Tormentum Malorum - Inplay

Das Archiv aller fertig gespielten Gruppen
Gesperrt
Timikael
Oni
Beiträge: 67
Registriert: 24.09.2004 - 18:02

Beitrag von Timikael » 09.11.2004 - 19:55

Mikael hatte bis dato noch nicht gewusst dass man mit stocksteifer Muskulatur und einem Krampf im Bein noch derart galant landen konnte, dass man überzeugend als betrunkene, einflüglige Mastgans durchging.
Jetzt wusste sie es.

Allein dass sie sich beim Landen nicht schon hingesetzt hatte sah sie als eine Art göttliches Wunder an und beschloss dies nicht weiter auszureizen indem sie sich innerhalb der Kirche auf dem Steinboden auf die Knie fallen ließ und ihren Flügeln die Chance gab, sich so gut wie möglich zu entspannen.
Ohne die Einschränkung einer Rückenlehne ließ sie ihr Gefieder locker von ihrem Rücken hängen, plusterte es noch einigemale auf und streckte Nacken- und Rückenmuskulatur, bis alles nur noch ein dumpf-warmes Gefühl von sich gab.

"Amen!" kommentierte sie Manuels Anordnung.

Das Regenwasser tropfe von Federn und Rock auf den kalten Boden der Kirche.

Cutter
Cutter
Beiträge: 2633
Registriert: 21.10.2002 - 20:35
Wohnort: Dortmund / NRW

Beitrag von Cutter » 09.11.2004 - 20:09

Jussiels Flügekmuskulatur gab das von ihm so sehr gekannte pochen wieder.
Der Flug war anstrengend aber nicht zu anstrengend für Jussiel gewesen.

Stumm folgte der Gabrielit seiner Schar und setzte sich kurz darauf im Schneidersitz auf den Boden der Kirche.
Schnell hatte er einen Riegel Manna, der in weißen Blätterteig eingepackt war parat und gegann ihn zu kauen und so viel Genuß aus dem Essen zu ziehen, wie es bei dem geschmack möglich war.
Als er alles aufgegessen hatte atmete er mehrmals tief ein und aus und legte denn seine Armgelenke auf seine Knie und ließ sie so in Ruheposizion verlweilen, während er versuchte in seine Meditation zu fallen.

Wortlos und eine Gefühlsregung und mit scheinbarer Gleichgültigkeit bereitete er seinen Körper und seine Seele in diesem kleinen spartanischen Ritual auf die Genesung vor.

Varcanel
Ankhra
Ankhra
Beiträge: 86
Registriert: 13.04.2004 - 19:18
Wohnort: Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Varcanel » 09.11.2004 - 21:51

Auch Varcanel war erschöpft vom Flug.
Allein - müde war er keineswegs. Nachdem er eine Weile den anderen dabei zugesehen hatte, wie sie in Meditation sanken oder die Zeit der Erholung genossen, erhob er sich von der Säule, gegen die er sich gelehnt hatte.
*** Ich gehe mir eben noch mal die Beine vertreten, Manuel. Ich bleibe aber im Dorf... ***

Dann griff er sich seine Schwertlanze und war bereits auf dem Weg Richtung Hauptportal als ihn die Antwort seines Michaeliten erreichte:
*** Nein. Wir ruhen uns aus - alle. Wir sind nicht hier um irgendwelchen Einfluss auf die Dorfbewohner zu nehmen.***

*** Ich will ja nur einige Schritte gehen, ich bin nicht so erschöpft, dass ich meditieren müsste - die Dörfler sind mir egal! ***

*** Dann bete. Ich glaube ich habe mich klar genug ausgedrückt, Varcanel. ***

*** Wie du meinst...ich bin ein Engel des Herrn, ich höre und gehorche! ***


Missmutig ließ er sich also wieder in der Kirche nieder, wählte dieses Mal aber einen anderen Platz in der Nähe Mikaels. Nicht, dass er einen bestimmten Grund dafür hätte nennen können, vielleicht hatte er einfach keine Lust Manuel ins Gesicht sehen zu müssen. Oder du sitzt lieber bei ihr, dachte er lächelnd.
Dann schloss er für einen Moment die Augen und lauschte dem Pfeifen des Windes und dem gleichmäßigen Rauschen der Wellen untem am Hafen.

