Erntemond: Das 1. Buch - Genesis

Das Archiv aller abgebrochener Gruppen
Alvael
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Beitrag von Alvael » 06.10.2005 - 08:33

Alvael sah sich für einen Augenblick lang um. Ja dort hinten waren noch mehr Templer, die nur auf den Abritt warteten.
Die Urielitin ließ ihren Blick über die Männer schweifen und kniff blinzelnd die Augen zusammen.
Selbst an einem verregneten Tag wie diesem wünschte sie sich, es wäre dunkel.

Die meisten Urieliten empfanden die Dunkelheit wie einen Schutzschild. Im Dunkeln hätte sie niemand gesehen, auch nicht die aufgeregten Menschen. Alvael freute sich zwar sie zu sehen, aber traute sich nicht ihnen zuzuwinken oder mit ihnen zu sprechen. Die Reaktion, dass eine Alte bei ihrem Anblick einfach umfiel behagte ihr nicht. Ganz und gar nicht.

Die Urielitin wich ein paar Schritte zurück und sprach leise zu Nihad "Sage deinen Männern, dass ich direkt über Euch sein werde, aber gebt bescheid, wenn ihr durch dichten Wald reiten wollt." mit den Worten macht sie noch einen weiteren Schritt zurück und hatte so genug Platz für drei, vier Schritte Anlauf zwischen sich und dem Pferd. Alvael mühte sich dabei ausreichend Abstand zu halten um das Tier nicht zu erschrecken, aber ein gutes Tempflerpferd brach nicht in Panik aus, wenn sich neben ihm ein Engel erhob.

Ohne eine Flugplattform und beinahe ohne Anlauf gelang es meist nur den Urieliten sich vom Boden in die Luft zu schwingen, aber auch Alvael spürte langsam, dass ihr Körper durch das Wachstum recht schwer geworden war.
Ganz ohne Anlauf war es für sie nur mehr mit großer Anstrengung möglich vom Boden aus hochzukommen.

Doch mit den paar Schritten hob die Urielitin leichtfüßig wie immer ab und katapultierte sich regelrecht hinauf in den Himmel. Nihad musste seine Kaputze festhalten und den Umstehenden Menschen wehte für einen Augenblick ein kräftiger Zug um die Nase.
Alvael fluchte Innerlich. VIER Proviantbeutel baumelten an ihr und sie fragte sich, wann sie die jemals aufessen sollte.

Abwartend kreiste sie einmal über Nihad und seinen Männern und machte sich dann daran über ihnen herzugleiten.
Das Tempo der Pferde ließ ein gemütliches Flugtempo für sie zu und Alvael beschloss immer in Rufreichweite zu bleiben.
gerade soviele Meter über dem Boden wie ein normaler Baum hoch war, so dass die Bäumen nicht ausweichen musste, glitt die Urielitin dahin und beobachtete die Menschen.

Nicht ohne zu grübeln, warum Kardinal Pelo so besorgt gewesen war. Menschen waren schon seltsam.

Raphael
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Beitrag von Raphael » 18.10.2005 - 18:24

Von oben betrachtet erinnerte Wetzlar mit all seinem Treiben und Tummeln beinahe an einen Ameisenhaufen.
Dicht drängten sich die steinernen, engstehenden Häuser an den Hügel, dessen zackige Krone die hohen Türme des Kardinalspalastes und des Domes bildete. Zahllose Marktplätze durchbrachen das konstante Muster der hohen Häuserreihen, wie die schlanken Beinchen winziger Spinnen streckten sich Gassen und Straßen von diesen Handelspunkten an Holz und Stein vorbei hinauf und hinab, verknüpften sich miteinander und trennten sich wieder, endeten in zwielichten Vierteln voller zahnloser Weiber und ihren rotnäsigen Freiern oder in prunkvollen Bauten in die der Duft von frischem Gebäck und teuren Tees den Besucher lockte.
Überall wehten die stolzen Banner der Gabrieliten, einzig die Symbole der zahllosen Handelshäuser wagten, an der Seite des flammenden Schwertes in den warmen Winden über der Stadt zu tanzen.

Nihat führte seine Männer mit geschultem Auge durch dieses terrassenförmige Labyrinth, hinab zum Fuße des Hügels, wo Manufakturen mit harter Arbeit und Manna auf die Wetzlarer Bevölkerung warteten, vorbei an den hohen Hallen, die finsteren Rauch in den Himmel bliesen, durch das Stadttor und über die alte Lahnbrücke, um die Metropole hinter sich zu lassen und dem Lauf der hohen Handelsstraße zu folgen.

Den breiten, gurgelnden Strom der Lahn ließen die schwarzgerüsteten Männer bald hinter sich, die Dill aber, die ihre kühles Nass unweit der Stadt ihrer großen Schwester schenkte, wurde ihr steter Gefährte, schmiegte der Lauf des Flusses sich doch eng an die alte Straße, die Nihat und seine Templer zurück in die Heimat bringen würde.

