Gaias Schmerz - Die Reise zum Kloster Nonnberg - 3. Akt

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Sangel
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Beitrag von Sangel » 09.01.2005 - 19:05

Selbstverständlich gingen die Engel nicht davon aus, dass die beiden Ketzer wie Lämmer zur Schlachtbank laufen würden. Folglich zog Sangel in einer schnellen Bewegung beide Arme des Gefangenen auf dessen Rücken und machte es ihm so unmöglich sich frei zu zerren. Darum, dass Varcanel nicht mit der Frau zurecht kommen würde, machte er sich keinesfalls Sorgen.

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Beitrag von Niniel » 09.01.2005 - 19:18

Ein leicht mulmiges Gefühl beschlich Niniel, als sie an den anderen vorbeiging und ihnen die Tür öffnete. Sie hatte noch nie erlebt, wie zwei Menschen von einer Schar gerichtet wurden. Es war... seltsam. Aber dennoch musste es getan werden. Diese Menschen hätten wohlmöglich nur noch mehr Leid und Trauer in die Welt gebracht! Sie waren vielleicht sogar eine Gefahr für andere angeliten oder gar für andere Engel.
Die Miene der Raphaelitin war kalt geworden, eine Maske aus weißem Stein.

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Beitrag von Varcanel » 11.01.2005 - 08:45

Sobald Sangel sein Urteil gefällt hatte, reagierte Varcanel auch schon. Er hatte die ganze Zeit nur darauf gewartet, dass die Ketzerin einen Fluchtversuch unternahm.
Noch ehe sie beginnen konnte handgreiflich zu werden, hatte er ihr kräftig den Schaft seiner Schwertlanze über den Schädel gezogen. Während sie benommen in seine Arme sank, sickerte ein dünner Blutstrom durch ihr blondes Haar und färbte den Kragen ihrer Beginentracht dunkelrot.
Obwohl Eva ihn einen halben Kopf überragte, gelang es ihm dank seiner göttlichen Gaben mühelos sie nach draußen zu bugsieren - auch wenn sie nun wieder begonnen hatte sich zu wehren.
Auf ein Nicken in die Richtung Igliels folgte ihm der kleine Engel. Ihm war durchaus klar, dass Varcanel trotz allem Hilfe benötigen würde um die Frau zu richten.
Als er an Niniel vorbei durch die Tür schritt war die Miene des Gabrieliten versteinert, sie vermochte nicht zu sagen ob dies von Entschlossenheit oder unterdrückter Unsicherheit herrührte - nach außen hingegen war er weiterhin die treue und strafende Hand seines Scharführers.

Während die übrigen drei mit dem zweiten Ketzer drinnen blieben um vielleicht zumindest dessen Seele zu retten, suchte Varcanel nach einem geeigneten Platz für die Hinrichtung. Igliel folgte ihm derweil mit einigen Schritten Abstand und spähte immer wieder in die Dunkelheit. Man konnte ja nie wissen ob nicht noch weitere Verderbte hier herum liefen...

Der Todesengel wählte die kleine Baumgruppe, die ihm schon am Abend aufgefallen war als Ziel. Man musste den frommen Bewohnern des Wirtshauses ja nicht mehr Ärger als nötig machen.
Stumm wies er Igliel an die Verurteilte auf die Knie zu zwingen. Mittlerweile war ihre Kraft versiegt und sie stammelte nur noch leise und schien zu beten, Gnade konnte sie auf dieser Welt auch nicht mehr erwarten, dass machte ihr der unbarmherzige Blick ihres Henkers klar. Tränen liefen über ihre blassen Wangen und vermischten sich mit dem Blut, das ihr nun über die Stirn in die Augen lief.
Igliel hingegen schien nun wieder ein wenig unsicher zu sein - schließlich war es das erste Standgericht seines Lebens auf Erden und auf solcherlei hatte man ihn nicht vorbereitet in seiner Ausbildung.