Nachdem er sich entgültig damit abgefunden hatte in der Kirche bleiben zu müssen, griff er in seine Tasche und holte einen kleinen Schleifstein hervor. Dann begann er mit vielfach geübter Geste die Klinge seiner Schwertlanze zu schärfen, die er dazu quer über seine überkreuzten Beine legte.

Timikael
Oni
Beiträge: 67
Registriert: 24.09.2004 - 18:02

Beitrag von Timikael » 10.11.2004 - 18:19

Gerade hatte sich Mikaels Geist entschlossen in die Meditation abzusinken, als sie neben sich das Schaben des Schleifsteins über Varcanels Schwertlanze vernahm.
Ihre Augenbraue zuckte etwas nach oben, doch sie hatte fest vor jetzt zu Meditieren. Sie drängte ihre Gedanken zurück und Konzentrierte sich auf die Ruhe, den Frieden in sich und...

- Schab -

Entspannen...

- Schab -

Den Geist lockern...

- Schab -
- Schab -

Herrgott das war wirkilch ein nervtötendes Geräusch wenn man genau hinhörte...

- Schab -
- Schab -
- SCHAB -

Ihre Kopfschmerzen beschlossen im Einklang mit dem gleichmäßigen geschabe zu pulsieren.

- SCHAB! -
- SCHAB! -

Ihre Hände krallten sich in ihren nassen Rock.
Verdammt sie versuchte hier zu Meditieren!

- SCHAB!!! -

"VARCANEL!"
Mikael schrie verzweifelt auf, kurz davor sich die Haare zu raufen.
"Ist das Ding in Gottes Namen nicht scharf genug?!? Wenn du damit weitermachst explodiert entweder mein Hirn oder ich! Das ist ein Versprechen!"

Schlagartig wurde ihr Bewusst dass nun vermutlich nicht nur sie gestört war.
Da Varcanel aufgehört hatte, fügte sie ruhiger, dafür auch kleinlauter hinzu:
"Ich hab Kopfweh."

Kentariel
Snickers
Snickers
Beiträge: 838
Registriert: 17.10.2002 - 09:11
Kontaktdaten:

Beitrag von Kentariel » 10.11.2004 - 18:28

Kentariel zuckte zusammen.
Bei Gabriel, die war ja schlecht gelaunt!

Der vernarbte Gabrielit erhob sich und trat auf sie zu. Eigentlich hätte er fast Lust gehabt sie mit ihrem Kopfweh noch ein wenig leiden zu sehen, aber sie brauchten sie morgen ausgeruht.
"Kommt wahrscheinlich von einer Verspannung im Nacken - das Kopfweh!" erklärte er. "keine Bemerkungen über Raphaeliten!" fügte er warnend hinzu.
Wenn er eines gelernt hatte, dann wie man ohne auskam, gerade in solchen Situationen.

Ohne lange zu warten, trat er hinter sie und legte ihr eine warme Hand in den Nacken.
"Halt still!" befahl er.

Cutter
Cutter
Beiträge: 2633
Registriert: 21.10.2002 - 20:35
Wohnort: Dortmund / NRW

Beitrag von Cutter » 10.11.2004 - 18:38

Jussiel ließ das alles scheinbar vollkommen kalt, denn er öffnete nicht einmal seine Augen als Mikael lauter wurde.

Wie sehr liebte er doch die Stille, die er nun eine lange Zeit entbehren musste.

Stille die durch den Geist gefüllt werden konnte.
Doch irgendwie mochte er die Gesellschaft..zumindstens die von Kentariel, obwohl er das vollkommene Gegenteil von ihm war.

