Das Schweigen bleibt immer Teil III [Akibels Schar]

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Gansekiel
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Beitrag von Gansekiel » 15.03.2004 - 13:13

Eine trügerische Ruhe hatte sich über das Kloster gelegt, als es Nachmittag geworden war.
Ein wenig war man zur Normalität zurückgekehrt. Auch wenn dies bedeutete, dass die Totensalbung des Abs und seine Totenmesse zelebriert oder vorbereitet wurden.
Die Stimmung im Kloster war gedrückt und man konnte die unterschwellig brodelnde Wut darüber spüren, dass die Ketzer noch immer auf freiem Fuß waren.

Immerhin jedoch wurden die Engel kein weiteres Mal gestört.
Das Wetter hatte sich endlich beruhigt und die Sonne schien warm und golden auf die Stadt, es wurde sogar so heiß, dass man die Fenster öffnen konnte und innerhalb kurzer Zeit waren die Pfützen im Hof ausgetrocknet.
Von den Hügeln konnte man Grillen hören und mit dem Wind der von der Stadt heranwehte und leichten Fischgeruch mit sich brachte, hörte man auch die Rufe vom Hafen, vom Markt und dem Leben das dort unten trotz aller Vorfälle weiterging.

Es blieb friedlich bis man am Nachmittag den Tumult im Hof vernehmen konnte.
Ein Zug Templer marschierte dort ein... und schnell fanden sich auch Klostereinwohner die in verhaltenen Jubel ausbrachen.

Die Templer hatten neun Gefangene dabei.
Samiel glaubte fast den Fischgestank der von ihnen ausging bis zu seinem Aussichtsplatz riechen zu können.

Osariel hingegen erkannte vor allem das hämische Grinsen auf den Gesichtern der Totgeweihten, die von den Klostereinwohnern mit unverholenem Hass gemustert wurden.
"Freut euch nicht zu früh. Noch haben wir nicht alle Bastarde erwischt. Einige von ihnen scheinen gewarnt worden zu sein und sind in die Berge geflohen" meinte der Armatura grollend.
Er wirkte sichtlich missgelaunt. Für ihn war es eher ein Versagen gewesen als ein Erfolg.
"Wir müssen annhemen, dass die Bevölkerung .. zumindest einige Leute .. auf deren Seite standen."
Die Klosterbewohner wirkten geschockt und wütend als er das sagte, schließlich hatten sie immer gut für ihre "Schäfchen" gesorgt.

Für Kuriel war die Sache vielleicht klar. Hätte man die Schar geschickt um die Ketzer aufzuspüren, wäre das vielleicht nicht passiert. Aber nun waren einige der Ketzer entkommen.

Was genau passiert war wussten sie noch nicht. Es war wohl an der Zeit dass die Engel des Herrn eingriffen.

Kaum dass der Armatura gesprochen hatte, löste sich aus dem Schatten einer Mauer auch der Prälat. Wie lange er dort gestanden hatte war nicht zu sagen.
"Ich vermute, dass diese Leute nicht nur geflohen sind sondern auch außerhalb der Stadt ihre 'Stützpunkte' haben. Und sie werden ohnehin nicht weit kommen." Der Blick des Prälaten striff das Fenster hinter dem die Scharcella lag.

Von dem Engel war auf jedne Fall keine Spur, sonst hätten sie ihn sicher mitgebracht, oder?
Der Prälat schnitt das Thema nicht an... vielleicht weil er nicht wollte, dass man überhaupt im Kloster davon hörte, bsi es nicht sicher war. Sein Blick Richtung Fenster machte deutlich, dass er jedoch die Schar hier unten erwartete.
Zuletzt geändert von Gansekiel am 17.03.2004 - 20:48, insgesamt 1-mal geändert.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 16.03.2004 - 11:23

Hatte die Ketzerin im Kerker also endlich geredet? Vielleicht waren die suchenden Templer aber auch von selbst auf das Nest der Verbrecher gestoßen. Wie auch immer, Akibel bedauerte es, dass die Kirchenkrieger nicht aller habhaft geworden waren. Aber nun schien es an ihnen zu sein, die übrigen aufzuspüren. Die Michaelitin hoffte auf eine genaue Zahlenangabe des Armatura. Sonst würde die Suche eine sehr lange werden. Wenn man wusste, wie viele Ketzer man töten musste, wusste man auch, wann man mit dem Suchen aufhören konnte.

