Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Das Forum von Ruvaels Schar. Hier findet ihr Charbögen, Besprechungen und die Spielrunde der Schar.
Josiel
Beiträge: 322
Registriert: 09.04.2014 - 22:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Josiel » 14.10.2014 - 22:43

Luniel redete weiter beruhigend auf die Menschen ein, auch wenn er nun den Blick nicht mehr von der verdunkelten Sonne abwandte. Er grinste breit, als die Menge spürbar aufatmete. Das wäre also geschafft, und es hatte keine Panik gegeben. Auftrag ausgefüllt!
Kurz darauf wurde ihm ein Brief in die Hand gedrückt. Er öffnete ihn und runzelte nach kurzer Zeit die Stirn.
*Vor zwei Tagen wurde ein Küstendorf zerstört aufgefunden. Alle Bewohner waren tot, Schnittwunden wie von Schwertern. Keine Spuren außerhalb des Dorfes, entweder Traumsaat oder sie hatten ein Boot. Der zuständige Ab bittet um Unterstützung. Außerdem sollen wir im Himmel einen Ramieliten treffen, Viktor Rakuscheck. Ich schätze mal, der weiß mehr*, berichtete der Engel.

Benutzeravatar
Alessiel
Beiträge: 5459
Registriert: 17.06.2010 - 00:25
Wohnort: nahe Hannover

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Alessiel » 16.10.2014 - 16:13

Was? Er musste mit diesem unfähigen Engel auf dem Boden bleiben und die Menge im Auge behalten?
Mit Luniel? Einem Ramielit? Der wurde doch bestimmt überrannt wenn es darauf ankam.
Nathaniel seufzte leise und rollte genervt mit den Augen.
Ok, er würde das tun was Ruvael von ihm verlangte. Der vernarbte Michaelit konnte sich glücklich schätzen normalerweise machte er es jedem Goldie schwer doch Ruvael war kein Goldie, sein Glück.

Die haselnussbraunen Augen wandten sich dem Wissensbewahrer zu, ihm lagen schon wieder so viele Kommentare auf der Zunge die nicht wirklich freundlicher Natur waren. Eher gehässig und beleidigend. Doch ehe der Streiter den Mund aufmachen konnte kam eine Urielitin auf ihn zugeflogen.
`Nochmal Glück gehabt Besserwisser.`

Wo kam die denn jetzt her? Verwirrt zog der Rotschopf eine Augenbraue nach oben.
„Tach.“ Begrüßte er sie etwas neutral und wandte sich dann dem Ramielit wieder zu.
Nun war seine Neugierde geweckt was stand in diesem Brief?
Aber erinnerte sich der Streiter an seine Aufgabe und seufzend kehrte seine Aufmerksamkeit wieder zur Menschenmenge zurück. Wer wusste schon auf was für welche Ideen sie kamen.

Bei der Nachricht versteifte sich der Todesengel ein wenig und kaute auf dem inneren seiner Wange herum.
`Tief ein und ausatmen.`

Kuniel
Beiträge: 1186
Registriert: 11.04.2013 - 21:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Kuniel » 17.10.2014 - 14:54

*Und wie ist der Name dieses Küstendorfes, Luniel?*, fragte Ruvael etwas ungeduldig als er auf die Templer zuflog. Er konnte sich nicht erinnern, jemals in einem Küstendorf gewesen zu sein, in dessen Mitte ein Baum stand, aber vielleicht war er einmal darüber geflogen. Antworten würde es ihm eh nicht bringen. Derjenige mit den Antworten schien ein Ramielit zu sein. Es hatte nicht so geklungen als würde Luniel ihn kennen oder von ihm gehört haben, aber wenn er sich so gut hier in der Gegend auskannte, würde er sich wahrscheinlich eh nicht oft in Prag sehen lassen.

Dies ließ nur noch den Brief übrig, der wenig Hilfreiches anzubieten hatte scheinbar. Wenn er den Autor je treffen sollte, würde er ihm erklären müssen, dass er weniger Zeit damit verbringen sollte, ungebeten der Poesie und diversen Gehirnspinsten in einer Missionsbeschreibung zu fröhnen. Ein ganzes Dorf wurde umgebracht und... was auch immer diese Zerstörung verursacht hatte, hat keine Spuren abseits der Leichen und deren Wunden zurückgelassen. Das war alles, was sie wirklich wussten scheinbar. Er hatte ein paar eigene Ideen, aber dafür war es noch zu früh. Erstmal würden sie mit diesem Ramieliten reden und sehen, was er zu sagen hatte.