Von Varcanel wußte er ja zu genüge, dass er ihn nicht leiden konnte und Timikael war da nicht anders und Manuel hielt ihn einfach wie jeder Michealit für ein Werkzeug, was er natürlich auch war, aber schließlich musste man auch seine Werkzeuge mit hingabe pflegen, dass sie nicht brachen, stumpf wurden oder gar den Träger schnitte.

Doch das hatte nie einer von Jussiels Michealiten bedacht.

Einfach nur Bedauerlich.

Jussiel versuchte seinen Geist wieder zu lehren und zurück in die Meditation zu sinken.
Sein Rücken schmerzte etwas von dem Flug.
Es war ein bloßer Muskelkater, wie er ihn schon zu oft erlebt hatte, doch war er schlicht und ergreifend in dieser Gesellschaft ein unangenemes Anhängsel, dessen sich Jussiel schnell entledigen wollte und so ließ er mehrmals seine Schultern kreisen, ee er sich wieder in seine Ruheposition zurückzog.

Varcanel
Ankhra
Ankhra
Beiträge: 86
Registriert: 13.04.2004 - 19:18
Wohnort: Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Varcanel » 10.11.2004 - 23:08

Mikaels Ruf ließ ihn tatsächlich für einen Moment inne halten. Doch er war nicht so überrascht, dass seine Reaktion lange auf sich warten ließ. Fast schon mitleidig lächelte er und antwortete, ohne sie anzusehen:
"Sei lieber froh, dass ich sie schärfe - schon morgen könnte es dir das Leben retten, kleine Schwester."
Seine Aufmerksamkeit galt dann wieder vollständig der Klinge, deren Schärfe er mit dem Daumen der rechten Hand prüfte.

Als er jedoch mitbekam wie Kentariel begann Mikaels Nacken zu massieren, regten sich doch Gefühle in ihm: Urplötzlich stieg unerklärlicher Zorn über seinen Buder in ihm auf und zugleich ein Gefühl der Verzweiflung. Warum schlägt sich denn ausgerechnet Kentariel jetzt auf ihre Seite?! Und überhaupt, was soll denn dieses Massieren?!
Varcanel schnellte in einer geschmeidigen Bewegung in den Stand, den hölzernen Schaft seiner Waffe so fest umklammert, dass seine Knöchel weiß hervortraten und warf Kentariel noch einen funkelnden Blick zu, den dieser kaum zu deuten wusste. Sicher Varcanel war recht mürrisch, aber was hatte er ihm denn jetzt schon wieder getan?
Kopfschüttelnd sah der Passagiant dem hochgewachsenen Engel hinterher, der mit großen Schritten zum Ende der Kirche marschierte.

Manuel
The_Waffalo
The_Waffalo
Beiträge: 294
Registriert: 17.09.2002 - 20:15
Kontaktdaten:

Beitrag von Manuel » 11.11.2004 - 13:45

Nach seinen ersten Gedankengängen hätte er fast über sich selber schmunzeln müssen.
Früher hätte er... Ja, früher.
Früher hätte er so ein Benehmen seiner Schar niemals geduldet. Engel sollten sich nicht berühren, Ausnahmen gab es nur für Raphaeliten. Aber früher hätte er auch keine Todesschar geleitet, noch wäre ihm dieser Gedanke gekommen, noch hätte er ein solches Geschrei in einem Gotteshaus geduldet und so weiter und so fort. Man sah vieles anders wenn man länger auf der Erde weilte, manche sagten: man wurde weicher. Also galt das auch für ihn.
Schnell verscheuchte er den Gedanken.
Anstatt sich mit seinem unwichtigen Selbst zu beschäftigen sollte er sich lieber über die Anderen Gedanken machen.

