Schwarzes Gold [Tamiels Schar]

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Schwarzes Gold [Tamiels Schar]

Beitrag von Gansekiel » 28.06.2005 - 11:18

Über Augsburg regnete es, nein, es goss in Strömen. Die Kopfsteingepflasterten Straßen dampften und glänzten vor Nässe und die Dächer zeigten sich in tiefen Blau-, Grau- und Grüntönen.

Die Augsburger bauten ihre Wasserzysternen auf die Dächer oder legten dort Gärten an. Überschüssiges Wasser leiteten sie in die unzähligen winzigen Kanäle der Stadt.
Ja, Augsburg nahm sich von oben seltsam aus, Grüner als viele Städte, voller kleiner Teiche, Wasserbecken, Brunnen und Brücken.
Ketzerische Technik sah man so gut wie gar nicht in den Straßen, doch gab es durchaus Gebäude - am Stadtrand - aus deren Schloten Rauch qoll und andere Gebäude die sich seltsam ausnahmen. Groß und verwinkelt und beinahe gänzlich aus Eisen schienen sie zu sein, so wie sie da am Kanal lagen, der "Der Untere Lech" hieß und durch die Stadt führte, während der große Lech sie umrundete.

Auf dem Stadtmarkt in der Mitte des Ortes ließ man sich vom Regen nicht stören, die Marktstände hatten kleine runde Dächlein und die Menschen trugen breite Hüte und schrieen um die Wette, wer die großartigsten Waren hatte.
Pferde, Schweine, Gänse, Hühner, Katzen und Hunde befanden sich zwischen den Menschen, die arbeiteten, feilboten, schleppten, klopften, feilten und auch zwischendurch lachten oder miteinander zankten.

In den grünen Parkanlagen beim Anwesen des Diadochen und im Osten der Stadt, flanierten die Reichen und Schönen. Tuch- und Schmuckhändler vorallem, denn in Augsburg konnte man nicht nur Reisbauer oder Fischer werden.
Die nämlich waren jetzt außerhalb der Stadt auf den Feldern oder bei ihren angestauten Teichen und arbeiteten.

Am Abend war Augsburg voller Menschen, doch Tagsüber konnte man auf den Straßen gut vorankommen und sogar mit Fuhrwerken bis vor die Türen der größeren Häuser fahren.

Im Westen der Stadt lag auch das Gabrielskonvent, das - trotz der Tatsache, dass die Stadt von einem Diadochen beherrscht wurde - recht gut ausgebaut aussah.
Zwar waren wesentlich weniger Templer hier stationiert, als die Stadt Miliz hatte, doch waren es immerhin noch eine stattliche Anzahl Krieger und auch einige Geistliche, die in der Kirche regelmäßige Gottesdienste hielten... und die Augsburger kamen um sie zu hören. Schließlich schadete Gottes Segen auch niemand.

Eine Flugplattform fehlte hier, doch war genug Platz vor den Toren des Konvents um landen zu können.
Weit war es von Nürnberg aus ja nicht. Nur wenige Flugstunden entfernt lag die größte Stadt Europas, aus der sie heute Morgen aufgebrochen waren.
Und nach der Düsternis des Gabrielitischen Bollwerks wirkte Augsburg geradezu freundlich, wenn auch verregnet.
Zuletzt geändert von Gansekiel am 25.10.2005 - 10:23, insgesamt 2-mal geändert.

Tamiel
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Beitrag von Tamiel » 28.06.2005 - 20:14

Hektisch blinzelte Tamiel den Regen aus seinen Augen, wischte sich abermals eine regennasse Strähne aus dem Gesicht. Sturzbäche rannen an seinem Körper hinab. Sein Kriegsrock klebte nass und schwer an seinen Beinen und seine Flügel waren bleiern vom Wasser. Mit jedem Meter, den sie flogen, hatte er mehr und mehr das Gefühl, dass die Wassermassen, die vom Himmel herab auf sie niederprasselten, sie schier gen Boden zu drücken versuchten.

