Tormentum Malorum - Inplay

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Gansekiel
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Beitrag von Gansekiel » 30.01.2005 - 10:24

In den Tunneln war bis auf das eine kleine Käferding, das Varcanel entdeckt hatte, zunächst gar nichts Lebendes mehr zu sehen. Nur ein paar Spinnen und Ratten, die eilig das Weite suchten.
Links und rechts neben dem ausgetretenen Weg, der nach wenigen Metern bereits frei von Erde war, standen Geräte und seltsame Vehikel herum.
Etwa 50 Meter führte der Tunnel durch den Boden, dann plötzlich änderten sich die Wände, glaich nachdem sie durch eine Art Tür getreten waren. Der Tunnel war jetzt quadratisch und führte rechtwinklig zu ihrem Eingangstunnel weiter.
Vier Meter in etwa breit und auch ebenso hoch ging es nach links und rechts weiter.
Und nichts war zu sehen. Es roch nach Stahl, Kohle und Schweiß, aber niemand war hier.
Doch zeugten Schmutzspuren, Karren und allerlei andere Geräte davon, dass hier jemand gearbeitet hatte. Nur Werkzeuge waren keine zu sehen. Sicher hatten diese Morlocks alles mitgenommen, was man tragen konnte.

Spuren von schweren Steifeln, aus deren Profilen Dreck gefallen war, waren auf dem ansonsten glatten Boden.
Irgendwo weiter vorne tropfte es.

Der Tunnel zog sich ein Stück hin und durchmaß wahrscheinlich das ganze Areal des Stahlwerkes. Mehrmals konnten die Engel Türen in den Seitenwänden sehen, wahrscheinlich andere Zugänge von oben.
Und der Tunnel führte immer noch weiter.

Leicht abschüssig schien der Boden zu sein. Sicher nützlich wenn man den Stahl hier mit Rollwagen Richtung der Schmieden fahren wollte.
Eine Weile folgten die Engel unbehelligt dem Haupttunnel.

Bis es nicht mehr weiter ging. Eine große, schwere Tür, nein ein Portal versperrte den Weg.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 01.02.2005 - 17:42

Wieder einmal überging er Timikaels spitze bemerkung. Es hätte sie nur aufgehalten wenn er sie jetzt getadelt hätte - und außerdem nichts gebracht. Sie war zu alt und verbohrt um ihre Verhaltensweise ihm gegenüber noch großarig zu verändern. Er musste später darüber nachdenken.
Immerhin hatte er sich nicht gescheut als erster hineinzugehen.

Bis auf das klatschen der nackten Engelsfüße auf dem kalten Steinboden, unregelmäßig tropfendes Wasser und das leise Atmen war alles still.
Manuel achtete darauf, dass die seitlichen Zugänge stests gut gesichert wurden und dass auch die Wachsamkeit in ihrem Rücken nie nachließ.

Mit jedem Schritt konnte er spüren, wie die Anspannung wuchs.
Dabei sollten gerade Gabrieliten an die Situation gewöhnt sein, waren nicht sie es, die in ihrer D5 Prüfung alleine in einem stockdunklen Raum, bewaffnet nur mit ihrer brennenden Seele - zugleichd er einzigen Lichtquelle - zusammen mit einer Traumsaatkreatur eingeschlossen wurden?
Jetzt waren sie zu fünft und es gab mehr Traumsaat, eigentlich kein großer Unterschied.

Manuels zynische Gedankengänge wurden jäh unterbrochen, als sie an das Portal kamen. Hindernis oder Falle?
Die Schultern des Michaeliten strafften sich und entschlossen sog er die Schale luft durch seine schmale Nase.
In der kurzen Stille konnte man nichts hören - kein kratzen von Chitinkrallen an der anderen Seite.

