Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Das Forum von Keranels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 23.07.2016 - 11:33

Wahrscheinlich würde er nun von den anderen Engeln in den Käfigen gehasst werden, wie ein Verräter der alles das verriet woran die Engel glaubten. Keranel entsagte der Kirche mit seinen Worten um Beathanel und seine Schar hier herauszubekommen.
Der goldene musste überzeugend wirken, er musste danach ausstrahlen als würde er die Kirche verraten wollen.

Keranel lauschte Beathanels Worten und wusste in diesem Moment nicht ganz ob der rotblonde Engel die Wahrheit sagte oder es nur vor spielte. Die Worte klangen so echt und überzeugend, um seine Fassade die eigentlich keine echte Fassade war aufrecht zu erhalten hing er seinem Bruder regelrecht an den Lippen und die bunten Augen leuchteten voller Überzeugung auf das sein Bruder sich für das richtige entschied.
„Du hast so recht Beathanel.“ Kam es über Keranels Lippen und wieder einmal war er beeindruckt wie viel Stärke in dem inneren seines Ordensbruders wohnte. Beathanel hielt sich für schwach aber das war er auf keinen Fall.

Keranels bunte Augen wanderten zum Raguelit und sahen sein Lächeln, doch es ließ nichts in dem Gesicht des goldenen erkennen was er dachte. Hörte die leisen Worte des Ragueliten. "Das was du anzubieten hast ist mehr wert als alles andere, Freiheit ist für ein Engel ein hohes Gut. Auch wenn ich versucht bin mich euch anzuschließen. Aber ich muss meine Schar in Sicherheit bringen, sie haben schon zu viel gesehen und erlebt."
Er wandte sich Rafael ganz zu und sah ein wenig nachdenklich aus, als würde er etwas überlegen.
Der Michaelit spürte zwar Erleichterung in seinem inneren doch wollte er dem ganzen nicht trauen, das war zu einfach gewesen. Oder war er nur zu überzeugend gewesen?
„Cousin? Was ist mit den anderen Scharen? Vielleicht sind darunter einige die Beathanels Meinung sind. Stell dir nur vor was für ein harter Schlag es für die Kirche sein muss wenn ihre Engel plötzlich gegen sie sind. Wie ihre Selbstgefälligkeit dahinschwinden wird.“ Sprach er leise mit dem Raguelit und noch immer strahlte er das aus was er Vorgab zu sein. Jemand der ernsten Schaden wegen der Kirche genommen hatte.

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 23.07.2016 - 17:26

Beide Ragueliten hörten regungslos zu, dennoch schienen es die richtigen Worten gewesen zu sein, denn Rafael stimmte seinen Worten zu. Fast schon schien es zu einfach gewesen zu sein. Beathanel wusste, dass er gut reden konnte, dennoch war es eigenartig. Aber man sollte den Tag nicht vor dem Abend loben, noch waren sie gefesselt in diesem Käfig.
Der Gefangene musterte wie Rafael sich zu Keranel neigte und zu ihm flüsterte. Still betrachtete Beathanel weiter seinen Freund und die Ragueliten, kurz schielte er auch zu der Schar und blieb unwillkürlich bei dem Wasserbeutel hängen, bevor er wieder die Engel vor sich betrachtete. Dann ergriff Keranel das Wort und diese liesen dem Gefangenen einen kalten Schauer über den Rücken laufen. Er spielte seine Rolle wirklich gut, wenn es denn eine Rolle war. Immer noch blieb die Schar das wichtigste. Die Mundwinkel des rotblonden Michaeliten zuckten nach oben und sein Freund ging sogar noch ein Schritt weiter und versuchte ebenfalls die anderen Scharen zu befreien.
*Talibel, erzählst du den anderen, dass wenn sie frei sein wollen, mitspielen müssen?*, sandte er seinem Ramieliten ohne mit der Wimper zu zucken und betrachtete weiter seine Brüder.

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Magnetklaue
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Magnetklaue » 25.07.2016 - 10:50

Shezariel stapfte hinter seinem Michaeliten her und starrte ihm, innerlich sehr aufgebracht, wütende Löcher in den Hinterkopf.
Was hatte er sich dabei gedacht allein zu diesem Ragueliten hinunter zu gehen. Er hätte mindestens ein Backup mitnehmen sollen, wenn nicht den Gabrieliten, dann wenigstens einen der Anderen. Aber nein. Das war schon beinahe fahrlässig zu nennen...
Der Ramielit konnte anerkennen das es mutig gewesen war, aber trotzdem unverantwortlich. Sie hatten darüber geredet, was er davon hielt das Keranel sein Leben nicht wert schätzte. Scheinbar mussten sie dieses Gespräch wiederholen.