Der Passiagant war ziemlich hilfsbereit - oder war das nur kameradschaftliches Verhalten unter Gabrieliten? Bisher hatte er in der Beziehung kaum Erfahrung. Sicher, er hatte schon zwei Gabrieliten in der Schar, aber keiner war mit einem von diesen hier vergleichbar und außerdem war immer ein Raphaelit zugegen.
Timikael hatte aufgebraust - ein Zeichen der Erschöpfung? Nachgedacht hatte sie davor sicher nicht - vielleicht war ihr Mundwerk schneller als ihr Kopf? Sie wäre nicht der erste Engel dem es so ging.
Varcanel - bis jetzt in Manuels Augen fast makellos - schien lieber für sich zu sein. Vorhin wollte er sich von der Kirche entfernen und jetzt versuchte er so viel Abstand wie möglich zwischen sich und die anderen zu bringen. Irgendwie konnte er diesen Wunsch nachvollziehen. Das Argument mit der Waffe... wahrscheinlich konnte dieser Gabrielit einen Menschen auch mit einem stumpfen Stuhlbein spalten. Waffenvernarrtheit, wie bei so vielen Todesengeln eben.
Jussiel verhielt sich ruhig wie immer. Was in ihr vorging vermochte Manuel nicht zu deuten und es interessierte ihn auch nicht. Ferramenser, das perfekte Werkzeug.

Nein, er würde wirklich niemals müde werden seine Scharmitglieder ständig zu analysieren und ihr Verhalten abzuschätzen.

Die ganze Zeit blieb er bewegungslos auf der Bank sitzen und linste nur einmal kurz zwischen seinen Augenliedern hindurch. Er war zwar nicht wirklich erschöpft, aber wenn sie schon pausierten dann sollte man die Zeit nutzen.

<<< Wir machen Pause damit ihr euch erholen könnt. Nutzt die Zeit oder ertragt die Konsequenzen. >>>Nach dieser Sendung verschloss er seine geistigen Kanäle zum Zeichen, dass er sich ausruhen wollte.
Der Michaelit legte den Kopf in den Nacken und streckte das Kinn vor und nahm einen tiefen Atemzug bevor er sein Haupt langsam wieder absinken ließ.

Timikael
Oni
Beiträge: 67
Registriert: 24.09.2004 - 18:02

Beitrag von Timikael » 13.11.2004 - 13:50

"Äh...HÄ?"

Mikael verstand überhaupt nicht was warum gerade im genauen abgelaufen war, nur eins stand fest:
Kentariel massakrierten gerade ihren Nacken.
Hinzuzufügen war nur, dass er es auf sehr angenehme Art machte und so war ja wohl nichts dagegen einzuwenden ein wenig stillzuhalten.

"Was macht Varcanel denn?" murmelte Timikael fragend, da Kentariel ihr vermutlich irgend etwas Lebensnotwendiges im Rücken zerquetschen würde, wenn sie sich jetzt umdrehte.

Bitte lass ihn nicht mehr diese Ding schärfen!
Flehte sie innerlich.

Kentariel
Snickers
Snickers
Beiträge: 838
Registriert: 17.10.2002 - 09:11
Kontaktdaten:

Beitrag von Kentariel » 14.11.2004 - 09:32

"Keine Ahnung!" sprach Kentariel leise. "Wahrscheinlich schmollt er, weil er keine Massage bekommt!" murmelte er so leise, dass er sich nicht sicher war, ob es Timikael überhaupt gehört hatte.

'Wenn es uns morgen hilft, fit zu sein, sollte jeder der eine will es sagen... aber dazu sind die sich eh zu stolz. Jussiel eh, der starke Varcanel so oder so und Manuel... Gott, der würde wahrscheinlich Hilfe ablehnen, wenn ihm die Muskeln schon raushängen... Naja - Wahrscheinlich ist ohnehin bis morgen jeglicher Muskelkater fort. Aber es meditiert sich echt besser ohne. Und ich zieh es vor wirklich ausgeruht in ein Traumsaatverseuchtes Gebiet zu fliegen, aber mach denen das mal klar!' dachte er verärgert.

Also knetete er einfach weiter. Hoffentlich hielt sie ihren Schnabel!

