Das Schwarze Herz 1 - Wie der Wind weht

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Ta-mil
SL Kenjiels & Anuels Schar
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Beitrag von Ta-mil » 06.10.2005 - 17:15

"Engel Gabriel!", donnerte auf einmal die Stimme des erwürdigen Abs Dimitri durch die Kirche und alle verstummten abrupt und er sprach leiser weiter, "Auch eine einfache Aufgabe benötigt ihre Zeit und da den Schwestern nicht viele Möglichkeiten bleiben, da ihnen verwehrt ist dieses Haus Gottes zu verlassen bis Anuel das Kloster für sicher erklärt, werden sie ihr Möglichstes tun." Seine Blick bohrte sich förmlich durch den Raum - seine Worte waren nicht gesprochen und doch konnte Hassariel sie schon fast hören 'Du hast dich noch nicht einmal vorgestellt, so wie es die Regeln gebieten!' - bevor der Ab noch hinzufügte. "Ich danke den Engel unseres Herrn für ihre Hilfe und bete daraum, dass dieses Problem bald beseitigt ist." In einer fließenden Bewegung drehte er sich wieder dem Hochaltar zu und stimmte das Hohelied Gabriels an.

Pantalaimon
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Beitrag von Pantalaimon » 06.10.2005 - 19:09

Ein kurzes Zucken durchfuhr Hassariels Schultern, als die Worte des Abs ihn trafen. Ohne ein weiteres Wort zu sagen, wartete er bis die Beginen ein provisorisches Lager erichtet hatten. Vorsichtig betteten Anuel und er die erschöpfte Anastasiel auf dieses Lager.

"Anuel, Du findest mich draußen wenn irgendetwas sein sollte!" Seine Stimme klang freundlich und respektvoll, jedoch entging es den geschärften Sinnen des Michaeliten nicht, daß Hassariels Kiefermuskeln vor Zorn bebten und auch der Protest der Lederriemen seines wuchtigen Schulterpanzers sprachen eine eindeutige Sprache.

Ohne auf eine Antwort zu warten, schritt Hassariel mit großen Schritten zur Kirchentür, wartete nicht bis die Templer ihm öffneten, übernahm dies selbst und stieß sie geräuschvoll wieder zu.

Draußen genoß er für einen Moment den kühlen Regen auf seiner Haut, welcher sein inneres Feuer ein wenig besänftigte. Danach erhob er sich schwerfällig und flog hinauf auf die Kirche um sich dort oben einen Platz zu suchen, von dem er einen guten Blick auf die Umgebung hatte.

Anuel
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Beitrag von Anuel » 08.10.2005 - 08:07

Anuel verengte bei der Rüge des Abs die Augen. Es war schon richtig, daß Hassariels Ton etwas scharf gewesen war, aber das hielt er in Anbetracht der Situation für vertretbar. Sie hatten hier immerhin einen verletzten Engel.

Nachdem die Beginnen ihre Arbeit endlich beendet hatten, legten sie Anastasiel gemeinsam auf das Lager.

"Anuel, du findest mich draußen wenn irgendwas sein sollte!" sagte Hassariel daraufhin mit bemerkenswert ruhiger Stimme. Der Kontrast zu dessen erzürnter Mimik blieb Anuel nicht verborgen.

Als der Gabrielit dann unverzüglich die Kirche verließ, gab Anuel ihm ein wenig Zeit, um sich erst einmal zu beruhigen, bevor er sich an ihn wandte.

SdS, Hassariel: *Vielen Dank für deine Hilfe, Hassariel. Nimms dir nicht zu sehr zu Herzen, der Ab ist wahrscheinlich nur nervös. Ich werde dann kurz mit ihm reden.*

Das mußte aber erst einmal warten. Zuerst mußte er sich mit Zazuel über diese angeblich ketzerischen Engel unterhalten. Unwillkürlich glitt sein Blick durch die Kirche und über die versammelten Engel, und noch einmal fragte Anuel sich, ob er ihnen überhaupt trauen konnte. Er hatte sich soeben auf sie verlassen müssen, aber eigentlich hatte er es fast aus Gewohnheit getan. Was, wenn einer oder mehrere sie verraten hätten? Er mußte da so schnell wie möglich Gewißheit schaffen.