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Beitrag von Raphael » 14.11.2005 - 20:03

Als Trennungspunkt dreier Gebirge stellte Wetzlar, wenn man es von weit, weit oben betrachtete, einen tiefgelegenen Ort zwischen in alle Richtung ansteigende Gesteinsmassen dar - eine beinahe ironische, geographische Gegebenheit, stand sie doch im starken Kontrast zu der ungeheuer wichtigen Funktion, welche die Stadt und ihr Herrscher im Machtgerangel Gabrielslandes und ganz Europas innehatte.

Südlich des breiten, blaugrauen Streifens, den die Lahn in das ackerreiche Land zog, erhob sich der Taunus in die Höhe, waldreiche Hänge, die dem geflügelten Reisenden den Weg bis weit hinab zum Wettermeer und der verruchten Diadochenstadt Franconofort wiesen.
Nördlich der Lahn reckten gleich zwei Gebirgsketten ihre steinernen Köpfe dem Himmel entgegen, Mons Rufus und Westerwald teilten den Norden des Feuerschoßes zu mehr oder minder gerechten Hälften untereinander auf.

Die Dill aber, deren Lauf die Gruppe schwarzgewandeter Gotteskrieger folgte, schlängelte sich an den Hängen des Westerwaldes herab, die Nihat und seine Männer in gemächlichem Tempo bestiegen.
Bald schon hatten nebelverhangene Hügel die ebenen Äcker und Felder um die Hauptstadt herum abgelöst, höher und höher türmten die Gesteinsmassen sich auf, bis man sie nicht mehr Hügel nennen mochte, der Gesang zahlloser Vögel lag über dem satten Grün dampfender Nadelwälder, deren massive Wurzeln bis zum Ufer der Dill drangen.
Hier, fernab des Meeres, waren nur wenige Wälder für den Bau des mächtigsten Kriegsschiffes aller Zeiten gerodet worden, und über lange Zeit hinweg war es einzig die breite Straße, die den Eindruck vollkommen unberührter Natur einschränkte.
Alvael hielt sich dicht über den Wipfeln dieser prächtigen Baumlandschaft und lauschte den Klängen der erwachenden Welt. Neben den klackernden Hufen gab die Reisegruppe unter der Himmlischen kaum einen Mucks von sich, ab und an antwortete einer auf eine Frage des Abtes, schwieg aber Nihat, so schwiegen auch die Templer.
Siedlungen, Dörfer oder gar Städte wurden nur selten passiert, zumindest drängte dieser Eindruck sich den Reitern auf, denn Alvael sah und hörte mehr, wurde der Rauchschwaden entlegener Herdfeuer gewahr, die an geheimen Orten zwischen den dichten Wäldern aufstiegen, hörte das Singen von Kindern und das entfernte Läuten von Glocken. Hier und da durchbrachen hohe Bergspitzen das vollkommene Meer aus Grün und Braun, hier waren Teefelder angelegt worden, helle, zerbrechliche Pflänzchen streckten ihre Köpfchen in den Himmel und zitterten vergnügt unter der kitzelnden Berührung des Nebels.

Der ständig herunterprasselnde Regen, ständiger Begleiter der Gruppe, half nicht, die unangenehme Schwüle zu vertreiben, im Gegenteil - die Himmelstränen waren so warm, dass sie es nur zu gut verstanden, den Schweiß aus den Poren zu locken und in Sturzbächen an Gesicht und Körper herunterrauschen zu lassen.


Der Gesang der Vögel und der Stand der Sonne verhießen, dass der Morgen bereits weit fortgeschritten war, als Nihat Alvael das Signal gaben, die Straße verlassen zu wollen um im Schutze der Bäume weiterzureisen.
Zum ersten mal, seitdem die Gruppe ihre Reise in Wetzlar angetreten hatte, schlug der Klostervorsteher seine Kapuze zurück und entblößte sein eingefallenes, faltiges Gesicht mit den wenigen, nassglänzenden Haarsträhnen, die dicht an dem beinahe kahlen Kopf klebten.
Tief verborgen in schwarzen Höhlen glänzten seine Augen, als der Würdenträger seine vom Regen salzigen Lippen leckte und seine behandschuhten Finger knacken ließ.

"Wir machen eine Pause sobald wir ein paar Meter im Wald sind." ordnete der Abt leise zischend an und stieg von seinem Ross herunter, dessen schwarzes Feld pulsierte und dampfte wie alles in Sinus Ignis.