Abermals drehte er im Flug leicht den Kopf, sah hinter sich, wo er die kleine Gestalt Rupeshiels gerade so ausmachen konnte. Sie kämpfte ganz schön.
*Nathaniel, wir sollten das Tempo noch ein wenig drosseln!* wies Tamiel den Urieliten, der voraus flog und ihnen den Weg wies, zum wiederholten Male an.
*Du machst das hervorragend, Rupeshiel!* richtete er sich anschließend in Gedanken an die junge Ramielitin, um ihr Mut zuzusprechen, ohne ihr das Gefühl zu geben, sie flöge schlechter als der Rest. Er vertraute einfach darauf, dass sie sich schon melden würde, wenn ihr die Kraft ausginge. Oder er es frühzeitig bemerken würde...

Tamiels Blick richtete sich noch nach links und rechts, wo Arcanael und Kiraniel in der vom Michaeliten gewählten Flugformation ihren Platz gefunden hatten. Doch die Formation beizubehalten war bei dem Unwetter eh kaum möglich und so sah Tamiel gerne darüber hinweg, dass Kiraniel im Kampf mit dem Regen ein wenig aus der Reihe geraten war. Man sah ja eh kaum etwas, hatte man nicht die guten Augen eines Urieliten..

Wieder richtete Tamiel seine eigenen Augen voraus, dorthin, wo irgendwo hinter der schier undurchdringlichen Regenwand ihr Ziel lag. Kurz meinte er Lichter ausmachen zu können. Lichter einer Stadt. Augsburg...
Ganz wohl war Tamiel nicht. Seit sie heute früh in aller Eile den Auftrag bekommen hatten, den Verbleib des Öls zu untersuchen, rumorte es schon in Tamiels Bauch.
Denn Augsburg war eine Diadochenstadt. Dazu noch eine recht ungewöhnliche, denn auch eine Niederlassung des Gabrielsordens sollte es hier geben. Für Tamiel eine höchst aufwühlende Vorstellung. Kirche und Ketzer Hand in Hand? Wie funktionierte das? Warum wurde es – von beiden Seiten – geduldet?
Tamiel war sich nicht ganz sicher, ob ihn die Vorstellung freuen oder beunruhigen sollte. In gewisser Weise bekam er hier zumindest zum Teil das bestätigt, was in ihm schon seit einiger Zeit für Verwirrung sorgte: Dass selbst die Ketzer nur Menschen waren, die den Schutz Gottes bedurften und ebenso verdienten.
Aber wollte er überhaupt eine solche Bestätigung?

Tamiel schüttelte den Kopf, strich sich erneut die Haare aus der Stirn. Er hatte hier einen Auftrag zu erledigen und keinen Freiflug erhalten, seine Gedanken zu klären.
*Nathaniel, es muss dort in der Stadt ein Gabrielskonvent geben! Sieh doch bitte, dass du uns dorthin lotst, damit wir uns ein wenig ausruhen, trocknen und orientieren können!* rief Tamiel förmlich über die Seele der Schar, um unnötigerweise den Regen zu übertönen, und ließ dabei die Nachricht auch an den Rest der Schar klingen.

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Beitrag von Cutter » 28.06.2005 - 22:38

Der Wind begann die Overtüre eines neuen Sturms zu spielen und Rupeshiel wollte nicht dabei sein, wenn der erste Akt begann...
Legionen von Regentropen fielen wie kleine Geschosse gen Erde. Abermals bäumte sich der Wind auf und erschwerte das vorrankommen der Schar auf ein neues. Strähnen über Strähnen der schwarzen feinen Haare hingen in Rupeshiels Gesicht und jedesmal, wenn die kleine Ramielitin, diese beiseite schob flog ihr eine neue Strähne ins Gesicht. Mit jedem weiteren Flügelschlag sogen sich ihr Flügel und ihr Ordensrock mit dem kalten Naß voll, dass ihren Körper nun in einem Griff der Kälte hielt und selbst ihr Schulterpanzer kalt wie Eis, auf ihrer nackten Haut ruhte.

Rupeshiel sehnte sich zurück, zu ihrem Ort. Dem Ort der Ruhe, wo die Kälte nicht in ihre Glieder fuhr. Dort wo sie angenehm kühl war ohne die Hände und Füße erstarren zu lassen. Doch Rupeshiel wußte, dass sie erst wieder dorthin zurückkehren konnte wenn sie es geschafft hatte. Sie musste den Konvent erreichen...Dann würde sie wieder dorthin zurückkehren können.

