Tormentum Malorum - Inplay

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Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 25.11.2004 - 22:03

Die Ankunft der Engel löste auf dem Marktplatz Erstaunen und Neugierde aus. Ehrfurcht womöglich auch, doch alle Menschen gaben sich redlich Mühe diese nicht zu zeigen.
Dem ein oder Anderen gelang dies jedoch nicht und selbst Manuel musste erkennen, dass unter diesen "Ketzern" sicher die meisten Menschen nicht ungläubig waren.
Natürlich waren sie dennoch schuldig, schließlich zogen sie es vor trotz besseren Wissens außerhalb des Kirchlichen Mutterlandes zu leben und ihre Arbeitskraft einem Diadochen zur Verfügung zu stellen.

Immerhin, so erkannten die Engel schnell, waren viele der hier arbeitenden wohl einfach Handwerker aus der Stadt, die sich alle Mühe gaben aus dem alten Handelskontor, ein ganz annehmbarens Konvent zu gestalten.

Das Haus hatte zwar keinen neuen Anstrich, doch baufällig war es noch nicht wirklich und nötige Ausberrungsarbeiten wurden gerade durchgeführt.

Ein Mann mittleren Alters kam gerade in diesem Augenblick aus dem Konvent gelaufen, er hatte sich beeilt, rannte aber nicht und musterte die Engel für einige Sekunden.
"Ich grüße Dich" redete er Manuel direkt an.
"Mein Name lautet Fra Abrik. Ich... bin der Vorsteher dieser... Einrichtung" der Mann schmunzelte kurz, aber man erkannte, dass es eher missbilligend war.
"Bitte, folgt mir nach drinnen, wo wir ungestört reden können!" mit diesen Worten deutete er auf den Eingang, der früher einmal dazu gedacht gewesen war, dass auch ein Fuhrwerk hineinfahren konnte. Immerhin war er also groß genug für Engel, so dass sich niemand bücken musste.
Auch innen konnten die Engel bei 3 Meter hohen Decken ohne sich allzu sehr zu verrenken gut mitlaufen.
Überall stapelte sich Gerümpel und wie es aussah, reovierten sie auch hier drin. Doch nachdem Fra Abrik sie über eine breite Treppe in den ersten Stock geführt hatte, wirkte die ganze Sache gleich viel besser. Hier schienen die Renovierungsarbeiten bereits weiter fortgeschritten und das Einzige was die Engel auf ihrem Marsch durch einen langen, hellen Flur störte, war der Staub, der überall ind er von Rufen und Hämmern erfüllten Luft zu hängen schien.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 26.11.2004 - 07:11

Das Konvent selbst war bisher eher spärlich eingerichtet, doch die Räume die zur Verfügung standen, wirkten groß und einladend.
Früher wahrscheinlich ehemalige Lagerräume, konnten im Erdgeschoß sicher ein kleines Hospitz, ein Versammlungs- und Essraum und eine Küche eingerichtet werden. Die Engel konnten sich dies zumindest denken, da alle der schweren Holztüren sperrangelweit offenstanden und Einblick in die Zimmerarbeiten boten.

Im ersten Stock hingegen, hatte es wohl auch früher schon mehrere kleinere Räume gegeben.
Man konnte schätzen, dass hier etwa 20 Männer und Frauen würden wohnen können und wohl auch ein oder zwei Scharen.
Noch war das Stockwerk darüber ein reines Provisorium, wie sich Abrik ausdrückte, aber den Templern war das sowieso egal - die Meisten von ihnen kamen nur zum Schlafen hierher, wenn überhaupt.
"Mit dem Wasser müssen wir haushalten, in der Stadt ist Süßwasser eine Kostbarkeit. Und die Sanitären Anlagen sind eine Zumutung, aber wir bemühen uns um Alles. Wenn ihr diesbezüglich etwas braucht, so geht bitte in unseren Waschraum, im Erdgeschoss." entschuldigte er sich.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 26.11.2004 - 13:55

Ohne viel Worte stellte Manuel seine Schar vor.
"Meine Schar wird sich gern der Annehmlichkeiten bedienen. Wir stießen gerade schon auf Traumsaat. Außerdem benötigen wir nach der langen Reise etwas Nahrung. Da ich nicht annehme dass ihr Manna hier habt würde ein einfaches Reisgericht ausreichen." entgegnete Manuel während er dem Frater folgte. Engel brauchten nie viel, aber da er es extra angesprochen hatte musste wirklich eine spürbare Knappheit an Versorgungsgütern herrschen.