"Der Prälat sieht hier herauf", berichtete Akibel für die Mitglieder ihrer Schar, die nicht ebenfalls durchs Fenster sehen konnten. "Ich denke er will uns dort unten sehen." Die Michaelitin drehte sich um. Ihr neuer Kriegsrock roch nach würzigem Pfeifenrauch. Während einige Mitglieder der Schar in der Küche gewesen waren, hatte sie geraucht. Inzwischen trug sie wieder ihren ledernen Brustpanzer. Er war sauber, und die Nieten glänzten blitzblank. In ihren Augen blitzte der Schalk, und sie lächelte schief.

"Vielleicht sollen wir die Ketzer auch direkt im Hof hinrichten, damit alle es sehen können. Ich sag das nur, damit ihr euch darauf einstellen könnt. Wenn der Prälat das von uns verlangt, wird das der Auftakt zu unserer heiligen Pflicht sein, jeden einzelnen dieser Engelsentführer auszumerzen.

"Lasst euch nicht von ihnen provozieren. Man kann ihr Grinsen schon von ihr oben sehen, aber versucht, euch nicht zu unwürdigem Verhalten hinreißen zu lassen, egal, was sie zu euch sagen. Denkt daran, dass wir es ihnen schon bald ein für allemal aus dem Gesicht wischen werden.

"Kommt ihr?"

Sie nickte auffordernd mit dem Kopf und bewegte sich zur Tür. Akibels Hand ruhte auf ihrem Schwert. Nicht nur aus ihrer Mimik, sondern auch aus dieser Geste konnte man ersehen, wie sehr es die Michaelitin in den Fingern juckte, für Gott zu töten. Innerlich malte sie sich finstere Todesarten für jeden der Männer und Frauen aus, die einem Engel Gewalt angetan hatten, ganz gleich, ob dieser Engel Yuliel hieß oder nicht.

Schließlich betrat die Schar mit Akibel an der Spitze den Klosterhof.

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Beitrag von Gansekiel » 16.03.2004 - 15:35

Im Klosterhof stand der Prälat und auch der Armatura wartete.

"Ich grüße Dich Akibel und auch deine Schar!" sprach der hagre Ältere, während der Armatura sich leicht verneigte.
"In unseren Augen sind diese Ketzer schuldig. Wir werden sie auf alle Fälle richten, doch sei es an Euch sie zuerst zu befragen und falls Ihr es wünscht auch an Euch sie zu richten." meinte der Prälat. Den meisten Ketzern war das Lachen mittlerweile vergangen. Die Templer hatten es ihnen längst aus ihren Fratzen geprügelt.
Dennoch wirkten die meisten der Männer und Frauen, die nun in zerrissenen Gewändern vor ihnen standen, eher gleichmütig. Ruhig. Zu ruhig.

"Wir wissen, dass es irgendwo im Norden, außerhalb der Stadt einen Hof geben muss, wo sich der Rest verstecken kann. Wir haben zwar die Straße dorthin abgesucht und noch vier Männer losgeschickt die auf der Straße nach ihnen Ausschau halten sollen, aber noch keien Nachricht." meinte der Armatura. "Weit weg kann es aber nicht sein, denn sie sind höchstwahrscheinlich zu Fuß"