Leise begann die Ramielin, ein Gebet zu wispern, während sie weiter gegen den Wind ankämpfte und Tamiel ihr Mut zusprach, diese Hürde zu meistern.

Vater, Herr über Himmel, Erde
und alles was dazwischen ist -
in deine Hände befehle ich meinen Geist.

Lass mich nicht wanken und nicht zaudern,
denn du bist bei mir,
jetzt und immer,
wenn ich deiner Nähe, Fürsorge
und schützenden Liebe bedarf...

Du bist meine Stärke,
du bist mein Heil,
meine Hoffnung und mein Trost.
Du bist mein Licht in der Welt voll des Bösen,
meine behütende, bewahrende Kraft...
Du bist der, der mich in sich trägt,
der mich leitet und mich schützt.
Durch dich werde ich über das Unreine und Böse triumphieren,
durch dich werde ich die Widersacher des Lichtes
ihrer gerechten Strafe zuführen.
Selbst dann wenn ich mich allein, gebeugt
und verloren sehe.

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Beitrag von Cassandra » 30.06.2005 - 15:07

Hektisch wischte sich Kiraniel mit dem rechten Unterarm über die Augen. Der Wind trieb den Engeln den Regen erbarmungslos entgegen. Man konnte kaum etwas sehen.
Mehrere klatschnasse weiße Haarsträhnen hatten sich aus dem sonst immer so akkuraten Haarknoten der jungen Raphaelitin gelöst und klebten an ihrer Stirn. Die Enden des Votivbandes, welches um diesen Knoten geschlungen war flatterten aufgeregt im Wind.

Kiraniel kämpfte sich vorwärts. Sie hatte registriert, dass sie etwas von ihrem Platz in der Formation abgekommen war und bemühte sich, wieder in die richtige Position zu gelangen.
Sie hoffte nur, dass sie bald am Ziel wären, doch lange konnte es nicht mehr dauern, sie sahen Augsburg bereits unter sich.

Bald würde Nathaniel sie zu einem geeigneten Landeplatz lotsen und dann würden sie sich erst einmal ausruhen können, die klatschnassen Kleider loswerden und etwas verschnaufen... hoffte sie zumindest.

Kiraniel sah, dass auch Rupeshiel kämpfte. Der Weg von Nürnberg nach Augsburg war nicht sehr weit, aber das Wetter hatte den Engeln übel mitgespielt. Kleidung und Flügel waren schwer vom Regen und der Sturm machte das Fliegen so schwer.

Arcanael
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Beitrag von Arcanael » 30.06.2005 - 16:39

Auch Arcanael hatte sichtlich mühe, dem Sturm und dem Regen zu trotzen. Er hasste Regen. Gut, er hasste auch Sturm und manchmal auch den Sonnenschein. Wahrscheinlich konnte man es ihm ohnehin nicht recht machen.
Zähneknirschend bemühte er sich in der Formation zu bleiben und weiter voranzukommen.
Nathaniel, der vorausflog, war kaum zu erkennen. Nur eine verschwommene Gestalt war auszumachen.
Etwas besorgt blickte er allerdings hinter sich zu Rupeshiel. Sie war noch so klein und er machte sich ein bischen Sorgen ob sie das schaffen würde.
Er verwarf den Gedanken, zurückzufliegen und ihr zu helfen fürs erste.

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Beitrag von Ibn » 01.07.2005 - 14:31

'Hach! Regen ist toll!" dachte sich Nathaniel. 'Nach dem Regen riecht alles immer so gut. Die Wiesen, die Wälder, selbst Steine riechen anders und angenehm.... Hmmm.... Aber eigentlich ist Regen doof! Weil... da wird man immer naß bei! Und dann klebt immer alles an einem. Und überhaupt!' Er sah sich kurz nach seinen Schargeschwistern um. 'Und wenn wir noch langsamer fliegen, dann kommen wir heute gar nicht mehr an.' Er schüttelte den Kopf und hatte sogleich eine Strähne quer über dem Gesicht kleben, die er sich aber gleich wieder weg strich. 'Hach! Aber Regen ist toll.....' Und so kreisten Nathaniels Gedanken umher.

