[Der verlorene Bruder] Präludium Mecael & Misakoel

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Mecael
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Beitrag von Mecael » 01.05.2006 - 11:51

Misakoels Lächeln wurde spitzbübisch. Gerade hatte Mecael einen Fehler gemacht der eventuell früher oder später den Kampf entscheiden konnte.
„Bereit.“ Sie suchte sich einen festen Stand, den rechten Fuß quer hinter dem linken stand sie breitbeinig da, den Stab mit halb ausgestreckten Armen vor der Brust haltend, den Körper angespannt und beobachtete den Michaeliten mit leicht gesenktem Kopf sehr genau.

Auch Mecael nahm Position ein, er stand aufrechter als die Raphaelitin und hielt den Stab mit beiden Händen im unteren Drittel beinahe aufrecht vor sich, nicht minder bereit, schnell zu reagieren oder anzugreifen.
Eine Weile lang belauerten sich die beiden Engel, dann machte der Michaelit einen plötzlichen, raschen Ausfallschritt und ließ seinen Stab mit ernstzunehmender Wucht auf Misakoels krachen..

Der angespannte Körper versteifte sich, und Misakoel schob ihren Stab dem des Michaeliten entgegen indem sie die Arme ausstreckte und die Wucht erwiderte. In der gleichen Bewegung drehte sie sich nach rechts weg, zog den Stab mit und ging leicht in die Knie, sodass der Stab einen Kreis beschrieb und jetzt von vorn auf die michaelitischen Knie zuraste.

Der Michaelit spürte, wie der Stab der Raphaelitin an seiner Waffe entlang gen Boden glitt und ahnte, was nun folgen würde.
Mit einem Rascheln stellten sich seine Flügel auf, der Körper des Engels federte dynamisch durch und mit einem Satz war er in der Luft, um ein Stück links neben Misakoel wieder zum Stehen zu kommen.
„Nicht schlecht..“ lobte er mit einem feisten Lächeln und taktierte seinen nächsten Schlag.
Mit einem kurzen Kampfschrei ging er erneut auf Misakoel zu, landete eine Salve harter Schläge.
Schlag und Gegenschlag wechselten sich nun ab, auf jede Attacke folgte eine Gegenattacke.
Mecael kam ins Schwitzen und merkte mit Freude, wie seine Glieder warm wurden, seine Bewegungen geschmeidig und der Kampf immer interessanter..

Misakoel, behindert durch die übermächtigen Flügel, brauchte zu lange um sich ganz zu Mecael herumzudrehen und bekam einen harten Schlag in die Seite, der sie zu ebenjener springen und ausweichen ließ. Kurz jappste sie, dann fing sie sich, und parierte die nächsten Schläge.
Mecael war gut, besser als der letzte Michaelit mit dem sie gekämpft hatte. Der weiße Engel überlegte, beugte sich dann schräg vor, und ließ das Flügelgelenk vor- und in Richtung von Mecaels Bauch schnellen.

Gerade dabei, eine Finte schlagen zu wollen, traf der harte Schlag in Mecaels Bauch den Michaeliten gänzlich unerwartet. Ein Stöhnen entrang sich seiner Kehle und er verzog das Gesicht, als ihm für eine Sekunde die Luft aus den Lungen wich.
Mit seiner eigenen Waffe fing er sich eben so am Boden ab, bevor er womöglich hingefallen wäre.
Linke Bazille, diese Raphaelitin! Aber sie hatten ja ausgemacht, dass es ein Kampf mit allen Finessen sein sollte...
Und was sie konnte, konnte er schon lange. Er war nicht umsonst drei Jahre lang mit Gabrieliten unterwegs gewesen, die sprichwörtlich mit allen Wassern gewaschen waren. Und er hatte einiges gelernt..
Mit einem Knurren nutzte Mecael die Kinetik seines Stolperns, stützte sich mit einer Hand am Boden ab und trat, während er sich zur anderen Seite warf, um dort wieder auf die Füße zu kommen, mit der rechten Ferse nach hinten aus, wo sich Misakoels eigener Bauch befand..
Keuchend kam er wieder zum Stehen, fixierte seinen Gegner genau...

