Das Schweigen bleibt immer Teil III [Akibels Schar]

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Akibel
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Beitrag von Akibel » 16.06.2004 - 13:17

Akibel sah Rakariel im Geiste näherkommen und sprang ein Stück zurück, als der Ketzer der Länge nach hinschlug. Sie zog ihre Flügel nach oben über ihren Kopf, um sich von den Schwingen des Raphaeliten nicht die Sicht nehmen zu lassen. Der Ketzer versuchte sich freizukämpfen, doch noch bevor er sein Kurzschwert heben konnte, trat Akibel mit ihrem Fuß auf die Klinge und hielt sie dort, wo sie war.

Die Michaelitin hatte ihren Stoßdolch nun in der Hand. Knirschend fuhr er in den Schädel des Ketzers, zweimal. Dann lag der Mann für immer still.

Akibel wischte die Klinge an der Innenseite ihres Kriegsrocks ab und stand auf. Sie nickte Rakariel dankbar zu und sah sich um. Zwei der Häuser brannten, mit oder ohne Leichen darin.

"Ich danke euch. Das war ausgezeichnete Arbeit. Die Erzengel können stolz auf uns sein."

Die Michaelitin machte einige Schritte gen Norden und sah sich weiter um, die Lage sondierend. Sie lächelte. Aber leider war noch keine Zeit zum Feiern. Es mussten noch einige Kleinigkeiten erledigt werden.

"Wir können aber nicht sicher sein, ob wir hier wirklich alle Ketzer erwischt haben. Vielleicht sind schon einige in den Wald verschwunden, bevor wir ankamen, oder es sind noch einige auf dem Weg hierher. Deswegen möchte ich, dass Osariel und Lokeshiel erst einmal nicht landen. Bitte schaut euch weiter um und behaltet auch den Weg im Auge.

"Wir anderen haben noch etwas zu tun. Kuriel, bitte stecke auch alle anderen Gebäude in Brand. Ich werde das Vieh freilassen. Ketzer, die irgendwann hierherkommen, sollen weder Nahrung noch Obdach finden.

"Osariel und Rakariel, an euch habe ich eine besondere Bitte. Samiel, gibt es im Umkreis einiger Tagesreisen noch andere Dörfer und Weiler? Wenn ja, dann möchte ich, dass Osariel und Rakariel jetzt gleich losfliegen und in diesen Dörfern landen. Bitte sagt den Dörflern, dass der Herr ein Ketzernest in der Nähe von seinen himmlischen Boten auslöschen ließ, aber dass es sein kann, dass einige Ketzer sich in den Wald geflüchtet haben. Sagt den Menschen deswegen, dass sie gegenüber Fremden, die in der nächsten Woche bei ihnen auftauchen, nichts dabeihaben als Waffen und Kleidung und um Obdach oder Nahrung bitten, argwöhnisch sein sollen. Sagt ihnen, dass diese Ketzer gefährlich sind und vielleicht mit Waffengewalt drohen werden. Wenn das passiert, wird der Herrgott den Dörflern mit Wohlwollen begegnen, wenn sie die Ketzer töten. Und das Vieh, das jetzt frei durch den Dschungel läuft, soll ihres sein, wenn sie es fangen können.

"Samiel, es wäre schön, wenn du noch ein wenig hierbleibst und mit aufpasst. Und ich glaube, du hast noch ein paar Pfeile aus Ketzern zu ziehen, richtig?"
, meinte sie mit einem hörbaren Lächeln.

"Ja, also... so hab ich mir das zumindest gedacht. Oder habt ihr auch einen Einfall? Hab ich etwas übersehen?"

Während Akibel sprach, ging sie schon zum Gatter hinüber, um es zu öffnen und die vom Feuer aufgeregten Tiere freizulassen.