Er wandte seinen Kopf zu Zazuel. Der Ramielit wirkte müde, aber Anuel konnte nicht länger warten. Es konnte auch niemand sagen, wann der Feind den nächsten Schritt unternahm.

SdS, Zazuel: *Zazuel, es tut mir leid dich zu stören, aber ich würde mich mit dir gerne über diese Raphaelitin unterhalten, die deiner Meinung nach mit den Ketzern im Bunde ist.*

Sajael
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Beitrag von Sajael » 10.10.2005 - 18:44

Sajael nickte der Gabrielitin zu und deutete dann auf die Kirche.

"Aber lass uns bitte erst einmal reingehen."
Damit hatte sie sich auch schon Anuel und seiner Last angeschlossen und erst als sie im Trockenen war wandte sie sich wieder um.
Mit einem kleinen Handwink bedeutete sie der Gabrielitin das sie ihr folgen sollte und setzte sich an der Wand erstmal auf den Boden.

"Was ist?"
Sajaels Stimme war noch immer müde, aber sie wollte das über die Bühne bringen. Aus braunen Augen musterte sie die Gabrielitin.

Pantalaimon
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Beitrag von Pantalaimon » 10.10.2005 - 19:07

Der Knauf der Schwertlanze trifft hart auf den Stein der Flugplattform als Hassariel auf dieser landet. Dem dumpfen Geräusch folgt das Rascheln von Federn, als er das Wasser aus seinen Flügeln schlägt.

Er ging langsam zum Rand der Plattform und spähte in die Nacht. Er erwartete nicht wirklich irgendetwas zu entdecken, aber es lenkte ihn ab. Es gab ihm eine Aufgabe. Sein Blick wanderte durch die Finsternis in der Hoffnung etwas zu finden.

Lange her, daß ich ein Engel tragen mußte.

"Noch nicht lange genug!" antwortete ihm die Stimme.

Es ist nicht so, daß er Berühungen scheuen würde. Nein ganz und gar nicht. Nur leider war sein Leben bisher mit zwei Arten von Berührungen ausgekommen, das Gefühl wenn er Gottes Zorn mit seinen Fäusten unter den Ketzern und zum Teil auch der Traumsaat verteilte und das Gefühl wenn er Engel oder das was von Ihnen übrig war zu den Engeln der heilenden Hände trug.

Ihre Haut war so zart...

... und die schnatterten Beginen so langsam! sprach die Stimme

Es war richtig sie zur Eile anzuhalten... sogar der Michaelit Anuel stimmt mir da zu...

SdS, Anuel:...der Ab war nur nervös... er ist halt nur ein Mensch und wird nie Gottes Glanz auf sich spüren....*

Die Botschaft war sehr leise und hatte mehr den Charakter eines Fetzen eines Gespräches welches man im Vorbeigehen aufschnappte.

Hassariels Griff um die Hasta wurde fester. Sein Blick huschte noch einmal von links nach rechts und zurück, dann stieß er sich ab und gewann an Höhe.

Ich denke zuviel.

Mit kräftigen Schlägen trotze er den Böen und versuchte im tückischen spiel des Windes die Kontrolle zu behalten.

Immer mehr konnte er sich dem Handeln hingeben. Sein Körper kämpfte gegen den Wind an und drängte seine Gedanken in die Löcher zurück aus denen sie gekommen sind. Manches Handeln mag in Schmerzen enden, aber das Denken ist Pfad voller Schmerz auf dem man sich nur all zu leicht verirrt.

Tanyael
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Beitrag von Tanyael » 13.10.2005 - 19:18

Tanyael sah zu der Raphaelitin und verglich ihr Bild mit dem der Flüchtigen.