Varcanel
Ankhra
Ankhra
Beiträge: 86
Registriert: 13.04.2004 - 19:18
Wohnort: Göttingen
Kontaktdaten:

Beitrag von Varcanel » 15.11.2004 - 03:16

Varcanel schärfte seine Waffe nicht mehr.
Varcanel machte sich überhaupt nicht mehr bemerkbar und blieb verschwunden.
Varcanel hatte sich in der Nähe des Kirchenportals niedergelassen, so dass er außer Sicht seiner Schar war, und versuchte zu meditieren.
Anfangs schwirrten noch einige Gedankenfetzen durch seinen Geist und einige ungewollte Emotionen umwölkten sein Gemüt, doch schließlich hatte er sich wieder so weit beruhigt, dass er in tiefe Meditation sank. Und dieses Mal hielten ihn auch keine Alpträume von seiner Erholung ab.

Früh am nächsten Morgen erwachte er ungewohnt ausgeruht. Ein kurzer Blick in Richtung der bunten Fenster offenbarte ihm, dass die Sonne noch nicht aufgegangen sein konnte. Dennoch rechnete er jeden Moment damit, dass Manuel den Befehl zum Aufbruch gab. Während er sich mental also schon auf den Abmarsch vorbereitete, genoss er mit geschlossenen Augen die letzten Augenblicke der Ruhe, die ihm vergönnt waren - man konnte nie wissen was der Tag bringen würde...

Gansekiel
Snickers
Snickers
Beiträge: 4448
Registriert: 22.06.2002 - 17:52
Wohnort: Aichach
Kontaktdaten:

Beitrag von Gansekiel » 16.11.2004 - 16:49

Die Küste lag in nebliges Grau gehüllt, als die Engel nach einem kleinen und stummen Frühstück an diesem Tag ihrem Verlauf folgten.
Die Dörfler hatten darauf bestanden ihnen etwas zu Essen zu bringen, aber sie hatten sich nicht viel Zeit genommen.
Manuel war bereits in aller Frühe mit ihnen aufgebrochen.

Gegen Mittag öffnete sich die dichte Wolkendecke die das Land und den Himmel gleichermaßen verhüllte und gab den Blick frei, auf die glitzenden Wellen des Meeres, das links von ihnen lag und auf das Land rechts unter ihnen, das nur selten von Straßen oder Wegen durchzogen wurde und noch seltener eine größere Stadt zeigte.

Natürlich gab es auch hier Fischerorte, doch je weiter sie Richtung Osten vorstießen, desto weniger Menschen schinen das wilde Land zu besiedeln.
Wenn die Engel doch einmal unter sich ein Dorf ausmachen konnten, war es meist mit hohen Palisaden umgeben, und manche schienen gänzlich verlassen zu sein. Dafür ballte sich um Andere geradezu ein Wust aus provisorisch errichteten Hütte.
Wahrscheinlich Flüchtlinge, wie Kentariel glaubte.

Die Gegend um Prag lag bereits ein gutes Stück hinter ihnen und noch immer war Varcanel, der grade vorne flog, nicht langsamer geworden.
Sie würden auch heute wahrscheinlich noch nicht ankommen, aber Kentariel schätzte, dass sie gut vorankamen. Obwohl es fast beständig nieselte, waren sie noch keinem schlimmeren Unwetter ausgesetzt gewesen und frieren konnte es einen gar nicht, wenn man sich derart anstrengte.

Kentariel genoss die Zeit, die sie in der Luft verbrachten und in der er seinen Blick einfach über das Land unter ihnen schweifen lassen konnte. Die Reise bedeutete für die neu zusammengestelte Schar ein paar Tage des Friedens. Zumindest solange sie nicht landeten.