Ohne sich mit Yscariel oder Flurbiel abzusprechen, landete Ruvael spontan bei einem Armatura, der gerade einen Templer von seiner Armatura anwies, dass sie abziehen würden. Die Menge verfolgte den Abzug der Templer unruhig, aber sie wirkten nicht mehr so furchtvoll und angespannt wie zuvor.

"Salve.", begrüßte Ruvael den michaelsländischen Armatur. Für einen kurzen Moment hielt jener inne, Ruvael musternd. Die Narben überraschten ihn und für einen Moment wurde der Templer von einer Mischung aus Neugier und Unverständnis abgelenkt, aber dann erwiderte er selbstbewusst: "Salve."

In den Augen des Armaturs war immer noch klar die stille Frage nach den Narben zu sehen und Ruvael hätte beinahe enttäuscht geseufzt. Er kannte diesen Gesichtsausdruck. Zumindest war es der angenehmere der zwei Varianten, die er kannte. Diese Neugier war die eine Reaktion und die andere war Hass und Abscheu. Aber letzteres war nur seinen geliebten Brüdern und Schwestern von seinem Orden vorbehalten. Die meisten Menschen wollten daran glauben, dass es einen Grund für Ruvaels Narben gab. Die Mitglieder seines Ordens sahen meist darin jedoch nur einen Fehler, der korrigiert werden sollte.

"Wir wurden angewiesen, euch beim Abzug zu helfen und-", begann Ruvael, aber der Armatur erwiderte sofort: "Wir haben die Sache im Griff!"

Ruvael war sich nicht sicher, ob der Templer sich von dem Gedanken beleidigt fühlte, dass Engel ihn bei einem organisierten Abzug unterstützen sollte oder ob er sich dazu entschlossen hatte, keine Hilfe von einem Engel wie ihm anzunehmen. Aber er hatte auf jeden Fall Besseres zu tun als sich den sentimentalen Problemen irgendeines Templers zu widmen.

"Wir fliegen wieder zurück!", erklärte er laut zu Yscariel und Flurbiel, "Wir haben eh eine andere Mission, die unsere Aufmerksamkeit verlangt!" Er sagte es zwar nicht, aber es war klar herauszuhören, dass er jene andere Mission auch als eine wichtigere Mission ansah. Aus dem Augenwinkel heraus, stellte er etwas zufrieden fest wie der Armatur etwas unentschlossen zu Ruvael blickte, sich offensichtlich überlegend, ob er dies kommentieren sollte. Er wurde aber von einem der Templer in seiner Armatura abgelenkt, welche leise etwas zu ihm sagte. In einem wütenden Ton etwas erwidernd, wandte er sich daraufhin wieder der Organisation des Abzugs zu.

*Lasst uns zurückkehren.*, sendete Ruvael zu Flurbiel und Yscariel und schwang sich in die Luft sich auf den Weg zurück zu Nathaniel und Luniel machend.

Turgon
Beiträge: 1306
Registriert: 13.07.2012 - 08:00

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Turgon » 18.10.2014 - 08:00

Irritiert drehte Flurbiel bei, als Ruvael zu seiner spontanen Landung ansetzte. Er flog noch eine kurze Runde über der Armatur und wollte gerade landen, als Ruvael schon sein Gespräch mit dem Armatura beendet hatte und Yscariel und ihn aufforderte, wieder zu den anderen beiden zurückzukehren, wegen der Mission, die offenbar die Urielitin gerade vorher an Luniel übergeben hatte.

Ein Dorf, in dem die gesamte Bevölkerung ermordet worden war? Ohne dass Spuren der Täter auffindbar gewesen waren? Flurbiel schauderte es bei dem Gedanken, was wohl die Ursache dafür gewesen sein könnte.

Kurz darauf waren sie bei Nathaniel und Luniel zurück. Flurbiel landete direkt bei ihnen, die Menschenmenge hatte inzwischen ein wenig mehr Platz gelassen.
Irgendwie war er doch ziemlich gespannt auf nähere Informationen zu der Geschichte, so dass er Luniel interessiert anblickte.