<<< Varcanel, Jussiel, versucht sie aufzuschieben. Kentariel und Timikael geben euch Deckung. Aber seid vorsichtig, vielleicht lauert etwas auf der anderen Seite... >>>

Gansekiel
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Beitrag von Gansekiel » 01.02.2005 - 17:52

Ein wahres Labyrinth an Gängen musste hier unten sein. Zumindest soviel konnten die Engel erahnen, bis sie zum Tor gekommen waren.

Das große Metallschott musste nach innen aufgehen, denn es gab keine Schleifspuren am Boden. Und das Ding sah schwer aus. So schwer, dass sie womöglich zu viert eng aneinandergequetscht würden drücken müssen um es aufzubekommen. (jawoll!)

Was immer dahinter lag, es war jedenfalls gut gesichtert.

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Beitrag von Cutter » 01.02.2005 - 17:52

Jussiel der bis zum Tor sorgsam auf die Rückendeckung der Schar geachtet hatte, ging als Manue ihn rief nach vorne zur rechten Hälfte des Portals.
Dort angekommen fasste der Gabrielit mit den Handschuhen an das durch Feuchtigkeit leicht rostige Metall.
Sein Blick glitt zu Varcanel um auf sein OK zu warten.
Hoffentlich würden sie es mit dem Einsatz ihrer Macht schaffen es auch zu zweit auf zu schieben, obwohl Jussiel sich da nicht so sicher war ob die klappen würde.

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 04.02.2005 - 16:25

Auch Varcanel folgte Manuels Anweisung und bezog Stellung am Tor. Nachdem er sich festen Stand gesucht hatte, nickte er Jussiel zu und stemmte sich mit aller Kraft gegen den kalten Stahl.
Schweiß trat auf seine Stirn und obwohl sich die beiden Todesengel alle Mühe gaben, rührte sich das Portal nicht ein bischen. Entweder war es festgerostet oder von der anderen Seite her blockiert. Da vor kurzem noch Leute hier entlang gekommen waren, war letzteres wahrscheinlicher. Augenscheinlich hatten die Morlocks verhindern wollen, das ihnen jemand folgte - oder etwas.
Erst Nachdem noch ein dritter Gabrielit mitanfasste, kam langsam Bewegung in das Tor. Langsam, Zentimeter für Zentimeter schoben sie den Torflügel vorwärts. Fast war es als würde jemand von der anderen Seite gegen ihre Anstrengungen arbeiten.
Dann aber war es geschafft: Ein lautes Knacken erklang und mit einem Ruck löste sich der Widerstand, so dass Varcanel ins Stolpern geriet und sich erst zwei Schritte weiter wieder abfangen konnte.

Ihre Laterne leutete in einen weiteren Abschnitt des Ganges. Unheimlich tanzten ihre Schatten auf dem Boden vor ihnen, auch wenn sie dies nicht schreckte sondern vielmehr ihre Wachsamkeit weiter steigerte. Irgendwo links war ein abzweigender Gang zu erkennen und weniger als zwanzig Meter vor ihnen versperrte ein weiteres Tor den Weg. Allein bei diesem Anblick hätte Varcanel fast entnervt aufgestöhnt, biss sich aber noch rechtzeitig auf die Lippe.
Schnell wurde seine Aufmerksamkeit aber von zwei anderen Dingen gefesselt: Der Raum war mitnichten ganz dunkel, denn kurz vor dem anderen Tor breitete sich ein heller Lichtkegel aus und entriss so auch einen reglosen in weite Gewänder gehüllten Körper der Dunkelheit - nicht unähnlich dem, den sie vor kurzem verbrannt hatten.
Und zudem war der Raum auch nicht still. Gedämpftes Rufen und Schmerzensschreie drangen immer wieder durch das gegenüberliegende Tor. Ein lauter Knall riss Varcanel aus seiner Betrachtung des Leichnams: Dort wurde gekämpft! Die Traumsaat war hier!