Varcanel ließ sich von all dem nicht verunsichern. Er schloss die Bilder vor ihm aus seinen Gedanken aus und suchte Halt in den vertrauten Worten der angelitischen Kirche.
Aus deinem Zorn erschufst du Gabriel, den schrecklichen Gabriel
Flamme deiner Wut
Schwert der Gerechtigkeit deiner Kirche
Du schufst deinen Engel nur wenig geringer als dich selbst
hast ihn mit Ehre und Herrlichkeit gekrönt


Das Flammenschwert des Todesengels flammte auf, hüllte die Szenerie in düsteres Rot. Varcanels Lippen formten noch immer stumm die Worte des Hochgebetes. Die einzigen Geräusche waren das Schluchzen der jungen Frau, die sich in Weinkrämpfen schüttelte und das beständige Knistern der züngelnden Flammen auf der Klinge des Gabrieliten.
Das Schluchzen wurde leiser, Varcanel hob die Klinge weit über seinen Kopf. Seine Flügel waren weit entfaltet und grenzten sie von der Außenwelt ab. In diesem Moment gab es nur ihn, Igliel und die Frau.
"Möge Der Herr deiner Seele gnädig sein..."
Die Zeit schien stehen geblieben zu sein. Unendlich langsam so schien es senkte sich die flammende Klinge, fuhr immer schneller herab auf den entblößten Nacken Evas.

Birg die Gerechten im Schatten deiner kraftvollen Schwingen und erhebe sie
auf dass sie die Frevler zerschmettern mit der Kraft seines läuternden Feuers!


Kein Schrei kündete vom Ende der Ketzerin. Die Klinge des Gabrieliten hatte sie sofort getötet.
Immer noch stumm ließ Varcanel das Feuer erlöschen und sogleich kehrte die Dunkelheit der Nacht zurück, drang auf die beiden Engel in gleichem Maße ein wie die Erkenntnis was soeben geschehen war.
Kurz blickten sie einander in die Augen, doch keiner sprach ein Wort.

Mit einem letzten Blick auf den leblosen Körper und die dunkle Flüssigkeit, die langsam im fruchtbaren Boden versickerte, wandte sich Varcanel ab.
*Es ist getan, Sangel. Was ist mit dem anderen?*

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Beitrag von Niniel » 11.01.2005 - 16:56

Stumm schritt Niniel hinter den anderen her. So grausam die Situation auch war, sie konnte den Blick nicht von der hinzurichtenden Frau lassen. Kalt blickte sie in die mit Furcht erfüllten Augen. Geweitet vor Angst und vermutlich auch Wahnsinn waren sie.

Herr, reinige diese Arme verirrte Seele.

Dann das dumpfe Geräusch des durchtrennten Halses. Leblos sanken Kopf und Körper zu Boden. Es war, als geschehe alles unendlich langsam, genauso langsam, wie sich die rote Lache auf dem nächtlichen Boden ausbreitete. Eine Weile starrte Niniel auf die Tote und wandte dann den Blick zu Sangel. Den Schrecken herunterschluckend war sie nicht fähig auch nur ein Wort von sich zu geben.

*Sangel, ich verstehe mich nicht auf das heilen einer Seele und ich vermag nicht zu sagen, ob wir einen fähigen Raphaeliten hier in der Nähe finden werden. Doch verfahre mit ihm, wie du meinst.*

Ehrfurcht vor dem gerechten Zorn des Michaeliten schwang deutlich in ihren Gedanken mit. Doch verbarg die Raphaelitin noch immer ihre Gefühle hinter der weißen Maske ihrer Züge.

Nathanael
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Beitrag von Nathanael » 11.01.2005 - 23:41

Star stand Igliel da und erst nach einigen Augenblicken schien er wieder mit den Gedanken beieinander zu sein. Erschrocken ließ er nun den Kopflosen Rumpf fahren, welchen er für den Streiter Gottes fixiert hatte, auf das er den finalen Richtschlag auch sicher ausführen konnte.

Die Frau hatte eigentlich so unschuldig gewirkt und zunächst hätte er auch gern geprüft ob an ihrer Geschichte etwas wahres ist, aber sie hatte sich dann ja durch ihre eigenen Worte als Ketzerin überführt.

Nun hoffte der kleine Urielit darauf, dass man wenigstens die Seele des Mannes retten könne.

*Sangel lass uns versuchen Seine Seele und sein Leben zu retten.*

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Beitrag von Sangel » 12.01.2005 - 00:10

Ohne seinen Griff zu lösen, schloss Sangel kurz die Augen und murmelte ein Gebet.
"Möge der Herr ihrer Seele gnädig sein." endete er.
Dann öffnete er wieder die Augen, lies Thorsten los und sah ihn an.
"Deine Gefährtin tritt unserem Herrn gegenüber. Du kannst noch gerettet werden. Sag, wie kommt es, dass Du lesen und schreiben kannst und was sollte Deine Rolle in diesem Hirngespinnst werden?"