Josiel
Beiträge: 322
Registriert: 09.04.2014 - 22:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Josiel » 18.10.2014 - 18:51

Nathaniel schien sich eine ehrenvollere Aufgabe erhofft zu haben, als mit ihm weiter die Menge zu beobachten, denn er wirkte überhaupt nicht glücklich.
Seufzend las sich Luniel den Brief noch einmal durch, prägte sich die Worte genau ein.
*Das Dorf heißt Trepuzzi, es liegt in der Provinz Apulien in der Umgebung des Klosters Terni. Von dort ist jedenfalls der Brief.*
Die anderen landeten neben ihnen, und etwas entschuldigend sah er zu Flurbiel, dessen erwartungsvollen Blick er enttäuschen musste.
"Mehr steht hier leider nicht. Außer, dass ein Baum in Flammen stand - der Angriff konnte also nicht allzu lange her sein. Und die Angreifer haben sich die Zeit genommen, einen Baum anzuzünden."

Turgon
Beiträge: 1306
Registriert: 13.07.2012 - 08:00

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Turgon » 19.10.2014 - 09:24

Flurbiels Gesicht wurde bleich, als Luniel den Namen und die Lage des Ortes nannte. Er kannte das Dorf aus dem Unterricht in Mont Salvage. Drohend hing dort am Meereshorizont eines der großen Fegefeuer, die Menschen dort in ständige Furcht und Wachsamkeit versetzend vor der Traumsaat, die aus dem dem Fegefeuer folgenden Brandland kam.
Doch auch der Ort selbst hatte eine dunkle Geschichte. Vor einigen Jahrzehnten war über Nacht überraschend mitten im Dorf der Boden einfach weggebrochen. Das halbe Dorf war damals im Meer verschwunden. Von der ehemals geradlinigen Küste erstreckten sich nun zwei kleine Meeresarme ins Land, wie eine Klaue, die versuchte, ein Stück des Landes herauszureißen.

Für Flurbiel erschien es deswegen auf verdrehte Weise passend, dass ausgerechnet dieses Dorf von einer derartigen Katastrophe heimgesucht worden war. Und ausgerechnet dort sollten sie jetzt hin ...
"Wann ... wannn müssen wir dort sein?" fragte er mit einem etwas mulmigen Gefühl.

Kuniel
Beiträge: 1186
Registriert: 11.04.2013 - 21:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Kuniel » 19.10.2014 - 21:56

Ruvael landete wieder bei Nathaniel und Luniel. Kurz nickte er Nathaniel dankend zu, während er sich ungehalten dem Ramieliten zuwandte: "Das nächste Mal, wenn ich dich frage, was wo geschrieben steht, lies einfach vor, was dort geschrieben steht!" Er wusste, dass Luniel immer noch jung war und dies war wahrscheinlich sein erstes Mal seine Rolle als Ramielit innerhalb einer Schar wahrzunehmen, aber Ruvael hatte wahrlich keine Geduld oder gar Mitgefühlt dafür. "Der verbrannte Baum ist ebenso rätselhaft wie der Rest dieses ganzen Vorfalls, aber merkwürdig genug, um auf eine Absicht hinzuweisen.", setzte er in einem belehrenden, stürmischen Ton fort.

Er fuhr abrupt zu Flurbiel als jener zögerlich seine Frage stellte. War er nur von Weichlingen umgeben? "Bald.", erwiderte er ungeduldig auf Flurbiels Frage, "Vorher müssen wir noch diesem Ramieliten namens Viktor Rakuschek einen Besuch abstatten."

Sich wieder Luniel zuwendend, sagte er etwas wütend: "Sagt das Dokument wenigstens, wo genau wir diesen Viktor finden können?"

Josiel
Beiträge: 322
Registriert: 09.04.2014 - 22:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Josiel » 20.10.2014 - 07:11

Luniel rollte mit den Augen. "Hast du aber nicht. Du hast gefragt, was der Brief zu sagen hat. Wenn du willst, dass ich vorlese, sag 'Lies vor'." Er zuckte mit den Schultern.
"Mein letzter Michaelit hatte nie den Nerv, sich alles anzuhören, der wollte lieber die Infos. Wenn du das anders siehst, okay." Und an Freundlichkeit ist auch noch keiner gestorben, dachte er, aber das behielt er wohlweislich für sich.
Auf die nächste Frage nickte er und nannte den Ort im Himmel, der auf der Nachricht stand.

Benutzeravatar
Alessiel
Beiträge: 5459
Registriert: 17.06.2010 - 00:25
Wohnort: nahe Hannover

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Alessiel » 20.10.2014 - 12:18

Nathaniel kaute auf dem inneren seiner Wange herum und versuchte sich innerlich zu beruhigen.
Es war doch klar das sie irgendwann die Stadt der Goldies verlassen würden, hatte er etwa gedacht sich hier auf der faulen Haut ausruhen zu dürfen? Nein natürlich nicht, ausruhen war niemals gut dann begann das in seinem Kopf immer schlimmer zu werden. Und außerdem erwartete man etwas ganz anderes von einem Gabrielit.

