[In Nomine Innocentiae] - Praeludium Postulanten

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Zed
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[In Nomine Innocentiae] - Praeludium Postulanten

Beitrag von Zed » 01.07.2004 - 14:24

Gratianopel - Raphaelitischer Himmel

Aufgeregt unterhielten sich einige Raphaeliten vor dem Hörsaal für Kräuterkunde, die Vorlesung war gerade zuende gegangen und das einzige Gesprächsthema in den Pausen war - wie schon seit einigen Tagen - der bevorstehende Termin für die Engelweihe in Roma Aeterna.

"Was meinst du, Velinel? Ob wir bereits genug gelernt haben, um diesmal in die Welt hinaus starten zu können?"
"Ich weiß nicht, ich bin noch etwas unsicher, was die Psychologie angeht, Rohael... außerdem würden sich unsere Wege dann wohl trennen."
"Daran sollten wir gar nicht denken, ihr zwei. Wir wurden schließlich auf die Erde geschickt, um im Kampf gegen den Widersacher den Menschen beizustehen!"
"So ist es...", eine sanfte Stimme unterbrach das eifrige Gespräch und die jüngeren Engel sahen zu der Scriptura-Raphaelitin auf, die mit einem sanften Lächeln die Gruppe musterte. "Wisst ihr, das Meiste lehrt einen die Erfahrung, die man in den Scharen sammelt. Da kann man hier noch so viel studieren, das wird nie das erhebende Gefühl aufwiegen, wenn man eines der Schargeschwister nach einer schweren Wunde, die durch die eigenen Hände geheilt wurde, wieder aufstehen sieht."


Mont Salvage - Urielitischer Himmel

Die Luft um den Himmel herum war erfüllt vom Rauschen und Schlagen unzähliger Engelsflügel, deren Träger eifrig die gewagtesten Flugmanöver trainierten: Sturzflug, Angriff in und aus der Luft und natürlich das regungslose Verharren, um fehlerfrei zielen zu können.

In nur wenigen Tagen würde eine Gruppe fertig ausgebildeter Postulanten ihren langen Weg nach Rom antreten, um dort ihre Engelsweihe zu erhalten.
Doch zum jetzigen Zeitpunkt alberten sie noch etwas herum, jagten sich gegenseitig durch die schwülwarme Mittagsluft oder bestimmten Tierarten in der großen Sammlung.

"Wie es wohl sein wird, einer Schar den Weg zu weisen?"
"Bestimmt aufregend und spannend! Ich kann es kaum erwarten."
"Ich würde auch am liebsten schon jetzt los fliegen. ...Hab nur ein bisschen Angst vor der Traumsaat..."
"Ach, du hast doch dann einen Gabrieliten dabei."
"Stimmt. Ich hab gehört, die bekommen lebende Kreaturen zum Training serviert.", wurde geflüstert.
Ein mehrstimmiges Raunen als Antwort.


Prag - Ramielitischer Himmel

Es herrschte absolute Stille in den Gängen und Räumen des blauen Himmels - zumindest, was die Ramieliten anging, die nahezu alle wie immer schwer beschäftigt wirkten. Eifriges Schreiben und Lesen bestimmte den Alltag hier und in den großen Bibliotheken war lediglich das leise Kratzen der Schreibgeräte auf dem Pergament oder auch das Tappen barfüßiger Engel, die durch die Regalschluchten liefen, um nach Schriften zu suchen oder diese wieder an ihren Platz zu bringen, zu hören.
Wirklich laut waren nur Besucher anderer Orden, die oftmals gemahnt wurden, doch bitte leise zu sein. Letztlich sprach man nur beim Essen mit dem ein oder anderen Ordensgeschwister über Theorien und Hypothesen, die man anstellte, und inwieweit sie zutreffen könnten.

Auch in den Ausbildungsräumlichkeiten herrschte Ruhe, die von beinahe schon knisternder Konzentration herrührte. Das Üben der Mächte in der Stille gehörte ebenso dazu, wie das Beibehalten der geistigen Disziplin, wenn einer der Ausbilder plötzlichen Radau schlug. Doch was in den letzten Wochen gesteigerte Aufmerksamkeit zu genießen hatte, war das Flugtraining, das bis jetzt immer etwas vernachlässigt worden war.