Die gefangengehaltenen Scharen bekamen einen kurzen, abschätzenden Blick über ihre Situation und dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Keranel zu. Der Michaelit schien schon wieder jemanden entdeckt zu haben den er kannte und so langsam zweifelte Shezariel etwas an der ganzen Situation. SO klein war Europa nun auch wieder nicht. Aber er schwieg fürs erste und musste Keranel gedanklich Tribut zollen, für die gewitzte Art mit der er vorging. Er hoffte nur das es auch durchführbar war und nicht in einem Desaster endete.
Als Shezariel spürte das ihn ein Gespräch erreichte, trat er für einen Moment in seine Kathedrale zurück, das leere, unbeteiligte Gesicht auf den Käfig gerichtet zu dem sie gegangen waren. Dort, in dem kleinen Lichtkreis mit zwei großen bequemen Ohrsesseln, empfing er wie immer seine Ferngespräche, wie er sie für sich selber nannte.
Die Projektion des Ramieliten, der ihn kontaktiert hatte, maß er kurz von oben bis unten, dann nickte er ihm zu.
*Warte ab Talibel. Mein Michaelit ist schon dabei, wie du unschwer erkennen kannst.*
Damit trat er wieder nach außen und sein Gesichtsausdruck veränderte sich dabei kein bisschen. Mit ein Grund, warum er seine Emotionslosigkeit so vorsichtig nach außen hin pflegte.

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 25.07.2016 - 23:38

Rafael und der andere Raguelit verfolgten Keranels Anstrengungen Beathanels Schar zu überzeugen. Trotz der emotionslosen Maske, welche Rafaels Mimik bestimmte, so machte er keine Anstalten Keranel zu widersprechen oder der Gespräch zwischen Beathanel und ihm zu unterbrechen. Er hatte sein Vertrauen in Keranel gesetzt.

Die letzten Worte Keranels, welche an Rafael gewandt waren, ließen ihn schmunzeln. 'Vielleicht'...?, echoete es in seinen Gedanken. Dieses eine Wort bestimmte gänzlich seine Reaktion. Abwinkend erwiderte Rafael: "Derartige Hoffnung ist bemerkenswert unter diesen Umständen, Cousin. Ich wünschte mehr Engel hätten ein solches Vertrauen in die Ideale der Kirche - anstatt deren Oberhäuptern." Zum ersten Mal wieder Emotionen zeigend, schüttelte er traurig seinen Kopf und trat zu Keranel, ihm mitleidvoll eine Hand auf die Schulter legend. "Freunde mögen dich hören. Aber ich glaube nicht, dass der Rest ebenso empfänglich für deine Worte sein wird. Erspare dir die Bitternis solch einer Erfahrung, Cousin!" Zu Beathanels Schar gewandt, sagte er jedoch mit einem Lächeln. "Ihr seid frei. Möge Gott euch auf bessere Pfade leiten als jene, welche euch hierher geführt haben."

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Talibel empfing die Nachricht und öffnete seine Augen, um die Situation vor ihm zu verfolgen. Würde dieser eine Michaelit und dessen Schar sie wirklich befreien? Würde er versuchen alle Scharen zu befreien? Aber auch war er unsicher, ob eine Schar überhaupt ausreichte, um all diesen Scharen zu helfen.

Nervös schluckend schaute er zu Varkiel, der Gabrielit der Schar, welcher erschöpft an der Seite lag. Seine Augen waren glasig und müde, aber seine Körperhaltung war angespannt. Er hatte schon immer einen Riecher für Gewalt gehabt, dachte Talibel.

Beathanels Nachricht erreichte ihn und unwillkürlich raste sein Blick zu ihr. Wusste er, was er verlangte? Er wollte, dass die Engel in diesem Hof lügen sollten, um zu entkommen! Die Boten des Herren reduziert zu einer Schauspielertruppe!

Aber dann wiederum hatte er nicht wirklich eine bessere Idee wie sie entkommen könnten...

Mit schwerem Herzen berichtete er den anderen Ramieliten, dass sie vorgeben sollten, die Kirche zu hassen.

