[Das verschwundene Dorf] Kapitel 1: Prolog

Das Archiv aller abgebrochener Gruppen
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Laduel
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Beitrag von Laduel » 18.12.2006 - 03:16

Laduels Tränen versiegten und sein Wehklagen endete so schnell wie es angefangen hatte. Fragend sah er in die dunklen Augen des Ramieliten. Er lächelte, als er keinen Zorn mehr in ihnen finden konnte.
Hatte er sich in Shezariel doch nicht getäuscht? War der weise Engel doch auf seiner Seite? Shezariel hatte ihn grob angefasst, aber offensichtlich tat ihm das Leid. Vermutlich hatte der Ramielit seinen Zorn einfach an den ersten Engel ausgelassen, der ihm in die Quere gekommen war. Immerhin hatte er nichts gesagt, was darauf hindeuten würde, dass er auf der falschen Seite stand. Laduel würde sich merken, dass Shezariel unbeherrscht war. Aber es bestand Hoffnung, dass er den Auftrag mit der Hilfe des alten Ramieliten doch erfüllen könnte.
Dankbar nahm er das Taschentuch an und putzte sich damit die Nase. Die Verletzung war glücklicherweise schon gut genug verheilt, um die Blutung nicht erneut anfangen zu lassen. Das Tuch warf er achtlos beiseite.
Es war Zeit, dass sie weiterflogen. Er hockte sich vor die Tasche und machte damit weiter, die Medikamente in fünf Gruppen aufzuteilen...

Dweia
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Beitrag von Dweia » 18.12.2006 - 13:52

Zuerst wollte Esuniel gegen Shezariels hartes Vorgehen gegenüber Laduel protestieren, aber dann sah, er ein, dass Shezariel nur tat, was nötig war, und als der Ramielit den verletzten Raphaeliten zu trösten versuchte, war Esuniel vollends wieder versöhnt.
Schweigend - was gab es denn noch zu sagen? - nahm er seinen Teil der von Laduel aufgeteilten Medikamente entgegen, zog sich ein Stück weit zurück und begann sie in seiner Tasche zu verstauen.
Als er fertig war, sah er auf und seine Miene hellte sich auf.
"Hey, wisst ihr was?", meinte er. "Ich finde, wir könnten jetzt trotzdem was singen! Ich meine, nur damit die schlechte Laune weggeht und so... wir sind doch schließlich eine Schar und bisher haben wir wirklich nicht viel gemeinsam gemacht..."

Safrael
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Beitrag von Safrael » 20.12.2006 - 15:05

Noch immer stand Safrael außen vor und betrachtete die Szene wie aus der Entfernung.
In seinem Magen rumorte es und ein dicker, dicker Klos hatte sich in seiner Brust festgesetzt.

Kann ich es? Kann ich es wirklich, wie Shezariel gesagt hat?
Safrael war sich so unsicher! Seine Gefühle fuhren Achterbahn, alles tat ihm so leid und gleichzeitig wollte er am liebsten einfach weglaufen.

Als Laduel zu heulen anfing, schaute er zunächst nur hinab auf seine Füße. Gewissensbisse plagten ihn. Sicherlich, Laduel war gemein zu ihm gewesen, aber er hatte es trotzdem nicht verdient nun von allen anderen auch ausgeschlossen zu werden.
Ebensowenig hatten es die anderen verdient, dass sie in dieser unangenehmen Situation waren. Illeanael, der sogar etwas sehr schlimmes deswegen getan hatte, Esuniel, der noch so jung und so gutgelaunt war und sicherlich nicht so viel Schlimmes um ihn herum verdient hatte. Und sogar Shezariel, der entgegen aller Erwartungen Safrael zu unterstützen schien, anstatt ihm die Führung der Schar zu entreißen.
Schuldete er, Safrael nicht all diesen Engeln etwas? Zumindest doch, dass er diese Schar nicht auseinanderbrechen ließ...

„Hört mal...“ brachte er krächzend hervor und räusperte sich und schluckte einmal kräftig, bevor er einen Schritt auf die anderen zumachte. Seine Hände krampften sich nervös in den Stoff seines Kriegsrockes, aber er bemühte sich, den Blick standhaft geradeaus zu richten.

„Ich.. ich weiß, dass ich bestimmt kein.. guter Michaelit bin. Aber ich bin einer und ich möchte auch...“ ein tiefes Einatmen unterbrach den Satz. Noch nie war Safrael etwas so schwer gefallen, wie diese Dinge hier zu sagen. Sein Kopf dröhnte und ihm war heiß und kalt zugleich. Würden die anderen ihn auslachen, wenn er ihnen alles erzählte? Würde er überhaupt bis zum Ende durchhalten?