<<< Die Menschen werden euch bald etwas zu essen bringen und ihr könnt das Salzwasser im Erdgeschoss abwaschen. Ich werde mit dem Fra sprechen, ihr könnt vorerst nach euch selbst schauen, bleibt aber unbedingt im Konvent. Es darf nicht zu Zwischenfällen kommen. Ich versuche herauszufinden, was genau unser Auftrag hier ist. >>>

"Zeig uns unsere Cellae, unser Fleisch ist müde nach der langen Reise."
Fra Abrik machte eine einladende Handbewegung nach Links. Dort lag ein - für Menschenverhältnisse - geräumiges Zimmer. Für die Engel allerdings würde es mit ihrem Flügeln ziemlich eng werden. Die alten Bohlen waren abgehobelt worden und es roch nach Beize. Eine Bank und drei Schemel waren darin zu finden, außerdem ein schwerer Vorhang, mit welchem das große Fenster verhängt werden konnte. Für die Beleuchtung standen Öllampen und Kerzen bereit.
"Unsere Handwerker arbeiten so hart sie können, mehr war in der kurzen Zeit nicht zu machen..." erklärte er.
Manuel nahm die Unterkunft mit einem Nicken ab, bedeutet seinen Gabrieliten ihm nicht weiter zu folgen und ging mit dem Frater zusammen weiter in dessen Arbeits- und Besprechungszimmer.

Neugierige Kirchendiener warfen den Engeln verwunderte Blicke zu - vier Gabrieliten. Die Handwerker - zumeist Einwohner der Stadt - reagierten etwas dreister. Sie starrten die schwarzen Engel unverhohlen an. Angst, Respekt und Furcht war aus ihren Augen zu lesen.
Dieses Gebäude glich im Moment noch einem im Aufbau befindlichen Bienenstock, alles schien durcheinander zu laufen.

Nachdem Abrik die anderen Leute, welche sich aufgrund des Platzmangels das Zimmer mit ihm teilten, hinausgescheucht und die Türe hinter dem Michaeliten geschlossen hatte, stellte Manuel seine weiteren Fragen.
"Wer sind die Engel der anderen Schar, welche uns aus Nürnberg hier her gerufen hat und warum konnte man uns nicht sagen, weswegen wir so schnell herbegeben sollten? Was genau ist unser Auftrag hier und wieso benötigt ihr eine Todesschar?"
Natürlich behandelte Manuel den Menschen wie alle anderen auch - aus ihrer Sichtweise, das wusste er, war er herablassend.

Cutter
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Beitrag von Cutter » 01.12.2004 - 11:27

Jussiel blieb auf den Wink von Manuel hin stehen und wandte seinen Blick interessiert zur Cella.
Die Einrichtung war dürftig und eher als spartanisch anzusehen, doch gereichte es dem Zweck.

Nach einigen Augenblicken, in dem Jussiel die Cella mit seinen Blicken musterte, drehte sich der Gabrielit wortlos auf dem Absatz um um die Treppe die sie vorhin zum Obergeschoß genommen hatten wieder herunter zu gehen.

Er brauchte dringend eine Dusche, denn nun trocknete das Salz und begann langsam aber stetig seine ganze Haut zu spannen.

Auf dem Weg nach unten, wurde der Gabrielit beinahe von einem Brett, dass einer der Handwerker gerade um die Ecke der Treppe drehen wollte um damit ins obere Geschoß zu gelangen erschlagen.
Doch noch bevor das Brett, dass wohl zu einem Regal oder ähnlichem gehören sollte, Jussiel treffen konnte, hielt er es schon mit seinen starken, wenn auch schlanken Händen fest.

Der Verursacher, ein einfacher Handwerker, der noch hinter der Ecke der Treppe war, fing an lauthals zu Fluchen, dass das Brett festklemmen würde.
Ein paar weitere Versuche, dass Brett wieder zu befreien scheiterten.
"Egon, hilf mir hier mal, das verfluchte Brett steckt fest." nach einem kurzen "Komme schon." und einem weiteren "Halt mal das Ding, ich geh nachsehen woran es schon wieder liegt." schob sich der junge ziegenbärtige Handwerker fluchend um die Ecke nur um nächsten Moment zu verstummen, als zu den Verursacher des Problemes emporschauen musste.

".. tei esth pugatesch mie! !" entfläuchte es geradezu wimmernd dem jungen Handwerker in einem sehr seltsamen Common.
Von unten hörte man ein fragendes "Was is denn los. Sergej?"

