Das Schweigen bleibt immer [Akibels Schar] Teil I

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Foresmir
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Beitrag von Foresmir » 02.06.2003 - 22:10

Osariel räusperte sich.
"Nun...", er nahm all seinen Mut zusammen, denn nun würden wieder alle auf ihn sehen, "...ich wüsste eine Geschichte."

Der Ramielit grübelte kurz. "Ich habe sie damals in einem alten Buch, das aus der Zeit vor der Sintflut stammt entdeckt und sie mir von einem meiner Brüder vorlesen lassen, der der Sprache mächtig war. Seltsame Geschichte wie ich finde, aber durchaus lehrreich."
Wieder räusperte er sich und fing dann an.

"Es trug sich zu, dass die Katze in einem Walde dem Herrn Fuchs begegnete, und weil sie dachte: Er ist gescheit und wohl erfahren und gilt viel in der Welt, so sprach sie ihm freundlich zu. "Guten Tag, lieber Herr Fuchs, wie geht's? wie steht's? wie schlagt Ihr Euch durch in dieser teuren Zeit?" Der Fuchs, alles Hochmutes voll, betrachtete die Katze vom Kopf bis zu den Füßen und wusste lange nicht, ob er eine Antwort geben sollte. Endlich sprach er: "O, du armseliger Bartputzer, du buntscheckiger Narr, Hungerleider und Mäusejäger, was kommt dir in den Sinn? Du unterstehst dich zu fragen, wie mir's gehe? Was hast du gelernt? Wie viel Künste verstehst du?" - "Ich verstehe nur eine einzige", antwortete bescheidendlich die Katze. "Was ist das für eine Kunst?" fragte der Fuchs. "So die Hunde hinter mir her sind, kann ich auf einen Baum springen und mich retten." - "Ist das alles?" sagte der Fuchs, "ich bin Herr über hundert Künste und habe überdies noch einen Sack voll Liste. Du jammerst mich, komm mit mir, ich will dich lehren, wie man den Hunden entgeht." Indem kam ein Jäger mit vier Hunden daher. Die Katze sprang behend auf einen Baum und setzte sich in den Gipfel, wo Aste und Laubwerk sie völlig verbargen. "Bindet den Sack auf, Herr Fuchs, bindet den Sack auf", rief ihm die Katze zu, aber die Hunde hatten ihn schon gepackt und hielten ihn fest. "Ei, Herr Fuchs", rief die Katze, "Ihr bleibt mit Euern hundert Künsten stecken. Hättet Ihr heraufkriechen können wie ich, so wär's nicht um Euer Leben geschehen."

Gespannt schaute Osariel in die Runde.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 02.06.2003 - 22:19

Akibel schloss über ihrem Tee konzentriert die Augen, nachdem Osariel geendet hatte. Dann öffnete sie ein Auge wieder und lächelte Osariel über den Rand ihrer Schale hinweg an.

"Eine schöne Geschichte. Aber so, wie du uns ansiehst... es steckt mehr dahinter, nicht war? Es ist ein Denkspiel."

Akibel öffnete jetzt auch das andere Auge und nippte an ihrem Tee. "Das ist es, was ich aus deinem Gesicht lesen kann. Aber weißt du was? Weiter hilft mir meine Kunst dabei auch nicht. Ich habe so etwas noch nie gemacht... etwas derartiges zu begreifen hat mir niemand beigebracht.

"Das ist wirklich schwer. Ich komme nicht drauf. Erklär es mir, bitte. Erklär mir dein Ramielitenspiel." Sie streckte Osariel verschmitzt die Zunge heraus und nahm dann noch einen Schluck Tee.

Foresmir
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Beitrag von Foresmir » 02.06.2003 - 22:41

Ein Lächeln umspielte Osariels Gesichtszüge. "Gerne doch."

