Wertvolle Technologie [Gålels Schar] Teil I

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Equestriel
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Beitrag von Equestriel » 24.11.2002 - 22:16

Equestriel nickte.
"Ich habe dir diese Entscheidung überlassen und auch die Verantwortung darüber. Wenn du denkst, dass ihr das schaffen könnt, so oder so schaffen könnt, dann gibt es keinen Grund für mich, das nicht auch zu glauben. Ich werde noch einmal zu Filipe gehen und ihm Bescheid geben und mich im Namen aller verabschieden. Wir haben einfach zu wenig Zeit für weitere Aktionen, aber wir können wohl guten Gewissens sagen, dass wir getan haben, was wir konnten. Wir treffn uns in St. Enna wieder, Romariel."
Sie wandte sich zu Carniel. Einen Augenblick sah sie ihn nur an und schien nachzudenken, dann lächelte sie, fasste seine Unterarme und sagte:
"Gib acht und alles Gute. Ich hoffe, du hälst mich nicht für anmaßend, wenn ich das jetzt sage und wenn doch, dann verzeih, aber...geh keine Risiken ein, wir werden uns alle noch brauchen in Sizilien."
Sie hatte keine Ahnung, warum sie das sagte. Vielleicht, weil sie sich ihrer Entscheidung nicht so sicher war, wie sie es sein sollte. In jedem Fall aber war sie dankbar, dass die Drei sich aufmachen würden mit den Fischern - und zugleich wusste sie, dass sie sich schuldig fühlen würde, würde einem von ihnen und besonders Carniel etwas geschehen dabei.

Abrupt ließ sie wieder los, drehte sich auf dem Absatz um und ging zu Filipe.
"Wir werden jetzt aufbrechen. In Sizilien werde ich von eurem Dorf berichten und sollte es nötig sein, werden sie euch dort weitere Hilfe schicken. Drei von uns werden eure Schiffe heute begleiten und ich bin sehr zuversichtlich, dass sie euer Problem lösen können. Lebt wohl!"
Eigentlich hätte sie gern empfohlen, dass sie trotzdem baldmöglichst umsiedelten, aber soviel Verstand traute sie dem Bürgermeister auch so zu und sie wollte nicht unnötig Angst schüren.
Sie nickte ihm zu und ging. Ihr war klar, dass Filipe auf noch mehr gehofft hatte, aber das lohnte nicht zu diskutieren, es ging nunmal nicht. Der Herr würde schon auf sie achten...und den Rest müssten diese Menschen selbst beitragen zu ihrem Glück.

"Können wir dann aufbrechen?", wandte sie ihre Scharstimme an Quiescel, Nathaniel, Heljariel und Agariel.
Gerade wollte sie zum Dorfplatz, um sich mit den anderen dort zu versammeln, als sie es sich noch einmal anders überlegte und zum Hospital ging. Sie gestikulierte der Frau dort, still zu sein. Sie würde nicht lang stören. Möglichst leise ging sie noch einmal zu Leonhard. Irgendwas an diesem Mann, der schlafend auf seinem Lager lag, hatte sie berührt. Still sprach sie einen Segen, dann ging sie so schnell und wortlos wieder, wie sie gekommen war.
Bitter kam ihr der Gedanke, dass der Raphaelit nicht einmal im Hospital gewesen war, um sich auch nur umzusehen. Vielleicht tat sie ihm auch Unrecht, weil er sich am Vortag so merkwürdig aufgeführt hatte. Sie verwarf den Gedanken - sie sollte sich wieder um Objektivität bemühen.

Als sie am Dorfplatz ankam, verabschiedete sich noch der eine oder andere von den Gabrieliten. Equestriel spürte einen Ernst in der Szene, aber sie zwang sch, einfach nach vorn zu sehen. Vielleicht noch eine Nacht unter freiem Himmel, dann würden sie das Kloster in Sizilien erreicht haben...und die anderen dort auch schon wieder sehen.