Jussiel seinerseits ließ das Brett vor dem Handwerker zu Boden fallen, was sich in einem krachenden Echo, dass durch das ganze Haus zu dringen schien, ergoß.

Ohne den Handwerker eines weiteren Blickes zu würdigen schob er ihn bei Seite und setze seinen Weg in das Erdgeschoß fort, wo ihn ein weiteres gebleichtes Gesicht erwartete, was zu dem anderen Handwerker gehörte, der gerade noch das Brett mitgehalten hatte.

Im Erdgeschoß, drangen nun andere Gerüche an Jussiels Nase, die nicht nur vom gebeizten Holz und Farbe herührten.
Der wohlige Geruch von dampfenden Reis drang aus einer der größeren Räume und obwohl Jussiel erst gestern etwas gegessen hatte, ermahnte ihn sein Körper doch gleich nach der Dusche, die Küche zu inspizieren.

Der Vorschlag war annehmbar und wie auf einem göttlichen Ruf hin, wuchtete einer der Novizen ächzend einen riesigen Sack Reis durch den Flur, der ob seiner Masse für den Novizen fiel zu schwer war und obwohl der Novize sehr gehetzt aussah und Jussiel scheinbar nicht bemerkt hatte, hielt Jussiel ihn mit einer geübten Bewegung um Kragen fest.

Der Novize hielt inne, wie eine Katze, die man an ihren Nacken festhielt und drehte sich langsam dem Gabrieliten zu.
Mit ein paar schnellen Gesten brachte Jussiel sein Anliegen vor.
Der Novize seinerseits, nickte zwar etwas verwirrt aber eindringlich auf die Anweisungen -er schien noch nie einem stummen Gabrieliten begenet zu sein- und ließ den Sack Reis fallen um dem Gabrieliten, den Gang entlang, an der Küche und der Vorratskammer vorbei, direkt neben der Waffenkammer, zu einer Art Wasch- oder eher Wäschekammer zu führen.

Jussiel hob eine Augenbraue im Angesicht von so viel Schmutzwäsche, die hier aufgebahrt und auf Leinen aufghängt war und der Tatsache, dass er sich hier reinigen sollte.

Unmöglich- ging es dem Gabrieliten durch den Kopf.

Der Novize war schon längst wieder verschwunden und kehrte nach kurzer Zeit mit mit einem Eimer kaltem und heißen Wasser zurück, dass er wohl aus der Küche geholt hatte.
Jussiel nickte und und der Novize ließ leise die Tür ins Schloss fallen und blieb scheinbar davor geradezu wie ein Templer stehen.

Na toll, der Schlüssel war also auch weg, dachte sich Jussiel und wendete sich den beiden Eimern zu.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 01.12.2004 - 12:31

Kentariel hatte sich erst einmal hingesetzt. Er fühlte sich überhaupt nicht wohl, was ziemlich sicher an dieser Stadt lag. Allein was er von oben gesehen hatte, genügte um deutlich zu machen, dass mit diesen Leuten nicht zu spaßen war.
Und wenn DIE nicht mehr mit der Traumsaat zurecht kamen, musste es um Pleskau schlimm bestellt sein.

Auch im Hinerland auf dem Festland musste dann wirklich allerlei Geviech umherkriechen und dann würden sie mehr als genug zu tun haben.
Kentariel hörte für einige Minuten dem Lärm zu, der draußen erklang, das ständige Hämmern und unanständige Fluchen würde ihnen sicher bald gehörig auf die Nerven fallen.

Von Wasser hatte er vorerst genug, gebadet hatte er wirklich ausgiebig und der nächste Regenguss würde ihn so oder so abwaschen, so dass der Gabrielit trotz des Salzes auf der Haut nicht in den Waschraum hinunterging.
Statt dessen ging er ans Fenster.
Er hatte den Blick frei auf eine breite Straße und eine Kreuzung hinter der das Gassengewirr Pleskaus begann.
Hunderte Leute schienen auf den Beinen zu sein. Die meisten von ihnen unterschieden sich kaum von Leuten anderer Städte, nur dass die Kleidung hier manchmal seltsam anmutete.
Er konnte nicht genau sagen woran es lag, vielleicht an der Vorliebe der Leute Nieten zu verwenden.
Sie schienen stolz am ganzen Körper zeigen zu müssen, dass sie die Stadt des Stahls waren, das sie inach ganz Europa importierten.
Ein Umstand, der Jussiel sicher gar nicht gefallen dürfte.

