:02

Josiel beobachtete Keranel und seinen Gesprächspartner aufmerksam, den Bogen an ihrer Seite. Auf Shariels Frage nach einem Hinterhalt schüttelte sie nur stumm den Kopf, ohne den Blick abzuwenden. Dazu waren sie zu weit weg. Aber sie ging nicht davon aus, das Keranel Gefahr drohte. Der Goldene wusste, wie man ruhig auf Leute zuging, und auch, wie man sich notfalls wehrte.
Ihr Gesicht blieb weitestgehend passiv, während sie Keranels Gespräch lauschte. Einzig, als er meinte, sie wären von der Kirche verraten und alleingelassen worden, runzelte sie leicht die Stirn. Sicher, der Kardinal war mehr als merkwürdig gewesen, aber Verrat?
Dennoch sagte sie nichts, auch als Keranel die Schar heranwinkte folgte sie stumm den anderen, wachsam in dieser scheinbar von Gott verlassenen Gegend - wenn auch nicht von seinen Erzengeln. Unruhig raschelte sie mit den Flügeln, versuchte, etwas die verkrampften Schultern zu entspannen, und warf sehnsüchtig einen Blick in den Himmel Aber noch war nicht die Zeit, um wieder die Schwingen auszustrecken und frei zu sein, wie sie es nur in der Luft sein konnte.
Als sie zu dem Lager der Ragueliten aufbrachen, spürte die Urielitin den Kitzel der Aufregung. Ob hier wirklich einer der Erzengel auf Erden wandelte? Wenn ja, wie war er wohl? Was tat er hier? War er - hier bekam die Aufregung einen kleinen Dämpfer - genauso merkwürdig wie Samael?
Aber bevor sie das erfahren konnte, erreichte sie Keranels Ansage. Etwas verwirrt blickte sie zu den Engeln, die sie im Lager sehen konnte. Was wollte Keranel denn sagen, dass sie ihm nicht vertrauen würde?

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 12.07.2016 - 21:33

Shariel lag versteckt hinter dem Sandhügel und hörte Rumael zu als jener seinen Plan für den Notfall erklärte. Ernst nickte er sein Einverständnis und machte sich wieder daran, Keranel und dem Ragueliten seine Aufmerksamkeit zu schenken. Nach einem kurzen Austausch bat Keranel ihn und die anderen sich zu ihm zu gesellen. Ich hoffe, du weißt, was du tust, Keranel, dachte Shariel nervös und begann als erster sein Versteck zu verlassen und trat dann mit dem Rest der Schar an Keranels Seite.

Die Ruinen wirkten einschüchternd auf Shariel. Der Technologieverbot war ein Verbot dieser ganzen Kultur gewesen - und hier saßen die Ragueliten auf deren Ruinen als fühlten sie sich hier zuhause. Er schluckte angespannt. Sein Wissen über die Ragueliten war begrenzt, aber er wusste genug, um nicht überrascht zu sein, so viele Engel eines angeblich "gefallenen" Ordens hier anzutreffen. Die höchste Tugend der Ragueliten war schon immer das Bewahren von Geheimnissen gewesen. Allein schon, dass sie ab einem bestimmten Zeitpunkt aufgehört hatten, deren Einsichten in vorsintflutliche Technologie mit Ramieliten zu teilen... Petrus Secundus war wahrscheinlich der einzige, welcher wusste, was die Ragueliten hier im Norden machten - und das war seine optimistische Einschätzung.

Als der neue Engel sie plötzlich konfrontierte, gefror Shariel. Nicht nur weil die Situation sie unter Druck setzte, sondern es überraschte Shariel auch wie alt jener Engel war. Er hatte immer angenommen, dass Engel geläutert wurden, weil deren fleischliche Hüllen nicht länger tauglich sein würden nach dem 20. Lebensjahr oder sowas in der Art. Aber hier stand ein Engel, der das Gegenteil bewies. Der Hauch verbotener Technologie und begrabener Vergangenheit lag in der Luft.