Quiescel
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Beitrag von Quiescel » 25.11.2002 - 11:00

Quiescel war noch wach gewesen, als Heljariel in der Nacht ins Dorf zurückgekehrt war. Sie hatte die Worte, die er an Equestriel gerichtet hatte, mitbekommen, und auch, wie die Michaelitin ihn mit wütendem Blick wortlos in eine Ecke des Hauses geschickt hatte, wo er meditieren sollte. Die beiden hatten ihren besorgten Blicken jedoch keine Aufmerksamkeit geschenkt - vermutlich hatten sie sie in der Dunkelheit des Hauses gar nicht bemerkt. Irgendetwas stimmte überhaupt nicht. Heljariel war plötzlich so anders, nicht mehr der Raphaelit, vom dem sie das wunderschöne Federamulett erhalten hatte. Bevor sie wieder in die Meditation zurückglitt, fasste die Urielitin einen Entschluss.

Der Abschied von Carniel am nächsten Morgen fiel ihr nicht schwer. Es war ja nur für kurze Zeit, und danach würde sie ihn wiedersehen. Sie war ein wenig enttäuscht, selbst nicht dabei sein zu dürfen, wenn die drei Gabrieliten das Dorf vor den "Meeresungeheuern" retteten, aber sie freute sich auch für ihn, weil er sich in dieses aufregende Abenteuer stürzen konnte. Für sie selbst stand nun erst die Weiterreise nach Sizilien an. "Frikassee", rief sie Carniel noch augenzwinkernd zu, um ihm mitzuteilen, wie sie die Traumsaatkreaturen gerne hätte, bevor er sich umwandte, um die Menschen zu begutachten, die sie auf dem Schiff begleiten würden.

Quiescel drehte sich zu Equestriel um, als sie deren Stimme in ihren Gedanken vernahm, und nickte. Zumindest sie war bereit. Während die Michaelitin auf die Antwort der anderen wartete, ging Quiescel zu Heljariel, der sie mit einem kühlen Blick bedachte. Die Urielitin leckte sich zuerst nervös über die Lippen und fasste dann nach dem Verschluss der Federkette, die sie noch immer um den Hals trug. Sie nahm die Kette ab, drehte den schönen Anhänger noch zweimal in den Händen und hielt sie dem Raphaeliten hin, Verlegenheit im Blick.

"Also, am ersten Tag, als ich dich getroffen habe und du mir die Kette geschenkt hast, war alles noch in Ordnung, und es ging dir auch gut, und du hast dich gefreut, dass wir alle beisammen waren. Aber seitdem bist du irgendwie so traurig und still, besonders gestern, als du weggeflogen bist, und ich habe mich gefragt, woher das kommt. Also, vielleicht bist du ja so traurig und fliegst davon, weil dir deine wunderschöne Rose aus Holz zerbrochen ist, damals am Morgen. Ich weiß das nicht so genau, aber vielleicht ist das ja auch so, weil du mir die Kette deines besten Freundes gegeben hast. Vielleicht kannst du ja nur mit ihr richtig glücklich sein oder so. Auf jeden Fall, wenn das so ist, dann möchte ich sie dir gerne zurückgeben. Ich muss sie nicht behalten, obwohl du sie mir geschenkt hast. Wenn deine gute Laune daran hängt, dann will ich sie dir nicht länger wegnehmen, wirklich. Du sollst doch nur wieder froh sein, so wie in Roma AEterna, weißt du noch?"

Heljariel
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Beitrag von Heljariel » 25.11.2002 - 14:51

Er wollte nicht, dass sie mit ihm redet. Alles in ihm sträubte sich dagegen. Als Quiescel ihm entgegenkam, dachte Heljariel im ersten Moment daran wegzulaufen...Dennoch blieb er stehen. Er hoffte sie würde noch umdrehen, und versuchte sie so abweisend wie möglich anzublicken, aber es brachte nichts. Sie kam näher, fing an zu sprechen. Nach den ersten paar sätzen fing Heljariel an zu zittern, er konnte nicht mehr an sich halten und zitterte unkontrolliert am ganzen Körper. Er versuchte etwas zu sagen, sie zu unterbrechen, aber er konnte nicht sprechen. Plötzlich warens eine Gefühle wieder da, sie überrollten ihn, aber es waren keine Gefühle wie gestern. Ihm wurde so warm ums Herz, ganz zärtlich blickte er Quiescel an und umarmte sie plötzlich. Er hielt sie so fest, dass es ihr wahrscheinlich weh tun musste. Dann ließ er sie los, trat ein Schritt zurück. Er blickte sie an wie ein kleiner Junge, verschüchtert, flehentlich mit dunkeln Augen.