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In Reaktion auf die Befehle Beathanels, welche von dessen Ramieliten übermittelt wurden, begannen die Scharen in den anderen Käfigen aktiver zu werden. Aber es war nicht die geeinte Revolte, welche Beathanel sich erhofft hatte. Einige wenige Scharen spielten mit und verfluchten die Kirche auf eine theatralische Art und Weise. Aber der Großteil der Scharen schien sich gegen die Idee einer Lüge aufzubäumen (auch wenn jene deren Freiheit erkaufen würde). Erzürnt und empört begannen die ausgeruhten Mitglieder jener Scharen die Ragueliten für deren Verrat zu beleidigen, während sie pompös deren eigene Loyalität zu der Kirche verkündeten.

Aber sowohl Rafael wie auch die Wache neben Beathanels Käfig starrten zu den anderen Engeln, welche den Krach begonnen hatten, anstatt Keranel und den anderen Engeln in deren Nähe deren Aufmerksamkeit zu schenken.

"Diese Narren...!", sagte Rafael zähneknirschend, während er dessen Lanze fest ergriff, bereit jene zu nutzen. Die Wache dagegen blieb locker, aber verfolgte mit wachsamen Augen, beinahe mechanisch, was die anderen Scharen als nächstes tun würden.

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das 6. arkanum: die erzengel
Umgekehrte Bedeutung: Versuchung
Abstoßung, Makel, Unvollkommenheit, Minderwertigkeit

Josiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Josiel » 26.07.2016 - 00:17

Mit starrer Miene verfolgte Josiel das Gespräch zwischen Keranel und Rafael, während sie wachsam die Umgebung - und vor Allem die Ragueliten - im Auge behielt. Als Rumael sich zu ihr herunterbeugte, kniff sie die Lippen zusammen und nickte, blickte ihn dann aber an und entspannte sich ein winziges Bisschen. Nein, das würden sie nicht, und sie würden beide - alle - für diese Schar kämpfen. Der Gedanke fühlte sich gut an.
Auch als Keranel sie kurz ansah und ein leichtes Lächeln in seinen Augen zu erkennen war, erwiderte sie seinen Blick mit dem üblichen Vertrauen. Dann glitt ihr Blick wieder über die auf den Dächern stationierten Engel und, um Keranels Schauspiel zu bekräftigen, über die gefangenen Scharen, als würde sie von diesen eine Gefahr erwarten. Dorthin zu sehen und zu wissen, dass sie in diesen Käfigen nicht die Flügel ausstrecken könnte, geschweige denn fliegen, ließ ihre Anspannung wieder ins Unermessliche wachsen. Die Knöchel ihrer Hand traten weiß hervor, so fest griff sie ihren Bogen, und sie hätte schwören können, dass mindestens die Urieliten in den ersten zwei Käfigen ihre Zähne knirschen hören konnten.

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 26.07.2016 - 22:42

Als Rumael auf den Käfig mit Bheatanels Schar zuschritt, konnte er erkennen, in welch schlechter Verfassung sie waren. Insbesondere Bheantanel selbst sah schlimm aus. Rumael bemühte sich um ein freundliches, aufmunterndes Lächeln, das ihm aber jäh gefror, als Kasiael ihm einen Blick zuwarf, der so verzweifelt zu sein schien, dass er am liebsten direkt gleich die die Käfige aufgebrochen und jeden Ragueliten erschlagen hätte, der sich ihm in den Weg stellte.
Stattdessen nickte er der Raphaelitin zu, deutete auf seine Wasserflasche und den Beutel, den er bei sich trug, in dem sich noch ein Rest eines der seltsamen Manariegel aus Oslo befand. Er wollte diese Dinge den Engeln im Käfig geben, doch wartete er zuerst noch ab, auf eine günstige Gelegenheit, nicht dass seine Geste als Befreiungsversuch oder gar Angriff missinterpretiert wurde.

Als der Raguelit Keranels und Bheatanels Vorschlag weitgehend zugestimmt hatte, nahm Rumael das zum Anlass, zum Käfig zu treten und die Wasserflasche sowie den Manariegel durch die Gitter zu Kasiael zu reichen. Die Aufmerksamkeit der Ragueliten hatte sich sowieso inzwischen den anderen Scharen zugewandt. „Hier, könnt ihr das gebrauchen?“, flüsterte er Kasiael und Varkiel zu.