Kuriel
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Beitrag von Kuriel » 16.06.2004 - 18:46

Kuriel nickte still. Die ganze Sache war ja relativ einfach gewesen. Eigentlich müsste man zufrieden mit solch einem Ausgang sein. Keine Verletzten in der Schar. Keine unschuldigen Opfer. Doch Kuriel war unzufrieden. Es war ein Fehler gewesen, dass die komplette Schar hierher geflogen war. Vielleicht hätten sie sich aufteilen sollen, so dass ein Team die Templer unterstützen konnte. Jetzt war es sicher zu spät und der Michaelit tot. Nun denn, auch wenn der Todesengel unzufrieden war, wusste er auch das es nicht zu ändern war. Nun galt es nur noch hier möglichst schnell alles dem Erdboden gleich zu machen und sich zurück zuziehen.

Mit entflammtem Flammschwert schritt Kuriel auf die restlichen Gebäude zu und entzündete sie. Er erledigte diese Aufgabe ohne die häufig von Gabrieliten gebrauchten Todesgebete. Kuriel war immer mehr ein Engel der Tat und nicht des Wortes gewesen. Bald schon brannten alle Gebäude lichterloh und der Todesengel wandte sich wieder in Richtung Akibel. „Ich denke, wir können wieder zurück fliegen. Für den gefangenen Michaeliten können wir sicher nichts mehr tun. Ich bezweifle, dass der Inquisitor mit „einer List“ etwas anderes als einen Frontalangriff mit Ablenkungsmanöver gemeint haben könnte.“ Sagte Kuriel überzeugt, denn so hätte er es zumindest gemacht.

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Beitrag von Zed » 16.06.2004 - 20:01

Wieder hatte sich Lokeshiel nur knapp vor einer gefährlichen Kollision wieder in die Höhe reißen können. Er liebte den Nervenkitzel, spielte ab und an noch immer wie ein kleines Kind...
Verschiedene Erinnerungen fluteten für wenige Sekunden seinen Geist, hielten ihn regelrecht gefangen.

Doch endlich vernahm er den Befehl der Michaelitin, der ihn zurück holte, und schnell schraubte sich mit kräftigen Flügelschlägen in eine angemessene Höhe, um dem nachzukommen. Die dunklen Augen glommen noch immer vom Rausch des Feuers. Er hatte sein Flammenschwert nicht einsetzen können in diesem Kampf und nun brannte das Feuer in ihm ohne genutzt werden zu können. Die Seele schrie nach Blut und Tod, doch er konnte nichts weiter tun, als mit direkt gierigem Blick nach einem unglücklichen, menschlichen Abschaum Ausschau zu halten, der seiner zweiten Hälfte diesen Wunsch erfüllen würde...

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Beitrag von Gansekiel » 16.06.2004 - 22:16

Rauch steig über dem Wald auf und kitzelte die Engel in der Nase. Es roch nach brennendem Holz und Stroh, aber auch nach etwas anderem. Irgendetwas stank furchtbar und verbreitete einen scharfen Geruch.
Der schwarze Rauch, der aus einer links vom Haus gelegenen Scheune aufstieg, machte deutlich, dass dort irgendwas besonders stinkend und die Luft verpestend verbrannte. Die Flammen schlugen dort bereits meterhoch aus dem Dach.


Von oben konnte Samiel in der Ferne im Wald eine weitere Lichtung ausmachen, vielleicht war dort noch eine Siedlung, denn ganz schwach kräuselte sich dort Rauch über den Baumwipfeln, doch ansonsten erstreckte sich unter ihnen nur der Wald. Jedoch ohne jede menschliche Bewegung darin. Dort unten war wohl niemand mehr am Leben.

Am Rand des Gehöftes, dort wo die Tiere waren, herrschte helle Aufregung. Die Schafe hatten das Feuer gerochen und wollten verzweifelt aus ihrem Gatter. Akibel musste aufpassen nicht über den Haufen gestürmt zu werden. Mit lauten Blöken, verschwanden die Tiere mitsamt der einzigen Kuh im Gatter im Wald.

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Beitrag von Osariel » 17.06.2004 - 22:39

Osariel hatte alles beobachtet, er hatte kaum gewusst wie, geschweige denn wo er angreifen hätte sollen und immer wenn es ihm so schien als hätte er das perfekte Fenster für seine Brandbombe gefunden, zögerte er und einer seiner Brüder kam ihm zuvor. Selbst den Ketzer bei Akibel hatte er gesehen, doch ehe er hatte antworten können, war Rakariel schon hinabgestürmt um ihn gemeinsam mit der Michaelitin seiner gerechten Strafe zuzuführen.