„..ich...“ hörte er sich weiter sagen und bemühte sich redlich, seine weichen Knie weiter durchzudrücken.
„..möchte, dass diese Schar erfolgreich ist, denn ich möchte auch sehr gerne.. besser werden. Mit euch gemeinsam. Auch wenn.. Laduel... wenn er...“
Safrael brach ab, denn er wollte dem Raphaeliten nicht ins Gesicht sagen, dass er wusste, dass der andere ihn nicht mochte. Vielleicht aus Rücksicht? Safrael wusste es selber nicht, aber er mühte sich um ein Lächeln, als er den weißen Scharbruder nun ansah.
„Laduel.. wenn du das möchtest... würde ich auch mit dir gerne befreundet sein.. Genau wie mit allen anderen hier. Ich finde nämlich.. dass eine Schar mehr sein muss als nur fünf Engel, die zusammen einen Auftrag erledigen. Wir müssen einander vertrauen und zusammenhalten. Das wünsche ich mir auch für diese Schar.“

Safraels Lippen verschwanden in seinem Mund, während er scheu von einem zum anderen blickte. Waren das.. wirklich seine Worte gewesen? So couragiert hatte er noch nie vor anderen Engeln gesprochen..
Eigentlich hätte er auch gerne noch etwas konkretes zu dem Vorfall mit Laduel und Illeanael gesagt, jetzt, da er schon mal auf dieser Welle des Mutes ritt. Aber womöglich damit wieder eine neue Diskussion anzuzetteln, das wollte er nicht. Shezariel hatte ja auch schon sehr viel dazu gesagt..
Vielleicht würde Safrael das Problem noch mal ansprechen, wenn sich die Gemüter ein wenig beruhigt hätten.

„Ich finde.. jeder sollte die Möglichkeit haben, offen zu sagen, was ihn stört...“ Es war eine Aufforderung, auch wenn sie vielleicht im ersten Moment nicht so geklungen hatte.

SdS Shezariel: *Danke, Shezariel…* ES war ein leises, schüchternes Dankeschön. Aber es war vollkommen ehrlich.

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Beitrag von Lory » 21.12.2006 - 14:24

Illeanael rupfte Laduel eine Ladung seiner Sachen aus der Hand und stopfte sie nicht unbedingt vorsichtig in seine Tasche.
Er hatte sich umgedreht und schon die Flügel halb ausgebreitet, wollte gerade abspringen, als er Safraels Stimme hörte.
Er hielt inne und lauschte.
Dann wandte er sich um - er hatte Safraels Schlussatz zwar nicht als Aufforderung verstanden, aber plapperte ja sowieso andauernd und viel zu viel.
"Also!
Mich stört:
1. Dass Laduel so intolerant ist
2. Dass Laduel so vorurteilsbelastet ist
3. Dass das hier alles eine verdammte Parteienbildung ist
4. Dass hier scheinbar viele leute untereinander Vorurteilen
5. Dass keiner niemandem eine Chance lässt sich zu beweisen
6. Dass wir uns nicht einfach an den Arsch fassen, uns zusammenreissen" er warf einen bösen Blick zu laduel "und diesen scheiß Auftrag endlich angehen und erledigen!"

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Beitrag von Laduel » 22.12.2006 - 03:28

