Die Wege des Fleisches - [Seraviniels Schar] Teil III

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Luganiel
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Beitrag von Luganiel » 27.05.2003 - 11:20

„Das sollten Kleinigkeiten sein“ sprach Luganiel auf Common zum Frater. Nachdem Akaiel das verzierte Holzkästchen an sich genommen hatte ging der Raphaelit zu dem Alten Mann und untersuchte seinen Gesundheitszustand. So erschöpft wie er wirkte konnte es gar nicht gut um ihn stehen, und auch eine flüchtige Untersuchung von Puls und Temperatur verriet ähnliches. Wahrscheinlich war Akaiels Vermutung, dass der Fra bereits morgen früh nicht mehr leben würde, richtig. Also brauchte er nur etwas, womit er ruhig und ohne Schmerzen schlafen konnte bis ihn der Tod ereilte.
Also nahm Luganiel sein Medizinfässchen in die Hand und nahm den Deckel ab. Er suchte nach etwas leicht Verträglichem, das dennoch ausreichend seine Wirkung tat. Nach kurzem Abwägen entschied er sich für ein Extrakt aus Kräutern, das nur in Wasser aufgelöst werden brauchte und eine stark beruhigende Wirkung hatte. Nachdem er einige Tropfen davon in einen Becher voll Wasser gegeben hatte bat er seine Gefährten ihm zu helfen. Der Frater war immer noch äußerst geschwächt und konnte sich nicht alleine aufrichten, so dass es einige Mühe kostete ihm die Medizin einzuflößen. Das würde den Alten sicherlich innerhalb kürzester Zeit einschlafen und bis zum nächsten Morgen nicht wieder, oder womöglich nie wieder, erwachen lassen. Doch auch dieses Mal hatte Luganiel nichts Verbotenes getan, er hatte nur geholfen, Leid zu lindern.
Dennoch bestand er darauf, Nachtwache beim Frater zu halten. Falls die Medizin aus irgendeinem Grund doch nicht ihre gewünschte Wirkung tat oder falls der Frater von einem heftigen Anfall geschüttelt werden sollte war er gleich in der Nähe, um zu helfen. Ausserdem würde er nebenbei meditieren können, und heute abend war er so oder so zu nichts anderem mehr fähig. Es war sogar fraglich, ob sich überhaupt noch auf seinem Stuhl halten konnte oder ob er nicht im Sitzen einschlief.
So bekam Luganiel auch gar nicht mehr mit ob Harahel und Akaiel überhaupt noch im Raum waren als ihn die Müdigkeit übermannte.

Makaviel
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Beitrag von Makaviel » 27.05.2003 - 13:02

Akaiel hatte das Kästchen an sich genommen und noch während der kranke Fra Luganiels Medizin getrunken hatte versichert, dass er sich darum kümmern würde.

Sofern die gewünschten Dinge in seiner Macht lagen.

Luganiel wirkte immer noch sehr erschöpft, so dass sie seine Ruhe, die er unbedingt an der Seite des Fra halten mochte, nicht stören wollten.
Akaiel und Harahel verließen das kleine Haus und plötzlich merkten Beide, dass sie 'allein' waren.

Zwar war die Feier auf den Plätzen vor ihnen im vollen Gange, doch die Menschen ließen die beiden ins Freie getretenen Engel noch unbehelligt.
Akaiel nutzte dies um mit Harahel in eine der angrenzenden Gassen zu verschwinden und das Haus aufzusuchen in dem sie erwacht waren.

Eine ältere Frau wartete dort und grüßte sie höflich.
Emilia, wie sie hieß, hatte nach ihnen sehen wollen. Sie entschuldigte sich vielmals, dass sie keine anderen Gewänder für die Engel bereit hatte, aber die richtigen Röcke wären erst beim Trocknen.
Akaiel versicherte ihr, dass das nichts machte und nahm -genau wie Harahel dankend die Suppe an, die die Frau für sie gekocht hatte.

Ihre Frage, wo denn die Anderen Engel seien, erinnerte Akaiel daran, dass er sich bei Seraviniel melden musste.
Dieser, und auch Corsariel mussten mit der Befragung der Ketzerin wohl fertig sein und würden dann wohl nach ihnen beiden und Luganiel suchen.
Sicher würde sich Seraviniel melden, wenn es so weit war.
Da er sie nicht gerufen hatte, um bei der Befragung der Ketzerin zu helfen, hielt der Ramielit es nicht für nötig nun dort aufzukreuzen.