"Wirst du meine Freundin sein?"

Quiescel
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Beitrag von Quiescel » 25.11.2002 - 15:12

Quiescel sah Heljariel aus großen Augen an; die Kette hatte sie immer noch in der Hand. Sie hatte sich echte Sorgen gemacht, als der Raphaelit zu zittern begonnen hatte, aber irgendwie hatte sie auch nicht aufhören wollen zu reden. Sie stand zuerst wenige Sekunden einfach so da, irgendwie perplex von der plötzlichen Verwandlung, die gerade mit Heljariel geschehen war. Sie blinzelte einmal, zweimal, und dann stand ein glückliches Lächeln auf ihrem Gesicht.

"Aber... aber natürlich! Dafür sind wir doch alle zusammen, oder nicht? Hier auf der Erde müssen wir uns doch alle Freunde sein, damit wir glücklich sein können. Natürlich will ich deine Freundin sein!"

Heljariel
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Beitrag von Heljariel » 26.11.2002 - 14:56

Heljariel freute sich, und wie. Seine Augen glänzten, er war plötzlich so energie geladen, als ob er etwas, was ihm schon lange gefehlt hatte, wiedergefunden hatte. Er hob Quiescel hoch, schleuderte sie einmal rum und setzte sie dann sanft wieder ab.

"Danke!"

Static
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Beitrag von Static » 26.11.2002 - 17:07

Während fast die komplette Schar unter Equestriels Führung aufbrach, um sich auf ihrer Reise nach Sizilien nicht zu verspäten, folgten die drei Todesengel dem Boten, der sie hinunter in den Hafen führte. Der Mensch war sichtlich nervös und plapperte unentwegt etwas von „Danke, danke. Ihr seid unsere Rettung“. Vom Dorfplatz aus gelangte man schnell hinunter zum Hafen, denn die Straße verlief ohne Kurven und war gut gepflastert. Selbstsicher marschierten die Gabrieliten hinterher und hatten kaum Mühe mit dem vorausgehenden Mann Schritt zu halten. Von der bald aufgehenden Sonne war noch keine Spur zu sehen, und der Hafen lag noch in dunkles Schwarz getaucht vor ihnen. Im Mondlicht konnte man lediglich dichten Nebel erkennen, der überall über dem Hafenbecken und draussen auf der offenen See lag. Zwischen den Nebelschwaden meinte man immer wieder Umrisse von einzelnen Schiffen wahrnehmen zu können, die gespenstisch im Mondlicht schimmerten.
Trotz des göttlichen Beistands war dem Boten sichtlich unwohl bei diesem schaurigen Szenario und er murmelte immer wieder Dankesworte, dass er nicht mit hinaus zur See fahren musste, vor sich hin.
Es lagen nicht viele Schiffe im Hafen, die meisten waren wahrscheinlich Traumsaatübergriffen zum Opfer gefallen. Erst jetzt, da die Engel näher kamen, bemerkten sie, dass im Hafen trotzdem reger Betrieb herrschte. Man bereitete sich offenbar darauf vor, sofort mit allen verbliebenen Schiffen auszulaufen, sobald der Bedrohung durch die Traumsaat ein Ende gesetzt wurde. Von allen Seiten wurde den Engeln zugewunken, und schon allein der Gang durch den Hafen zum Schiff sah mehr aus wie ein Triumphzug nach erfolgreicher Heimkehr als der Antritt zu einer Mission.
Der Bote führte die Engel zum letzten Boot, das am Steg angebunden lag. „Emilia“ prangte in großen Lettern auf dem Schiffsrumpf. Von hier an tat der Mensch keinen weiteren Schritt. Die Engel traten von alle dem unbeeindruckt über die Planke, die als Verbindung zwischen Boot und Steg ausgelegt worden war. Sofort wurden sie vom Kapitän begrüsst. Die Menschen redeten nicht lange um schienen alle miteinander guter Hoffnung zu sein. Umgehend machte man die Leinen los und stach hinaus auf die offene See.
„Es dauert eine Weile bis wir das Fischfanggebiet erreicht haben“ erklärte der Kapitän den drei Engeln. „Alles ist nach euren Wünschen vorbereitet worden.“ Bei diesen Worten deutete der Mann auf die Plane, die ausgespannt über dem Deck hing und groß genug war, dass sich drei Engel darunter verstecken konnten. „Vielleicht wollt ihr die Zeit nutzen und euch ein wenig an Deck umsehen? Ich bin sicher ihr werdet noch den ein oder anderen wichtigen Hinweis für die geeignete Verteidigung finden. Seid vorgewarnt: Ich und die Männer hier, wir sind einfache Fischer und werden euch deshalb bei einem Angriff wenig helfen können“