Laduel verstaute seinen eigenen Teil der Medikamente gerade in seiner Umhängetasche, als Esuniel das gemeinsame Singen vorschlug. Der Raphaelit schüttelte nur mit dem Kopf. Singen war ihm schon vor seiner Weihe zuwider gewesen, das überließ er lieber den Sarieliten. Einige Male hatte er sogar nur seine Lippen bewegt, als von ihm erwartet worden war, in der Gruppe zu singen. Und einmal war er dafür auch bestraft worden. Mit diesen Engeln würde er ganz sicher nicht singen.
Laduel ließ sich sehr viel Zeit dabei, seine Medikamente zu verpacken. Die gefährlichen Sachen hatte er alle selbst behalten. Deshalb achtete er darauf, dass die Flaschen während des Fluges nicht aneinander stoßen konnten. Es musste sich immer ein Döschen oder ein Stück Stoff zwischen je zwei Flaschen befinden. Als Safrael zögerlich anfing zu reden, stellte er das Packen ein.
Aufmerksam hörte er dem Michaeliten zu. Safrael überraschte ihn etwas. Obwohl seine Worte wenig zusammenhängend waren, wie gewohnt sehr unsicher wirkten und damit gar nicht denen eines Michaeliten entsprachen, hätte der Inhalt seiner Worte diesmal sehr wohl von einem Michaeliten kommen können. Laduel brauchte einen Moment, um über das, was Safrael da gesagt hatte, nachzudenken. Bevor der Raphaelit jedoch etwas sagen konnte, platzte Illeanael schon dazwischen. Die Gemeinheiten dieses kleinen Biestes schienen keine Grenzen zu kennen. Er verzerrte die Tatsachen doch völlig und stellte es so dar, als ob Laduel böse und an allem Schuld wäre. Dabei war er selbst zusammen mit Safrael für die Situation verantwortlich.
Hilfesuchend sah Laduel zu Shezariel. Jetzt war ein guter Moment, um zu überprüfen, ob er bei dem alten Ramieliten nun auch wirklich richtig lag.
"Uhmm... Shezariel, du hattest doch gesagt, kein verdammtes Wort!", klagte der Heiler und zeigte dabei auf Illeanael.
Dann drehte er seinen Kopf zu dem kleinen Gabrieliten und funkelte ihn böse an.

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Beitrag von Shezariel » 02.01.2007 - 10:06

"Das habe ich tatsächlich gesagt," brummte der alte Ramielit und packte seinen Teil an Flaschen, Döschen und Verbänden ein.
Er sah zu Safrael und der Hauch eines Lächelns huschte über das kühle hellhäutige Gesicht.
"Aber wenn Safrael gerne erfahren möchte was seine Schar stört, finde ich das keinen schlechten Grund um zu reden. Ich möchte mich allerdings im moment nicht dazu äussern. Nicht auf diesem Dach und nicht zu dieser Zeit. In einer Cella wäre mir solch ein Gespräch wesentlich lieber."

Kritisch schob der große Engel Tintenfässchen und Federkiele in seiner Tasche umher, räumte das stattliche Tagebuch etwas auf die Seite und verstaute die zusätzliche Last so, das seine Schreibfedern keinen Schaden nahmen.
"Und ein Sänger war ich noch nie, ich lausche lieber," sagte er mit einem undeutbaren Blick in Richtung Esuniel.
Dann war er fertig und stand abflugbereit da.

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Beitrag von Safrael » 02.01.2007 - 12:25

„R-richtig, in einer Cella wäre das besser..“ stimmte Safrael dem Ramieliten zu, fühlte sich erneut gestärkt durch dessen Worte und tat sogar mutig noch einen weiteren Schritt auf Laduel zu.
„Ich meine... wir alle sind zwar Engel, aber wir haben ziemlich menschliche Körper bekommen hier auf der Erde. Und deshalb haben wir auch solche Probleme und Differenzen, ganz wie normale Menschen. Und die müssen wir doch ebenso aus der Welt schaffen..“
Sein Blick wandte sich gen Illenanael, war ein wenig tadelnd, aber längst nicht zornig: „...aber nicht mit Prügeln.. Ich finde es aber gut und mutig, dass Illeanael sich geäußert hat und ich finde auch, dass wir seine Gedanken ernst nehmen sollten. Und ganz ehrlich... ein paar der Dinge, die er angesprochen hat, sind doch ganz einfach schon dadurch zu lösen, dass sie zur Sprache gekommen sind..“

Safrael verstummte erneut und zog seine Arme vor seiner Brust ein wenig enger zusammen. Er konnte sich nicht erinnern, jemals so viel vor anderen Engeln gesprochen zu haben. Das Bewusstsein darüber ließ sein herz schneller schlagen und Blut strömte in seine Wangen, ließ sie glühen. Unsicher blickte er auf seine Schargeschwister, wusste nicht, ob er nun erst mit ihnen reden sollte, oder doch lieber seine Sachen packen und weiterfliegen, wie Shezariel es vorgeschlagen hatte.
Zögerlich ging er schließlich doch in die Knie und griff nach einer Schachtel Mullbinden, die er in seine Tasche stopfte, dazu einen Tiegel unbekannten Inhalts.

„U-und singen, das tun wir am besten... wenn die Harmonie wieder.. stimmt...“ Ein entschuldigendes, aber vor allem warmes Lächeln richtete sich auf Esuniel.
Nein, zum Singen war Safrael momentan überhaupt nicht zumute.