Mit dem anschwellenden Lärm der anderen Scharen trat Rumael wieder etwas von dem Käfig zurück. „Entschuldigt, aber es wirkt auf mich so, als geht es gleich rund!“, meinte er mit einem schiefen Lächeln zu Kasiael, „Später musst du alles erzählen, wie ihr hierher gekommen seid, und so weiter …“
Er nickte ihr nochmal zu und ging dann zu Keranel und den anderen zurück. Er versuchte, die Schar gegen den ärgsten Lärm abzuschirmen und gleichzeitig den größten Unruheherd auszumachen und zu beobachten. Er hatte die Hand griffbereit am Schwert.
Josiel war offenbar auch unter Anspannung in dieser Situation, zweifellos gefiel ihr dies ebenfalls nicht, ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen. Sie hatte ihren Bogen bereit, und Rumael versuchte, sich mit ihr mit ein paar Blicken und Gesten zu verständigen, so dass sie sich beim Beobachten der Lage gegenseitig unterstützten.

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 27.07.2016 - 21:31

Beathanel nickte stumm und spürte die Erleichterung in seinem inneren. Noch war der Käfig geschlossen und die Fesseln an ihren Händen, doch sie hatten das Wort des Ragueliten. Es musste sich noch herausstellen, wie viel es wert war.
"Ich wünsche euch dasselbe", meinte er auf den Wunsch hin, doch im Gegensatz zu dem raguelitischen Bruder blieb sein Gesicht ernst und undurchdringlich. Diese Wochen in der die Ragueliten als Feinde galten, waren immer noch tief in ihm, so leicht konnte er den Groll ihnen gegenüber nicht abschütteln.
Nicht lange konnten die Gefühle der Erleichterung halten, denn schon reagierten die Scharen auf seine Worte, schürten Zwietracht unter ihnen. Beathanel hätte das Bedenken sollen, doch er hatte gedacht, dass alle Engel Michaels die Situation verstehen würden, dass sie sich einlassen würden auf diese unehrenhafte, aber rettende Lösung. Sein Blick bekam ebenfalls ein traurigen Schimmer, als er zu den Scharen blickte, um daraufhin wieder den Blick seines Freundes zu suchen. 'Es tut mir leid', schien er ihm über die Augen zu sagen, dennoch würde er seine Entscheidung nicht zurücknehmen. Es war die einzige die das Überleben seiner Schar sicherte und vielleicht auch das der anderen Sichern konnte.
Ebenso war ihm der Blick seines ramielitschen Bruders nicht entgangen.
*Danke für dein Vertrauen Talibel und dass du trotz Zweifel meine Bitten ausführst. Ich möchte den anderen erklären, wie ich zu den Schlussfolgerungen gekommen bin. Vielleicht kann ich dadurch die Revolte und die daraus folgende Strafe für die anderen abwenden. Wirst du es für mich weiterleiten?*, fragte er über die Seele der Schar seinen Engel Jeremiels und wieder war er dankbar für seine Schar. Kurz lag der Blick auf ihnen und wieder wurde ihm bewusst, dass er nahezu alles tun würde, um sie sicher herauszuholen, selbst wenn er dafür seine Hülle verlieren musste. Sie hatten schon genug durchlitten.
Talibel hatte keine Einwände gegenüber seinem Auftrag also ging Beathanel in sich und konzentrierte sich auf die Worte die er senden wollte.
*Bitte hört meine Worte an*, begann er ruhig und sandte es zeitgleich an seine Schar, *Ich bin mir bewusst zu welch Sünde ich euch verleite, denn das, was ich gerade tue, ist nichts anderes als Hochverrat und auch mir ist die Entscheidung nicht leicht gefallen. Wenn ihr jetzt eine Revolte anfängt, seid ihr zwar eurem Herzen treu, doch werdet ihr dann, wenn ihr Glück habt den Tod finden. Wenn das Glück nicht auf eurer Seite ist, werdet ihr hier weiter verrotten ohne Kraft die nächste Möglichkeit zu nutzen. Zusätzlich zwingt ihr alle die sich dafür entschieden haben, das Leben deren Schar mit euren Leben abzuwägen. Es wird sich rein gar nichts an der Situation in Skandinavien ändern, ihr könnt den Menschen dann keine Hilfe mehr sein. Es wäre vielleicht ehrenvoller aber sinnloser Tod.
Wenn ihr jetzt die Sünde auf euch nehmt, den Kirchenoberen abschwört und die Freiheit erlangt, könnt ihr wieder für das Heil Skandinaviens kämpfen. Wir können Hilfe holen und so vielleicht die Ketzer zurückdrängen. Es ist den Weg den ich wähle und ich werde die Strafe, die sicherlich kommen wird, mit offenen Armen empfangen. Ich kann meine Schar nicht so sterben lassen, diese Welt ist nunmal unvollkommen und das erzwingt auch manchmal unvollkommene Handlungen. Sollte für euch der Preis zu hoch sein, solltet ihr meinem Bespiel nicht folgen können, werft dennoch nicht euer Leben weg. Bleibt ruhig, hart weiter aus auf die nächste Chance wartend. Ich werde mein möglichstes tun euch Hilfe zukommen zu lassen.*