Quiescel
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Beitrag von Quiescel » 26.11.2002 - 17:14

Quiescel freute sich förmlich ein Loch in den Bauch, weil es Heljariel jetzt wieder so gut ging wie früher. Selbstverständlich hatte sie die Federkette auf sein Drängen hin wieder angezogen. Während sie sich neben Nathaniel, mit dem sie die Spitze der Reisegruppe bildete, in die Höhe schraubte, beobachtete die Urielitin die geschäftigen Menschen am Hafen, die voller Vertrauen auf die Macht der Todesengel ihre Schiffe bereit machten. Wirklich schade, dass ich nicht dabei sein darf. Als sie in der gewohnten Reisehöhe angekommen waren, richtete sie ihre Blicke wieder auf die Küste Italiens, an der sie sich orientieren würden, und flog mit kräftigen Flügelschlägen in Richtung Süden.

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Beitrag von Carniel » 26.11.2002 - 20:59

Carniel badete in der Aufmerksamkeit. Trank in tiefen Zügen von den Menschen und bereicherte sich an dem Glauben der Menschen und ließ seiner Leidenschaft schon im Vorfeld freien Lauf. Es war nicht so das davon sein Körper in irgendeiner Weise beeinträchtigt wurde oder er angespannt oder gar gespannt aussahen, nein im Gegenteil es war sein Geist der schwelgte. Genau das hatte er gebraucht, den sicheren Glauben das man an ihn glaubte. Nur so konnte er auch glauben.
Nachdem man ihn auf das Schiff geführt hatte ging er sofort unter die Plane. Er war sich sicher, das Romariel sich noch mal umsehen würde, aber Carniel konnte da wenig helfen. Er zog lässig ein kleines Fläschchen aus seinem Gewandt. Die Flüssigkeit darin war ungefähr so zäh wie Honig und Carniel machte sich nicht die Mühe das Fläschchen zu öffnen sondern zerbrach sie einfach vorsichtig. Er beschmierte großzügig seine Arme damit und auch die Beine bis zu den Füßen. Sehr dünn und gleichmäßig wie er es schon viele Male getan hatte. Seine Haare sowie seine gesamte Kleidung schienen so oder so durchtränkt von dieser Tinktur. Gründlich band der Todesengel seine grellen Haare wieder mit einigen Votivbändern hoch und wickelte ein schmales Tuch darum.
Nachdem die Menschen auf dem Schiff neugierig auf ihn gestarrt hatten während er die heilige Flüssigkeit wie sie vermuten mussten auf seinen Leib salbte, grinste Carniel ein wenig. Wie wenig Zauber doch war, wenn man nur das Geheimnis dahinter kannte. Carniel hatte diese Prozedur tatsächlich schon sehr oft angewandt und hatte so noch etwas von der Tinktur übrig aus dem angebrochenen Fläschchen. Dieses warf er nachdem er sich war das er die Aufmerksamkeit des Mannes hatte einem der Seemänner zu der sie misstrauisch beäugte aber strahlte.
Carniel hingegen kehrte sein Lächeln nach innen und verschränkte die Arme. Er beobachtete Romariel und wie er noch einige Informationen einholte.

Quiescel
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Auf dem Weg nach Sizilien

Beitrag von Quiescel » 28.11.2002 - 15:55

Quiescel und Nathaniel leiteten die Schar mit kräftigen Flügelschlägen in Richtung Süden, immer der Küste entlang, wenn auch nicht allzu nah. Die beiden Urieliten hatten Equestriels Anweisung, das Meer aufgrund der Traumsaatgefahr zu meiden; eine Annahme, deren Wahrheitsgehalt sich ja bereits bestätigt hatte. Doch selbst auf die Distanz behielten Quiescels scharfe Augen die Küstenlinie im Blick und verhinderten, dass die Schar von ihrem gewählten Kurs abwich.

