Thanatos ~ Sie haben leere Augen [Prolog]

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Rain
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Thanatos ~ Sie haben leere Augen [Prolog]

Beitrag von Rain » 19.08.2006 - 15:54

Caspar, Raphaelis - Monach und erster Medikus im Kloster San Marco, grübelte schon den ganzen langen Morgen über seinen in Ikons verfassten Aufzeichnungen. Kräftige Fingerspitzen fuhren über das feine Papier, auf welchem schwarz auf weiß alles verzeichnet war, was er bisher hatte herausfinden können.
Der sterbliche Gottesdiener warf einen Blick auf die Reihe aus Reagenzgläsern, die er vor sich auf einem sauberen Arbeitstischchen aufgebaut hatte.
Ihre bisher erzielten Ergebnisse waren mager, sie weiterführendes Wissen fast kaum vorhanden. Es war mit Sicherheit zu wenig, viel zu wenig in Anbetracht ihrer Lage. Trotz all der Zeit, die sie investiert, trotz all der Mühen, unter denen sie Tag und Nacht gearbeitet hatten. Trotz der Opfer, die man hierfür gebracht hatte.
So etwas hatte er noch nie gesehen: Vor einer Woche hatte eine Schar die Proben dieser eigenartigen Anomalie zurückgebracht, und keine zwei Tage später... .
Caspar wollte gar nicht daran denken; er hatte immer noch den leeren Blick des Michaeliten vor Augen. Er sah ihn in seinen Träumen, er verfolgte ihn bei seinen Arbeiten, sogar während seiner Gebete zum Herrn und zu Raphael, dass er sich irren mochte.
So leere Augen... .
Kurz sah der glatzköpfige Monach von seinen Unterlagen auf, blickte durch die Vorhänge aus rieselndem Staub und Lichtlanzen in jene dunkle Ecke des Raumes, in welcher das letzte Opfer der Anomalie auf ihn wartete - aufgebahrt auf einem sterilem Silbertisch, ruhend unter blütenweißen Leinentüchern.

Der Raphaelis-Monach wurde in seinen Gedanken vom leisen Rascheln papierener Seiten unterbrochen, das von einem um Aufmerksamkeit bittenden Hüsteln begleitet wurde. Caspar hob den Blick und ließ ihn in die Richtung wandern, aus welcher das leise Geräuschgemisch an sein Ohr gedrungen war.
„Was? Oh, entschuldige bitte, meine Liebe, ich war nur kurz in Gedanken versunken – wir wollen uns gleich weiter an die Arbeit machen.“
Richtig, Mirella war auch noch da. Mirella, die junge, aufmerksame Begine, die direkt aus Prag angereist war, um ihn bei seiner schauderhaften Arbeit zur Hand zu gehen und ihre Ergebnisse in Wort und Schrift für die Nachwelt festzuhalten.
Caspar lächelte, auch wenn ihm in diesen Augenblicken eigentlich gar nicht danach zumute war. So langsam versammelten sich die sterblichen Diener aller Orden in diesem michaelitischen Kloster; es fehlten nur noch Glaubensgeschwister aus Uriels- und Gabrielsland und sie wären komplett. Zusammenarbeit, um dieses Grauen im Keim zu ersticken - sie war garantiert keine Sekunde zu früh zustande gekommen. Und trotzdem, es hatte ihnen alles Wissen nichts genutzt, gar nichts!
Mit einer vom Alter bereits gezeichneten, doch immer noch ruhigen und kräftigen Hand fuhr Caspar sich über die Augen, schloss diese einen Moment und seufzte. Er brauchte mehr Anhaltspunkte, mehr Informationen!
Er würde Bonifatius bitten müssen eine weitere Botenschar zu entsenden, denn sollte es sich bei dieser Deformation um... nein, daran mochte er nicht einmal denken!

Angetrieben von einer inneren Unruhe ging er wieder an die Arbeit. Das Skalpell glitzerte im Licht silbrig kalt als er das Laken zurückzog und Mirella kurz erschrocken nach Luft japsen hörte. Es dauerte jedoch nicht lange, bis auch sie ihre Aufzeichnungen wieder aufnahm und begann, sich zu Caspars leisen, seine Arbeit begleitenden Worten hastig einige Notizen zu machen... .

Michael
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Beitrag von Michael » 15.05.2009 - 23:23

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