Alvael
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Beitrag von Alvael » 15.11.2005 - 08:05

Die Urielitin landete hinter den Berittenen und wirkte genauso verklebt und nass wie die Templer. Richtig ins Schwitzen war sie nicht gekommen, was allerdings an dem Wind lag, der ihr beim Fliegen doch immer wieder um die Nase geweht war. Am Boden, so merkte sie schnell, war die Schwühle besonders drückend. Für Alvael schien es jedoch für Außenstehende keinen Unterschied zu machen, ob sie tropfte und ob ihr lederner, brauner Überrock schwer war von Wasser, denn die Botin des sehenden Erzengels bewegte sich so leise und federnd wie immer.

Dass ihr Magen knurrte hörte zum Glück niemand. Alvael freute sich bereits darauf das Proviantpäckchen zu plündern. Der Hunger, den sie mit zunehmendem Alter immer öfter spürte, war längst ein ständiger Begleiter geworden, auch wenn sie noch immer nicht so viel benötigte wie ein Mensch.

Vorsichtig ging die Urielitin auf die Templer und Pferde zu, die bereits den Wald betreten hatten und schloss schnell zu ihnen auf.
Das hinterste Tier wirkte ein wenig beunruhigt, vielleicht wegen der großen Flügel und ihrem Rascheln, so dass Alvael mit ein paar weiteren Schritten am Wegrand entlang das Pferd fast überholt hatte und es nun von vorne sehen konnte, dass das Rascheln nur von dem Engel kam.

Trotz der Schwühle atmete Alvael den Duft des Waldes ein paar Mal ein. Sie mochte den Geruch von feuchter Erde. Aber das war nichts besonderes. Vielmehr war es eine reine Vorsichtsmaßnahme. Ihre Nase war gut. Nicht ganz so gut wie ihre Augen. Ihrer Meinung nach ein Makel der schnellstmöglich ausgemerzt werden musste.

Es kribbelte in ihren Nasenflügeln, als die Macht der "Erleuchteten Augen" ihre Wahrnehmung verbesserte.
Puh, diese Templer konnten alle schon ein Bad vertragen! Und die Pferde schwitzten ebenfalls.

Alvael ließ die Templer die beste Stelle zum Rasten aussuchen. Die Männer und Frauen wussten am besten, wo es ihren Tieren gefiel, wo diese das bessere Gras fraßen und im Grunde waren es eher die Pferde die wohl den Rastplatz wählten.

Die Urielitin folgte den Menschen eher wie ein Schatten, sprach nicht und setzte sich allein auf einen umgestürzten Baum, nachdem sie sich vergewissert hatte, dass sie in der Nähe weder etwas verdächtiges hören, riechen oder sehen konnte, das ihre Rast stören mochte.

Die heimlichen Blicke der Templer bemerkte sie wohl, aber beschloss sie zu ignorieren. Die Männer und eine Frau waren sicher etwas verwirrt einen derart schweigsamen Urieliten bei sich zu haben. Aber sicher nicht zu sehr. Es gab genug Urieliten wie sie. Viel interessanter fand Alvael es den Templern zuzuhören. Leider redeten auch die nicht viel, so dass Alvael sich rasch darauf verlegte, dem Ab zuzusehen und ihn zu betrachten.

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Beitrag von Raphael » 16.11.2005 - 01:39

Auch wenn die Schatten der hochgewachsenen Bäume wie der lang ersehnte Schutz vor der Hitze aussahen hielten sie ihr Versprechen nicht. Vielmehr schien sich hier, unter den Wipfeln der grünen Riesen, die Schwüle zu sammeln, drückte wie eine zentnerschwere Last auf die Streiter Gabriels, die sich langsam, aber mit brutaler Unaufhaltsamkeit in das Herz des Waldes vorarbeiteten.
Alvael folgte stumm.
Das Sirren von Moskitos mischte sich bald als sonorer Begleitton zum Zwitschern der Vögel, irgendwo meinte die Urielitin sogar, das Krächzen eines Papageien auszumachen.
Gigantische, pilzbewachsene Farne säumten den Weg, den die schweren Hufe der Pferde und die Stiefel der Templer in das Unterholz trampelten, bunte, exotische Blüten blickten bald zwischen Moosen, Farnen und Büschen hervor, ein Anblick, den man im fernen Iberien gewohnt sein mochte, für Gabrielsland aber mehr als untypisch war. .