Hierin übten sich nun die Postulanten, die in zwei Tagen in die ewige Stadt aufbrechen würden, um ihre Weihe zu erhalten. Somit waren die Flugplattformen ungewöhnlich stark frequentiert und auch die umgebende Luft von kleinen Engeln erfüllt, die mit zusammengebissenen Zähnen ihre wenig benutzten Schwingen zum längerfristigen Fliegen zu überreden versuchten.
Zuletzt geändert von Zed am 16.09.2004 - 03:10, insgesamt 1-mal geändert.

Liriel
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Beitrag von Liriel » 01.07.2004 - 19:47

Liriel war garnicht nach schwätzen zu mute. Schon seid Tagen hat sie die Nächte kaum geruht und stattdessen ihr ganzes Wissen rekapituliert. Sie war sich so unsicher ob sie wirklich bereit war hinauszufliegen mit einer richtigen Schar. Irgendetwas wischte ihr vor den Augen und ferne Worte drangen in ihr Bewußtsein.

"Hey Liriel. Träumst du schon wieder. Hallo?" Variel, ein junger Postulant der schon seid sie denken konnte mit ihr und Coriniel zusammen lernte, fuchtelte mit seinen Händen vor Liriels Gesicht die schon wieder mit ihren Gedanken ganz woanders war.

"Lass sie doch. Sie wird mal wieder die Nacht durchgeackert haben" mischte sich die Stimme der gleichaltrigen Coriniel ein. Sie war das genaue Gegenteil das 'lebensfrohen' Variel. An ihr wäre ein guter Ramielit verloren gegangen wenn sie nicht so ein gutes Händchen für Medikamente und deren Herstellung hätte.

"Hm? Was? Wie? Ja.. Mir gehts gut. Will jemand eine Orange?" Schon automatisch griff Liriels Hand in die große Umhängetasche die sie fast immer mit sich herumschleppte und fischte aus dieser eine frische Frucht. Gleichzeitig stahl sich ein strahlendes Lächeln auf ihr Gesicht das ihre Müdigkeit und Erschöpfung zu überspielen suchte.

Lanthaniel
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Beitrag von Lanthaniel » 01.07.2004 - 20:25

Lanthaniel hatte die letzten Tage überaus fleißig trainiert. Sehr oft unternahm er im geheimen kleine Exkursionen um seine Wahrnehmung zu schärfen. Trotz seiner Ausflüge durfte das Bogentraining nicht zu kurz kommen, so dass er jeden Abend sehr erschöpft war. Natürlich lies er sich die Anstrengung nicht anmerken und war wie immer souverän und ehrgeizig unterwegs.

Gerade kam er von seiner Lieblingsstrecke zurück, die der kleine natur-liebende Engel öfters beging. Es gab ein paar ganz besondere Plätze in die er sich verliebt hatte. Er hatte sich eigens eine Route über die Wiesen, durch die Wälder vorbei an Flüssen und Seeufern abgesteckt, die an all diesen Plätzen vorbei führte. Postulanten nahm er nie mit in sein Reich.

Er pflegte keinen regen Kontakt zu der Masse der Engel, die in Mont Salvage lebten, er bevorzugte intensiven Kontakt zu einer überschaubaren Engelgruppe. Aber an seine geheimen abgelegenen Lieblingsorte nahm er nicht einmal seinen besten Freund Mendel mit. Hier konnte er sich ewig aufhalten, verharren und der Natur lauschen, seiner Liebe, seinem Geheimnis, seiner Welt. Selbstverständlich erforschte er auch Gebiete in denen er nie zuvor war, aber an seine Lieblingsplätze kehrte er immer wieder zurück.