Am zweiten Tag war er es, der darum bat, landen zu drüfen, ganz einfach, weil sie morgen noch gut 200 Kilometer vor sich hatten. Und das letzte Drittel ihres Weges über Diadochenland ging.
Nicht allzu schlimm, wenn sie dieen Weg ausgeruht antraten. Dann würden sie Mittags am Ziel sein und das noch halbwegs frisch.
Manuel schien seine Meinung glücklicherweise zu teilen und heute hütete sich der narbige Gabrielit irgendjemand zu massieren. Sattdessen setzte er sich schweigend hin und meditierte einfach.

Auch die Anderen schienen für diese Nacht einfach nur froh zu sein, sitzen und ausruhen zu können, selbst wenn es niemand zugegeben hätte.
Wie gestern schon hatten sie eine kleine, wehrhafte Kirche als Nächtigungsplatz gewählt und wie gestern hatte Manuel befohlen, dass sie niemand störte.


Die letzte Etappe ihres Fluges traten die Engel im Morgengrauen des dritten Tages an und heute regnete es Hunde und Katzen. Sie würden dicht über dem Boden fliegen müssen, um die Orientierung nicht zu verlieren, was ihnen zugleich die Gelegenheit gab, das Land unter sich genauer zu betrachten.

Im Licht der trübroten Morgensonne, erstreckte sich über viele Kilometer hinweg Felder und Gestrüppwald und nur manchmal erkannten sie auch Klippen und kleine Orte, die manchmal bedrohlich Nahe am Rand standen.
Oft verbanden nur schmale, schlammige Pfade die Ortschaften, doch je näher sie dem Gebiet des Diadochenfürsten Alexander Kolpakov kamen, desto besser wurden die Wege wieder.

Tatsächlich konnten die Streiter des Herrn gegen Mittag eine breitere Straße ausmachen, die Richtung Küste führte und dort in einem größeren Fischer-Dorf endete.

Weiter draußen im Meer ließen sich die Umrisse einer größeren Insel ausmachen.
Pleskau lag im Licht der Mittagssonne gut erkennbar an der Küste der Insel mit dem gleichen Namen.

* Wo sollen wir landen?* fragte Kentariel über die Seele der Schar. Er hatte ein mulmiges Gefühl dabei auf Diadochengebiet zu landen.
Hier würde ihnen nicht wie überall sonst die gleiche Verehrung und Freundlichkeit entgegenkommen, sondern Furcht und Misstrauen.

Manuel
The_Waffalo
The_Waffalo
Beiträge: 294
Registriert: 17.09.2002 - 20:15
Kontaktdaten:

Beitrag von Manuel » 17.11.2004 - 09:52

Bisher war alles ziemlich gut verlaufen. Die Gabrieliten redeten bisweilen untereinander - Jussiel natürlich ausgenommen - ansonsten herrschte allerdings eine recht frostige Atmosphäre, da man während der langen Flüge nun einmal nicht miteinander kommunizieren konnte außer über die Seele der Schar - und der Michaelit konnte nicht gerade als gesprächig bezeichnet werden.

Ab und zu gerieten Templergaleeren welche die Küste patrouillierten oder Handelskoggen der Neuen Hanse in den Sichtbereich der Todesschar.

Nach drei Tagen Flug spürte Manuel ein beständiges ziehen in seinen Flügelmuskeln. Es war noch nicht schmerzhaft, dafür hatten sie genug Pausen eingelegt, aber es behinderte ihn etwas. Unangenehm.
Gabrieliten musste man nicht befehlen nach Traumsaat Ausschau zu halten, der Hinweis dass sie jetzt ins Diadochenland kamen hatte ihnen gereicht. Die Landschaft war schon seit einem halben Tag wie ausgestorben. Nirgendwo hatte man bisher Menschen oder Tiere gesehen.

<<< Wir fliegen direkt zur Hauptstadt und melden uns an. Ansonsten könnte es Probleme geben. >>> lautete die lapidare Antwort.

