Das Schweigen bleibt immer [Akibels Schar] Teil I

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trist-engel

Das Schweigen bleibt immer [Akibels Schar] Teil I

Beitrag von trist-engel » 28.05.2003 - 21:19

Es begab sich an einem regnerischen Tag... Regnerisch? Nicht dort wo sich Niriel zum gleichen Zeitpunkt aufhielt... im Himmel Gabriels, über den Wolken.

Als Niriel ihre Meditation einstellte und sanft die Augen öffnete war es ein Tag wie jeder andere.
Die noch sehr junge Gabrielitin langweilte sich, ihre Engelsweihe lag noch nicht lange zurück, sie diente in der Zwischenzeit nach ihrer Engelsweihe in einer Schar, jenes war jedoch nicht von Dauer denn kaum beendeten sie ihren ersten kurzen Auftrag, wurde ihre komplette Schar - mit Ausnahme von ihr zurück zu Gott gesandt.

Irgendwie vermisste sie ihre alte Schar... aber auch nur irgendwie.
Schnell verwarf Niriel jene Gedanken und widmete sich dem jetzt.
Sie betrachtete das edle Schwert, das vor ihr lag.
Wie für jeden Gabrieliten war auch für Niriel ihre Waffe etwas sehr besonderes.

Dann nahm sie ihre Waffe vom Boden und legte sie sich auf den Schoß.
Erneut schloß sie die Augen und berührte jeweils Klinge und Griff mit ihren Händen.
Ihre Atmung war ruhig... konzentriert...
Dann murmelte sie folgendes:

"Mit dir erstürmen wir Wälle / mit dir
überspringen wir Mauern / beseelt von deinem
Zorn. Wirf deine Schrecken auf die Frevler, oh
flammender Engel des Todes! / Erhoben hast du
dich / Gabriel, oh mächtiger Gabriel / und deine
Kirche triumphiert / auf das die Sünder gerichtet
werden vor deinem strahlenden Antlitz."

Nachdem sie das Gebet beendet hatte, richtete sie sich auf und befästigte ihre Waffe wieder Ordnungmäßig.
Niriel seufzte... wann würde sie wohl endlich einer neuen Schar zugeilt werden?

Sie begann zu grübeln...
Dann lächelte sie sanft... sie entschloß sich dazu einmal das rege Treiben auf der Flugplattform zu beobachten.
Gesagt, getan... schon befand sich die junge Gabrielitin auf dem Weg durch die schier endlos erscheinenden Gänge des Nürnberger Himmels zur Hauptflugplattform.
Auf dem Weg dorthin begegnete sie einigen ihr bekannten Personen... bzw. Engeln, Monachen und Beginen.
Schließlich erreichte sie die Hauptflugplattform...

Akibel
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Beitrag von Akibel » 28.05.2003 - 22:03

Langsam schälte sich die mächtige Krone der Nürnberger Engelszitadelle aus dem dunstig grauen Wolkenmeer. Nun, vielmehr schälte sich eine Michaelitin aus dem Wolkenmeer.

Akibel genoss die Sonne, die ihren durchnässten Körper sofort aufzuwärmen begann. Während sie sich mit kräftigen Flügelschlägen aus dem Griff der Regenwolken befreite, immer weiter nach oben strebte, lief Wasser unter den ledernen Lamellen ihres Brustpanzers ihren Oberkörper entlang und tropfte an undichten Stellen heraus, fiel tief, unglaublich tief, und verband sich auf dem Weg nach unten wieder mit dem Regen, der auf die gewaltige Wucherung herabstürzte, die den Namen Nürnberg trug.

Sie war irgendwie froh, endlich angekommen zu sein. Es war anstrengend, ohne einen Urieliten durch den Regen zu navigieren. Akibel blies einige Regentropfen von ihren Lippen und ihrem Kinn und strich im Fliegen einige durchnässte, dunkle Haarsträhnen aus ihrem Gesicht. Die Michaelitin blinzelte. Der Übergang vom Grau in Grau unter den Wolken und dem strahlenden Sonnenlicht hier oben stach in den Augen.