Was wiederum Misakoel unerwartet traf, die durch den Schmerz und die Wucht einige Schritte rückwärts taumelte und aus Reflex mit einer Hand den Bauch schützte.
Kurz kniff sie die Augen zusammen, dankte Raphael, als die Schmerzen zu verschwinden begannen und richtete sich wieder auf.
Diesmal war sie es die das taxieren brach, und den Stock wie ihr Breschenmesser benutzte, und während sie in die Knie ging einen Schlag mit voller Wucht knapp über dem Boden mit Ziel auf Mecaels Knöchel probierte.

Zu spät wirbelte Mecaels Waffe herum. Er hatte nicht mit einer solchen Attacke gerechnet, hatte sich in Sicherheit gewogen..
„Gnaaargh!“ rief er aus und sein Gesicht verzog sich in Schmerz, der wie ein Blitzgewitter von seinem Knöchel aus sein Bein hinauffuhr.
Sein Fuß knickte einfach weg und mit einem Krachen landete Mecaels Schulterplatte, gefolgt vom Gewicht seines Körpers, auf dem moosigen Boden.
„Verfluchte Scheiße!“ knirschte der goldene Engel und rappelte sich so schnell er konnte wieder auf, ließ Misakoel und ihre Waffe keine Sekunde aus den Augen..

Misakoel, fair wie sie manchmal war, richtete sich nach ihrem Schlag auf und trat zurück, während Mecael fiel. Es erschien ihr falsch jetzt nachzusetzen, und stattdessen wartete sie geduldig bis er sich wieder aufgerichtet hatte.
„Nana, wer sagt denn so was?“ Sie grinste. „Hast du dir wehgetan?“ fragte sie dann, und machte ein Gesicht als rede sie mit einem Kleinen Kind das ein Aua hat.
Dann wurde ihr Grinsen fast bösartig und sie hob den Stock erneut vor sich, spannte sich und machte sich bereit für was auch immer folgen würde.

Vorsichtig testete Mecael seinen Stand, war heimlich froh um die kurze Pause, die Misakoel ihm gönnte, denn sein Knöchel puckerte wie blöd.
Noch einmal spannten sich seine Gesichtszüge schmerzverzerrt an, als er etwas mehr Gewicht auf den Fuß legte.
Verdammte Kacke, die musste irgendwelche Bänder getroffen haben..
„Naja, irgendwas hat mich am Fuß gekitzelt..“ knurrte er und ignorierte den Schmerz, wenn auch er nun eine Position einnahm, die sein Gewicht etwas von dem verletzten Fuß nahm.
Nur eine Möglichkeit, das zu kompensieren und vielleicht dieser verflucht gut kämpfenden Raphaelitin doch noch ein Schnippchen zu schlagen und zu beweisen, dass er als Michaelit letztendlich doch der bessere Kämpfer war.
Wäre ja gelacht!
Unerwartet machte er einen schnellen Schritt vor, spannte seine Flügel auf und erhob sich mit kräftigen Schlägen ein paar Schritt in die Luft, um ein gewagtes Manöver über Misakoels Kopf hinweg zu machen, ihr dabei zunächst ein paar Schläge zu verpassen und anschließend den Stab so mit ihrem Körper zu verhaken, dass eine schnelle Drehung die Raphaelitin zu Fall bringen würde..