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Beitrag von Cutter » 04.02.2005 - 16:45

Das konnte doch nicht sein, dass ein Tor so schwer zu öffnen war.
Als die anderen hinter im reingegangen waren, schaute sich Jussiel, der eh den Rücken der anderen deckte, interessiert die Rückseite des Tores an.
Irgendwo musste sie diese ominöse Kraft ja versteckt halten, dass drei ausgewachsene Gabrieliten es mit aller Kraft gerade so geöffnet bekommen hatten.

Im schumrigen Licht der Laterne sah Jussiel schwere und große Zahnräder die dort an beiden Seiten vor dem Fels angebracht worden waren, die mit weiteren dieser Räder verbunden zu sein schienen und zu großen leicht verosteten Eisenketten führten.
Sicher ein gefundenes Fressen für den verlorenen Orden und dem Orden Jeremiels..... dachte Jussiel so bei sich, als er das Eisen begutachtete.

Aber wo zum Donner war die Kraft hin, die sich gegen das Tor gestemmt hatte? So ein paar Zahnräder, wie die Diener Jeremiels sie so gerne nennen, konnten doch unmöglich so viel Kraft entwickeln....

Nachdem Jussiel nicht weiteres von Intersse ausser das Eisen fand, gab er seine Suche auf und wandte seinen Blick von diesem Teil ab und ließ ihn wieder zu dem Gang wandern durch den sie gerade gekommen waren.

<<Manuel, unser Rücken ist noch frei.>> meldete Jussiel kurz und bündig ehe auch er die Schreie vernahm, die von dem zweiten Tor hinter ihm kamen.

Manuel
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Beitrag von Manuel » 16.02.2005 - 10:36

Grimmig nickte der Michaelit und ließ sein Schwert langsam aus der Scheide gleiten. Er winkte Jussiel und Timikael an sich vorbei durch das Schott - die Gabrieliten sollten jetzt vorne stehen. Noch während die beiden Engel ihn passierten um zu Kentariel und Varcanel aufzuschließen hatte er einen Plan ausgearbeitet den er auch sofort verkündete:

<<< Gut, wir machen folgendes: wir schließen das Schott hier wieder, so dass uns niemand in den Rücken fallen kann. Dann öffnen wir das nächste und mischen uns in den Kampf ein. Wir kämpfen auf Seiten der Morlocks, zumindest im Moment, vergesst das nicht! Seht nach ob der Körper vor der Tür auch wirklich tot ist und... >>>
Manuel war den Todesengeln langsam mit gezückter Waffe gefolgt und hielt mitten im Satz inne als eine Bodenkacheln unter seinem Tritt nachgab. Er riss reflexartig den Kopf nach unten um zu sehen was geschehen war und machte somit den Fehler, nicht augenblicklich zur Seite zu hechten. Die Bodenkachel war mit einem einstmals hellgelben X markiert gewesen, aber Dreck und hunderter scharrender Füße hatten es verschwimmen lassen. Dazu kam noch, dass die Lichtverhältnisse wirklich miserabel waren...
Es ging furchtbar schnell.
Ein scharfes Zischen, wie von entweichender Luft erklang, Manuel riss seinen Kopf wieder nach oben und starrte die Gabrieliten mit erschrocken und ängstlich aufgerissenen Augen an.
Dann knallten die beiden schweren Schotten zu - während Manuel sich im Schwingbereich der Türen befand.

Entweder war es ein Konstruktionsfehler oder es hatte einen ketzerisch-technischen Grund, dass die Türen nach innen öffneten, denn normalerweise öffneten Wehranlagen immer in die Richtung aus welcher der Feind kam.
Im konkreten Fall bedeutete das, dass der linke Türflügel rasend schnell auf den Michaeliten zugeschossen kam der nicht mehr tun konnte als schützend seine Arme nach oben zu reißen. Keiner konnte so schnell reagieren. Die Kante der Tür trennte sauber zwei Zehen seines rechten Fußes ab - was eine unansehnliche Blutspur auf dem Boden hinterließ - bevor die Tür ihn erreichte.
Die Gabrieliten bekamen nur noch mit wie die Metalltür Manuels Körper traf und weit nach hinten schleuderte, dann war das Schott wieder geschlossen und nur dumpf konnte man durch den Stahl und den von der anderen Seite durchdringenden Kampfeslärm den Aufprall seines Körpers hören.