Der kühle Wind, der den Engeln unter den Flügeln tanzte und mit ihrem Haar spielte, verhinderte, dass sie die zunehmende Hitze des Südens allzusehr zu spüren bekamen, doch die Sonne, die hier über den Wolken mit zunehmender Intensität auf ihre Haut brannte, ließ die Schar spüren, wie nah an ihrem Licht man hier im Süden war.

Die Landschaft unter ihnen vollzog unmerklich den Übergang von Mittel- nach Süditalien. Zu den Zypressen traten Pinien, an die gewohnten Obstplantagen schlossen sich allmählich Olivenhaine und Kulturen mit Orangen und Zitronen, Mandel- und Feigenbäumen an, immer begleitet von der Weinrebe.

Im Osten drängte sich der Apennin immer weiter an die Engel heran, je weiter sie der Küste nach Süden folgten. Seine Hänge wirkten zerklüftet, wie aufgesprengt. Das unwegsame Gelände war derart schroff, dass selbst Pflanzen keinen Halt auf den unwirtlichen Hängen des Gebirges zu finden schienen, und die wenigen, die es dennoch geschafft hatten, wurden in südlicher Richtung zunehmend von der unerbittlichen Sonne zu trockenem, totem Gestrüpp ausgedörrt. Der grünende Küstenstreifen wurde zunehmend schmaler, und Quiescel bemerkte mit Bedauern, dass sie den letzten Reisetag höchstwahrscheinlich nur über die zerklüfteten Erhebungen des Apennin fliegen würden, ohne etwas Grünes in der hohen Felswüste unter sich zu sehen.

Als der Abend im Begriff war, sich über das Land zu legen, steuerten die Urieliten einen Berghang an, der in eine Richtung abfiel, die der Sonne abgewandt war und daher sogar ein paar trockene, aber dennoch grüne Grashalme und Büsche hatte halten können. Von hier oben reichte der Blick die Hänge hinunter und problemlos die ganze Strecke bis aufs Meer hinaus. Es würde einfach sein, hier Wache zu halten. Der Rastplatz war taktisch klug gewählt, auch wenn diese Wahl größtenteils Nathaniel zu verdanken war. Quiescel hätte sich viel lieber irgendwo auf dem abfallenden Küstenstreifen niedergelassen, im Schatten eines Zypressenhaines. Doch nun galt es wohl doch, mit dem kargen Felsbrocken vorlieb zu nehmen, auf dem sie letztendlich gelandet waren.

Während die anderen sich für die Nachtruhe vorbereiteten, holte Quiescel die Fasanenfedern und ein kleines Döschen aus ihrer Tasche und breitete ihren linken Flügel ein Stückweit aus. Sie dachte darüber nach, an welcher Stelle die bunten Federn wohl am besten zwischen ihre eigenen passen würden, entschied sich dann aber doch dafür, ihre Tasche mit einem kleinen Federbündel zu verzieren. Geschwind holte sie ihr Nähzeug hervor, packte das Döschen wieder ein und begann leise summend die Federn zu einem Muster zusammenzulegen, während das rötlichen Licht der untergehenden Sonne sich auf ihren weißen Schwingen brach.

Nathaniel(2)
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Beitrag von Nathaniel(2) » 29.11.2002 - 13:46

Nathaniel setzte sich im Schneidersitz auf den Boden und trennte sich von seinen Ausrüstungsgegenständen. Eine Zeitlang saß er da und blickte auf die weite Ebene hinaus, dann schliesslich zog er den Pfeil heraus, den Quiescel ihm geschenkt hatte. Seine geschickten Finger glitten über die unglaublich feingearbeiteten Linien im Holz, sein Auge sog jedes Detail auf. kurz pulsierten seine Tätowierungen, dann vertiefte er sich mit erleuchteten Augen in die Gravur des Pfeils. Es war das erste Geschenk, dass ihm jemals jemand geschenkt hatte, und es war wunderschön. Er war glücklich als er den Pfeil betrachtette. Glücklich aber auch irgendwie traurig. Nathaniel wusste niicht warum. War es weil er selbst so etwas nicht herstellen konnte, um das Geschenk angemessen zu erwiedern? War es weil er dankbar war, und nciht fähig seine Dankbarkeit zu beweisen? Oder war es, weil er glaubte Quiescel hatte esihm nur geschenkt, weil sie allen etwas geschenkt hatte, und ihm den Pfeil geschenkt hatte, weil sie ihn aus purer lust am schnitzen gemacht hatte, und nicht seinetwegen. Sie hatte den Pfeil ja schon gemacht, bevor sie sich kannten.