Nihats Miene blieb den ganzen Weg über starr.
Das filigrane Farbenspiel der Natur, all die Wunder, die es zu schauen gab, schienen ihn weder zu beeindrucken noch das Regen einer Emotion auf das kaltgraue Gesicht zu zaubern.
Die ledernen Züge verformten sich kaum, und wenn, dann nur, um den Unterkiefer zum knirschenden Mahlen seiner Zähne hin und herzuschieben. Mit geübter Präzision nutzte der Abt seinen Zweihänder, störendes Grün aus dem Weg zu schlagen, bevor der Amatura, Parzival, wie Alvael nun wusste, mit seinen Männern folgte - wie Küken beinahe, die der Ente hinterhertappten, bloß dass die Templer nicht aufgeregt schnatterten und ihre Köpfe nicht neigierig in den Himmel hielten.
Der Abt erwies sich als wortkarger, aber guter Führer. Große Hindernisse vermochte er abzuschätzen, bevor sie zum Problem wurde, führte die Menschen und vor allem die Pferde an umgestürzten, verwucherten Bäumen vorbei, nahm einen enormen Umweg in Kauf, als sein Stiefel in schlammig weichem Untergrund stecken blieb.
Nihat schien den Wald zu kennen, unwirtlich und unerforscht wie das grüne Reich auch wirken mochte vermittelte sein sicherer, Schritt trotz der unsympathischen Kälte, die jede Bewegung, jedes Wort und jede Geste des Klostervorstehers ausstrahlte, ein unbestreitbares Gefühl der Sicherheit.

"Hier." verkündete der führungsstarke Nihat schließlich knapp, einen geeigneten Platz für die Rast gefunden zu haben.
Tatsächlich schien das Ufer des kleinen Bächleins wie geschaffen für eine Ruhepause, standen die Bäume hier doch weit genug voneinander entfernt, um allen Templern und Alvael Platz zum Ausstrecken müder Glieder zu gewähren.
Kaum hatte der Abt sich niedergelassen, brach das Schweigen und die disziplinierten Gotteskrieger verteilten sich, legten ihre Rüstungen ab, um sich im Bach zu waschen, stimmten leise Lieder an oder sandten verstohlene Blicke stiller Ehrfurcht zu dem Kind Uriels, während sie auf ihrem Reisgebäck herumkauten.
Zuletzt geändert von Raphael am 18.11.2005 - 16:54, insgesamt 1-mal geändert.

Alvael
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Beitrag von Alvael » 16.11.2005 - 09:19

Zu dem Geruch, den der Käse aus ihrem Proviantpakte verströmte mischte sich doch rasch wieder der andere, penetrantere.

Schon vorhin hatte sie es gerochen, aber es für ein totes Tier irgendwo im Gebüsch gehalten. Doch störte sie es beim essen. Und das Summen machte sie unruhig. Doch, es summte! Alvael war sich sicher.
Im Grunde war es ihr egal, wenn da irgendwo ein totes Reh lag, aber irgendwann hatte sie gelernt, dass man immer zuerst nachsah und sich dann erst entspannte.

Die Templer wuschen sich, die Pferde grasten,.. die Tiere waren ein wenig unruhig. Aber in so einem Wald war das nur normal. Templer Pferde durften in der Schlacht nicht in Panik geraten und waren daher recht robust. Blutgeruch, Fliegen und all das machte ihnen keine große Furcht.

Urielstempler hätten den Platz näher erkundet, aber so nahm Alvael diese Aufgabe wahr. Sie ließ ihr Proviantpäckchen unangetastet liegen und erhob sich leise um ebenfalls zum Bach zu gehen. Die zwei Templer die sich dort noch wuschen machten rasch Platz, zuerst weil sie dachten, dass sich die Urielitin waschen wollte, als sie ihnen jedoch winkte ihr zu folgen, wechselten die beiden einen verwirrten Blick, tappten aber hinter Alvael am Bachufer entlang.

Der penetrante Geruch war einige Meter weiter etwas stärker, so dass ihn nun auch die Menschen bemerkten und erneut sich verwirrt ansahen.
Alvael stoppte nach einigen Metern wieder. Das Lager konnte man durch das Gebüsch nicht mehr sehen, aber noch gut hören.

Vor sich sah Alvael einige Federn am Boden und als sie hochblickte auch in den Ästen eines Baumes. Mit einer stummen Geste deutete sie darauf, so dass die Templer es ebenfalls sahen.
Die Urielitin warf einen prüfenden Blick in die Umgebung und auch auf den Boden, sowie in die Baumwipfel... wo war der Kadaver zu dem Gestank?

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Beitrag von Raphael » 18.11.2005 - 17:53

Gleich einem Meer aus Scherben flutete der Gestank Alvaels Sinne, quälte ihre Schleimhäute und trieb ihr die Tränen in die Augen.
Ein trockenes Husten entwich der Kehle der Urielitin.
Es war nicht schwer, zu erraten, in welcher Richtung sich der Kadaver befinden musste, und auch, wenn all ihre Sinne darum flehten, das Weite zu suchen, folgte der Engel dem Pesthauch, der sie zu Tod und Verwesung lockte.