Er blickte still zu Keranel und wünschte sich auch er möge seine Worte hören, die Gründe warum er ohne zu zögern Keranels Beispiel gefolgt war, obwohl der Preis dafür sicherlich hoch war. Manchmal wenn man gewinnt, verliert man, kam ihm der Gedanke und er seufzte kurz. Er hatte nicht Zwietracht sähen gewollt, zu sehen wie sie als Einheit auseinander brachen, schmerzte den Michaeliten, doch das schlimmste Bild lieferten die Scharen die unter sich uneins waren. Die wütenden Blicke die sie sich einander zuwarfen und man sicher sein konnte, dass über die Seele harsche Worte ausgetauscht wurden. Es war Beathanels Verdienst.
*Danke Talibel*, sandte er zum Abschluss nochmals an den Engel Ramiels und wandte sich dann Rafael zu. Sein Blick war dabei müde und von Traurigkeit erfüllt.
"Lässt du uns raus?", fragte er mit heißerer Stimme.

Rumaels und Kasiaels Blicke trafen sich und die Raphaelitin konnte die Hoffnung in seinen Augen erkennen, spürte wie ihre eigene Last leichter wurde. Sie nickte ebenfalls immer noch bemüht sich zusammenzureisen und nahm dann die Sachen an sich, als Rumael näher trat.
"Danke, ja sehr", flüsterte sie zurück und kämpfte sich ein Lächeln ab, bevor sie die Sachen weiter reichte. Nicht nur der Zustand von Beathanel war mehr schlecht als recht, auch Varkiels Zustand bereitete der Raphaelitin immer mehr Sorgen. Sie hielt ihm also den vollen Wasserschlauch hin und würde ihm auch beim trinken helfen, sollte er Hilfe benötigen.
"Trink was, Varkiel" sagte sie leise, wenn der Beutel einmal rum gegangen war würde auch sie ihren Durst stillen und dem Herrn danken. Die Worte die Beathanel sandte und auch die Reaktionen der anderen Scharen, jagten ihr einen kalten Schauer über den Rücken. Beathanel hatte recht gehabt. Sie waren alle Engel, sie sollten nicht auf verfeindeten Seiten stehen, dennoch beschäftigte sie sich erst darum die Schar mit den Sachen Rumaels zu versorgen.

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Alessiel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Alessiel » 27.07.2016 - 22:39

Keranel erkannte es, Josiel war unruhig ihr war das hier alles zu viel, ihre Ängste flossen sicher damit hinein. `Arme kleine Urielitin, es tut mir leid das ich dich so damit hineinziehe und früh dein Weltbild das du von der Kirche hast zerstöre. Es tut mir leid...`
Der goldene konnte sich nicht um Josiel kümmern, konnte seine Abmachung nicht einhalten und das tat ihm unendlich leid. Er bekam jedoch mit das Rumael sich um die junge Urielitin kümmerte und innerlich war er dem großen Engel wieder so dankbar.
`Ich bin so stolz auf dich Rumael.`

Auf dem Gesicht des Ragueliten war ein leichtes Schmunzeln zusehen, Keranel wusste noch nicht ob das gut oder schlecht war. Er blieb wachsam und spielte sein Spiel.
Die Worte des Ragueliten und dessen Emotion die er zeigte ließen ihn kurz ein wenig wanken. Vielleicht waren sie...Nein, was sie hier taten war unverzeihlich doch der goldene begann sachte mitfühlend für Rafael zu lächeln.
Aber dann geschah etwas das ihn völlig aus dem Konzept brachte, die Hand des Ragueliten legte sich auf seine Schulter als er näher kam und der Michaelit hielt für einen kurzen Moment den Atem an. Seine Muskulatur versteifte sich und er zuckte unter der Berührung zusammen, für einen kleinen Moment lag Panik in seinen Augen und er zuckte vor der Berührung zurück.
„Es...es tut mir leid Cousin, aber auch das hat die Kirche mir angetan, ich kann keine Berührungen....“ Er schüttelte den Kopf und versuchte aus seiner kleinen Panikattacke noch mehr Glaubwürdigkeit herauszuholen.