"Und da ist noch etwas Akibel", der Prälat beugte sich zu der Michaelitin und sprach sehr leise. "Der Engel muss noch in der Stadt sein. Ich kann mir nicht vorstellen, wie sie ihn hinausgeschmuggelt haben könnten!" Akibel konnte sehen, das er seine Stirn gerunzelt hatte, als wüsste er nicht, ob seine Vermutung nicht doch entkräftet werden könnte.
Zuletzt geändert von Gansekiel am 16.03.2004 - 20:21, insgesamt 1-mal geändert.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 16.03.2004 - 20:13

Akibel hörte Veralis gebannt zu. Richten und befragen ... und das hier im Hof? Aber natürlich. Für alle sichtbare Prozesse waren schon immer ein Mittel gewesen, das die Angelitische Kirche gern einsetzte. Doch nun war es das erste Mal an Akibel, einen solchen zu inszenieren. Für die anderen Engel ihrer Schar sicher auch.

Gleichzeitig hatten sie wenig Zeit. Je mehr Zeit sie mit der Befragung der Ketzer verbrachten, desto größer wurde der Vorsprung der fliehenden Ketzer. Außerdem musste der Engel gesucht werden.

Die Schaubefragung musste schnell gehen. Akibel musterte jeden der Ketzer mit vollkommen neutralem Blick. Sie brauchte schnell Informationen, und es war egal, welche. Den Menschen hier musste etwas geboten werden, damit sie sehen konnten, dass die Engel des Herrn hier waren und alles in Ordnung bringen würden. Die Einzelheiten würden der Prälat und seine Gehilfen aus den anderen Ketzern herausbekommen müssen. Es waren zu viele; die Schar würde nicht genug Zeit für alle von ihnen haben.

Während Veralis noch mit ihr redete, sprach die Michaelitin im Geiste zu ihrer Schar.

"Ihr hört ihn ja ... Er möchte, dass wir hier ein Exempel statuieren. Mitten im Hof, damit die Verängstigten unter den Klosterbewohnern wieder Mut fassen. Ich möchte euch vorwarnen ... es wird hässlich werden. Wir haben nicht viel Zeit, die anderen Ketzer sind auf der Flucht. Deswegen muss das hier schnell gehen, und das wird nicht ohne Brutalität geschehen.

"Ich brauche euch hier, Lokeshiel und Kuriel. Ihr seid Todesengel, und Dinge wie diese hier sind eure Aufgabe. Und ihr anderen: Bitte sagt mir, wenn ihr nicht dabei sein möchtet. Dann werdet ihr das nicht müssen. Dann werde ich eine andere Aufgabe für euch finden. Ihr wisst ja ... es gibt genug zu tun."


Der letzte Satz schien von einem gequälten und gleichzeitig scherzhaften Lächeln begleitet zu werden.

_Samiel_
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Beitrag von _Samiel_ » 17.03.2004 - 18:34

Schon wärend die Schar in den Hof schritt schien Samiel immer nervöser zu werden. Man sah es ihm nicht unbedingt an, wenn man ihn nicht genau musterte, seine Augen schienen sich einen Tick schneller zu bewegen als sonst und manchmal rieb er einfach unbewusst seine Finger aneinander. Die ganze Szenarie und der Gedanke an eine öffentliche Hinrichtung schüchterte Samiel ein.

Gewollt blieb er hinter den anderen Schar Mitglieder um den Ketzern nicht in ihre Gesichter sehen zu müssen. Es waren schließlich immer noch Menschen, selbst wenn sie vom Teufel verführt worden waren so war es doch nicht richtig sie einfach so vor einer jubelden Masse hinzurichten. Jedenfalls wenn er selbst dabei war.

`Akibel... es tut mir leid, doch ich will hier nicht bleiben..` Selbst in Gedanken schien Samiels Stimme ein Flüstern zu sein.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 19.03.2004 - 18:04

"Das ist in Ordnung, Samiel. Ich möchte, dass diejenigen unter euch, die hier nicht sein möchten, dem Armatura folgen, der die Ketzer gebracht hat, und mit ihm reden. Bitte fragt ihn, wo er die Ketzer gefunden hat und wie viele er genau fliehen sah. Und ob die Ketzer Schusswaffen dabeihatten. Währenddessen werden die übrigen hier ... dabeisein."