Nürnberg - der Ort, an dem die Engel wohl am unfreundlichsten zu Michaeliten waren. Nun, zumindest gab es hier sehr viele, die so handelten. Akibel wusste das nicht nur aus eigener Erfahrung. Daheim, in Roma AEterna, hatte sie schon viele Michaeliten betreut, die damit nicht zurechtgekommen waren. Die echte Schwierigkeiten mit den Engeln Gabriels gehabt hatten. Akibel kannte auch meist den Grund für diese Probleme. Und er lag beileibe nicht allein bei den Schwarzen Engeln.

Akibel fühlte keine Beklemmung oder Nervosität, wie so viele andere ihres Ordens, als sie auf dem grau-schwarzen, groben Stein aufsetzte. Sie neigte nicht dazu, sich Gedanken über Probleme zu machen, die sie noch gar nicht kannte.

Akibel sah an sich herunter und schüttelte langsam und missbilligend den Kopf, mit einem Lächeln auf den Lippen. Ihr Rock war völlig durchnässt, ihre Füße noch erdig von einer Zwischenlandung auf einem schlammigen Klosterhof. Die Bandagen an ihren Armen klebten an einigen Stellen eng an ihrer Haut, an anderen hingen sie traurig herunter wie Flechten an einem moosbewachsenen Ast. Ihre Frisur konnte Akibel nicht sehen, aber sie war sich sicher, dass es auch darum nicht besonders gut bestellt war.

Sie strich sich ihre Haare nach Oben aus dem Gesicht, so daß sie wenigstens ordentlich sehen konnte, und tapste mit nassen Füßen einer Engelslenkerin entgegen. Die Nieten ihres Brustpanzers quietschten leise bei ihren Bewegungen. Sie würde sie trocknen und ölen müssen.

"Ich grüße dich, Dienerin des Erzengels Gabriel", schickte Akibel der Begine entgegen, ein entwaffnendes Lächeln auf den Lippen. Die Michaelitin wusste ja selbst, wie abgerissen sie gerade aussah. Der Wolkenbruch hatte wirklich wenig Ansehnlichkeit übriggelassen. "Mein Name ist Akibel, und ich bin hier, um die Seele einer neuen Schar zu werden."

Die Begine verbeugte sich höflich und sah dann aufmerksam zu Akibel hinab. "Willkommen in Nürnberg, Akibel vom Goldenen Orden. Der Himmel Gabriels empfängt dich mit offenen Armen. Lass mich dich in eine Cella führen, in der du dich erholen und reinigen kannst. Mein Name ist Davi. Folge mir bitte."

Akibel nickte und ließ ihren Blick noch einmal über die Flugplattform und das ewige Wolkenmeer darunter schweifen, bevor sie der Begine folgte. Genau diesen Moment nutzte Davi, um Niriel, die jeden ankommenden Engel schon voller Vorfreude beäugte, hastig zu winken. Mit den Augen deutete die Engelslenkerin auf die Michaelitin und zwinkerte lächelnd. Davi war einst Niriels Nonna gewesen. Niriel hatte sich auch nach Abschluss ihrer Ausbildung noch an Davis aufopferungsvolle Pfege und ihren freundlichen Unterricht in der Sprache der Engel erinnern können. Eine der wenigen Dinge, die sie behalten hatte aus dieser Zeit. Alle Erinnerungen an diese anstrengende Zeit wirkten verschwommen, wie durch einen Nebel, doch Niriel wusste, dass das normal war. Allen Gabrieliten ging es so. Sie war damals der himmlischen Sphäre einfach noch zu nah gewesen, um alles auf der Erde genau wahrnehmen zu können.

Das war sie also, Niriels zukünftige Michaelitin! Davi schaute sofort wieder professionell drein, als der Engel, den sie führen sollte, seine Aufmerksamkeit wieder auf sie lenkte, und ging gemessenen Schrittes auf den Eingang zum Himmel zu, dicht gefolgt von der Michaelitin.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 28.05.2003 - 23:50

Niriel machte große Augen, musterte Akibel jedoch auch innig... jener Engel sollte nun also ihre Michaelitin sein.
Einen kurzen Moment grübelte Niriel ob sie jetzt einfach hinlaufen sollte... oder... oder ob sie es doch etwas höflicher und ruhiger tätigen sollte?