Plötzlich begann ein regelrechter Aufstand und der Michaelit sah hektisch immer noch gefangen von dem unangenehmen Gefühl der Berührung über die Käfige. Diese Idioten, ihr Stolz würde ihr Untergang sein. Aber verübeln konnte der goldene es ihnen auch nicht, sie glaubten alle an die Kirche, daran was sie waren. Engel.
Sie waren alle geblendet und das war nicht ihre Schuld ganz und gar nicht. Er sah dennoch die Reaktion des Ragueliten und legte ihm behutsam und beruhigend eine Hand auf den Unterarm. „Ich weiß Cousin, es schmerzt zusehen wie verblendet sie sind. Aber sie wissen es nicht besser.“ Redete er beruhigend auf sie ein und sah zu seinem Ordensbruder der zu ihm sah. Schon in Ordnung
Schienen seine Augen zu sagen, Beathanel konnte am wenigsten dafür, er hatte sicher versucht sie über die Seele der Schar zu überzeugen.
Die bunten Augen sahen wieder in das Gesicht des Ragueliten. „Aber sie werden es erkennen, da bin ich mir sicher.“
Keranel war ein Verräter, es gab kein zurück mehr. Falls die Scharen wieder freikommen sollten hatte er sie alle sicher zu seinem Feind gemacht.
„Ich bin dir auf jeden fall dankbar Cousin, dankbar für alles. In solch einer Zeit sollten wir Engel mehr denn je zusammenhalten.“ Er hoffte nur das seine Worte und Stimme den Ragueliten beruhigen würden, denn noch mehr leid wünschte er den gefangenen Engeln nicht, sie hatten schon so viel durchgemacht...

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 29.07.2016 - 00:30

Rafael zog sofort seine Hand zurück als er Keranels Reaktion bemerkte und nickte traurig als jener seine Reaktion erklärte. Die Makellosigkeit der Unschuld bestraft für einen Mangel an pragmatischen Zynismus, dachte er. Er und andere Ragueliten, Mensch und Engel, hatten oft in der Vergangenheit genau dies diskutiert. War Unschuld tatsächlich eine Tugend, wenn die Engel die Menschheit beschützen sollten? Zu groß sind die Gefahren, zu unmoralisch sind die Feinde: Wo war da noch Raum für Unschuld?

Nachdem die Engel begonnen hatten, lautstark zu fluchen und zu protestieren, legte Keranel eine Hand auf Rafaels Arm. Überrascht wandte er sich ihm zu. Gerade erst hatte er erklärt, warum er keinen Körperkontakt mochte und nun…?

Mit einem verwirrten Gesichtsausdruck zuhörend, wirkte er am Ende jener Bemerkungen melancholisch. Als Keranel von Zusammenhalt sprach, nickte Rafael und erwiderte: „Zu oft hat die Kirche gesucht erlittenes Leid mit zugefügtem Leid auszugleichen. Als wäre Leid ein Topf, der irgendwann sich auf magische Weise leeren würde, indem wir ihn zum Überfließen bringen.“ Von Keranel wegschauend und die aufständigen Engel musternd, fügte er hinzu. „Aber sie sind Soldaten, Cousin. Auch hier noch, entgegen aller Hoffnung, kämpfen sie ihren sinnlosen Krieg.“ Wieder zu Keranel blickend sagte er: „Aber es muss ein Ende finden! Und Raguel allein kann dieses Ende herbeiführen. Jeder Schöpfer ist erst Zerstörer und zerbricht Werte und Normen. Das höchste Böse wird zum höchsten Gut – aber allein, wenn man ein Schöpfer sein will.“ Er rezitierte die letzten Worte in einer Art, die klarmachte, dass er jemand anderen zitierte. Aber er glaubte an jene Worte. Nach einer Pause sagte er eindringlich zu Keranel: „Und ist Gott nicht das Beispiel hier, dem Raguel folgt? Er hat die Menschheit an den Rand der Vernichtung getrieben, um sie auf den richtigen Pfad zurückzuführen!“

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Talibel hörte Beathanels Rede zu und leitete jene danach wortgetreu an die anderen Ramieliten in den Scharen weiter (was ein leichtes war dank seiner ramielitischen Mächte). Aber Talibel wirkte angespannt trotz der Worte seines Michaeliten. Er bevorzugte Kontrolle über eine Situationen zu haben – aber wer wusste schon, was als nächstes passieren. Diese Schar, die aus dem Nichts aufgetaucht war, das seltsame Verhalten der Ragueliten und sein allgemeines Gefühl, dass etwas los war. Und es war wichtiger als der Krieg gegen den Nordbund.