Die beiden Templer hinter ihr schwiegen, hatten ihre Vesper hastig in die Taschen gesteckt und ihre Hastas vom Rücken genommen. Jede Sehne ihrer stählernen Körper war bis zum Zerreißen gespannt, kein Flüstern verließ ihre Lippen, einzig die regelmäßigen Stöße kurzer, konzentrierter Atemzüge blähten ihre Nasenlöcher.
Leise wie Schatten bewegte das ungleiche Gespann sich für die Wahrnehmung gewöhnlicher Menschen durchs Unterholz, wenngleich die Anwesenheit der beiden Gotteskrieger für Alvael auch mehr als offensichtlich war, roch sie doch deren Schweiß, spürte sie deren Atem, hörte sie, wie die Erde unter ihren Stiefeln knirschend zurückgedrängt wurde.

Der Sendbote Gottes führte die Krieger an einem gigantischen, mammutartigen Baumstamm vorbei, an dessen Rinde Pilze gewaltige Terrassen geformt hatte, duckte sich unter tiefhängendem Geäst hindurch und erstarrte vor Entsetzen in der Bewegung, als sie gegen eine Wand aus Gestank prallte, als das Surren aasfressender Insekten ihr Gehör mit einem Male so laut und deutlich erfülllte wie ein Trommelkonzert.

Alvael hatte eine Lichtung erreicht.
Umringt von hochgewachsenen Bäumen erschien der Ort beinahe, als wäre die Natur vor dem zurückgewichen, was im Zentrum dieses gespenstischen Ortes als stinkendes Mahnmal errichtet worden war.
Flackerndes Licht fiel in dicken Strahlen durch das Nadel- und Blätterdach, beleuchtete gebündelt das widerwärtige Schauspiel, wurde von den schillernden Chitinleibern hunderter Fliegen zurückgeworfen und ließ Maden in geisterhafter Manier leuchten.

Aus langen, stabilen Baumstämmen war hier ein simples Gerüst aufgebaut worden, dem Metallenen Drumherum einer Schaukel auf den Kinderspielplätzen vorsintflutlichen Zeiten nicht unähnlich.
Am Querbalken in der Mitte des Gerüstes baumelte, aufgehängt an einem dicken, blutgetränkten Seil ein junges Reh. Man hatte dem Geschöpf eine Schlinge um den Hals gelegt, der nun durch das Gewicht des Kadavers in die Länge gezogen war, der Bauch des toten Tieres war der Länge nach aufgeschlitzt worden, so dass allerlei Gedärm in rauhen Mengen herausgefallen war und nun als stinkender Haufen zu den schlaff herunterhängenden Hinterläufen des Tieres die Insekten nährte.
Aus den aufgedunsenen Hautfetzen, dem blutgetränkten Fell um den kraterhaften Bauch des armen Geschöpfs herum standen die Rippen heraus, luden weitere Massen hungriger Aasfresser an, sich ein Heim im Leib des Rehs zu machen, sich an dem Festmahl zu laben, dass ein kranker Geist hier angerichtet hatte.

Der wohl verstörendste Aspekt des gesamten Anblicks aber, das Bild, das Alvael in ihre finstersten Träume begleiten sollte, waren die riesenhaften Flügel, die zu beiden Seiten der Tierleiche abstanden. Größer noch als die der Urielitin waren die mächtigen Schwingen, deren blutverkrustete Muskelstummel mit einem schmutzigen Kordel an den Rücken des Kadavers genäht worden waren, die wie die Ausgeburt eines perversen Künstlers am Gerüst festgebunden wirkten, als haben sie dem toten Waldbewohner schon zu Lebzeiten gehört.
Hier und da waren die Federn von dem verwesenden Fleisch gefallen, klebten nun als feuchte Fetzen auf Darm und Leber des Rehs. Auch hier, zwischen der weißen Federnpracht, tummelten sich die Parasiten, drängten mit ihren gierigen Zangen auch die letzten Federn aus ihrem festen Sitz.

Alvael
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Beitrag von Alvael » 19.11.2005 - 07:32

Alvael blieb wie erstarrt stehen und wartete.
Auf ihrem Gesicht hätte man nur von vorne für einige Augenblicke Entsetzen und Ekel gesehen, aber dann war es wieder zu der stoisch gelassenen Mine geworden, die die Urielitin nicht selten als Maske vor sich trug.

Für einige Sekunden glaubte Alvael an eine Falle und von dieser Ansicht wollte sie auch nach mehreren Sekunden überlegens nicht abweichen.
Für die ersten Schrecksekunden hatte sie mit einem direkten Angriff gerechnet, aber dazu war es noch nicht gekommen.

Zu aufwendig gemacht, dieses Ding sollte in seiner ganzen "Pracht" gesehen werden.
Für eine weitere Sekunde ekelte sich die Urielitin vor sich selbst. Einfach nur, weil sie das Ding so nüchtern und kühl betrachtete.
Für den Engel, der nach der Ersten - noch eingie Meter entfernten Inspektion des Dings - sein Leben gelassen hatte, empfand sie nichts außer Bedauern und Scham.
Scham darüber, dass die Menschen soetwas von einem Engel sahen. Einen besiegten Engel, denn dies war es zweifelsohne.