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Beitrag von Jenny » 14.01.2005 - 09:49

Thorsten war wütend und sah recht verzweifelt aus. "Hirngespinst? Das ganze war nur die reine Wahrheit. Meine Aufgabe ist hier beendet. Ich war ihre Beschützerin, ihre Begleitung, ihr Freund. Ich habe Briefe überbracht. Ich hatte mit beiden Schwestern häufig Kontakt. Ich hätte wissen müssen, dass es wieder die Kirche ist, die eine Familie zerstört!"

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Beitrag von Sangel » 14.01.2005 - 12:12

Sangel atmete einmal tief durch.
"nun gut, wir haben dich nicht am Leben gelassen um dich zwei Augenblicke später zu richten. Du hälst anscheinend auch an dieser Geschichte fest. Nun sag mir aber zuerst wieso du lesen und schreiben kannst. Danach berichtest du von den angeblichen Schwestern und was Du GENAU über diesen Vorfall zu wissen glaubst."

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Beitrag von Niniel » 15.01.2005 - 12:56

Nun konnte sie sich nicht mehr beherrschen. Wie ein Vulkanausbruch sprudelten die Worte aus der Raphaelitin hervor..

"Was wagst du es die Genade und die Geduld des Herrn so aus die Probe zu stellen? Wenn du auch nur einen Funken Anstand hättest würdest du dich angemessener verhalten, Mensch! Weist du nicht, in welche Situation du dich befindest du Blender? Was auch immer deinen Geist vernebelt haben mag, bete, das er sich schnell genug wieder klärt, bevor du vor den Herrn treten musst!"

Zorn funkelte in ihren blauen Augen auf. Das blasse Gesichtchen verzog sich zu einer Fratze der Wut. Ihre Stimme war rau und schnarrend wie immer, doch diesmal war sie um einiges beunruhigender und vor allem bedrohlicher als sonst. Die kleine Raphaelitin bebte vor Wut. Sie wusste selber, dass sich sich gerade einer Sünde hingab, doch wer hätte das angesichts solcher Gotteslästerei nicht getan?

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Beitrag von Sangel » 16.01.2005 - 18:49

Ganz langsam drehte sich Sangels Kopf zu Niniel, die gerade ihren letzten Satz beendet hatte und ein eisiger Blick traf sie.
Nachdem er seine Augen kurz auf seiner Schwester geruht hatten, drehte sich der Michaelit wieder zu dem Gefangenen.
"Du hörst, wir haben alle ähnliche Meinungen. Wähle Deine Worte weise."

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Beitrag von Niniel » 17.01.2005 - 13:59

Als Sangels eisiger Blick sie traf erstarrte ihrer Worte Feuer. Doch tief in ihrer Seele loderte das Feuer noch immer. Niniel ballte die Hände zur Faust. Weislich traten ihre Knöchel hervor. Sangel war der Michaelit und sie hatte im zu folgen. Wenn er also wollte, dass sie schwieg, tat sie es. Für einen kurzen Moment schein es, als wolle Niniel etwas loswerden, doch dann entspannten sich ihre Züge, die Schultern sanken herab und sie verschränkte ihre Hände hinter dem Rücken. Aufrecht und vollkommen ruhig folgte sie der weiteren Situation.

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Beitrag von Jenny » 21.01.2005 - 21:09

Thorstens Oberlippe zuckte. Diese Kinder ... diese blinden Kinder ... nichts anderes waren sie.

Der Mann blieb vollkommen ruhig und antwortete. "Ich kann schreiben, weil es mir der Vater von Eva und Luci beigebracht hat. Ich kenne ... nein KANNTE diese beiden schon sehr lange und meine Aufgabe war es, dass zwischen ihnen der Kontakt nicht abbrach. Luci hatte in einem Kloster gelebt ... ist aber von dort geflohen, weil sie mit den ganzen Lügen nicht zurecht kam. Eva war immer die stärkere gewesen. Sie blieb um weiter hinter die Fassada der Kirche blicken zu können. Sie bemühte sich sehr ... aber sie war im falschen Kloster. Wo anders hätte sie es leicht zur Priorin schaffen können. Das war ihr Plan ... und ich wollte ihr dabei helfen." Er schien keine Angst zu haben, als er davon sprach.

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Beitrag von Sangel » 22.01.2005 - 02:16

*Ydriel, was sagen Dir Deine gottgegebenen Mächte zu diesen Aussagen? Er scheint tatsächlich davon überzeugt zu sein. Ich habe noch nie jemanden so gut lügen gesehen.*

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