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Beitrag von Dweia » 02.01.2007 - 18:33

Esuniel zuckte die Achseln.
Gut, dann singen wir halt eben nicht.
Er war eigentlich auch gar nicht sehr enttäuscht deswegen, sondern einfach nur froh, dass alles langsam wieder zur Normalität zurückkehrte.
Esuniel bewunderte auch Safrael dafür, dass er seine Unsicherheit überwunden hatte.
Er ist eben doch ein guter Michaelit!
"Ich finde, Safrael und Shezariel haben recht und wir sollten dass besser in Ruhe besprechen... und vielleicht nicht in aller Öffentlichkeit. Menschen, die streitende Engel sähen, wären bestimmt beunruhigt." Er warf vorsichtige Blicke in Richtung Illeanael und Laduel.
"Vielleicht ist es wirklich das Beste, wenn wir - wie hast du gesagt, Illeanael? uns einfach an den Arsch fassen, uns zusammenreissen und diesen scheiß Auftrag endlich angehen und erledigen?"
Dann musste er lachen, die Formulierung war einfach zu komisch...

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Beitrag von Lory » 02.01.2007 - 19:41

"Pöh!" machte Illeanael grinsend, streckte Esuniel frech die Zunge raus und kicherte.
Dann schlug er ein paarmal - nicht ganz so fest - auf seine Tasche, drückte sich ab und erhob sich mit einem "Ich sichere die Luhuuuuft!" in die Höhe.

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Beitrag von Laduel » 02.01.2007 - 23:53

So hatte Laduel sich das nicht vorgestellt. Sein grimmiger Blick wich einem erstaunten Ausdruck. Er hatte erwartet, dass Shezariel Illeanael für seine gemeinen Worte zurechtweisen würde. Stattdessen ordnete der alte Ramielit sich Safrael unter! Wie konnte er nur! Die letzte Hoffnung von einem Verbündeten in dieser Schar platzte so schnell wieder, wie sie entstanden war. Doch jetzt, da Laduel keine körperlichen Schmerzen mehr hatte und nicht mehr unmittelbar bedroht wurde, sah er seine Situation nicht mehr so schlimm, wie noch vor einigen Augenblicken. Alle anderen Mitglieder seiner Schar stellten ein Hindernis für ihren Auftrag dar, das stand nun fest.
Alles hatte mit Safrael angefangen. Vorher war die Schar doch einig gewesen. Es musste alles viel schlimmer sein, als er bisher gedacht hatte. Der Herr der Fliegen musste dahinter stecken! Konnte das wirklich sein? Konnte ein so harmlos aussehendes Wesen das Werkzeug des Widersachers sein? Das würde alles erklären. Darum sah Safrael nicht wie ein Michaelit aus. Das hatte der Herr der Fliegen nicht hinbekommen. Und darum wandte sich einer nach dem anderen aus seiner Schar gegen ihn. Der Herr der Fliegen flüsterte ihnen sicher durch Safrael finstere Verheißungen ins Ohr. Wie sonst sollte man erklären, dass ein so lebensfroher und freundlicher Engel wie Illeanael einen anderen Engel grundlos angriff, dass Esuniel einen anderen Engel einen Gehörnten nannte und dass ein weiser Ramielit einen anderen Engel am Kragen packte. So etwas gab es doch nicht unter Engeln, menschliche Körper hin oder her. Wahrscheinlich hatte Shezariel ihm nur länger widerstehen können. Verachtungsvoll und ängstlich sah er zu Safrael. Er würde sehr vorsichtig sein müssen.
Der Raphaelit schloss seine Umhängetasche und erhob sich. Zu seinen Füßen lag die leere Tasche, in der die Medikamente gewesen waren. Die würde er nun nicht mehr brauchen. Hätte er doch nur durchgehalten und die Tasche den ganzen Weg alleine getragen. Aber nun wusste er wenigstens, woran er war. Der Boden neben der Tasche hatte sich durch die Flüssigkeit aus der zerbrochenen Flasche dunkel gefärbt. Shezariel war unvorsichtig, das würde ihm noch zum Verhängnis werden. Dann fiel es ihm ein. Richtig, die Flasche mit dem Isopropanol, die Esuniel genommen hatte! Die musste er unbedingt selbst tragen.
"Esuniel, du solltest mir doch die Flasche zurückgeben, die du mir als erstes weggenommen hast!", schnauzte er den kleinen Urieliten an.