"Die Geschichte besagt ja, dass einem alles Wissen dieser Welt nichts helfen kann, wenn es dann auf praktische Dinge ankommt. Der Fuchs brüstet sich mit seinem Können und seiner Weisheit, aber all das ist nutzlos, als der Jäger seine Hunde auf ihn hetzt."

Das Gesicht des Ramieliten nahm härtere Züge an. Nachdenklich ließ er seinen Blick etwas schweifen, bevor er weitersprach.

"Mir wurde damals klar, dass dies im Endeffekt die Arbeit meines Ordens und meiner Brüder und Schwestern in Frage stellte. Aber...," er machte eine kurze Pause, "...im Endeffekt ist es nichts als eine Art Geschichte für Kinder gewesen und daher nicht der Rede wert."

Mit einem gekünstelten Lächeln versuchte Osariel seiner Aussage Nachdruck zu verleihen.
Diese Geschichte hatte ihn durchaus beschäftigt damals. Viel mehr als er soeben gestanden hatte. Doch das sollte nicht die Sorge der anderen sein.

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Beitrag von Akibel » 03.06.2003 - 09:42

Akibel lächelte. Der Ramielit, der sich vorhin nicht einmal richtig getraut hatte, Niriel und ihr in die Augen zu sehen, diskutierte gerade ganz offen mit ihnen. Osariel spürte, wie sie das erste Mal Kontakt zu ihm aufnahm.

"Natürlich war das gerade der Rede wert. Siehst du. Es ist gar nicht so schwer, Freunden eine Geschichte zu erzählen."

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 03.06.2003 - 11:30

Niriel gähnte imposant und ausgelassen.
"Sollte das nun eine Geschichte sein wo es aufregend ist ihr zu lauschen? Es klang eher nach einer Geschichte die Mütter auf Erden ihren Kindern erzählen, damit sie einschlafen."
Niriel wusste das es nicht gerade höflich war so zu sprechen, aber so war sie nunmal, wenn ihr etwas nicht passte sprach sie es frei heraus.

Foresmir
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Beitrag von Foresmir » 03.06.2003 - 11:49

Osariel kicherte kurz und gab mit einem amüsierten Lächeln zurück "Nein natürlich war das keine spannende Geschichte."
"Wenn es um so etwas geht, bin ich mir sicher, dass du uns da viel eher etwas bieten kannst.", ergänzte er mit einem auffordernden Blick.

Als Akibels Stimme in Osariels Geist erklang, schauderte er wohlig. Dieses Gefühl war etwas, dass er schon eine Weile nicht mehr erlebt hatte und irgendwie empfand er es als äußerst intim und in diesem Fall wohltuend. Das Wissen, dass Akibel in seinen Geist eindringen, nicht aber seine Gedanken lesen konnte, lies jegliche Furcht oder Paranoia sofort verfliegen.
Osariel antwortete ihr nicht, lächelte sie aber wissend an.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 04.06.2003 - 23:21

Akibel schaute prüfend zu Niriel, nickte bedächtig und nahm noch einen Schluck aus ihrer dampfenden Teeschale.

"Hmm ja... ich hätte auch Lust auf was aufregendes. Fällt dir vielleicht doch was ein? Eigentlich müsste ein Gabrielit solche Geschichten ja am besten hinbekommen."

Akibel behielt ihren nächsten Schluck bedächtig im Mund und schluckte ihn erst nach einer Weile herunter. "Irgendwie muss das Feuer ja in das Land eures Erzengels gekommen sein, nicht?" Sie lächelte.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 05.06.2003 - 13:09

Niriel schluckte... damit hätte sie nun ganz und garnicht gerechnet.
Sie sollte eine Geschichte erzählen? Hätte sie doch besser den Mund gehalten.
"Ich... nun... also..."
Wollte sie beginnen, doch irgendwie klappte es nicht ganz so.
"Nun, ich könnte natürlich etliche Geschichten erzählen..." Sprach sie stolz... beinahe schon eitel.
"Doch... ähm... irgendwie finde ich in meinen Gedanken gerade keine passende."