Der Rest der Schar kam wieder und für einen Moment war er ein wenig verwirrt als Ruvael ihm dankend zunickte. `Sieh mal einer an.`
Der Rotschopf erwiderte das nicken und gesellte sich dann sofort zu seinem Freund.
Die haselnussbraunen Augen musterten Flurbiel er schien sehr bleich und angespannt zu sein, das beunruhigte den Streiter, wusste er etwas das er nicht wusste?
Nathaniel hörte wie sich Ruvael und Luniel einer kleinen Diskussion hingaben.
Doch sein urielitischer Freund stellte eine Frage, seine Stimme klang dabei nicht ganz so fest, was war nur los?

Sein Michaelit fuhr auch schon herum und gab dem Urielit eine Antwort doch er klang dabei ungeduldig. Wie von selbst verfinsterte sich sein Blick für einen kleinen Moment. Konnte der vernarbte nicht netter zu Flurbiel sein?
Moment mal...das sollte bestimmt gerade nicht er verlangen, denn immerhin war Nathaniel doch auch nicht der freundlichste Engel.
Immer noch sah er zu seinem Freund und zwinkerte ihm leicht zu. Wir schaffen das zusammen.
Schienen seine haselnussbraunen Augen zusagen.

Ehe er den Blick dann wieder Ruvael und Luniel zuwandte, doch dieser schweifte immer mal wieder ab es war besser auch die Menschen im Blick zu behalten, wer wusste schon auf was sie doch noch kommen würden. Immerhin handelte es sich hier um Menschen, die waren komisch.

Turgon
Beiträge: 1306
Registriert: 13.07.2012 - 08:00

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Turgon » 20.10.2014 - 21:58

Von Ruvael unwirsch abgefertigt schwieg Flurbiel betreten. Wiederum hatte er etwas falsch gemacht, und wiederum wusste er nicht genau was. Er biss sich auf die Lippen, er musste unbedingt ein besserer Engel werden.
Ruvael hatte inzwischen auch Luniel zurechtgewiesen. Auch hier wusste Flurbiel nicht so recht, was der Ramielit falsch gemacht hatte. Er hatte doch wohl alles erzählt, was auf dem Zettel stand? War Ruvael denn überhaupt nicht zufriedenzustellen?

Nathaniel schien besserer Laune zu sein, der Gabrielit grinste ihn aufmunternd an. Wenigstens dieser schien der Meinung zu sein, dass das alles, der Auftrag und die Dinge, um die Ruvael so ein Gewese machte, nicht so schlimm wären. Flurbiel war froh darüber, wusste er doch, dass er sich auf Nathaniel verlassen konnte.
Der Urielit grinste schief zurück. Irgendwie würden sie das schon schaffen.

Kuniel
Beiträge: 1186
Registriert: 11.04.2013 - 21:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Kuniel » 21.10.2014 - 18:54

Ruvael würdigte Luniels Erwiderung mit keinem Wort und sein Blick war verachtend und gleichgültig zu gleichen Teilen. Daraufhin hatte er sich Flurbiels Frage zugewandt und wütend auf dessen zögerlichen Ton reagiert. Flurbiel hatte nie wie ein Engel auf ihm gewirkt, auf den er sich verlassen konnte. Vielmehr hatte er wie ein Verräter gewirkt, der nur darauf wartete, ihn hinterhältig anzufallen mit dem Wissen seiner vergangenen Taten. Dies schien aber immer unwahrscheinlicher, denn bis jetzt wirkte Flurbiel schlichtweg schüchtern. Sie waren die Boten Gottes! Und er verhielt sich wie ein räudiger Hund, getrieben von Furcht und Unsicherheit. Er würde lernen müssen sich zu beherrschen. Eine derartige Sentimentalität war mehr eine Bürde als alles andere.

Aber er wandte sich Luniel wieder zu und fragte, wo dieser Ramielit zu finden war. Er nickte knapp bei Luniels Antwort, jenen kaum mit einem Blick würdigend als er sich schon wieder dem Rest der Schar zuwandte.