Alvael biss sich auf die Lippen.
Wäre sie allein gewesen, hätte sie das Ding näher inspiziert, nach Spuren gesucht, aber nun...
"Einer von euch beiden holt den Ab!" schnarrte ihre Stimme, krächzend wie immer.
Mit den Jahren war dieser Makel nie besser geworden.
Ein Raphaelit hatte ihr einst gesagt, dass irgendwann ihr Kehlkopf verletzt worden war. Alvael konnte sich nicht erinnern wann, aber vielleicht hatte Gott nicht gewollt dass sie viel redete. Ihre Stimme war schon als Postulant so gewesen.

Langsam schob sie sich näher. Vorsichtig, sogar überaus vorsichtig. SIE wollte nicht der Engel sein, der in eine zweite Falle tappte.

Raphael
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Beitrag von Raphael » 20.11.2005 - 22:53

Der erwartete Angriff blieb aus.
Keine Metallzähne bohrten sich in Alvaels Fleisch, kein Feind stob aus dem Gebüsch und schlug nach ihr, keine Schlinge viel vom Himmel herab und legte sich um ihren Körper.
Wenn sich irgendwo unter den Nadeln, dem aufgetürmten Gedärm oder jenen hohen Tannen, die stumme Zeugen der Greueltat geworden waren, eine Falle verbarg, so verstand es Alvael gekonnt, sie zu umsteuern.


In einiger Entfernung drang die spitze Stimme Nihats an Alvaels Ohr.
"Ich esse, siehst du das nicht?" zischte er.
"Es ist wichtig." entgegnete das demütige Kratzen des Templers. Wenn man nur die Stimme des Mannes hörte, das leichte Beben, die ein unsicheres Auf und Ab der Tonlage im Gespräch mit dem Abt begleitete, fiel es schwer zu glauben, dass jenes kriecherische Stottern zu diesem Koloss von einem Templer gehören sollte. Von der Statur eines Bären und zweifellos auch mit der Kraft eines solchen ausgestattet war der Gotteskrieger hinter Alvael hergestapft, hatte außer einem "Himmelherrgott!" nichts auf die Sichtung des toten Tieres erwidert.
Der zweite Templer aber, jener, der bei Alvael geblieben war, ein junges Bürschchen mit rotem Haar und wässrigen, türkisfarbenen Glubschaugen, grün hinter den Ohren und nicht älter als zwanzig Lenze, schlugen sowohl Gestank als auch Anblick des grauenerregenden Schauspiels auf den Magen, und einzig sein Hass gegen denjenigen, der für diese Greueltat verantwortlich war, hielten den jungen Templer davon ab, sich lautstark zu übergeben.
"Hört das denn nie auf?" murmelten seine verkrampften Lippen und sein Stoppelking schob sich nervös hin und her.

Als Nihat mit energischen Schlägen zwei Farne niederstreckte und im Kreise der Bäume erschien, hatte Alvael den Kadaver schon untersucht. Abgesehen von den offensichtlichen fanden sich keine Auffälligkeiten an dem Tier. Es roch nicht nach Gift, war also, wie augenscheinlich zu vermuten gewesen war, an dem gebrochenen Genick verendet, dessen Zeugnis der mehrfach verdrehte Hals war.
Davon, dass man ihm den Leib aufgeschlitzt und seinen Inhalt den Parasiten überlassen hatte, hatte das arme Tier wohl überhaupt nichts mehr mitbekommen.
Quetschungen oder weitere Beweise eines harschen Umganges mit dem Geschöpf gab es nicht, die Flügel waren mit ungeheurer Präzision, Geduld und Sorgfalt an den Körper genäht worden. Wer auch immer diese Tat vollbracht hatte, er hatte sich Zeit genommen.

Ein Wirrwarr aus tiefen Stiefelspuren zeichnete konzentrische Kreise um den Kadaver herum. Es war ein einziger Täter gewesen. Große Flächen dieser Beweisstücke waren verwischt worden von den Schleifspuren der Schwingen, zahllose Federn klebten mit bluigen Kielen am Geäst der Bäume, zwischen denen der Täter das Flügelpaar hindurchgezerrt hatte.
Woher der Mörder des armen Rehs und womöglich auch eines Engels zum Zeitpunkt der Tat, die zwei, wenn nicht drei Tage zurückliegen musste, gekommen war, war also leicht zu verfolgen.

"Das ist Ketzerwerk."
Nihats Stimme hatte einen kalten, observierenden Klang. Wieder einmal drängte sich das Bild einer Schlange auf, wenn man seine Bewegungen verfolgte, das Glänzen seiner Augen beobachtete und seiner leisen Stimme lauschte.
Majestätisch wie die Klapperschlange ihre Beute umkreist bewegte er sich um den Kadaver herum, knirschte mit den Zähnen, zischte leise, kaum verständliche Worte.