Wegen des Stahls waren sie auch hergekommen. Pleskauer Waffenstahl war sogar der Kirche ein Begriff.
Es wäre schade um die Stadt und die Waffen, sollte das alls hier dem Wiedersacher in die Hände fallen.

Rauch steig aus Schornsteinen empor, als Kentariel seinen Blick über die Dächer und Häuser schweifen ließ. Beständiger zäher grauer Nebel schien über dem ganzen Ort zu liegen und es roch seltsam.
Irgendwie erinnerte ihnd as alles hier an die schlimmsten Gegenden im Moloch Nürnberg.
Kein guter Ort zum leben, wie er fand. Aber ihn musste das ja nicht kümmern.

Geduldig blieb er stehen und wartete auf Manuel.

Timikael
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Beitrag von Timikael » 01.12.2004 - 19:29

Der gesammte Weg war eine Tortur gewesen und die Tortur war lange.
Wie auch immer sie es bis hierher geschafft hatte, es war zu anstrengend, zu schmerzvoll und zu langwirig gewesen.
Alles in ihr verlangte eine Pause und ihr Hirn schrie um Ruhe.

Wo genau waren sie eigentlich?
So genau wußte Mikael das nicht mehr, aber sie hatte irgendetwas von Cella mitbekommen und war sofort auf die Knie gefallen die es ihr schmerzhaft danken.

Kurz bevor ihr Kopf zu explodieren drohte hatte sie es geschafft in eine derart tiefe Meditation zu fallen, dass sie sich überhaupt nicht sicher war ob es überhaupt noch eine war, aber da sie wie üblich bei Verstand war, weigerte sie sich, es groß anzuzweifeln. Womöglich bewirkte das dass sie wieder zu sich kam und die momentane Entspannung den multiplen Schmerzen wich an die sie im Moment garnicht denken mochte.

Fest fixierte sie ihren Geist in diesem schwebend-ohnmächtigen Zustand in dem er von Ruhe durchflutet alle äußeren Einflüsse an sich apprallen ließ als existierten sie überhauptnicht.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 02.12.2004 - 06:29

Auch Varcanel ließ sich in einer Ecke des Raumes nieder. Doch bei ihm hatte das eher praktische Gründe - als größter der Schar machte ihm der beengte Raum auch mehr zu schaffen. So also zog er sich einen der Schemel in die Ecke, aus der er sowohl Tür als auch Fenster gut im Auge hatte.
Eine Weile starte er an durch das bischen Fenster, das Kentariel nicht verdeckte, beobachtete den Rauch, der langsam in den Himmel stieg. Kurz schloss er die Augen und nahm den Geruch des Ortes in sich auf. Dieses so fremdartige Gemisch aus Holzspänen, Beize, dem schwachen aber markanten Geruch aus den Stahlwerken und dazu der allgegenwärtige Geruch nach Feuchtigkeit. Denn auch eine Diadochenstadt wie Pleskau blieb vom Regen nicht verschont.
Lange konnte er sich aber seiner Lage nicht erfreuen. Am liebsten wäre er aufgestanden und hätte sich in der Stadt umgesehen. Doch da Manuel dieses Mal ausdrücklich bekannt gegeben hatte, dass sie dies nicht tun sollten, brauchte er auch nicht noch einmal nachzufragen, wenn nicht gerade ein Schwarm Verderberlibellen vor dem Fenster auftauchte - und selbst dann wäre er sich der Antwort nicht sicher.
Essen würde man ihnen bringen, wirklich schmutzig war er auch nicht, seine Wunde hatte sich bereits mit einer dünnen Schorfschicht überzogen und würde ihn nicht mehr lange behindern. Was also sollte er tun?
Sein Blick huschte zu Mikael, dann wieder zu Kentariel, dann ließ er ihn gen Boden wandern.
Er hasste diese Momente der Ruhe! Er konnte fast körperlich spüren, dass dies die Zeit war in der man sich mit seinen Scharmitgliedern unterhielt, die Zeit, in der man zueinander fand um künftigen Gefahren umso stärker trotzen zu können.
Für ihn war es verschwendete Zeit...

Cutter
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Beitrag von Cutter » 02.12.2004 - 07:07

Sauber und sichtlich zufrieden öffnete der Gabrielit die Tür der Waschkammer und drückte dem Novizen die beiden leeren Eimer in die Hand, der darauf sofort in der Küche verschwand.