Die Schar zog über dichte Küstenwälder hinweg, die fast regelmäßig von gerodeten Flächen unterbrochen waren auf denen dann Getreide oder andere Nutzpflanzen angebaut waren. Die Dörfer schienen allesamt mit System angelegt worden zu sein. Es gab Orte die eindeutig für Feldarbeit zuständig waren, andere waren auf Fischfang ausgelegt und dazwischen konnte man kleine Holzfällersiedlungen ausmachen. Wahrscheinlich erlaubte diese Anordnung die größtmögliche Ausbeute. Das hieß, wenn die Felder nicht brach lagen und die Fenster und Türen verrammelt erschienen.

Kurz nachdem sie zwei kleine Halbinseln passiert hatten und ins eigentliche Peipusbecken vorstießen, zerriß ein leises Krachen die Luft. Alle die schon einmal gehört hatten, wie eine dieser ketzerischen Musketen abgefeuert wurde, konnten dieses Geräusch sofort einordnen. Es kam von der offenen See. Wahrscheinlich hatte man es auf der Insel schon nicht mehr gehört.
Manuel reagierte, noch bevor die andern ihn über die Mächte des Herrn ansprechen konnten.

<<< Neu formieren, bildet ein X, ich bin die Mitte. Wir sehen uns das an. >>>
Das mit dem formieren funktionierte ausgezeichnet - so, wie man es von Engeln mit ihrer Erfahrung erwartet hätte. Die Schar drehte also ab von ihrem Kurs, welcher sie auf die Insel mit der Hauptstadt geführt hätte, und hielt jetzt auf das offene Meer zu. Und auf die sich dort auftürmende Nebelbank.
Da drin würde man nicht viel zu sehen kriegen.
Manuel ermahnte die anderen immer in Sichtkontakt zueinander zu bleiben und ließ die Schar in den Nebel fliegen.

Das nächste Krachen fiel deutlich lauter aus - der verdammte Nebel schluckte alle Geräusche, ließ nichts nach außen dringen. Jetzt, da sie hineingeflogen waren, konnte sie auch Geschrei und Waffengeklirre hören. Hier fand ganz eindeutig ein Kampf statt.

Langsam schälte sich die Shilouette eines bewaffneten Handelsschiffs aus dem trüben Nebel. Zuerst konnte man die Lichter an Bug und Heck ausmachen langsam setzte sich aus Schatten und Schemen das Bild einer Kogge der neuen Hanse zusammen. Mündungsfeuer blitze auf und ein menschlicher Todesschrei zerriss die Luft. Dann schoss eine blendend helle Kugel aus grünem Feuer in die Luft und erzeugte ein schrilles, weithin hörbares Pfeifen.
Jetzt konnten die Engel das Schiff ausmachen. Das, was Manuel erst für einen merkwürdigen Anbau am Heck gehalten hatte bewegte sich träge weiter hinauf, versuchte das Schiff zu erklimmen. Es war eine riesige, spinnenartige Kreatur. Eine Wasserweberin!
Manuel brauchte keine Warnung auszusprechen, rings um ihn loderten bereits die todbringenden Flammenklingen Gabriels auf.
Engel umschwirrten das Boot bereits, stürzten sich wie irr immer wieder auf die paar Matrosen, die sich nicht unter Deck verkrochen hatten und versuchten dem Angriff zu trotzen.
Manuel zögerte. Wieso attackierten die Engel die Besatzung und nicht die Traumsaat am Heck? Und seit wann bestand eine Schar wieder aus acht Engeln?
Der Hinweis, dass es sich um Scheinengel handelte kam just in dem Moment, indem der Michaelit es selbst herausbekommen hatte.

<<< Formation auflösen. Jussiel, Kentariel, ihr übernehmt die große Kreatur am Heck. Varcanel, Timikael, wir kümmern uns um die Scheinengel. Die Menschen werden nicht angegriffen. Haltet mich auf dem laufenden. Los! >>>
In einer fließenden Bewegung hatte Manuel sein blank poliertes Langschwert aus der Scheide gezogen und richtete es auf das Schiff.
So sah also ihre Bewährungsprobe aus. Nun denn, wieso nicht?

Gesperrt

Zurück zu „Archiv vergangener Scharen“