Kuriel
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Beitrag von Kuriel » 19.03.2004 - 23:07

Kuriel stand mit vor der Brust verschränkten Armen hinter Akibel. Die Ketzer waren sich ihrer Sache wohl sehr sicher. Dieses überhebliche Grinsen! Der Todesengel hatte es schon oft in den Gesichtern derer gesehen, die von ihm gerichtet werden mussten. Doch dieses Grinsen hielt nie lang. Egal ob es nun Ketzer, Versuchte oder schlimmere Kreaturen gewesen waren, früher oder später wimmerten die zuvor so selbstsicheren Geschöpfe nur noch um Gnade.

Der Herr der Fliegen, so meinte zumindest Kuriel, war vielleicht in dieser Welt mächtig, aber in der Welt nach dem Tod erwartete er seine Diener nicht so wie Gott es tat. Die Ketzer glaubten zwar, dass auch der Verderber für sie da sein würde, doch spätestens in dem Moment unmittelbar vor ihrem Tod konnte es Kuriel immer in ihren Augen sehen: Die plötzliche und schreckliche Erkenntnis, dass nichts mehr kommt. Der Gabrielit war nämlich der Meinung, dass Gott nicht allen verzieh. Was dies für sein eigenes Schicksal bedeuten würde, konnte er nach seinen Taten nur ahnen. Ein Grund mehr um am Leben zu bleiben. dachte er bei sich.

Kuriel fixierte mit eisernem Blick den ersten Gefangenen. Das Auftauchen der Engel schien ihn ein wenig verunsichert zu haben. Der Todesengel konnte die latente Angst fast wittern. “Akibel, ich stehe Dir gern zur Verfügung. Ich schlage vor Du suchst Dir einen aus und stellst diesem Fragen, falls er nicht entsprechend reagieren sollte bringe ich ihm zum Reden. Danach sollten wir ein Exempel an ihnen statuieren. Sämtlichen Sympathisanten muss klar sein, was es bedeutet sich an einem Ab der Kirche zu vergehen.“ Kuriel teilte dies der Michaelitin gewohnt emotionslos mit, doch Akibel wurde das Gefühl nicht los, dass der Todesengel sich auf diese Aufgabe freute.

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Beitrag von Rakariel » 22.03.2004 - 16:28

Der Raphaelit spürte wie wieder Kraft durch seinen Leib strömte, da ihm im Moment nichts lieber gewesen wäre als diesen verderbten Abschaum menschlichen Fleisches, augenscheinlich, in das zu verwandeln was sie in Wahrheit waren. Entstelltes Seelenloses Fleisch !

Doch war es nicht an ihm die Ketzer zu richten, er trug keinen schwarzen Rock. Die Todesengel des Gabriel war´n die Richtende Hand des Herrn, doch sein eigener Orden war in dieser hinsicht auch nicht zu unterschätzen.......

Er stand so dass er alle Ketzer sehen konnte, seitwärts, hinter der Michaelitin

"Akibel, Ich will erleben dürfen wie ihr Urteil vollstreckt wird, ihr Tod ist das mindeste was den Angriff auf Samiel, den Ab, und den Boten rächt "

Gespannt wartete er auf die Gerechtigkeit, die hier nun bald ihre Genungtung erfahren würde.
Zuletzt geändert von Rakariel am 22.03.2004 - 16:44, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitrag von Foresmir » 22.03.2004 - 16:38

Nur mit Mühe konnte Osariel verhindern, dass ihm der Schreck anzusehen war. Akibels förmliche Lust, hier und jetzt zu töten, überraschte ihn auf eine äußerst unangenehme Weise.
Nervös spielte er an dem Jojo in seiner Tasche herum, betrachtete die vorgeführten Ketzer und die Menschenmenge, die sich um sie herum scharte und beschloss, dem bevorstehenden Spektakel nicht beizuwohnen.
Sicher, es waren Ketzer und sie hatten Dinge getan, bei denen der bloße Gedanke einem schon den Schlaf zu rauben vermochte, aber der Tod war etwas, dass Osariel nicht geheuer war. Etwas, dass in ihm ein mulmiges Gefühl weckte, dessen Ursprung er bis heute nicht ergründet hatte.