Es verängstige den Ramieliten etwas, wie das Geschehen an ihm vorbeizog ohne dass er wußte, wo er es beeinflussen sollte, doch zuletzt war er von der Leistung seiner Schar überwältigt.
Alles war so schnell gegangen, ganz sicher hatten sie so effizient gehandelt wie es nur ging.

Als Akibels Stimme ihn über die Seele der Schar erreichte, lauschte er auf und kreiste weiter über dem brennenden Haus, über dem die Luft ihn mittlerweile nach oben drückte, genau wie die Michaelitin es wollte.
Mit Rakariel gemeinsam Dörfler der Umgebung warnen?
Er versuchte sich zu entsinnen, wo er denn hier Dörfer gesehen hatte, doch sicherlich würde ihr Urielit ihn dabei um Weiten übertreffen.
So widmete er sich lieber schnell seinem Spezialgebiet und prägte sich Akibels warnende Worte für die Menschen gut ein um sie bei Bedarf in ihre Sprachen zu übersetzen, wenn Samiel ihnen gesagt hatte wohin es vielleicht ging.

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Beitrag von Akibel » 22.06.2004 - 09:57

"Du hast recht, Kuriel. Auch ich glaube nicht, dass der Inquisitor bei dem Sturm auf das Lagerhaus irgend etwas Sinnvolles auf die Beine stellen konnte. Vor allem nicht mit den absolut unfähigen Templern des Klosters. Aber wir können nicht an zwei Orten gleichzeitig sein. Wenigstens ist uns so die wichtige Aufgabe zugefallen, das Leiden und vielleicht den Tod eines Engels zu rächen. Und das haben wir geschafft. Wenn Yuliel jetzt im Himmel ist, sieht er sicher wohlwollend auf uns herab."

Akibel glaubte immer noch, dass es Yuliel war, der diese schrecklichen Qualen auf sich nehmen musste. Sie glaubte, dass ihre Träume einen Sinn hatten.

Akibel war rasch vom Gatter zurückgetreten, hatte den Tieren hinterhergesehen und dann nach oben, in die Lüfte, wo Samiel, Rakariel und Osariel sich schon auf den Weg in die umliegenden Dörfer machten.

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Beitrag von Ibn » 24.06.2004 - 11:49

Als Samiel Akibels Anweisung erhalten hatte, flog er kurz vor, um Osariel und Rakariel die Richtung zu weisen, in denen sie wohl die naheliegenste nächste Siedlung finden würden. Dann machte der Urielit kehrt und sah sich noch etwas die Gegend an. Er wollte sicher gehen, dass nicht noch irgendwo im Wald Ketzer versteckt hatten. Das er einen übersehen hatte, war schon schlimm genug. Aber Kuriel ging es wohl gut und so war es wenigstens nicht so schlimm gewesen. Aber in der Zukunft würde Samiel mehr auf der Hut sein.

Erst als sich er sich wirklich sicher war, dass in der umliegenden Gegend keine Gefahr mehr bestand, machte sich der Urielit daran seine wertvollen Pfeile wieder einzusammeln. Sie hatten ihm heute gute Dienste geleistet und sollten das auch weiterhin tun.

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Beitrag von Gansekiel » 28.06.2004 - 10:28

Der Wald in der Gegend war äußerst dicht und vor allem in den Tälern wie ein Filz, der die gesamten Hänge zu überziehen schien. Nur die Höchsten Gipfel schienen frei von Bäumen und in der Ferne leuchtete es ebenfalls grün.

Nur entlang des Flusses, der sich auch schlammbeladen und braun durch Cardonna wälzte, gab es einige kleinere Dörfer.