Außerdem wollte er sich am liebsten wieder hinlegen. Luganiel hatte ihm noch nicht helfen können und er würde das Heilen der Wunde seinen eigenen Selbstheilungskräften überlassen müssen. Die nahrhafte Kartoffelsuppe und etwas Ruhe würden sicherlich dafür sorgen, dass er nur eine Narbe zurückbehalten würde und vielleicht schon morgen die Wunde soweit verkrustet war, dass er sich wieder richtig bewegen konnte.

Akaiel jedenfalls ließ sich nicht anmerken, dass er Schmerzen hatte.
Was ihm vielmehr Sorgen bereitete, war Harahels grüblerischer Gesichtsausdruck.
Er sprach sie an, sobald Emilia hinausgegangen war um 'die Gewänder auszubessern'.

"Harahel... ich weiß, dass Du wegen... wegen der Sache vorhin... Du darfst das keinem sagen. Wirklich. Auch nicht Seraviniel. Er würde es nicht verstehen. Bitte, sag es keinem. Ich werde still sein. Aber sie werden dich... nein sie werden uns bestrafen, wenn du es sagst!"

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Beitrag von Kyriel » 27.05.2003 - 13:19

Wortlos schritt er auf den Michaeliten zu, der sich immernoch mit der Ketzerin beschäftigt. Er wusste nicht genau was er tat, er ließ sich von seiner Wut leiten. Lautlos zog er ein kleinen Dolch aus seinem Rock und hielt ihn in der geballten Faust. Ruhig stand er hinter dem kleineren Michaeliten und atmete ein zwei mal aus. Der Michaelit drehte sich von den beiden weg. "Herr vergib mir" keuchte er sehr leise noch und im selben Atemzug stieß er dem Michaeliten den Dolch von hinten in den Rücken. Cosariel wusste wo er einen gegner treffen musste um ihn zu schädigen. Auf jedenfall konnte ihm Seraviniel jetzt nicht mehr gefährlich werden, glaubte er zumindestens. Mit schmerzverzerrtem Gesicht sankt der Engel vor ihm auf die Knie, und der Gabrielit hörte sein schweres keuchen, wärend er nachdachte. Schweratmend blickte er auf den Rücken des Michaeliten, wo sich sein gewand langsam mit Blut tränkte. Cosariel blickte die Ketzerin mit eisigen Blick an, sie würde aus seinem Blick lesen können das sie als nächste sterben würde.

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Harahel
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Beitrag von Harahel » 27.05.2003 - 20:26

Nur auf halbem Ohr bekam Harahel die Wünsche des Fraters mit. Luganiel hielt wache, also konnte sie sich auch nicht ihm anvertrauen ohne verdächtig zu wirken. Er was sowieso nur ein Mensch. Sie war ein Engel - darum konnte sie ganz sicher nicht bei einem einfachen Menschen Beichte ablegen.

"Ich muss! Akaiel, verstehst du nicht? Ich habe .. dein Seelenheil in Gefahr gebracht. Und..ich...ich..." Harahel wandte den Blick ab "...ich würds wieder tun. Ich fühle es. Seraviniel wird Rat wissen, er ist ein Michaelit. Er kann mich Läutern und mir vergeben." ihre Stimme war nur noch ein Flüstern.
"Ich werde ihnen auch sagen, dass dich keine Schuld trifft. Schließlich ist es die Wahrheit. Allein meine verderbte Seele hat das..." sie konnte nicht weitersprechen.
Sie konnte gar nichts mehr tun.
Ein riesiger Kloß steckte in ihrer Kehle und sie schaute auf ihre Füße und versuchte nicht zu weinen.
Es war sehr schwer und trotz aller Anstrengungen füllten sich ihre Augen mit Tränen.

Warum hatte Gott sie nur in diese Schar gesteckt? Alleine mit ihren Botenflügen wäre sie sehr viel glücklicher gewesen.
Sie verstand die Welt nicht mehr. Und sich selbst auch nicht.