[Arkanakarte: das 15. Arkanum: der Herr der Fliegen]

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Beitrag von Cutter » 17.02.2005 - 13:18

Jussiel drehte sich in dem Moment nach hinten, als das laute Zischen, durch den Raum klang. Er sah die weit vor Angst aufgerissenen Augen seines Michealiten, der in Sekunden schnelle von den beiden Türen getroffen wurde und hinter ihnen verschwand.

Innerlich schrie Jussiel nach seinem Scharführer

<<Manuel!>>

Doch es tat sich nichts...

Festen und schnellen Schrittes ging der Gabrielit auf das Schott zu und umrundete das gelbe X sorgfältig und winkte dann die anderen Todesengel zu sich. Er wollte nicht wieder einen ketzerischen Mechanismus auslösen, bei dem wieder jemand verletzt werden könnte.

Nun mussten sie es mit vereinter Kraft wieder auf ziehen. Ihr Michealit war nun wichtiger als die Morlocks und schließlich war Manuel nun, da er wohl bewußtlos war, wehrlos gegenüber möglicher Traumsaat, die noch immer in den Gängen herumkrauchen konnte.

Kentariel
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Beitrag von Kentariel » 22.02.2005 - 16:00

"Verdammt!" murmelte Kentariel, so war das aber nicht geplant gewesen.
Das Gelbe X schien irgendeine Art meschanismus auszulösen, soviel hatte er verstanden. Manuels Rückschritt hatte ihn in die Bereich der Tür gebracht, die sich hatte schließen wollen, nachdem er über das x gelaufen war.
Warum ging die andere Tür nicht auf?
Kentariel war sich nicht ganz sicher, vielleicht musste man dazu nochmal über das X? Oder...
Wenn es eine Verteidigungsanlage war... dann ging vielleicht immer nur eine Tür auf. Und nie beide auf einmal... wieso ging die Andere Tür nicht auf? Vielleicht hatte man diese verrammelt?

Sie mussten diese zweite Tür aufbekommen!
Pfüfend trat der Gabrielit nach einem Warnruf auf das X.
'Das müsste ja eigentlich dann wenigstens wieder die äußere Tür öffnen.' dachte er und stellte erleichtert fest, dass die schwere Eisentür tatsächlich wieder aufzuschwingen begann.

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Beitrag von Cutter » 22.02.2005 - 16:53

Jussiel, der gerade noch versucht hatte, die Tür wieder auf zu ziehen, ging auf Kentariels Ruf misstrauisch zur Seite und beäugte ebenso misstrauisch Kentariels versuch durch ein weiteres drücken des X´s die Tür auf zu bekommen.

Zwar klappte es und Jussiel war froh, nun nach Manuel sehen zu können, aber in seinen Augen war dies doch ein zu großes Risiko gewesen, denn Manuel würde entweder bis zur seiner Läuterung nun ohne die zwei Zehen auskommen müssen oder bald einen Raphaeliten aufsuchen müssen.

Verfluchte Technik!

Jussiel drückte sich nun zuerst durch die Tür um nach Manuel zu sehen, dann konnten sie nach der zweiten Tür sehen.

Timikael
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Beitrag von Timikael » 23.02.2005 - 19:16

Mikael erstarrte als die Torflügel so unerwartet und so schnell zuschlugen.

Es dauerte einen Moment bis sie rekapitulieren konnte was genau gerade geschehen war.