---

Sie überflogen auf ihrem Weg nach Augsburg Felder und Weiher, sahen Bauern und Fischer, die ihrem Tagwerk nachgingen und Ochsenkarren, mit denen Waren von einem Ort zum anderen gebrachten wurden. Mehrere Male musste Nathaniel die Fluggeschwindigkeit auf Tamiels Geheiß reduzieren, aber nach schließlich etwa 4 Stunden Flugzeit sahen sie vor sich die wuchtigen, alten Stadtmauern Augsburgs, die noch aus der Zeit davor stammten. Nathaniel setzte gemächlich zum Sinkflug an, die anderen würdem ihm schon folgen.

An der Stelle, an der sie die Stadtmauer passierten, befand sich gleich dahinter eine wunderschöne Parkanlage. Nathaniel juckte es in den Flügeln gleich dort zu landen um sich den Park näher anzusehen. Aber das würde noch warten müssen.
Erst als er seinen sehnsüchtigen Blick von diesm Park losreissen konnte, bemerkte er die kleinen Gässchen der Augsburger Altstadt, die unter ihm vorbei zogen und die im Vergleich zu den Hauptstraßen wirklich winzig und auch ein bisschen düster waren. Dann kamen sie am Stadtmarkt vorbei. 'Wie die da unten den Überblick behalten bei all den Leuten, Tieren und Ständen' dachte sich Nathaniel 'Vorallem, wenn sie ja nicht von oben runtersehen können!' Er schüttelte den Kopf und sah dann wieder nach vorne. Dort war auch schon das Konvent zu sehen.

*Wir sind wir da* meldete er an Tamiel und setzte dann zur Landung an. Am Boden angekommen schüttelte sich Nathaniel erstmal das Wasser vom Körper, bis ihm die Sinnlosigkeit seines Tuns gewahr wurde, weil es ja immernoch regnete. 'Du bist doof, Nathaniel!' dachte er sich und wandte sich dann dem nächsten Monachen zu, der in seine Nähe stand und bat diesen, sie gleich zum Ab zu bringen. *Rudolph hier wird uns gleich zum Ab bringen.* teilte er mit einem Lächeln Tamiel mit, der gerade hinter ihm gelandet war.

Als letztlich dann auch Rupeshiel gelandet war und ihre Kleidung etwas geordnet hatte, liessen sie sich von Rudolph zu Ab Josef bringen.

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Beitrag von Gansekiel » 01.07.2005 - 18:46

"Da schau her!" war der erste Kommentar den ein erstaunter Augsburger Bürger abgab, der gerade als Passant vor dem Konvent war, als die Schar landete.
Ein paar andere Augsburger guckten neugierig.
"Ich hätt mir die größer vorgstellt" bemerkte jemand.
"Red doch ned an Scheiß, Engl sind doch keine so altn Hammel wie du!" kam die prompte Antwort einer Frau, die das Wort Hammel allerdings liebenswürdig betonte und ihrem Mannsbild einen Klaps auf den Po gab.
"Mei, sin die liab" hörte man außerdem noch eine Marktfrau mit einem Karren begeistert ausrufen, und Tamiel war sich sicher, dass die einzige Tatsache, die sie daran hinderte einen von ihnen sofort an die mütterliche Brust zu drücken der war, dass Rudolf sie sofort ins Kloster einließ und die schweren Tore schloss.

"Tja, so sins die Augsburger. Das dürfts nicht so schwer nehmen, die meinen das nicht immer so. Ich bring euch am besten gleich zum Che.. Ab und wir... ahhh, da sind sie ja schon... danke" Rudolf nahm einer Begine fünf große Handtücher ab, die diese eilig herbeigebracht hatte und verteilte sie an die pitschnassen Engel.