Niriel entschloß sich einen Mittelweg einzuschreiten.
Ruhig schritt sie auf Akibel zu, kurz hinter ihr begann Niriel zu sprechen.
"Sei mir gegrüßt Engel des Michael."
Ein sanftes lächeln umspielte die Lippen Niriels.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 29.05.2003 - 00:23

Akibel drehte sich im Gehen langsam um. Der warme Tonfall, der ihr von knapp hinter ihren Flügeln entgegenklungen war, ließ ihr von Regentropfenspuren durchzogenes Gesicht umgehend freundlich werden. Vor ihr stand eine kleine, makellos herausgeputzte Gabrielitin. Das Lächeln auf ihrem hübschen Gesicht war offensichtlich echt.

Akibel winkte Davi, um ihr zu zeigen, dass sie stehenbleiben sollte. Die Michaelitin blieb auch selbst stehen und drehte sich ganz zu dem jungen Todesengel um, der da vor ihr stand. Es schien der Begeisterung, die aus den Augen der Gabrielitin sprach, keinen Abbruch zu tun, dass Akibel aussah wie ein begossener Pudel. Nun ja, ein Pudel mit Flügeln zumindest. Auf dem Schulterpanzer der Michaelitin prangte ein rötlich schimmerndes, auf die Spitze gestelltes Viereck, in dessen Mitte ein kleineres Viereck ruhte. Breite, schimmernde Strahlen schienen aus dem kleinen Viereck durch die Ecken des größeren Vierecks zu schießen, aber wenn man länger hinsah, konnte man auch denken, dass die Strahlen erst durch das große Viereck in das kleine hineingeleitet wurden.

"Sei mir mindestens ebenso freundlich gegrüßt, Engel des Gabriel. Was kann ich denn für dich tun?"

Aus den ruhigen braunen Augen der dunkelhaarigen Michaelitin sprach aufrichtige Freundlichkeit. Ein dicker Regentropfen löste sich aus ihren Haaren und tropfte ihr Ohrläppchen hinunter, während sie das sagte.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 29.05.2003 - 00:30

Der junge Todesengel lächelte kontinuierlich weiter... schiere begeisterung machte sich im Gesicht der Gabrielitin breit.

"Ich... Ich glaube du bist meine neue Michaelitin."

Akibel
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Beitrag von Akibel » 29.05.2003 - 00:35

Akibel entblößte ihre makellosen Zähne, als ihr Lächeln noch breiter wurde. Die Gabrielitin war ihr extra hinterhergelaufen! Hmm... und gerade jetzt musste sie so durchnässt sein. Akibel nickte anerkennend und begrüßend zugleich.

"Nun, was der Herr zusammengeführt hat, soll sich so früh wie möglich kennenlernen."

Akibel zwinkerte der Gabrielitin zu.

"Mein Name ist Akibel. Es freut mich sehr, dir jetzt schon zu begegnen."

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 29.05.2003 - 00:41

Niriel musste kurz grinsen.
"Nun... ich bin Niriel, vom Orden des Gabriel!"
Sie sprach jenen Satz sehr Ausdrucksstark, und so erkannte man sofort wie stolz sie auf ihren Orden war.

"Aber... nun sollten wir Davi nicht weiter warten lassen... wir haben noch genug Zeit um uns auszutauschen."

Akibel
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Beitrag von Akibel » 29.05.2003 - 09:51

Akibel nickte grinsend, drehte sich wieder um und klatschte leise und unternehmungslustig in die Hände, um Davi zu zeigen, dass es weitergehen konnte. Nun, angesichts des kleinen Überfalls im Gang hatte Niriel die Zeit nicht zu kurz sein können. Vielleicht amüsierte sie daher die Tatsache, dass der Todesengel sich jetzt sogar selbst an Davi und ihren Weg in die Cella zurückerinnerte. So unpassend diese Umsicht an einem Gabrieliten auch wirken mochte, Akibel fiel sie durchaus positiv auf.