Als die Nachrichten die anderen Scharen erreichten, beruhigten sich jene ein wenig. Sie kannten Beathanel und setzten vorerst deren Vertrauen in ihn. Auch mussten sie anerkennen, dass sie nicht wirklich viele andere Optionen hatten. Das Ankommen der neuen Schar war in vielerlei Hinsicht die einzige, ernsthafte Chance, die sie bis jetzt erfahren hatten. Aber die Scharen verblieben unruhig und ein Engel hier und da ignorierte Beathanels Rede, aber andere Engel in jenen Scharen begannen mit jenen Engel leise zu reden.

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das 14. arkanum: die traumsaat
Aufrechte Bedeutung: Einheit
Anpassung, Integration, Synergie, Gleichgewicht, Einigkeit, Erfahrung, Konfliktlösung, Symmetrie, Kombinationen, Abstimmung, Koordination, Selbstbeherrschung

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Kasima
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 01.08.2016 - 22:23

Beathanel wartete weiter still ab, beobachtete wie Keranel und Rafael miteinander beobachten. Zeitgleich bekam er mit, dass der Tumult wieder ruhiger wurde. Erleichtert atmete er aus und schloss für einen Moment seine Augen. Die Worte die er hinzugefügt hatte, hatten ausgeholfen. Er hatte sie überzeugen können ruhig zu bleiben, doch andererseits spürte er schon die Last ihres Vertrauens an ihn. Nun lag es an dem Michaeliten sein Wort zu halten, auf irgendeine Weise Hilfe zu organisieren, um die Scharen aus dieser Folter zu befreien.
Er hatte es versprochen. Mehr konnte und wollte er nicht von ihnen verlangen, denn das war nicht seine Entscheidung. Beathanel hatte ihnen die Wege, die er sehen konnte aufgezeigt. Dieses mal sprachen die Engel vor ihm normal und man konnte in Rafaels Stimme hören wie fest sein Glaube an diesen Raguel zu sein schien. Die Frage war nur war es wirklich Raguel dem er so blind folgte. Der Raguelit rechtfertigte sogar damit, die Taten die sein Orden überbracht hatte. Kurz wurde es ihm übel und ein kleiner Teil wünschte sich, dass Raguel sein Wort halten würde und die Welt danach wirklich besser werden würde, dass die Ragueliten nicht einem Hirngespinnst eines Irren gefoglt waren und irgendwann sich vor dem Herrn verantworten mussten.
Währenddessen wurde seine Zusicherung bewahrheitet und tatsächlich öffnete die schweigsame Wache die Tür des Käfigs. Langsam trat der abgemagerte, dreckige Michaelit der Schar aus dem Käfig und gestand sich wiedermal keine Form der Schwäche zu.
"Es ist bedauerlich, dass die Menschen nur auf diese Weise auf die richtige Spur zu kommen scheinen", erlaubte er sich den Worten Rafaels hinzuzufügen. Mit gefesselten Händen blieb er bei Rafael und Keranel stehen und war innerlich ebenso angespannt, wie sein Gabrielit nach außen wirkte. Noch immer schwebte Damokles Schwert unheilvoll über ihnen. Woher auch dieses Sprichwort kam, es passte in diesem Moment.
*Bitte haltet noch ein wenig aus. Bald haben wir's geschafft, solange müssen wir uns noch ruhig verhalten*, sandte er an seine Schar und meinte hauptsächlich seine Urielitin damit, die sicherlich drauf und drann war in den Himmel aufzusteigen und alle hinter sich zu lassen. Mit einer großen Menge war sie noch nie wirklich gut klar gekommen. Enge machte ihr nichts aus und auch ihre Aufgaben erfüllte sie mehr als gewissenhaft. Doch zu viele Fremden beschränktem Raum, konnten sie durchdrehen lassen.

Kasiael kümmerte sich weiter um den Varkiel und bot ihm auch ein Stück des Manariegels. Als sich die Tür öffnete schreckte sie zusammen und blickte verdattert zur Öffnung. Irgendwie hatte sich nicht wirklich geglaubt, dass die Tür geöffnet werden würde. "Komm Varkiel, ich helf dir hoch", meinte sie und stützte ihn.