Im dichteren Wald dagegen schien es im nächsten Umkreis vor allem Einzelgehöfte zu geben, die meist auf kleinen Lichtungen lagen. Und auch von diesen konnte Samiel nur 4 oder 5 ausmachen. Die Nächste war eben jene, bei der etwas Rauch aufstieg.
Garantiert waren die Bewohner dort so oder so einzelgängerisch und kauzig genug um überhaupt JEDEM gegenüber misstrauisch zu sein. Und zu Fuß mochte es für diese Leute, die nur auf Waldpfaden vorankommen konnten, nach Cardonna sogar mehr als eine Tagesreise sein.
Interessanter waren da schon die größeren Orte am Fluss, aber ob sich dahin eventuell entkommene Ketzer zurückzogen, war mehr als fraglich. Dort gab es schließlich auch Templer und diese würde nach den Geschehnissen in Cardonna doppelte Vorsicht walten lassen -sofern es denn dort bekannt würde, was in Cardonna vorgefallen war.

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Beitrag von Gansekiel » 28.06.2004 - 10:55

Vorsichtig öffnete Marillo die Tür. Sie hatten sie nur mit einer Axt aufbekommen.

Diese verdammten Ketzer waren wirklich übel. Hinter der Tür war nämlich, wie er jetzt merkte, irgendetwas aufgestapelt.
Jede Menge Kisten.
"Jetzt reichts aber!" fluchte er leise. Der breite Templer im Dienste des Prälaten hob die Axt erneut.
Die Anderen wichen zurück und nicht wenige staunten über das Muskelspiel des enorm kräftigen, breitschultrigen Mannes, der sich kurzerhand mit der Axt Zugang verschaffte und alles kurz und klein hackte, was ihm im Weg war.

Sämtliche Türen waren nicht nur versprrt gewesen mit schweren Riegeln, sondern auch verbarikadiert. Sogar die Fenster hatten diese Burschen von innen vernagelt.
Irgendwo musste es von drinnen noch einen geheimen Zugang geben. Aber den suchten sie erst gar nicht.

Marillo schnaufte kaum, als er in einem Regen aus Holzspänen und Staub die Axt sinken ließ und sich in der düsteren Lagerhalle umsah.

Es war beinahe vollkommen finster und die Luft schmeckte abgestanden und schal. Und es stank gottserbärmlich.
Nach Fisch und Exkrementen.
Die anderen Templer folgten ihm und versuchten im Halnbdunkel irgendetwas zu erkennen. Die Lagerhalle war recht groß udn vollgestopft mit Gerümpel. Alten Schiffsrümpfen, die Teilweise vollständig verrottet waren, stinkenden Netzen und irgendwelchen seltsamen Teilen von denen das ein oder Andere an und für sich schon so aussah, als wäre es eine Anklage wegen 'Besitz eines ketzerischen Artefaktes' wert.

Der Hintere Teil der Lagerhalle war durch eine dünne Trennwand aus Wellblech oder ähnlichem abgetrennt und lag beinahe vollständig im Dunklen.

"Schafft Licht hier drin!" befahl er leise und seine Männer verteilten sich vorsichtig.
Schnell begannen sie, alle Ausgänge zu sichern und die Halle zu durchsuchen, und dabei von den hochgelegenen kleinen Fenstern die Verschläge abzureißen, damit man wieder etwas erkennen konnte.
Auch die Falltüre, die wohl irgendwohin hinaus in eines der angrenzenden Häuser - höchstwahrscheinlich das, das sie gestürmt hatten - führte, war schnell gefunden.

Morillo hingegen begab sich wachsam mit zweien seiner Leute zum hinteren Teil.
Dort versperrte ihnen eine weitere Tür den Weg, aber für Ihn stellte sie garantiert kein Hindernis mehr dar.

Mit einem Krachen beseitigte er sie und die Tür flog nur mehr so aus den Angeln.
Im gleichen Augenblick hörte man von drinnen noch ein leises, ersticktes Schreien, dann ein Gurgelen und dann Stille.
Morillo stürzte in den Raum und packte die Hüfte, des Michaeliten, der mit entsetztem Gesicht, den Kopf in einer Schlinge, von einem Seil baumelte.

Nachdem sie den dürren udn vollkommen verwahrlosten Körper abgeschnitten hatten, wurde den Männern klar, dass sie nichts mehr tun konnten.
Das aufsprengen der Tür, hatte über einen Seilzug den Schemel unter dem Michaeliten weggerissen.