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Beitrag von Akibel » 07.06.2003 - 19:42

Akibels Lächeln wurde noch ein Stück breiter. „Na gut“, sagte sie und stellte ihre Teeschale beiseite. „Dann werde ich wohl eine Geschichte erzählen müssen. Und es kommen auch wirklich keine sprechenden Tiere drin vor!“ Die Michaelitin zwinkerte Osariel zu und begann zu erzählen.

„In einer Zeit, die so lange zurückliegt, daß sich selbst das Meer nicht daran erinnern kann, war Friede im Himmel. Die Erzengel ruhten um Gottes Thron, denn sie waren noch jung, und ihre Flügel konnten sie kaum tragen, so zart waren die Federn noch an ihren makellosen Schwingen.

Alle sahen auf, als sie spürten, daß das ewige Licht Gottes nahte. Sie breiteten ihre Schwingen aus und sangen ihrem Herrn Lobpreis und Dank. Gott, der Herr grüßte sie alle, und die Liebe, die er für seine Boten empfand, strahlte aus seinem Blick. Doch dann wurde er ernst, und alle Engel verstummten. Er richtete den Blick auf einen von ihnen, um dessen Namen sich noch heute die Gelehrten streiten, und begann zu sprechen.

„Ich brauche dich“, sagte er, und der Engel wußte, daß der Tag gekommen war, für den er geschaffen worden war. Leise antwortete er seinem Schöpfer: „Ich bin bereit, Herr. Gebrauche mich, wie du willst.“

„Engel.“ Die Stimme des Herrn war ernst. „Um dich gebrauchen zu können, muß ich Dir deine Schwingen nehmen.“

Der Engel bekam Angst. „Herr, meine Schwingen willst du mir nehmen? Bevor sie mich überhaupt jemals durch die Lüfte getragen haben? Oh Herr, bitte nicht. Laß mich dein Wort auf diesen Schwingen in die Welt hinaustragen. Bitte, laß sie mir.“

„Engel. Wenn ich dir nicht deine Schwingen nehme, kann ich dich nicht gebrauchen.“

Die anderen Engel hielten den Atem an. Jeder von ihnen war froh, nicht an der Stelle des Angesprochenen zu stehen, und gleichzeitig empfanden sie tiefes Mitleid für ihren Bruder.

Der Engel zitterte, und sein goldener Blick flackerte, als er antwortete. „Herr, nimm mir meine Schwingen. Ich höre deine Worte, und ich gehorche.“

Doch es war noch nicht genug. Gott, der Herr sprach erneut zu seinem Engel.

„Mein Engel. Ich muß dir noch mehr antun. Ich muß deinen Leib in der Mitte durchschneiden, und ich muß dir dein Herz nehmen. Wenn ich das nicht tue, kann ich dich nicht gebrauchen.

Der Engel barg sein Gesicht in den Händen, und in Furcht kauerte er sich nieder, doch seine Stimme war voller Kraft, als er seinem Schöpfer antwortete. „Herr, schneide mich auf und nimm mir mein Herz, wenn es dein Wille ist. Ich höre und gehorche.“

Und so nahm Gott, der Herr seinem Engel die Schwingen, und er teilte seinen Leib und nahm sein Herz heraus. Dann trug er seinen geteilten Körper an einen Ort in der Mitte der Schöpfung. Aus einer Hälfte seines Leibes schuf er die Erde, und aus der anderen schuf er den ewigen Himmel. Seine Schwingen breitete er über die Welt, und aus jeder Feder, aus jeder Daune schuf Gott seine Lebewesen; Menschen, Tiere, Vögel und Fische bevölkerten die Welt. Das Blut des Engels wurde lebensspendendes Wasser, und sein weiches, makelloses Haar wurde zu Wolken, die am Himmel trieben. Das treue Herz seines Engels aber setzte der Herr an den Himmel, und das Licht des Herzens erleuchtete die Schöpfung und wärmte den Leib aller Kinder des Herrn.“

Akibel verstummte und schenkte ihren beiden Zuhörern einen Blick voller Wärme.