Nathaniel kramte ein wollenes Tuch aus seinem Beutel und begann damit so langsam und bedächtig über den Schaft zu fahren, als sei er zerbrechlich. Damit beschäftigte er sich eine ganze weile, als ginge es um eine Zeremonie, und nicht darum einen Pfeil zu putzen. schlisslich nahm er einen kleinen stein und begann die Pfeilspitze nachzuschärfen. Es war ein kostbares Geschenk, und er wollte es nicht verlieren.

Irgendwann schreckte nathaniel auf und bemerkte, dass er schon eine ganze Weie mit dem Pfeil beschäftigt war, wie in Trance. Fast beschämt schaute er sich verstohlen um, ob die anderen ihn anstarrten, und wickelte den Pfeil schnell in das wolltuch ein, um ihn wegzulegen.

Equestriel
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Beitrag von Equestriel » 29.11.2002 - 18:53

Equestriel war froh, als es Zeit zur Nachtruhe wurde. Zwar war sie noch immer abgelenkt von den Gedanken, ob sie wirklich richtig entschieden hatte und ob den anderen auch nichts geschehen würde, aber das war auch ganz gut so.
Da sie an der Küstenlinie entlang flogen, hatte sie das Land immer im Blick und Quiescel flog erstaunlich tief. Sie wusste nicht, ob es Zufall war oder ob die Urielitin bewusst diese Höhe vorgab, aber in jedem Fall war es beruhigend, Land zu sehen und sogar Pflanzen deutlich erkennen zu können.
Nach einer Weile wurde das Land jedoch unfreundlicher und karger. "Wenn ich hier abstürze!", dachte sie ängstlich, versuchte aber, nicht daran zu denken. Sie erinnerte sich an ihren Patzer ganz zu Anfang ihrer Reise und die prompte Reaktion des Gabrielitin. Wenn er nicht so schnell reagiert hätte, dann wäre sie vielleicht jetzt gar nicht hier. Und sie hatte ihn einfach aufs Meer geschickt! Nein, er hatte es ja auch so gewollt, mahnte sie sich selbst.

Der Rastplatz war gut gewählt von den Urieliten und ein jeder suchte sich ein Fleckchen der Erde dort zur Meditation, als Equestriel plötzlich auffiel, dass Nathaniel gedankenverloren einen Pfeil putzte. Wieso putzte er einen Pfeil? Und warum so lang? Das machte keinen Sinn, er war doch eine Waffe aus Holz, nichts besonders...Equestriel beantwortete sich diese Frage selbst, indem sie annahm, dass es wohl in der Art der Urieliten irgendwie verankert war...trotzdem war es komisch.
Sie sah zu Quiescel hinüber, die sich auch beschäftigte, aber mit etwas anderem. Neugierig trat sie näher, dann weiteten sich ihre Augen voller Überraschung.
"Du....nähst!!??", entfuhr es Equestriel deutlich entsetzt.

Static
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Beitrag von Static » 01.12.2002 - 22:28