Bevor er jedoch zu der Schar sprach, sendete er knapp zu Akarael: *Wir haben eine neue Mission erhalten. Die Menge ist ruhig und die Templer sind ordnungsgemäß abgezogen. Daher wenden wir uns der Mission zu und machen uns bald auf nach Trepuzzi in Apulia.*

Nach jenem kurzen Moment sagte er zu seiner Schar: "Ein Feind hat dieses Dorf angegriffen und verwüstet. Unsere erste Aufgabe wird es sein, diesen Feind zu identifizieren. Daher werden wir mit diesem Ramieliten reden, der mit uns sprechen will."

Benutzeravatar
Yscariel
Beiträge: 165
Registriert: 18.07.2014 - 22:46

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Yscariel » 21.10.2014 - 22:36

Sie war Ruvael friedlich gefolgt, nicht einmal gelandet als er mit dem Templer sprach und hatte sich schließlich bei der Besprechung still bei der Gruppe niedergelassen.

Die Botschaft war besorgniserregend, gewiss, doch mehr als diese selbst beunruhigten sie die fortwährenden Spannungen in der Schar. Diese hätte von Rechts wegen wirken müssen wie eine Hand Gottes, die seine Werke auf Erden tat - stattdessen aber schienen alle Finger gebrochen und kreuzten sich gegenseitig selbst den Weg.
Nathaniel in seiner Unzufriedenheit, Ruvael in seiner Härte, sie selbst in ihrem Schweigen und Flurbiel in seiner Schüchternheit. Und, welch Ironie, an Luniel, wohl dem offensten von ihnen allen luden sich viele Spannungen ab.

Neben letzteren trat sie auch, ein weißer Schatten, als Ruvael den Aufbruch ankündigte. Die nächste Mission würde mehr von ihnen fordern, nämlich eine Einheit zu sein. Sie fragte sich, ob sie ihr gerecht würden.

Kuniel
Beiträge: 1186
Registriert: 11.04.2013 - 21:28

Re: Mein ist das Leid - Exordium: Michaels Antlitz

Beitrag von Kuniel » 24.10.2014 - 14:35

Ruvael war nicht überrascht, festzustellen, dass ihm der Erfolg dieser Mission kein Gefühl der Zufriedenheit gebracht hatte. Längst hatte er aufgehört sich tatsächlich über Erfolg Gedanken zu machen. Was waren jene Missionen wirklich wert, wenn der Zufall sie ruinieren konnte, wenn mehr noch Kräfte in dieser Welt stetig daran interessiert waren, das zu zerstören, was man versuchte in jenen Missionen aufzubauen? Verfall war eine Konstante – auch wenn Ruvael es hasste, dies zuzugeben. Aber zumindest hatte er gelernt damit umzugehen. Auf seine Art – was in diesem Moment hieß, sich frustriert zu fühlen. Vielleicht hatte er am Ende dann doch noch einige Dinge zu lernen.

Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln, keinem schönen dank der Narbe an seinem linken Mundwinkel. Frustriert war er natürlich immer noch. Egoistisch und arrogant wie es klingen mag, war es Genugtuung, die Ruvael in den Missionen suchte. Er wollte Missionen, die ihn herausfordern würden. Nicht, um ein besserer Engel zu werden. Auch nicht, weil er irgendeine Art von Bestätigung für sein Selbstwertgefühl suchte. Was er wollte, war dem roten Faden seines Lebens zu folgen. Zu oft hatte er verloren, sich in Momenten wieder gefunden, wo alle Teile seines Lebens zu skelettartigen Ruinen reduziert wurden und er allein derjenige war, der fragte warum und in jenen Ruinen wie ein Echo, die Frage lediglich an sich selbst gestellt sah.

Und irgendwann hatte er dann erkannt, was er bis dahin nie hatte begreifen wollen. Die verlassene Einsamkeit seiner bitteren Existenz in den verfallenen Ruinen seiner naiven Ambitionen war nicht der Alptraum vor dem er wegrennen sollte, alles andere war lediglich nur ein Traum gewesen. Ein Gedanke, der ihm mehr Klarheit verschafft hatte als jene sentimentalen oder abstrafenden Ratschläge, die er von den Brüdern und Schwestern seines Ordens erhalten hatte.

Ruvael landete mit seiner Schar wieder im Himmel seines Ordens. Er sagte nichts, hatte nichts zu sagen brauchen. Mit einer finsteren Miene ging er den Gängen entlang, den Weg zu dem Raum folgend, den Luniel von dem Brief ihm beschrieben hatte. Bei der Tür angekommen, klopfte er energisch an ihr, aber niemand antwortete. Nach einem Moment versuchte er einfach die Tür zu öffnen und musste feststellen, dass die Tür verschlossen war.