Die Raphaelitin, überrascht und wieder mal zu langsam wegen Flügelunwucht, konnte sich nicht schnell genug herumdrehen, und spürte wie sich Mecaels Stab mit ihrem Körper verhakte. Plötzlich wusste sie was er vorhatte, und da sie wusste, dass sie es nicht verhindern konnte, und Schmerz gleich Schmerz war, egal wie viel man davon hatte, klemmte sie die Arme fest um seinen Stab, und warf sich mit ihrem ganzen gewicht mit darauf, sodass Mecaels Bewegung unterstützt wurde, und er durch den plötzlichen Zug mit zu Bode gerissen werden sollte.
Als Misakoel auf dem Boden aufschlug stöhnte sie, denn der Stab hatte sich schmerzhaft in ihren Rücken gebohrt, und ihre Ellbogengelenkte knirschten widerwillig, als sie mit dem Stab darin verklemmt auftraf.
Einen Moment lag sie benommen und bewegungsunfähig auf dem Boden, der Stab lag neben ihr, während sie langsam den Kopf hob um nach Mecael zu sehen.

Weit brauchte sie ihren Kopf nicht heben, denn der durch den plötzlichen zusätzlichen Zug an seinem Stab, gepaart mit seinem ohnehin unsicheren Stand aus dem Gleichgewicht geratene Michaelit, war mit Misakoel gemeinsam gen Boden gesegelt und lag nun halb auf ihr drauf.
Rasch erhob er sich und sah sie gleichzeitig besorgt und verdutzt an, denn so, wie sie auf seinen Stab gekracht war, musste das mächtig wehtun.
Für den Moment war der Kampf ohnehin unterbrochen, denn erstens lag Misakoels Waffe neben ihr und zweitens war Mecaels Stab noch eingeklemmt unter der Raphaelitin.
„Alles okay?“ wollte er ruhig wissen und wischte sich schnaubend die Haare aus dem Gesicht.

„Ging nie besser.“ Ächzte der weiße Engel, und setzte sich auf, wobei sie leicht den Mund verzog, und darauf wartete, dass Raphaels Gabe ihr Werk tat.
„Du bist verdammt gut.“ Schnaubte sie dann, ergriff den Stab und wuchtete sich auf. Dann schüttelte sie die flauschigen weißen Flügel und befreite sie von Erde, bevor si einige Schritte zurück trat. Der pochende Schmerz in ihrem Rücken ließ langsam ein wenig nach, und sie fühlte sich wieder besser.
Sie hob den Stab wieder vor sich hoch und sah Mecael an. Noch war es nicht vorbei

„Du bist auch nicht von schlechten Eltern..“ gab Mecael das Lob gerne zurück und zog den Stab unter ihr weg, während er sich selber erhob.
Sein Fuß war inzwischen taub vor Schmerz, aber verglichen mit so manch anderen Verletzungen, die er im Laufe seiner Karriere davongetragen hatte, war das ein Pappenstiel.
Ein leises Grollen erklang zwischen Mecaels zusammengebissenen Zähnen, als er willentlich sein gesamtes Gewicht auf den Fuß legte und sich erneut in Kampfposition begab.
Ein bösartiges, überlegenes Grinsen schlich sich auf seine Lippen, als er die eine Hand vorstreckte und Misakoel mit der Bewegung seiner Finger zum Angriff lockte..

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Beitrag von Mecael » 01.05.2006 - 12:17

Doch Misakoel war vorsichtig geworden, und begann nun langsam nach links zu gehen um Mecael zu umrunden, zu lauern und zu warten. Sie war geduldig, sie hatte kaum noch Schmerzen und sie hatte Zeit... Viel Zeit.

Mecael zog eine gespielt beleidigte Schnute und tadelte ihre Vorsicht mit einem leichten Kopfschütteln.
Dennoch.. unvorsichtig würde er nicht sein, nicht noch einmal, denn ein zweiter schmerzender Fuß würde wohl dann doch das aus für ihn bedeuten.
Nur minimal hinkend drehte der Michaelit sich mit und ein raubtierhaftes Funkeln trat in seine Augen, während die Schatten der spärlichen Beleuchtung über seinen gestählten Körper tanzten.
Der Stab in seinen Händen wiegte von links nach rechts, dann kam plötzlich wieder ein Angriff. Mecael machte einen Satz auf Misakoel zu, stieß das Ende seiner Stange in Richtung ihrer ungepanzerten Schulter..