Nachdem das Fischerboot bereits so weit draußen auf See war, dass man die Küste mit bloßen Augen nicht mehr erblicken konnte, versteckten sich alle drei Engel unter der aufgespannten Plane. Man wollte auf alle Fälle eine nette Überraschung für die Traumsaat bereithalten, falls es tatsächlich zu einem erneuten Übergriff kommen sollte.
Die Dämmerung war nicht mehr weit entfernt, als man die Netze auswarf und mit dem Fischen begann. Die Engel konnten förmlich spüren, dass es den Männern dieses Mal Unbehagen bereitete, in der Dunkelheit zu arbeiten. Bei Tageslicht hätten sie näher kommende Gefahren viel schneller bemerkt, aber dann hätte es bei weitem schlechter ausgesehen mit der Ausbeute an Fischen. So blieb nichts anderes übrig, als immer wieder angespannt den dunklen Himmel abzusuchen und zu hoffen, dass es wohl an diesem Tag, wenn nötig auch mit Beistand der Engel, gut gehen möge.
Alles verlief gut, solange bis der natürliche Gefahreninstinkt der Gabrieliten anschlug. Sie mussten die Traumsaat nicht einmal sehen und konnten schon spüren, dass irgendetwas nicht stimmte und Gefahr im Verzug war. Kaum dass man sich bereit gemacht hatte um nachzusehen, was wohl dieses unterbewusste Empfinden ausgelöst haben mochte, verfiel das Schiff auch schon in helle Panik. Auch die Seeleute hatten von dem bevorstehenden Angriff mitbekommen, als plötzlich ein heller Fleck am Himmel auftauchte. Verzweifelt versuchten die Matrosen irgendetwas zu unternehmen, was dem Boot bei der Verteidigung helfen konnte. Jeder schien spätestens nach Leonhards Erzählungen Bescheid zu wissen, was ihnen nun bevorstand. Der flammende Fleck am Horizont wurde schnell größer und verwandelte sich zu einem Feuerstrahl, der direkt und in rascher Geschwindigkeit auf das Fischerboot zuraste.

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Beitrag von Carniel » 02.12.2002 - 00:20