„Ihr seht, auch wenn man nicht begreift, welche Pläne Gott, der Herr mit seinen Kindern hat, soll man doch wissen, daß er in seiner Weisheit immer das Rechte tut, auch wenn man sich ängstigt, ihm zu gehorchen. Aus seinem Engel schuf er die Erde, und so viele Leben, und so viel Schönheit. Nachdem er die Schöpfung beendet hatte, soll er die unsterbliche Seele seines Engels wieder genommen und ihn zum zweiten Mal geschaffen haben, so daß er auch heute noch, mit ausgewachsenen Schwingen, den Willen des Herrn in alle Winkel der Schöpfung trägt. Denn Gott ist groß und gütig, und er liebt seine Engel so sehr wie alles, was er mit ihrer Hilfe geschaffen hat.“

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Beitrag von Foresmir » 07.06.2003 - 19:56

Gebannt lauschte Osariel den Worten Akibels. Als sie ihre Geschichte beendet hatte, atmete er schwer. Mit leicht zur Seite geneigtem Kopf lächelte er ihr zu, den Blick auf ihr schönes Gesicht gerichtet.

"Eine wirklich überaus schöne Erzählung.", war das einzige was er hervorbrachte in diesem Moment. Wer wohl der Erzengel war, den der Herr damals ausgewählt hatte? Eine Frage die Osariel beschäftigte, die er jedoch nicht aufwerfen wollte, um die wohlige Stimmung nicht mit einer hitzigen Diskussion zu zerstören.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 14.06.2003 - 19:59

Niriel grinste, was fast schon etwas 'verspielt' aussah.
"Na also... das ist doch schon besser."

Akibel
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Beitrag von Akibel » 16.06.2003 - 11:20

Akibel lächelte und trank ihre Teeschale leer. Niriel schien einfach nur die Geschichte zu mögen, während sie förmlich sehen konnte, wie Osariel über den Namen des Erzengels aus der Geschichte nachdachte. Es war ganz natürlich. Die Gabrielitin freute sich an den Gehörten, das jetzt für sie zu Ende und damit abgeschlossen war, während der Ramielit über die größeren Zusammenhänge nachdachte.

Akibel stand auf und nahm ihren Lederpanzer vom Hocker. Die Michaelitin zauberte ein Stück Stoff aus ihrem Rock hervor und polierte die Nieten, bevor sie das Brusttuch wieder auszog und ihre Rüstung wieder anlegte. Sie überprüfte den Sitz im Spiegel und nahm ihren neuen Kriegsrock. Sie wickelte ihn um ihre Hüften und löste dann die Gürtung des alten Rockes. Mit einem Rascheln glitt das schmutzige Gewand ihre Beine herunter und fiel lose um ihre Fußknöchel. Dann begann sie, den blütenweißen Kriegsrock mit den fünf Gurten wieder um ihre Hüften zu fixieren. Dabei summte sie ein leises Lied, dessen angenehme Melodie von den Wänden des Raumes wiederhallte. Sie wusste nicht genau, woher sie die Melodie kannte, aber manchmal hörte sie sie in ihren Träumen. Eine Frauenstimme hatte es ihr in diesen Träumen vorgesungen und Akibel dabei in warmen, weichen Armen gewiegt.
Zuletzt geändert von Akibel am 16.06.2003 - 11:47, insgesamt 1-mal geändert.

trist-engel

Beitrag von trist-engel » 16.06.2003 - 11:39

Niriel grübelte leise vor sich hin, während sie Akibel beobachtete.
"Was ist das für ein Lied?" Fragte sie neugierig.

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