Der Gabrielit schaute an sich herab und begutachtete zufrieden sein Werk.
Die Haut und Haar, waren gänzlich vom Salz befreit und auch der Ordensrock war sauber, wenn auch noch etwas klamm, aber zumindestens würden sich auf ihm keine weißen Schlieren bilden.

Langsam führten Jussiels Weg ihn zur Küche, wo ihn ein gänzlich anderes Bild erwartete.

Der Innenraum war ausgestattet mit drei größeren, gefliesten Tischen auf denen zum Teil abgedeckte Gläser, Pflanzen, Mörser und Schalen standen. Auf einem der Tische drang aus einem kleinen Metallstab eine Flamme, welche den Inhalt einer Schale, die auf einem Dreifuß über der Flamme fixiert war, zum kochen brachte. Überall schien es zu blubbern und wabern. Das Abbild des göttlichen Lichtes, welches aus den Himmeln zu den Klöstern getragen war, drang durch einige Inhalte der Kolben und Gläser und lies den Raum in rot, blau, gelb und grün Tönen erscheinen.
Drinnen befanden sich zwei Novizen, ein Junge und ein Mädchen. Der Junge legte Holzscheite in einen kleinen Kamin nach, während das Mädchen emsig an einem Tisch irgendwelche Pflanzen zuschnitt. Neben einem anderen Tisch standen zwei Männer, welche nicht unterschiedlicher hätten sein könnten. Der eine war von kleinem Wuchs und recht Dünner. Seinem Monachengewand hafteten alte Spuren von ehemaligen Flecken an und einige Pflanzenteile klebten noch an ihr. Der andere Mann war recht groß, doch überaus füllig, was ihm eine fast lächerliche Figur abgeben lies in seinen Roben und hinter ihnen konnte man einen riesigen Topf ausmachen, in dem der Reis schon zu blubbern beginn.
Scheinbar war die Küche noch das einzig intakte im ganzen Kloster.

Die beiden Männer hielten inne und musterten den Gabrieliten, der erneut mit einigen flinken Handbewegungen klar machte, dass er fünf Schalen mit Reis und etwas zu trinken nach oben in die Cella gebracht haben wollte.
Nachdem die beiden Männer die Anweisungen weitergaben, begann sich noch mehr leben in der Küche zu regen und nachdem Jussiel hinaus zum Flur trat um abermals nach oben zu gehen, konnte man in von der Küche aus schon das Klappern von Schalen und Tabletts hören.

Als der Gabrielit oben war, lehnte sich Jussiel ganz schlicht zum warten an eine Wand der Cella und fing ebenfalls an interessiert zu den Schornsteinen zu blicken, wenn auch diese Minuten von einem flauen Magengefühl begleitet wurden.

Das Essen würde sicherlich nicht lange auf sich warten lassen.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 03.12.2004 - 09:37

Nach einer Weile schließlich kehrte Manuel in die Cellae zurück.
Immerhin waren alle Engel anwesend, auch wenn Timikael schlief.
Sorgfältig verschloss der Michaelit die Türe.

Während er seinen Schulterpanzer abnahm - er trug ihn seit drei Tagen und die Druckstelle war gut sichtbar - und sich seines Waffengurtes entledigte, erklärte er der Schar was sie wissen musste.

<<< Die Lage hier ist sehr prekär. Im ganzen Haus arbeiten Handwerker aus der Stadt und jeder von ihnen könnte quasi ein Spion des Diadochen sein. Nur weil der Herr über Pleskau unsere Hilfe braucht heißt das noch lange nicht dass er uns vertraut. Dinge die unseren Auftrag betreffen werden deshalb ausschließlich über die Seele der Schar besprochen.
Mater Ecclesia benötigt diesen Stützpunkt im Norden und sie benötigt den Waffenstahl des Diadochen, darum ist es unsere oberste Pflicht dafür zu sorgen, dass es so wenig Reibungen wie möglich zwischen uns und den Pleskauern gibt.

Einige Pleskauer haben inzwischen gesehen wie Engel kämpfen - diese Menschen fürchten uns. Sie fürchten uns, weil sie nicht verstehen woher wir unsere Kraft beziehen da sie Gott aufgrund ihres verdorbenen Geistes nicht richtig zu erfassen vermögen. Dadruch dass wir eine Todesschar sind und ein noch viel größeres Zerstörungspotential besitzen werden sie uns umso mehr fürchten. Angst ist der beste Zündstoff für Krieg, darum werden wir die Kontakte zu den Menschen hier so gering wie möglich halten.
Nun zu unserer Mission.