"Die Flüchtige sah aus wie eine Scriptura-Raphaelitin, sie hatte schwarze Haare, sie war richtig groß und damit mein ihc nicht nur ein Kopf größer als ich und ihre Spannweite war beachtlich für ein weiblichen Engel. Kommt dir die Beschreibung bekannt vor?

Sie konnte sich, sagen wir mal unsichtbar machen oder sich irgendwie tarnen. So wie bei den Urieliten. Es fing mit Verschwimmen an und fing bei ihren Flügeln an und zuletzt ihr Körper.
Gibt es bei dir im Orden eine Fraktion die sowas erlernen könnte?"

Sajael
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Beitrag von Sajael » 13.10.2005 - 20:20

Sajael schloss die Augen und dachte nach.

"Nein, ich kenne niemanden der so aussieht und ebenfalls ist es mir unbekannt das andere Geschwister meines Ordens etwas erlernen können das den Urieliten vorbehalten ist."
Kurz öffnete sie die Augen wieder und fixierte Tanyael erstaunlich forsch.
"Allerdings wurde der Ketzer den ich im Keller getroffen habe ebenfalls unsichtbar. Vielleicht hängts zusammen..."

Die Raphaelitin entspannte sich etwas und ihre Augen wurden wieder ruhig und in sich gekehrt. Sie betrachtete den Boden vor ihren Füßen und wartete ob Tanyael noch etwas wissen wollte.

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Beitrag von Tanyael » 18.10.2005 - 12:11

"Könnte es sein das es dieselbe Person ist?
Wenn er/sie sich schon den Blicken entziehen kann, warum dann auch nicht das Aussehen verändern.
Ich denke wir haben ein größeres Problem als es den Anschein hat."

Nachdenklich spielten die Finger Tanyaels mit dem Heft des Schwertes und Gedankenverloren sah sie sich um.
"Gab es besondere Merkmale bei dem den du gesehen hast? Vielleicht finden wir ja irgendwelche Merkmale die uns helfen könnten, herauszufinde ob es nur eine Person ist oder ob wir es mit mehreren zu tun haben."

Sajael
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Beitrag von Sajael » 19.10.2005 - 17:20

"Hm," machte Sajael nachdenklich und legte den Kopf zurück.

"Um ehrlich zu sein habe ich nicht genau darauf geachtet. Ich war zu...verwirrt. Aber hat der kleine Alanthiel," sie stockte kurz und sah dann zu Seite weg bevor sie fortfuhr, "nicht etwas von bösen Engeln erzählt die sie attackiert haben? Irgend so etwas?"
Die Raphaelitin sah zu Anastasiel hinüber die auf ihrem provisorischen Lager lag und das Herz wurde ihr schwer. Immerhin war es der Urielitin auhc sehr wichtig gewesen ihren kleinen Ordensbruder gerettet zu wissen. Und nun war er fort...

Sajael seufzte und sah dann wieder zu Tanyael.

Zazuel
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Beitrag von Zazuel » 19.10.2005 - 18:01

Eigentlich waren ihm in dieser Kirche jetzt viel zu viele Leute - Menschen wie Engel. Zazuel lehnte mit geschlossenen Augen zwischen zwei Wandsäulen und wünschte sich in eine kleine, stille Einzelcella, am besten ohne Fenster und mit verriegelbarer Tür.
Sogar das Spielen der Kinder ging ihm bereits an die Substanz und so fauchte er gereizt und doch so, dass es niemand wahrnahm, als Anuels Stimme in seinen Geist eindrang, in dem er gerade Zuflucht gesucht hatte. Die Augen wurden verdreht, bevor er sie öffnete, um dem Michaeliten ein müdes und doch überaus freundliches Lächeln zu schenken, das der nicht abzustreiteten Schönheit des ungewöhnlichen Ramieliten einen warmen, einnehmenden Touch verlieh.
Einen Moment überlegte er, ob er den goldenen Engel zu sich holen sollte, doch dann fiel ihm ein, dass er so wieder jemanden in den kleinen Kreis von drei Metern treten ließ, den er hier aufgrund einer geschickten Flügelhaltung für sich erobert hatte. So wählte Zazuel doch den Weg der Gedanken, um mit dem Michaeliten zu kommunizieren, auch wenn er diese Form eigentlich gar nicht mochte.