Mittlerweile war Misakoel wieder völlig genesen, und so voll Konzentriert auf Mecael. So erkannte sie seinen Angriff glücklicherweise frühzeitig, und machte einen Satz zur Seite, schräg nach vorn in Mecaels Richtung, sodass sie ihm in die Knie-Reflexzone treten konnte, was sie auch versuchte, um ihn erneut zu Fall zu bringen, und sich dann auf seinen Rücken, knapp unterhalb seiner Flügel zu setzen. „Und festgenagelt.“ Keuchte sie, und stützte den Stab neben sich auf den boden. Sie atmete schwer, und stützte sich mit einer Hand an Mecaels Flügel ab.

Es war wohl letztlich doch auf den verstauchten Fuß zu schieben, dass Mecael sich nicht mehr fangen konnte und im Grunde schon bevor Misakoels Tritt ihn traf, wegknickte und Richtung Boden fiel.
„Festgenagelt?“ stöhnte er, scheinbar nicht ganz zufrieden mit der Situation, doch trotz Misakoels geringem Gewichts schaffte er es nicht, sich zu drehen oder aufzustemmen. Zugegeben, es machte ihm auch wenig aus, auf die Art und Weise besiegt zu werden. Hier ging es nicht um Leben und Tod und Mecael wusste sehr gut mit Niederlagen umzugehen.
„Okay, du hast mich“, gab er lächelnd zu und legte seine Wange auf dem kühlen Moos ab, um ein wenig zu Atem zu kommen, und entspannte seinen gesamten Körper.

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Beitrag von Lory » 01.05.2006 - 12:22

Misakoel lächelte, und krabbelte an Mecael herunter zu seinem Fuß.
"Das müssen wir irgendwann wiederholen. Ich wette, du kannst noch mehr."
Sie legte behutsam ihre Fingerspitzen an den heißen Knöchel, der kurz darauf schmerzfrei weil betäubt war.
"Oha...das tut mir Leid." beurteilte Misakoel ihren Schlag und drückte ein verirrtes, kleines, abgesplittertes Knochenstück zurück an seine Position.
dann legte sie erneut die Finger auf, und beobachtete, wie die Farbe ihrer Finger in den Fuß des Michaeliten überfloss und in seinem Bein für ein angenehmes Kribbeln sorgte, während Misakoel seinen Knöchel reparierte.

"So" sagte sie dann, und setzte sich ins Moos. "Jetzt bist du wieder heile."

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Beitrag von Mecael » 01.05.2006 - 12:30

„Darauf kannst du einen lassen, dass ich noch mehr kann..“ murmelte Mecael um ein entspanntes Seufzen herum und schloss die Augen, als er die Berührung Misakoels Finger an seinem inzwischen dick angeschwollenen Knöchel spürte.
Nur kurz zuckten seine Mundwinkel, bevor gnädige Taubheit ihm des Schmerzes befreite.

„Danke“, sagte er schlicht und ruhig, nachdem Misakoel geendet hatte, und drehte sich endlich auf den Rücken, um sich nach hinten auf seine Ellenbogen abzustützen und Misakoel anzusehen.
„Das nächste Mal leg ich mir noch Beinschienen an.. Sag mal, wo hast du gelernt, so zu kämpfen?“

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Beitrag von Lory » 01.05.2006 - 12:34

"Ich sagte doch ich gehöre zu den Prüfern. Genau wie du warich mehr als einmal an der Front. Und es gibt einige Gabrieliten die einem richtig miese Tricks zeigen können. Und da jeder will dass die Heiler nicht draufgehen, habe ich eine Menge Unterricht genossen." Sie streckte sich.
"Allerdings muss ich dazu sagen, dass ich im Feld nicht so...fair kämpfe. Im Feld wartet auch niemand darauf dass ich meine Waffe wieder zur Hand nehme oder dass ich mich wieder aufrichte. Normalerweise verläuft sowas um einiges... dreckiger."