Habels Schar, welche uns hierher gerufen hat, ist gestern mit der Tochter des Diadochen nach Prag aufgebrochen. Unsere Aufgabe ist es, den Verteidigern der Stadt bei einem Angriff zu helfen und das Umland von größeren Traumsaatansammlungen zu befreien - hierbei hat die Insel höchste Priorität, genauer gesagt: das Stahlwerk im Nord-Westen und der Steinbruch im Osten.
Über diese Aspekte unseres Auftrags können wir offen reden - das sollten wir sogar, damit diejenigen unter den Handwerkern, welche Latein verstehen und uns belauschen sollen abgelenkt werden. Was... >>>


Manuel machte eine Pause als die Wand neben ihnen von mächtigen Hammerschlägen erzitterte und etwas Staub zwischen den Holzbohlen hervorrieselte. Dann trat wieder relative Ruhe ein. Er hob eine Augenbraue und bedachte die Wand mit skeptischem Blick bevor er sich auf seinen Schemel sinken ließ und fortfuhr:

<<< Was den anderen Teil betrifft, so gibt es da etwas zu wissen: Der Herrscher der Stadt legt anscheinend keinen hohen Wert auf die Reinheit der Menschen, so kommt es, dass es hier eine Kaste von - man könnte sagen Morloks - gibt. Sie nennen sich selbst Korsaren, körperlich deformierte Gestalten die unterirdisch in ihren Schmieden schuften und hausen. Wenn ihr es vielleicht schon bemerkt habt: Die Säule auf dem Marktplatz, welche das Wahrzeichen der Stadt trägt ist nicht auf den Boden gebaut. Sie ragt aus einem quadratischen Loch in der Erde hervor. Kräne un Aufzüge transportieren Waren hinauf und hinab. Dort unten leben die Korsaren unter dem Schutz und mit dem Einverständnis des Diadochen. Wahrscheinlich sind sie seine ergebensten Diener.
Die Ganze Stadt ist von Tunneln und Stollen untergraben und es gibt auch Ausgänge ins Umland.
Ihr könnt euch sicher denken was das heißt. Es wurde mir außerdem mitgeteilt, dass es in letzter Zeit ungewöhnlich viele Tote in der Unterstadt gibt - Frater Abrik führt es auf Traumsaat zurück die in die Stollen eindringt. Die Stadt wäre verloren wenn die Kreaturen des Widersachers mitten in der Stadt unter der Erde hervorbrechen würden, darum müssen wir auch die Tunnelsysteme reinigen.

Natürlich werden diese Korsaren uns nicht freiwillig Zugang gewähren, doch Fra Abrik hat sich auch darum gekümmert. Er kennt die Ausgänge inzwischen, so dass wir sie Blockieren oder von Befall befreien können. Im besten Fall bekommen die Korsaren selbst davon nichts mit und selbst wenn, sie könnten sich nicht darüber beschweren. Die Person, die dem Frater diese Informationen übergab hat die Befragung leider nicht überlebt und die Diadochenleute dürfen hier keinen toten Morlock finden. Also werden wir als aller erstes die Leiche entsorgen. Im Schutz der Nacht.
Unser nächstes Ziel wird dann das Stahlwerk und der dortige Zugang zum Stollensystem sein.

Über diese Sachverhalte wird kein offenes Wort verloren.
Wenn ihr Fragen habt, stellt sie, aber dann ruht euch aus, wir werden spät in der Nacht aufbrechen wenn wir vorher nicht bei der Verteidigung der Stadt gebraucht werden.
Ich werde etwas Nahrung für uns besorgen. >>>


Dann erhob sich der Michaelit wieder und fing gerade noch die Tür ab, bevor sie gegen seinen Kopf knallte. Draußen stand ein Junge mit einem Tablett voller Schalen. In einigen war Reis, in einer Obst, in einer anderen Gemüse. Ein riesiger Tonkrug mit Wasser hing ind er Armbeuge des Jungen, fünf Becher befanden sich auf den Tablett und alles Wankte gefährlich.
Der Mensch drohte umzufallen, weil ihn Manuel wahrscheinlich erschreckt hatte, fing sich aber gerade noch.
"Klopfst du nicht an?" fragte der weißgewandete Engel barsch. Irgend etwas entschuldigendes stammelnd wollte der Kerl am liebsten im Erdboden verschwinden - dieser Dialekt war vollkommen unverständlich.
"Stell es dort ab." befahl Manuel, schaute zu wie der Junge der Order folgte und schloss die Tür als er wieder draußen war.