Seufzend wandte er sich zu seiner Schar. Für einen Moment dachte er darüber nach, Luniel zu fragen, ob die Notiz auch eine Zeit noch genannt hatte, aber überlegte es sich dann anders. Egal, was er antworten würde, es würde nichts an dieser Situation ändern. „Wir ziehen uns erstmal wieder in unsere Cella zurück und kommen später wieder.“

Auf dem Weg dorthin bemerkte er die Blicke Nathaniels. Ruvael blickte kurz zu ihm, sich wundernd, was mit ihm los war. Nathaniel wich sofort seinen Blick aus und überhaupt schien er gedankenverloren, mehr mit sich selber beschäftigt als tatsächlich die Aufmerksamkeit von Ruvael zu suchen.

Bei der Cella angekommen jedoch, trat Nathaniel an Ruvael heran und fragte: „Jetzt wäre doch ein guter Moment für den Trainingskampf, von den wir geredet hatten.“ Nathaniels Worte hatten einen freundschaftlichen Ton, aber sie hatten auch den Anklang eines Vorschlags als erwartete er insgeheim, dass Ruvael ablehnen würde.

Ruvael blickte sich in der Cella um. Was würde er stattdessen tun? Sich mit Luniel, diesem Plappermaul oder diesen Weichling Flurbiel unterhalten? Dieser Trainingskampf würde eine gute Ablenkung werden. Nickend, sagte Ruvael knapp: „Sicher. Ich weiß auch schon wo...“

Mit diesen Worten verließ Ruvael die Cella, im Herausgehen, dem Rest der Schar sagend: „Wenn wir zurückkommen, sehen wir nach, ob nun dieser Ramielit zurückgekommen ist.“

Als Ruvael Nathaniel durch die Gänge des Himmels führte, sagte er nichts. Um ehrlich zu sein, hatte er kein Interesse an einer Konversation. Er war interessiert Nathaniel den Gabrieliten in Aktion zu sehen. Nathaniel, die Person, war weniger interessant für ihn, auch wenn ihm dessen Gemüt gefiel, musste er zugeben. Auch Nathaniel schien an keiner Konversation interessiert zu sein oder zumindest nicht gewillt eine zu beginnen.

In der riesigen Trainingshalle waren bereits einige dutzend Engel präsent, die entweder still für sich trainierten oder, was üblicher war, es waren Scharen, die mit Anleitung von deren Michaeliten ihre Zusammenarbeit trainierten. Aber mit der Präsenz von so vielen Michaeliten war deutlich erkennbar wie unterschiedlich Ruvael im Vergleich zu jenen wirkte. Den Michaeliten wohnte eine stolze Selbstsicherheit inne, die einen dazu bewegte, sich ihnen anzuvertrauen und es leicht machte, zu glauben, dass sie tatsächlich wussten, was sie taten. Ruvael wirkte dagegen mehr wie die verbitterten Überreste jener Selbstsicherheit. Bei dem Anblick der Michaeliten im Raum, konnte man leicht sich die glorifizierten Geschichten ausmalen in denen Engel zu Helden erhoben wurden. Als Ruvael zu den Waffenhaltern am Rande des Saales ging, war klar, dass er weder ebenso leidenschaftlich noch so charismatisch wie die anderen Michaeliten war. Und was er stattdessen war, hatte wahrscheinlich nichts mit Heldengeschichten zu tun.

Langsam legte Ruvael seine Waffen ab und griff dann zwei Schwerter von den Waffenhaltern, beide abgestumpft, um zum Training benutzt zu werden. Ruvael nickte zufrieden als er beide Schwerter schwang und fand, dass sie ausreichend balanciert waren. Und er lächelte als er über die stumpfen Klingen fuhr.

Er wandte sich Nathaniel zu und warf ihm eines der Schwerter zu, welches knapp vor jenen landete und dann vor dessen Füße glitt.

„Kein Trainingskampf.“, stellte Ruvael lächelnd fest, den Moment genießend.

„Was-?“, begann Nathaniel, dessen Miene eine Mischung aus Verwirrung und Frustration war im Angesicht der plötzlichen Bemerkung von Ruvael.

„Ein Duell. Wer als erstes Blut zieht, hat gewonnen.“, setzte Ruvael amüsiert fort, ein paar Probeschwünge mit seinem abgestumpften Schwert machend.

Gesperrt

Zurück zu „Mein ist das Leid [Ruvaels Schar]“