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Beitrag von Mecael » 01.05.2006 - 12:40

Mecael lachte schnaubend.
„Wem sagst du das? Zugegebenermaßen kann man auch mit einem Stock herzlich wenig gegen Traumsaaten von der Größe einer Dorfkirche ausrichten und das ist so der Standart, auf den man drüben im Osten trifft.“
Eine kräftige Hand wischte über Mecaels Gesicht und hinauf in die Haare.
„Weißt du, ich hab drei Jahre lang Todesscharen befehligt. Teilweise ganze Heere von Gabrieliten. Aber ich glaube dich hätte ich auch ohne Sorge mitnehmen können dahin.“ Ein schiefes Lächeln, ein Zwinkern, dann löste Mecael den Wasserschlauch von seinem Gürtel und nahm einen großen Schluck, bevor er das Gefäß Misakoel hinhielt.

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Beitrag von Lory » 01.05.2006 - 12:46

„Danke.“ Sagte Misakoel knapp, nahm dann den angebotenen Wasserschlauch und daraus einen Schluck. „Ich würde mir wünschen einmal einen Kampf gegen einen Gabrieliten zu gewinnen. Dann wüsste ich dass ich wirklich gut bin. Aber das wird wohl immer ein Wunsc bleiben.“ Grinste Misakoel und reichte den Schlauch zurück. „Ich bin längst nicht s gut wie ich gerne wäre. Wahrscheinlich war das gerade einfach nur Glück.“

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Beitrag von Mecael » 01.05.2006 - 12:54

„Gegen einen Gabrieliten kannst du nicht gewinnen, wenn du nicht selber einer bist oder mit unfairen Mitteln kämpfst, wie mit Mächten, die er nicht parieren kann“, erwiderte Mecael ruhig und ohne jedes Zeichen von Ärgernis oder Trotz.
„Aber das ist auch in Ordnung so, denn immerhin ist der Kampf die uneingeschränkte Stärke der Gabrieliten. Zwar können auch andere Orden kämpfen und sollten dies auch, aber ihre Stärken liegen dann doch woanders, was ebenso gut ist.“
Kurz pausierte der Michaelit und sah Misakoel mit schiefgelegtem Kopf und leicht zusammengekniffenen Augen an. Ein leises Lächeln zierte seine Lippen.
„Sagen wir mal so, dein Glück war, dass ich mit einem verletzten Fuß kämpfen musste, aber ich wage zu behaupten, dass das lediglich die Länge, nicht aber die Qualität des Kampfes beeinträchtigt hat. Also bild du dir ruhig was ein auf deine Fähigkeiten.“

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Beitrag von Lory » 04.05.2006 - 17:55

Misakoel lächelte schief in die Dunkelheit, und schwieg eine Weile bevor sie sich wieder zu Mecae umdrehte.
"Wir sollten zurückkehren. Es ist spät."
Mit diesen Worten erhob sie sich, angelte die Laterne von dem Ast an den sie sie gehängt hatte, sah noch einmal kurz zu Mecael, breitete dann die Schwingen aus und erhob sich in die Lüfte.
Gemächlich flog sie eine der oberen Flugplattformen an, und als sie näher kam, sah sie, dass ein alter, raphaelitischer Monach ungeduldig dort auf sie wartete.
Als sie zur Landung ansetzte, eilte er zu ihr hinüber. "Misakoel?"
"Ja?" Sie sah neugierig zu ihm hinüber, und sich dann nach Mecael um. "Ich hatte gehofft euch vor dem Abflug zu erwischen, aber ihr flogt gerade los als ich hier ankam. Ist der Michaelit Mecael noch bei dir?" Er blickte an ihr vorbei und wurde rot. "Oh ja... Verzeihung."
Er verknotete die Hände ineinander. "Nun... ehm... Ich soll dir, Mecael eine Nachricht von Ab Vermonte Brindisi überbringen - er wünscht dich zu sehen, noch heute. Und Misakoel-" Er blickte zu der Raphaelitin. "ich muss im Auftrag von Ab Doron unter vier Augen mit dir sprechen. " Bei diesen Worten war seine Stimme kälter geworden, sodass es Misakoel fröstelte. Aber sie nickte.
Mecael würde dann ja wohl zu Ab Brindisi gehen. Sie drehte sich zu ihm um, und nickte ihm zu. "Danke. Ich hoffe, wir haben Gelegenheit bald noch einmal zu Trainieren."