Am rechten Oberarm hatte Lanthaniel einen tiefen, blutigen Schnitt. Er war mal wieder wie immer zu neugierig gewesen und einem Tier, quer durch das Dickicht des Waldes, hinterher gekrochen. Dabei ist er an einer riesigen lianenartigen Pflanze hängen geblieben, sogleich bohrten sich ihre langen Dornen in seinen Oberarm, so dass die Haut außeinanderklaffte.
Wie immer ignorierte Lanthaniel den körperlichen Schmerz und folgte dem Objekt seiner Begierde, dabei handelte es sich, wie es sich später herausstellte um einen schneeweißen Tapir. Schon oft hatte er Tapire in allen möglichen Farben gesehen, aber in weiß, das war ihm neu. Ein plötzlich auftauchender Alligator verscheuchte das Tapir und Lanthaniel merkte erst jetzt, dass er völlig dreckig in einem Sumpfloch hockte. Es war schon sehr viel Zeit vergangen, seit er den Himmel verlassen hatte und außerdem spürte er jetzt, wie ihm das warme Blut den Oberarm herunter lief. Schell sprang er auf die Beine und beeilte sich um zurück in den Himmel zu kommen. Er wollte noch vorm dunkel werden duschen und sich frische Kleider anziehen, außerdem musste er seine Ausrüstung vom schon festgetrockneten Matsch befreien.

Frisch geduscht und umgezogen kam der junge, ach so forsche Urielit die Treppe herunter. Natürlich lauschte er den Worten seiner Engelgeschwister, ohne sich ein wirkliches Interesse anmerken zu lassen. Als er näher an die Schülergruppe herankam entdeckte er seien besten Freund Mendel mitten in der Menge. Eigentlich gesellte er sich nur ungern zu größeren Gruppen, doch da Mendel da war stellte er sich einfach dazu und griff das Gesprächsthema auf.
„Pah, Traumsaat!, Ich habe keine Angst vor Traumsaat!“ sagte er zu Mendel, wohl bewusst, dass alle anderen seinen Worten lauschten. „Ich hab keine Angst, vor Nichts!“ sagte er bestimmt. Er spürte wieder, wie seine Wunde nässte, durch das Duschen war sie wieder aufgeplatzt. Kameradschaftlich klopfte er Mendel auf den Rücken, „wollen wir noch Bogen schießen gehen?“

Zed
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Beitrag von Zed » 01.07.2004 - 22:29

Liriel

"Au ja! Danke." Variel nahm das angebotene Obst freudig entgegen und war die nächsten Momente damit beschäftigt, die dicke Schale herunter zu pulen, um das wertvolle Innere freizulegen.

Coriniel zog eine Augenbraue hoch. "Du konntest auch schon mal besser schauspielern, Liriel."

Sie hatten sich in Bewegung gesetzt, um zum nächsten Hörsaal zu kommen. Es blieb zwar noch etwas Zeit, aber bei der Anatomie war der Raum jedes Mal überfüllt und man musste früh kommen, um noch einen Platz zu ergattern.

"Meinst du nciht, dass du dir noch wenigstens eine ganze Nacht Ruhe gönnen solltest?", wandte sich nun auch Variel besorgt an seine Mitpostulantin, "Du bist doch wirklich firm in den Sachen, die du als Schwerpunkt gelernt hast."

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Beitrag von Zed » 01.07.2004 - 23:00

Lanthaniel

Das Gespräch verstummte abrupt und die Blicke mehrerer Augenpaare fanden zu Lanthaniel, ehe ein leises Getuschel in den entferntesten Reihen begann. Doch dann zerstreute sich dei Gruppe Engel nach und nach, jeder hatte nun gegen Abend etwas zu tun.

Eigentlich war es ungewöhnlich gewesen, dass schon um die Mittagszeit so reger Betrieb bei den Urieliten geherrscht hatte. Nun jedenfalls füllten sich die Gänge auch mit älteren, scharlosen Ordensgeschwistern, die nach und nach aus ihren Schlupflöchern (Cellae) fanden. Die Abenddämmerung war vielen die günstigste Zeit, um aus der Meditation zu kommen und der Pflicht nachzugehen. Nachts brütete die Hitze eben nicht gar so sehr und man konnte längere Strecken mit weniger Anstrengung zurücklegen.

Mendel grinste Lanthaniel an. "Klar, irgendwann muss ich doch mal wenigstens ansatzweise an deine Künste heranreichen können... und sehr viel Zeit haben wir ja nicht mehr zum Üben."
Dann fiel sein Blick auf den Arm des Freundes. "Oh... ich glaube, wir sollten vorher noch einmal kurz im Lazarett vorbeischauen, dass die Raphaeliten dort sich mal diese Wunde ansehen können." Die braunen Augen wurden skeptisch. "Woher hast du die eigentlich schon wieder?"