Davi führte sie in eine große Cella, die nicht minder spartanisch eingerichtet war als jeder andere Gästeraum des Nürnberger Himmels. Akibel war schon einige Male hier gewesen und mit diesem Umstand vertraut. Nur, dass die Gabrieliten in Engelscellae auch die Betten weglassen und gegen schwere Schemel ersetzen konnten. Akibel nickte Davi dankend zu, bat sie noch rasch um ein neues Gewand und Bandagen und entließ sie damit wieder nach draußen. Ein großer Wasserkrug, eine Waschschale und ein etwas unebener Spiegel ruhten auf einem Tischchen. Die Michaelitin bewegte sich zielstrebig darauf zu und begann sofort, sich von ihrer durchnässten Kleidung zu befreien.

"Du machst dir kein Bild davon, was dort unter den Wolken derzeit niedergeht", sagte Akibel in den Raum hinein, während sie die Schnallen ihres ledernen Brustpanzers löste.

"Setz dich doch. Und magst du eigentlich auch Tee? Ich würde mir später nämlich gern welchen holen, um mich ein wenig aufzuwärmen."

Akibel drehte sich halb zu Niriel um, als sie den Brustpanzer auf einen nahen Schemel legte. Ihr Oberkörper war noch nicht als weiblich zu bezeichnen, die Rundungen ihrer Brüste waren kaum sichtbar. Es war aber klar zu sehen, dass die Sigil der Michaeliten offensichtlich nicht halb so stark um die Muskeln des Oberkörpers und der Arme konzentriert war wie bei den Gabrieliten.

Akibel wickelte behutsam ihre rechte Armbandage und damit auch das von der Sonne gebleichte und immer wieder geflickte Votivband ab, das damit verwoben war. Dabei sah sie Niriel freundlich und ernst zugleich in die Augen.

"Und erschrecke jetzt bitte nicht. Ich werde jetzt ein kleiner Teil von dir, und du ein kleiner Teil von mir."

Akibel ahnte schon, dass dies das erste Mal sein würde, dass die junge Gabrielitin einen Michaeliten in ihrem Geist spürte.

"Hallo Niriel." Akibels Stimme war leise und warm zugleich und überdeckte rasch das zuerst merkwürdige Gefühl von unsichtbaren Fingern, die nach den Gedanken der Gabrielitin griffen.

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Beitrag von Foresmir » 29.05.2003 - 12:45

Sanft pendelte das Jojo im Wind, der den Himmel zu Nürnberg umspielte. Osariel saß regungslos in einer der großen, fensterartigen Öffnungen der Außenwand und ließ seinen Blick auf dem Jojo ruhen. Wie ein steinerner Engel verharrte er hier schon seit Stunden und lauschte dem Plätschern des Regens.
Sie hatten ihn hierher beordert und so wartete er nun, in freudiger Erwartung seiner neuen Schar. Unablässig prasselte der Regen gegen den prachtvollen Himmel und Osariels ausgestreckten Arm, sammelte sich an seinem Zeigefinger und rann in kleinen Bächen an der Schnur des schlaff baumelnden Jojos herab. Osariel war froh, dass ein kleiner Vorsprung über der Öffnung den Regen davon abhielt, ihn völlig zu durchnässen.

Gebannt schaute der Ramielit dem Wasser zu, das geschmeidig von seinem Spielzeug rann. Wasser. Das Element aus dem die unendlichen Weiten seiner Kathedrale der Gedanken bestanden. Sein Blick wurde glasig, fast wehmütig, als ihn die Erinnerungen an sein tiefstes Inneres überkamen. Osariel legte den Kopf leicht schief, atmete tief ein und versuchte die Sehnsucht die in ihm aufflammte zu überkommen.

Ein Räuspern ließ ihn aus seinen Träumereien aufschrecken und um ein Haar nach vorne stürzen. In diesen Momenten verfluchte Osariel seine ungeschickte Art. Langsam drehte er sich um, steckte das Jojo in seinen weiten Kriegsrock und erblickte die junge Begine, die ihn leicht belustigt ansah, dann jedoch um Fassung rang und schließlich ihr Gesicht zu einer nüchternen Maske erstarren ließ.