SdS Anuel: *Was willst du wissen?*

*Was genau hat diese Raphaelitin in deinen Augen zu einer Ketzerin gemacht?*
, kam nach kurzer Zeit die erste Frage des goldenen Engels und Zazuel seufzte leise, als er den Kopf senkte und den dunklen Stein unter seinen nackten Füßen betrachtete, um sich ganz auf seine Erinnerungen konzentrieren zu können.

*Auf meine Fragen nach ihrem Namen und warum sie mich geheilt hat, meinte sie, ihr Name tue nichts zur Sache und wenn ich Antworten haben wolle, solle ich dem Ruf des schwarzen Herzens folgen. Eine Verlockung ähnlich der, die mir dieser versuchte Hund offenbart hat, der zuletzt verendet ist.*

Er schwieg, bis Anuel ihm nach kurzer Zeit die nächste Frage stellte: *Was hat sie getan, als sie bei dir war?*

*Ich bin im Waschraum ausgeglitten und in diesem Moment kam sie herein und ich konnte mich plötzlich absolut gar nicht mehr bewegen. Ich wollte mich wehren, aber es ging nicht, als sie näher kam und mit ihre Hand auf die Schulter legte. Meine Wunden schlossen sich auffallend schnell und sie lächelnd, wie sie gekommen war, auch wieder gegangen. Es dauerte noch eine Weile, bis ich mich wieder aufrappeln und meinen Zustand überprüfen konnte, doch alles, was von dem Kampf und dem langen Tag geblieben ist, ist meine Erschöpfung.*


Wieder Stille, dann fast resignierend ob der geringen Mitteilungsbedürftigkeit des Ramieliten die nächste Frage:
*Wo ist sie hin?*
Zazuel blinzelte und sah kurz auf, zog eine Augenbraue hoch. Woher sollte er das denn wissen?
Daher kam nur ein knappes *Raus.* zurück, ehe er die Arme vor der Brust verschränkte und wieder auf den Boden sah.

Nun war es länger still und das Kind Jeremiels wollte eben aufatmen, dass er nun wohl seine Ruhe wieder hatte - zumindest die seines Geistes - als doch wieder eine Frage in seine Gedanken tropfte, die er selbst merklich früher gestellt hätte: *Wie sah diese Raphaelitin aus?*
Ein leises Seufzen ersetzte das Aufatmen und Zazuels Schwingen zuckten leicht - ein eindeutiges Zeichen seines Unbehagens, hätte ihn hier jemand gekannt. Aber glücklicherweise war dem nicht so und er hoffte, dass sich daran auch nichts ändern würde.
*Sie war von weiblicher Statur, bereits sehr ausgereift weiblich. Ihre Haare waren schwarz und von einem weißen Band in einem raphaelitischen Dutt zusammengehalten. Ein Großteil ihrer linken Gesichtshälfte wurde von einer weißen Maske verdeckt, die ebenso von einem Band an ihrem Kopf gehalten wurde. Sie ließ dem Auge freie Sicht, doch bedeckte die Hälfte der Stirn, die Augenbraue, einen Teil des Nasenbeines und der Schläfe und den Wangenknochen, wobei der Kieferknochen unbedeckt blieb. Sie trug einen angelitischen, weißen Kriegsrock, samt Gürteln und Tasche, ebenso einen Dolch, den sie aber nicht gezogen hatte. Dunkelbraune Augen und etwa mein Hauttyp.* rasselte er stoisch herunter, um dann wieder zu schweigen. Im Prinzip hatte er auch nicht mehr wirklich etwas darüber zu erzählen.