Noch bevor sie etwas zu sagen vermochte betätigte Kentariel diesen ketzerischen Mechanismus ein weiteres mal, nur diesesmal zu ihrem Vorteil.
Das Stahltor öffnete sich und gab den Blick auf Manuel Preis, der offenbar nicht nur seine Zehen, sondern ebenfalls sein Bewusstsein eingebüßt hatte und binnen kürze von Jussiel umsorgt wurde.

"Michaeliten...!" murmelte die Gabrielitin und gab damit einem so ordenstypischem Impuls nach dass es ihr schon fast peinlich war.
Jedoch konnte sie nicht bezweifeln, dass spätestens ab dem Augenblick in dem sie mitleidig auf den ohnmächtigen Michaeliten hinabblicken konnte für sie klar was dass eine solche Schar wie sie es waren nichts von großer Dauer oder gar Effizienz sein konnte.
Zumindest nicht mit einem Klotz am Bein.

Statt ihre Bedenken zu äußern und die Situation nur unnötig an zu spannen, klopfte sie Kentariel neben sich auf die Schulter, während ihr Blick Manuel und Jussiel galt. "Du bist wohl auch ein verkappter Ramielit Kenta."

Der schlanke Feramenser kümmerte sich mit den Notdürftigen Mitteln eines Gabrieliten um Manuels Fuß und begutachtete auch die Platzwunde an seiner Stirn und die blauen Flecken an Arm und Schulter, sagte jedoch wie zu erwarten nichts dazu.
"Ich will ja keine Vermutungen anstellen, aber sieht so aus als wär er doch ganz glimpflich davongekommen, wenn ich mir die stärke und das Gewicht von dem Tor so anschau.."
Sie kratzte sich unter dem schwarzen Kopftuch.
"Bringen wir ihn mal hier rein und machen dass das Tor wieder zugeht, hier hatts offenbar keine Traumsaat und das is ziemlich von Vorteil wenn man einen ausgeknockten Michaeliten dabei hat, wenn ihr mich fragt."

Varcanel
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Beitrag von Varcanel » 24.02.2005 - 15:39

Auch Varcanel wurde überrumpelt von den schnellen Ereignissen - jeder wäre überrascht worden - aber Jahre der bitteren Schlachten gegen die Feinde der Kirche sorgten dafür, dass er nicht mehr wie ein frischgeweihter Signumsengel in Panik verfiel nachdem der Michaelit außer Gefecht war.
Es geht schon wieder los...Herr, lass' es dieses Mal anders enden!

Nach außen hin recht kühl setzte er die Aufgabe fort, die er soeben noch auf Manuels Befehl hin ausgeführt hatte: Die Untersuchung der Leiche.
Angewidert griff er nach dem leblosen Körper und drehte ihn auf den Rücken, nur um sich gleich danach die Hände am Saum seines Kriegsrockes abzuwischen.
Erst dachte er, dass es der missgestaltete Morlok war, der diesen üblen Geruch verströmte, doch als er dessen Brustkorb sehen konnte wurde ihm schnell klar, dass dies nicht der Grund war.
Er war kein Raphaelit, bei Leibe nicht! Dennoch konnte er ohne Schwierigkeiten erkennen, dass dieser Mann nicht an Altersschwäche gestorben war. Die Vorderseite seines Torsos war eigentlich nur noch eine einzige Wunde. Getrocknetes Blut bedeckte den Boden und hatte die Lumpenkleidung des Toten verklebt. Helle Splitter, ehemals wohl die Rippen, ragten überall wie groteske Fangzähne aus dem offenen Leib und ein zäher gelbgrüner Schleim bedeckte das, was von Herz und Lunge noch übrig war.
Erneut war es nur seine Erfahrung und die Tatsache, dass er einen solchen Anblick nicht zum ersten Mal sah, die verhinderten, dass sich auch noch der Mageninhalt eines Engels zu dieser wiederlichen Mischung gesellte.
Mit blaßem Gesicht wandte er seinen Blick vom Morlok ab und entdeckte bald was er suchte. Bei dem wenigen Licht, das die ketzerische Lichtquelle des Morloks spendete, war der staubbedeckte Boden alles andere als ein guter Untergrund zum Fährtenlesen. Aber er war auch nicht der schlechteste Fährtenleser. So entdeckte er recht schnell die Spur kleiner Bluttropfen, die direkt auf den Seitengang hin führte, dessen Öffnung sich wie ein schwarzes Maul in der grauen Betonwand auftat.