Manuel nahm sich eine Schale mit Reis, reicherte die Auswahl etwas mit Gemüse und Obst an und setzte sich damit auf seinen Schemel zurück, wo er seelenruhig anfing, sich kleine Portionen Reis in den Mund zu stecken.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 11.12.2004 - 22:59

Keine Wiederworte. Erstaunlich. Vielleicht waren die vier so fertig, dass sie alles einfach so hinnahmen.
Manuel sah während des Essens nicht ein einziges mal auf. Nachdem er die Schüssel zurückgestellt und etwas getrunken hatte, zündete er ein paar der Kerzen an und zog die schweren Vorhänge zu. Diese Geste sage eigentlich alles - Schlafenszeit. Es hätte ihn auch gewundert wenn die Schar jetzt noch umtriebig geworden wäre, immerhin hatten sie eine weite Reise hinter sich.

Ohne allzu viel Gemurre begaben sich die Gabrieliten in die Meditation. Als es Abend wurde verstummten allmählich die Handwerkergeräusche.

Wie mit Abrik vereinbart klopfte kurz nach Mitternacht jemand gegen die Tür um Manuel zu wecken. Der Michaelit sorgte dafür, dass alle anderen ebenfalls wach wurden. Während er sich seine Waffen anlegte instruierte er seine Schar.

<<< Varcanel, Kentariel, ihr beiden geht in den Keller des Gebäudes. Unter den Reissäcken liegt die Leiche, welche zu entsorgen unsere Aufgabe ist. Sie ist in einen Leinensack eingewickelt. Tragt sie zur halb-fertiggestellten Flugplattform auf dem Dach. Seid leise und achtet darauf dass euch niemand sieht.
Jussiel, in Frater Abriks Arbeitsraum am Ende des Ganges liegen ein paar Meter Seil. Hol sie.
Timikael, du gehst aufs Dach. Versichere dich dass niemand dort ist.
Sobald Varcanel und Kentariel die Leiche bringen, breiten wir unsere Flügel als Sichtschutz aus. Dann befestigen wir drei Seile an dem Toten, so dass Varcanel, Kentariel und Jussiel den Toten transportieren können.
Wir fliegen zum Nordrand der Insel und landen am Strand. >>>


Damit war alles gesagt und Manuel schaute auffordernd in die Runde.

Timikael
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Beitrag von Timikael » 12.12.2004 - 14:00

>>Ghnnn..?<< war was zunächst von Mikael kam.
Doch kaum dass ihr Hirn verarbeitet hatte, was ihm gerade mitgeteilt worden war, positionierten sich die Gedanken in etwas ausgefeilter.

>>Moment, moment, hab ich irgendetwas nicht mitbekommen?<< protestierte sie, nun mehr als wach, >>Ich dachte immer Todesengel produzieren nur Leichen und nicht dass sie sie spatzierentragen? Seit wann sind die Boten des Herrn denn Leichenentsorger? Und was für eine Leiche soll das überhaupt sein? Ich will wissen was wir hier tun. Und Manuel, ich warne dich, Antworte mir! Ich bin kein stumpfsinniges Werkzeug das hirnlos tut was man ihm sagt.<<

Das war nicht drohend gemeint, eher ein gutgemeinter Rat, aber die Tatsache dass sie in diesem Moment ihr Schwert aufnahm hätte durchaus fehlinterpretiert werden können.

Mikael stand auf und obwohl ihr noch immer alles weh tat, fühlte sie sich doch sehr lebendig, bei all den Fragen die in ihr umherschossen und der plötzlichen Wut ob des Gefühls so vollkommen im Dunkeln gelassen worden zu sein was den Auftrag anging.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 14.12.2004 - 12:09

Na großartig! Anstatt, dass wir die Sache jetzt schnell hinter uns bringen und dann vergessen können, müssen wir jetzt auch noch darüber diskutieren...obwohl...wohl kaum, so wie ich Manuel kenne....