Anastasiel
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Beitrag von Anastasiel » 21.10.2005 - 19:14

Der ruhige Schlaf der Urielitin wandelte sich leicht, als ihr Kopf zur Seite ruckte.

Gesichtslose Engel beugten sich über sie. Etwas, das aussah wie ein Raphaelit, legte ihr die Hände an das Bein, welches sich sofort merkwürdig verformte.
Ein anderer Engel, scheinbar ein Ramielit, hatte den formlosen Mund zu einer grinsenden Fratze verzogen, und ritzte ihr mit einer angespitzten Feder Zeichen in die Haut, die ihrer Tätowierung zum verwechseln ähnlich sahen.
Eine Stimme ertönte in ihrem Kopf, ausgehend von einer golden flackendern Engelsgestalt.
„Leide, leide Kindchen…“ ein grässliches Lachen ertönte, vermischt mit einem Schrei, der sich aus ihrer eigenen Kehle löste, als hinter ihr ein Ordensbruder auftauchte, und sie in einem Spiegel sah, wie er ein Messer an ihre Flügel ansetzte und es hineinrammte…

„NEIN!“ erschrocken fuhr die Urielitin auf, sprang auf die Füße und sah sich hektisch um.
Mit vor Schreck geweiteten Augen bemerkte sie die Engel, erkannte dann, dass es die waren, die mit ihr
gemeinsam gekämpft hatten. Noch immer total geschockt langte sie nach hinten an ihren Rücken und erfühlte ihre Flügel, beruhigte sich jetzt etwas.
„Was… was ist passiert? Wie lange war ich…nicht da?“ Sie legte sich die Hand ans Herz und merkte, wie schnell es schlug. Langsam ließ sie sich auf einer Bank nieder und legte das Gesicht in die Hände.
Alanthiel…
’Kleiner Alanthiel… wir finden dich, und holen dich zurück… versprochen…’

Plötzlich verzerrten sich die Gesichter der anderen, und ihre Gesichter wurden halb von weißen Masken verdeckt.
Verschreckt drückte sie sich an die Bank hinter sich, als erneut die merkwürdige Stimme in ihrem Kopf ertönte.
"Glaubst du wirklich, dass du rechtzeitig kommen wirst?"
Stille. Die Urielitin hörte nur ihren eigenen Atem und ihr eigenes Herz laut schlagen.
Jeder der maskierten Engel blickte sie an.
"Willst du weitere Versprechen machen, die du niemals halten kannst?"

"Ich...ich..." Anastasiels Stimme versagte, im selben Moment, als ein Engel, gezeichnet mit mehr göttlichen Zeichen als Anastasiel je einen Engel gesehen hatte durch das Kirchenschiff zu ihr heruntergeschwebt kam - ohne die Flügel zu bewegen.

"Diese Wirklichkeit ist nur dein Traum ... deine eigene Wahrheit. Doch niemals wirst du die Wirklichkeit sehen." Langsam kam er auf sie zu. Anastasiel sprang auf, und als ihr Blick durch die Kirche glitt, auf der Suche nach Hilfe, sah sie die Klosterbewohner.
Die Kinder... Die Kinder!
Sie alle trugen diese weißen Halbmasken... und die Erwachsenen?
Sie lagen alle herum, verstümmelt, tot. Alles war voll mit Blut.

"Anastasiel..." Die Urielitin, mit Tränen in den Augen, sah auf zu dem merkwürdigen Engel.
Er streckte die Hand aus, und darin erschien eine weiße Halbmaske.
"Ich habe etwas für dich."

Das Gesicht der Urielitin verzog sich, als die Tränen begannen zu fließen, und sie kopfschüttelnd ein paar Schritte rückwärts machte.
"Nein..." stammelte sie.“Nein... wie grausam..."


Die Urielitin wälzte sich auf ihrer Lagerstatt zur Seite, und aus den Augenwinkeln tropfen lautlos kleine Tränen auf die Unterlage....