Der Michaelit war an seinen Händen und Flügeln gefesselt und außerdem lagen dutzende große Schwungfedern im Raum.
Würgemale am Hals, des Engels zeugten davon, dass er bereits öfter vor Schwäche beinahe an diesem Strang ohnmächtig geworden war. Und er hatte nicht mehr die Kraft und Möglichkeit gehabt sich selbst hochzuziehen, als der Schemel weggerissen worden war.
Sein Genick musste gebrochen sein, denn jegliches Leben war aus dem jugendlichen Körper gewichen.

Bestürzt starrten die Templer auf den Toten.
Der Engel war derart zugerichtet, dass man auf den Ersten Blick nicht einmal genau sagen konnte zu welchem Orden er gehörte.
Beschmutzt und verdreckt, zum Teil womöglich mit eigenen Exkrementen und übersäht von Schürfwunden und blauen Flecken, bot er einen Anblick, bei dem selbst dem hartgesottensten Templer schlecht wurde.
Die Augen des Engels mit einem dreckigen Tuch verbunden. Und ein Knebel steckt in seinem Mund.
So abgemagert und krank wie der Engel aussah, hatte er seit Langem nichts gegessen und tagelang nichts mehr getrunken.

Keiner der Männer sprach ein Wort.
Aber in ihren Augen glomm ein Hass, der seinesgleichen suchte.

Hastig bezogen sie Aufstellung vor dem Verschlag. Das durfte niemand sehen!
Nicht einmal die Templer des Klosters selbst.
Im Schutze der Nacht würde man den, bis dahin gerenigten Körper ins Kloster bringen. Morillo war sich nicht einmal sicher, ob es besser war, dass der Michaelit tot war.

Kuriel
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Beitrag von Kuriel » 28.06.2004 - 19:55

Kuriel blickte in den Himmel. Immer wieder formten sich die Worte von Akibel in seinem Kopf zu dem von ihr gesprochenen Satz zusammen. „Wenn Yuliel jetzt im Himmel ist, sieht er sicher wohlwollend auf uns herab.“

Irgendwie hatte Kuriel noch immer das ungute Gefühl, dass sie den Michaeliten hätten retten können, wenn sie es versucht hätten. Aber nun war es nicht mehr zu ändern und vielleicht auch egal. Die Wege eines Engels endeten bei dem Herren. Cascael würde auf ihn warten und vielleicht hatte auch sie ihm verziehen und blickte nun wohlwollend auf ihn herab.

Manchmal, so schien es dem Gabrieliten, machte diese ganze Sache keinen Sinn mehr. Engel beschützen die Menschen vor Traumsaat, Traumsaat verbündet sich mit den Menschen und Menschen töten Engel. Vielleicht war es an der Zeit das menschliche Wesen in Frage zu stellen. Vielleicht waren die Menschen schon weitaus verbundener mit dem Herren der Fliegen als es den Anschein machte. Ein Gedankengang, den Kuriel für sich behalten musste, dass wusste er, aber trotzdem kamen immer wieder diese Fragen. Der Todesengel verwarf die ketzerischen Gedanken und ließ sie wieder in einer dunklen Ecke seines Geistes verschwinden.

Die Schar hatte überlebt. Eine Tatsache, an der Kuriel vorher gezweifelt hatte. Akibel hatte sich trotz aller Bedenken als gute Führerin herausgestellt und auch Rakariel schien nicht die Gefahr zu sein, für die der Todesengel ihn gehalten hatte. Kuriel wusste, dass er in dieser Schar auch nicht seinen Seelenheil finden würde, nachdem er für einen kurzen, törichten Moment daran geglaubt hatte ihn in Phionels Schar gefunden zu haben. Diese Schar war zu gut für ihn. Er brachte sie unnötig in Gefahr, denn Kuriel wusste, dass wo immer er war, der Tod nicht weit sein konnte. „Alles in allem ein guter Tag.“ murmelte Kuriel. Es wurde Zeit die Rückreise anzutreten. Neue Aufgaben erwarteten den Todesengel.