"Ich nehme an, Pelo hat dich darüber informiert, dass eine Gruppe Ketzer in den letzten Wochen ihr Unwesen in der Umgebung von Dillenburg getrieben hat."
Der Abt zerquetschte den Leib einer schillernden Fliege unter seinem Stiefel, in einer automatisierten Blickfolge verglich Alvael den Abdruck des Würdenträgers mit einer nahegelegenen Spur des Täters.
Die Größe stimmte überein, aber die Sohle war eine andere.

"Beinahe wie echt, nicht wahr?" Der Abt war hinter dem Gerüst zum Stehen geblieben und strich mit Zeige- und Mittelfinger über die lange, weiße Feder, die unter der Achsel des Rehs bis auf den schmutzigen Boden herunterhing.

"Dieser Abschaum."

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Beitrag von Alvael » 21.11.2005 - 07:36

Alvael hatte ihre Untersuchung abgeschlossen.
Das "Beinahe wie echt, nicht wahr?" Gerede des Abs trieb Alvael die Galle in die Kehle.
Hielt er das für ein Kunstwerk?
Verflucht, sie konnte den Mann so wenig leiden, dass sie schon Fußabdrücke verglich!

'Für einen kirchlichen Würdenträger so einen .. Kerl auszusuchen...' Alvael dachte den Gedanken nicht zu Ende. Es stand ihr nicht zu darüber zu urteilen. Ihre Aufgabe war eine andere.

'Es gibt jede Menge Spuren die wir verfolgen können. Sie sind mindestens 2 Tage alt, das heißt wir können uns genausogut überlegen wie wir vorgehen.' dachte sie dann.

Nihats Frage, ob sie über die Ketzer bescheid wusste quittierte sie mit einem Nicken. Viel hatte Pelo nicht wirklich erklärt. Es war sicher kein Fehler sich von Nihad den Rest erläutern zu lassen.
"Doch Bischof Pelo war der Meinung, dass Ihr mir besser alles Nähere erklärt." Alvael wandte den Blick von dem grausigen "Kunstwerk" ab und Nihad zu. Ihre Augen musterten den Mann. Höflich lächelte sie, genau darum wissend, dass ihr Äußeres in keinster Weise ihren düsteren Gedanken entsprach.

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Beitrag von Raphael » 21.11.2005 - 16:59

"Hier ist sicher nicht der Ort, über Derartiges zu sprechen."
Die Stimme des Abts war kaum mehr als ein kehliges Flüstern, wurde von einem lauten Reißen abgelöst, als das Messer des Kirchenvorstehers das Seil durchtrennte, welches das Reh am Balken hielt.
Wie ein nasser Sack fiel der Körper einige Zentimeter herab, wurde einige Herzschläge lang von den Fäden gehalten, die eine unnatürliche Brücke zwischen Körper und Flügel bildete, dann riss die faulende Haut und die leere Hülle aus Knochen und Fell fiel herunter, begrub abertausende von Insekten unter sich, ersäufte sie in dem Matsch aus Innereien, der sie eben noch genährt hatte.

Nihat beobachtete das Schauspiel mit wissenschatlicher, fast stoischer Emotionslosigkeit, den leeren Blick, den die toten Augen des Rehs dem Regen entgegen sandten, fand man auch in den Augen des Kirchenmannes.

"Hol ein paar Männer herbei." wies Nihat den fassungslos dastehenden Templer mit der selben Kälte an, die auch aus seinem Blick sprach.

"Sie sollen diese Flügelattrappen verbrennen. Das Reh lassen wir liegen. Totes Vieh zieht in einem Wald wie diesem keine Aufmerksamkeit auf sich."
Zuletzt geändert von Raphael am 26.11.2005 - 20:15, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Alvael » 23.11.2005 - 20:11

"Was soll weiter geschehen, wenn diese Flügel verbrannt sind. Verfolgen wir die Spuren?" fragte Alvael. Wäre sie alleine gewesen, hätte sie es garantiert getan, aber sie musste auf Nihad aufpassen und dazu gehört leider, dass sie ihm wie ein dämlicher Hund folgte.

Es war an ihm, ob er diese Spuren verfolgen wollte, oder sie das tun ließ.
Aber auf eigene Faust würde sie wohl nicht handeln.
Angewidert sah sie zu, wie der Ab das tote Reh abschnitt.
Der Mann war abgehörtet. So abgehärtet, dass sie sich fragte, was ihm zugestoßen sein mochte.
Obwohl sie innerlich vor Ekel schauderte versuchte sie nach Außen hin sich nichts anmerken zu lassen.
Ganz gelang es ihr dennoch nicht.