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Beitrag von Mecael » 05.05.2006 - 10:07

Zunächst hatte Mecael vorgehabt, noch ein wenig dort draußen zu verweilen und den angenehmen Abend zu genießen, doch er hatte sich dagegen entschieden und wusste einmal mehr, dass er seiner Intuition immer trauen sollte, als der alte Monach ihm den Wunsch seines Abtes zukommen ließ.
„Jawohl, ich werde sogleich gehen..“ versprach er mit beschwingter Stimme, denn wenn Brindisi ihn persönlich konsultierte konnte das eigentlich nur eins bedeuten: einen neuen Auftrag!
„Man sieht sich, Misakoel!“ verabschiedete er sich von der Raphaelitin, bevor er sich gleich in Bewegung setzte, um hinauf zu den Gemächern des irdischen Ordensersten zu gelangen.
Ab Brindisi war einer der wenigen Menschen, denen Mecael gerne Respekt und Achtung entgegenbrachte. Er schätzte ihn für sein gutes Urteilsvermögen und seine Art, nicht davor zurück zu schrecken, auch selber tatkräftig zu sein.

„Du!“ hielt der Michaelit auf seinem Weg einen jungen Novizen an, der über einen der Gänge schlurfte und so aussah, als habe er nichts zu tun. „Hier, nimm diese Sachen und bring sie hinab zu Fra Orsin.“
Mit mildem Blick und einem winzigen Lächeln drückte Mecael dem ihn mit großen Augen ansehenden und anschließend stumm nickenden Jugendlichen den Stab und die Laterne in die Hand.
Noch kurz machte der goldene Engel anschließend einen Abstecher zu einem der Badezimmer, die zwar eher den menschlichen Bewohnern des Himmels dienten, doch nun dafür herhalten mussten, dass Mecael sich nach seinen schweißtreibenden Betätigungen mit Misakoel zumindest ein klein wenig frisch machen wollte, bevor er endgültig den Weg zu den Gemächern des Abtes einschlug.

„Ich bin Mecael, Ab Vermonte Brindisi wünscht mich zu sprechen“, meldete er sich mit fester Stimme bei dem Monach an, der für gewöhnlich darauf achtete, dass der Ab nicht unnötig von einfach hereinplatzenden Leuten gestört würde.

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Beitrag von Lory » 05.05.2006 - 10:38