Das Kloster wirkte weder besonders heimelig, noch abstoßend, sondern war funktionell gebaut, ohne Schnickschnack, aber sauber und gabrielsgefällig. Die Wege waren kurz und gerade, die Gänge breit genug für Flügel und die Insassen nickten freundlich, oder grüßten leise, wenn man ihnen begegnete, obwohl sie nur eine einzige weitere Begine antrafen.
Rudolf plapperte auch nicht, stellte keine Fragen sondern brachte die Schar einfach bis vor das Zimmer des Abtes, klopfte dort und ließ die Engel eintreten.

Der Ab wirkte erleichtert, als die Schar eintrat und stand sofort auf.
Ein zweiter anwesender Mann um die 40 mit einem enormen Schnurrbart, sah interessiert auf und erhob sich dann ebenfalls. Sein Blick war eindeutig als wirklich neugierig zu interpretieren.
Der Mann trug ein schlichtes schwarzes Gewand und man hätte ihn auch für einen Gabrieliten halten können, hätte nicht der Ab sofort die Schar mit einem
"Willkommen in Augsburg. Ich bin Ab Josef und dies ist Hermann Fugger. Wie gut, dass ihr gerade jetzt ankommt. Rudolf sei so gut und bring ein paar Hocker und Teetassen mehr."
begrüßte.

Tamiel
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Beitrag von Tamiel » 02.07.2005 - 14:51

Tamiel war froh, als Nathaniel sie endlich in tiefere Luftschichten lenkte und schließlich auf den Platz vor dem Konvent zusteuerte. Endlich würden sie sich ein wenig trocknen können, außerdem hatte der Michaelit langsam wirkliche Sorgen wegen dem neuesten Mitglied seiner Schar. Zwar hatte er bemerkt, dass Rupeshiels Flugfähigkeit der der meisten ihrer Ordensgeschwister überlegen war, doch war die Ramielitin einfach zu jung und ihre Flügel noch zu klein, als dass sie mit den Schargeschwistern, die allesamt älter und kräftiger waren, mithalten hätte können.

Der prüfende Blick seiner blauen Augen glitt über alles hinweg, was sie überflogen. Jede Gasse, jedes Haus prägte sich in sein Gedächtnis ein.
Kurz huschten seine Augen über die Menschen hinweg, deren Geschwätz er ja durchaus verstanden hatte! Sie sahen eigentlich nicht anders aus als die, die in anderen Dörfern im Herrschaftsgebiet des Erzengels Gabriel hausten. Keiner hatte irgendwelche abstrusen ketzerischen Dinge bei sich..

*Danke, Nathaniel* richtete Tamiel seine Gedanken freundlich an den Urieliten, *Aber bitte überlass das Sprechen drinnen mir..*
Dann trat der Michaelit vor, sah den Monach namens Rudolf selbstbewusst an: „Seid gegrüßt. Ich bin Tamiel von den Michaeliten. Bitte bringen sie mich und die Schar zum Ab des Konvents.. und sorgen sie dafür, dass wir uns trocknen können.“
Er lächelte ihm leicht zu, als bereits die Begine mit den Tüchern kam. Dankbar nahm er eins entgegen und rieb sich über die Haare und Schultern, während er dem jungen Mann ins Innere des Konvents folgte.
So ganz gefiel es ihm nicht, so patschnass vor den Ab treten zu müssen. Aber der Auftrag duldete wohl keinen zusätzlichen Aufschub, so dass man darüber hinweg sehen musste.

Mit einem leichten Kopfnicken und einer angemessenen Begrüßung stellte Tamiel sich schließlich Ab Josef vor. Sein Blick huschte mit einer Mischung aus Neugierde und Skepsis immer wieder zu dem anderen Mann.
Hermann Fugger...
Der Diadoche.
Noch ein wenig unsicher darüber, was er von dieser so unverhofften Begegnung halten sollte, rang Tamiel sich ein freundliches Lächeln ab und bedankte sich für den Tee.
„Das ist sehr nett. Und bitte verzeiht unser unangemessenes Auftreten, aber es ist doch ein recht ungemütliches Wetter dort draußen... Ich denke wir sollten die wichtigsten Dinge schnell klären, damit wir ein wenig Zeit haben, uns zu trocknen. Anschließend wird sich sicherlich noch Zeit finden, die Lage ein wenig genauer zu besprechen.“

Wollte Tamiel nur schnell wieder heraus aus der Anwesenheit des Diadochen? Ganz wohl zumindest fühlte er sich so nicht. Aus welchem Grund jedoch genau, das vermochte er nicht zu benennen..