Der Raguelit schaute Keranel direkt an als jener erklärte, warum die Schar hier war. Sein Blick wirkte durchbohrend und kritisch als er auf das Ende von Keranels Ende wartete. Die Rede war nicht die ganze Wahrheit gewesen, aber das eine oder andere Wort war doch im Sinne der Wahrheit gefallen. Der ältere Engel trat zurück und sagte zu Keranel: "Die Welt ist klein geworden für jene, die Schutz vor der Kirche suchen. Möge Gott euch den Weg bereiten, den ihr sucht." Und mit jenen Worten wandte sich der Engel ab und ließ die Schar zurück mit Rafael.

Rafael schaute zu der Gruppe und sagte nur: "Folgt mir."

Der Raguelit führte sie durch Gassen dieser stählernen und gläsernen Ruinen in denen hunderte von Ragueliten Zuflucht zu finden schienen. Letztendlich kamen sie zu einem großen Platz auf dem mehrere Kathedralen Platz gefunden hätten. Es war ein weites Feld in dem mehrere Zelte zu finden waren, in welche verletzte Ragueliten gebracht wurden. Aber auf dem Platz fanden sich dutzende, metallene Käfige mit Engelscharen darin, die nach deren Aussehen dort schon eine Weile gefangen halten wurden.

Aber Rafael führte die Gruppe, ohne irgendetwas davon zu erklären zu einem schlichten Brunnen. Zu Keranel und den anderen gewandt, sagte er unbesorgt: "Wie viele Wasserbehälter habt ihr?"

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 13.07.2016 - 12:07

„Zu klein.“ Antwortete er leise aber verständlich als sich der Raguelit in den Himmel erhob und meinte diese Worte tatsächlich ernst.
Keranel sah dem Engel noch kurz zu wie er sich erhob und nickte dann Rafael zu, folgte diesem.
Er dachte ein wenig über die Ragueliten hier nach, es war eigentlich schon purer Wahnsinn überhaupt an sie zu denken, geschweige denn das er vor ihm einen hatte. Gefallener Orden...aber vielleicht sollte er erst einmal nicht darüber nachdenken sondern seinen Weg fortsetzen und aufmerksam bleiben, es durfte ihm kein Fehler geschehen seine Schar würde sonst dafür bezahlen müssen und das hatte der Michaelit nicht vor, nur über seine Leiche.

Keranel musterte den Platz ein wenig und als er die Metallkäfige sah da gefror ihm fast das Blut in den Adern. Darin waren Engel gefangen und der Michaelit glaubte ganze Scharen zusehen.
Er schaffte es aber es kostete ihn mehr als Willenskraft nicht dorthin zu rennen und sie zu befreien. Sein Blick auch wenn er sich irgendwie taub und schlecht fühlte nichts tun zu können, wanderte kurz über die Scharen dann wieder geradeaus. *Ruhig bleiben.*Kam es über die Seele der Schar. *Wir sind hier.* Falls jemand doch die Worte hören konnte so konnte es vieles bedeuten.
Als sie den Brunnen erreichten musterte der goldene seinen raguelitischen Bruder.
„Zwei.“ Kam es nur von ihm und gab Rafael seine Feldflasche, ging dann zu Shezariel und ließ sich seine Feldflasche geben. Dabei sahen sich die beiden kurz in die Augen, gesellte sich dann wieder zu Rafael, doch vorher wanderte sein Blick noch einmal über die anderen Engel und blieb bei Shariel hängen, erst danach kehrte er zu Rafael zurück.
„Was haben sie gemacht?“ Fragte Keranel mit gerunzelter Stirn leise und sah zu den Käfigen, sein Blick sah dabei ein wenig misstrauisch und zugleich abfällig aus. Es tat ihm innerlich so leid aber wenn sie vielleicht die einzige Chance waren diese Engel zu retten dann musste er sie alle hier täuschen.

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