Makaviel
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Beitrag von Makaviel » 28.05.2003 - 06:52

"Harahel... Gott weiß was du getan hast. Seraviniel kann dir keine Absolution erteilen. Er ist nicht Gott. Er ist Michaelit, aber er ist nicht Gott. Er kann jemand richten, aber er kann nicht für Gott vergeben... und... er weiß gar nicht... er..." Akaiel schwieg. Er wollte das nicht laut sagen. Aber er wusste, dass Gott seine Stimme nicht zu den Michaeliten schickte.

Er hatte nie ganz verstanden, warum ausgerechnet 'die die wie Gott sind' die Anführer der Scharen waren. Sicher, Gott selbst hatte es so gewollt und befohlen und er durfte nicht hinterfragen warum, aber er sprach nicht zu ihnen.
Die Michaeliten kannten seine Gesetze, und seinen Willen bezüglich dem was mit den Menschen und der Welt passieren sollte. Aber im Einzelnen, wenn es darum ging eine Entscheidung zu fällen, dann sprach er nicht zu ihnen.

Dann, wenn der Michaelit keinen Rat wusste, dann fragte er sie. Die Ramieliten, denn sie hörten Gott. Er war in der Kathedrale. Nur ein Ramielit konnte Gottes 'Prophet' sein und deswegen wusste er, was passierte, wenn Harahel es jemand sagen würde.
Sie würden sie zurück nach Mt. Salvage schicken.
Sie würden sie bestrafen und von ihm trennen und dann wieder alleine auf Botenflüge schicken, wo sie nichts anstellen konnte. Man brauchte jeden Engel, früher hätte es vielleicht schlimmere Strafen gegeben.

Aber war das nicht die Schlimmste?
Sie würden sie von ihm wegholen.

Aber dann würde es auch vorbei sein. Dann hätte sie nichts mehr was sie versuchen würde.
"... du hast recht.", sagte er schließlich kühl und sah zu Boden. Ihre Tränen wollte er nicht sehen. Sonst hätte er sie umarmen und trösten wollen. "Rede mit Seraviniel. Er wird wissen was zu tun ist. Er wird das Richtige entscheiden!"

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Beitrag von Kyriel » 02.06.2003 - 16:56

Cosariel schaute auf den Körper des Michaelit vor sich. Was hatte er nur getan? Erst jetzt wurde ihm wirklich klar was er getan hatte.

ER HATTE EINEN MICHAELITEN ANGEGRIFFEN!!!

Cosariel Ohrfeigte sich selber und versuchte nachzudenken. Was sollte er jetzt bloß tun? Ihm war klar, dass er nie wieder in seinen Himmel zurückkehren konnte, er musste fliehen, wenn er am Leben bleiben wollte. Ob sie wohl nach ihm suchen würden? Bestimmt, wer einen Michaeliten Gottes umbringt, würde dafür bestraft werden, und sollte es noch so lange dauern bis sie ihn finden. Zwanghaft suchte er nach einem Ausweg aus diesem Schlamassel zu finden. Der Gabrielit wollte noch nicht sterben, er wollte Leben, er wollte dem Herrn dienen.

Es vergingen einige Minuten und er setzte sich vor den leib des Michaeliten, der immer noch röchelnd am Boden lag. Ab und zu schaute er auf die Ketzerin und dann kam ihm die zündende Idee: Er würde ihr alles anhängen. Sie würde den Michaeliten mit dem Dolch angegriffen haben, und er würde ihm nur geholfen haben. Das würde ihm helfen, der Michaelit konnte nicht wissen wer ihm das Messer in den Rücken gebohrt hatte, doch was würde passieren wenn er wieder erwachen würde, könnte er sich an alles erinnern. Er musste für sein Schweigen sorgen, genauso wie für das der Ketzerin.

Cosariel richtete Seraviniel auf, so dass er sitzen konnte, und zerrte die Ketzerin hinter ihn. Er packte ihre Hände mit den Fesseln und schlang sie um den Hals des Michaelit. Ein Krachen erfolgte und der Kehlkopf und das Genick des Michaelit brachen. Er ließ sie los, und verpasst ihr einen gewaltigen Schlag auf die Schläfe. Mit einem Stöhnen kippte sie zur Seite, die Hände immer noch um die seinen Hals. Cosariel stand au, und zerrte die Ketzerin von dem Leib des Michaelit.