Varcanel wartete darauf, dass das michaelitische Donnerwetter auf Mikael niederging, weil sie ihm nicht zugehört hatte und kontrollierte derweil noch einmal seine Ausrüstung.
Nachdem sicher gestellt war, dass wirklich alle Gurte des Schulterpanzers tadellos festgezogen waren und jede Waffe da war wo sie sein sollte, wechselte er einen Blick mit Kentariel und ging dann los um ihre Fracht aus dem Keller zu holen.
Sicherlich, eine angenehme Aufgabe wäre diese Leichenentsorgung nicht, doch ihm war klar, dass sie auf einem Pulverfass saßen.
Morloks, die die Unterstützung des Tyrannen hatten, die angelitische Kirche, die insgeheim nichts als Verachtung für die Einheimischen übrig hatte und als würde das nicht reichen auch noch Traumsaat in den Tunneln unter der Stadt - großartig!

Wie stellt Manuel sich das eigentlich vor? Sollen wir durch die Tunnel kriechen und die Traumsaat dort bekämpfen, auf ihrem Terrain? Mit einer Hand strich er über seine dunkelbraunen Schwungfedern. Der Herr hat uns doch keine Flügel gegeben, damit wir uns wie Würmer verhalten und durch die Erde kriechen. Ist es nicht einfacher die Tunnel einfach zu fluten? Das hier ist doch eine Insel...

Derweil waren sie an der Kellertreppe angekommen, Varcanel griff sich kurzentschlossen eine in der Nähe hängende Laterne und stieg die steile Stiege hinab, während Kentariel noch einmal sichernd einen Blick in die Runde warf.
Der Keller war aus dem Fels der Insel geschlagen und überraschenderweise recht trocken. Andernfalls wäre die Lagerung von Lebensmitteln wohl kaum eine gute Idee gewesen. Erleichtert atmete der große Gabrielit auf, als sie den eigentlichen Kellerraum erreichten und die enge Treppe hinter sich ließen.

Im nächsten Moment weiteten sich seine Augen jedoch und er ließ ein frustriertes Seufzen vernehmen:
Neben etlichen Kisten und im flackernden Licht schwer zu identifizierenden Gegenständen jeglicher Art lagerten tatsächlich Reissäcke hier unten. Allerdings schien es fast so, als wollten die Ramieliten sich auf eine längere Belagerung vorbereitet halten - verständlich, immerhin waren sie hier in Feindesland.
Gut die Hälfte des Kellerraumes, dessen rückseitige Wand nur schemenhaft im Dunkel auszumachen war, war bis dicht unter die Decke mit Säcken gefüllt. Sicherlich enthielten nicht unbedingt alle davon Reis, aber sie konnten ja wohl kaum alle aufschneiden.

"Und nun?", wandte er sich an seinen Gefährten. "Ich habe wenig Lust alle Säcke wegzuräumen. Außerdem wird es da eher wieder hell..."

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Beitrag von Cutter » 14.12.2004 - 13:41

Jussiel sah es ebenfalls wie Kentariel und Varcanel vor nicht auf das michealitiche Donnerwetter zu warten. Befehl war Befehl auch wenn er noch so dumm erschien und schließlich war es letztendlich immer der Michealit der für seine Befehle zur Verantwortung gezogen wurde.
Außerdem schien es in dieser Situation zur Ausnahme mal sinnvoll. Die Insel und ihre Situation war nunmal das sprichwörtliche Pulverfass.

Wortlos ging Jussiel in die entgegengesetzte Richtung in die Kentariel und Varcanel gingen.

Das Zimmer des Abtes lag ja direkt auf dem Gang.
Leise öffnete er die Tür.
Nur das fahle Licht des Mondes schien durch ein kleines Fenster und offenbarte dem Gabrieliten das kleine Arbeitszimmer, dass für einen engel fast schon zu klein war.
Eng zog er die Flügel an seinen Körper um nicht an die vollgestopften Regal zu stoßen die zu beiden Seiten dort standen.

Suchend glitten Jussiels Blicke über den Schreibtisch, der mit ketzerischem Schreibzeug geradezu überladen war, hinunter zu einem Sack Nüsse der in der Ecke stand.
Hamsterten die Ramieliten jetzt überall ihr Zeug?

Kopfschüttelnd suchte der Gabrielit weiter und fand schließlich in in der untersten Auslage des Regales das versprochene Hanfseil.
Musternd glitt Jussiels Blick über das Seil.
Es war dick und hatte keine rissigen Stellen. Es sollte seinem Zweck genügen.

Mit einem gezielten Wurf, hatte der Gabrielit es auch schon geschultert und schloß die Tür des Arbeitszimmers wieder leise hinter sich.

Jetzt musste er nur noch zur Flugplattform.

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