Turgon
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Turgon » 01.08.2016 - 23:01

Die anderen Scharen beruhigten sich etwas. Rumael hatte nicht mitbekommen, was dazu geführt hatte, nahm aber an, dass Keranel oder Beathanel auf sie eingewirkt hatten. Rumael war ihnen dankbar und entspannte sich etwas.

Mit einem leisen Quietschen öffnete sich die Käfigtür für die Schar. Erst jetzt, als Beathanel heraustrat, konnte Rumael richtig erkennen, wie ausgemergelt der Michaelit eigentlich war. Er hatte wahrscheinlich noch nichts von den Sachen abbekommen, die Rumael in den Käfig gereicht hatte.
Während er Richtung Beathanel und den anderen Engeln seiner Schar ging, fragte er die anderen, „Habt ihr vielleicht noch was zu essen, was ihr Beathanel und seiner Schar geben könntet?“ Er sah zu, dass alle aus dem Käfig herauskamen, lächelte ihnen aufmunternd zu und half Kasiael beim Helfen für die anderen. „Ruh’ dich auch aus, du bist ja nicht viel besser dran als deine Schargeschwister“, brummte er ihr zu, als er Varkiel übernahm. „Nimm mal den Manariegel, ist zwar nicht besonders toll, aber besser als nichts.“ Er zwinkerte ihr zu.

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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kasima » 02.08.2016 - 22:17

Kasiael hatte sich so sehr auf ihre Schar konzentriert, dass sie im ersten Moment den großen Streiter vor sich gar nicht registriert hatte. Vielleicht war es aber auch die Erschöpfung, die auch an ihr zerrte. So zuckte sie im ersten Moment leicht zusammen, als plötzlich Rumael vor ihr stand und ihr anfing zu helfen. Schnell erkannte sie, was der Streiter tun wollte und überlies ihm Varkiel. Sie konnte ja sowieso nicht wirklich etwas beitragen, nicht ohne Ausrüstung nicht in ihrem Zustand. Sie wäre einfach nur die nächste die schlapp machen und zur Last fallen würde. Die Raphaelitin wollte das solange wie möglich vermeiden.
"Danke", wieder versuchte sie sich an einem Lächeln, das nicht so ganz gelingen wollte, "Ich werd es versuchen."
Tatsächlich fing sie an an ihrem Stück des Manariegels zu kauen. Es war wichtig, dass die heilende Hand schnell wieder auf den Beinen sein würde. Allein schon um ihrer eigenen Schar helfen zu können.
Aber wie es aussah, fehlte der anderen auch die Raphaelitin.
Ihren ganzen Mut zusammen nehmend richtete sie ebenfalls das Wort an den Ragueliten, der augenscheinlich anführte.
"Können wir dann vielleicht auch unsere Ausrüstung haben und uns waschen?", fragte sie und trotz, dass sie sich zusammenriss, wirkte sie keinefalls so selbstsicher wie ihre michaelitischen Brüder. Deutlich war die Furcht in ihren Augen zu sehen.

Kuniel
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Re: Kapitel 02: Der Horizont im Zwielicht

Beitrag von Kuniel » 02.08.2016 - 22:55

Immer noch die anderen Engel mit einer Mischung von Trauer und Missbilligung beobachtend, hatte Rafael Beathanel und dessen Schar den Rücken zugekehrt. Die stille Wache jedoch ließ Beathanel und den Rest aus deren Käfig.

Auf Beathanels Bemerkung hin, schaute Rafael kurz über seine Schulter in dessen Richtung. "Die Angeliten zu beschützen war schon immer unsere Aufgabe gewesen - auch wenn wir nun versuchen jene vor sich selbst zu beschützen."

Rafael hatte sich mit dem letzten Wort bereits wieder abgewandt. Die Wache war es, welche auf Kasiaels Bitte reagierte. "Durchaus.", erwiderte er, aber hielt inne. Zu Varkiel schauend, fügte er warnend hinzu. "Dein Flammenschwert, Sohn Gabriels, wird dir jedoch erst außerhalb dieser Stadt ausgehändigt."

Varkiel währenddessen hatte gierig den Manariegel verschlungen. Bei den Worten der Wache, starrte er nur still jene zornig an, aber sagte nichts. In Reaktion darauf straffte sich die Haltung des Ragueliten, seine Lanze bedrohlich fest ergreifend. Für Gabrieliten war deren Flammenschwert wie ein Teil ihres Selbsts. Jene Klinge so lange in den Klauen der Feinde gesehen zu haben war eine Herausforderung für Varkiels Willenskraft gewesen.

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