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Beitrag von Lanthaniel » 02.07.2004 - 14:49

Lanthaniel grinste und legte seine wohl gebräunte Stirn in Falten, "an meine Künste herankommen", er konnte es nicht verhindern, dass sich das Grinsen über das ganze Gesicht ausbreitete, "Da müssen wir aber noch fleißig üben"!

Zweifellos war er der bessere Bogenschütze der beiden, doch musste er es Mendel wirklich immer und immer wieder unter die Nase reiben? Aber das war es, glaubte er, was diese Freundschaft ausmachte, dieses ständige fordern. Lanthaniel hatte Mendel schon immer geholfen, sei es beim Bogenschießen, bei der Artenkunde oder beim Spurenlesen. Obwohl sie beide ungefähr gleich alt waren und bis jetzt genau die gleiche Ausbildung genossen hatten, war Mendel für ihn wie ein kleiner Bruder, der zu ihm aufsah, dem er etwas beibringen konnte. Die überaus hohen Ansprüche, die Lanthaniel an sich selber stellte waren es, die Mendel mit zogen.

Er musterte Mendels Blick, der immer noch auf Lanthaniels pulsierenden Oberarm fixiert war. "iwo, das ist halb so schlimm", der Urielit fuhr sich mit der linken Hand über den rechten Oberarm. "Ist ja nur ein Kratzer". "Du wirst mir bestimmt nicht glauben, wenn ich dir erzählen würde wo ich den her habe!" Lanthaniel musterte skeptisch die Reaktion seines Freundes.

Der Arm schmerzte immer noch sehr stark, die Dornen mussten wohl sehr tief in das Fleisch eingedrungen sein, denn normalerweise wäre eine Schürfverletzung schon längst wieder verheilt. "Auf wir gehen jetzt Bogen schießen, LAZARETT, du willst dich nur vorm Training drücken". Gut, Ablenkung! dachte der Engel bei sich, bloß keine Schwäche zeigen. Provozierend breitete er die Flügel aus und fächerte seinem Freund einen kleinen Windstoß zu. "Los geht' s keine Müdigkeit vorschützen!"

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Beitrag von Zed » 02.07.2004 - 15:11

Lanthaniel

"Hmpf!" Mendel verschränkte mit Schmolllippe die Arme vor der Brust. "Wie willst du wissen, dass ich es dir nicht glaube, wenn du's mit nicht erzählst, hm?"
Doch in den dunklen Augen war eindeutig die Sorge zu lesen, die hinter dieser Herausforderung verborgen werden sollte.

"Weißt du, ich bin nicht müde, schließlich war ich nicht den ganzen Tag draußen unterwegs." Der Engel grinste Lanthaniel frech an und stob dann in Richtung der Bogenschussräumlichkeiten davon.
"Wer zuerst da ist!", war noch ansatzweise zu verstehen.

Die älteren Urieliten wichen dem Postulanten mit schnellen Sätzen aus - scheinbar waren sie es mehr oder weniger gewöhnt.

Liriel
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Beitrag von Liriel » 02.07.2004 - 16:35

"Ja. Sollte ich wohl."
Der Unterton in Liriels Stimme verriet den beiden Engeln, die sie nun schon so lange kannten, dass sie wohl wieder die Nacht durchmachen würde. Manchmal hatte man das Gefühl, dass es erfolgversprechender wäre, gegen eine Wand zu reden als Liriel zu drängen, sich doch einmal eine Pause zu gönnen. Insbesondere dann kam dieses Gefühl hervor wenn der junge Engel unter Stress stand und an sich selber zweifelte.
Der Vorlesungssaal war bald erreicht und schon jetzt stauten sich Gefiederte jeden Alters an den Zugängen. Doch die drei Engel wandten sich kurz vor den Hauptzugängen des Hörsaales ab und in einen Nebengang um über die kleinere Tür, die eigentlich für die Vorlesenden und Lehrer gedacht war, den Hörsaal vorzeitig zu betreten ehe sich die Massen hineinquetschten. Wie immer stand dort der Alte. Ein Monach mit dem sich niemand so recht abgeben wollte und der berühmt berüchtigt für seine Strenge und brummelige Art war. Doch Liriel hatte schon seid langem das Herz des Alten für sich gewonnen. Mit einem strahlenden Lächeln holte sie ein kleines in Tücher geschnürtes Päckchen aus ihrer stets präsenten Umhängetasche und überreichte es dem Wächter der Türe. Ein selten gesehenes freundliches Lächeln zierte das faltige Gesicht Gilbert's der sogleich den Weg und die Tür freigab. Keinen Moment zu spät denn schon hörte man wie das Gemurmel der sich stauenden Massen vor den Haupttüren zunahm. Schnell schlüpften die drei hinein und suchten sich einen guten Platz. Wenige Augenblicke später wurden die Haupttüren entriegelt und die wartenden Engel strömten herein.