"Dann lauf! Geh hinaus in die Finsternis und niemals wirst du das Licht erblicken!" Von überall erschallte die Stimme des fremden...Michaeliten? und Anastasiel wurde von einer seltsamen Panik erfasst, die sie dazu drängte in wilder Panik aus der Kirche hinauszurennen...

Im selben Moment, in dem die Urielitin träumte, sprang auch ihr Körper auf, und rannte zur Tür, diese aufstoßend, hinaus an die Luft.

Draussen angekommen fand sich die Urielitin in erstickender, schwarzer Finsternis wieder. Hier war nichts.
Anastasiel drehte sich um, wollte sehen, ob sie weit genug weg war, ob sie erfüllt hatte, was der Engel von ihr verlangt hatte.
Und schrie entsetzt auf, als die Kirche einfach so in sich zusammenfiel, Steine zerbarsten und Staub flog.

Jetzt war sie allein in der Finsternis. Hörte ihren eigenen, abgehackten, ängstlichen Atem.
Plötzlich ertönte ein Lied. Sanft und einschmeichelnd, von einer warmen Frauenstimme gesungen. Die Worte waren nicht deutlich, Anastasiel verstand nur wenig.

auf deiner Suche
Kein Opfer zu groß
Um zu erreichen
Gibst du dich auf
Gebot
Siehst du nicht der Wahrheit Glanz
Tief in dir
Ich hab' zu viele Engel fallen sehen
Seelenleer und entstellt
letzte Schatten fällt
erkennst du nicht
Im letzten Augenblick
...Leben nur aus Lügen
Ohne klar zu sehen
Dass das Gesicht unter der Maske ist
Zur Fratze nun entstellt
...nichts mehr von dir übrig ist
Was dich zusammenhält

Anastasiel unterdrückte das Schluchzen, das in ihrer Brust klemmte, irritiert von dem Lied und der Stimme, in dieser absolut absurden Situation.
Eine Weile war es still, dann begann die Stimme die gesungen hatte zu reden.
„Die Hoffnung auf Freiheit, gab uns diesen Weg, doch sind wir wieder gefangen, auch wenn unser Wissen größer geworden ist."
Dann wurde es still.
Anastasiel blickte sich hektisch um. Woher kam diese Stimme?
„Wer…wer bist du? WO bist du? Lass mich gehen!“

„Ich habe meinen Namen verloren.“ Kurz glaubte Anastasiel einen schwarzen raphaelitischen Zopf und weiße Schwingen zu sehen. „Du hast dich selbst gefangen!“

„Was habe ich? Ich habe gar nichts gemacht! Was soll das heissen??“
Plötlich tauchte ein Gesicht, ein gebräuntes Gesicht… Das Gesicht der schwarzhaarigen Raphaelitin mit der Halbmaske vor ihr auf.
"Du verläufst dich in deiner Angst und deinen Selbstzweifeln!"
Der Schatten schien zum Leben zu erwachen, und zog das Gesicht in die Finsternis zurück.

Wieder hörte sie nur ihren Atem, das unterdrückte Schluchzen. Sie tappte ein paar Schritte umher, streckte die Hände aus und versuchte irgendetwas zu fassen zu kriegen. „Hallo?“ Ängstlich, und voller Sorge, mehr um die anderen als um sich selbst, begann sie das Gebet zu murmeln, dass man ihr damals, vor 10 Jahren beigebracht hatte.
„Sendbote Uriel, leite meine Schritte, aufdass ich nicht wanken möge, denn wirr sind die Pfade des einen der uns ins Verderben stürzen will…“



Das Bild verschwamm, und Anastasiel hörte eine leise Stimme murmeln.
Sie öffnete die Augen, und merkte, dass sie selbst es war, die leise das Postulantengebet rezitierte.
Sie stand vor der Kirche, spürte den Stein unter den Füßen, den Wind auf der Haut, sah Wolken und den Schatten der intakten Kirche.
Sie blinzelte einige Male und ging dann auf die Knie, und mit der Hand den Boden zu befühlen.