Dieser nickte nur und wies auf die Tür. „Er erwartet dich bereits.“
As Mecael eingetreten war, war Brindisi aufgestanden.
“Ah! Mecael! Ich freue mich dich zu sehen, und ich freue mich, dass Fra Rufus dich doch noch gefunden hat.“ Er schmunzelte, dann wies er auf den Stuhl. „Setz sich wenn du magst.“ Er tat es seinem Angebot gleich und ließ sich auf dem Stuhl nieder.
„Ich denke du wirst es bereits ahnen, es gibt eine neue Aufgabe für dich und eine Schar.“
Brindisi wirkte aufgeregt, wie ein Kind das ein wundervolles neues Spielzeug entdeckt hat.
„Den Auftrag selbst erhaltet ihr erst Morgen, denn Morgen trifft der Rest deiner Schar ein. Man hat euch eine der alten Cellae hergerichtet, dort könnt ihr dann auf eure Geschwister warten. Wenn sie alle pünktlich sind, dürften sie pünktlich zur Mittagsstunde dort eintreffen. Wenn alle da sind kommt ihr herauf zu mir und wir besprechen den Auftrag im Detail.“
Erklärte er kurz das Prozedere, bevor er eine Weile schwieg, und es schein, als suche er nach passenden Worten.
„Weißt du Mecael, manchmal passieren Dinge die wir nie erwartet hätten. Und wenn sie dann doch passieren, dürfen wir uns keinen Fehler erlauben weil es eine einmalige Chance ist. Genau das ist dieser Auftrag: eine einmalige Chance.
Ich habe dir die besten Engel der anderen 4 Orden zusammenstellen lassen, zwei Gabrieliten, zwei Raphaeliten, einen Ramieliten und eine Urieliten. Auf euren Schultern wird die Hoffnung der angelitischen Kirche durch die Welt getragen werden.
Dennoch: Dieser Auftrag ist geheim. Er hat den Kreis eurer Schar nicht in einem Wort zu verlassen.“ Er blickte Mecael kurz ernst in die Augen, rnzlte dann die Stirn und sah zur Seite.
„Ah!“ machte er dann, und stand auf. „Ich habe noch etwas für dich.“
Er ging durch eine kleine Holztür, und kam kurz darauf zurück, mit einigen Dingen auf dem Arm die er vor Mecael auf seinen Schreibtisch legte.
Freudestrahlend hob er eine glänzende Rüstung hoch. „Das habe ich im Auftrag unseres Erzengels für dich anfertigen lassen. Es ist härter als Leder und doch leicht und angenehm zu tragen.“ Im Licht des späten Abends funkelte die Rüstung in Silber, die goldenen Verzierungen darauf wirkten edel. Auf der Mitte des Panzers prangte das Ordenssymbol der Michaeliten. Auf dem Tisch lagen noch zwei passende Armschienen dazu.
„Aber das hier, ist viel wichtiger.“ Er nahm ein langes, blankpoliertes Katana vom Tisch und reckte es Mecael entgegen.
„Das ist die Funkenklinge. Getragen von Rufuel, dem ersten Michaeliten. In vielen Schlachten hat es sein Leben beschützt, so wie es jetzt deines schützen soll. Michael wünscht, dass du dieses alt ehrwürdige Relikt zu seinen Ehren führst, und damit abermals einen Sieg für die Kirche erringst.“
Brindisis Augen funkelten vor Eifer, und er nickte mit stolzgeschwellter Brust in Mecaels Richtung.

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Beitrag von Mecael » 05.05.2006 - 15:37

Mecael bedachte den rüstigen Mann in seinen besten Jahren mit einem freundschaftlichen Lächeln und setzte sich anschließend auf den ihm dargebotenen Hocker.
„Danke sehr“, ließ er den Ab wissen und ging dann dazu über, ihm aufmerksam und interessiert zuzuhören.

Je weiter Brindisi jedoch sprach, umso höher wanderten Stück für Stück seine Brauen.
„Das ist eine ungewöhnliche Scharzusammenstellung“, erlaubte er es sich zu bemerken und sah dem Mann hinterher, während dieser den Raum durchmaß und hinter der Holztür verschwand.
„Ihr könnt euch aber sicher sein, dass ich zu niemandem ein Wort verlauten lasse, was auch immer auf mich und die Schar zukommt“, schob er ein wenig lauter hinterher um den Ab im Nebenzimmer zu erreichen.
Neugierig beäugte er ihn, als er zurück kam und seine Augen hafteten sich teils irritiert, teils von einem ehrfürchtigen Glanz erfüllt auf die Rüstung und das Schwert, das Brindisi nun hereintrug.
Fragend richteten sich die Augen des Michaeliten auf ihre Gegenpaare und wurden augenblicklich groß vor Erstaunen.
„Im Auftrage Michaels...“ wiederholte Mecael ungläubig und ließ seine Blicke fast liebkosend über die schimmernde Rüstung gleiten. Kaum konnte der goldene Engel sich vorstellen, womit er ein solches Geschenk verdient hatte, und ein trockenes Schlucken quälte sich seine Kehle hinunter, die sich augenblicklich zuzuschnüren schien, als der Ab ihm das Katana präsentierte.