Lanthaniel
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Beitrag von Lanthaniel » 02.07.2004 - 17:28

Mit aller Kraft schwang Lanthaniel sich hoch und blieb kurze Zeit in der Luft stehen, machte dann eine Kehrtwende und flog wieder zurück zum Treppenhaus, von wo er vorher gekommen war. Die Treppe hinaufzuspurten wäre verglichen mit dem Weg, den Mendel fliegend nahm, klar weiter gewesen aber es sagte ja niemand, dass man laufen musste.

Der wendige Engel sprang auf das Geländer, das unter seinen Füßen zu schwanken begann und schwang sich nach oben. Dies war ein sehr gewagtes Flugmanöver, das ihm wohl so schnell keiner nachmachte. Die Schwierigkeit bestand darin, dass man immer nur an den Treppenübergängen mit den Flügel schlagen konnte, wenn genug Platz für die ganze Spannweite war, dazu musste man genau den richtigen Moment abwarten und natürlich extreme Kraft auf die noch nicht ausgewachsenen Flügel bringen.

Die sich im Treppenhaus befindenden Engel staunten nicht schlecht, als ihr Postulant sie mit so hoher Geschwindkeit auf ungewohnten Wegen überholte.

Shamzael
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Beitrag von Shamzael » 03.07.2004 - 05:33

"Mir war nie klar, wie unangenehm es doch sein würde, das Fliegen längerer Strecken hin- und anzunehmen", äußerte sich Shamzael beim Speisen gegenüber seinen künftigen Mitpostulanten.

So dachten vermutlich viele am Tisch, möchte man das sichtlich hängende Gefieder als Hinweis auf den Gemütszustand nur allzu naheliegend deuten. Kein gepflegtes Federkleid und ein herber Geruch emsiger Körper dominierten das Bild unter den jungen Gottesboten.

"Das Gleiten ist zwar schön und gut, nur der Aufstieg ist sehr mühsam. Wie es scheint müssen wir lernen, die Aufwinde effizienter zu nutzen", so ein zweiter Ansatz seinerseits, der im Monolog verebbte. Alle betrachteten mit gesenktem Haupt ihr Mal, ohne auch nur einen Wink von Gesprächsinteresse zu zeigen - Eariel schien sich sogar zeitweise bereits in andere Bewußtseinszustände zu entfernen.

Was soll das mit dem Flug nach Aeterna demnächst nur werden? Wie peinlich könnte es denn sein, wenn wir vor der Weihe in der Nacht in Meditation versinken und einige nur unter Mühe wieder zu Sinnen kommen? Oder gar nicht genug neue Kraft des Nachts ansammeln, um vor den Augen der Welt und schlimmer noch, unter den prüfenden Blicken des Pontifex der Sonne entgegen streben können?

Bei diesen Gedanken kamen ihm wie so oft realistische Bilder in den Geist. Und wie so oft zeichnete sich ein amüsiertes Grinsen auf seinen Lippen ab.

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Beitrag von Zed » 03.07.2004 - 18:58

Liriel

Schon früh hatten die kleinen Engel gemerkt, warum es in diesem Raum immer an Platz mangelte: Erstens waren die Anatomie-Lesungen mit die interessantesten im Himmel zu Gratianopel und zweitens bot auch der Saal selbst nicht viel Raum für die Hörer. Er war kreisförmig aufgebaut und die Sitzreihen waren gestaffelt, so dass man von allen Plätzen eine gute Sicht auf die runde Mitte hatte und die Akustik den Schall zu jedem Vorlesungs-Teilnehmer trug.

Die nächsten zwei Stunden verfolgten die Blicke der vielen Engel gespannt, wie Fra Lorenz unter ständigen Kommentaren einen jungen Mann Stückchen für Stückchen sezierte.