Seine Stimme war er eine Flüstern und sein Blick fixierte die Dunkelheit des Ganges, als er sich an seine Scharschwester wandte: "Mikael...mit der Traumsaat solltest du dir nicht so sicher sein..."

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Beitrag von Cutter » 24.02.2005 - 19:12

Jussiel Puls pulsierte wie eine dieser ketzerischen vorsintflulichen Uhren, die niemals Ruhe gaben.

Tick Tack, Tick Tack!

Es war tief in ihm drin und drang an die Oberfläche.
Er hatte keine Zeit und konnte nicht warten, dass ein Raphaelit seines Weges geflogen kam um Manuel zu behandeln. Hier musste er sein Bestes geben, sodass sein Michealit wieder einsetzbar war.

Tick Tack, Tick Tack!

Wie war das noch gleich?! Was hatten die Raphaeliten immer getan, wenn jemand ein Teil seines Armes verlor? Was?!
Er war ratlos, denn Gabriel hatte ihn mit der Macht der Raphaeliten gesegnet sich selbst zu heilen. Er hatte immer nur zugesehen was Raphaeliten getan hatten, war aber nie selbst behandelt worden.

Tick Tack, Tick Tack!

Die Zeit lief gegen ihn und er musste schnell eine Lösung finden.

Gabriel hilf mir meinen Scharführer zu helfen! Raphael führe meine Hände!

Dies war das erste Mal, dass er neben Gabriel zu einem anderen Erzengel betete und ihn um Hilfe anflehte. Jussiel schaute auf Manuel hinab und sah sein Leiden und auf einmal wußte er was zu tun war.
Die Blutung musste aufhören.
Schnell nahm der Gabrielit ein großes Stück seines Ordensrockes und riss es ab. Fest band er die abgeschnittenen Zehen ab.
Kein Blut durfte mehr durchdringen. Das schwarze Tuch färbte sich dennoch leicht rot, aber es würde wohl halten.

Dann nahm Jussiel seine Wasserflasche hervor und tränkte einen weiteren Stoffetzen in kaltes Wasser um Manuels Stirn abzutupfen und die Wunden grob zu reinigen. Als der Gabrielit sah, dass die Wunden wohl zu schlimm waren, nahm er einfach sein Kopftuch ab und tränkte es ebenfalls mit Wasser um es um Manuels Kopf zu binden. Jedenfalls stoppte es etwas die Blutungen und kühlte Manuels Kopf.

Als nächstes waren die Arme dran.
Dort wiederholte Jussiel seine Reinigungsprozedur ein weiteres Mal, bis alle Schürfwunden einigermaßen versorgt waren. Der Michealit sollte bei all den Wunden, die er hatte ja nicht noch verbluten.

Tick Tack, Tick Tack!

Jussiel hatte es einigermaßen geschafft Manuel zu versorgen, aber dieser schien immer noch nicht davon wach geworden zu sein, also kramte Jussiel aus einer kleinen Rocktasche ein Fläschen, was er immer dabei hatte, wenn gerade kein Raphaelit da war und es hatte ihn schon in anderen Todesscharen geholfen.

So kniete sich Jussiel vor Manuel, dessen Kopf er mit seinem Knie abstütze und nun die offenen Flasche langsam vor seiner Nase und seinem Mund langsam hin und her führte.

Das musste ihn wach machen.

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