Cosariel packte sie im Genick und zerrte sie nach draußen. Wütend stieß er sich durch die Menge auf einen kleinen freien Platz in der Mitte von ihnen. Mit wucht warf er die Ketzerin in den Staub und setzte seinen Fuß auf ihren Rücken. Schnell zog er sich einen der Menschen herann und macht ihm klar das er die anderen Engel holen sollte.

Yiel
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Beitrag von Yiel » 02.06.2003 - 22:31

Es war fast wie fliegen. Ja doch es kam dem Gefühl äußerst nahe.
Mehr noch man war tatsächlich frei, der Schmerz war verschwunden und auch die Atembeschwerden waren vollkommen weg.

Was Seraviniel natürlich in seiner Delirium Welt nicht wahrnehmen konnte waren die äußeren Sinneseindrücke und so konnte schond er Anblick seienr Körperhaltung schmerzhaft sein.
Der Gabrielit hatte ganze Arbeit geleistet ein sauberer ordentlicher Bruch ohne auch nur die Wirbelsäule tatsächlich zu verschieben. Der Michaelit hätte bestimmt die außerordentliche eEffizienz bewundert und vermerkt, aber das war ihm natürlich nicht möglich.
Auch der Umstand das der Dolch seinen rechten Lungenflügel getroffen hatte war lange nicht verschwunden, aber wenn die reaktiven Nervenbahnen zum Gehirn nicht mehr leiten, so kann auch dieser Umstand an Bedeutung verlieren.
Alles in allem hätte der nüchterne Geist und Verstand von Seraviniel wohl festgestellt das er wohl keine zehn Minuten mehr hatte bis seine Lungen kollabierten, oder jemand war dumm genug ihn ruckhaft zu bewegen dann brauchte er sich darum auch keine Sorgen mehr zu machen.

Die Augen hatte der Engel geöffnet, der Funke des Lebens deutlich in diesen, aber für einen Hilferuf war er viel zu weit von der stofflichen Welt weg.

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Beitrag von tjoern » 03.06.2003 - 08:57

Akaiel, Harahel & Luganiel: Der durch Cosariels handlungen entstehende Tumult bleibt auch euch nicht verborgen. Und bald darauf kommen auch gleich mehrere aufgeregte Dorfbewohner auf euch zu.
Aus dem wilden durcheinander der Stimmen könnt ihr lediglich heraushören, dass irgendetwas passiert ist und ihr euch beeilen sollt.

[Bis jemand Akaiel und Harahel findet, dauert das natürlich entsprechend länger...]

Makaviel
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Beitrag von Makaviel » 03.06.2003 - 09:11

Die Dorfbewohner, die wussten, dass Akaiel und Harahel von der alten Frau versorgt wurden, waren mit lautem Geschrei an die Tür gekommen.
Sie hörten es bis in die Stube und gleich darauf kam die Frau herein und stammelte etwas von dem Gabrieliten.

Akaiel sprang auf und hätte beinahe geflucht, als der Schmerz ihm in die Seite stach.
Er wollte nur mit Harahel reden und nicht jetzt Cosariels Kindermädchen spielen.
Irgendwas musste passiert sein. Und er hörte immer noch nichts von Seraviniel. Er spürte nicht einmal die Verbindung zu ihm.

Ihnen blieb nichts anderes übrig, als nachzusehen.
Harahel wollte etwas sagen... zu all dem, was er gerade gemeint hatte, aber die Frau war ja noch da und so hatte sie jetzt keine Gelegenheit dazu. Doch sie sah so furchtbar unglücklich aus, dass Akaiel am liebsten einfach alle hinausgejagt hätte.

"Komm, lass uns nachsehen!", meinte Akaiel nur und ging voran.
Die Frau ging ihm schnell aus dem Weg. Einem wütenden Engel stand man besser nicht vor den Flügeln.

Akaiel rannte fast, oder ging zumidnest so schnell es die Würde zuließ und kam grade zurecht, wie Cosariel vor der Ketzerin auf dem Platz stand. Die Frau sah übel zugerichtet aus und rührte sich nicht mehr.
Cosariel sah aus wie ein Todesengel auszusehen hatte... niemand traute sich auch nur auf 15 Meter heran.