"Ich bitte darum, hier nicht dabei sein zu müssen, Akibel."
Der Ramielit blickte etwas schüchtern zu der Michaelitin, die ihm in diesem Moment plötzlich so fremd vorkam. Osariel fröstelte.

Akibel
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Beitrag von Akibel » 23.03.2004 - 19:48

Akibels Blick blieb weiter auf die Ketzer gerichtet und erwiderte den Blick Osariels daher nicht.

"Dann soll es so sein, Osariel. Geh bitte mit Samiel, und nehmt den Armatura mit euch. Fragt ihn bitte, wo sie diese Ketzer aufgespürt haben und wie viele weggelaufen sind." Akibels Stimme war weder streng noch fordernd. Sie klang noch immer so freundlich und warm wie sonst.

"Samiel, Osariel, wir werden das hier gern allein tun. Dinge wie diese gehören zu den Pflichten der Michaeliten und Gabrieliten, aber eure Orden sind nicht wirklich dafür geschaffen. Ihr müsst nicht verschüchtert sein deswegen, oder euch dafür entschuldigen." Damit meinte sie Samiels Entschuldigung. "Wir werden bald wieder bei euch sein."

"Gut, Rakariel. Du wirst vielleicht nicht viel zu tun bekommen, aber das Bild des Heilenden Engels, der den Ketzern Heilung und Linderung der Schmerzen, die sie durch die Todesengel erfahren, verwehrt, wird den Menschen in diesem Hof sicher ein sehr starkes Symbol sein. Es ist gut, dass du hier bleibst", fügte sie mit ihrer sanften Stimme an.

Akibel beendete ihren Gang, der sie einmal an der Reihe der Ketzer vorbeigeführt hatte. Sie blieb kurz stehen und trat dann einige Schritte zurück. Ihr schwer zu ergründender Blick lag immer noch auf den Gefangenen.

"Samiel, Osariel ... bitte wendet euch nun ab und geht durch das Tor ins Innere des Klosters, fort vom Innenhof." Sofort nach dieser gedanklichen Botschaft hallte Akibels kindliche Stimme über den Hof. Sie war voller Gram und gleichzeitig voller tiefer Überzeugung.

"Seht her, ihr, die ihr wahren Glaubens seid. So urteilt Gott über jene, die auf sein Wort spucken, auf seine Kirche, auf seine Engel und auf seine Schöpfung.

"Sein Auge wendet er von ihnen ab, denn sie sind es nicht wert, dass sein gütiger Blick weiter auf ihnen ruht.

"Sein Gedächtnis wendet er von ihnen ab, denn sie sind es nicht wert, dass ihre Namen, Taten und Worte Eingang finden in die ewige Erinnerung des Himmels.

"Seine Heilung lässt er schweigen, denn sie sind es nicht wert, dass ihnen Rettung zuteil wird.

"Seine Stimme lässt er zu ihnen sprechen, damit sie hören, was ihre Strafe ist.

"Seine Schwerter lässt er zu ihnen sprechen, damit sie fühlen, was ihre Strafe ist."

Noch während Akibels letzte Worte über den gebannt lauschenden Hof hallten, hob sie ihre bandagierte Rechte. Mit ausgestrecktem Arm deutete auf einen Mann, der weit auf der linken Seite der Reihe kniete. Es war einer der Älteren, einer derer, die ruhig und trotzig zu ihnen aufsahen. Akibel wusste, dass sie diesen Mann hier nicht zum Reden bringen konnte. Also musste er das auch nicht. Er musste nur schreien.