"... Nachdem wir jetzt den Magen- und Darmtrakt entnommen haben, ist deutlich zu sehen, woran dieser Mensch gestorben ist." Die blutigen und bereits etwas gräulich verfärbten Innereien wurden hochgehoben, dass auch wirklich jeder die seltsamen Geschwülste am Dünndarm sehen konnte...


"Also, Krebs ist wirklich schlimm!", meinte Variel, als sie etwas später wieder nach draußen geschoben wurden.
"Ja. Lasst uns was essen gehen.", schlug Coriniel ohne Überleitung vor.

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Beitrag von Zed » 03.07.2004 - 19:22

Lanthaniel

Ein lautes Räuspern war zu hören, kurz gefolgt von einer schneidenden Stimme.

"Lanthaniel! Wie oft habe ich dich bereits ermahnt, dass es untersagt ist, seine Flugübungen innerhalb des Himmels zu tätigen!?"

Es waren Feroels Augen, die stechend auf dem Urieliten lagen. Sie war eine seiner Ausbilder im Flug gewesen und beinahe so berühmt wie Harahel, die erst vor kurzem den Ruf erhalten hatte, um für ihre außerordentlichen Flugleistungen als eine der schnellsten Boten endlich mit der Rückkehr ins Paradies belohnt zu werden. Es gab hier sehr viele Engel, die sich bewundernd einige Geschichten von dieser einen Urielitin erzählten. Keiner hatte sich wirklich von ihr verabschieden können, aber es war bekannt, dass sie nun wieder an Gottes Seite weilte und wohlwollend auf ihre Ordensgeschwister herabsah. Ob jemals wieder solch ein Hüter der Wege auf Erden wandeln würde?

Jetzt jedenfalls wurde Lanthaniel von Feroel barsch zurecht gewiesen, was er sich wieder dabei gedacht hatte, solch ein Theater zu veranstalten. Doch auch einige bewundernde Blicke jüngerer Postulanten - sowie einiger älterer Urieliten - ruhten auf dem kleinen Engel, der von seiner Ausbilderin wieder auf den Boden gezwungen worden war.

Feroel seufzte leise und sah sich kurz um, ob auch keiner ihrer Kollegen zuhörte, ehe sie sich zu ihrem Schützling herabbeugte. "Hör mal, Lantahniel... ich weiß, wieviel Spaß das macht und was das für eine Herausforderung darstellt, aber du bringt mich in Schwierigkeiten, weil alle denken, ich hätte dir diese Lektion nicht beigebracht. Daher bitte ich dich, diese Aktionen in Zukunft zu unterlassen, ja?" Ein freundliches Lächeln und ein Augenzwinkern zeigten nur zu deutlich, dass sie ihn mehr als verstand.

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Beitrag von Liriel » 03.07.2004 - 19:59

"Schon wieder? Ich hab doch erst .."

"vor 4 Tagen Liriel" setzte Coriniel den Satz der kleinen Raphaelitin fort. Das Gesicht Liriels zeigte deutlich ihre Überraschung. Sollten wirklich schon 4 Tage um sein? Wie die Zeit verflog.. Aber das hieß ja das morgen.. der Abflugtag war.

"Ohnein.. Ich muss noch.."

"Mit uns etwas essen gehen und dich dann ausruhen."

Diesmal war es Variel der den Satz beschloss. Langsam kam sich Liriel albern vor. Die beiden kannten sie mittlerweile besser als sie sich selber. Ausflüchte würden wohl gar nichts nützen. Auch ihre Geheimwaffe war bei den beiden schon wirklungslos und wenn sie die beiden noch so herzerweichend mit ihren braunen Augen anblicken würde.

Schicksalsergeben beugte sie sich den beiden anderen Engel. Dieses Trio hatte in der Zeit seid sie auf Erden geschickt wurden die Erwartungen in sie mehr als nur erfüllt. Einzeln wären sie wohl noch lange nicht so weit gekommen. Variel wäre wohl unter die Kategorie schwer erziehbar gefallen, Coriniel viel zu schweigsam und verschlossen.. und Liriel.. erst durch die beiden hat sie ein wenig mehr Selbstbewusstsein gelernt auch wenn sie immer noch dazu neigte an sich zu zweifeln und bis zur Selbstaufgabe ihre von IHM auferlegten Aufgaben zu erledigen.

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