Carniels Augen verengten sich zu Schlitzen. Er brauchte einige Sekunden bis sein Verstand erfassen konnte was da passieren würde, doch als dies einsetzte weitete sich seine Augen vor schieren Unglauben. Sie hatten die Schlacht schon verloren bevor sie überhaupt begonnen hatte. Er kannte diese Art der Traumsaat und war sich der Gefahr bewusst die da auf das Schiff zuflog. Der feurige Strahl der die Nacht erhellte war schon bedrohlich nah als Romariel mit wenige knappen Worten die drei Todesengel organisierte.
Das Schiff schwankte stark als sich die drei gleichzeitig vom Boot aus in die Lüfte begaben und nu da sie der Gefahr entgegen flogen hatten sie noch weniger Zeit. Doch genau an diesem Punkt setzte das bewusste Denken bei Carniel aus und die Instinkte des Kämpfers übernahmen die Kontrolle. Kaum waren die Worte von Romariel nötig damit sie sich richtig verhielten. Die Laute klare Stimme des Gabrieliten hallte durch die Nacht und wurde untermalt vom Surren der Traumsaat. Carniel wusste nicht was er vorhatte aber er folgte ihm bis er einen Befehl brüllte und sie anwies nach rechts abzudrehen.
Xantariel jedoch blieb auf ihrem Kurs was Carniel mit Entsetzen bemerkte. Das unvermeidliche musste geschehen und der Gabrielit konnte nicht wegsehen als dies geschah. Der Flammenstrahl der eigentlich für das Boot bestimmt war wurde noch in der Luft gestoppt. Mit einem lauten Zischen traf der Strahl auf den Schulterpanzer von Xantariel und spritze zu allen Seiten. Die Stellen die die Gabrieliten mit der Flammenabweisenden Tinktur eingeschmiert hatte blieben dunkel jedoch das Fleisch nahe dem Schulterpanzer glühte auf und wurde von der ekeln Flüssigkeit verzerrt. Ein Schmerzensschrei quälte sich aus dem Mund von Xantariel und sie viel ein gutes Stück aus der Luft bevor sich Richtung Boot trudelte. Kurz stieg Carniel der Geruch von verbranntem Fleisch in die Nase und er fühlte sich dabei an etwas erinnert, was aber nicht hervorbrach. Er schaute noch wie die Gabrieliten auf dem Schiff wieder landete und die letzten Flammen auf ihrem Körper mit der Hand ausschlug. Sie lebte, aber sah selbst aus der Entfernung angeschlagen aus.
Wieder hallte ein Wort von Romariel durch die Nacht das Carniel nur ersehnt hatte. Der Gabrielit legte kurz das Kinn auf die Brust und griff auf seinen Rücken, wobei er mit einem Ruck das Flammenschwert von seinem Rücken zog. Als er den Kopf wieder hob glühten seine Augen vor Lust und ein wölfisches Lächeln zierte sein Gesicht.
Zeit Feuer mit Feuer zu bekämpfen.
Synchron ertönte nun das Knistern und Flackern der Flammenschwerter von Carniel und Romariel die Nacht. Wie ein Wesen warfen sie sich ihren Angreifern entgegen, wobei Carniels Körper während des Kampfes anfing zu pulsieren und Sein Herz Blut mit unheimlicher Kraft in jeden Muskel seines Körpers pumpte. Seine Bewegungen waren anmutig und von übermenschlicher Geschwindigkeit was ihm die Scriptura auf seinem Körper ermöglichte.
Carniel mochte vielleicht gewandter und allgemein versierter im Kampf zu sein, aber auch er konnte nicht fassen wie gut Romariel wusste wo er zuschlagen musste. Es schien dass ihm jede Schwäche des Gegners ein offenes Buch war. Und Trotzdem sie so agierten mussten auch sie Verletzungen hinnehmen. Während des Kampfes wurden sie von einem Flammenstrahl getrennten und in der Sekunde der Verwirrung schaffte es einer der Käfer nahe genug an Carniel heranzukommen um ihn mit den Mandibeln zu verletzen. Der Käfer schoss auf ihn zu mit weit geöffneten Mandibel und schien seinen Kopf im Visier zu haben. Mit einer kraftvollen Drehung brachte Carniel seine linke Schulter vor um dem Angriff zu begegnen. Der Auf Prall raubte ihm den Atem. Er wurde durch die Luft geschleudert und hatte Mühe wieder die Orientierung zu gewinnen. Er spürte dass etwas nicht in Ordnung war und suchte seine Kleidung ab. Der Käfer hatte ihn mit voller wucht gerammt und war noch ein gutes Stück weiter durch seinen eigenen Schwung geflogen war aber bereits dabei zu wenden für einen neuen Angriff. Romariel hatte selbst Schwierigkeiten zu dem Zeitpunkt. Carniels Finger tasteten zufällig umher bis sie zugreifen bekamen was passiert war. Die Engelsfigur von Quiescel war aus seiner Tasche gefallen wurde aber glücklicherweise von dem Lederband gehalten. Seine Finger fühlten die Federn der Figur und verstauten die flink wieder in seiner Tracht. Er lächelte und wieder waren seine Gedanken kurz abgelenkt und er bemerkte einen Hauch zu spät was er sonst früher bemerkt hätte. Der Käfer war wieder heran und verfolgte die gleiche Taktik wie beim ersten Mal. Wieder setze Carniel dazu an die Schulter zu heben unterließ es dann aber und verlagerte sein Gewicht nach hinten. Zu spät hatte er reagiert und die Mandibel des Käfers schnitten in sein Fleisch, schrammten über seinen Brustkorb und hinterließen durch eine klaffende brennende Wunde die aber nicht allzu tief war.
Der Todesengel stieß einen Laut aus dem einem Fauchen glich zuckte aber nicht zusammen, sondern nutze die günstige Gelegenheit aus.
Zuerst hörte man das Knacken von Chitin als das Flammenschwert den Panzer des Käfers im Nacken traf. Dann zischte es laut als die Flammen in das Fleisch der Kreatur biss und es läuterte.
Sofort formierten sich Romariel und Carniel wieder. Es sah so aus als hätte Romariel eine leichte Brandverletzung und Carniel hatte seine frische Wunde an der Brust aus der er blutete. Von Xantariel war nichts zu sehen und ein Käfer war erst ausgeschaltet.
Er musste besser aufpassen, doch instinktiv fuhr seine Hand wieder zu der Engelsfigur, für Romariel musste es so ausgesehen haben als taste er nach seiner Wunde, aber ab diesem Zeitpunkt bewegte er sich noch ein wenig schneller als selbst es unter Engel normal, war. Und auch die Leidenschaft mit der er kämpfte, verlor nicht sondern schien greller zu brennen denn je. Er folgte den Anweisungen und schlug immer wieder präzise zu wenn dieser es wollte.

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