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Beitrag von Akibel » 29.06.2004 - 20:56

Während Akibel auf die Rückkehr der anderen Engel wartete, blickte sie nachdenklich auf die brennenden Häuser. Dunkler Rauch schraubte sich hoch in den wolkenverhangenen Himmel, aber nicht einmal der Regen würde die Flammen noch löschen können. Und das war gut so.

Die Michaelitin war froh, dass alles so wunderbar geklappt hatte. Ganz so, als hätte Gott unsichtbare Engel geschickt, die bei dieser Sache mitgeholfen hatten. Vielleicht sogar Yuliel selbst - wenn er wirklich tot war. Aber Akibel war sich ziemlich sicher. Es war schon unwahrscheinlich, dass die Ketzer ihn am Leben gelassen hatten. Dass die tölpelhaften Templer des Klosters ihn hätten retten können, hielt sie für noch unwahrscheinlicher. Ganz gleich, wie diese Geschichte letztlich ausgegangen war - der Befreiungsschlag, auf den sie keinen Einfluss gehabt hatten -, sie würde im Himmel zu Nürnberg eine Beschwerde gegen die unfähige Wachmannschaft des Klosters aufgeben. Vielleicht würde es ja etwas nutzen - und wenigstens dem nächsten Ab einmaö das Leben retten.

Akibel glaubte nicht, dass sie eine schlechte Entscheidung getroffen hatte. Sie hatte den Rachefeldzug gegen die Ketzer für mindestens ebenso wichtig gehalten wie die Befreiung des vermutlich toten Michaeliten. Und sie waren alle tot. Sollten sie hier verbrennen und verrotten wie die Tiere, die sie waren. Nein. Damit tat sie allen Tieren Unrecht. Sie waren noch viel schlimmer als Tiere. Aber wenigstens würden sie jetzt niemandem mehr schaden können.

Die Michaelitin war zufrieden. Ihre Aufgabe hatten sie hier vollkommen perfekt erledigt.

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Beitrag von Zed » 29.06.2004 - 21:42

Lokeshiel schaffte es schließlich doch noch, die wilde Glut in seinem Inneren zu beruhigen und sein Kampfrausch schmälerte sich nun zusehends. Langsam und die wachsamen Augen noch immer auf den Wald unter sich gerichtet, zog er am Himmel seine Kreise, verschmolz ab und an mit dem beißenden, schwarzen Qualm, der von den brennenden Häusern aufstieg.

Ein Werk, das diese Ketzer wohl jahrelang aufgebaut hatten, hatte sie innerhalb eines Tages in den absoluten Ruin - den Tod - getrieben. Doch wieso war es so vielen dieses Abschaums immer wieder möglich, so lange im Verborgenen zu agieren? Warum bedurfte es erst der Fehler dieser hinterlistigen Kreaturen, dass die heilige Mutter Kirche ihre Machenschaften entdeckte? Ob Gott dies geschehen ließ, um die frommen Menschen anzustacheln, sich noch mehr Mühe zu geben, noch wachsamer und vor allem misstrauischer zu sein? War es nicht besser, lieber einen Unschuldigen zu viel anzuklagen, als einen Verderbten laufen zu lassen?
Wenigstens waren ein paar der Ketzer ihrer gerechten Strafe nicht entgangen: Einem langsamen, qualvollen Tod. Zu oft war das schnelle Töten viel zu viel der Gnade. Doch manchmal blieb nichts anderes übrig...

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Beitrag von Ibn » 30.06.2004 - 14:41

Nachdem Samiel alle seine Pfeile wieder eingesammelt hatte, ging er auf die nachdenklich wirkende Akibel zu. Er wartete bis sie sich seiner gewahr wurde und sagte dann, "es gibt hier in der näheren Gegend nur noch so ein paar kleinere Gehöfe. Aber ich bezweifle, dass die Bewohner gegenüber Fremden aufgeschlossen wären. Ich habe Osariel und Rakariel den Weg zum nächsten beschrieben. Wenn Ketzer geflohen sind, dann kommen sie da noch am ehesten an. Aber es würde wohl noch den ganzen Tag brauchen alle anzufliegen."

Er sah in die Richtung, in die die zwei Engel unterwegs waren. Mit seinen geschärften Sinnen konnte er noch deutlich die Konturen der beiden ausmachen.

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