"Gut, Kuriel. Deine Zeit ist jetzt gekommen. Aber noch werde ich nicht fragen. Man sieht es in den Augen von diesem da, dass er hier nicht reden wird, sondern höchstens fluchen und lästern. Deswegen soll er nicht reden, sondern schreien. Ich möchte, dass du ihn dir nimmst und ihm einen tödlichen, ungemein schmerzhaften Bauchstich zufügst. Du kannst dein Schwert entzünden, aber du musst es nicht. Es kann ruhig heftig bluten. Ich will, dass er schreckliche Schmerzen hat, aber noch nicht sofort stirbt, weil er ja langsam verblutet. Das hier soll ein Beispiel werden für das, was sie erwartet, wenn sie nicht sprechen. Ein qualvoller Tod."

In Akibels Stimme war bei diesen Worten natürlich keine Wärme mehr. Ihr Tonfall wirkte nachdenklich, aber beileibe nicht unangenehm berührt von dem, was nun kommen würde. Auch nicht von dem grausamen Befehl, den sie gerade gegeben hatte. Aber die Michaelitin war sich sicher, dass dieser Befehl, an einen Todesengel gerichtet, sicher Ausführung finden würde.

"Bitte tu das und warte dann, wenn du ihm den Bauchstich zugefügt hast. Ich werde dann noch etwas sagen. Aber halte ihn hoch, damit man die Wunde in seinem Leib sehen kann. Vor allem damit die anderen Ketzer die Wunde in seinem Leib sehen können."

Kuriel
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Beitrag von Kuriel » 29.03.2004 - 22:14

Der Todesengel nickte stumm. Langsam bewegte er sich auf die Gruppe der Ketzer zu. Die Augen der Menge ruhten gespannt auf dem hochgewachsenen Engel und den Ketzern kam es so vor, als würde mit jedem von Kuriels Schritten eine Uhr ticken, eine Uhr, die die letzten Minuten ihres Lebens zählte.

Elegant zog Kuriel das Flammschwert und hielt es auf halber Höhe mit der Spitze voraus vor sich. Er fixierte nicht gleich sein eigentliches Opfer. Es war wichtig, dass jeder einzelne von Ihnen die Möglichkeit in Betracht zog nun sein Leben auszuhauchen. Einem Gabrieliten fiel es nicht sonderlich schwer einen schmerzhaften und nicht umgehend tödlichen Schwertstoß auszuführen. Gewisse anatomische Grundlagen beherrschte jeder Todesengel. Es machte sie zu effektiveren Tötungsmaschinen.

Kuriel gefiel die Art des Vorgehens von Akibel. Kleine Maßnahme, große Wirkung. Warum auch sinnlos Zeit verschwenden? Der Todesengel hielt kurz inne als er sein Ziel erreicht hatte. Sein Opfer schien zu realisieren, dass er nun sein Ziel erreicht hatte. Das Ende nahte und wie Kuriel bereits geahnt hatte zeigten sich wieder die typischen Symptome eines verdorbenen Menschen im Angesicht des Todes.

Ohne eine Miene zu verziehen legte Kuriel seine Hand auf die Schulter des Ketzers und packte den hinteren Hemdausschnitt des verfluchten Menschens. Angsterfüllt blickte das Opfer des Todesengels auf dessen Hand um zu sehen was nun kommen würde. Genau das hatte Kuriel bezweckt, denn für ihn war immer der Überraschungseffekt besonders wichtig. Ruckartig rammte der Todesengel das Flammschwert in den Körper des Ketzers. Kein Wort entkam der Kehle des tödlich Verwundeten.