In ehrfürchtigem Staunen öffneten sich Mecaels Lippen, doch eine Verbalisierung seiner Ehrerbietung blieb aus. Stattdessen erhob der Michaelit sich, nur um gleich darauf auf ein Knie herab zu sinken und demütig den Kopf zu senken. Hunderte Gedanken überschlugen sich in seinem Kopf, während er die Hände zögerlich ausstreckte, um die Waffe zu empfangen.
„Ich danke euch, mein Ab, dass ihr so großes Vertrauen in mich habt. Ich fühle mich zutiefst geehrt, diese Rüstung und besonders dieses Schwert tragen zu dürfen und werde dies mit all dem nötigen Respekt, aber auch dem angemessenen Stolz tun. Was mich auch auf dieser Mission erwartet, ich werde dem Michaelitischen Orden, eurem Namen und der Herrlichkeit unseres Erzengels ein würdiger Vertreter sein und dem himmlischen Vater alle Ehre erweisen.“
Mecael ließ die letzten Worte seines Versprechens in andächtigem Schweigen ausklingen, dann erhob er sich zu voller Größe, sah Ab Brindisi mit stolzem, machtvollem Ausdruck an.

Das Schwert in seinen Händen wog schwer, doch es war keine Last. Im Gegenteil, hier spürte Mecael mit jeder Faser seines Körpers, dass er auf Erden war um Großes zu leisten.

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Beitrag von Lory » 08.05.2006 - 13:57

„Michael und der Herr mit dir auf deinen Wegen, Mecael.“ Sagte der Ab und nickte freundlich. „Ich erwarte euch dann Morgen um die Mittagszeit. Oder hast du jetzt noch Fragen? Wenn nicht wartet vor der Tür jemand auf dich, der dich zu eurer Cella begleiten wird.“

*~*~*

Zur selben Zeit, in einem leeren Lager eines der Lazarette:
„..., das ist, was Ab Doron mir auftrug dir zu überbringen, Misakoel. Es ist von höchster Wichtigkeit. Du darfst dir hierbei keine Fehler erlauben.“
Der weiße Engel, dessen Gesicht sonst so friedfertig schien, blicke hart auf sein Gegenüber, die Augen kalt und starr. „Ich verstehe.“
Ihr Griff um das in Leder eingeschlagene Paket verfestigte sich und sie schluckte hart. „Wenn es das ist was der Ab wünscht, werde ich dem Folge leisten.“
Der alte Monach, der Mecael und Misakoel vorher angesprochen hatte, nickte gewichtig.
„Ich wünsche dir viel Glück Misakoel. Enttäusche uns nicht. Das hast du schon viel zu oft getan.“
Misakoels Gesicht straffte sich, und sie beobachtete, wie der Monach sich eine Spritze setzte und sich dann zum gehen wandte.
„Der Herr und Raphael mit dir, auch wen du auf den falschen wegen wandelst.“
Mit diesen Worten verließ er den Raum, und wenig später auch den Himmel, um sich unbemerkt und unvermisst der Wirkung des Giftes das er sich gespritzt hatte, hinzugeben.

Misakoel allerdings steckte das Paket in ihre Tasche. Se war wütend, äußerst wütend, aber sie verdrängte dieses lächerliche Gefühl, und verließ das Lager. Er hatte ihr erklärt wie sie zu der Cella gelangen konnte in der sie auf den Michaeliten warten musste. Schon wieder ein Auftrag. Hoffentlich waren diese Engel halbwegs fähig.
Sie seufzte und öffnete die Tür die Cella, wo sie sich neben dem Fenster niederließ, und wartete.

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