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Beitrag von Cutter » 02.07.2005 - 17:01

Die Ramielitin hatte vor dem Flug auf das Kloster, das erste Mal seitdem die Overtüre des Sturmes begonnen hatte, durch den dichten Schleier aus Regen auf die Stadt Augsburg und ihre Besonderheiten blicken können.
Die vielen Kanäle weckten in Rupeshiel einen kleines Echo, des Heimwehs nach Prag, dort wo die Stadt auf dem Wasser gebaut war und nicht wie hier nur überall Känale durch die Stadt flossen.
Ihr Blick glitt ebenso über die Parkanlage Augsburgs und ein weiteres Echo wurde in ihr wach. Der Duft des Grases und der Bäume und besonders der Tannen, nach einem Regenguß, waren unvergleichlich. Genauso wie die vielen Tropfen, die sich an den Pfllanzen sammelten und im Zwielicht des Morgens wie Irrlichter oder Glühwürmchen aussahen.

Die Schar setzte langsam zur Landung an und durch die Monotonie der prasselnden Regentropfen, erschreckte es Rupeshiel beinahe, den harten Dialekt der Gabrielsländer wieder zu hören. Rupeshiel reckte ihren Kopf und strich sich die schwarzen Haarsträhnen aus ihrem Gesicht um wieder besser sehen zu können und zu schauen, wer da sprach.
Die Augsburger haben aber einen komischen Dialekt...beinahe so komisch wie in Nürnberg. Aber nett scheinen sie zu sein.
Die kleine Ramielitin stand erstaunt da und hätte gern mehr von den Leuten gehört, oder vielleicht sogar mit ihnen gesprochen, denn irgendwie konnte Rupeshiel immer noch nicht glauben, dass Augsburg nicht unter der Herrschaft der Gabrieliten stand, sondern eine Diadochenstadt war.

Schnell drehte sich Rupeshiel wieder um, als Rudolph der Schar das Tor öffnet und eine freundliche alte Begine, Rupeshiel ein Handtuch gab.
Rupeshiel begann sich zuerst mit dem Tuch durch die Haare zu wuscheln, da man Ordensröcke bekanntlich nicht trockenrubbeln konnte, wie Rupeshiel einmal in Prag feststellen musste und ihr Tuch nach dem Versuch total durchnäßt aber ihr Rock noch immer nicht trocken war.
Rupeshiels schwarze Haare waren nun, als sie das Tuch wegnahm, ein einziger Wust an Haaren und so legte Rupeshiel das Tuch schnell beiseite um ihre, scheinbar wie durch ein Wunder, trocken gebliebene Tasche hervor zu holen und nach einer relativ kurzen Zeit der Suche triumphierend einen Kamm in die Höhe hielt, mitdem sie sich sogleich durch die Haare fuhr um einigermaßen ihre Haare wieder bändigen zu können, was ihr auch nach einigen Strichen recht gut gelang und der Kamm so schnell sie ihn hervorgeholt hatte, wieder in ihrer trockenen, mit einem eisblauen Alpha und Omgega besticken Tasche verschwand, ehe sie zu Ab Josef hereingelassen wurden.

Rupeshiels Blick glitt zuerst auf die beiden, für Gabrieliten obwohl der eine ja der Diadoch Hermann Fugger und kein Gabrielit war, freundlich aussehenden älteren Männer, ehe der Blick der Ramielitin flink durch das Zimmer des Abtes huschte um alle Details aufnehmen zu können.
In den Zimmern von Äbten und anderen Kirchenoberen, so hatte Rupeshiel schon gemerkt, konnte man die wunderbarsten Sachen entdecken, wenn man nur danach suchte und als die Worte Tee und Hocker fielen, freute sich Rupeshiel noch mehr, denn so hatte sie mehr Zeit zum umschauen, zuhören und hoffentlich leckeren Tee zu trinken.