Alvael trat noch einige Schritte zurück um den Gestank nicht länger atmen zu müssen. Das hier war nicht ihre Aufgabe. Sie hoffte ehrlich, dass sie dieses Monstrum das das getan hatte verfolgen konnte.

Raphael
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Beitrag von Raphael » 26.11.2005 - 20:13

"Ich werde keinen Engel herumkommandieren." schnitt Nihats Stimme die Luft. Mit ihrer Kälte und ihrer Eigenschaft, wie Peitschenhiebe in das Bewusstsein von Zuhörern einzudringen glichen die Worte des Klostervorstehers auf penetrante Weise dem Leichengestank, der von dem toten Reh ausging.

"Drei meiner Männer bleiben hier, verbrennen den Leichnam und folgen den Spuren.
Ich für meinen Teil nehme das hier..." - die langen, gelblich umrandeten Fingernägel des Abtes schoben sich unter zwei große, weißschillernde Federn des rechten Flügels und zupften diese mit sachter Gewalt aus dem toten Fleisch - "..mit mir nach Dillenburg. Als...Mahnmal."

Ein langer, funkelnder Blick aus zu Schlitzen verengten Augen traf die Urielitin, bevor ein Kribbeln seiner Hand ihn ablenkte und seine Pupillen auf seine Finger herablenkte. Erst jetzt wurde er der Made gewahr, die er mit dem Federnkiel aus der modernden Flügelmuskulatur gezogen hatte. Kaltherzig zerquetschte er das zappelnde Tier zwischen zwei Fingern und befestigte dei Federn an einem Riemen seines Stiefels.
"Ich..."
begann er und sah aus der Hocke zu Alvael auf, hielt aber im Satz inne, als das Buschwerk sich erneut auftat und eine vierköpfige Gruppe Templer das Szenario betrat. Alvael erkannte den kleinen Rothaarigen unter ihnen, der, obgleich er das Gemetzel nicht zum ersten mal sah, ebenso zurückschreckte wie seine drei Gefährten. Der massige Amatura Parzival, ein hochgewachsener Mann mit dickem schwarzen Haar, das in michaelismanier über den Ohren abgeschnitten war, dem breitesten Kinn, das Alvael je bei einem Menschen gesehen hatte durchschritt als erster die unsichtbare Wand aus Pestilenzgestank und trat dem Abt entgegen. Hinter dem Rothaarigen konnte Alvael Äste knacken und Blätter rascheln hören - die übrigen Templer waren dem aufgeregten Ruf des Rothaarigen gefolgt.

Ein kurzer Wortwechsel genügte, leise Worte die außer Alvael und Parzival niemand verstand, gezischte Instruktionen die sich in die Ohren des Amaturas schlichen und in seinem Kopf vibrierten und rumorten, ihn weich machten, jedem Befehl Folge zu leisten. Nihat verstand es, die Situation mit wenigen Sätzen zu umreißen, seine Instruktionen waren von unantastbarer Klarheit.
"Ich will wissen wer dafür verantwortlich ist." zischte seine Stimme in kaum vernehmbarem Flüstern und die blitzenden Augen huschten bedrohlich hin und her.
"Keine weiteren Zwischenfälle mehr."
Parzival beendete das Gespräch mit einem Nicken, wollte sich gerade umdrehen, als der Abt ihm am Oberarm packte. Alvael konnte sehen, wie der feste Handgriff Nihats die eitrigen Überreste einer zerquetschten Made auf dem schwarzen Leder Parzivals Hemdes hinterließ.
"Wenn sie bis zum Sonnenuntergang nichts gefunden haben, sollen sie nach Dillenburg kommen. Ich werde Informationen haben, die uns helfen."
Die letzten Worte Nihats waren kaum mehr als ein Hauchen, leiser noch als das Rascheln der Blätter.
Parzivals Augenbrauen trafen sich an der Nasenwurzel, Verunsicherung schwang in seiner Mimik mit. Der Abt senkte seinen Kopf, blickte auf seinen Stiefel herab. Wie zarter Schnee auf Ebenholz erschienen die weißen Federn auf dem ledernen Untergrund.
"Los jetzt." wiederholte Nihat mit Nachdruck und seine Pupillen rollten in die Winkel seiner Augen, hefteten sich in den Blick Alvaels, während Parzival die Instruktionen an seine Männer weitergab.

"Wie du dir sicher denken kannst, Alvael..." begann Nihat nach einer Weile und lies seinen Kopf der Tendenz seiner Augen folgen, in dem er ihn der Urielitin zuwandte.
"...erlauben meine Pflichten mir nicht, noch weiter hier im Wald herumzustreifen.
Ob du dich den Templern anschließen möchtest und später nach Dillenburg kommen, oder mir nun bereits folgen, stelle ich dir frei."
Zuletzt geändert von Raphael am 28.11.2005 - 04:07, insgesamt 1-mal geändert.

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