Kuriel nutze sein Schwert und den Griff am Nacken des Mannes um ihn in Richtung Akibel zu heben und damit die Ketzer sahen was mit ihrem Freund passierte. Der Mann schrie nun vortrefflich nachdem der erste Schock überstanden war. Langsam begann Kuriel nun das Flammschwert aus der Wunde des Ketzers zu ziehen. Es war wichtig, dass dies nicht ruckartig geschah, die Schockwirkung auf den Körper könnte sonst zu groß werden.

Als das Schwert sich wieder in der linken Hand des Engels befand reckte er es gen Himmel und hob den Ketzer auch weiter an, so dass jeder ihn sehen konnte. Die grau silbernen Flügel breiteten sich hinter dem Rücken des Todesengels aus als er das schreiende Opfer präsentierte. Das perfekte Mahnmal für jeden der auch nur daran dachte die Kirche zu verraten.

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Beitrag von Akibel » 30.03.2004 - 22:15

Akibel hatte den Arm gesenkt, sobald Kuriel vorgetreten war und hatte dem Todesengel bei seinem Werk zugesehen, um auch die Blicke der Menschen, die zuvor auf ihr geruht hatten, auf den Gabrieliten zu lenken. Aus den Augenwinkeln hatte sie jedoch weiterhin in Wirklichkeit die Reaktionen der Ketzer beobachtet. Sie ließ den schrecklichen und gleichzeitig faszinierenden Anblick, den Kuriel mit seinem tödlich verwundeten Opfer bot, einige Sekunden lang auf die Versammelten wirken, bevor sie sich wieder vollends dem "Publikum" zuwandte und erneut mit der Rechten auf den qualvoll verblutenden Ketzer wies.

Gut, das war jetzt schwierig. Sie wusste, dass die Ketzer sie verstehen würden, weil sie in ihrer Nähe stand, aber die Michaelitin wollte, dass auch die Menschen am Rande des Platzes sie über das Geschrei des Sterbenden hinweg noch verstehen konnten. Sie setzte Die Stimme unglaublich selten ein, aber sie hoffte, dass es nun wenigstens ausreichen würde, ihre Worte lauter erklingen zu lassen, ohne wirklich schreien zu müssen. So konzentrierte sie sich in der Zeit ihres Schweigens und hoffte, der dumpfe Druck und das Kribbeln, das sich langsam in ihrem Kehlkopf und in ihrem Nacken manifestierte, würden den Erfolg bringen, den sie sich erhoffte. Ansonsten würden die Menschen eben doch angestrengt hinhören müssen.

"Seht und erkennt!

"Dies ist die Strafe für die erbärmlichen Sünder, die selbst im Angesicht der Engel und der Diener Gottes schweigen und nicht bereuen. Langsam und voller Leid und Qual soll ihr Tod sein.

"Nur die, die bereuen und ihr Herz ausschütten, sollen rasch vor Gottes Gericht gelangen. Der Engel des Todes wird sie in ihrem Leid nicht warten lassen."

Akibel drehte wieder deutlich ihren Kopf, richtete ihren Blick erneut auf den schreienden Ketzer und zog die Augen der Menschen dadurch mit sich, wie sie es gelernt hatte.

"Sehr gut, Kuriel. Ich glaube es wirkt.

Töte ihn jetzt rasch, um den Ketzern zu zeigen, wie die einzige Gnade aussehen wird, die sie empfangen werden. Du weißt vielleicht, was ich meine. Brich ihm das Genick, oder setz ihn ab und köpfe ihn mit deinem brennenden Schwert. Tu was immer du willst, solange es schnell geht."


Aus den Augenwinkeln betrachtete die Michaelitin weiterhin die Ketzer. Akibel roch den Gestank der Fäkalien, die sich zusammen mit dunklem Blut aus den zerfetzten Gedärmen des Ketzers auf den Boden ergossen. Der Geruch eines Blutbads. Wie gut ich diesen Geruch kenne ... vielleicht schon zu gut. Den Ketzern würde der Gestank des schmerzhaften Todes sicher auch nicht entgehen.