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Beitrag von Gansekiel » 03.07.2005 - 19:50

"Nun, ich war gerade im Aufbruch begriffen..." meldete sich der Diadoche zu Wort. "Und da ich heute noch einige andere Termine habe fand ich es freundlicher Sie gleich an Ort und Stelle zu begrüßen, anstatt einfach vorbei zu rauschen." fuhr er fort und siezte dabei die Engel, ohne auch nur einmal zu stocken.

"Ich werde es also kurz machen. Ich möchte Ihnen und Ihrer.. Schar sagt man, nicht wahr?... das Angebot machen in zwei Stunden zu meinem Haus zu kommen, wo wir alles weitere besprechen können. Natürlich nur, wenn Ihnen das recht ist. Leider drängt die Zeit und Ab Josef besteht darauf dass Sie die Sache in die Hand nehmen, so dass ich Sie schnellstmöglich über alles informieren möchte. Wenn Sie mir also freundlicherweise mitteilen lassen, ob sie kommen wollen, oder ich nocheinmal vorbeikomme.." sprach er weiter und sah dabei Tamiel an. Allerdings etwas unsicher.

Nur Rupehsiel fiel auf, dass der Diadoche ab und zu nervös blinzelte. Wie jemand, der es nicht gewohnt war mit Engeln zu sprechen, die wie Kinder aussahen, die man aber wie .. nun eben Engel zu behandeln hatte.
Auf jeden Fall war der Diadoche gut unterwiesen worden, wie er sich zu verhalten hatte.

Etwa, dass er mit dem Michaeliten sprach und nur ab und zu zum Rest der Schar schielte.

An Höflichkeit ließ er es jedenfalls nicht mangeln. Und er suchte seine Worte sehr bedachtvoll aus.
Auf jeden Fall wusste dieser Mann, dass Ramieliten Wahrheit und Lüge durchaus zu unterscheiden wussten. Er machte keine Umschweife daraus, dass es ihm nicht wirklich recht war, dass die Schar "die Sache in die Hand" nahm.
Beinahe wirkte es ein wenig gekränkt.

Trotzdem lächelte er höflich und sichtlich darum bemüht seine viel jüngeren Gegenüber nicht onkelhaft zu tätscheln.

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Beitrag von Tamiel » 04.07.2005 - 10:25

Es wirkte ein wenig steif, als Tamiels Blick zu Hermann Fugger ruckte, als dieser begann zu sprechen. Ohne einmal zu blinzeln sah er den Mann an, schien mit seinen stechend blauen Augen in dessen Kopf vordringen zu wollen.
In sein Haus?!
Kurz konnte man sehen, wie sich die Muskulatur in Tamiels Kiefer anspannte, als er fest die Backenzähne aufeinander biss. Unwillkürlich fing das Herz des Michaeliten an, stärker zu pochen. Sollte er das zulassen?

Tamiel war beinahe froh darüber, dass es in diesem Moment and er Tür klopfte und ein junger Monach hereingebeten wurde, der ihnen allen dampfenden, nach Früchten duftenden Tee brachte und ebenso einen Teller mit kleinen Gebäckstückchen auf den Tisch stellte.
*Nehmt euch nur.* forderte Tamiel seine Schar auf, nicht darauf zu warten, dass sie zuerst ihre Verhandlungen beenden würden.

Ins Haus eines Diadochen.. Ist das nicht gefährlich? Was wenn.. Aber nein, in Nürnberg weiß man, wo wir sind und dieser Mann würde es nicht wagen... überschlugen sich Tamiels Gedanken, während er einen kleinen Schluck Tee nahm, Fugger dabei aber nicht aus den Augen ließ.
Nur.. kann ich so ohne weiteres zusagen? Was denken dann die anderen von mir? Was, wenn sie melden, ich gehe zu leichtfertig mit solchen Dingen um?