Der Stein… fühlte sich so wunderbar an. Und war echt.
Noch immer liefen die Tränen über ihr Gesicht, und jetzt, als der ganze schreckliche Traum den Weg zurück in ihre Erinnerung fand, brach auch das Schluchzen wieder hervor, welches das Leise Gebet, das sie wieder aufgenommen hatte, ab und an unterbrach…

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Beitrag von Anuel » 22.10.2005 - 16:11

Gespannt lauschte Anuel der Erzählung Zazuels. Sie enthielt einige Details, die dem Michaeliten neu waren und von denen er gerne früher gehört hätte. Doch da Zazuel seine Fragen sehr genau beantwortete, unterbrach er ihn nicht und hörte sich die Geschichte erst einmal zu Ende an. Anuel war froh über das leichte Lächeln des Ramieliten - wenn man ihn erst einmal kennenlernte, schien er in Ordnung zu sein. Er brauchte wahrscheinlich wie einige seiner Ordensbrüder nur ein wenig Zeit um aufzutauen.

Am interessantesten fand er, daß man mit Zazuel im Namen dieses Schwarzen Herzens Kontakt aufgenommen hatte, und anscheinend gleich zweimal. Das es beim zweiten Mal sogar ein anderer Engel gewesen war, schien zu bedeuten, daß es dem Schwarzen Herz wichtig war, weitere Engel auf seine Seite zu ziehen. Aber wofür? Was hatten sie vor? Zu welchem Zweck setzten sie sich solchen Risiken aus, um Engel zu rekrutieren?

All das hing natürlich davon ab, daß Zazuel nicht selbst dem Schwarzen Herzen diente und ihm gerade eine gewaltige Lüge auftischte. Er sollte wohl überprüfen, ob auch noch andere Engel von dem Schwarzen Herz in Versuchung geführt worden waren. Fürs erste würde er Zazuel vertrauen, besonders da er ihm als erster von diesen beunruhigenden Vorgängen erzählt hatte.

SdS, Zazuel: *Zazuel, ich habe noch eine weitere Bitte. Der Feind scheint über Engel zu gebieten...*

Anuel zögerte kurz, aber ihm fielen keine Worte ein, die es weniger hart hätten ausdrücken können.

SdS, Zazuel: *Ich möchte sicher sein, daß wir keinen Verräter unter uns haben. Wenn hier einer für das Schwarze Herz arbeitet, würdest du das erkennen?*

In dem Moment bemerkte Anuel aus dem Augenwinkel eine Bewegung. Er blickte zur Seite und sah Anastasiel aus der Kirche rennen. Unbewußt legte er die Hand auf den Knauf seines Schwerts.

SdS, Anastasiel: *Anastasiel, wie geht es dir? Warum bist du aus der Kirche gelaufen?*

Er wartete eine Zeitlang, erhielt jedoch keine Antwort.

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Beitrag von Sajael » 23.10.2005 - 20:08

Sajael wartete auf eine Antwort der Gabrielitin, als sie plötzlich Anastasiel aufspringen und hinausrennen sah. Völlig perplex sah sie erst nur hinterdrein doch dann war ihre Müdigkeit kurzfristig völlig vergessen. Schnell stand sie auf, sah Tanyael entschuldigend an und mit einem leisen: "Entschuldige bitte..." ging sie der Urielitin nach.

Auf dem Weg zur Tür beschleunigte sie ihre Schritte, verließ die Kirche und wäre fast über die knieende Anastasiel gestolpert. Die Schwester murmelte leise vor sich hin und Sajael kniete sich eilends und besorgt neben sie.
"Schwester? Was ist, was ist los?"
Ihre Hand lag leicht auf der Schulter der Urielitin und ihre braunen Augen sahen voller Sorge in das Gesicht des anderen Engels in der Hoffnung das sie ihren Blick erwidern würde.

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