"Was ist passiert, was machst du denn da? wo ist Seraviniel?" Akaiel hatte so ein Gefühl, dass hier irgendwas ganz und gar nicht stimmte.

Harahel
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Beitrag von Harahel » 03.06.2003 - 10:46

Ja, sie hatte recht. Sie musste ihr Gewissen erleichtern.
Sie würden sie der Schar wegnehmen.

Harahel setzte gerade an, etwas zu sagen, da platzte die nette alte Frau herein.
Sie zog die Träger ihres Kleids zurecht, warf einen Blick auf ihre in der Ecke des Raumes verstaute Ausrüstung, ließ sie aber dort liegen.
Sie würde keine Waffen brauchen, jetzt wo Frieden eingekehrt war.
Die Alte sagte etwas von Aufruhr und dass Cosariel nach ihnen gerufen hatte.

Obwohl sie den Ramieliten leicht hätte überholen können, blieb sie hinter ihm. Auch wagte sie ihn nicht anzufassen.
Harahel schaute sich auf dem Dorfplatz um.
Die Ketzerin versuchte sie so gut es ging zu ignorieren - es war kein schöner Anblick.
Cosariels Brustkorb hob und senkte sich schwer, seine Nasenflügel bebten.
Was war nur geschehen?

"Seraviniel?" rief sie und hielt Ausschau nach dem Michaeliten.
<<<Seraviniel?>>>
Keine Antwort.
Die Menschen standen herum und redeten aufgeregt durcheinander.
Von irgendwoher drang ein erstickter Schrei zu den Engeln auf dem Dorfplatz herüber.
Eine junge Frau, vielleicht 17 Jahre alt, drängte sich durch den Wall aus Menschen und warf sich fast vor Harahel nieder, welche ihr am nächsten Stand.
Ein wahrer Redeschwall brach aus ihr hervor.
Sie sprach so schnell und laut, dass die Urielitin Mühe hatte sie zu verstehen.
Irgendetwas hatte es mit einem der ihren zu tun und einem Haus weiter unten.
Wäre die Ehrfurcht vor den Engeln des Herrn nicht so überwältigend gewesen, die junge Frau hätte Harahel wohl an der Hand gepackt und mitgeschleift.

Also warf sie Akaiel einen zögerlichen Blick zu und folgte der aufgebrachten Frau.
Sie war ja fast hysterisch.
Auch einige der Dorfbewohner folgten.
Das Haus stand irgendwie seltsam verlassen inmitten all der anderen. Eine bedrückende Atmosphäre ging davon aus.
Die Haustüre stand offen, fast anklagend.
Langsam ging Harahel darauf zu, fasste den Türrahmen fest und steckte den Kopf hindurch.

Die Augen der Urielitin wurden weit, ein keuchendes Stöhnen drang über ihre Lippen.
Ihre Beine wollte ihr den Dienst versagen und ihr Herz - durch Gottes Wunder wiederhergestellt - setzte kurz aus.
Seraviniel. Die Augen weit aufgerissen, den Körper leblos am Boden liegend.
„LUGAAAANIEEEL!“ ihr Schrei drang gellend nach draußen. Es war wie ein Reflex.

Sie traute sich kaum zu ihm hinüberzugehen. Der Michaelit war immer so hart gewesen. Was war nur geschehen? War er tot?
Nein. Engel konnten nicht sterben. Was sollte ihn auch getötet haben?
Unentschlossen ging sie hinüber, setzte sich vorsichtig neben ihn und wollte ihm zögerlich und mit zitternder Hand durch die Haare streichen, besann sich aber im letzten Moment wer da vor ihr lag.
Noch einmal rief sie nach dem Raphaeliten. Nur er konnte noch helfen.
Seraviniel…
Harahel schluckte schwer. Nur keine Schwäche zeigen vor dem Michaeliten. Stark bleiben.
„Seraviniel? Ist…ist…“ natürlich war nicht alles in Ordnung! „Was ist denn passiert?“ fragte sie mit brüchiger Stimme.
Ihr Blick ruckte ungeduldig zur Tür. Wo blieb Luganiel nur?
Von draußen drang das Schluchzen der jungen Frau herein, aber sie hinderte vehement alle anderen Dörfler ihren Kopf durch die Tür zu stecken.