Mit einem leisen Klappern stellte Tamiel das Porzellan wieder behutsam ab, richtete seinen strengen Blick, der so gar nicht mehr kindlich wirkte, wieder auf Hermann Fugger.
„Meine Schar, ganz recht“, erwiderte er und schickte gleichzeitig eine gedankliche Nachricht an eben diese Schar: *Was haltet ihr davon? Ich wäre geneigt, der Einladung nachzugehen, nur wenn einer von euch Bedenken hat, dann sollten wir es vorher gemeinsam besprechen. – Was wir aber in jedem Fall in den zwei Stunden tun werden.*

„Es ist ungewöhnlich für eine Schar göttlicher Boten in das Haus eines Diadochen eingeladen zu werden..“ meinte Tamiel um eine wenig Zeit zu gewinnen, in der er die Antworten seiner Schar einholen konnte, doch er klang weder überheblich noch feindselig. Sogar der Anflug eines Lächelns stahl sich auf seine Lippen.
Er hat seine Chance verdient. Er ist Diadoche und gezwungen mit uns zu kooperieren. Das ist für ihn ebenso schwer wie für uns.. Aber dass er kooperiert und ebenso lange im Schatten Nürnbergs überlebt hat, zeigt seinen guten Willen.. redete Tamiel sich ein. Teils zur eigenen Beruhigung, teils, weil er wirklich davon überzeugt war.. auch wenn er solche Gedanken nie leichtfertig laut ausgesprochen hätte!

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Beitrag von Gansekiel » 04.07.2005 - 10:55

"Nun, ihr.. Sie können das ja immer noch besprechen. Ab Josef, schicken Sie mir einfach einen Boten vorbei. Dementsprechend erwarte ich dann Besuch, oder komme in zwei Stunden nocheinmal vorbei und bringe Stadtschreiber Jonas mit...." schlug der Mann vor und verabschiedete sich dann nicht unbedingt herzlich, aber höflich vom Ab und den Engeln, ehe er das Zimmer verließ, da er offenbar wirklich nicht länger warten wollte, oder tatsächlich andere dringende Termine hatte.

Ab Josef wirkte sehr erleichtert, kaum, dass der Diadoche den Raum verlassen hatte und sackte ein Stück in sich zusammen. Allein die Tatsache, dass Engel anwesend waren brachte ihn dazu, sich sofort wieder aufzurichten und zusammenzureißen. Der Ab wirkte müde und angeschlagen.

"ich hoffe euch nicht zu sehr mit der Anwesenheit dieses Mannes belästigt zu haben, aber ich hielt es für klug, wenn Ihr ihn das erste Mal hier trefft. Er versteht es sehr gut sich in Szene zu setzen und beeindruckt die Menschen über die Maßen. Doch zeigt er sich immer kooperativ. Er ist überaus höflich, aber er versteht es seine Belange gnadenlos durchzusetzen. Natürlich würde euch in seinem Haus nichts geschehen.
Aber lassen wir das,... wenn Ihr mögt könnt ihr zunächst Eure Cella aufsuchen.. und den Tee mitnehmen und wiederkommen, wenn Ihr Euch gestärkt habt. Eure Cella ist gleich die nächste Tür links... " schlug der Ab hilfreich vor. Allerdings hatte die warme Luft, die im Kloster herrschte die Engel schon teilweise getrocknet.

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Beitrag von Cassandra » 04.07.2005 - 12:28

Kiraniel betrachtete gerade eines der Bilder, die die Wand der Cella des Ab zierten. Viel anderes gab es hier eh nicht zu sehen. Der Raum war sehr karg und pragmatisch eingerichtet. Sehr gabrielstypisch. Dennoch lauschte sie dem Gespräch zwischen Tamiel und dem Diadochen.
Als die Stimme des Michaeliten in ihrem Kopf erklang, glitt ihr Blick zu Hermann Fugger und musterte ihn nochmals eingehend.
Er war ausgesucht höflich und wirkte nicht zwingend unsympathisch. Doch scheute sich die Raphaelitin, allzu viel auf den ersten Eindruck zu geben. Womöglich war das alles nur Fassade.

*Nun, ich...* setzte sie zu einer Antwort an Tamiel an, als der Diadoche sie unterbrach und sich verabschiedete.
Sie beendete den Satz nicht mehr, denn die Schar würde nun genügend Zeit haben, das weitere Vorgehen zu beraten.
Auch war sie dankbar, dass sie sich für’s erste zurückziehen konnten. Trotzdem die warme Luft sie schon weitgehend getrocknet hatte, so war der feuchte Stoff des Rockes doch immernoch unangenehm auf der Haut.

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