"Seid gegrüßt werter Engel. Ich nehme an ihr seid Osariel?" Der Ramielit nickte nur kurz, bevor die Begine weitersprach. "Ich hatte euch zuerst in eurer Cella gesucht, aber da ihr dort nicht anzutreffen wart, hoffte ich euch hier draußen zu finden und ...äh" Erst jetzt bemerkte die Novizin, dass sie wie ein Wasserfall sprach und verstummte plötzlich. "Nun... ich soll euch zu eurer neuen Schar führen. Seid ihr bereit?"
Wieder nickte Osariel nur kurz.

Zusammen mit der Novizin erreichte Osariel bald das richtige Stockwerk, wo er von ihr an einer dunklen Holztüre verabschiedet wurde. Ein letzter tiefer Atemzug, dann klopfte er an und wartete auf ein Zeichen von innen.

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Beitrag von Akibel » 29.05.2003 - 12:53

"Ja, bitte?", erklang es auffordernd von Innen.

Akibel sah zu Niriel und zog freudig die Augenbrauen hoch, nur um ihren Blick danach aufmerksam dem Zugang zur Cella zu widmen. Während sich die Tür öffnete, hörte sie nicht auf, ihren Schulterpanzer zu lösen. In dem Moment, als der Ramielit im Türrahmen auftauchte, legte Akibel ihn gerade mit einem metallischen Klacken auf den Schemel, auf dem schon ihr Brustpanzer lag.

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Beitrag von Foresmir » 29.05.2003 - 13:11

Osariel legte ein freundliches Lächeln auf, als er eintrat. Der erste Eindruck ist entscheidend, hatte ihm einst seine Nonna gesagt und diesen Rat hatte er sich immer beherzigt.

Als Osariel die Michaelitin erblickte, blieben ihm die Worte förmlich im Halse stecken. Seine zukünftige Michaelitin halbnackt zu erblicken war das letzte womit er gerechnet hätte. Blut schoss ihm in den Kopf und lies seine Wangen erröten.
"S...seid gegrüßt. Meine Name ist Osariel vom Orden des Erzengels Ramiel. Ich ... ich wurde eurer Schar zugeteilt."
Mit hochrotem Kopf nickte er beiden freundlich zu. Herr, lass diesen Moment schnell vorübergehen!, schickte er als Stoßgebet im Geiste an seinen Schöpfer. Er hasste Momente wie diesen, wenn alle Augen auf ihn gerichtet waren. Langsam schritt er zu einem der kleinen Sockel, auf denen die Engel zu meditieren pflegten und ließ sich nieder.

Aufmerksam musterten Osariels Augen die Michaelitin, derren Erscheinung im Moment nicht viel von dem üblichen Glanz ihres Ordens hatte und doch so strahlend schön und charismatisch war, wie es sich für einen Engel der ist wie Gott gebührt. Sein Blick wanderte weiter zur Gabrielitin. Auch sie erschien ihm ungewohnt freundlich.
Seltsam, dachte er so bei sich, doch im tiefsten Inneren spürte er ein wohliges Gefühl in ihm aufsteigen. Ja, hier würde er sich wohlfühlen.

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Beitrag von Akibel » 29.05.2003 - 13:35

Akibel folgte Osariel mit ihren Blicken, bis er sich auf einem Schemel niedergelassen hatte. Die rot angelaufenen Wangen des Ramieliten, der nicht viel älter als sie selbst zu sein schien, zeigten ihr deutlich, dass ihm die Situation unangenehm war. Nun... Akibel fürchtete, er würde sich daran gewöhnen müssen. Wenn sie sich reinigen wollte, konnte sie das wirklich nur in einem Kloster in einem getrennten Zimmer tun. Er würde mit der Zeit sicher begreifen, dass nichts schlimmes daran war. Immerhin trugen sie nur den äußeren Schein der Menschen.

"Ich grüße dich auch, Osariel vom Orden der Ramieliten. Ich bin Akibel. Willkommen in unserer Mitte."