Makaviel
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Beitrag von Makaviel » 03.06.2003 - 11:17

Akaiel war zunächst vor Schreck wie gelähmt.
Was war hier passiert?

Ein Dolch, Blut, Seraviniel blutete von irgendwoher.
Die Ketzerin war aber doch gefesselt gewesen?! Hatte sie sich irgendwie befreien können?

Sie hatten Cosariel mit der Sünderin alleine gelassen. Er würde sie schon richten. Das war die Aufgabe des Todesengels.
"Ich... ich hol ihn!", Akaiel wandte sich um und diesmal rannte er wirklich. Lugnaiel wurde keine Minute später äußerst unsanft aus seiner Ruhe gerissen und beinahe gewaltsam mitgeschleift. Akaiel erklärte in knappen Worten was passiert war und hatte den Raphaeliten tatsächlich schon halb nach draußen gezerrt, ehe dieser überhaupt wusste wie ihm geschah und dann tatsächlich selbst hinter Akaiel herrannte.

Akaiel ließ dem Heiler den Vortritt hinein zu Seraviniel und Harahel, die noch immer vor dem Michaeliten kniete.
Die Dorfbevölkerung war nun beinahe in Panik. Eine Ketzerin hatte den Michaeliten niedergestochen. Das war so ziemlich das Schlimmste, was in ihrem Dorf passieren konnte.
Zumal niemand verstand wie eine einfache Frau im Beisein eines Gabrieliten überhaupt so weit gekommen war. DAS würde er den Todesengel auch fragen. Wie unachtsam hatte dieser sien müssen, dass es DAZU gekommen war?

Akaiel drängelte die Leute mit gespreitzten Flügeln vom Haus weg, damit Luganiel seine Ruhe hatte.

"Lasst den Raphaeliten seine Arbeit tun und habt keine Angst. Es wird sich alles klären!", rief er. Allerdings fühlte er sich selbst nicht halb so gut bei seinen Worten, wie die ganzen Leute, die sich entfernten.
"Geht jetzt. Aber sagt dem Todesengel, dass er zu uns kommen soll, sobald sein Werk getan ist!" Natürlich sagte er nicht was das 'Werk' war, aber Jeder konnte es sich denken.

Nur wenige Menschen blieben zurück. Die Anderen gingen in Gruppen diskutierend nach Hause. An Feiern wollte keiner mehr denken.
Akaiel schielte über seine Schulter hinein in das Haus und versuchte einen Blick auf das zu erhaschen was Luganiel wohl tat.
Jetzt wo die Leute weg waren, sank der Ramielit in sich zusammen und stand mit schmerzverzerrtem Gesicht und leicht nach vorne gebeugt da.
Cosariel würde das erklären müssen.
Das hier war einfach nicht möglich.

Kyriel
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Beitrag von Kyriel » 03.06.2003 - 12:03

Cosariel zügelte seien Wut nicht mehr und versteckte er auch nicht, schließlich sollte es ja auch alles echt aussehen. Er blickte durch die Menge und zog sein Schwert vom Kriegsrock. Mit gestreckten Armen hielt er es in die Höhe, und es enflammte sich. Sein Zorn, der Zorn Gottes, würde jetzt walten. Mit einem lauten Schrei fuhr das Schwert hinab, und teilte den Kopf von der Leiche. Mit einem Stoß drehte er die Ketzerin um, und hob abermal sein Schwert. Seine Augen glühten förmlich. Senkrecht raste die Klinge gen Boden und bohrte sich durch das Herz der Ketzerin in den Boden.

Der Gabrielit ließ sein Schwert los und nun steckte es, durch die ketzerin durch, im Boden. Sie sollte dort liegenbleiben. Wütend stapft er zu dem Haus, in welchem die Engel waren zurück und stellte sich zu den anderen.

"Luganiel, er ist doch nicht schwer verletzt oder?" er spielte sogar sehr gut seine sichtlich Besorgnis vor, und tatsächlich kam tief in seinem Inneren ein Funke Sorge auf.