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Beitrag von Gansekiel » 30.03.2004 - 23:55

Blut befleckte den Boden des Klosterhofes und sickerte wie zäher Sirup in die Ritzen des Pflasters, tränkte den darunterliegnden Boden. Der nächste Regen würde es wegwaschen!
Außer den nun leiser werdenden wimmernden Lauten, die der Ketzer von sich gab, war nichts mehr zu hören.

Niemand wagte es zu atmen. Die Zuseher wirkten wie erstarrt. Bleich und mit großen Augen starrten sie auf die Engel, die ihr Werk verrichteten ohne Ekel zu zeigen.
Das Licht der Mittagssonne fiel wie anklagende Finger in den Innenhof und beleuchtete die Szene zusätzlich, als wollte Gott, dass jedem Zuseher nicht die kleinste Einzelheit entging.
Der Geruch der Angst legte sich über die Anwesenden, als der Ketzer die Kontrolle über seine Körperfunktionen verlor.

Auf den Gesichtern der umstehenden Menschen spiegelte sich Genugtuung, Ekel, oder Mitleid, doch kaum Einer wandte sich ab. Schließlich waren dies hier Engel, die über die fehlgeleiteten Männer und Frauen richteten.
Nur ganz leise hörte man von weiter hinten davoneilende Schritte einer jungen Novizin, der das Ganze zuviel war.

Die Ketzer schienen sich zum Teil mit ihrem Schicksal abgefunden zu haben und auf ihren Zügen konnte man erkennen, dass sie mit ihrem Leben abgeschlossen hatten.
Doch bei Einigen erkannte man auf den immer bleicher werdenen Gesichtern auch die nackte Angst. Sie würden nicht für "ihre Sache" sterben, von der man sie irgendwie überzeugt hatte.


Diese Michaelitin dachte er hätte Angst
verdammt, ja... er hatte die Hosen voll bis oben.
Und er war wütend.

Die Fäuste geballt starrte er auf Vascez, der schreiend sein Leben aushauchte.
Das also waren die rächenden Engel!
So hatte er sie sich vorgestellt... sie würden ihn töten.
Und für was ?... Jose und der Rest waren einfach abgehauen.
Ohne sie!
Verdammt.

So hatte er sich das nicht vorgestellt.
Nicht so. Er wollte nicht wie sein Bruder sterben. Und nicht wie Vater.
Die gute Mutter Kirche... ja.. natürlich!
Gnade war den Engeln fremd. So hatte man es ihm gesagt.
"Und deshalb dürfen wir auch keine zeigen"

Und trotzdem... er wolle das nicht.. nicht so! Das war unmenschlich. Sie hatten gesagt, das alles würde klappen. Niemand hatte geahnt, dass eine ganze Schar hier ankommen würde.

Verzweifelt sah er hinüber zu dem Halbtoten. Der Gabrielit würde sie alle abschlachten.
Wie sie es verdient hatten... genau so.
Elendiglich verrecken würde er.

Er wollte nicht so sterben. Nicht so.

Ihm war übel.
Er hatte das Gefühl sich erbrechen zu müssen und sein Herz raste vor Furcht. Schweiß rann über seinen jugendlichen Körper, während seine Augen wie verängstigte Mäuse über die Szenerie huschten, als würden sie einen Ausweg suchen um nichts mehr sehen zu müssen. Dann schloss der Junge die Lider.


"Bitte..." hauchte er würgend. "Bitte tötet ihn... aber lasst ihn endlich!" japste er leise weiter. Seine Knie zitterten und er hatte eine Hand auf seinen Magen gepresst.
Sein grün und blau geschlagenes Gesicht und sein magerer Körper der in schlabbernde, dreckige Gewänder gehüllt war, die ungewaschenen Haare, die in schlampigen Strähnen von seinem Kopf herabhingen boten ein Bild des Jammers.

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