Akibel achtete bewusst darauf, Niriel nicht selbst vorzustellen. Niriel war sehr stolz darauf, ihren Namen und ihren Orden zu nennen, und Akibel wollte sie das selbst tun lassen. Außerdem würde man aus der Art ihrer Vorstellung - und der Frage, ob sie sich überhaupt vorstellen würde - herauslesen können, ob ihre Offenheit gegenüber des Ordens der Michaeliten sich auch auf die Bewahrer des Wissens ausdehnte, die von den Todesengeln eigentlich am ehesten verachtet wurden.

"Du musst entschuldigen, aber es tobt ein wahres Unwetter dort unten, und es hat mich beinahe aus der Luft gefegt."

Akibel fuhr sich wie zur Bekräftigung durch ihr verstrubbeltes, dunkles Haar. Sie lächelte Osariel zu und wickelte sich nun auch die linke Bandage und das dazugehörige Votivband vom Arm. Jeder, der sie nun von hinten sah - wie etwa Niriel - , konnte erkennen, dass die Sigil der Michaeliten ihren gesamten Rücken, vor allem ihre Wirbelsäule, mit einem dichten Netz aus kunstvollen Linien überzogen hatte. Da waren also die Linien geblieben, die auf ihren Oberkörpermuskeln gefehlt hatten.

"Möchtest du vielleicht auch einen Tee, während wir auf die anderen warten?"

Es klopfte kurz, und Davi kam mit einem Stapel zusammengelegter weißer Stoffbahnen zurück. Akibels neues Gewand. "Ich danke dir", sagte Akibel zu der Begine und eilte zur Tür, um ihr ihre Last abzunehmen. Davi verbeugte sich und verschwand wieder nach draußen.

Die Michaelitin kehrte wieder zum Spiegel zurück. Davi hatte sogar ein Handtuch mitgebracht. Akibel rubbelte sich heftig die Haare trocken. Ihr Haar stand kreuz und quer von ihrem Kopf ab, als sie fertig war, und sie musste grinsen, als sie kurz in den Spiegel schaute. Dann rieb sie ihren Oberkörper und ihren Nacken trocken und setzte sich auf einen zweiten Schemel. Sie nahm ihr aus Lederlamellen bestehendes Brustschild auf und begann, es sorgsam trockenzureiben.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 29.05.2003 - 14:08

Niriel zuckte kurz zusammen, als ihre neue Michaelitin gedanklichen Kontakt zu ihr aufnahm.
"...Ha... Hallo..." sandte sie zurück.
Es war tatsächlich das erste mal, denn ihre erste Schar... darauf brauchte man garnicht weiter eingehen, sie hielt weder lange, noch ergab es sich dazu, das ihr damaliger Michaelit zu ihr geistigen Kontakt aufnahm.

Als die junge Gabrielitin das Klopfen von draußen vernahm, und im darauf folgenden Moment die sanfte Stimme der Michaelitin, setzte Niriel sofort einen etwas ernsteren Blick auf.
Ihr Blick wandelte sich nicht sonderlich als sie sah wer gerade den Raum betrat.
So so... ein Bewahrer des Wissens... ein Ramielit.
Sie hatte schon viel über die 'verweichlichten' Engel gehört, die sich lieber den ganzen Tag in ihren Schriftstücken versteckten, als den wahren Kampf gegen den Feind aufzunehmen.
Doch stimmte all das, was sie von ihren Ordensbrüdern und Schwestern gehört hatte?
Waren es nur Vermutungen? Nein... es würde sicherlich ein Körnchen Wahrheit drann sein.
Doch ihrer Meinung hatte selbst ein Bewahrer des Wissens eine gewisse Art von Respekt verdient.

"Sei mir gegrüßt... Bewahrer des Wissens."
Sie pausierte kurz, um dann in einem ausdruckstärkeren Tonfall zu sprechen.
"Ich bin Niriel, vom Orden des Gabriel... Streiter Gottes."
Nachdem sie jenen Satz vollendet hatte sah sie wieder zu Akibel und lächelte.
Zuletzt geändert von trist-engel am 29.05.2003 - 14:09, insgesamt 1-mal geändert.

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