Luganiel
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Beitrag von Luganiel » 10.06.2003 - 21:23

Viel zu wenig Zeit war vergangen als Luganiel unsanft aus seinem Schlaf auf dem Stuhl gerissen wurde. Er hatte noch nichts von dem Aufruhr im Dorf mitbekommen und schlug die Augen auf als jemand fast schon gewaltsam an ihm zerrte. Es dauerte ein paar Augenblicke bis er geistig wieder voll anwesend war, und in dieser Zeit verstand Luganiel nichts von dem was ihm der aufgebrachte Akaiel mitteilen wollte. Spätestens jedoch als er regelrecht mitgeschleift wurde war ihm klar geworden, dass etwas Schlimmes passiert sein musste und er dringend gebraucht wurde.
Ihm schwante bereits Böses als er Cosariel zusammen mit der Ketzerin vor dem Haus sah. Was war bloss mit Seraviniel geschehen? Ungläubig betrat der Raphaelit das Haus, in dem das Verhör stattgefunden hatte. Luganiel war wirklich froh dass jemand da war, der ihm half sich einen Weg durch die Ansammlung von Menschen zu bahnen, denn alle standen nur staunend herum und vergaßen Platz zu machen. Waren die Geräusche und das laute Poltern vorhin etwa Handgreiflichkeiten und eine handfeste Auseinandersetzung gewesen sein und nicht die vermuteten barbarischen Foltermethoden?
Luganiel wusste es erst als er Harahel vor dem Michaeliten knien sah. Schon auf den ersten Blick sah es ganz und gar nicht gut aus für Seraviniel. Eilig überprüfte Luganiel die Vitalfunktionen des leblos daliegenden und konnte feststellen dass er wohl extreme Probleme mit dem Atmen haben musste. So wie er röchelte musste der Dolch, der offensichtlich diese stark blutende Wunde im Rücken verursacht hatte, seine Lunge mindestens gestreift haben. Da Seraviniel noch immer die Augen geöffnet hatte versuchte Luganiel ihn anzusprechen. Jetzt nur keine falsche Handlung! Am liebsten hätte der Raphaelit alles mit seinem Patienten abgesprochen bevor er irgendetwas unternahm. Doch die Augen des Michaeliten starrten weiterhin nur ins Leere und er bewegte sich keinen Zentimeter. Was höchstwahrscheinlich auch Seraviniels Glück war, denn sobald Blut in die Atemwege gelangte war es um den Engel endgültig geschehen.
Was Luganiel erst recht spät auffiel war das gebrochene Genick des Michaeliten. Da hatte jemand wirklich ganze Arbeit geleistet.
Erst als Cosariel zu ihnen hinzutrat und sich ein wenig ungewöhnlich fürsorglich nach Seraviniels Zustand erkundigte kam dem Raphaeliten eine Theorie die allerdings nicht so recht Sinn ergeben wollte. Die Ketzerin wäre niemals in der Lage gewesen so präzise und in einem Ruck das Genick des Michaeliten zu brechen, dazu fehlte ihr die nötige Kraft. Ausserdem wäre sie wohl in Beisein des Gabrieliten wohl niemals nah genug herangekommen. Und es blieb die Frage woher sie einfach so seinen Dolch entwenden hatte können.
Doch welchen Vorteil könnte Cosariel aus dem Tod des Anführers der Schar gewonnen haben? Oder hatte er sich etwa mit den Ketzern verbündet oder war von ihnen korrumpiert worden?
Luganiel wusste es nicht. Es blieben viel zu viele Fragen offen.
Fragen, für die eigentlich gar nicht die richtige Zeit war, denn schließlich glitt sein Patient immer mehr hinüber ins Jenseits. Und der Raphaelit konnte nicht viel dagegen tun, denn so sehr er sich auch anstrengte den Gesundheitszustand Seraviniels zumindest zu stabilisieren, er würde keine Chance haben ihm das Leben zu retten. Dazu fehlten ihm sowohl die Mächte eine neue Lunge nachwachsen zu lassen als auch die nötige Kraft, denn spätestens bei der Heilung Harahels hatte Luganiel sich vollkommen verausgabt.
Unweigerlich blieb ihm nichts anderes übrig als die anderen zu unterrichten, dass Seraviniel jeden Moment sterben würde. Und falls sie ihm noch etwas Letztes sagen wollten war es jetzt an der Zeit, denn der Michaelit war höchstwahrscheinlich noch immer bei Bewusstsein und konnte hören was im Raum gesprochen wurde.

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