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Beitrag von Dweia » 03.01.2007 - 11:22

So, Laduel hatte also immer noch miese Laune. Wahrscheinlich ärgerte es ihn, dass alle plötzlich wieder versönlich gestimmt waren und niemand mehr ihm und seinem dummen Misstrauen gegenüber Safrael Beachtung schenkte.
Das, vermutete Esuniel, war sowieso die Hauptursache für Laduels Verhalten. Er wollte Aufmerksamkeit, deswegen machte er diesen ganzen Ärger. Vielleicht war er tief in seinem Inneren genauso verunsichert wie Safrael und kam sich allein und verlassen vor.
Und weil er die allgemeine Aufmerksamkeit nicht durch Charme auf sich ziehen konnte, versuchte er es eben durch Bösartigkeit. Ja, bestimmt war es so.
Laduel war im Grunde genommen wirklich ein armer Kerl und man musste ihm helfen.
Wenn wir alle besonders nett zu ihm sind, vielleicht sieht er dann ein, dass nicht die ganze Welt böse und gegen ihn ist...
Esuniel beschloss, auch gleich mit gutem Beispiel voranzugehen.
Er ignorierte Laduels unfreundlichen Tonfall, setzte das freundlichste Lächeln auf, zu dem er fähig war - es kostete ihn ein wenig Überwindung - und meinte: "Entschuldige, Laduel, die Flasche hatte ich ganz vergessen. Ich wusste ja nicht, dass sie wichtig für dich ist, ich kenne mich mit sowas nicht aus. Hier, bitte." Er streckte dem Raphaeliten das Fläschchen mit einem aufmunternden Lächeln entgegen.
"Was ist da eigentlich drin?", erkundigte er sich neugierig. "Ist das Medizin für die Leute in diesem Dorf?"

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Beitrag von Safrael » 03.01.2007 - 15:09

Safrael entließ einen langen Atemzug. Der Streit schien fürs erste beigelegt, auch wenn Laduel noch immer herumschnauzte.
Esuniel tat ihm leid, aber er wusste nicht, was er noch hätte sagen sollen. Womöglich hätte das den Raphaeliten ohnehin nur noch mehr verärgert und Esuniel selbst schien ihm den Tonfall auch gar nicht übel zu nehmen.

Stattdessen glitt der Blick des Michaeliten gen Himmel, wo Illeanael schon wieder aufbruchbereit herumflatterte.

Gute Idee.. dachte auch den Michaelit und ertappte sich bei einem leisen Lächeln, das seine wachsende Sympathie zu dem kleinen Gabrieliten widerspiegelte.
„Wir wollten bald aufbrechen..“ richtete er daher sein Wort ruhig an die verbliebenen Schargeschwister. „Die Menschen brauchen unsere Hilfe. Ist die Tasche nun.. besser, Laduel? Sonst gib mir ruhig noch was. Ich trag noch nicht so viel..“

Safrael wartete kurz auf eine Antwort, dann setzte er sich langsam in Bewegung zum Rand des Daches, von dem aus er schließlich dem Gabrieliten in die Luft folgen würde.

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Beitrag von Laduel » 04.01.2007 - 01:02

Laduel war überrascht, dass Esuniel ihm das Fläschchen so bereitwillig und freundlich herausgab. Falls er mit seinem neuen Verdacht gegen Safrael wirklich richtig lag, dann konnten die drei anderen Engel gar nichts für ihr Verhalten. Schon tat es ihm Leid, dass er so harsch zu dem kleinen Urieliten gewesen war.
"Ja richtig, für die Leute.", sagte er in einem versönlicheren Tonfall.
Er öffnete seine Umhängetasche wieder, drückte den Inhalt vorsichtig zur Seite und verstaute das Fläschchen in dem freien Platz.
Safrael würde er keine weiteren Dinge geben. Irgendwie musste er sich in einem günstigen Moment Gewissheit verschaffen und bis dahin sehr vorsichtig sein. Abschätzend betrachtete er die hagere Gestalt.
"N-nein, nein. Schon gut. Du musst mir nichts mehr abnehmen. Viel besser so.", brachte er unsicher mit einem gezwungenen Lächeln hervor. Seine Umhängetasche war zwar wesentlich schwerer als sonst, aber im Vergleich zur anderen Tasche würde der Flug nun tatsächlich ein Kinderspiel werden.
Ohne ein weiteres Wort wandte sich Laduel ebenfalls zum Rand des Daches, stieß sich vom Boden ab und erhob sich in die Luft, dem kreisenden Illeanael entgegen.

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